Sehr geehrter Außerirdischer,

es ist nicht leicht Dir zu schreiben, sich an Dich zu adressieren. Welche Sprache wählt man? Welche Geste würde von Euch falsch verstanden werden? Bisher habt ihr es kolossal versäumt, Euch bei uns vorzustellen. Dabei ist das hier bei uns, auf der Erde, gang und gebe. Aber gut, das könnt ihr ja nicht wissen. Aber da sind wir auch schon beim Problem.

Wir wissen nämlich schon eine ganze Menge über Euch, über Euer Wesen, sozusagen. Denn wir wissen das schon über Euren komischen Namen: „Außerirdische“.

Ihr seid außen. Soviel steht fest. Wenn es eine Grenze gibt, irgendeine, dann steht ihr außen vor. Und es ist nicht so, dass wir das nicht kennen. Wir kennen nämlich schon länger den „Ausländer“ an sich.

Ihr, die Außerirdischen, seid also quasi nur die auf das Weltall ausgedehnte Version des Ausländers. Damit ist eigentlich alles gesagt, was wir über Euch wissen müssen: Ihr könnt unsere Sprache nicht, haltet Euch nicht an unsere Verkehrsregeln, esst komische Sachen und seid vor allem eins: anders.

Lieber Außerirdischer. Wie soll ich das sagen? Ich denke, das sind keine guten Vorraussetzungen für einen ersten „Contact“. Ehrlich gesagt, mögen wir Euch schon jetzt nicht. Und es ist sicher keine so gute Idee hier vorbeizuschauen.

Du musst wissen, Außerirdischer, dass genau dort das Hauptproblem besteht, mit Dir: Du bist außen und Du wirst immer außen bleiben. Du bist eben alles was wir nicht sind, Du bist keiner von uns. Wir sind ein „Wir“. Das war schon immer so. Und alles was wir mögen (oder auch nur akzeptieren), das sind wir und das, was wir so machen. Das nennen wir (Leit-)Kultur. Und das meint…, naja, eigentlich meint es gar nicht so viel… aber es meint vor allem…. also wenn es etwas gibt, dass es meint, dann dies: Du gehörst nicht dazu!

Ganz ehrlich? Hier hat es keinen Platz für Außerirdische wie Dich.

Ich kann hier auch nicht mit letzter Sicherheit für Deine Sicherheit garantieren. Die Erde ist im Zweifelsfall eine Nogo-Area. Ich glaube schon, dass wir, also einige von uns, wenig erfreut sein werden, wenn Du hier zum Beispiel Deine Religion ausüben willst. Wie immer die aussehen mag. Oder was Du sonst noch so tust in Deiner komischen anderen Welt. Ich will das alles gar nicht wissen. Nur eines: wir mögen das nicht. Ja. Das alles. Und vergiss nicht: wir können für Ordnung sorgen. Für unsere Ordnung! Notfalls mit Gewalt!

Noch einen Tipp: Wenn Du wider Erwarten dennoch hier vorbeikommen möchtest, (ich kann Dich (noch nicht) davon abhalten), solltest Du besser gut Fussball spielen können.

Der Mensch (Eigentümer)

[inspiriert vom cosmicconnexion, deren Film ich gestern ganz begeistert bei Arte gesehen habe.]


Great Fire Wall

Es ist unglaublich. Die Dummheit unserer Richter in Sachen Internet ist so unbegrenzt wie selbiges (mal gewesen sein wird).

In dem Prozess eines Poronoanbieters gegen Arcor argumentierte das Landgericht Frankfurt, die Internetprovider – also die Zugangsprovider, nicht die Hoster – seien für die Inhalte der zugelieferten Seiten mit verantwortlich!

Das lasse man sich auf der Zunge zergehen. Nicht nur für Youporn und co. Nein.

DAS GESAMTE INTERNET!!!

Jeder – in Deutschland – kann jetzt jeden Provider – in Deutschland – wegen jeder – JEDER – rechtswidrigen Seite im Internet verklagen.

Was das heißt, kann sich jeder selber ausmalen:

Die Internetprovider werden versuchen Rechtssicherheit zu erlangen, indem sie jeweils oder gemeinsam eine GREAT FIREWALL einrichten und alles – vermeintlich – illegale (eine echte juristische Prüfung kann aus Kostengründen von vornherrein ausgeschlossen werden) sperren. Dabei wird nicht gekleckert. Da wird geklotzt. Am besten, man macht statt einer Blacklist, gleich eine Whitelist. Denn die Provider sind ab heute juristisches Freiwild und werden alles tun, um aus dieser Lage herauszukommen.

Leute. Ich sehe schwarz für dieses Land. Die Richter haben die Meinungsfreiheit auf chinesisches Niveau gebombt. Ich habe Angst.


Aufmerksamkeit

ist rar. Genauso meine Muße über philosophische Themen zu schreiben. Ich gelobe mich zu bessern.

So lange aber, ist die Aufmerksamkeit meiner philosophisch interessierten Leserschaft besser beim hervorragenden Philosophieblog des Herrn Allmann aufgehoben, der so ziemlich genau das macht, was ich mir immer vorgenommen habe: aus einer subjektiven, oft gar persönlichen aber nichtsdestotrotz informierten Schreibe heraus, philosophische Themen originell aufzubereiten.

(Ich weiß, einige meiner Leser haben ihn längst entdeckt und lesen dort schon fleißig mit. Aber sicher noch nicht genug.)


Rechtliche Fragen

Ich hab da eine rechtliche Frage:

Wenn im Falle einer entführten Personenmaschine der Minister Jung und der Schäuble bereits am Telefon sitzen und im Begriff sind, entgegen der Verfassung und entgegen des Urteils des Verfassungsgerichts, den Befehl zu geben die Maschine abzuschießen, kann ich dann, als antiterroristisch eingestellter Mitbürger, die beiden mit einem „finalen Rettungsschuss“ davon abhalten ihren Anschlag auf die „freiheitlich demokratische Grundordnung“ auszuführen?

Also rein theoretisch…


Zwang

Denke über die Einführung einer Kommentierpflicht meiner Leser nach…


NYC / USA – Eine Traumdeutung

So, in ein paar Stunden geht mein Flug. Zeit für ein paar Gedanken zu NY und einen zu Amerika:

Die Stadt ist krasser. Ich meine, als man sie sich vorstellt. Ganz unabhängig davon, ob man schon mal da war, oder nicht. Man braucht nur ein paar Tage nicht in NY sein und wiederkommen und zack: die Stadt ist krasser. Krasser als man sie in Erinnerung hatte.

Die Stadt ist international. Sie ist so international, dass man nie – nie nie nie – niemals über Passanten auf deutsch lästern sollte. Nie!
Ich war auf einer privaten Party, auf der außer mir, nur New Yorker, also Leute, die dort leben und arbeiten (nicht studieren), waren. Insgesamt waren es etwa 20 Leute. Es waren nur drei (3!!!) Amerikaner anwesend. Ansonsten: Japaner, Chinesen, Koreaner, Deutsche, Franzosen und was sonst noch so.
Mir wurde gesagt, Amerikaner hätten generell eher Angst vor NYC.

Die Stadt ist gar nicht mal sooo teuer. Klar, die Mieten sind krass. Aber auch nicht so krass. Weniger als ein drittel mehr als in Hamburg. Und ansonsten ziemlich gleich. Liegt natürlich auch am schwachen Dollar. Dennoch. Es ist auszuhalten. Natürlich fällt es trotzdem nicht schwer, hier unmengen Geld zu lassen.

Die Stadt ist sicher. Sie gilt mittlerweile als die sicherste Großstadt in den USA. Jedenfalls in Manhatten bin ich in keine Gegend gekommen, in der ich angst gehabt hätte, oder auch nur ein Unwohlsein. Und dass, obwohl ich mich hier eher in Ghetto bewege. Und ja, in Harlem war ich auch. Da ist zwar alles schwarz, aber nicht gefährlich.

Die New Yorker U-bahn ist beschissen. Ok, die Verbindungen sind gut und die Öffis sind billig (Mit zwei Dollar kommt man fast überall hin). Aber die U-Bahnhaltestellen sind unglaublich heiß innen drin (Erdwärmeleitungen?) und in den Zügen ist es unglaublich kalt (Air Condition). Man kann sich also extrem schnell eine Erkältung holen.

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Amerika ist ein Traum. Ein gelebter Traum. Ehrlich. Aber es ist ein Kindertraum. Baudrillard hat mal behauptet, dass Disneyland nur gebaut wurde, um den Amerikanern weis zu machen, die lebten in der Realität. Es musste also ein noch viel infantilerer Traum ersonnen werden, um die USA im Kontrast real wirken zu lassen.
Ich meine, hier ist alles Big Size. Es wird einem alles versprochen. Es ist alles noch viel unendlicher als unendlich und immer drei mal mehr unendlich, als die Unendlichkeit. Plus eins. Alles ist das größte, höchste, tollste und schnellste. Un d sogar noch größer, höher toller und schneller als die genannten Superlative. Es ist hyperreal. Ein Kindertraum eben.
Ich glaube, die Amerikaner haben das Erwachsensein eingestellt, ganz einfach aus dem Grund, weil es geht. Weil es hier so wenig Zwänge gibt. Sachzwänge. Die schier unendliche Weite des Landes, die scheinbar nie ausgehenden Rohstoffe, der unglaublich riesige Binnenmarkt, all das scheint jedes Problem lösbar zu machen. Und zwar mit dem Holzhammer (Viel geld. Oder überhaupt viel. Egal was, hauptsache viel). Und es funktioniert sogar fast immer.
Mit dieser Unbekümmertheit scheint es ein Kinderspiel zu sein, im Irak eine Demokratie zu installieren. Dann kann man auch so viel essen wie man will, denn die Türen sind ja überall groß genug. Und wenn nicht, machen wir sie eben größer. Es gibt hier keine Ohnmacht. Wenn man es mit 100% nicht schafft, dann macht man es eben mit 200%. Unmöglich? Nicht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.