Dings

So, @_jrg, @bosch, @tristessedeluxe, @_peekaboo und Konsorten: da habt ihr!

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Meine Flattrrevenue ist übrigens nicht so groß, wie der von Tim (uff), aber ich finde € 58,78 für mein bisschen Bloggerei hier voll okay. – Ich sag’s doch.

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Endlich, endlich, endlich haben Max und ich es geschafft, mit Strom, Mikro, Zeit und Skype zusammen zu kommen und eine neue Folge „Wir müssen reden“ aufzunehmen. Eine nette Plauderei ist das geworden.

New York per Rad

Ich bin jetzt schon über einen Monat in New York. Irgendwie ist es hier spektakulär unspektakulär. Als ich das erste Mal vor drei Jahren hier war, hat mich das zwar alles sehr beeindruckt, aber den Wunsch hier zu wohnen hat es nicht geweckt. Eher im Gegenteil. Die Stadt ist unfassbar laut und eng. Überall ist es voll, überall wird gedrängelt. Einfach unfassbar viele Menschen auf engem Raum. In Berlin liebe ich ja diese Ausdehnung, wo jede Straße so breit ist, wie sie in NY sein müßte, aber eben dort nicht sein muss.

Aber es geht. Es ist nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt habe. Man gewöhnt sich an die Enge und an die Lautstärke. Man nimmt nicht mehr wahr, dass alle 5 Minuten irgendwo eine Autoalarmanlage anspringt, Feuerwehr und Polizei herum trötend durch die Gegend rasen, der L-Train mit dem Lautstärkepegel eines Maschinengewehrs einfährt und jeder sowieso überall hupt und schreit.

Dennoch fehlt irgendwie der Thrill, dieses Gefühl der Zukunft und der Weltstädtehaftigkeit von der einige Freunde befallen wurden, als sie hier weilten. Ich sehe viel Verfall und viel Dreck. Etwa so wie in Berlin, da komme ich gut mit klar. Aber wo ist bitte die Avantgarde? Ich habe sie jedenfalls nicht gefunden. Ich habe hier nichts gesehen, was ich nicht auch schon aus Deutschland kenne und das meist schlechter. Coworking ist hier vor allem eins: teurer. Das stationäre Internet ist langsamer. Die Mobilfunkprovider sind sogar beschissener, langsamer und teurer.

Gut. Die Häuser sind hoch. Das ist ein krasses Gefühl, drüben in Manhattan. Diese vertikale Definition des Raumes ist etwas, was einen tatsächlich beeindrucken kann. Aber hey, das ist auch nur eine Kulisse, nichts nachhaltiges und irgendwie sogar ein Anachronismus. Dieser Hochhauswahn wirkt heutzutage irgendwie unzeitgemäß und – ja – albern. New York ist eine Old Media City – die meisten großen Networks und die New York Times und viele andere Zeitungen sind hier. Hier wurde Fernseh- und Printgeschichte geschrieben. Vielleicht ist New York die Stadt, die die alten Massenmedien am besten repräsentiert mit diesen hohen Häusern. Die Wolkenkratzer sind Symbole für Machtkonzentration und auch für diese Hybris, die daraus resultiert zu den wenigen, auserwählten Sendern zu gehören. Höhe ist gut, wenn man senden will. Höhe ist tödlich, wenn man empfangen will. New York – zumindest Manhattan – ist Broadcast City.

Ich will nicht all zu sehr lamentieren. Natürlich macht New York auch Spass. Mir fällt es aber immer ein bisschen schwer, offen zu sein. Ich mag kein Schickimickigedöns – ergo sind die meisten Clubs hier nichts für mich. Aufgrund von behördlichen Bestimmungen kann es sein, dass man nach dem 20 Dollar Eintritt dafür Wodka All-You-Can drink bekommt. Andere behördliche Absurditäten verbieten, dass man in Kneipen tanzen darf. Dafür braucht der Laden eine spezielle Lizenz. Alles hat Vor- und Nachteile. Ich muss wohl einfach die Nachteile in Kauf nehmen und mich auf die Suche nach den Vorteilen machen und sie genießen.

Da bin ich auch schon ein Stück weiter gekommen. Ich habe mir jetzt ein Fahrrad geliehen. Fahrradfahren in der Stadt ist für mich die freiste Form der Fortbewegung. In Berlin fahre ich immer Fahrrad und habe so die Stadt sehr schnell und gleichzeitig sehr intensiv kennen gelernt. Mate, der zwei Jahre in New York gelebt und gearbeitet hat, meinte gestern im Chat, man müsse die Stadt „ownen“. Ich glaube, genau das geht mit dem Fahrrad am besten: eine Stadt zu ownen.

Als ich vor 3 Jahren hier war, habe ich übrigens gar keine Fahrräder gesehen. Ich musste richtig danach suchen – also so zwei, drei Häuserblocks abgehen, bevor ich irgendwo mal ein Fahrrad gesehen habe. Das hat sich radikal geändert. Die New Yorker sind in meiner Abwesenheit totale Fahrradfreaks geworden. Überall heizen die rum, wie die wilden. Angeblich hat die Stadt das massiv gefördert. Hat überall Radwege gebaut und Werbekampagnen gefahren. Ich finde das super.

Jedenfalls fahren die hier alle mit diesen Fixies rum. Also Fahrräder, die keine Gangschaltung, sondern eine direkte Verdrahtung von Vorderzahnrad und Hinterzahnrad haben, nicht mal einen Leerlauf. Ich kannte diese Räder schon aus Berlin und hab mich schon darüber informiert. Mir schien das immer etwas albern, vor allem weil man außer „Fahrgefühl“ keinerlei Argumente dafür hört. Hier in Brooklyn hab ich aber etwas drauf geachtet und gemerkt: Die Dinger sehen halt so richtig stylish (sorry für den Ausdruck) aus. Das sind halt nur ein dünner Stahlrahmen mit Rädern dran, sonst nichts. Das wirkt in seiner Reduktion tatsächlich sehr filigran und macht optisch ne Menge her.

Jedenfalls hab ich mir jetzt eben auch so ein Ding geliehen. Schon sehr gewöhnungsbedürftig, man muss anfangs immer ganz schön rein treten und der fehlende Leerlauf ist am Anfang sehr schlimm. Aber irgendwann geht es. Natürlich ist das nervig ohne Gang die Williamsburg Bridge hoch (uff) und ohne Leerlauf runter zu fahren (die Pedalen ratteln mit) aber so dazwischen merkt man doch, dass diese Direktheit der Übersetzung dazu führt, dass man viel präziser fahren kann. Das hat schon was für sich, aber wiegt die Nachteile meines Erachtens nicht auf. Ich will schnell fahren auf freien strecken und mich an Aufstiegen nicht so sehr abmühen. Außerdem brauche ich breite Reifen, weil ich dauernd Bordsteine rauf und runter fahren will, ohne Angst haben zu müssen mir ne 8 einzufahren.

Also gestern der erste Ausflug mit dem Rad nach Manhattan. Die Straßen sind teilweise echt schlecht, man sollte wissen, welche man auf welcher Höhe zu meiden hat. Die Fahrradwege sind nicht überall und mir ist das aber auch zu blöd, die immer zu suchen. Fahrradfahren ist für mich schließlich vor allem die Freiheit überall fahren zu können. Dadurch, dass die Fahrradfahrer in New York noch recht neues Phänomen sind, muss man doppelt so sehr auf die Autos aufpassen. Rechts an einem Auto vorbei fahren, dass gerade im Begriff ist, rechts ab zu biegen, ist keine sehr gute Idee. Nach Fußgängern wird Ausschau gehalten, als Fahrradfahrer ist man aber irgendwie außerhalb der Wertung. Überhaupt ist der Verkehr in New York unfassbar chaotisch. Die Spuren sind oft nicht ganz klar und an Ampelzeichen wird sich auch eher nur orientiert. Ein riesiges Wirrwarr und so stehen an vielen Kreuzungen trotz funktionierender Ampelanlagen zusätzlich noch Verkehrspolizisten, die den Verkehr regeln. Aber auch die ignorieren einen als Fahrradfahrer, was durchaus ein Vorteil ist.

Jedenfalls bin ich Williamsburg Bridge rüber und dann bis Madison Square Garden, was essen, dann hoch zum Central Park. Krasse Bodybuilder auf Skateboards fuhren wie mobile Statuen an mir vorbei. Ich bin bis hoch zu dem großen See, der sinniger Weise vollkommen eingezäunt ist. Keine einzige Stelle zum dranrumfletzen, sehr schade. Auf dem Rückweg dann über den Timesquare gefahren. Das ist schon krass, autonomer Teil dieses Gewusels zu sein und unter den riesigen Displays durch zu radeln. Durch diese Menschenmassen und tausenden von gelben Taxis, vorbei an einem, der lautstark „Obama Condoms“ verkauft. Schon verrückt, diese Stadt.

Zum Abschließen des Rads habe ich übrigens so eine riesige Stahlkette, die ich immer mit mir rum schleppen muss. Die wiegt gut und gerne 5 Kilo oder so und sieht grotesk monströs aus. Die hat hier so ziemlich jeder, der was auf sein Radl gibt und mir wurde versichert, dass das der einzige effektive Schutz vor den Dieben sei. Ich glaube da nicht ganz so dran. In Deutschland habe ich so ein vergleichsweise kleines, kompaktes Komponentenschloss von Asus, dass irgendwie die zweit höchste Sicherheitsstufe hat, die es gibt. Das ist auch Voraussetzung für die meisten Fahrradversicherungen. Ich weiß das zwar nicht wirklich, würde aber fast wetten, dass das genau so gut – wenn nicht besser – ist, als das Stahlmonster. Ich glaube das, weil ich die amerikanische Ingenieurskunst schon an so vielen Stellen habe bewundern können: die Formel hier ist schlicht: „Mehr“. Egal ob Herd, Kühlschrank, Autos, Trucks, Stromleitungen, Häuser oder sonst was, hier wird alles einfach immer durch Skalierung geregelt. Wenn etwas ungenügend ist, wird einfach mehr von dem ungenügenden drauf gebappt, bis es genügt. Mein Verdacht ist, dass man die Diebe hier eben auch auf diese Weise mit Stahl erschlagen will. Statt mal in die Labore zu gehen und Materialforschung zu betreiben nimmt man einfach 5 Kilo Stahl und hofft, dass die Diebe beim 2ten oder dritten aufgeben.

Ach naja. Mir geht es eigentlich ganz gut. Bin hier grade in so einem Coworkingspace in Brooklyn, während ich das schreibe. Eine nette berlinlike Charmanz hat Brooklyn allemal. Die Leute sind nett und das Wetter ist super. Heimweh habe ich auch noch keines, aber in der Stadt meiner Träume bin ich wohl auch noch nicht. Ich weiß, ich muss der Stadt noch etwas Zeit geben, die hab ich ja jetzt. Und mit dem Fahrrad hab ich jetzt auch bessere Chancen dazu.

PS: ja, mein iPhone fehlt mir sehr. Hier ist jeder dauernd connected, außer mir. Echt, fast wie eine ganze Stadt voller Twitterer, die alle immer auf ihren Screen starren. Ich will endlich wieder mit starren! 😉

Wulff’s frohe Botschaft

Heute ist Gauck nicht zum Präsidenten gewählt worden. Ich glaube, er wäre der bessere Präsident gewesen, allerdings würde ich das in Gegenüberstellung zu Wulff im Zweifel auch von einer angematschten Tomate mit angeklebten Propellerhut behaupten.

Ich habe aber vor allem auf einen Wahlsieg von Gauck gehofft, weil ich hoffte, dass dies die ungeliebte Schwarz-Gelbe Koalition vom Platz fegen würde, wie ich hier und hier ja hoffnungsfroh äußerte. Das ist jetzt nicht der Fall gewesen – ich habe mich geirrt.

Die Koalition ist jetzt seit einigen Runden bereits angezählt, viele sehen und sahen sie bereits kurz vor ihrem Ende. Vor allem auch ich. Wir alle hofften, dass die Bundespräsidentenwahl dem Trauerspiel ein Ende machen würde, weil sie die implizite und seit Wochen schwelende Vertrauensfrage endlich deutlich auf das Tapet bringen würde. Wenn Gauck gewählt worden wäre, wäre Merkel am Ende gewesen, da bin ich immer noch sicher.

Und nun ist die Situation folgende: Ja, Merkel ist immer noch – zumindest konzeptionell – am Ende, das hat das alles gezeigt. Sie hat keine Vision, sie hat keine Leute, sie hat keinen Plan und keine Inspiration. Vor allem zeigt die Wahl auch, wie unglaublich saturiert die Regierung handelt und wie wenig Gespür sie für Stimmungen und vor allem für politische Integrität besitzt. Das alles hat nur einen Haken, denn seit heute wissen wir: sie kommt damit durch.

Das ist die wirkliche Botschaft dieses dann doch noch im dritten Wahlgang durch gepeitschten Präsidenten Wulff:

„Ja, wir sind zwar am Ende, aber das ist uns völlig egal. Seht her, da seht ihr es, wir haben gewonnen, gewonnen haben wir, wir haben uns wieder mal erfolgreich durch gemogelt. HAHA, ihr kriegt uns nicht klein, unser Raumschiff hier oben ist außerhalb eurer Reichweite. Wir kommen damit durch, wie wir bisher mit allem durch gekommen sind und diesmal wissen wir es noch viel deutlicher als zuvor, nämlich, wie doll wir auf eure Meinung scheißen können.“

Ja, das ist die Botschaft, die ich daraus lese und sie bedeutet nichts gutes. Sie bedeutet eine gewisse Dauerhaftigkeit dieses Statuses, dass man sich seitens der Regierung mit ihm angefreundet hat, jedenfalls irgendwie arrangiert hat. Dass man so noch lange weiter regieren zu denken pflegt und dass wir – das Volk, der Souverän – noch eine gewaltige Durststrecke vor uns haben könnten. So kohlschen Ausmaßes, oder so.

COALITION OF THE WILLING

Warum auf die Politiker warten? Lasst uns den Klimawandel einfach selbst bekämpfen!

Ein unfassbar reichhaltiges kollaboratives Meisterwerk, ist dieser Film:

Coalition Of The Willing from coalitionfilm on Vimeo.

Mein Freund Mate hat daran mit gebastelt und er wird auch morgen bei dem Screening in Berlin sein. Ich leider nicht. Ihr wisst ja, wär ein bisschen weit.

30. Juni – um 19:30 in der CSA Bar, Karl Marx Allee 96, 10243 Berlin

4 : 1

Mit Klose und Podsky ist das ja so:

Lukas Podolski ist ein Ausnahmeschütze. Außerdem hat er einen guten Torinstinkt.

Der Klose ist zwar kein so unglaublicher Schütze, wie Podolski, dafür hat er aber gleich zwei Torinstinkte: einen für sich und dann noch einen zweiten, einen Podolski-Torinstinkt.

Klose spürt nicht nur intuitiv, wann er ein Tor machen kann, sondern auch wann Poldi eines machen wird und liefert den Pass. Klose hat einen Torinstikt zweiter Ordnung. Beachtlich.

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Der Müller scheint ja auch ganz gut zu sein. Beim Fußball finde ich es immer schön, dass dieser Sport keine bestimmten körperlichen Kriterien erfordert. So ein dünner Schlacks wie Müller kann genau so gut sein, wie ein Rooney-Panzer. Ein kleiner Poldi, so wichtig wie ein langer Mertesacker. Fußball ist Größe- und Statur-Blind. Bzw. hat für alle eine Position, in der man sie als Vorteil einsetzen kann.

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Ich finde das richtig, welchen Weg die deutsche Mannschaft jetzt eingeschlagen hat. 54, 74, 90, 2014 würde schließlich nicht passen, so vom Versmaß.

Archäologie des zerschlagenen Porzellans

Grundsätzlich steht in der Stellungnahme der FAZ nichts falsches und sie schließt sich ja auch Punkt-für-Punkt meiner Darstellung an.

Dass es „persönliche“ Konflikte gegeben haben soll, ist mir allerdings entgangen. Ich jedenfalls hatte keine mit niemandem. Mir ging es von Anfang an um die Sache, nämlich zunächst um einen Text und schließlich um mein ganzes Blog. Wenn jemand in der Redaktion die Auseinandersetzung, als „persönlich“ gesehen haben sollte, dann würde das die Überreaktion zwar erklären, aber ich fände das extrem unprofessionell.

Interessant ist noch dieser Absatz:

„Entgegen redaktioneller Absprache hat Herr Seemann diesen Beitrag kurze Zeit später durch eine Version ohne Fotos ersetzt und ohne Rücksprache auf der Homepage von FAZ.NET publiziert. Daraufhin hat die Redaktion sein Blog vorübergehend gesperrt. Sie sah sich gezwungen, die Bildrechte an sämtlichen Fotos zu überprüfen und etwaige nachträgliche Veränderungen für den Fall zu verhindern, dass der Verlag der F.A.Z. mit Rechteansprüchen konfrontiert werden würde.“

Die ersten beiden Sätze entsprechen vollkommen meiner Darstellung und mir wurde auch per Mail genau dieser Grund angegeben. Der zweite Satz schafft es, eine andere Begründung aufscheinen zu lassen, ohne sie wirklich als Grund anzugeben. Das Blog ist natürlich nicht zur Klärung der Bildrechte vom Netz genommen worden. Nur falls da Missverständnisse entstehen sollten: ich bin im Besitz der Mail des Redakteurs, in der nur die erste Begründung steht.

Sehr froh bin ich natürlich, dass ich die Texte wieder veröffentlichen kann. Denn das war es, worum es ja ging. Diese Texte bedeuten mir schon sehr viel. Ich habe da einiges an Arbeit rein gesteckt und mich überwunden, Ideen und Diskurse, die ich seit ein paar Jahren im Kopf entwickelt hatte, endlich aufzuschreiben. Diese Texte sind für mich und meine theoretische Arbeit sehr kostbar und eben so kostbar ist ihre Präsenz im Netz um weiterhin darauf Bezug nehmen zu können – und zwar nicht nur von mir. Ich weiß allerdings noch nicht, was ich damit machen werde. Sie hier einfach zu veröffentlichen, fände ich irgendwie nicht angemessen. Ich wäre für Ideen dankbar.

Natürlich bin ich immer noch nicht befriedigt, was diese Sache angeht. Ich kann immer noch nicht nach vollziehen, was da bei einigen in der Redaktion im Kopf abging, als sie den Button drückten. Ich weiß aber mittlerweile, dass zumindest Schirrmacher mit der Sache nichts zu tun gehabt hatte. Das hätte mich schon schwer enttäuscht. Ich sage das aber auch, weil Vermutungen geäußert worden sind, dass es um inhaltliche Differenzen zwischen mir und ihm gegangen sei. Dem ist augenscheinlich nicht so.

Insgesamt ist es wohl ein absolutes Lehrstück in Sachen Kontrollverlust. Irgendwer in der Redaktion wollte anscheinend seine „Kontrolle“ mal so richtig zur Geltung kommen lassen. Mit der „Blogsperrung“, die nach außen hin eine Löschung ist, wurde aber eine Grenze überschritten, bei der ich sehr empfindlich reagiere und die ich nicht hinnehmen konnte. Manch einer mag das als Überreaktion interpretieren, aber für mich war das zu dem Zeitpunkt eine brachiale Kriegserklärung. Ach ja, und der Rest ist Streisand.

Ich bin jedenfalls überwältigt, was die Reaktionen anging, auf Twitter und in den Blogs. Klar, da wird immer viel spekuliert und einige Verschwörungstheorien waren nicht mehr feierlich, aber insgesamt fand ich es wieder interessant, wie das Netz solche Dinge „verdaut“. Zunächst treffen die empörten Reaktionen ein, nach und nach kommen die Mahner, die den Hype flach halten wollen, dann werden nach und nach die Interpretationen der Ereignisse geliefert. Jeder stürzt sich auf das Detail, dass ihm wichtig erscheint und in nullkommanix sind alle Sichtweisen zu dem Thema erreichbar, die man sich nur vorstellen kann. Auch die kritischen und die ganz bösen, die sich einfach nur freuen, dass ich jetzt nicht mehr bei der FAZ bin.

All diese Leute: die Empörer, die Interpreten, die Mahner und die Kritiker schaffen zusammen eine vollständige Aufschlüsselung aller möglichen Sichtweisen auf ein Thema. Eine vollständige Verarbeitung. Jeder, der will, kann sich zu dem Vorfall ein komplettes Bild machen, wie man das Thema sehen kann. Ich bin jedes mal wieder fasziniert und würde am liebsten sofort einen Kontrollverlust darüber … ach ja.

Für mich ist die Sache jedenfalls erst mal gegessen. Ich bin immer noch traurig und enttäuscht und werde mir erst mal in Ruhe überlegen müssen, wie es weiter geht. Ich danke noch mal allen, die mich unterstützt haben, das hat mir sehr geholfen.

FAZ

Heute ist mein Blog bei der FAZ „gesperrt“ worden. Es gibt viele Fragen überall und einige Spekulationen. Ich verstehe auch nicht alles. Aber um die Gerüchte mal ein bisschen einzugrenzen, hier die Faktenlage:

1. Es gab wohl insgesamt Ärger mit einigen Bildern, die in Blogs verwendet werden, zum Beispiel auch in meinen. Deswegen ging eine Rundmail an einige der Blogger herum, man möge dort doch besser aufpassen und ein paar Tipps, wie man Bilder richtig einsetzt.

2. Gestern schrieb ich einen Artikel über Apple und den Computer an sich, den ich für heute früh (MEZ) für die Veröffentlichung einstellte. Als ich aufwachte, hatte der Artikel zwar schon recht viele Klicks für den Tag (ca. 1000), aber er war im Redaktionssystem nicht mehr frei geschaltet. Statt dessen eine Mail aus der Redaktion: Man habe den Artikel wegen mangelnder Bildrechte offline genommen. Was war passiert? Ich hatte Bilder verwendet, die zwar unter CC-Lizenz, aber nicht für die kommerzielle Verwendung erlaubt waren. Mein Fehler.

3. Auf die Frage, warum man den Artikel nicht ohne Bilder veröffentlicht, kam ein (mir wurde untersagt, wörtlich aus der Mail zu zitieren, deswegen sinngemäß): „Entscheidung“. „Redaktion“. „Basta“.

4. Nun habe ich normaler Weise nichts weiter mit der Redaktion zu tun. Ich mache mein Blog-Ding parallel – von denen höre ich eigentlich nie etwas. Das ist auch die (mündliche) Absprache mit Frank Schirrmacher: Ich kann dort jederzeit alles veröffentlichen, was ich lustig bin, so auch mein Auftrag.

Und da ich in der bilderlosen Variante meines Textes keinerlei Probleme mehr sah – es wurde ja auch nichts anderes beanstandet – habe ich also den Beitrag einfach noch einmal veröffentlicht. Mit einem kleinen Hinweis, dass dies eine wieder veröffentlichte Version ist, weil bei der anderen die fehlenden Bildrechte beanstandet wurden.

5. Die Reaktion von FAZ.net darauf war die sofortige, komplette Sperrung und Verbannung des Blogs aus dem Redaktionssystems. Das Blog ist also nicht mehr aufrufbar. (dass es hier und dort doch ab und zu klappte, einige Artikel aufzurufen, liegt an dem Servercache.)

Der Grund: Ich hätte mich mit dieser Wiederveröffentlichung der Redaktion widersetzt

Epilog: Nach ein paar Mails und einem Telefonat ist der Stand nun folgender: Das Blog bleibt gesperrt und es wird innerhalb der Redaktion eine Diskussion darüber geben, wie mit dem ganzen Blogprojekt weiter verfahren wird. Unter anderem auch mit meinem.

Meine Sicht der Dinge:

1. Ich habe Fehler gemacht, ohne Frage. Aber ob es richtig oder falsch war, den Blogeintrag wieder zu veröffentlichen, ist eine Frage, welche Absprache denn nun gilt. Um ehrlich zu sein: ein Blog, bei dem ich ohne sachlichen Grund gehindert werde, Beiträge zu veröffentlichen, würde sich nicht wie mein Blog anfühlen. Das tat es aber bisher. Es war mein Blog – zwar bei der FAZ – aber mein freier Bereich. Ich glaube nicht, dass ich so geschrieben und mich so gefühlt hätte, wenn ich gewusst hätte, dass man mir den Mund verbieten darf.

2. Ich bin erschrocken und wütend über die Maßlosigkeit der Reaktion von FAZ.net. Klar, ich habe eine Reaktion heraus gefordert. Aber wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, vor allem, was Weisungsbefugnisse angeht, sollte man die nicht lieber klären, anstatt gleich das ganze Blog zu löschen?

Ich kann diese Überreaktion beim besten Willen nicht nachvollziehen und ich protestiere dagegen schärfstens. Nicht nur, weil ich unbedingt da weiter machen möchte, sondern vor allem auch, weil die Beiträge verschwunden sind. Informationsvernichtung – egal, ob digital oder analog – schnürt mir jedes mal die Kehle zu.

3. Ich glaube übrigens nicht, dass es daran lag, dass ich fast immer entgegen der Redaktionslinie geschrieben habe. Zwar habe ich eigentlich nie Feedback aus der Redaktion bekommen und meine Artikel wurden zu Letzt auch nicht mehr auf der Startseite gefeatured. Aber ich habe meinen Auftrag immer auch darin gesehen, etwas Kontra zu geben und zur redaktionellen Vielfalt der FAZ beizutragen.

Fazit Der ganze Vorgang bleibt auch mir weiterhin ein Rätsel. Glauben kann ich das alles auch noch nicht so ganz. Es gibt viele Fragezeichen und eine tiefe, sehr tiefe Enttäuschung, die jetzt erst mal verarbeitet werden will.

NACHTRAG: Weil so viele Nachfragen kamen.

1. Zu der Veröffentlichung dieses Vorgangs ließ mir FAZ.net keine Alternative. Die Redaktion hat den Blog gelöscht und hunderte Menschen klickten in’s Leere. Die Leute fragten sich was los ist. Die Bloglöschung war also bereits der Gang an die Öffentlichkeit und er wurde nicht von mir beschritten. Mein Text ist nur die Erklärung meinerseits dazu, die absolut notwendig war – alleine um Spekulationen und Gerüchte einzudämmen.

2. Ich habe Thomas Thiel von der Redaktion per Mail ausdrücklich gefragt, ob es eine Stellungnahme seitens FAZ.net zu dem Vorfall geben wird. Die Antwort war ein eindeutiges „Nein“. Thomas Thiel hat mir leider untersagt aus unserem Schriftwechsel zu zitieren. Ihr müsst mir das schon so glauben.

Fickt euch! – oder: was ist Freiheit für mich?

Ich halte mich für einen freiheitsliebenden Menschen. Ja, ich halte mich sogar für einen nahezu freiheitsfanatischen Menschen. Nur bin ich mir bewusst, dass es verschiedene Arten gibt, den Begriff „Freiheit“ zu verstehen.

Es ist immer leicht, den einen Begriff der Freiheit gegen den anderen zu verteidigen. Es ist immer leicht zu zeigen, dass dieser oder jener Begriff von Freiheit „richtiger“, „wahrer“, „ursprünglicher“ oder irgendwie „besser“ ist. Ich finde das nicht schlimm, sogar einen Vorzug des Begriffs, dass er sich so verschieden auslegen lässt. „Freiheit“ ist – so weit werden sich alle einigen können – auch immer ein Diskurs. Er ist lebendig und er bleibt es, so lange der Begriff keine endgültige Festschreibung widerfährt.

Aber, bei all den Verschiedenheiten des Freiheitsbegriffs, habe ich auch einen eigenen. Einen persönlichen. Vielleicht ist es sogar zu viel, dass ich sage, dass ich ihn habe. Er ist vielmehr dabei, sich ein wenig zu entwickeln. Oder nochmal anders: ich bin gerade dabei, ihn zu entdecken oder zu verstehen.

Vor einiger Zeit schrieb ich, dass Freiheit ein Gefühl sein. Also ein spezifisches Gefühl, eines, dass man tatsächlich fühlen kann, wie man Schmerz fühlen kann, Trauer oder Freude. Im Endeffekt kam ich darauf, durch eine Selbstbeobachtung. Ich merkte dieses Gefühl und ich merkte seine Korrelation zum Ereignis der Freiheit – oder das, was ich dafür hielt.

Ich spüre aber auch – und darum soll es mir hier gehen – auch das Gegenteil dessen, was ich für Freiheit halte. Ein dumpfes Grimmen in der Magengegend. Eine sich sofort einstellende Übellaunigkeit – oft weiß man nicht sofort woher und ja, auch Aggressivität. Eine böse, aggressive Grundstimmung. Schlimm.

Es ist schwierig, das Gefühl zu beschreiben. Aber darum geht es mir nicht. Ich finde interessanter, wann mich dieses Gefühl einnimmt. Ich bin nämlich darauf gestoßen, dass ich es immer genau dann fühle, wenn ich im Begriff bin, beurteilt zu werden. Wenn ich antrete – vor allem wenn ich antreten muss, um irgendwen davon zu überzeugen, dass ich diesen oder jenen Kriterien genüge. Kriterien – und das ist wichtig, die ich als Unsinnig empfinde.

Ich habe keine besondere Prüfungsangst, das nicht. Ich bin einigermaßen prüfungsangstfrei durch die Schule und die Universität gekommen und habe auch eigentlich – wo immer Anforderungen an mich gestellt wurden – bestanden.

Es gibt aber andere Fälle. Bei dem Prozedere, dem ich mich für das US-Visum unterwerfen musste – habe ich innerlich gekotzt. Dieses mit Prüfenden Blick gegängelt werden, ist ein sehr unangenehmes Ding, vor allem wenn man darauf angewiesen ist, zu bestehen.

Hier in den USA sind fast alle Clubs und sogar viele Kneipen – so fern sie auch nur etwas hip sind – mit Türstehern versehen. Ich hasse Türsteher. Ich hasse die Situation so abgrundtief, dass ich innerlich Gewaltphantasien entwickle. Ich hasse es, wenn mir andere Menschen vorschreiben können so oder so zu sein, dass ich mich anpassen muss und absurden Maßstäben genügen muss (schicke Schuhe), um irgendwo willkommen zu sein.

Insgesamt habe ich (unbewusst) immer mein Leben danach ausgerichtet, von anderen nicht beurteilt werden zu können. Ich bin zum Beispiel kein Wettkampftyp. Das kann man als „feige“ titulieren, wenn man mag. Aber insgesamt ist eine Strategie Beurteilungen, bei denen andere den Maßstab vorgeben, aus dem Weg zu gehen.

Das setzt sich fort. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, in einer Firma zu arbeiten, denn sofort verliert man die Deutungshoheit über sein eigenes Tun. Jede Firma ist darauf erpicht, die „Leistungen“ ihrer Mitarbeiter vergleichbar zu machen. Jeder Mitarbeiter wird sofort zum Konkurrenten und die allgemeine Facetime der Firma zum Maßstab meiner eigenen Zeitaufwendungen. Ich will mich aber nicht mit anderen in Dingen messen, die mir nichts bedeuten.

Ich verweigere mich einem solchen Rattenrennen. Überhaupt „Leistung„. Eines der Lieblingswörter der FDP. Es ist für mich eines der unfreiheitlichsten Wörter überhaupt. „Leistung bringen“ bedeutet in meinem Verständnis: sein eigenes Tun einem (völlig beliebigen) Maßstab zu unterwerfen, den andere für einen definieren. Wenn es ein Gegenteil meines Verständnisses von Freiheit gäbe, wäre die FDP nahe dran.

Ich kann deswegen die Ängste der Datenschützer schon nachvollziehen. Nichts finde ich schlimmer, als Scoring-Unternehmen oder Profiling-Agenturen, die meinen, mich beurteilen zu können, anhand von Dingen, die kaufe, wo ich wohne, aus welchem Elternhaus ich komme und wie viel Geld ich zur Verfügung habe. Aber schlimmer finde ich die Unternehmen, (Vermieter und potentiellen Arbeitgeber), die auf diese Beurteilungen tatsächlich zurückgreifen und mein Leben zum Spielball dieser Daten machen. Ich habe nichts dagegen, dass Menschen Daten über mich sammeln, ich habe etwas dagegen, dass mich Menschen danach beurteilen dürfen. Eigentlich auch nichts dagegen dass sie das tun, sondern, dass ich mich von denen beurteilen lassen muss, weil ich irgendwo wohnen muss, einen Handyvertrag brauche und Geld verdienen muss. (Das ist der Skandal und das ist es, wogegen ich mich jederzeit aufzulehnen bereit bin und weswegen ich einen Kampf für das, was ich Plattformneutralität nenne, viel wichtiger und Erfolgversprechender finde, als jede Datenschutzanstrengung.)

Der Maßstab der anderen lauert vor allem aber auch im Web.

Mir ist nicht egal, wie viele Klicks Artikel von mir bekommen, aber ich versuche es, mir so egal wie möglich sein zu lassen. Denn wenn man sich einem Quotendiktat erst mal unterwirft, wird man aufhören, die Texte zu schreiben, die man schreiben will. Ich definiere Freiheit aber genau als das: tun zu können, was man wirklich tun will, aus innerster Überzeugung, nicht, um fremden Ansprüchen zu genügen.

Ähnlich geht es mir mit Twitter. Ich habe früh erfahren, dass Twitter vollgestopft mit kompetitiven Elementen ist. Ich bin schon aus so vielen Rankings und Charts rausgeflogen, dass ich sie nicht mehr zählen kann. Ist man in sowas aber erstmal drin: Follower, Listen, Favs – kann es passieren, dass man aufhört das zu twittern, was einem wichtig ist, nur um seinen Status nicht zu verlieren. Es ist anfangs reizvoll und streichelt natürlich das Ego igendwo als „relevant“ zu gelten und ich habe auch immer so lange dabei mitgespielt, wir ich irgendwo da oben vertreten war. Aber man darf das auf gar keinen Fall irgendwie ernst nehmen. Die Zeiten ändern sich und man wird irgendwann nicht mehr dort auftauchen. Wenn man verlernt, aus Lust an der Mitteilung zu twittern, hat man was falsch gemacht.

Auch die Erwartungen an Themen, Stile und Inhalte können einen gefangen nehmen. Ich twittere zum Beispiel ab und zu gerne Dinge, die ich selber für witzige Sprüche oder sowas halte. Ich hätte aber etwas dagegen, zum Sprüchekönig zu mutieren. Ich habe größten Respekt vor dem Humor und der Kreativität eines @diktator. Aber in dem Erwartungskorsett, der durch seine Follower vorgegeben ist, möchte ich nicht stecken. Ich versuche immer das ganze Spektrum von Twitter abzudecken, dass mir wichtig ist: Links sharen, aus meinem Leben berichten, meine Leidenschaften und Ansichten teilen, Diskutieren, Informationen erfragen, Provozieren, Unterhalten und hier und da was lustiges schreiben. Jeder einzelne Posten ist mir wichtiger, als mein „Image“ oder mein „Markenkern„. Und auf meine Followerzahl schaue ich wirklich nur zwei mal im Monat!

Ja, verdammt, es stecken auch Gefahren für die Freiheit in diesen Dingen. Ich war einmal kurz davor, einen Text darüber zu schreiben, wie man damit umgeht, dass man im Web schnell in solchen solchen Massenkommunikativen Prozessen steht. Das ist nämlich alles andere als leicht, damit umzugehen. Manche hat es ziemlich aus der Bahn geworfen. Ich will hier nur kurz auf Christian Spannagel eingehen, der irgendwann aus völliger Ich-Erschöpfung all seine Social Media Aktivitäten aufgab. Digitaler Selbstmord, wie man das ja heute nennt. Er brach zusammen, aber nicht weil er süchtig wurde nach neuen Follower oder Favs, sondern weil er die Hoheit über sein eigenes Kommunikationsverhalten verlor. Er beschreibt sein vormaliges „Ich“ als „Hub“; als jemand, der wie ein Relay Informationen filterte und weiterleitete. Das ist etwas, an dem man zerbrechen kann. Nicht an der Tätigkeit selbst, sondern an dem Erwartungsdruck, die ein solches Selbstbild vermittelt. Die Follower und Friends mutieren – zumindest im Kopf – zu enttäuschten Massen mit herunter gezogenen Mundwinkeln, wenn man seiner Aufgabe als „Hub“ nicht nachkommt. Ist natürlich Quatsch, aber wenn man erst angefangen hat, Erwartungen zu erfüllen, kann man sich da schnell rein steigern. Deswegen muss man immer Herr darüber bleiben, wann und wo und wie und mit wem man kommuniziert.

Manche Menschen werfen mir mein Kommunikationsverhalten vor. Ich sei arrogant, heißt es, weil ich nicht oder selten auf Replies reagiere. Vielleicht stimmt das. Vielleicht bin ich arrogant. Aber ich glaube, dass man eine gewisse Arroganz braucht, um sich im sozialen Netz nicht zu verschleißen. Es darf keine Automatismen geben, jede Kommunikation braucht eine Entscheidung. Mein Ideal ist es, immer und überall der Souverän meiner Kommunikation zu sein. Dass mich zum Beispiel per Twitter jeder zu allem anquatschen kann, heißt nicht, dass ich darauf dann auch reagieren muss. Ich reagiere, wenn ich Zeit und Lust dazu habe, nicht weil ich mich dazu verpflichtet fühle. Ich sträube mich auch dagegen, Regeln dafür aufzustellen. Regeln, denen ich mich danach selbst unterwerfen müsste. Die Unfreiheiten lauern an jeder Ecke.

Und dann gibt es noch das eigene Image. Man ist sehr schnell in dem definiert, was man tut. Man sagt dies und das und gilt sofort als Derjenige der. Ich liebe es deswegen Erwartungen zu brechen. Ich muss immer wieder die Ansprüche an mich „trollen“, ich muss immer wieder Menschen enttäuschen, überraschen und vor den Kopf stoßen. Immer wenn irgendwer ein bestimmtes Bild von mir hat, spüre ich den Wunsch es zu durchbrechen. Ich lasse keine Schublade für mich gelten. Menschen sind nicht so einfach gestrickt.

Rollen, Status, Image und die Erwartungen dritter sind die Feinde dessen, was ich als Freiheit verstehe. Die Marke „mspro“, sie möge brennen – in den buntesten Farben.

Man muss aber aufpassen. Wenn man anfängt, immer Ansprüchen nicht zu genügen, nur um Ansprüchen nicht zu genügen, wird man in der spiegelverkehrten Unfreiheit enden, der man entkommen wollte. Es kann erfrischend und hilfreich sein, bewusst Maßstäbe zu unterwandern und Erwartungen zu brechen. Wenn man es aber aus Prinzip tut, dann steckt man schnell in der selben Tretmühle, nur dass sie sich in die andere Richtung dreht. (Überhaupt sollte man nichts aus „Prinzip“ tun.)

Freiheit ist für mich, die Freiheit die Kriterien meiner Beurteilungen selbst aussuchen zu können. Deswegen mache ich fast alles, was ich tue, außerhalb der Wertung. Alles muss neu sein und ich hasse Redundanz. Wenn ich Dinge tue, die jemand schon vor mir getan hat, vergleiche ich mich mit dem anderen. Ich habe nie einen Sinn darin gesehen, Klassenbester zu sein. Klassenbester ist etwas völlig austauschbares. Sollen andere „gut“ sein, in dem, was sie tun, ich vergleiche mich nicht mit ihnen. Nur dann, wenn ich etwas Neues schaffe, eine neue Idee oder eine neue Art ein Problem zu betrachten fühle ich mich frei. Frei von der Wertung, weil es nichts gibt, dass man damit vergleichen könnte.

Das Neue ist für mich der Inbegriff und der Weg zur Freiheit, denn das Neue ist das einzige, zu dem es noch keine Maßstäbe gibt.

Walter Benjamin hat mal gesagt, dass das jedes große Werk sein eigenes Genre schafft. Es schafft also erst die Kategorie, die einen Vergleich zwischen zukünftigen Werken überhaupt ermöglicht. Doch niemals werden sie sich mit dem Initialwerk messen können. Mögen die kommenden Werke des Genres noch so gut sein, das genreschaffende Werk, wird immer außerhalb der Wertung laufen. Fuck you!

Wenn ich diesen, meinen Freiheitsbegriff in kantscher Vermessenheit zum Maßstab und Gesetz erheben dürfte, so würde ich die Vergleichbarkeit grundsätzlich abschaffen wollen. Ich würde das ganze Firma, Genre, Leistungdings einfach in die Tonne treten. Ich würde die Quantifizierung der Welt und er Menschen durchbrechen und die Menschen dazu erziehen, sich nicht mehr vergleichen zu wollen, sondern sich immer nur selber als Maßstab zu setzen.

Und wenn das alles nicht klappt, würde ich immerhin noch die Plattformneutralität einführen. Als Schutz gegen aufgezwungene Beurteilungen und für ein Grundrecht auf den Mittelfinger.

Neu…

… ist zum Beispiel die Software dieses Blogs. WordPress Dreipunktnull, alter! Automatisches Upgrade. Alles ohne Probleme. Ich liebe Standardkonfigurationen!

… ist aber auch dieser Text auf dem FAZ-Blog. Ich weiß, das ist nicht allzu leichter Stoff. Um so wichtiger ist er mir aber. Also seht zu, quält euch durch!

… ist hingegen dieser Podcast nicht, den ich mit Erlehmann (eher: er mit mir) aufgenommen habe. Das war bereits vor meiner Abreise nach New York. Der Podcast ist aber empfehlenswert und ich hab die ganze Zeit verpasst, ihn hier mal zu verlinken.

… sind weiterhin nicht die Klagen, die mich erreichen, dass ich mal endlich was über New York schreiben soll. Ach, das hat doch auch Gründe.

… ist New York schließlich nicht für mich. Ich war vor etwa drei Jahren schon mal hier und habe da alles Abzufotografierende abfotografiert. Die Bilder finden sich hier und hier und hier. Und was soll ich denn machen, wenn ich schon wieder vor dem Empire State Building stehe? Es noch mal fotografieren? Eben.

… sind auch nicht mehr die Bilder in dem ersten New York related Blogpost im FAZ-Blog. Aber da geht es ja aber auch irgendwie eher um Internet.

… sind in Wirklichkeit nur sehr wenige Bilder. Aber ein, zwei gibt es schon:


Zu sehen sind: Manhattan von vorn, Manhattan von unserer Dachterasse bei schlechtem Wetter, ein Jungelgelöt von der Dachterasse, einen hässlichen Klotz ohne Fenster, in dem AT&T seine Mitarbeiter gefangen hält, ein hübscher Klotz mit Fenstern, eine der beiden Katzen, die wir hüten, auf Literatur stehend und eine „social media party“ in Manhattan, wo bestimmt alle mehr Follower hatten als ich.