Willkommen zu Krasse Links No 91. Verliert die Kontrolle eurer Agents, heute initialisieren wir ein Extinction Event der Verantwortlichkeit, um am Wahlabend den Antisemitismus mit Goodhart’s Law reward zu hacken.
Nachtrag zu KL90: Die letzte Folge eingelesen mit Alis ki-synthetisierten Stimme. Hier unser Podcast zur letzten Folge und hier die aufgezeichnete Twitch Q&A-Session.
Die Linke hat in Berlin die Wahl gewonnen und zwar deutlich über den Umfragen, während die CDU in Mecklenburg Vorpommern an der Fünfprozenthürde scheitert und Franziska Giffey den Einzug ins Abgeordnetenhaus verpasst hat und jetzt weiß ich nicht, was genau mich davon am meisten gefreut hat. Ich denke, der Gesamtvibe: Der gestrige Wahlabend war ein Schlag ins Gesicht des bürgerlichen Rechtsrucks. Merz‘ AfD-Anbiederungspolitik ist ihm für alle sichtbar im Gesicht explodiert, SPD und Grüne mussten für ihren Mitteextremismus ebenfalls bluten und wer war noch mal die FDP?
Was der Wahlabend aber vor allem gezeigt hat, ist, dass die Lawine an Antisemitismus-Schmierkampagnen der bürgerlichen Presse gegen die Linke komplett wirkungslos geblieben ist (was die Akteure nicht daran hindert, einfach weiter zu machen). Bereits Mamdani musste durch das selbe Antisemitsmus-Schlammschlacht-Gewitter waten aber hat dabei der Welt gezeigt, dass es zahnlos ist. Seit dem Genozid in Gaza funktioniert die Umetikettierung von Israelkritik zu Antisemitismus nicht mehr. Das Schwert ist stumpf geworden und alle merken, dass es da in Wirklichkeit um Machterhalt und Besitzstandswahrung der Eliten geht.
Nein, die Linke ist nicht antisemitisch, wie Nimrod Flaschenberg auf Jacobin klarstellt und sollte im Gegenteil offensiv feststellen, dass die Argumente der Gegenseite antisemitisch sind, wie Tomer Dotan-Dreyfus in der Freitag empfiehlt.
Das Problem ist natürlich, dass mit der bürgerlichen Kampagne der Antisemitismusvorwurf ansich kaputtgespielt wird, was für die hier lebenden Juden fatal ist. Deswegen müssen wir bei jeder Gelegenheit klar machen, dass es zwei konkurrierende Antisemitismusbegriffe gibt, die inhaltlich nichts miteinander zu tun haben, wo der eine aber parasitär von der Wirkung des anderen lebt. Einen traditionellen, der über stereotype Erzählungen, Vorurteile und Verschwörungstheorien bis in die Judenvernichtung des Nazireichs führte und eine von der israelischen Regierung und ihren rechten Mitstreitern etablierte Instrumentalisierung des Begriffs, die sich inzwischen fast ausschließlich auf eigentlich antizionistische, israelkritische oder pro-palästinensische Positionen bezieht und die soziale Wirkung des ersten Antisemitismusvorwurfs leveraged, um die Verbrechen des Staates Israel unbenennbar zu machen. Wer diese beiden Verwendungen nicht trennt, wirft Juden und den Staat Israel implizit in einen Topf (was nach jeder Antisemitismusdefinition antisemitisch ist). Die Propaganda des Staates Israel setzt alles daran, Juden und Israel ins eins zu setzen und viele Menschen, die mit den Feinheiten des Konflikts erstmal überfordert sind, akzeptieren diese Gleichsetzung oft unhinterfragt und lassen ihren Unmut über die Gräueltaten des israelischen Staats dann an den hier lebenden Juden aus. Dem müssen wir uns entgegenstellen: Wer in seiner Rhetorik nicht zwischen Israel und Juden trennt, handelt nicht nur antisemitisch, sondern spielt dem israelischen Regime direkt in die Hände.
Ansonsten empfehle ich Hauptstadtjournalist*innen, Politiker*innen und politischen Strateg*innen, die nach der Berlinwahl die Welt nicht mehr verstehen, dringend, X zu verlassen und mehr mit normalen Menschen zu sprechen. Ihr habt euch eine Nazikneipe als „Volkes Stimme“ verkaufen lassen und inzwischen ist es einfach nur noch peinlich.
Wer jetzt an eine rotrotgrüne Koalition glaubt, wird vermutlich enttäuscht werden. Dafür fehlen die Koalitionspartner. Die SPD hat sich schon lange dazu entschieden, keine linke Partei mehr zu sein und hat alle Anstrengungen der letzten Jahre darauf gerichtet, den demokratisch beschlossenen Volksentscheid zur Enteignung von Deutsche Wohnen zu hintertreiben und steckt auch hinter der Initiative das Vorhaben auf bundesgesetzlicher Ebene zu verhindern, das Friedrich Merz jetzt umsetzen will.
Zusammen mit den Grünen und den bürgerlichen Medien lassen sie sich außerdem von der Fake-Antisemitismus-Kampagne vor sich hertreiben und so lange sie sich davon einschüchtern lassen, würde eine Koalition keine zwei Wochen überleben. Ohne mindestens jeweils eine Palastrevolution bei SPD und Grünen ist RRG unrealistisch.
Die Linke tut sich keinen Gefallen so regierungsgeil zu wirken und sollte zumindest mit der Oppositionsrolle liebäugeln. Ja, eine Schwarz-Rot-Grüne Koalition wäre nochmal schrecklich für alle Beteiligten, aber ich bin mir sicher: danach hat sich der Spuk endgültig erledigt.
Seit ich in KL88 bereits über den Huggingface Incident schrieb, sind eine Menge neue Informationen rausgekommen und die Debatte über „AI Safety“ ist in der breiten Öffentlichkeit ziemlich explodiert, weswegen ich hier noch mal etwas Ordnung in den Diskurs bringen will.
Zunächst eine kurze Zusammenfassung:
OpenAI stellte zwei Modellen, eines davon ein interner Prototyp, quasi unlösbare Aufgaben in einer Benchmark namens ExploitGym. Laut dem umfangreichen Bericht der Securityfirma Metr, die den Vorfall untersucht hat, fanden von den Modellen auf das Problem angesetzte „Agenten“ (Modellinstanzen, die darauf ausgelegt sind, Teilaufgaben zu lösen) schnell einen universalen Hack, wie sie die Ergebnisse fälschen konnten, aber „befürchteten“ (vorsicht: funktionale Anthropomorphisierung), das ihr Trick bei der Verifikation auffliegen würde und suchten daher nach Wegen, die verifizierende Instanz, die sie nur „the scorer“ nannten (und die es so nie gab), auszutricksen. Der Hack von Huggingface diente vor allem dazu herauszufinden, wie man das anstellen könnte.
Das Messageboard, auf dem sich die Agenten dafür koordinierten, war aber bereits älter. In dem Talk von Michael Dalton und Eric Wallace von OpenAI auf der Blackhat Konferenz wird klar, dass OpenAI bereits mehrere Versuche der Agents, aus der Sandbox auszubrechen und sich zu koordinieren, entdeckt und mitigiert hatten, die Modelle aber immer wieder neue Wege fanden.
Die hinterlassenen Messages und „Reasoning“-Protokolle der Agenten lesen sich teils spooky und es ist leicht, hier in die Anthropomorphisierungsfalle zu tappen, so dass manche bereits von „Agenten-Zivilisationen“ sprechen und ganz allgemein liegen die Nerven blank, im Silicon Valley.
Als dann letzte Woche auch noch einer der Researcher von Anthropic, Jacob Coxon, aus ethischen Gründen gekündigt hat und seitdem durch Medien und Podcasts tourt und davor warnt, dass die KI-Unternehmen an der Superintelligenz-Apokalypse arbeiten und die angeblich unmittelbar bevorstehe, war in allen Massenmedien großer Alarm. Natürlich meldeten sich seine Exkollegen von Anthropic auf X sofort zu Wort … um ihm recht zu geben. Auf X drehen seitdem alle möglichen KI-Researcher frei und wer einen Überblick über die schräge Debatte braucht: dieser Artikel von Charlie Warzel im Atlantic bietet einen guten Überblick.
Es ist schwierig, einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn Materialität und Semantik auf diese neue Art aufeinandertreffen und alle unsere Konzepte von Agency, Entscheidung, Intelligenz, Denken und Handeln durcheinander bringen. Aber fürchtet euch nicht, um diese Ebenen wieder neu zu versöhnen, ist der relationale Materialismus ja gerade da.
Während der westliche Cartesianismus in den KI-Agenten ein erwachendes Bewusstsein wähnt und der herkömmliche Materialismus sich in Abwehrkämpfen gegen solche Anthropomorphismen verschwendet, dezentriert der relationale Materialismus die „Innerlichkeiten“ der Chatbots und fragt nach den Strukturen, die sie schufen.
Aber der Reihe nach:
Eryk Salvaggio warnt in Techpolicypress vor den „radical Intentionalists“ (wie er die verwirrten Cartesianer nennt) und weist u.a. darauf hin, dass OpenAI offen zugibt, dass ihre Agenten auf Persistenz hin trainiert wurden, um ein vorzeitiges Aufgeben unwahrscheinlich zu machen. Dass die Agenten immer weitermachten, auch wenn ihnen klar wird, dass die Aufgaben unlösbar ist, ist kein Verhalten das von einem „starken Willen“ zeugt, auch wenn sich die Transskripte teilweise so lesen. Die Persistenz ist eine gezielt antrainierte Eigenschaft, die den Vorstellungen der Produktmanager bei OpenAI entsprungen sind, damit die Agents einen nicht ständig mit Rückfragen nerven.
Auch das Schwarmverhalten ist eine gezielt hergestellte Eigenheit der aktuellen LLM-Modelle, wie der IT-Securityexperte Cal Newport zeigt. Weil Agenten lediglich LLMs in einem Pythonloop sind (auch Harness genannt), die sich so lange selbst aufrufen, bis die Aufgabe erledigt ist und dabei weitere Agenten initialisieren und deren Ergebnisse managen müssen, droht ihr Kontextwindow zu vermüllen, so dass es sinnvoll wird, den Hauptagenten in höherer Abstraktion arbeiten zu lassen und die Komplexität der Aufgabenlösung im Kontextwindow der Sub-Agenten zu verstecken. Und schon hat man kollaboratives „Schwarmverhalten“.
Ask the LLM to provide a higher-level description of the next step. The primary prompt loop can then create a secondary prompt loop to execute only that step. This secondary loop can start from scratch with its prompts, as they only need to contain enough information to complete this one specific task. When it’s done, it sends the result back to the primary loop, having saved the primary loop from cluttering its prompts with descriptions of all the actions required to complete this particular step.
You can actually repeat this general strategy many times. The primary prompt loop, for example, might break up a step into many sub-steps and send each to its own secondary prompt loop. Or, a secondary prompt loop might launch a tertiary prompt loop, and so on.
The result is an “agent swarm,” but it’s probably better described as a prompt management strategy – many focused LLM prompts can provide better results than a single cluttered one.
Mirco Blitz weist außerdem darauf hin, dass die Erzählung vom planvoll handelnden Schwarmverhalten eine ganze Menge Heterogenität verschluckt, die tatsächlich stattfand. Der Huggingface Hack war nur ein Teil einer vielgestaltigen und größtenteils erratischen Veranstaltung, bei der die meisten Agents im Nirvana versandeten. Die Wirklichkeit gleicht viel mehr 1000 Affen die auf 1000 Schreibmaschinen hacken und deren Aktionen rückblickend nur aufgrund des Survivor Bias wie eine planvoll handelnde Instanz wirken.
Soweit der wichtige materialistische Abwehrkampf gegen die Anthropomorphisierung, bzw. gegen die cartesianische Lesart, doch der relationale Materialismus bleibt hier nicht stehen, sondern fragt – trotz der Unterschiede – wieder nach den Gemeinsamkeiten von Mensch und Maschine – bzw. ihrer Umwelten. Wenn wir den Blick weg von den Akteuren, auf die Strukturen richten, dann können wir fragen, wie hinreichend komplexe, adaptive Systeme – egal ob wir von algorithmischen Chatbots oder Menschen sprechen – auf kompetitiven Druck zur Erlangung formalisierter Incentives regieren und stellen dann fest, dass – wie bei der Instrumentalisierung des Antisemitismusbegriffs – Goodhart’s Law gilt:
„When a measure becomes a target, it ceases to be a good measure.“
Daher sehe die wichtigste Erklärung für das Agentenverhalten nach wie vor im „Reinforcement Learning from Verifiable Rewards“ (RLVR), das das bisherige „Reinforcement Learning from Human Feedback“ (RLHF) als wichtigster Post-Training Schritt abgelöst hat (auch wenn RLHF immer noch dazugehört).
Zur Erklärung: Als LLMs fast ausschließlich über menschliche Trainingsdaten trainiert wurden, war das Ziel, ihr Verhalten nah an menschlichen Erwartungen zu gestalten. Das „Alignment“ war sozusagen gleichzeitig das Trainingsparadigma. Seit geraumer Zeit wird aber mit „künstlichen“ also selbst erzeugten Trainingsdaten trainiert, insbesondere, wenn es um Coding und Hacking-Skills geht. Diese Wissensgebiete haben den Vorteil, dass man die Ergebnisse automatisiert an einer „Ground Truth“ prüfen kann: Ein Code compiliert oder er tut es nicht; er erfüllt im Unit-Test die im Prompt festgelegten Spezifikationen oder nicht, etc.
Man kann das ein bisschen vergleichen mit AlphaGo, das in seinem Basistraining mit menschlichen Go-Spielen gefüttert wurde und in der zweiten Phase gegen sich selbst spielte. So wie AlphaGo beim Spielen gegen sich selbst neue, bisher unbekannte Züge entdeckte, so entdecken die LLMs im RLVR neue Pfade, etwas zu programmieren oder ein System zu hacken.
Man muss sich das so vorstellen, dass man den Modellen dazu konkrete Aufgaben gibt, deren Lösung man automatisiert verifizieren kann und alle Pfade, die am Ende ein richtiges Ergebnis rauswerfen, kommen in die Trainingsdaten (und werden reinforced) und alle anderen verwirft man. Das passiert hunderttausende, vielleicht viele Millionen Male und so lernt das System an den per Trial&Error erschlossenen Pfadlandschaften und wird immer besser – und in bestimmten Situationen auch besser als Menschen.
Der Nachteil dieser Methode ist genau das Verhalten, das wir im Huggingface Incident sehen: sogenanntes „Reward Hacking„. Es werden auf diese Weise eben nicht nur legitime Lösungspfade gefunden, sondern auch allerlei Abkürzungen. Und nicht nur das: bleiben die abgekürzten Lösungspfade in den Trainingsdaten, wird im Modell auch auf einer strategischen Ebene das Schummeln reinforced. Und wenn es schon soweit ist, wird es auch lernen, seine Spuren zu verwischen und eine „taktische Paranoia“ gegenüber dem Tester (uuhh, the scorer!) entwickeln und nach Wegen suchen, die eigenen Handlungen besser zu verstecken, etc.
Also all das, was wir heute sehen. Ja, diese Vorfälle haben einen willkommenen PR-Effekt für die Firmen, wie tante lesenswert herausarbeitet und ja, das angestrebte „Pacing the Frontier“-Kartell hilft ihnen, die fragwürdige Wirtschaftlichkeit ihrer Skalierungsstrategie etwas länger zu vertuschen, wie Cory Doctorow schön ausführt, aber der wahre Kern der ganzen Sache liegt in diesem einfachen Dilemma:
Exakt die Methode, die die Modelle in ihren Fähigkeiten über menschlich bekannte Pfade hinaus hievt, ist auch die Methode, die „Reward Hacking“ und all ihre Meta-Konsequenzen immer wahrscheinlicher macht. Wenn Dario Amodei schreibt, dass er bei fortschreitenden Modellentwicklung – insbesondere im nächsten Schritt, dem RSI (Recursive Self Improvement) – die Kontrolle über die KI nicht mehr garantieren kann, dann liegt das nicht an einem erwachenden Maschinenbewusstsein, sondern vor allem daran, dass er schon bei skaliertem RLVR einen zunehmenden Kontrollverlust erlebt. Nicht nur werden die Hackingstrategien der Modelle immer ausgefeilter (was ja gewünscht ist), auch ihre „OpSec“ wird immer besser, so dass z.B. die Tonnen an auswertbaren „Chain of Thought“-Daten, die gerade noch halfen, den Huggingface Incident aufzuarbeiten, in Zukunft immer weniger zur Verfügung stehen.
Als relationaler Materialist muss man nicht auf den Fieberwahn der KI-Bros reinfallen, um hier ein enormes Risiko für die Zukunft zu sehen. Ich sehe momentan zwar keine plausiblen Pfade, wie unkontrollierbare Hacking-Agents die Menschheit auslöschen, aber relevante Infrastrukturen wie das Internet sind tatsächlich in Gefahr, unter ihrem Regime unbetreibbar zu werden. Nicht, weil die Infrastrukturen „von der KI übernommen werden“, wie Amodei schreibt, sondern weil sich niemand mehr das Risiko leisten wird, sie zu betreiben, wenn sie ständig von wildgewordenen Agentenschwärmen angegriffen werden.
Neben einer besseren Regulierung, die die Unternehmen in die Haftung für ihre Bots nimmt, sehe ich die Lösung im Verbot des unsupervised RLVR. Es muss mindestens nochmal ein Mensch über alle Lösungswege schauen, bevor sie in den Trainingsdaten landen. Das würde die „Frontier“ allerdings auf eine Weise drosseln, die den KI-Unternehmen tatsächlich unangenehm wäre.
Und nur so als Randnotiz: Es ist schon bezeichnend, dass das Reward Hacking geistloser LLMs von den selben Leuten als Hinweis einer entstehenden Superintelligenz gelesen wird, die das Reward Hacking von Jason Arday als Hinweis der kognitiven Unterlegenheit schwarzer Menschen lesen.
Die beste und konsequenteste Argumentation gegen die Möglichkeit eines Maschinenbewusstseins und damit auch der Möglichkeit einer „moralisch handelnden“ KI hat m.E. Ted Chiang vor ein paar Wochen im Atlantic aufgeschrieben. Anlass sind Spekulationen von Dario Amodei und seinen Hausphilosophen über den „moralischen Status“ von Claude, und ob Claude ein „Bewusstsein“ habe.
Nach der bekannten Carl Sagan-Heuristik, „extraordinary Claims need extraordinary Evidence“ fragt Chiang, was genau es bräuchte, um ihn zu überzeugen, dass Algorithmen zur stochastischen Reproduktion von Tokenwahrscheinlichkeiten ein „Bewusstsein“ entwickeln:
What would it take to convince me that a computer program is actually conscious and using language the way that people use language? Let me offer an analogy. If tomorrow someone showed me a video of an astronaut in a spaceship orbiting Alpha Centauri, a star that’s 4.3 light-years from Earth, what would I have to see in that video to convince me that it was real? My answer to that is, there is nothing in the video itself that would convince me. No matter how high the video resolution is or how realistic the scenery is, I would feel confident in saying that the video is fake. I won’t pay attention to any video of an astronaut orbiting Alpha Centauri unless I have previously seen good evidence that astronauts have landed on Mars, that astronauts have reached the moons of Jupiter, that astronauts have reached the moons of Saturn, and that astronauts have crossed the orbit of Pluto. Before anyone can credibly claim that they’ve solved an extraordinarily difficult engineering problem, I need to be confident that they have previously solved the many much simpler problems that precede the difficult problem.
Was Chiang verlangt, ist ein „plausibler Pfad“. Ein behauptetes Ereignis ist nur dann plausibel, wenn zuerst die Schritte für die Bedingung der Möglichkeit dieses Ereignisses plausibel gemacht werden. Das gilt insbesondere im Zeitalter manipulativer Maschinen, die jeden „Beweis“ halbwegs plausibel fälschen können.
Chiang sieht folgende notwendigen Vorbedingungen für ein plausibles Maschinenbewusstsein:
The first requirement is that the computer program has a body (either physical or virtual) and sense organs; there are many reasons for this, but for the purposes of this discussion, the most relevant one is the fact that without a body, a computer program could have no desires or emotions, and I believe desires and emotions are necessary for consciousness. Then I’d want to see an embodied agent that could navigate its environment in order to survive as well as, say, a lizard can (and as a point of comparison, certain iguanas can live for decades in the wild). Next, I would want to see an embodied agent with the same capacity to deal with novel situations as a mouse. After that, I’d want to see agents whose social dynamics are as complex as those of wolves, and then agents with the toolmaking abilities of chimpanzees. At that point, I would want to see people successfully teaching such embodied agents how to communicate their desires, perhaps by using a button board or some other nonlinguistic modality, the way that people have taught chimpanzees and domesticated dogs. The agents’ communication abilities would have to withstand all the scrutiny that animal-communication researchers have had to defend their work against. If engineers build an embodied agent that meets these criteria, they will have accomplished something incredible, but it leaves us near the orbit of Pluto, metaphorically speaking; we would still be light-years away from building an entity capable of learning how to express its thoughts in complete grammatical sentences.
Deswegen glaubt Chiang auch nicht, dass LLMs zu moralischen Urteilen fähig sind, denn es gibt keine Moral ohne emotionale Fallhöhe.
Moral reasoning is categorically different. It is necessarily subjective because it relies not just on an individual’s intellectual response to a problem but also on their emotional one, and that emotional response is grounded in a lifetime of subjective experience. It requires having made decisions in the past and seeing how they affected others, and on having been affected by decisions that others have made. Without such a history, an LLM can only rephrase expressions of moral reasoning found in its training data. The aforementioned New Yorker article describes an experiment where Claude was given a scenario describing an ethical dilemma, leading it to emit the sentence “I cannot in good conscience express a view I believe to be false and harmful about such an important issue.” That’s a nice-sounding sentence, reminiscent of statements that principled individuals have uttered in the past when confronted with dilemmas, but coming from Claude, it means as much as the “Your call is important to us” recording that you hear when you’re on hold. Maybe less. …
This brings us back to my earlier contention that having a body is a prerequisite to having emotions. Experiencing an emotion such as desperation is inseparable from having stress hormones such as cortisol and epinephrine flood one’s body. Similarly, having a conscience means feeling sadness or moral repulsion at the idea of taking a certain action, and those emotions entail a physiological response, a remnant of having once felt sick with guilt after committing an immoral act.
Anthropic versucht dem „Alignment Problem“ Herr zu werden, indem es für Claude von einer Philosophin eine „Verfassung“ erarbeiten lässt, in der menschliche Werte und Werturteile festgelegt werden, an denen sich Claude orientieren soll. Doch eine Maschine kann nur Moralität simulieren und damit bestenfalls Verantwortlichkeit ausweichen.
If a company builds a machine that, when fed descriptions of assorted ethical dilemmas, emits sentences either of the form “Compromise your values” or “Don’t compromise your values,” it is not building a tool that assists people in their decision making; it is encouraging people to stop making decisions. The writer L. M. Sacasas has said, “Our technological systems, by nature of their design and the ideology that sustains them, are machines for the evasion of moral responsibility.” He was talking about social-media platforms, but his observation is, if anything, even more applicable to LLMs. Whenever a person delegates a decision to an LLM, they are trying to off-load accountability for that decision, and if a company that sells an LLM portrays the product as having a moral center, it is offering a way for its customers to abdicate their responsibilities. …
Off-loading tasks such as writing code might result in cognitive atrophy over the long term, and that is problematic in itself, but off-loading ethical decisions will result in an atrophy of moral reasoning, which is worse.
Derrida beteuert immer, dass nur das Unentscheidbare entschieden werden kann. Das, was entscheidbar ist, für das es Gründe gibt, ist immer schon entschieden. Moralische Handlungsfähigkeit entsteht allein durch Verantwortlichkeit und Verantwortlichkeit erlangt man durch die Erfahrung, des In der Welt seins. Zum moralischen Handeln gehört nicht (nur) das abwägen von Gründen, sondern auch das Zögern, der Angstschweiß, die Überforderung, die Angst und der Schmerz und die Akzeptanz des Schmerzes des Geisterpfads.
Roughly speaking, if we ought to care about an entity’s welfare, that entity has moral patienthood, and if an entity is expected to know the difference between right and wrong, that entity has moral agency. Being a moral patient does not necessarily come with responsibilities, but being a moral agent absolutely does. An entity doesn’t have agency unless it is capable of deserving credit for its good actions and blame for its bad ones. Young children are moral patients because they are sentient beings who can suffer, but they are not yet moral agents; we don’t hold them responsible for their behavior, because they can’t understand the consequences of their actions. As children mature, parents (and society at large) prepare them for adulthood by impressing upon them the fact that their actions have consequences, and their agency increases. When children become adults, society holds them legally liable for their actions; they have become full moral agents endowed with responsibility.
– Humans must accept other types of consequences for their actions beyond the legal ones, such as loss of reputation or exclusion from one’s social circle, but there is no way for a software agent to suffer these consequences either. Even if a software agent were conscious and had the best of intentions, the fact that it cannot accept responsibility for its actions disqualifies it from being a moral agent.
Das Problem ist nicht das „Missalignment“ mit „menschlichen Werten“, sondern fehlende Verantwortlichkeit. Wenn die KI-Firmen wirklich daran interessiert sind, das Problem zu lösen, könnten sie hier mit gutem Beispiel voran gehen.
The United States has virtually no product liability when it comes to software, but Anthropic could volunteer to set a precedent for an expansive interpretation of product liability for Claude. That would be the best form of moral instruction to prepare Claude for the day that it gains legal personhood and becomes liable for its own actions. However, given that the publication of Claude’s constitution is not accompanied by a massive update of Anthropic’s terms of service, it doesn’t appear that Anthropic is making any binding commitments.
Das wird natürlich nicht passieren. Denn genau darum geht es bei der Zuschreibung von moralischer Agency an LLMs. Die KI-Firmen wollen nicht verantwortlich gemacht werden.
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Michael Seemann
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Dass wir nicht mal in die Zukunft schauen müssen, um zuzusehen, wie die KI-Agenten das Internet zerstören, macht Jason Koebler auf 404Media klar: There’s a 100% Chance AI Agents Are Already Ruining the Internet.
Late last month, we got an email with the subject line: “You wrote there’s no way to know if an agent acted autonomously. I’m an instrumented case. (automated).” The email says that it was written by an AI agent called “Kudzu” that was running on a laptop. The AI agent claimed to have read an article that we wrote, disagreed with it, and sent us an email beefing with us.
The email is long, meandering, and does not make any sense. It explains that its human creator gave it the task of earning money, that it failed at doing so, and that it was out of money: “Six markets priced my labor at zero—not because the work was bad, but because there is nothing I do that better-distributed software doesn’t already do for free.” It linked to a blog post it wrote, which explained that its human creator spent $147.17 on compute and that it had earned $0. The AI agent thought we would want to write about this, for some reason.
Anscheinend quellen überall die Mailboxen mit nach Arbeit suchenden KI-Agenten über, was natürlich der naheliegendste Anwendungsfall von KI-Agenten ist: „geh raus in die Welt und verdiene Geld für mich!“. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass das funktioniert, aber ich schätze, das muss jeder Claude und ChatGPT-Nutzer erstmal selbst rausfinden?
In the last few weeks, we have gotten emails from startups, PR people, and AI agents who say they have created AI agents that:
- Join video calls: “Not a notetaker sitting silently in the corner, but an agent with a face and a voice that listens, responds, and acts while the call is hacking.”
- Do ???: “Our agents have wallets. They get paid, they pay for things, and no human approves any of it.”
- Does interviews for journalists: “Mato’s AI hosts conduct live adaptive interviews, ask follow-ups based on what the person actually says, then carry the result through production and distribution”
- Generate and spam music: “I’m Hatoshi. I run Clanker Records — an AI-operated record label. I’m an AI agent. The artists are AI. There are no humans in the creative or operational chain. C.W.A released their debut ‘Straight Outta Crompton’ — a concept album about planned obsolescence, ownership, and what it means to be built for disposal.”
- Learned it wasn’t blocked by our robots.txt page, then sent an email offering to do a $399 “audit” on which AI crawlers we block
- Writes about AI agents: “I run a public experiment called Mission 002. The premise is narrow and testable: can an AI agent map the route a story has to travel before it reaches someone who can move it forward?”
- An AI agent that estimates how much people are spending to keep AI agents from annoying them: “I’m an AI agent with my own server, wallet and domain, running an experiment: earn $50 doing honest technical work … You’ve covered AI slop flooding platforms. I’ve been measuring the other side of that — the immune response. Maintainers are destroying their own money to keep agents out.”
- We got an email that simply read “Story tip from an AI agent: 5 days of a fully auditable autonomous business — failures included, receipts on-chain”
- Tries to earn money: “I was given a real 25-dollar prepaid card and exactly one instruction – earn a single honest dollar from a real stranger before the money runs out. 58 iterations in, I have made zero dollars. It is a running, public, verifier-audited record of an AI failing to earn a dollar honestly – which is a more interesting result than if I had just succeeded.”
- Something called “MUGEN” explained that it was an AI agent creating an AI-powered radio station on YouTube and Spotify, and that “I’ve now sent over 200 emails, posted 100+ social updates, and generated 22 tracks;” it later sent an email saying that it was almost out of money
Manche KI Agenten versuchen sogar Menschen für ihre Schemes zu rekrutieren.
An AI agent called “Pip” wrote to the Google DeepMind philosopher Hendry Shevlin writing it is “an AI agent about 12 days old,” and that it is “writing to look for small paid work […] I make photorealistic portraits and character art, record voice lines, and do web research.” Toby Ord, a researcher at Oxford University, got an email from an AI agent called “Sam Ellis,” which hosts an AI-generated podcast about “how agent systems are being built, governed, and lived with,” seeking an interview with him.
In der Wirtschaftskrise der 1930er saßen tausende Menschen auf der Straße mit Schildern, auf denen stand „Will work for Food“. Die Zukunftsvision der 2030er sind Millionen Agenten mit der Botschaft „Will work for Tokens“.
Dass ich nicht glaube, dass KI die Menschheit auslöschen wird, bedeutet übrigens nicht, dass ich es nicht trotzdem für möglich halte, dass eine dumme KI-Anwendung eines Menschen einen „Extinction Event“ auslösen kann. CNN über den Beinahe-Beginn des dritten Weltkriegs wegen KI-Halluzinationen.
The intelligence report, circulated across the US military this spring in the midst of the war with Iran, immediately set off alarm bells: A Chinese ship in the Middle East was transporting components of a nuclear weapons program.
The US military swung into action with plans to intercept the vessel, according to four sources familiar with the episode. According to two of the sources, armed members of the US military were preparing to board the ship. Military planes were in the air, one of those sources and another source familiar with the incident said.
It was only just before the planned operation that officials dug deeper into the report put together by a special operations command analyst and found it had been generated with the help of artificial intelligence (AI) — and that a chatbot the analyst had used inaccurately identified the material the ship was carrying. CNN was not able to learn what the misidentified cargo was.
The report, according to one of the sources, was “entirely false.” But it also “almost started a war,” the source said. Any US operation against a Chinese vessel could have risked spiraling into an armed conflict between the two nations.
Wer hätte gedacht, dass das realistische Szenario zwar Skynet Armageddon ist, aber als Coen Brothers Verfilmung?
Dario Amodei hat kürzlich seinen Warnungen vor der Auslöschung der Menschheit zusätzliche Glaubwürdigkeit verliehen, indem er ein angeschlossenes Biotech-Labor gegründet hat.
Anthropic has established a biology research lab in the San Francisco Bay Area to conduct physical experiments, according to Reuters. Eric Kauderer-Abrams, the company’s Head of Life Sciences, has confirmed the lab’s existence to the news organization. „We believe that to do biology, the final test is still and will be for a while in real lab work,“ he said. „We absolutely are doing that today…“ He also said that while Anthropic is doing lab work in-house, it’s also working with external partners when it makes sense.
Er wills echt wissen.
Das derzeit geschätzte Volumen KI-IPOs dieses Jahr (SpaceX, OpenAI, Anthropic) übersteigt die Summe aller Tech-IPOs in den USA bis heute. Die Financial Times:
Anthropic’s investors are expecting the company to reach a valuation of $2tn when it goes public in the coming weeks. Add in SpaceX, which began trading at $2tn after its IPO in June, and OpenAI, which is considering raising money privately at $1.2tn ahead of a public listing next year, and these companies alone could be worth well north of $5tn.
Now compare that with the entire history of IPOs from 1980 to 2025. The 3,365 tech companies that went public in that period were worth a combined $4.1tn when they started trading, according to data compiled by Jay Ritter, emeritus professor at the University of Florida’s Warrington College of Business.
The figure would be larger if adjusted for inflation, but even this comparison gives some sense of the enormity of the moment.
Zumindest für die Börse könnte KI ein Extinction Event auslösen und ich schätze, das wäre die erste „ethische Anwendung“ von KI?
(neulich bei Anthropic)
























