Brief an Steve

Da ich ja gerade auf der Suche nach einem neuen Handy bin, habe ich natürlich auch ans‘ iPhone gedacht. Natürlich auch ab und zu vorher schon. Aber jetzt mal wieder. Neben dem Preis, den schmerzlich fehlenden Features und der Tatsache, dass mein Vertrag bei O2 noch ein ganzes Jahr lang läuft, war es vor allem folgendes, was mich abschreckte:

Lieber Steve,

warum hast du das getan? Was ist bloß in dich gefahren? Warum hast du, frag ich mich verdrossen, bloss diesen vertrackten Packt geschlossen?

Steve, ich rede vom Exklusivvertrag mit der deutschen Telekom. Warum, Steve, warum verflucht, hast du dir ausgerechnet diese Firma ausgesucht? Die Telekom ist Teil von dieser Kraft, die nie das gute will und überhaupt nichts rafft.

Sie behauptet, sie wolle ihren Kundenservie optimieren, und entlässt dann erstmal, froh und heiter, 1000 Kundenservicemitarbeiter.
Drum ist auch bei T-Mobile, der Kundenservie irgendwie nicht so geil. Im Gegenteil er ist nicht nur nicht effizient, er ist schlicht und einfach nicht existent. Ein Beispiel, Steve, bestell dir bei der Telekom doch einfach mal DSL.
Machs einfach mal und dann ruf am besten auch mal bei der Hotline an. Vielleicht hast du ja Glück und irgendwann statt der Computerstimme sogar einen Menschen dran, dann frag ihn doch mal nach dem günstigsten Hadytarif. Ach, ja, kleiner Ratschlag noch, nimm dir Zeit dafür, Steve.

Ich bin mir sicher, Du würdest viel mehr iPhones verkaufen, würde das nicht exklusiv über die Telekom laufen. Gerade jetzt, denn jetzt ist der Hype hot, wie seinerzeit beim iPod. Ey Steve das war ja wohl massiv naiv und im höchsten Maße kontraproduktiv.

Hat dir das denn keiner vorher gesagt? Warum hast Du nicht einfach uns gefragt? Uns, die jetzt kollektiv im Schreck vereinte, bundesdeutsche Macgemeinde? Wir sind schließlich zu dir konvertiert, weil wir Technik schätzen, die funktioniert. Deshalb sind wir nicht bei der deutschen Telekom, verstehst du steve. Wir hassen, dass das alles so quälend kompliziert ist, bei der Telekom, dabei könnt doch alles so einfach sein, aber nein. Übrigens das feine am iPhone ist ja, dass es so einfach und schlicht ist, ne. Kurzum, das iPhone ist alles was die Telekom nicht ist.

Man, Steve, warum biederst Du Dich diesem Anbieder an, wenn doch einer wie Du jeden haben kann. Ich finde, und ich habe Dich sonst immer verteidigt, dass diesmal nicht der Mac die Mittel heiligt. Steve, ich bitte Dich, behandel uns bitte nicht so Stevemütterlich. Trenn Dich von der Telekom. Danke, fürs Entgegenkommen.

viavia

Sehr geehrter Außerirdischer,

es ist nicht leicht Dir zu schreiben, sich an Dich zu adressieren. Welche Sprache wählt man? Welche Geste würde von Euch falsch verstanden werden? Bisher habt ihr es kolossal versäumt, Euch bei uns vorzustellen. Dabei ist das hier bei uns, auf der Erde, gang und gebe. Aber gut, das könnt ihr ja nicht wissen. Aber da sind wir auch schon beim Problem.

Wir wissen nämlich schon eine ganze Menge über Euch, über Euer Wesen, sozusagen. Denn wir wissen das schon über Euren komischen Namen: „Außerirdische“.

Ihr seid außen. Soviel steht fest. Wenn es eine Grenze gibt, irgendeine, dann steht ihr außen vor. Und es ist nicht so, dass wir das nicht kennen. Wir kennen nämlich schon länger den „Ausländer“ an sich.

Ihr, die Außerirdischen, seid also quasi nur die auf das Weltall ausgedehnte Version des Ausländers. Damit ist eigentlich alles gesagt, was wir über Euch wissen müssen: Ihr könnt unsere Sprache nicht, haltet Euch nicht an unsere Verkehrsregeln, esst komische Sachen und seid vor allem eins: anders.

Lieber Außerirdischer. Wie soll ich das sagen? Ich denke, das sind keine guten Vorraussetzungen für einen ersten „Contact“. Ehrlich gesagt, mögen wir Euch schon jetzt nicht. Und es ist sicher keine so gute Idee hier vorbeizuschauen.

Du musst wissen, Außerirdischer, dass genau dort das Hauptproblem besteht, mit Dir: Du bist außen und Du wirst immer außen bleiben. Du bist eben alles was wir nicht sind, Du bist keiner von uns. Wir sind ein „Wir“. Das war schon immer so. Und alles was wir mögen (oder auch nur akzeptieren), das sind wir und das, was wir so machen. Das nennen wir (Leit-)Kultur. Und das meint…, naja, eigentlich meint es gar nicht so viel… aber es meint vor allem…. also wenn es etwas gibt, dass es meint, dann dies: Du gehörst nicht dazu!

Ganz ehrlich? Hier hat es keinen Platz für Außerirdische wie Dich.

Ich kann hier auch nicht mit letzter Sicherheit für Deine Sicherheit garantieren. Die Erde ist im Zweifelsfall eine Nogo-Area. Ich glaube schon, dass wir, also einige von uns, wenig erfreut sein werden, wenn Du hier zum Beispiel Deine Religion ausüben willst. Wie immer die aussehen mag. Oder was Du sonst noch so tust in Deiner komischen anderen Welt. Ich will das alles gar nicht wissen. Nur eines: wir mögen das nicht. Ja. Das alles. Und vergiss nicht: wir können für Ordnung sorgen. Für unsere Ordnung! Notfalls mit Gewalt!

Noch einen Tipp: Wenn Du wider Erwarten dennoch hier vorbeikommen möchtest, (ich kann Dich (noch nicht) davon abhalten), solltest Du besser gut Fussball spielen können.

Der Mensch (Eigentümer)

[inspiriert vom cosmicconnexion, deren Film ich gestern ganz begeistert bei Arte gesehen habe.]