Das qualitätsjournalistische Reality Distortion Field

Ich finde ja eigentlich, dass genug auf Guttenberg rumgedroschen wurde. Ich finde gut, dass er zurückgetreten ist, das war damals absolut notwendig. Seine Rückkehr in die Politik jetzt anzugehen halte ich für sehr früh, aber da kann man sich sicher drüber streiten. Und grundsätzlich habe ich kein Problem mit einem Comeback. Jeder macht Fehler und Fehler sollten auch verziehen werden können. Vor allem solche.

Aber derzeit bin ich nur noch fassungslos. Guttenberg darf in der ZEIT und in einem extra herausgebrachten Buch unhinterfragt lügen. Er behauptet weiterhin, er habe nicht betrogen und die ganze, virtuos zusammenkopierte Doktorarbeit sei aus Schusseligkeit entstanden.

So dreist hab ich noch nie jemanden lügen sehen. Jeder, der einen Internetanschluss besitzt, kann sich innerhalb von 5 Minuten vom Gegenteil überzeugen. Guttenberg sitzt auf einem riesen Berg aus Scheiße und behauptet, er rieche nichts.

Man muss davon ausgehen, dass Die ZEIT, Di Lorenzo und alle Beteiligten das auch wissen. Warum helfen sie ihm dabei? Wie kann man sich das erklären? Welche Art von Reality Distortion Field glaubt die ZEIT produzieren zu können? Glaubt sie tatsächlich, dass sie gegen die Fakten anschreiben kann?

Aber gut. Versuchen wir das mal ernst zu nehmen. Sie wissen, dass sie Lügen verbreiten und machen es dennoch. Bewusst. Dann ist das sowas wie der Kampf zwischen zwei Realitätsarchitekturen. Auf der einen Seite die renommierte ZEIT mit dem altehrwürdigen, journalistischen Anspruch, auf der anderen Seite die zwingende Evidenz der offensichtlichen Fakten – für jeden zugänglich.

Es sieht so aus, als ob Di Lorenzo und Guttenberg es auf so eine Kraftprobe dieser Realitätsarchitekturen ankommen lassen wollen. So absurd das klingt, aber ich fürchte, außerhalb von unserer Internetblase erscheint das sogar machbar. Und das macht mir wirklich Angst.


mspro kaufen

Ich lebe in einer Gesellschaft, in der die erste Frage, die einem nach dem Kennenlernen gewöhnlich gestellt wird, folgende ist: „Und was machst du so beruflich?“ Das wäre an sich noch kein Problem, wenn nicht auf die Antwort „Blogger“ ganz unvermeidlich die Frage folgte: „Und wie verdient man damit Geld?

Ja, ich verdiene Geld, ja, es reicht zum Leben. Mehr schlecht als recht und eher meistens als immer. Aber es ist das Leben, das ich gewählt habe und es bedeutet auf der anderen Seite die völlige Freiheit. Das, was ich tue, könnte ich so niemals tun, wenn mich egal wer dafür bezahlen würde. Nichtmal an der Uni, auch nicht durch Beratungsaufträge, schwerlich mit Hartz4 und schon gar nicht als Angestellter von Firma X. Das, was ich tue, macht mir Spaß und ich will es genau so tun, nicht anders. Aber wenn ich sage, dass es nicht immer zum Leben reicht, dann schaue ich vor allem Dich an, September. Und ein bisschen auch Dich, Oktober. Manchmal kommt eben nicht so viel rein und ich bin ganz grauenhaft in Sachen Akquise. Etwas verlässlichere Geldquellen wären also prima.

Ich will hier also mal darlegen, womit ich mein Geld verdiene und auch gleich dazuschreiben, womit ich gerne noch Geld verdienen würde. (Oder womit ich gern noch mehr Geld verdienen würde). Und das ist, wie das bei Bloggern so üblich ist, ja meist mehr so ein Mix aus verschiedenen Dingen.

Flattr

Ich verdiene mit Flattr – und das sind die einzigen direkten Einnahmen durch meine Blogs – ca. 60 bis 80 Euro pro Monat. Dafür bedanke ich mich sehr herzlich für jeden einzelnen Klick! Das ist schließlich nicht nichts und ich freue ich mich auch weiterhin über jede Flattr-Wertschätzung. Dennoch bin ich froh, dass es noch die indirekten Einnahmen gibt. Einnahmen, die irgendwie auf meine Tätigkeiten auf meinen Blogs zurückzuführen sind, aber eben indirekt.

Schreiben

Eine Zeitlang klappte es prima für alle möglichen Medien zu schreiben. Vor allem letztes Jahr zur großen StreetView-Aufregung und über Wikileaks hatte ich gut zu tun. Das ist nicht vollends eingeschlafen, aber durchaus weniger geworden. Vor allem ist es nicht regelmäßig und sehr unberechenbar.

Und doch ist Für-Geld-Schreiben weiterhin ein wichtiger Pfeiler meiner Finanzierung und der will ausgebaut werden. Ich bin also auch weiterhin offen für alle möglichen Anfragen, für gutes Geld Texte zu schreiben.

Plattform für Artikel

Für die „erwachsenen“ Medien will ich ja nicht nur wegen des Geldes schreiben, sondern auch, weil ich hier und da eine größere Plattform brauche. Hin und wieder habe ich nämlich eine Idee für einen Text von allgemein interessantem Rang, die ich gerne unter die Leute bringen würde. Unter mehr Leute, als ich mit meinen Blogs erreiche. Das passiert mir nur so alle ein bis zwei Monate, aber es kommt vor. Oftmals liege ich dann auch richtig mit meiner Einschätzung und erziele mit meinen Thesen eine breite Diskussion.

Leider gelingt es mir in letzter Zeit oft nicht, solche Artikel unterzubringen. Mein Artikel über das politische Denken der Piraten zum Beispiel fand auch nach 3 Anläufen keinen Abnehmer, war aber einer der erfolgreichsten Artikel auf meinem Blog und hat eine nachhaltige Debatte ausgelöst. Es ist nicht das einzige Beispiel.

Kurz: ich bräuchte sowas wie eine „befreundete“ publizistische Plattform. Ein Medium, wo ich einen kurzen Draht zu jemandem Wohlgesonnenen habe, der zudem mit dem entsprechenden Sachverstand ausgerüstet ist und dem ich hin und wieder einen Vorschlag für einen Artikel schicken kann. Jetzt sagen gleich wieder einige „Fragen kannst du doch immer!„, aber darum geht es nicht. Ich hätte gern ein gewisses Vertrauensverhältnis, etwas Loyalität und auch den Mut meine nicht immer populären Ideen dennoch zu publizieren. Beim Medium selbst sollte schon eine gewisse Reichweite zur Verfügung stehen und ein fairer dreistelliger Betrag wäre auch schön. Eine weitere Bedingung wäre noch, dass, wenn der Text in Print oder sonstwo rausgeht, er zumindest auch online zur Verfügung stehen sollte (alles was nicht verlinkbar ist, ist der Diskussion irgendwie entzogen.) Wenn es dazu Anbahnungsinteresse gibt, bitte melden!

Kolumne

Bleiben wir noch kurz beim Schreiben. Ich habe hin und wieder eine Kolumne für Deutschlandradio.Wissen geschrieben und eingesprochen. 1500 Zeichen, zwei Minuten Audio. Ich fand das toll. Ich will sowas gerne regelmäßig machen. Gern für das Radio, oder Print, oder Online oder alles. Ideal wäre zum Thema Netzpolitik 1000 bis 1500 Zeichen, einmal die Woche. Wer mich als regelmäßigen Kolumnisten haben will, bitte melden.

Veranstaltungen

Wie der eine oder andere vielleicht mitbekommt, sitze ich häufig auf Podien oder halte Vorträge oder ähnliches. Das mache ich gerne und das bringt auch oft gutes Geld rein. Ich musste aber auch schon einiges absagen, weil ich es mir nur noch in wirklichen Ausnahmefällen erlauben kann, ohne Honorar aufzutreten. Das tue ich eigentlich nur noch dann, wenn ich zu denen Spreche, von denen ich selbst profitiere. Das heißt: vor der Community. Für Bildungseinrichtungen (z.B. Universitäten) bin ich grundsätzlich günstiger zu haben. Für Anfragen in dieser Richtung bin ich immer offen.

Ich halte Vorträge natürlich zu meinen Themen: Kontrollverlust, Queryology, Privatheit, Öffentlichkeit/Post-Privacy, politische Bewegungen im Netz, Transparenz, Plattformneutralität, Technikdeterminismus, Weltrevolution, Netzpolitik, etc. Ebenso bin ich natürlich auch für Pannels/Podien buchbar. Ich habe mir in dieser Hinsicht nur eine Einschränkung aufgelegt: ich lehne Pannels ab, wenn sie größer als zwei plus Moderator sind und keine Frau dabei ist. Beziehungsweise ich versuche dann ganz konstruktiv eine Frau vorzuschlagen. In reinen Herrenrunden diskutiert es sich blöd.

Unternehmen

Ich bin übrigens auch für Unternehmen buchbar. Wie mir zugetragen wurde, hat mein Begriff vom „Kontrollverlust“ in der Diskussion um Unternehmenskommunikation im Internet eine gewisse Karriere hingelegt. Wenn man sich das als Unternehmen also mal nicht von einem Social Media Berater erklären lassen will, stattdessen genauer wissen will, wo der Begriff herkommt und was ich darunter verstehe, kann mich natürlich auch einladen.

Projekte und sonstiges

Ich war jetzt in ein paar künstlerische Projekte eingebunden, bei denen ich textlich und konzeptionell was beigesteuert habe. Das ergab zumindest bei dem einen Projekt ein kleines aber regelmäßiges Einkommen, was ich grundsätzlich begrüße. Ich bin eigentlich schnell für sowas zu begeistern aber da Projekte leider immer gleich unkalkulierbar viel Zeit in Anspruch nehmen, bin ich natürlich auch wählerisch. Aber fragen kann man natürlich immer.

Twitterlesung

Auch wenn es auf Twitkrit in letzter Zeit etwas still geworden ist, machen wir ab und an immer noch Twitterlesungen. Manchmal auch für Geld. Und manchmal bin ich auch dabei. Bei Interesse am Besten Mail an kritiker at twitkrit.de schicken.

Geld

Ich bin immer noch dabei herauszufinden, wie viel Geld man für welche Dinge nehmen kann. Die Unterschiede, was da als angemessen angesehen wird, differieren extrem, weswegen ich hier keine Preise an die einzelnen Dienstleistungen geschrieben habe. Die Umstände sind ja fast immer speziell und den Rest muss man eben aushandeln.

Kontakt

Wer also irgendwas hier interessant findet oder eine ganz andere Idee hat, wie er mich mit Ruhm, Geld und Reichweite versorgen kann, schreibe mich an. Hier ist mein Impressum, mein Twitter-Account, mein Facebookprofil, hier mein Googleprofil. Danke für die Aufmerksamkeit.


Spendenaktion: und nu?

So kontrovers die Diskussion um die Spendenaktion auch verlief, so erfolgreich war sie. Für jeden Nöler gab es einen Spender und so kam die Hälfte der Spenden innerhalb von 24 Stunden zusammen. Vielen Dank dafür!

Leider ist seitdem nicht mehr viel passiert. Deswegen sei hier noch mal darauf hingewiesen. Es würde mich sehr freuen, wenn wir die Summe zusammenbekommen. Zum Spenden also bitte hier entlang.

Aber egal ob wir die Summe zusammen bekommen oder nicht, die Aktion wird bis Freitag, den 25. November 0 Uhr limitiert, damit @hoch21 nicht noch Ewigkeiten auf seinen Rechner warten muss.


Was am Montag war

Ich war ja am Montag bei der Friedrich Ebert Stiftung zum Thema Transparenz und Mitbestimmung und habe mit Björn Böhning diskutiert (obwohl es wenig zu diskutieren gab, weil wir uns in den meisten Punkten sehr einig waren).

Leider haben wir einige kontroverse Ecken nicht wirklich beleuchtet, dabei hatte ich mich genau dafür vorbereitet. Beispielsweise die Notwendigkeit der Transparenz der einzelnen Akteure (auch den Bürgers) in partizipativen Politikansätzen. Für das Publikum war es wahrscheinlich aber doch ein ganz guter Einstieg in das Thema. Unsere Diskussion beginnt im Video ab Minute 59.

Sehenswert sind die beiden Vorträge vor der Diskussion. Vor allem der Vortrag von Christian Humborg von Transparency International hat mich positiv überrascht. Er hat die Rede von der Transparenz sehr gekonnt und kritisch – sogar selbstkritisch – seziert und die wichtigsten Probleme herausgearbeitet. Zu sehen ab Minute 27.

Donnerstag und Freitag war ich noch bei einem Workshop der Deutschen Digitalen Bibliothek und habe dort auch einen Vortrag gehalten. Den reiche ich nach. Auf CTRL-Verlust.


meh

Nun hat sich @hoch21 positioniert zu der Aktion. Das ist auch vollkommen okay so. Er soll natürlich mit dem Geld machen können was er will. Das habe ich im Spendentext ja auch schon so angedeutet.

Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Leider habe ich das deutliche Gefühl, dass sich @hoch21 von dem Shitstorm hat einschüchtern lassen. Ich nehme ihm das nicht übel. Wer ihn länger liest, hat ein Gefühl dafür wie verletzlich er gelegentlich ist. Und hätte ich auch nur den Hauch einer Ahnung gehabt, in was für ein Getöse die Spendenaktion ausufern würde, hätte ich es sicher aus Rücksicht auf ihm gelassen. (Klar, ich hätte da drauf kommen können, wenn ich nur 5 Minuten nachgedacht hätte. Habe ich aber nicht. Ich hab das Ding von jetzt auf gleich zusammengeklickt und bin überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass es jemand doof finden könnte. Ja, das war naiv, diese Schuld nehme ich auf mich.)

Nun haben die Neider irgendwie gewonnen. @hoch21 ist zu Kreuze gekrochen. Er hat Abbitte geleistet, nochmal seine Bedürftigkeit betont und seine Bescheidenheit herausgekehrt, er hat selbst eingesehen, dass jemand wie er keinen teuren Rechner verdient und klar gemacht, dass er bereit und willens ist, künftig sein Leben durch ehrliche Arbeit im Schweiße seines Angesichts zu finanzieren. Jetzt findet ihr ihn wieder alle gut. Und vernünftig. Das hat er sich verdient. Jetzt schleicht er unter eurem Applaus wieder an seinen Platz, dort wo er hingehört und wir können weiter Gesellschaft spielen.

Ich nehme ihm das nicht übel, wie gesagt. Aber ihr kotzt mich sowas von an.


Neid

Ich habe kein Verständnis für Neid. Ich halte Neid für die Geißel der Menschheit. Ich halte sie für die Wurzel fast allen Übels und den Grundcharakterfehler des Menschen. Anderen Menschen Dinge nicht zu gönnen ist sicher einer der zuverlässigsten Konfliktherde in unserer Welt.

Ich konnte mit Neiddebatten nie etwas anfangen. Es sind kleinliche, es sind kleingeistige Debatten. Auch in der Politik. Ich habe es nie als ein Problem angesehen, dass Manager X so und so viel verdient. Ich gönne Klaus Ernst seinen Porsche und halte Oskar Lafontaine nicht deswegen für unglaubwürdig, weil er in einer Villa wohnt (sondern aus anderen Gründen). Ich halte es dagegen aber für einen Skandal, dass die Frisörin kaum ihr Leben finanzieren kann. Und Hartz4 halte ich für ein Verbrechen.

Ich habe kein Geld. Ich wohne in einer 30qm-Wohnung, esse jeden Tag Nudeln und bin trotzdem ich dauernd pleite. Aber ich würde mich nie hinstellen und behaupten, dass Irgendjemand nicht mehr verdienen sollte als Summe X. Wie käme ich dazu? Und wozu soll das gut sein? Wem nützt das? Jedenfalls ohne, dass es jemandem anderen zu gute kommt? Man macht die Welt nicht besser, indem man Leuten grundlos ihr Glück beschneidet. Man macht sie besser, wenn man den Unglücklichen hilft.

Ich bin ein fanatischer Fan der Umverteilung. Ich glaube, wir verteilen lange nicht genug um. Der Reichtum ballt sich in wenigen Ecken und immer mehr Menschen haben viel zu wenig zum Leben. Das ist ein riesiges Problem und es braucht radikale Schritte der Umverteilung, besser heute als morgen. Aber nicht, weil ich mich ungerecht behandelt fühle, sondern weil es das einzig Vernünftige ist.

Was ich für eines der größten sozialen Probleme halte: Neid. Ich bin überzeugt, Hartz4 war politisch überhaupt nur möglich durch den Neid in der Gesellschaft. Neid ist Hartz4s geistiger Vater. Der Schichtarbeiter schimpft über den „faulen“ Hartz4ler, der Büroangestellte über Florida-Rolf. Es wird geschimpft auf jeden, der nur ein bisschen besser dasteht, etwas weniger arbeitet, einen kleinen Obolus bekommt. Und alle ärgern sich, wenn der Nachbar ein neues Auto hat. Wenn es einem etwas – nur ein bisschen – besser geht, wird er wieder heruntergezogen. „Komm gefälligst wieder runter zu uns!“ Nur Elend ist moralisch. Wem es besser geht, ist „dekadent“.

Es ist genau diese Moral, die die Unteren unten und die Oberen oben hält. Es ist das, was Nietzsche die „Sklavenmoral“ nennt. Neid ist Skavenmoral. Wenn es sie nicht gäbe, die Herrschenden müssten sie erfinden.

Auch bei den Datenschutzdebatten kommt es immer wieder an diesen Punkt: „Ist es die denn egal, dass Firma XY mit deinen Daten Geld verdient?„. „Ja!“ ist meine Antwort. Warum zum Teufel sollte es mir denn nicht egal sein? Was hab ich denn davon, wenn die Firma kein Geld mit mir verdient? Was genau macht die Welt zu einem besseren Ort, wenn jemand kein Geld verdient? Ich verstehe die Logik nicht hinter dem Neid.

Ich habe mich gestern sehr erschrocken über die Reaktionen auf meine Spendenaktion. Vor allem, weil Menschen ihre hässliche Neidfratze gezeigt haben, von denen ich bislang etwas hielt.

Neid ist menschlich. Aber Neid ist falsch. Neid ist widerlich und es macht die Leute so unfassbar hässlich und klein und die Welt macht es zu einem ungastlichen Ort. Ich bemühe mich sehr, Neider nicht abgrundtief zu verachten. Denn Verachtung ist auch falsch.


Ein Mac für @hoch21

Ich hab es schon vor Wochen getwittert. Man müsste dem @hoch21 doch mal mit einer Spendenaktion einen neuen Mac spendieren. Dem ist nämlich sein Rechner abgeraucht und er kann sich keinen neuen leisten. Ich bekam viel Zuspruch dafür. Ich hoffte, einer würde mal eine Spendenaktion aufsetzen (Ich hab ja keine Zeit!). Aber wie das immer so ist. Bevor man „Jemand müsste mal …“ sagen kann, hat man es besser selbst gemacht. Ist ja Internet, geht ja schnell.

Alos zum Spenden hier entlang.

Der Spendentext:

Twitter ist mehr als nur Statusnachrichten in chronologischer Reihenfolge. Jedenfalls manchmal. Jedenfalls bei manchen. Twitter kann auch Kunst sein. Geistreiche Irritation. Zumindest gute Unterhaltung. Wenn man den richtigen Leuten folgt.

Wenn man @hoch21 in seinen Followings hat, dann ist das meißte aber schon geschafft. Kaum einen anderen Twitterer habe ich so viel gefavt. Selten hat mich jemand über so lange Zeit so gut unterhalten. Ich schulde ihm mehr als Harald Schmidt und Loriot zusammen. Und ich bin mir sicher, dass es nicht nur mir so geht.

Nun aber haben wir Gelegenheit ihm etwas zurückzugeben. @hoch21 ist sein Rechner abgeraucht. Er kann nur noch gelegentlich twittern. Unter widrigen Umständen. Er hat leider auch kein Geld sich einen neuen Rechner zu kaufen.

Das muss er auch nicht, finde ich. Den Rechner sind wir ihm schuldig. Mindestens. Außerdem können wir eine Spende dafür durchaus als Investition in den Humorgehalt unserer Timeline betrachten.

Und weil ich finde, dass @hoch21 immer von überall her twittern soll, will ich dass er ein Macbook haben soll. Pro. Oder Air. Was immer er haben will. Und vielleicht sogar Software dazu. Deswegen setze ich die Summe mal auf 2500 Euro an.

(Ich hab @hoch21 nicht gefragt was er haben will und mache das hier eh ohne Auftrag und ohne sein Wissen. Aber bestimmt in seinem Sinne.)

Bei Twitkrit habe ich auch was dazu geschrieben.


Charlie und das Paradox

Ich lese gerade Charles Stross Accelerando. Ein technologisches Singularitäts-Science Fictionbuch. Ich bin etwas überfordert, weil Stross neben der vollkommen durchgedrehten Handlung auch noch so ein schwieriges Englisch benutzt, so dass ich fast jedes zweites Wort nachschlagen müsste. Müsste. Tu ich natürlich nicht und versteh dann nur die Hälfte. Egal.

Jedenfalls ist es so, dass dort ein Team von Leuten auf Expedition durch das Sonnensystem aufbricht. Sie tun das in einem Cola-Dosen-großen Raumschiff. Das geht, weil dort nicht wirklich Menschen sondern nur die resimulierten Instanzen von ihren virtualisierten Persönlichkeiten drin stecken.

Total super! Ich mein, wenn mich jemand fragen würde, ob ich für viele Jahre im Weltall herumirren will, dann sage ich vermutlich erstmal nein, obwohl es mich natürlich reizen würde. Aber ich stell mir das Leben auf der Erde irgendwie doch spannender vor. Jedenfalls die meiste Zeit.

Aber wenn ich die Möglichkeit habe, hier zu bleiben und nur eine Art Klon – eine geforkte Instanz von mir – da hinzuschicken, dann ist das ja auf einmal gar kein Problem mehr, oder? Man kann einfach beides machen.

Naja. Wenn dieser Fork nun in der Welt ist, dann ist er ja auch ich. Mit den selben Überlegungen und Entscheidungsparametern wie ich. Und auch den selben Möglichkeiten. Er wird sich also auch fragen: „Warum soll ich gehen? Ich kann doch eine Instanz von mir schicken?“ – Dann macht er eine Instanz von sich, die sich dann wieder fragt, warum denn nun ausgerechnet sie gehen soll und so weiter.

Am Ende wäre die ganze Welt voller mspros! Aber kein einziger im Weltall. Naja, wär ja auch ganz lustig.

Aber das weitaus größere Paradox ist eigentlich, wieso Charlie Stross – der sich solche durchgeknallten Singularitätswelten ausdenkt in denen wir fröhlich unser Bewusstsein durch die Gegend herumkopieren im Heute den Privacy-Paragraphenreiter macht.

Oder grundsätzlicher: wie gehen Mindupload und Datenschutz zusammen?


StartUp-Ideen zum Mitnehmen

Gibt es Entrepreneurs die hier mitlesen? Weil: ich bin nämlich keiner. Werd ich halt nicht reich. Macht aber nix, wollte ich eh nie werden.

Ich hab aber dennoch tolle StartUp-Ideen. Finde ich. Und weil ich sie eh nie umsetzen werde, teile ich sie lieber mit euch. Denn dann gründet das vielleicht einer und ich kann den Kram dann wenigstens nutzen. Denn natürlich denke ich mir nur sau geile Sachen aus, die ich auch selbst gerne nutzten würde. Und natürlich basieren all die Ideen auf meinen Überlegungen zur Queryology.

1. Die Postprivacy-Cloud

Es ist schlicht und plump der radikalst mögliche Ansatz sowas wie „Postprivacy“ herzustellen. Also ein Cloud-Service für die Self-Tracker und QuantifyYourself-Freaks aber eben für das „ganze Leben“ (TM)!

Wir reden hier also erstens von einem Streamingservice, der Bewegtbild und Tonspur 24/7 von den – spätestens in 2 Jahren existenten, unauffällig in Brillengestellen integrierten HD-Cams mit Streamingmodul – überträgt. Dazu, klar, GPS-Location, allerlei Telemetrie, Blickrichtung, Köperfunktionsdaten, Hirnströme, Whatsoever. Kombiniert wird das mit der Browserhistory und allerlei anderen Krams. Ein großer Stream für alles mit allem und allem drauf. Möglichst jede Information, die unser Hirn erreicht. Ja, sowas wie ein Memex-Dienst.

Und natürlich mit unlimited Storage von all dem Kram. Das Archiv ist vollumfänglich abrufbar, von der Wiege bis zur Bare, mit Zeitsprungmöglichkeiten, etc.

Kaum erwähnenswert, aber natürlich kann man alle Inhalte mit Freunden oder (default) mit der Öffentlichkeit sharen. Allerdings sehe ich ein, dass der Dienst sicher erfolgreicher ist, wenn man hier und da ein paar feingranulare Privacysttings hat. (die wir dann aber Facebook-Like peu à peu und unangekündigt wieder abschaffen, hehe.)

Aber nun das Wichtigste: die Analyse. Ausgefeilte Algrorithmen fegen regelmäßig über die Datenberge und machen sie so zugänglich: Erkennung von Ruhephasen, Wachpshasen, Bewegung, Sitzen, Liegen, Schlafen, Schrittzähler, speichern von Orten, diverse Statistiken über alles mögliche, Healthreports und so weiter. Auch Gesichtserkennung und somit automatisches Kontaktemangement werden möglich. Und natürlich wird alle gesprochene Kommunikation transkribiert und so volltextdurchsuchbar. „Wann hab ich nochmal mit wem über X gesprochen?„, „Was hat Georg letzte Woche noch mal zu dem Entwurf gesagt?“ Kein Problem.

Auf der Datenbasis lassen sich dann tolle Dienste aufsetzen. FindMyKey: die Software merkt sich, wo man seinen Schlüssel hingelegt hat und sagt es einem bei Bedarf. Eventbezogene Tweets. Wenn Ereignis X, dann twittere Y. Situationsbezogene Health- und Ernährungstipps. Tausend sinnvolle Reminder, etc. Auch welche zum selber konfigurieren.

Man könnte so weit gehen, da einen Assistenzservice draufzusetzen, der nicht nur aufgrund der Datenbasis und der ständigen Konnektivität Tipps gibt und Erledigungen ausführt und dabei immer intelligent auf die aktuelle Situation reagieren kann, in der man sich befindet. Vielleicht was für Premiumkunden.

Ich glaube, es ist genau jetzt die Zeit damit anfangen. Das oben erwähnte Brillengestell gibt es in abgespeckten Varianten heute schon. In 2 bis 3 Jahren ist die Technik wirklich brauchbar. Sagen wir einfach 2014. Storage- und mobile Bandbreitenkapazitäten werden wohl ebenso genau dann dafür ausreichend sein (durch LTE und sowas). Dann wird es so oder so einen Bedarf für so einen Dienst geben. Bis dahin kann man Finanzierungen suchen, Technolgien zusammentragen und schon mal mit dem Programmieren anfangen.

Keine Ahnung, wie man sowas bepreist. Ich würde fast glauben, dass man dann mit 100$ pro Monat und Account hinkommen kann. Habe aber keine Berechnungen gemacht. Man könnte auch versuchen, nur die Reportings und Services zu verkaufen. Wäre vielleicht sogar sinnvoller.

So oder so. Ich bin mir jedenfalls sicher: es wird sowas geben und es wird ein Erfolg.

* * *

Kommen wir zu meiner zweiten Idee:

2. Der Homo oeconomicus

Ja, wir wissen es, es hängt uns zum Halse raus, überall pfeifen es die Spatzen von den Dächern: „Den Homo oeconomicus gibt es nicht! Er ist eine Illusion der akademischen ökonomischen Theorie und hat nichts mit dem Menschen zu tun!

Ist richtig. Aber das kann man ja ändern!

Was wäre, wenn wir plötzlich tatsächlich nach sachlichen, ökonomischen Kriterien (Nutzenmaximierung) entscheiden würden? Wenn wir die theoretische Markttransparenz, die mit dem Internet möglich ist, tatsächlich ausnutzen würden? Zum Beispiel vor jedem Michkauf auf Preis.de schauen, wo es gerade die billigste Milch gibt?

Antwort: dann hätten wir ne ganze Menge zu tun.

Aber wenn wir den Prozess des Einkaufens auslagern, an einen algorithmischen Agenten, der das für uns rechtskräftig erledigt …

UND …

der ganze Kram frei Haus geliefert wird, dann ist er auf einmal da, der Homo oeconomicus!

Hier ist der Deal. Man stellt seinen persönlichen Homoöknomikus (auf der Webite) sehr genau ein. Mit Präferenzen, Bedürfnissen, Verbrauch (wie viel Liter Milch pro Woche), welcher Haartyp für das Shampoo, etc. Marken, wenn es genau die sein soll. Qualität, dort wo man nicht drauf verzichten möchte. Feinkostläden, auf deren Waren man nicht verzichten möchte. Blacklists für Unternehmen, die man für ethisch fragwürdig hält. Bio, Fairtrade, vegan, Allergiker. All sowas.

Und dann macht der das für einen. Einkaufen. Und liefern. Jede Woche. Bei Bedarf auch spontan. Das liefern kostet Geld aber weil der Homo oeconomicus ja auch Geld spart, wird es beim Konsumenten am Ende des Monats unterm Strich ein leichtes Ausgabenminus geben, wenn man es mit vorher vergleicht. (vielleicht liege ich hier vollkommen falsch, müsste man für einen Businessplan natürlich genau durchrechnen).

Wichtig ist schnelle Lieferung. In der Regel noch am selben Tag. Spontane Käufe idealer Weise innerhalb von 3 Stunden. Das ist eine enorme logistische Herausforderung. Ich würde erstmal mit einer einzelnen Stadt anfangen. Es braucht eigene Lager damit man selber Großhändlerpreise erziehlt, jedenfalls für die alltäglichen Konsumgüter. Man braucht Einkäufer, die schnell jedes Schnäppchen in Massen zusammenkaufen. Die wirbt man am besten von Aldi ab. Der Rest ist Datenbankpflege: Wo gibt es X zum günstigesten Preis? Kleinere Einkäufer arbeiten die Listen ab und fahren in der Stadt rum, kaufen den Kram zusammen. Einkaufskörbe werden in Stationen gepackt und von Boten abgeliefert.

Ist natürlich sehr fraglich, wie billig man das hinbekommt. Vielleicht wird es auch ein bisschen teurer als selbst einzukaufen. Aber in jedem Fall braucht man es nicht mehr selbst zu tun.

Das Geschäftsmodell? Naja, wie Supermärkte halt.

* * *

So, das waren meine aktuellen StartUp-Ideen. Wenn ihr das eine oder das andere gründen wollt, sagt mir bescheid. Vielleicht gebt ihr mir ja auch Anteile oder so, weil ihr das fair findet. Hätt ich nichts dagegen.


Griechenland

Wir haben früher immer gesagt, dass die Wirtschaft ja eigentlich die Politik kontrolliert. Wir haben uns Sprüche aufgesagt, dass wenn Demokratie irgendwas ändern würde, wäre sie verboten. Ich denke heute da etwas anders drüber. Milder, vielleicht. Sicher auch aufgeklärter.

Was jetzt aber in Griechenland passiert ist ein Plakativbeispiel für die oben genannten Thesen. Wie unverhohlen da gerade ein Staatsstreich von statten geht. Wie rücksichtslos da jede demokratische Idee in die Tonne getreten wird. Wie die Souveränität eines ganzen Volkes unter den wirtschaftlichen Interessen außenstehender Akteuere einfach niedergewalzt wird. Mitten in Europa. Das ist schon bemerkenswert.

Das System ist endgültig entzaubert. Jetzt wäre es Zeit, die alten Sprüche wieder herauszukramen und auf die Straße zu gehen!

Dummerweise sind wir die außenstehenden Akteure mit den wirtschaftlichen Interessen.