Professionalisierung / Werbung in Blogs

Ich hatte hier, sogar hier, einige Diskussionen über die Kommerzialisierung/Professionalisierung von Blogs geführt. Allerdings jenseits der Vorträge und Pannels. Ich will das alles nicht im einzelnen wiedergeben, aber kurz einige fruchtbare Gedanken und Positionen wiedergeben:

Die Frage der Unabhängigkeit:
Die am häufigsten geäußerten Bedenken, drehen sich um den eventuellen Einfluss, die Fremdbestimmung auf den jeweiligen Blogger. Diese Ängste sind nur verständlich. Denn Blogs werden, vor allem bei der ersten Nutzung, der Entdeckung dieser Technik, als extrem frei empfunden. Gerade bloggende Journalisten rühmen diese Unabhängigkeit und Freiheit, die sich hier ermöglicht, gerade im Kontrast zum eng reglementierten redaktionellen Alltag.
Aber ist dies tatsächlich eine Gefahr?

Ich würde ganz klar sagen: ja. Eine Professionalisierung schränkt diese Freiheit empfindlich ein. Nicht aber, wie es sich manche, vielleicht etwas plump vorstellen: durch die Werbung. Die Unternehmen werden den Teufel tun redaktionellen Einfluss zu üben und selbst das Argument, dass sie es subtil in Form eines mehr oder weniger unbewussten vorauseilendem Gehorsams des Bloggers tun, glaube ich nicht. Wenn dann ist dieser Einfluss in zu vernachlässigenden Größenordnungen.

Nein. Die Freiheit wird von anderer Seite eingeschränkt: durch die Leser. Wenn es zunächst einfach der Drang zu Ruhm und Reichweite ist, der einen treibt, möglichst schnell möglichst viele Leser zu bekommen, so ist es bald das Bewusstsein einer wie auch immer gearteten Verantwortung. Sei es, weil dass man aufhört zu private Dinge zu bloggen, sei es, dass man manche Position abschwächt, oder gar nicht erst äußert um Leser nicht zu verschrecken oder abzustoßen. Man verkeift sich vielleicht hier etwas, geht hier einen Weg, oder verlässt einen Anderen, weil man glaubt im Interesse des Lesers zu schreiben. Man ist hier etwas lauter, dort etwas leiser, hängt sich an Trends ran und ist immer auf dem Sprung zum nächsten Hit, um die Leser bei Stange zu halten.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Natürlich ist dieser Druck immer da. Schon von Anfang an, aber in unterschiedlichen Dosen und Ausprägungen. Nun ist es aber so, dass Werbung, aber nicht nur Werbung, diesen Druck erhöhen. Im Grunde aber wird er dann die dominante Triebfeder, wenn man vorhat, davon leben zu wollen. Der Lesereinfluss, der immer schon da ist, wird dann zur Existenzfrage.

Die Frage der Professionaliserung:
Professionalisierung nimmt den Blogs also die Unabhängigkeit. (Johnnys Argument, dass jeder Angestellte abhängiger ist, als ein professioneller Blogger kann ich nicht gelten lassen. Schließlich geht es ums Bloggen. Denn ja, jeder Angestellte, der nach der Arbeit bloggt, bloggt freier als ein freier aber professioneller Blogger) Professionalisierung essen Freiheit auf. Punkt.

Spreeblick
Nun ist es so, dass Spreeblick diesen Prozess bereits länger hinter sich hat. Schon vor adical war diese Idee der Professionalisierung da und wurde forciert vorangetrieben. Und man kann sagen, es war eine geglückte Umwandlung. Spreeblick ist trotzdem lesenwert geblieben. Anders, aber nach wie vor gut. Ich persönlich weiß, was ich von Spreeblick zu erwarten habe und was nicht. Und die Erwartungen, die ich an Spreeblick nicht (mehr) stellen kann, werden wo anders gut genug bedient.

Aber was ist mit den anderen Adicalisten?
Es ist so, dass das adical-Netzwerk den Trend zur Professionalisierung in der Blogsphere vorantreiben wird. Und ja, einige der Blogger, die vorher nicht an Professionalisierung gedacht haben, werden diesen Weg jetzt versuchen zu gehen. Und ja, es wird an diesen Blogs dann etwas verloren gehen. Vielleicht aber auch etwas hinzukommen.

Was ist nun daraus zu schließen?
Die Blogesphere ist kein begrenzter Raum, in dem nur solche oder solche Blogs Platzhätten. Die Blogsphere SIND die Blogs. Jedwede Deutungshoheit oder Absolutheitsanspruch in Regelfragen halte ich deshalb für völlig verfehlt und lässt ein großes Unverständnis gegenüber dem Internet erahnen. Es bleibt einem jeden selbst überlassen, was er will. Es ändert nichts am Bloggen im Allgemeinen, sondern immer nur für den Einzelnen.

Und dennoch: jeder, der sich auf das Abenteuer Professionalisierung einlässt, sollte sich und seinen Lesern gegenüber nicht rumheucheln, dass sich dadurch nichts ändern würde. Es IST ein Unterschied, der nicht ohne Folgen bleiben wird. Das Bloggen und das Blog wird sich dadurch verändern.

Als Leser hingegen sollte man besser mal bitte die Schauze halten. Wenn es einem nicht passt, was ja durchaus gute Gründe haben kann, soll man halt wo anders hingehen. Still. Aber konsequent.

Ich persönlich mache mir keine Sorgen um das Bloggen. Vielleicht werde ich das eine oder andere Blog weniger oder garnicht lesen. Was solls. Ich seh das völlig ideologiefrei. Und ich kann es so sehen, denn es gibt noch so viel Gutes da draußen. Und jeden Tag mehr. Der Lesestoff wird mir sicher nicht ausgehen.

Der Jan Schmidt am rocken

PowerPoint-Karaoke hatte einen super Gewinner. Meine Kamera ein grottenschlechtes Mikro. Zusammen ergeben diese beiden Faktoren ein überflüssiges und irrelevantes Video. Also genau der Stoff aus dem dieses Blog gestrickt ist – viel Spaß:


Link: sevenload.com

A-Pisse?


Mit der Zeit und dem korrelierenden Alkoholpegel sind auch Blogger nicht mehr so Faust aufs Auge. Wessen Pisse sich auf diesem Boden wohl vermischt? Wohlmöglich A-Blogger-Pisse? Wenn ja, wessen? Ich konnte es nicht herausriechen.

Neuer tag, neuer Re:publica-Eintrag


Hab für mich jetzt das Observation Post entdeckt. Jaja, was auf dem PC als Hackertool gilt, ist auf dem Mac tolle 2.nullige Socialtools. Hier auf der MacWorld Re:publica gibt es soooo viele Macs mit Bonjourdiensten.

[Edit:] Chaos-Blogger beim Technik frickeln:

[Edit:] Weil Felix sich nicht vorbereitet hatte, übenahm Lobo die Publikumsbeschimpfung. Nach diesem chaotischen Ganzen, wird er uns nun erzählen, wie man damit Geld verdient…. hör derweil die neue Fanta Vier. Hatte mir eigentlich vorgenommen die zu ignorieren, aber Mark sagt die sei supaaaa. Ich hab mir vorgenommen öfter auf Mark zu hören…

[Edit:] Apropos Lobo. Obwohl ich ihn nicht sehen kann, weiß ich dass er da ist. Nicht nur vom Programm…

[Edit:] Die Geldverdienen-Diskussion ist ohne Pepp. Kaum kritische Stimmen. Wenn dann leise. Don fehlt. Aber zufälliger Weise veröffentlicht er gleichzeitig seine Meinung zu dem Thema. Leider spielt das hier sicher nicht rein.

[Edit:] Das Spreeblickteam auf dem Prüfstand.

[Edit:] PowerPoint-Karaoke. Die ersten Deliquenten:

re:publica

x
nett hier. Sitze zur Zeit bei Blogwinkel. Warte auf Tillmann während Don Dahlmann, Johnny, Stefan Niggemeier und Prof. Rainer Kuhlen über Ethik sprechen.

[EIDT:] Tillmann ist hier, aber findet mich nicht….. TILLMANNN! Hier hinten!

[Edit:] Jetzt ist er da:

[Edit:] irrelevantes Liveblogging rocks!!!

[Edit:] Blogwars. Tillmann wehrt sich!

[Edit:] Marcel von mein Parteibuch ist hier, und hat gerade erzählt, dass er gerade abgemahnt wurde. Wie Krass.

[Edit:] Wo ist eigentlich Tom? Schließlich sind alle seine Freunde hier….

[Edit:] Die Ex-KuWi-Kollegin Meike Richter spricht über freie Filme! Ich muss auch sowas machen. Also so reden und so… komt noch!

[Edit:] Festgestellt, dass Meike auch bloggt, kurz Sascha Lobo guten Tag gesagt, ein bisschen mit Jan Schmidt gequatscht, Steffen Büffel erinnert, dass wir uns Xingen, dann mit Tillmann ein paar Bier gekillt aber dabei svensonsan nicht getroffen. Nu is aber gut. Mogen gehts weiter…

Dat soll Broder sein?

Moooment mal. Was geht denn jetzt ab?

Ich mein: allein die Überschrift wirkt wie ein Eingeständnis. Und der Artikel erst. Statt des diffusen Bildes des wild gewordenen Arabers, das Broder so gerne zeichnet, lässt er tatsächlich welche zu Wort kommen. Und nicht nur mit dem sonst von ihm in jedem Artikel zitierten Satz: „Ihr liebt das Leben, wir den Tod“. Nein. Hier können sich die Moslems sogar artikulieren. Können sogar ihre Meinung sagen, was bei Broder sonst nur Islamophoben und Neokonservative dürfen.

Hat der Broder etwa mal was verstanden? Vielleicht, dass sich der radikale Islamismus nicht durch Xenophobie und „Deutsche Europäer Westmenschen wehrt Euch!„-Attitüden bekämpfen lässt? Dass es sehr wohl moderate Gegenpositionen im Islam gibt? Dass der Islamismus nur mit dem Islam und nicht gegen ihn bekämpft werden kann? Und, ganz nebenbei, dass das Internet doch nicht böse ist? Es wäre ja ein Wunder. Aber warten wir’s ab.

vergesst the streets

Ach so, ja

Herzlichen Glückwunsch!

Aber glaube ja nicht, Johnny, dass Du Dich hier in Hamburg auf so plumpe Weise inkognito bewegen kannst. Du bist enttarnt!

N(icht) T(ragfähiges) V(erdummungsorgan)

Es ist so un. So unglaublich un. So unglaublich unglaublich: Un. Einfach un.

N-TV. Ja, genau der Sender, der nichts anderes bringt, als PR-Reportagen a la: „Wie stellt man eigentlich die leckere Milka-Schokolade her?“ nebst „Die besten Kampfpiloten der Airforce“. Also dieses N-TV, dieser Inbegriff des Infotainments im schlechtesten Sinn. Diese Ausgeburt des Unterschichten-Verdummungsfernsehens. Diese gerade mal kurz über Neun-Live vegetierende Brainslug-Schleuder. Dieser Kretinsender fragt allen ernstes den Herrn Niggemeier, ob denn das Internet doof mache.

Oh. Mein. Gott.

Und der Niggemeier hat nicht mal den Mumm, alle anwesenden Moderatoren und Redakteure mit dem Holzknüppel zu versohlen, ob dieser maßlosen Frechheit.

Mahlzahn und das Gespenst des deutschen Antiamerikanismus

Oft schon wurde uns von den deutschen Neocons einzureden versucht, Antiamerikanismus sei ein spezifisch deutsches Phänomen und ginge zudem einher (oder resultiere aus) dem Antisemitismus. Die Perfide Logik ist klar: „Wenn du was gegen Amerika sagst, dann hättest du damals auch Juden vergast!“

Nichts desto trotz halten anscheinend die Deutschen die USA für gefährlicher für den Weltfrieden als den Iran. Das nimmt Mahlzahn zum Anlass den Deutschen wieder mal ihren spezifischen Antiamerikanismus vorzuführen.

Ich könnte seine Aufregung ja fast schon verstehen hätte die Frage geheißen: Wer ist das größere Arschloch? Da kann man auch schon streiten, aber letzten Endes würden sich sicherlich die meisten deutschen für den momentanen Iran entscheiden. Keine Frage, Iran IST gerade ein Arschloch. Zudem muss man aber auch in Rechnung ziehen, dass man auch wegen Dummheit eine gewisse Gefährlichkeit bergen kann, man dafür also nicht mal ein Arschloch sein muss.

Aber um Arschlochsein ging es eh nur bedingt. Denn ein Arschloch ist nur so gefährlich wie groß seine Möglichkeiten sind, das Arschlochsein auszuleben. Im Bezug auf den Weltfrieden lassen wir hier nur militärische Mittel gelten. In anbetracht der Tatsache, dass 45% des Rüstungsausgaben der Welt auf die USA zurückgeht, kann man sich diese potentielle Wirkrelation kaum mehr bildhaft vorstellen. Versuchen wir es:
Kann ja sein, dass der Iran fieser ist, aber eine richtig fiese Mücke ist nun mal trotzdem ungefährlicher als ein nur leicht fieser (oder ziemlich vertrottelter) Tyrannosaurus Rex. Wie man es also dreht oder wendet. Es ist nicht irrational, die USA für gefährlicher zu halten als den Iran. Ich persönlich teile diese Meinung, würde aber übrigens auch Russland gefährlicher einschätzen als den Iran.

Nichts desto trotz gibt es ihn: den deutschen Antiamerikanismus. Keine Frage. Tatsächlich ist er aber vergleichsweise moderat. Innerhalb Europas braucht man nur gen Frankreich oder Spanien schauen um zu dieser Einsicht zu gelangen. Sogar bei einem Großteil der britischen Bevölkerung findet man einen viel ausgeprägteren Antiamerikanismus.
Aber auch Europa ist insgesamt doch noch sehr auf moderatem Kurs. In allen anderen Teilen der Welt ist es aber weit schlimmer. Wenn ein US-Bürger in Süd- und Mittel-Amerika unterwegs ist, dann gibt er sich schon notgedrungen als Kanadier aus. Das ist im zweifelsfall gesünder. Denn hier wird der Antiamerikanismus oft sogar handgreiflich ausgetragen.
Vom Nahen und Mittleren Osten brauchen wir ja gar nicht erst anzufangen.
Russland und China haben ihren Antiamerikanismus erbgefeindschaftet und Jahrzehnte tief kultiviert. Der sitzt tief wie eh und je.
Japan? Keine Ahnung. Ich glaube die sind einfach zu höflich für offen ausgelebten Antiamerikanismus.

Also, was bleibt? Nun, ich habe gehört, dass weite Teile der USA den übrlichen Antiamerikanismus nicht teilen. (Andere sagen, sie hätten nur ihre eigene Form entwickelt)
Soviel zum deutschen Antiamerikanismus, Herr Mahlzahn, der auch gerade in den USA nicht als solcher angesehen wird.

Da fragt man sich doch: Wenn so ziemlich alles was in dem Artikel steht, mit so einer Leichtigkeit als dumpf dreiste Stimmungsmache enttarnt werden kann, weil so ziemlich alles an dem Artikel aus nicht haltbaren Suggestionen besteht, dann ist Mahlzahn entweder unfassbar dumm, oder er wird für seine Meinung bezahlt.