Das Ende der FDP

Ich hoffe, ich bin recht unverdächtig mit der FDP zu sympathisieren. Es wäre eine der letzten Parteien, die ich jemals wählen würde. Und doch: sie tut mir Leid. Wirklich!

Wie sie sich gefreut hatten, als sie ihr donnerndes Wahlergebnis bei der Bundestagswahl einfuhren und wie Guido Westerwelle weit erhobenen Hauptes in eine unsympathische Siegerpose nach der anderen verfiel. Natürlich musste man sie hassen. Aber um so mehr tun sie mir heute Leid. Das muss ein schlimmer Kater sein.

Man darf ihnen für ihre Situation nämlich nicht die alleinige Schuld geben. Sie sind mitten in der Krise mit einem fast Einpunktewahlkampf angetreten, die Steuern zu senken. Natürlich schlägt man sich die Hände vor den Kopf, bei so viel – ich sag mal – Courage. Aber Spinner gibt es immer und eine Demokratie soll und darf auch die größten Spinner beherbergen. Es darf keine Denkverbote geben nicht mal Denkgebote!

Das schlimme ist nicht die Dummheit der FDP, sondern dass sie tatsächlich gewählt worden ist. Ich habe mich immer gefragt, was in den Köpfen von FDP-Wählern vorgeht. Entweder ist es tatsächlich dieses unsympathische nur auf seinen Vorteil bedacht sein, oder es ist, ich sag mal: ökonomische Verblendung. Da ich an das Gute im Menschen durchaus glaube, nehme ich Zweiteres an.

Der neoliberale Diskurs wurde in Deutschland so lange und verbittert geführt und bis zu Letzt so dogmatisch verteidigt – auch von den Medien, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass genug Menschen derart verblendet sein können, um die FDP zu wählen. Nicht mal heute sind die Köpfe, die immer öffentlich auf Lohndumping, Sozialabbau und Steuersenkung setzten überall so diskreditiert, wie die Realität es eigentlich gebieten würde. Vermutlich, weil sie sich in Positionen befinden, die sowieso wenig Realitätskontakt vorsehen.

Jedenfalls haben sehr viele Menschen die FDP nun in die Verlegenheit gebracht… nein, ich fang‘ nochmal an: Jedenfalls haben sehr viele Menschen die FDP nun in die Realität gebracht – was ungefähr das selbe ist. Eine Realität in der Steuersenkungen das Absurdeste sind, was überhaupt machbar scheint, wo im Gegenteil alles danach schreit zumindest die Spitzensteuersätze herauf zu setzen. Eine Realität also, in der es sozusagen eine Art Anti-FDP braucht.

Vernünftiger Weise sollte es die FDP in einer solchen Situation nicht mal in den Bundestag geschafft haben, aber die Wähler meinten es nun mal anders und nun ist sie auch noch an der Regierung. Das ist etwa so, als würde die Linke gezwungen werden, den Finanzmarkt zu deregulieren oder die Grünen, neue Atomkraftwerke zu bauen.

Kurz: die FDP wird an dieser Realität politisch zerbrechen. Das ist gut, denn mit ihr wird eine ganze Schule wirtschaftspolitischer Denke zu Grunde gehen, die tatsächlich keiner mehr braucht. Schlecht ist das aber für die Handlungsfähigkeit der Regierung. Die FDP wird sich so lange gegen Steuererhöhungen sperren, wie es nur geht. Vermutlich wird sie sogar zunächst weiteren Raubbau bei den untersten Schichten durchsetzen, bevor sie überhaupt über Steuererhöhungen reden. Das ganze wird zäh wie Kaugummi und vielleicht sogar ein volkswirtschaftliches Desaster – zumindest eine durchaus gefährliche Durststrecke, sollte die FDP die ganze Distanz gehen wollen.

Meine einzige Hoffnung ist der Stolz des Halluzinierenden, der auf seinem Phantasma beharrt. Der die Realität Realität sein lässt und sich beleidigt von ihr abwendet. Ein freiwilliger Rückzug aus der Regierung, also. Vielleicht sogar Neuwahlen. Klar, sie wären dann erledigt, aber sie hätten sich dann nicht selbst verraten.

Wie sehr hatte Westerwelle doch gegen die Große Koalition gewettert und sich bei jedem Abweichen von den Wahlprogrammen der Regierungsparteien auf die Hinterpfoten gestellt. Wie sehr hatte er immer wieder betont, dass die FDP im Gegensatz zu den anderen Parteien „zu ihrem Wort stehe“ und sich „daran messen lasse“? Wie oft hat sich die FDP auf die Brust geschlagen und von „Wahlbetrug“ gezetert?

Es wird Zeit, Westerwelle und die FDP an ihr Wort zu erinnern. Nicht, damit sie es einhalten, sondern damit sie in den Elfenbeinturm der Opposition zurück kehren, um sich vom Realitätsschock ordentlich auszukurieren – oder einfach in der politischen Irrelevanz zu verschwinden.

Der Chronistenpflicht nachkommend

…muss ich meine Spekulationen – auf die ich mich gestern nun mal eingelassen habe – widerufen. Denn alles ist natürlich anders gekommen. In NRW sind die Sondierungsgespräche zur Ampel geplatzt und heute hat die SPD nochmal unmissverständlich klar gemacht, dass es mit ihr weder eine Große Koalition noch eine Minderheitsregierung geben werde. Mit anderen Worten: Alle Optionen sind erschöpft.

Michael Spreng könnte recht gehabt haben, Hannelore Kraft eine Hidden Agenda zu unterstellen. Sie spiele auf Neuwahlen, so seine Mutmaßung. Und tatsächlich könnte das Umfeld derzeit nicht besser dafür aussehen, schließlich haben sich CDU und FDP innerhalb kürzester Zeit in Berlin selbst deklassiert. Aber auch für Neuwahlen braucht es die absolute Mehrheit im Parlament und es ist fraglich, wen sie sich dafür noch in’s Boot holen will. CDU und FDP dürften, vor allem der schlechten Stimmung aus Berlin wegen kein Interesse daran haben. Bleiben also nur die Linken. Ob die von Neuwahlen profitieren würden, ist fraglich.

Aber so oder so: allein die nur so halb realistische Möglichkeit von Neuwahlen im bevölkerungsstärksten Bundesland wird so ziemlich alles auf bundespolitischer Ebene komplett über den Haufen werfen. Mit anderen Worten, meine Spekulationen sind Makulatur, denn in Berlin wird sich die nächsten Wochen nichts, aber auch gar nichts mehr rühren. Jedenfalls werden eben keine neuen Steuern kommen und ich würde sogar wetten, dass sogar das bisher beschlossene Sparpaket auch erst mal wieder auf Eis gelegt wird.

Wenn in NRW gewählt wird, sind alle im Wahlkampf. So war das dieses Frühjahr, so wird das auch diesen Sommer sein.

Klar, der Bundespräsident wird so oder so gewählt. Man kann davon ausgehen, dass die NRW-Situation disziplinierend auf die Wahlmänner und Frauen wirkt.

Und ja, jetzt ist erstmal WM und schaun wir mal. Aber ich glaube dennoch, dass es auf FDPseite einen enormen Handlungsdruck gibt. Sie sehen scheiße aus im Bund und die Perspektiven verdüstern sich zunehmend. In NRW würde sie – laut derzeitigen Umfragen – um den Einzug in’s Parlament kämpfen müssen. Im grunde kann sie durch Disziplin derzeit keinen Blumentopf gewinnen. Im Gegenteil: sie würde sehenden Auges voll gegen die Wand fahren.

Ob das besser ist, als der Graben? Angenommen, sie würde aus der Koalition im Bund ausscheren, könnte sie die CDU nachträglich für das ganze Schlamassel verantwortlich machen, was ihr nicht wenige glauben dürften. Die anderen würden das aber als Flucht vor der Verantwortung geißeln. Fraglich, ob die FDP sich also dadurch retten kann. Im Grunde ist sie völlig im Arsch, so oder so. Ihre Art der Politik ist derzeit einfach nicht… ich wollte „opportun“ schreiben, aber eigentlich meine ich „unmöglich„.

Ich glaube, es ist derzeit eine okaye Option für alle Regierungsparteien depressiv zu werden.

Noch mal kurz: Politische Planspiele

Ich habe der Koalition ja noch ca. 4 Wochen eingeräumt. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass Merkel mir zustimmt.

Merkel war immer schon durchsetzungsstark gegen die FDP, die in dieser Koalition so ziemlich jede Wahlkampffeder lassen musste, die sie sich angesteckt hatte. Jetzt aber nimmt Merkel scheinbar gar keine Rücksicht mehr auf sie. Fährt ihrem Wirtschaftsminister doch glatt über den Mund und legt sich direkt mit ihm an.

Nun hat sie sich aber gerade nach dem schnüren des Sparpaktes zusammen mit der FDP hingestellt und ihr immerhin das Feigenblatt gelassen, dass es keine Steuererhöhungen geben werde (was natürlich schon jetzt Quatsch ist, weil das jetzige Paket implizite Steuererhöhungen beinhaltet).

Aber auch insgesamt ist das anscheinend eine Nebelkerze. Die einzusparende Summe ist ohne Steuererhöhung überhaupt nicht sinnvoll zu machen. Und Merkel weiß das. Und dann kommt mir dieser Handelsblattartikel herein geflattert (ACHTUNG: nicht geflattrt!), in dem behauptet wird, dass die CDU geführten Ministerien schon einen Sparplan II in der Schublade hätten, für die Zeit nachdem die FDP Wulff abgenickt habe, also den 30. Juni. Mit – natürlich – Steuererhöhungen.

Das können natürlich auch nur gestreute Gerüchte sein, reine Verschwörungstheorien, aber ich halte das durchaus für plausibel. Merkels Kalkül wäre folgendes: die Koalition ist gescheitert, eigentlich jetzt schon. Aber noch viel mehr in der Zukunft, denn Steuererhöhungen sind – wie gesagt – unumgänglich, aber mit der FDP sowieso nicht möglich. Also noch eben Wulff durch winken (was vielleicht nicht klappen wird) und bis dahin nett lächeln und der FDP die blauen Steuersenkungen vom Himmel versprechen. Und dann, ab dem 30. Juni, einfach das ganze Ding platzen lassen. Oder die FDP einfach so lange provozieren, bis sie selber das Handtuch schmeißt – es sieht eher nach Zweiterem aus.

Ich wäre nicht überrascht, wenn derzeit schon unter größter Geheimhaltung mit der SPD geflirtet wird – für eine Große Koalition. Denn Merkel weiß: sie kann derzeit nur mit der SPD eine (ihrer Meinung nach) sinnvolle Politik machen, denn die geht nur mit Steuererhöhung. Klar, die FDP war immer Wunschpartner gewesen, aber ausgerechnet jetzt ist sie nun mal die falsche Partei zur falschen Zeit am falschen Ort. Merkel ist ja pragmatisch.

Und für die Große Koalition hat sie gleich auch die Preise festgelegt. Die sozialen Zumutungen im Sparprogramm sind die Pappkameraden, die die SPD dann zurückfordern darf und außerdem wird sich Merkel gerne für einen höheren Spitzensteuersatz begeistern und vielleicht sogar die Vermögenssteuer wieder einführen – und alle sind glücklich.

Naja, bis auf die FDP.

Ooooder doch nicht? Denn so wie ich das sehe, spekuliert die SPD ihrerseits auf eine Ampel – zumindest als grundlegende Koalitionsstrategie. In NRW sieht es ja bereits jetzt immer mehr danach aus [UPDATE: Die Sondierungsgespräche sind offenbar noch in dieser Nacht geplatzt.] und die Nominierung von Gauck ist ein klares Signal in Richtung FDP – und zwar explizit gegen Rot-Rot-grün und für die Ampel. Die FDP, die ja die Umarmungen der SPD stets routiniert von sich gewiesen hatte, wird angesichts des engen Käfigs, in dem Merkel sie hält, immer weniger zickig gegen die SPD sein, kann man annehmen. Und Gauck ist schon auch ein Leckerhappen, den Rot-Grün ihr da hin hält.

Also: so wie Merkel – wie ich annehme – heimlich mit der SPD flirtet, wird also die SPD mit der FDP flirten – naja, tut es ja bereits öffentlich.

Die FDP hat es jetzt also in der Hand. Sie kann am 30. (oder bis zu diesem Tag) die Koalition platzen lassen und Gauck wählen, oder sie hält still, wählt Wulff und lässt sich danach mal so richtig demütigen. Und schmeißt dann hin (man braucht ja schließlich einen Grund für sowas in der Öffentlichkeit.)

Wo ich keinen Deut Einblick habe, ist, wie es in der FDP derzeit aussieht. Es ist aber unwahrscheinlich, dass die Partei nicht gespalten ist. Westerwelle ist so erstaunlich still, dass es fast danach aussieht, als habe er innerparteilich ordentlich Federn gelassen. Niemand in der FDP dürfte zufrieden sein mit Schwarz-Gelb, aber eine Ampel ginge sicher nur über Guidos Kopf. Und da denken sicher nicht wenige drüber nach.

Wie ich letztens schon per Twitter fragte: Was käme da für eine FDP heraus, wenn sich in NRW eine Ampel bilden und die Bundes-FDP Gauck zum Bundespräsidenten wählen würde? Zumindest eine ohne Guido und insgesamt einem geschwächten rechts-liberalen Flügel. Ich hätte da nichts gegen.

Allerdings: so wie Merkel mit der FDP umspringt, scheint ihr das Zustandekommen einer Ampel wenig Angst zu machen. Und ich denke, sie hat recht. Ampel ist ein ungleich unrealistischeres Szenario als eine Neuauflage der Großen Koalition. Mit der SPD und der FDP wären es schließlich gleich zwei Parteien in einer Koalition, die sich erst mal selber wiederfinden müssen. Damit ist keine Regierung zu machen. Dagegen sind CDU und SPD noch gut aufeinander eingespielt. Und für vieles, was jetzt ansteht, braucht man eh den Bundesrat.

Naja. Bis zum 30. Juni sind es jetzt noch 20 Tage.

 

 

 

 

 

 

 

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TwitterWM

Mein guter Freund Mark hat gerade noch so rechtzeitig eine Webseite gelauncht, die uns allen die nächsten Wochen noch einige Freude bereiten wird: Twitterwm!

Bildschirmfoto am 2010-06-08 um 08.57.07

Twitterwm ist ein Tippspiel für die WM, dass man bequem per Twitter spielen kann. Dazu einfach @twm2010 folgen und einen Tipp absetzen: Etwa so: „#ger3 #srb2 #twitterwm“ – und schon ist man mit seinem Tipp registriert.

Zu gewinnen gibt es einen 500€ Gutschein von Frontline, sowie 9 mal einen 60€ Gutschein und für die Plätze 10 bis 20 wenigstens noch unser Twitterbuch (das aber leider erst im September erscheint). Es lohnt sich also auf jeden fall mitzumachen.

Ich hoffe mal, dass das meine WM-Müdigkeit noch ausmerzen wird.

Medienspekulanten lassen Merkelblase platzen

Die Koalition ist am Ende. Nicht, dass es ihr jemals wirklich besser ging als heute, aber seit gestern ist ihr Ende amtlich abgesegnet.

Wer den Tod festgestellt hat? Die Medien, In vorderster Front SPIEGEL, FAZ und BILD.

Dabei waren sie es, die sich seit ca. 10 Jahren geschlossene Merkelfans gerierten und bis zu Letzt bei jedem ihrer Stolperer ein Machtkalkül haben sehen wollen. Verließ jemand brüskiert ihre Reihen, dann hatte Merkel ihn natürlich „abserviert“. Zögert sie wichtige Finanzhilfen hinaus und lässt die EU fast in’s Chaos stürzen, dann handelt sie „überlegt“ und „besonnen“. Verweigert sie sich – entgegen jedem Expertenrat und jeder Staatspraxis – zunächst jedem Konjunkturpaket, wird sie für ihre Politik von „Maß und Mitte“ gelobt. Ändert sie dann ihre Meinung, ist das natürlich „alternativlos“. Als ihre größter Erfolg wurden die G8 Konferenz in Heiligendamm gezählt, bei der sie – ähhm – nichts erzieht halt. Fragt man nach 5 Jahren, was sie politisch auf den Weg gebracht hat, bleibt beinahe nichts übrig. Eine Gesundheitsreform, die derzeit bereits wieder auf dem Prüfstand steht. Was noch? Merkel ist bei genauerer Betrachtung immer wieder und überall und auf ganzer Linie gescheitert. Die Medien konnten das aber jedes mal irgendwie in einen vermeintlichen Sieg umdeuten.

Ausgerechnet an der Bundespräsidentenfrage ist sie dann endgültig gescheitert. Erst wirft Köhler verärgert hin, dann wird die von ihr favorisierte von der Leyen – aus welchen Gründen auch immer – als Kandidatin zurück gepfiffen. Dann drängelt sich auch noch Wulff nach vorne durch und beansprucht dreist den Posten, als ginge es um eine Gehaltserhöhung. Merkel steht wie immer still herum während ihr alles um die Ohren fliegt und schweigt. Sie weiß, sie kann sich auf ihre freiwilligen Spindoktoren in den Redaktionen verlassen. Und tatsächlich, selbst zu dieser mit planlosesten und stümperhaftesten Stunde Merkels wird ihr von einigen Medien noch eben jenes „Machtkalkül“ unterstellt. „Weggelobt“ habe sie den Wulff ja. Geschickt, nicht? – Herrje!

Dann aber die Wende: Rot-Grün – diesem eigentlich ziemlich zerschossenen Grüppchen politischem Nichts – gelingt ein echter Coup. Sie schaffen es, einen Kandidaten in das Rennen zu schicken, der irgendwie fast sowas wie glaubwürdig und vor allem Parteiübergreifend satisfaktionsfähig ist: Joachim Gauck.

Und irgendwie scheint da einigen Journalisten ihr „Merkel-hat-alles
-im-griff“-Kartenhaus auf einen Schlag zusammengefallen zu sein. „Hmm,“ hat sich mancher wohl gedacht: „man hätte anscheinend ja auch einen guten Vorschlag machen können…“.

Ich kann es mir auch eigentlich gar nicht anders erklären, als dass am Freitag zwischen den Chefradaktionen ein emsiges Telefonieren losgegangen ist: „Die Merkel ist am Ende.“ Ein bisschen so, wie die Spekulanten gegen die Blase in Griechenland wetten konnten – nein, mussten – so schossen sich die Redaktionen nun auf Merkel ein. Die Merkelblase wird platzen, sie ist schon angeschlagen, da muss man nur noch ein bisschen…

Und dann ging es los:

Der aktuelle SPIEGEL-Titel: „Joachim Gauck – Der bessere Präsident“
FAZ: Joachim Gauck – ein bürgerlicher Held.
Und Sogar Bild am Sonntag titelte: Yes, we Gauck
Welt am Sonntag: Gauck fliegen liberale Herzen zu.

Die Trias von Springer, SPIEGEL und FAZ hat sich schon häufiger als extrem kampagnenfähig erwiesen. Egal ob Angst vorm demographischen Wandel, Front gegen die Rechtschreibreform oder Nacktbilder von Günter Verheugen, die Zusammenarbeit klappte stets recht gut. Wenn die drei in trauter Einigkeit zuschlagen, dann hat das etwas zu bedeuten. Die haben Blut geleckt.

Mit anderen Worten: Merkel wird gerade fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Das heißt nichts anderes, als dass diese Koalition am Ende ist und dass sie vermutlich keinen Monat mehr existieren wird. Eine Pro-Gauckkampagne würde Merkel und Schwarz-Gelb politisch nicht überleben. Die Kampagne der Blätter für Gauck ist also ein politisches Ereignis von aller höchster Brisanz. Und was findet man davon in den Medien? Nichts. (Außer natürlich in den Blogs)

Denn die Medien sehen sich selbst nicht als Akteure des politischen Betriebs. Medien sind sich selbst gegenüber blind. Alles andere wäre ja auch nicht „objektiv“. Dabei sind die Kampagnieros politische Spekulanten. Gewinnen tut, wer die Agenda setzt. Wer sich als letzter bewegt, hat verloren.

Merkel wurde von den Medien aufgeblasen, in der Hoffnung sie würde den Raum irgendwann einmal mit politischer Substanz füllen. Jetzt spekulieren die selben Leute gegen diese Blase. Und während dieser Vorgang bei Schröder viele Monate andauerte, war’s bei Merkel ein kurzer Prozess. *Puff*


PS: Darüber hinaus macht auch noch das Netz für Gauck mobil: Felix Schwenzel bläst in die Fanfare, Nico Lumma hat ein extra Blog aufgesetzt und Thomas Pfeifer eine Twitteraktion in’s Netz gestellt.

Keine Frage: auch ich halte Gauck für den geeigneteren Kandidaten und der Merkel-Administration würde ich keine Träne nachweinen. Aber etwas sträubt sich in mir, mich dieser unheiligen Kampagniero-Phalanx anzuschließen.

Flattr – es funktioniert!

Ich habe ja schon vor einiger Zeit hier über Flattr geschrieben. Meine These: Flattr etabliert eine Geschenkökonomie, wie es sie bei uns in Frühzeiten der Vorzivilisation sowie bis heute zum Teil bei indigenen Völkern gibt. Flattr entzieht sich somit in gewisser Hinsicht der Logik der herkömmlichen Ökonomie, nämlich genau so wie Blogs auch schon. Flattrn ist wie Bloggen ein Schenken.

Jetzt, nach dem Hype durch alle Blogs, ist der erste Zahltag gekommen. Und das Ergebnis ist beachtlich! Spreeblick hat 110,94 Euro eingenommen. In vierzehn Tagen! Und das während der closed Beta! Auch andere können Frohlocken. Und auch ich habe habe 26 Cent eingenommen! (Okay, bei mir ist das Ergebnis nicht aussagekräftig, ich hab seit dem Einbau hier fast nix gemacht.)

In den Kommentaren bei Spreeblick bin ich aber auf etwas interessantes gestoßen. Egghat beschwert sich dort, dass solche Modelle von den Bloggern nicht genug gepuscht werden:

Wir müssen Leser darein bekommen und ihnen irgendwas dafür bieten. Ich habe das für Kachingle angeboten: 5 User, die auch zahlen, mehr im Monat und ich mach Adsense aus. Das ist monetär ein Verlust Geschäft, aber darum geht es nicht. Über sowas solltet ihr Euch mal den Kopf zerbrechen … Ihr seid doch kreativ …

Ich finde das in sofern bemerkenswert, als sich dort jemand anschickt, genau das wieder auszuhebeln, was – meine Meinung nach – Flattr erst erfolgreich macht. Egghat möchte diese Bezahlmodelle gerne wieder in einen Tausch zurück verwandeln. Ich tue dies, du tust dafür das. Die Logik des Geschenks scheint ihm nicht geheuer zu sein.

Weiter oben schreibt er in seinem Kommentar, dass er gefrustet ist. Ich kann das verstehen. Es ist vermutlich die selbe Frustration, die die Verleger haben, wenn sie über das Internet sprechen. Ihre Informationen sind im freien Aushandlungsprozess nichts wert. Nicht mal Werbung mögen die Menschen sich mehr angucken, als Austausch. Dennoch versuchen einige immer noch einen objektivierbaren „Marktwert“ für ihr Veröffentlichtes auszuhandeln. Und sei es, dass sie dabei drauf zahlen. Es geht fast weniger darum Geld einzunehmen, als das altvertraute Modell der Verlagsökonomie behaupten zu wollen.

Andererseits verstehe ich die Frustration von Egghat aber auch nicht. Flattr zeigt doch, dass es auch anders funktioniert. Es kommt reales Geld zurück und zwar erstaunlich viel. Flattr scheint zu funktionieren und zwar gerade deswegen, weil es sich einem normalen Preisaushandlungsprozess entzieht und stattdessen jeden einzelnen Flattrer vor die selbe Frage stellt, die es jeden Schenkenden stellt: Was und wie viel möchtest du geben?

Ich persönlich merke das an mir selber. Flattr hat mich in die Situation gebracht, mir Gedanken zu machen, was mir die Blogs, die ich lese eigentlich wert sind. Nicht wert in dem Sinne von: wie viel Geld würde ich in die Hand nehmen, um einen Artikel zu bezahlen, wenn ich es müsste (vermutlich gar nichts), sondern – gemessen an meinem Gesamtbudget (das nicht sehr groß ist): wie viel würde ich davon gerne den Blogs, die mir gefallen schenken? So insgesamt, mit allgemeiner Höchstgrenze.

Ich habe, wie gesagt nicht viel Geld. Ich brauche auch nicht besonders viel. Ich brauche kaum Luxus, fahre lieber Rad als Bahn oder Auto. Ich habe eine kleine Wohnung, weil ich da eh nicht viel Zeit verbringe. Aber ich habe einen teuren Rechner und ein teures Telefon. Im Grunde kaufe ich in dieser Hinsicht immer das teuerste. Das magh für manche absurd klingen, aber so verteile ich nun mal meine Präferenzen.

Eine Wohnung zu haben ist wichtig, aber eine große und schöne Wohnung zu haben, ist mir unwichtig. „Wohnen“ ist eine Tätigkeit, die ich selten ausübe. Am Rechner sitzen ist dagegen eine Tätigkeit, die mein Leben mehr als alles andere bestimmt. Deswegen ist mir ein guter Rechner viel Geld wert, da mache ich ungern Kompromisse. Wenn ich darüber nachdenke, was mir mein Rechner „wert“ ist, dann sage ich zunächst einmal: alles, was ich mir leisten kann. Und so lange ich mich nicht ruiniere, werde ich auch weiterhin das teuerste kaufen, das es gibt.

Bei Blogs ist das ganz ähnlich. Als Flattr herein flatterte habe ich mich spontan gefreut. Nicht weil ich glaubte, jetzt reich werden zu können, nein, sondern, weil ich froh darüber war, dass ich dieses diffuse Gefühl des „Mir sind Blogs etwas wert“ jetzt auf genau die Art und Weise ausdrücken kann, wie ich es empfinde: als spontane Freude und Zustimmung über einen einzelnen Blogeintrag.

Ich habe mein Flattr von Anfang an auf 20 Euro pro Monat gestellt. Meine eigene Einschätzung, wie viel mir Blogs Wert sind, wäre eher 50 Euro, aber das geht derzeit nicht. Schade.

Da

Wir sind in Brooklyn! Dort sieht es aus.

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Dann sind wir nach Manhattan gegangen.

Dann sind wir wieder zurück gegangen.

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Weil: Brooklyn hat die schönere Skyline.

Nämlich die von Manhattan.

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Die in Manhattan haben nur die von Brooklyn. Die armen.

LOST und der verlorene Schäfchenverstand

Ich hab da noch mal nachgedacht. Über LOST. Gestern habe ich ne Menge Krams gelesen, das mir irgendwie sagen will: ist ja alles gut so, was regen sich die Leute auf? Ich rege mich jetzt aber doch auf. Genauer: jetzt erst.

Einen schönen Text hat hoch21 geschrieben, der eh schon die halbe LOST Serie grandios per Blog begleitete. Die dortige Interpretation ist treffend: All der Kram: Die Dharma, the Others, die Zahlenfolge, all die Rätsel, der Rauch, die Insel, alles ist völlig egal. Am Ende geht es – und ging es wohl immer – um den je individuellen Weg der Charaktere in ihr Glück/Schicksal oder so. Ich glaube, er hat recht. Und ich will das etwas weiter spinnen.

Ich behaupte: zwei Worte hätten von Anfang an genügt, die ganze LOST Serie zusammen zu fassen und restlos zu verstehen ohne auch nur einen Ausschnitt gesehen zu haben: „LOST“ und „Christian Shephard„.

Diese zwei Worte, mehr nicht, denn nur darum ging es. Es ging um das verlorene Schaf – die verlorenen Schafe – und ihren Irrweg zum erleuchteten Pfad des christlichen Hirten. Amen. – Das war’s! Das war wirklich alles!

Und deswegen bin ich etwas sauer.

Ich habe mich nämlich damals in ein Theater gesetzt. Versprochen wurde eine tolle bunte, bombastische Rocky-Horror-Show mit Schnickschnack, Sensationen und Dings vom Broadway. Aber als der Vorhang zufiel, fand ich mich in einer Kriche wieder. Eine fucking Kirche; eine in die ich mich niemals freiwillig gesetzt hätte! Ja, LOST ist ein einziger, ewig langer Gottesdienst, mehr nicht. Zugegeben, ein gut gemachter, aber dafür auch ein sehr manipulativer Gottesdienst. Ein Gottesdienst nämlich mit nichts anderem im Sinn als gerade uns, uns Mystery-Fans bei unserer Faszination zu packen und uns auf den rechten, den spirituellen Pfad Gottes zu führen. LOST ist ein Missionierungsgottesdienst und wir waren die Schafe und haben das blökend mitgemacht.

Der mysteriöse Tot der Wissenschaft

Klar, es ging zuerst immer um den Widerstreit zwischen Man of Faith und Man of Science und wir waren alle gespannt, wie der ausgehen würde. Zuerst ausgetragen zwischen Jack und seinem Vater, dann zwischen Jack und Locke. Klar und Dharma und Mr. Eko und Krams. Alles richtig, soweit. Aber als dann in der sechsten Staffel Jack auf die Insel zurückkehrt, scheint er irgendwie lobotomiert worden zu sein. Jedenfalls sondert er nur noch schwer erträglichen „supposed to be here„-Quark ab, was man zuvor nur von Locke kannte und wandelt wie auf Drogen in seiner Schicksalsgläubigkeit herum. Und Man of Science? Gibt’s nicht mehr, wird nicht mehr unterstützt, ist einfach weg, der widerpart. Und all die Zeit hatte ich inständig gehofft, dass da dann doch noch irgendein Spin daraus wird. Dass sich dieses „Erleuchtete Pfad„-Gebrabbel als ebendas herausstellt und dass all das irgendwie anders aufgeklärt wird.

Anders, nicht auf eine bestimmte Weise, aber anders. Meinetwegen mit einem neuen Rätsel, meinetwegen auch gar nicht, meinetwegen überhaupt nicht wissenschaftlich, mir doch egal! Aber nicht so! Nicht, dass sich blökende Schafmetapher als richtig erweist und Jack zum glaubenden Märtyrer wird, zum tatsächlichen Sohn des verdammten christlichen Schäfers.

Klar, geht es bei Mystery nicht darum, am Ende für alles eine plausible und wissenschaftliche Erklärung zu haben. Es geht aber auch nicht darum, eine christlich, mystische Erklärung zu bekommen. LOST lässt aber nichts offen, sondern bezieht eindeutig Stellung. Denn der wissenschaftliche Widerpart der transzendenten Schäfchen ab der sechsten Staffel schlicht gebrochen. Er ist einfach nicht mehr da. Jack wurde missioniert, vollständig brainwashed. Und ab da steht nichts mehr zwischen dem irrationalen Schein des Allmächtigen und seinen Schäfchen, dass noch irgendetwas drehen oder tun könnte. Die Wissenschaft hat versagt in ihrer Suche nach dem Sinn der Insel, in der Suche nach den Lösungen der Probleme der Menschen, in allem. Sie wurde von den Autoren einfach in die Ecke gestellt, damit der heilige D-Zug an ihr vorbei rauschen kann, wie auf Schienen.

Und diese Schienen, die wurden tatsächlich nachträglich, also jetzt, sichtbar. Ich versuche sie etwas zurück zu verfolgen:

Auf dem Irrenweg zum Allmächtigen

Der Weg zu Gott geht immer über die Puppet Master. Die Puppet Master sind immer präsent wechseln sich ab, bleiben aber bis zum Schluss als mysterisches Motiv präsent.

1. Da haben wir zunächst die Others, die irgendwie mehr wissen als die anderen, mehr können, ein geheimes Supervolk, dessen dicker, zotteliger Zausel in Latzhosen der Anführer zu sein scheint. Er zieht die Fäden, sie sind ihm alle ausgeliefert.

2. Aber kaum haben die Lostis das raus gefunden, merken sie, dass dass der Zottel auch nur Befehle ausführt und schließlich, dass der Zottel nur ein netter, dicker Brummbär ist. Dann ist es nämlich Benjamin Linus. Dieser überaus ausgefuchste Typ, der alles zu wissen scheint, der alles vorsieht, alles Plant, dem alle irgendwie ausgeliefert sind. Er scheint alle manipulativ in Händen zu haben. Ein wirklich allmächtiger Gegenspieler.

3. Nachdem aber Linus eingemeindet wurde und ab dort auch nur ein Mensch ist, der eine ebenso ohnmächtige Spielfigur im großen Inselmonopoly ist, wird der eigentliche Puppet Master vorgestellt. Einer, vor dem sich auch Linus fürchtet – zu recht. Denn nun betritt Whitmore die Szenerie und nimmt die brutale Stellung des Gegenspielers an, während Linus plötzlich so klein ist, mit Hut und sich mit den LOSTies verbrüdern muss. Whitmore hat das Geld und die Macht und seine Spitzel sind überall. Er ist ein noch viel mächtigerer Gegner und ein noch viel größerer Puppet Master als alle vorherigen.

4. Aber während Whitmore so vor sich hinwurschtelt und mit jeder Folge irgendwie komplexer, aber auch egaler wird, stellt sich etwas ganz anderes heraus. Schließlich und letztendlich führen nämlich alle Wege dann doch zu Jacob. Jacob sind sie am Ende alle hörig. Egal ob Whitmore, der Tempelclown (auch recht mächtig) oder Linus, alle tun, was Jocob sagt, oder was sie glauben, was Jacob sagt oder meint. Endlich haben wir ihn, den wirklichen Herrscher über alles. Jocob rouled die Insel und noch viel mehr. Er ist der Puppet Master Master. Dabei hat er immer die unschuldige Aura des Erzengel Gabriel und die stoische Ruhe eines ZEN-Mönchs. Klar, ist er der spirituelle Mittelpunkt, auf den alles hinaus laufen muss. Naja, jedenfalls bis er einfach nieder gemeuchelt wird.

5. Und dann, ab dort, also ab Season 6 gibt es keinen Puppet Master mehr. Ab dort stehen die LOSTies für sich selbst, müssen alleine klar kommen. Nicht mal der Schwarze Rauch – jetzt in Lockegestalt – steht so richtig über ihnen. Und sie selber werden nun zu Kandidaten, Jacob zu ersetzen. Man könnte das eine Emanzipation nennen. Jedenfalls vorläufig. Aber die Zweifel bleiben: wo ist der eigentliche Puppet Master? Kommt da noch was?

6. Und dann – ganz am Schluss – kommt es raus. Der eigentliche Puppet Master – der Puppet Master Master Master – der Master of it all – und – nebenbei – die eigentliche Hauptfigur der ganzenh Serie im Hintergrund, all das war immer schon Christian Shephard, der christliche Hirte. Er ist der letzte, der wichtigste die eigentliche Figur, auf die alle hinaus läuft. Das anderen waren nur False Prophets, sie waren Irrwege aber dann doch – letztendlich – genau der Weg zu IHM. Nur zu IHM.

Da braucht man dann gar nicht die Erlösungstrory des Jack Shephard, dem christlichen Hirten sein eigener Sohn, den er auf die Insel zurück geschickt hat, um seine Schäfchen zu zu „saven“. Der dabei natürlich das Gute wieder einsetzt und somit schließlich für unserer aller Gutsein gestorben ist. Denn sie waren lost, sie waren es niemals auf der Insel, sondern sie waren es im Leben, wie wir alles es sind: verlorene Schafe auf dem falschen Pfaden.

LOST hatte die Aufgabe des Jack Shephard: uns alle wieder zurück zu holen. Mit Pseudomystery und einem großen Haufen Küchentheologie. Nein, danke!

updates

Es wird Zeit, mal wieder egostreammäßig ein paar Dinge hier aufzuschreiben.

Ich hab jetzt auch Flattr. Eigentlich. Allerdings nicht aufgeladen, weil dieses ver*ckte Paypal sich nicht mit meinem Bankdings begnügt, sondern gerne ne Kreditkarte hätte. Wozu brauch ich dann noch Paypal, frage ich mich?

Egal, ich finde Flattr eine tolle Idee, werde das auch hier einbauen, sobald da Geld drauf ist aber ich habe derweil schon mal eine Lobhudelei auf dem FAZ-Blog geschrieben. Flattr eröffnet nämlich eine Art Geschenkökonomie und ist damit vielleicht das genau richtige Bezahlmodell in Zeiten des Kontrollverlust.

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Meine Idee, die der Plattformneutralität durfte ich als Eröffnungskeynote bei der CCC-Konferenz SIGINT vortragen. Ich hoffe, ich konnte dort meinen Punkt einigermaßen rüber bringen. Ich war sau aufgeregt und sau unausgeschlafen und ich habe kein referierendes Selbstbild von mir, weil ich sowas ja auch fast noch nie gemacht habe. Ich glaube, ich habe das aber ohne größere Patzer über die Bühne gebracht, werde aber das Video abwarten müssen um das genauer einzuschätzen. Die Artikel bei Heise und Zeit Online scheinen aber die Idee verstanden zu haben, was mich zuversichtlich macht.

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Die SIGINT selber war übrigens ganz großartig! Eine Art Kongress in gemütlich. Wenige hundert Menschen auf einer großzügigen Fläche verteilt. Viel Zeit zum quatschen, diskutieren und kennenlernen. Kein Gedrängel in den Vortragssälen und immer einen Sitzplatz. Ich habe unglaublich viel mitgenommen. Ich musste einige Standpunkte anpassen oder differenzieren und habe eine ganze Menge gelernt. Ich weiß nicht: der Kongress ist natürlich Wahnsinn, in Sachen Input, aber ich habe dennoch das Gefühl, auf der SIGINT mehr mitgenommen zu haben. Vielleicht weil’s intensiver war? Weil man die Fragen nach den Pannals gleich weiter diskutieren konnte? Jedenfalls eine sehr sympathische Konferenz. Ich danke den Organisatoren für die Einladung und tolle Organisation.

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Gestern hab auch ich endlich Lost zu ende gesehen. Ich bin ja verdammt spät eingestiegen (vor etwa drei Monaten), hab mir dann in Marathonsitzungen eine Staffel nach der anderen reingeknallt und war erst irgendwann mitten in der Sechsten auf dem allgemeinen Stand. Ich muss sagen: es hat mich alles nicht so reingezogen, wie das andere von sich berichten. Ich war interessiert und irgendwann wäre es unmöglich gewesen, da nicht bis zum Ende durch zu marschieren. Aber meine eigentliche Motivation war eher Opportunismus: Lost ist irgendwie sowas wie ein popkultureller Meilenstein meiner Generation. Die Serie nicht gesehen zu haben, so meine Befürchtung, wäre so, wie Star Wars nicht zu kennen. Star Wars, Lost, Per Anhalter durch die Galaxis und die Bibel sind nun mal feste Kulturbausteine, ohne deren Grundlagenkenntnis das Entschlüsseln von öffentlicher Kommunikation schwerer ist.

Aber als das gestern nun alles zu ende ging, hatte ich nicht diese Leere, dieses komische melancholisch-wehmütige Gefühl, dass ich habe, wenn ich einen langen Roman zu ende gelesen habe. Irgendwie war mir das alles, naja, egal. Alles ist irgendwie unklar, aber doch zu Ende gekommen. Meinet wegen. Klar, Fragen bleiben. Die von SpOn und noch viel mehr von College Humor. Und bei mir? Ach ja.

* * *

Und ich bin jetzt natürlich etwas im Stress. Ich muss noch so einiges schreiben, einiges organisieren und habe nur noch wenige Tage Zeit. Am Samstag geht es dann nämlich los, nach New York City, für drei Monate. Dort sind es gerade 32 Grad. Nur mal so.