Meine Daten und die Zukunft

Einer der eindrucksvolleren Beiträge auf dem Wordcamp, war sicherlich der über Bloggen und Recht, von Henning Krieg. Allerdings: in den rechtlichen Fragen des Bilderpublizierens (Persönlichkeitsrechte, Urheberrechte) konnte Krieg nicht wirklich präzise Antworten liefern, was freilich nicht an ihm lag. Das Gesetz ist dort so schwamming und veraltet, dass es eigentlich kaum Rechtssicherheit gibt.
Auf die Frage z.B., ob es nicht verboten sei, Graffities auf Hauswänden zu fotographieren, weil es Urheberrechte verletzt, war die Antwort: eigentlich ja, aber irgendwie doch nicht richtig. Eigentlich sei es gar verboten, ganze Häuser (Urheberrechte des Architekten) zu fotografieren, wohl aber Häuserreihen. Was aber (bisher) selten zu rechtlichen Konsequenzen führt. (Hoffentlich lesen hier keine Abmahnanwälte mit, die ich jetzt auf dumme Ideen bringe…)

Die Schwammigkeit und Unausgegorenheit dieser Gesetzeslagen ist dadurch zu erklären, dass sich die rechtlichen Probleme in diesen Bereichen bisher in Grenzen hielten. Die meisten privaten Aufnahmen landeten bisher bestenfalls in dem heimischen Fotoalbum. Heute, wo auch noch der unbedeutendste Schnappschuss im Internet veröffentlicht wird, und auf diese Weise ein potentiellen Millardenpublikum erreicht, oft noch mit den Metadaten (Was, wann, wo, wie) versehen, macht jedes Foto zum Politikum in einer rechtlichen Grauzone.

Krieg nannte diese Entwicklung recht treffend „Sichtbarkeit“. Diese neue Sichtbarkeit ist es, die zu im Internet all die neuen Probleme verursacht, die bisher eben nicht sichtbar waren. Denn, klar haben schon früher die Leute den einen oder anderen Mitmenschen als „Arschloch“ bezeichnet. Auch öffentlich, z.B. in der Kneipe.
Und auch die übelsten Schnappschüsse von Schnapsleichen in auf privaten oder öffentlichen Feiern wurden ohne Einwilligung und ohne einen Gedanken an rechtliche oder ethische Maßstäbe zu verschwenden, vorgenommen. War ja sowieso nur ein kleiner Kreis, der sie zu Gesicht bekam.

Die Sichtbarkeit ist das das eigentlich neue Paradigma. Oder besser noch: die Transparenz. Dabei ist diese Problematik, diese ich sag mal Ungleichzeitigkeit, gar nicht so neu, wie man denken könnte:

Über 3300 Jahre nach dem Tod des Pharaos Tutanchamun, soll die Todesursache und damit das Mordkomplott gegen ihn aufgedeckt werden. Mithilfe eines Computertomographen. Damals musste die Tat ungesühnt bleiben aber nun existieren die technischen Möglichkeiten aus dem gegeben Resten an Beweismaterial den genauen Tathergang zu rekonstruieren. Es werden Dinge sichtbar oder transparent, die vorher im verborgenen bleiben mussten. Das geht, in verschiedenen Intensitäten, seit Jahrhunderten so. Nicht nur in der Archäologie. Mordfälle werden durch immer exaktere Forensik von Wissenschaftlern aufgeklärt. Columbo war gestern. Heute gibt es CSI.

Was ich auf der Session leider nicht mehr einbringen konnte, war die Frage, wie Krieg einschätzt, dass sich die rechtlichen Probleme in dieser Hinsicht in Zukunft weiterentwickeln werden. Schließlich ist die technische Entwicklung ja noch lange nicht am Ende der Fahnenstange und mit ihr auch nicht der Grad Transparenz. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns da alle noch sehr umgucken werden.

Ich persönlich bin einerseits durch mein relativ gutes technisches Vorwissen und anderseits durch ein gewisses Misstrauen gegenüber kommerziellen Dienstanbietern relativ bewusst über den Umgang mit meinen Daten. Ich achte z.B. darauf, Bilder von mir, nicht unter meinem richtigen Namen ins Netz zu stellen. Überhaupt bin ich vorsichtig mit meinem Namen. Ich bin auch vorsichtig, welche Dienstanbiter ich wähle und versuche die Daten über mich, möglichst über unterschiedliche Dienste zu verteilen, um die Verknüpfbarkeit zu erschweren. Denn darum geht es: Verknüpfbarkeit. Ja, ich denke, ich habe eine ganz gute Kontrolle über meine Daten. Heute. Jetzt, zu diesem Zeitpunkt.

Ich bin aber vollkommen Macht- und Ratlos wenn ich an die zukünftige Verknüpfbarkeit denke. Wenn ich an Biometrische Geischtsanalysen denke und mir dies als Bildersuchmaschine vorstelle. Wenn ich Microsofts Photosynth (Video) sehe und mir vorstelle, wie sonstige Webanwendungen alle Bilder von mir und alle Bilder auf denen ich zu sehen bin, automatisch mit Metainformationen anreichern (genauer Ort, Datum, Urhzeit, Namen), die ich aus welchen Gründen auch immer, dort bewusst nicht angeben habe, bekomme ich es mit der Angst.

Denn das alles ist bereits in der Pipeline. Und in spätestens 2 Jahren wird man bei der Bildersuche im Web ein Foto von jemandem hochladen können und man wird daraufhin Fotos von diesem jemand finden, von denen er selber nicht wusste, dass es sie gibt. Es wird dann ein einziges Bild reichen, das mit richtigen Namen betitelt ist, um alle Fotos die es zu diesem Menschen gibt, der Anonymität zu entreißen. Einen Klick weiter wird man ein Exposee aller seiner Tätigkeiten im Internet erhalten. Themen, Freunde, Interessen, Adressen etc.
Man wird auch einen Crawler über einen Flickraccount laufen lassen können und ein ziemlich genaues Bild davon bekommen, wen er so kennt, und wo er sich aufgehalten hat. In sekundenschnelle.

Ein andere Beispiel ist Twitter. Twitter ist dermaßen gut durchsuchbar, dass es bereits unglaublich viele Drittanwendungen gibt, die aus den Twitterrohdaten Metadaten machen. Sie zeigen Dir, wo Du bist, wie deine Twitterzyclen so sind, mit wem du so kommunizierst, über welche Themen du schreibst, wie beliebt du bist, etc. Auch das ist noch lange nicht am ende. Google wird seinen aufgekauften Twitter-Metoo Jaiku noch mit seiner Lokalisierungsschnittstelle kombinieren und das ganze natürlich in Adroid, dem Mobiltelefon-Betriebssystem, implementieren. Die Nutzer werden es Google danken. Mit unvorstellbar vielen persönlichen Daten.

Aber das ist es gar nicht was mir Angst macht. Was mir Angst macht, ist das Verlieren der Informationshoheit über das was jetzt noch anonym ist. Man kann sich mit genügend technischem Sachverstand zu einem konkreten Jetzt immer in Sicherheit wiegen, doch den Archäologen der Zukunft wird nichts verborgen bleiben. Auch wenn man das Gefühl hat, eine Wahl zu haben und eine Kontrolle. Sie wird einem entglitten sein.


ich befinde mich hier:

Livestream vom Wordcamp08. W-Lan Kaffee, Leute, Essen. Alles super hier. bitte schreien, wenn meine Fresse in der Gloze kommt.

16:32. ganz schön fertig, schon. Wenig geschlafen. Viel gequatscht. Viele Leute wiedergetroffen. Viele Leute kennengelernt. Einige Sessions besucht. Über die Rechtsession von Kriegsrecht werde ich noch mal was schreiben. Jetzt auf der Wikiosession. Aber eigentlich mehr zum Batterie aufladen. Meine und die des Macbooks.

01:00 Ein unverschämt gutes Buffet genossen. Bloglesung vorher war auch schön. Einige Nerds haben aber nicht so richtig kapiert, dass eine Lesung keine „Session“ ist und währenddessen fröhlich auf ihren Notebooks rumgeklimpert. Was ganz schön gestört hat. Da merkt man dann schnell, dass hier mehrere Welten aufeinandertreffen. Barcamp meets Bloglesung, neue vs. alte Bloggerwelt. Irgendwie ist mir die alte dann doch sympathischer. Als es noch um Inhalte und Geschichten ging. Um das Bloggen selbst und den Spass daran. Ganz ehrlich: Wäre dieser Blogbezug nicht da, wäre ich wohl auch nicht hier. Es hat schon seinen Grund, warum ich mich nie aufraffen konnte, zu den normalen Barcamps zu gehen.

Andererseits: Alle Achtung Cem! Er hat es (als erster) geschafft, beide Seiten auf einem Event zu zusammenzubringen.


Demokratisierung der Überwachung?

Volker Strübing bringt eine interessante Blickwendung auf den Datenschutz in die Diskussion ein. Wenn man seine Daten sowieso nicht mehr kontrollieren kann, so Strübing, müsste man dann nicht vielmehr dafür sorgen, dass nicht mehr nur eine kleine Elite (Staatsanwaltschaft, Unternehmen, Geheimdienste) darüber verfügt – sondern alle?

Vielleicht ist es ja wichtiger, für die Freiheit von Information zu kämpfen, als zu versuchen sie zu “schützen” und zu verhindern? Das gruslige an der Vorstellung einer Orwell’schen Zukunft ist doch vor allem die Tatsache, dass man der Beobachtung durch ein repressives System ausgesetzt ist, oder? Klar, uns wird es schwer fallen, auf die Privatsphäre zu verzichten, weil wir mit dem Glauben aufgewachsen sind, sie sei ein grundlegendes Menschenrecht. Weil wir daran gewöhnt sind. Aber vielleicht werden unsere Enkel einmal den Kopf darüber schütteln.

Wenn man bedenkt, dass die Schnittmenge der Leute, die für Informationsfreiheit und derer, die für informationelle Selbstbestimmung kämpfen, enorm groß ist, ist das natürlich eine verlockender Vorschlag. Man kombiniere die beiden Forderungen und demokratisiere so die Überwachung.

Ich selber hatte auch schon oft darüber nachgedacht. Was wenn jeder zu jederzeit über das Internet das Bild jeder Überwachungskamera einsehen könnte? Was, wenn jeder zu jederzeit, auf die vorratsgespeicherten Daten der Provider Zugriff hätte? Wenn bald gar eine öffentliche Gendatenbank existiert, auf die jeder Zugriff hat?

Ein vollkommen transparente Welt würde zumindest das informationelle Machtgefälle beseitigen, so die These. Wenn alle von allen überwacht sind, dann kann auch niemand mehr einen Vorteil daraus ziehen.

Als ich mich mit diesem Gedanken konfrontierte, hatte ich ihn aber bald schon wieder verworfen. Denn wer ist das denn, das „repressives System„, dass Strübing hier meint? Wer ist denn diese „Elite„? Ist es nur der Staat? Meinetwegen auch die Konzerne? Wer ist die Repression, bzw. wer wäre es, wenn alle Daten für alle verfügbar sind?

– Schatz, über was hast Du sich denn so lange mit Frau Müller an der Straßenecke unterhalten.

– Nein, hier können Sie keine Lebensversicherung abschließen, tut mir leid.

– Hatte ich dir nicht ausdrücklich verboten, Dich mit Ihm zu treffen? Ab auf Dein Zimmer!

– Ach, Du rufst ihn also immer noch an. Soso…

– Waren Sie an diesem Tag nicht krank geschrieben?

– Oh, Sie kaufen Ihr Brot also bei der Konkurrenz. Aber für Brötchen sind wir gut genug?

– Was hattest Du noch mal gegenüber [gemeinsamer Freund] über mich gesagt?

Wenn alle Informationen frei sind, dann bestimmt nicht mehr der „Zugang“ dazu, sondern das nur noch das Interesse daran, wer wen überwacht.

Nein, lieber Volker Strübing. Das Problem ist keine anonyme (staatliche) Elite. Denn im Zweifelsfall sind die schlimmsten Diktatoren, immer die Menschen, die uns lieben (oder sonstiges Interesse an uns haben). Und ja, im Zweifel auch wir selbst. So traurig das auch ist.


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Ja, verdammt. Es ist eines der Themen DAS Thema in Sachen Technologie, das auch mich am allermeisten beunruhigt. Denn die Gentechnik hat das Potential so tief und grundsätzlich in das Verständnis, vor allem in das Selbstverständnis, des Menschen einzugreifen, wie es keine andere Technologie vermag.

Man muss sich nur vergegenwärtigen, wie oft Menschen sich in ihrer Geschichte das Menschsein genseitig abgesprochen haben, um zu wissen, wie fragil dieses Selbstbild ist. Schwarze galten lange Zeit in ganz Europa nicht als Menschen. Juden wurden als „Untermenschen“ vergast. Behinderte als „entartet“ ermordet. Und nein. Das ist alles noch nicht ausgestanden. Das kommt immer wieder und es bedroht auch uns. Auch jetzt. Es bedroht alles „Andersartige“. Das Andere, der Andere ist es, dem das Menschsein in unterschiedlichen Stufungen immer wieder abgesprochen wurde und bis heute wird.

Was passiert also, wenn auf den ersten Schritt der genetischen Erfassung und Untersuchung von Menschen, der nächste logische, der der „Selektion“, folgt? „Ich würde Ihnen raten, dieses Kind nicht zu bekommen. Es hat eine 78%tige Wahrscheinlichkeit einen Herzfehler zu bekommen.„.

Und erzähle mir keiner, dass Eltern sowas nicht tun würden. Sie würden es. Fast alle. Was Kinder heute schon alles erleiden müssen, weil ihre Eltern nur „das Beste“ für sie wollen. Überhaupt bin ich gegen Eltern. Aber das ist ein anderes Thema…

Und was, wenn die Technologie so weit ist, diese Dinge zu reparieren: „Wir bieten Ihnen den besten Mix Ihrer beider Gene und garantiert ohne Erbkrankheiten. Die gewünschte Haarfarbe tragen Sie bitte hier ein.„?

Wenn man es sich leisten kann, bekommt man dann „optimierte“ Kinder. Es wird sich natürlich nicht jeder leisten können. Aber jeder wird es versuchen. Denn was ist ein „normaler“ Mensch noch wert, unter all den Tüv-gesprüften Deluxemenschen mit Garantiesigel? Auf dem Heiratsmarkt? Auf dem Arbeitsmarkt? Als Bürger? Bei der Krankenversicherung? Als Freund? Als Sohn? Als Tochter? Als Mensch?

Der Film Gattaca hat sich genau dieser Frage angenommen. Wie sähe eine solche Welt aus? Aus der Sicht eines solchen „Unperfekten“? Ich empfand ihn damals als einer der erschreckensten Filme die ich je sah. Und ich glaube er untertreibt. Es wäre wird vermutlich alles noch viel schlimmer.


Hyperkult 17 – call

Der Call des diesjährigen Hyperkult erwischte mich heute kalt. Denn nichts anderes als mein Dissertationsthema wird dort verhandelt: „Ordnungen des Wissens„. Das ist einerseits schön und zeigt, dass ich irgendwie richtig liege mit meiner Themenwahl. Andererseits überkam mich sogleich das schlechte Gewissen, weil ich so lange nichts mehr dafür getan habe. Natürlich geht es gar nicht anders, als dass ich diesmal etwas einreiche. Aber irgendwann musste es ja soweit kommen. Na dann, auf auf!

So gesehen kam der Call genau zur richtigen Zeit.

Sehr schön auch der Begleittext:

Die Ordnung des Wissens wird mit und in Computern verwahrt. Börsennotierte Unternehmen besitzen es, machen es profitabel zugänglich oder enthalten es vor. Dabei geht es nicht um Zensur, wenn festzuhalten ist, dass die Verfügung über das Wissen der Welt nunmehr außerhalb der Verantwortung wohlmeinender Sachwalter wie Bibliothekarinnen oder Archivaren oder professioneller Geheimhalter wie den Sicherheitsdiensten geraten ist. Was Google und andere nicht anzeigen, wird heute nicht wahrgenommen und existiert morgen ganz einfach nicht mehr. Und was sie findbar machen, ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen.
Es ist die Ordnung selbst, die sich verändert, ohne dass dies von denen zu verhindern wäre, die noch zu Zeiten des Zettelkastens für das Wissen der Welt oder dessen Verschluss zuständig waren.
Dabei träumten in den 60er Jahren noch so manche von einer aufgeräumten Gesellschaft. Das Militär, Banken, Versicherungsfirmen und Science-Fiction-Autoren erkannten das Potenzial der Computer, und auch der Staat erhoffte sich eine effizientere Verwaltung seiner Bürger in zentralisierten Datenbanken. Gegen diesen Willen zum Wissen wurden Gesetze in Stellung gebracht, um die Menschen vor allzu zudringlichen linearen Listen und binären Bäumen zu schützen. Der Glaube aber, Ordnung bedeute Sicherheit, weht weiterhin durch die Büros der Innenministerien.
Inzwischen werden die Datensammlungen der Behörden übertroffen von denen der Internet-Firmen, deren weltweit verteilte Datenbestände sich einer öffentlich-rechtlichen Kontrolle systematisch entziehen. Das Problem ist heute nicht mehr, Information zu erzeugen, sondern sie zu finden. Das WWW ist der perfekte mathematische Baum, in dem jede Datei eine eindeutige Adresse zugewiesen bekommt. Deshalb ist die Ordnung der Informationen bis heute nur durch brute force aufzulösen, indem der digitale Bibliothekar bei jeder Anfrage jedes Blatt seiner Bibliothek durchsucht,– was jeden Bibliothekar und auch alle zusammen schlicht überfordert und nur noch von Serverfarmen unter erheblichem Kapitaleinsatz leistbar ist, was wiederum die öffentliche Hand überfordert.
Und nicht jede gefundene Information darf behalten, geteilt, zitiert oder genutzt werden. Die Ordnung des Wissens schafft Eigentumsverhältnisse und Äußerungsdelikte, Meinungsfreiheiten und Pressezensur. Den Ordnungskräften stellt sich eine Informationsguerilla entgegen, die Regeln unterwandert oder Strukturen ins Unerträgliche vermehrt und dadurch hofft, durch das Raster zu fallen. Und daneben wächst eine Wissensindustrie, die nach ihren eigenen Regeln agiert.
Wir fragen daher: Welche Ordnungsstrukturen werden durch den Computer als Medium geschaffen, welche in Frage gestellt? Wer kann noch Einfluss nehmen? Was wird mit Computern geordnet und was entzieht sich diesen Bemühungen? Welche Wünsche und Ängste verbinden sich mit Ordnungen? Welche Rolle spielt Ordnung in der Kunst? Welchen Wert bekommt die Unordnung in der digitalen Welt?


Brief an Steve

Da ich ja gerade auf der Suche nach einem neuen Handy bin, habe ich natürlich auch ans‘ iPhone gedacht. Natürlich auch ab und zu vorher schon. Aber jetzt mal wieder. Neben dem Preis, den schmerzlich fehlenden Features und der Tatsache, dass mein Vertrag bei O2 noch ein ganzes Jahr lang läuft, war es vor allem folgendes, was mich abschreckte:

Lieber Steve,

warum hast du das getan? Was ist bloß in dich gefahren? Warum hast du, frag ich mich verdrossen, bloss diesen vertrackten Packt geschlossen?

Steve, ich rede vom Exklusivvertrag mit der deutschen Telekom. Warum, Steve, warum verflucht, hast du dir ausgerechnet diese Firma ausgesucht? Die Telekom ist Teil von dieser Kraft, die nie das gute will und überhaupt nichts rafft.

Sie behauptet, sie wolle ihren Kundenservie optimieren, und entlässt dann erstmal, froh und heiter, 1000 Kundenservicemitarbeiter.
Drum ist auch bei T-Mobile, der Kundenservie irgendwie nicht so geil. Im Gegenteil er ist nicht nur nicht effizient, er ist schlicht und einfach nicht existent. Ein Beispiel, Steve, bestell dir bei der Telekom doch einfach mal DSL.
Machs einfach mal und dann ruf am besten auch mal bei der Hotline an. Vielleicht hast du ja Glück und irgendwann statt der Computerstimme sogar einen Menschen dran, dann frag ihn doch mal nach dem günstigsten Hadytarif. Ach, ja, kleiner Ratschlag noch, nimm dir Zeit dafür, Steve.

Ich bin mir sicher, Du würdest viel mehr iPhones verkaufen, würde das nicht exklusiv über die Telekom laufen. Gerade jetzt, denn jetzt ist der Hype hot, wie seinerzeit beim iPod. Ey Steve das war ja wohl massiv naiv und im höchsten Maße kontraproduktiv.

Hat dir das denn keiner vorher gesagt? Warum hast Du nicht einfach uns gefragt? Uns, die jetzt kollektiv im Schreck vereinte, bundesdeutsche Macgemeinde? Wir sind schließlich zu dir konvertiert, weil wir Technik schätzen, die funktioniert. Deshalb sind wir nicht bei der deutschen Telekom, verstehst du steve. Wir hassen, dass das alles so quälend kompliziert ist, bei der Telekom, dabei könnt doch alles so einfach sein, aber nein. Übrigens das feine am iPhone ist ja, dass es so einfach und schlicht ist, ne. Kurzum, das iPhone ist alles was die Telekom nicht ist.

Man, Steve, warum biederst Du Dich diesem Anbieder an, wenn doch einer wie Du jeden haben kann. Ich finde, und ich habe Dich sonst immer verteidigt, dass diesmal nicht der Mac die Mittel heiligt. Steve, ich bitte Dich, behandel uns bitte nicht so Stevemütterlich. Trenn Dich von der Telekom. Danke, fürs Entgegenkommen.

viavia


Podcast Air – der dünnste podcast… etc.

(Jörg)
Heute wir introduce to you einen vollkommen neuen, revolutionary Podcast. Es war amazing mit anzusehen, wie toll und simple all die bisherigen Podcasts sich anhörten. We made it even simpler. Hier ist er, der thinnest Podcast in the world!

Direktlink


Konken und Darwin

In den Blogs wurde für die auf der Diskussionsveranstaltung vorgetragene Abneigung bestimmter Herrn gegen das Internet immer wieder die übliche Erklärung herangezogen. Die geht so: Journalisten fühlen sich zunehmend bedroht, weil ihnen die Aufmerksamkeitfelle auf dem Internetfluss davonschwimmen und sie würden deswegen auf die Bedrohung blind draufdreschen in der Hoffnung, dass sich die Menschen davon abwenden. Das ist allgemein ja nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber in dieser Diskussionsrunde konnte man dies für keinen der Teilnehmer gelten lassen. Jedenfalls nicht für die beiden Hauptkrawallieros Konkens und Jörges. Während bei Jörges unschwer eine rein arroganz- und selbstherrlichkeitsinduzierte Ignoranz attestierbar ist, ist es bei Konkens noch viel einfacher:

Ich hatte mir im Vorfeld schon dieses Interview [via] angehört. Die Emotionaliät mit der Konken da gegen die „Anonymen Schreiber“ wettert, ist nicht mit der allgemeinen Abwehrhaltung der Journalisten gegenüber dem Internet zu erklären. Konken, das wurde schon hier klar, ist selber betroffen. Er fühlt sich als Opfer verleumdnerischer Machenschaften und projiziert dieses Erlebnis kurzerhand auf alle Blogs.

Der Hinweis aus den Kommentaren bei Felix Schwenzel führte auch gleich zu dem, was Konken einerseits „erleiden“ muss, und was er andererseits fälschlicher weise für ein Blog hielt: stadl.biz. Man kann über den Stil und den Grad der Geschmacklosigkeit streiten, wie hier mit Menschen umgegangen wird. Ich finde das sogar noch im Rahmen. Aber man kann nicht darüber streiten, dass wohl niemand, nicht mal der einfältigste Journalist, dies für ein typisches Beispiel eines Blogs halten würde, ich persönlich nicht mal überhaupt für ein Blog. (Wobei man die Definition natürlich noch weiter fassen kann)

Wir haben es hier also schlicht mit einem Menschen zu tun, der keine Ahnung hat, was das überhaupt ist, ein Blog (es erscheint evident, dass er noch nie ein anderes Blog gesehen hat. Außer vielleicht die Blogs der Süddeutschen, die es bekanntlich nicht gibt) und deswegen auch fähig ist, die Seite stadl.biz überhaupt mit einem zu verwechseln. Das kann passieren. Eine solche Unkenntnis ist in diesem seinem Beruf zwar sicher ein enormes Handicap, aber was anderes hätte ich ehrlich gesagt nicht mal erwartet.

Von minderer Intelligenz ist es aber, trotz dieser völligen Unkenntnis die Einfältigkeit zu besitzen, stadl.biz als Prototyp für die vielen hunderttausend Blogs in Deutschland herzunehmen und sich zu entblöden auf dieser wackligen Grundlage öffentlich herumzukrakelen. Das geht über die übliche journalistische Ignoranz und Inkompetenz auf diesem Gebiet deutlich hinaus. Da haut einer unkoordiniert und wild um sich, während er vor Tränen in den Augen nicht mal sieht, dass da längst niemand mehr um ihn herumsteht.

Auch wenn das jetzt als Beleidigung aufgefasst werden kann: das ist schlichtweg Dummheit. Vor allem ist es aber höchst unprofessionell. Denn wenn sich ein Vorsitzender von einer noch so unbedeutenden Klitsche, dermaßen emotionsgeleitet und bar jeder Information in den öffentlichen Diskurs wirft, sollte man ganz dringend nach Ersatz suchen. Damit wäre dann wiederum stadl.biz als notwendiges Korrektiv legitimiert und allgemein der Ökokreislauf des Webs unter Beweis gestellt. Stadl.biz mag ein wenig eklig sein. Eben genau so eklig wie Würmer und Maden, die die verrotteten Kadaver verstorbener Gattungen dahin befördern wo sie hingehören. So eklig wie notwendig eben.


Don Alphonso’s heimlicher Charme

Das war der Höhepunkt der Diskussion, wie der Don Alphonso den Jörges einerseits charmant um den Finger wickelt und zugleich dem bürgerlichen Spießertum, dem der Jörges heute hörig ist, Alptraumscenarien an die Wand malt sprayed:

Ich war früher schwarzer Block, sie waren früher in Frankfurt auf der Straße, wir können uns da praktisch die Hand reichen. Aber, nochmal: das da draußen war überhaupt nicht schlecht und wir müssen einfach akzeptieren, dass diese APO, dieser schwarze Block da draußen größer wird und die Leute überhaupt keine Lust haben, sich den Stein wieder aus der Hand nehmen zu lassen..

ca. Min 83. im [Video]

Warum versteckt der Don diesen intelligenten und listigen Charme in seinen Blogs nur so oft? Schade…


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