Keybase.io

Mit Keybase.io ist eine neue Idee in die Welt der Kryptographie getreten, die ich ganz spannend finde. Um zu erklären warum, muss ich allerdings etwas ausholen:

In der sogenannten PublicKey (oder asymetrischen)-Kryptographie (die wohl populärste Form der Verschlüsselung) wird mit speziellen mathematischen Verfahren ein Schlüsselpaar erstellt. Einen Schlüssel behält man für sich, einen macht man öffentlich. Wenn ich jemandem eine verschlüsselte Nachricht schicken will, nehme ich dessen öffentlichen Schlüssel, um die Nachricht zu verschlüsseln. Nur mit dem privaten Schlüssel kann derjenige dann die Nachricht wieder entschlüsseln. Dieses Verfahren gilt in den meisten Varianten sogar in Zeiten der NSA-GCHQ-Enthüllungen noch als relativ sicher und wird auch von Edward Snowden empfohlen.

Bei der PublicKey-Verschlüsselung gibt es aber nach wie vor ein Problem, das noch nicht befriedigend gelöst wurde. Wie kann ich sicher stellen, dass der PublicKey, den ich verwende, wirklich auch zu der Person gehört, der ich die Nachricht schicken will? Es kann ja durchaus sein, dass mir jemand einen falschen Key gegeben oder irgendwie untergejubelt hat. Derjenige könnte sich dann zwischen mich und meinen Gesprächspartner begeben und unsere Kommunikation abhören, oder gar faken. Die so genannte Man-In-The-Middle-Attack.

Für dieses Problem gibt es bislang, – sagen wir – zweieinhalb Lösungen:

  1. Zertifikate. Eine Institution, der aus irgendwelchen Gründen getraut werden kann, überprüft einmal meine Identität und zertifiziert meinen Public Key. Das Zertifikat kann dann von anderen zusammen mit meinem PublicKey heruntergeladen werden und bestätigt meinem Gegenüber, dass die zertifizierende Stelle der Meinung ist, dass mein Key zu mir (z.B. meiner E-Mailadresse) gehört. Dieses Verfahren wird beispielsweise bei TLS/SSL und für E-Mailverschlüsselung mit S/MIME verwendet. Problem: wieso sollte ich der zertifizierenden Instanz trauen? Und selbst wenn ich das täte, befindet sich auf deren Servern ein großer sicherheitsrelevanter Schatz, der Begehrlichkeiten bei Hackern und Geheimdiensten weckt und deswegen leicht mal komprommitiert werden kann. (Dass das nicht nur ein theoretisches Problem ist, zeigt der Fall DigiNotar) Hinzu kommt, dass man wegen des zentralisierten Identifizierungs-Aufwandes fast nirgends solche Zertifikate umsonst bekommt.

  2. Web of Trust. KeyServer sind spezielle Server, die die PublicKeys mit der Verknüpfung zur E-Mailadresse hosten, die auch untereinander Daten austauschen und von überall her verfügbar sind. Dort kann erstmal jeder alles eintragen, allerdings gibt es das Feature, dass andere Nutzer, die bereits glauben, dass ich ich bin, meine Identität mit ihrem Key “signieren” können. Wenn ich mir also unsicher bin, ob eine Identität echt ist, kann ich dort auch nachgucken, wer den Key signiert hat. Und wenn ich mir auch bei den Signierern unsicher bin, kann ich nachgucken, wer wiederum deren Key signiert hat und so weiter. Das Web of Trust kann sehr tief sein. Irgendwann, so die Theorie, stoße ich auf genug Namen und Signaturen, denen ich vertraue. Das Verfahren wird zum Beispiel bei PGP/GPG angewendet. Problem: funktioniert nur bei Leuten, die schon viele Kontakte im Hackerumfeld haben. Außerdem ist das Nachvollziehen der Vertraubarkeit eines Keys, wenn man es denn ernst nimmt, wirklich sehr aufwändig und je weniger Leute man kennt, desto aufwändiger ist es. Für Neueinsteiger somit eigentlich unmöglich. In der Praxis dürften sich die meisten (auch die Kryptonerds) mit ein paar wenigen, ihnen unbekannten und ungeprüften Signaturen zufrieden geben, was dann aber ebenfalls wenig sicher ist.

  3. Hosting/Kryptopartys Dieser Punkt gilt nur so halb, weil er eher Ergänzungen enthält: Man kann seinen Key natürlich auch (ergänzend zum Keyserver) auf seinem eigenen Webserver hosten, was ein gewisser Identitätsnachweis ist, denn nicht jeder hat ja Schreibzugriff auf meinem Server. Problem: So ein Webserver lässt sich aber schnell mal hacken. Echte Kryptonerds würden dem Key also nicht sehr weit trauen. Aber als Ergänzung ist das schon mal nicht schlecht. Dann gibt es Krypto- oder Keysigning-Partys. Da kommen dann meistens ein paar Nerds aus der Umgebung zusammen und dann wird sich gegenseitig der Ausweis gezeigt und der Key ausgetauscht und gegenseitig signiert. Problem: Der sicherheitsrelevante Mehrwert, dass Random-Nerd X, bestätigt, dass Random-Nerd Y einen Ausweis hat, in dem ein Name steht, der mit einem Datenbankeintrag auf einem Keyserver identisch ist, erschließt sich mir nicht wirklich.

Das Problem also ist, dass keines der oben genannten Verfahren wirklich gut ist. Es ist vermutlich bei genügend Aufwand (zeitlich, geldlich und sozial), gut genug für die Kryptonerds. Aber keines der Verfahren ist einerseits einfach und gleichzeitig sicher, um für normale Menschen nutzbar zu sein. Vermutlich liegt das in der Natur der Sache. Denn am Ende führt das Trustproblem zu der entscheidenden, eigentlich philosophischen Frage: Was ist Identität? Und wer kann sie wie garantieren? Sind wir vielleicht alle nur die Wahnvorstellungen in den Träumen eines höheren … ach, lassen wir das.

Bisher wurde Identität gerne über den Staat garantiert. Der stellt uns unseren Ausweis aus, der per Lichtbild und über ein paar physiognomischen Merkmale mit unserem physischen Körper verknüpft ist. Diese Vorstellung, dass Identität vor allem ein Link zwischen E-Mail und Wetware sei, spiegelt sich auch in der Idee der Keysigningpartys wieder. Ausweis – Gesicht – E-Mail – Key. So einfach ist das!

Ich finde das antiquiert. Entgegen der geheimen Hoffnung einiger Nerds interessieren sich die meisten Leute da draußen nämlich gar nicht für ihren Körper. Leute, die mir schreiben, wollen ihre verschlüsselte Mail nicht an den Fleischklumpen mit Bluthochdruck und Bad-Hair-Day vor meinem Computer schicken, sondern an die netzkulturelle Verschaltungseinheit, die neulich den lustigen Tweet über die NSA abgelassen hat, oder den Text über Tinder. Kurz: sie wollen gar nicht mit Michael Seemann sprechen, sondern mit mspro.

Eine zeitgemäße Antwort auf das Trustproblem muss also die Frage beantworten: Wie kann ich meinen PublicKey glaubhaft an meine Onlineidentität knüpfen (die längst viel mehr als eine E-Mailadresse ist)?

Und hier gibt Keybase.io eine wie ich finde überzeugende Antwort. Ich gebe dem Dienst meinen Twitteraccount-Namen, darauf generiert er mithilfe meines PrivateKeys einen Tweet. Den Tweet kann ich dann Twittern und Keybase zur Verifikation auffordern. Keybase schaut in meinem TwitterAccount nach, findet den Tweet und sieht somit als bewiesen an, dass ich tatsächlich Zugriff auf den entsprechenden Twitteraccount habe. Damit ist mein PublicKey mit meinem Twitteraccount verknüpft. Wenn jetzt also jemand nicht Michael Seemann, sondern “dem Typen, der sich auf Twitter mspro nennt” eine verschlüsselte Nachricht senden will, kann er dazu auf Keybase.io nachschauen, wie sein Key ist.

Der Dienst befindet sich in der Alpha-Phase, man kommt derzeit nur mit Invite rein (hab grade keine mehr), aber er sorgt nichtsdestotrotz bereits für einige Diskussionen in der Szene. Ich will deswegen kurz auf ein paar Kritikpunkte eingehen.

Erste Kritik: Man kann dort seinen PrivateKey hochladen!!11einself

Keybase.io will mehr sein, als nur eine Erweiterung des Keyserverkonzeptes, sondern auch ein benutzbarer Krypto-Client im Web. Deswegen kann man all die Sachen, die man so mit Kryptographie machen kann, auch direkt auf der Website tun. Vorausgesetzt, man lädt nicht nur seinen PublicKey, sondern auch seinen PrivateKey hoch. Vielen Sicherheitsexperten geht alleine bei der Vorstellung die Hutschnur. Der PrivateKey habe gefälligst auf dem eigenen Rechner zu verbleiben, alles andere gefährde die Sicherheit.

Das ist zwar richtig, aber ich habe drei Punkte anzumerken:

  1. Man muss den PrivateKey nicht hochladen, um den Dienst zu nutzen. Das ist nur eine Option. Man kann sich auch einen Client direkt auf dem eigenen Rechner installieren, so dass der PrivateKey lokal verbeibt. Der Client funktioniert auf Node.js-Basis und über Kommandozeile. Ich finde ihn sehr brauchbar, weswegen ich keine Veranlassung gesehen habe, meinen PrivateKey hoch zu laden. Von den 23 Kontakten, die ich bereits auf Keybase.io habe, ist mir keiner bekannt, der seinen PrivateKey hochgeladen hat. Warum auch?

  2. Der PrivateKey wird wiederum verschlüsselt hochgeladen und abgelegt. Selbst, wenn der Server gehackt wird, kommt der PrivateKey nicht abhanden. Zugriff hat also nur Keybase selbst. Und Keybase kann mit dem Key auch nicht so viel anfangen, so lange sie nicht im Besitz der Passphrase sind. Natürlich geht man dennoch ein unverhältnismäßiges Risiko ein, wenn man den Key hochlädt, insbesondere da der Dienst noch in der alpha ist. Ich würde also niemanden raten, das zu tun, wenn es nicht umbedingt nötig ist.

  3. Bei der Einschätzung wie sinnvoll es ist, eine solche Option überhaupt anzubieten, fände ich ein bisschen mehr Zurückhaltung wünschenswert. Wenn man sich die Zahlen anschaut, wie wenig Leute Krypto nutzen, finde ich es erstmal nachvollziehbar, dass keybase.io mit einem Webclient (man bedenke, dass weit über 60% der Leute ihre Mails im Browser nutzen (hab ich irgendwo gelesen finde die Quelle nicht wieder)), diesen Kreis vergrößern will. Und ob es den Kryptonerds passt oder nicht: Ein Newbie, der Krypto mit hochgeladenem Key nutzt, hat einen Sicherheitsgewinn gegenüber seinem vorherigen Ich, der kein Krypto nutzt.

Zweite Kritik: So einen Twitteraccount kann man doch auch hacken!!

Das ist richtig. Aber es ist ja nicht die einzige Schnittstelle, die Keybase.io anbietet. Man kann ebenfalls seinen Github-Account, sowie seine Websites dort approofen. Ich habe zwei Websites, Twitter und Github. Es kann sein, dass jemand meine Website knackt, es kann sein, dass jemand beide Websites knackt. Aber beide Websites, meinen Twitter- und meinen Github-Account? Das ist schon ziemlich unwahrscheinlich. Auch: es werden mit Sicherheit mehr und mehr Dienste nachgeschoben und mit jedem hinzukommenden Dienst, wird es schwieriger werden, Identitäten zu fälschen.

Und selbst wenn das jemand schaffen würde und könnte meinen Key austauschen; Ich habe 23 Tracker bei Keybase.io, die allesamt darüber informiert würden, wenn sich mein PublicKey ändert. (Ich bin mir gerade nicht sicher, ob das Tracken nicht auch ein Keysigning mit einschließt. Wenn nicht, würde mich interessieren, warum nicht.)

Dritte Kritik: Der momentane lokale Keybase.io-Client basiert teils [auf unsignierten Node.js-Paketen].16

Ja, genau genommen ist damit eine Unsicherheit in der Vertrauens-Kette, die am besten vom Chip bis zur Applikation gehen sollte, drin. Sagen wir so: ich bin Mac-Nutzer und damit ist es in in den Augen vieler Kryptonerds fast egal, mit welcher Software ich was verschlüssele, weil meinem Betriebssystem, da es nicht Open Source ist, eh nicht zu trauen ist. Kann man dann ja auch gleich sein lassen. Lass ich aber nicht, denn ich denke, dass ich mit Krypto alle mal ein Mehr an Sicherheit erreiche, als ohne. Im übrigen halte ich das Sicherheitsversprechen durch Open Source zumindest zum Teil für übertrieben, wenn ich mir angucke wie oft immer wieder jahrelange Backdoors und eklatante Sicherheitslücken in Open Source Software gefunden werden. (allein in den letzten Wochen mit GOTOFAIL (ja, Apple, ja trotzdem, Open Source) und HEARTBLEED)

Hinzu kommt, dass wir es bei keybase.io nun mal immer noch mit einer Alpha zu tun haben. Ich hoffe sehr, dass zukünftige Clients gar nicht mehr auf Node.js basieren werden, sondern nativ laufen. Aber mal sehen.

Vierte Kritik: Die halten sich nicht an Keyserverstandards und überhaupt ist das dezentrale, offene Keyserverkonzept eh viel besser.

Keybase.io hat jedenfalls eine API, über die man ebenfalls sehr offen mit dem Server sprechen kann. Ich sehe kein Hindernis, Keybase.io nicht so weit es eben geht, mit Keyservern sprechen zu lassen, sofern das sinnvoll ist. Ich sehe auch keine Hürde, die Daten irgendwo zu spiegeln und falls sie den Code open sourcen (was ich für unwahrscheinlich halte, aber nicht ausschließen würde), vielleicht eine eigene Instanz aufzusetzen.

Zudem heißt eine Nutzung von Keybase eben nicht, dass man seinen Key von den Keyservern revoken soll. Es ist eben ein zusätzlicher Kanal, so wie das selber Hosten. Ich finde da nichts schlimmes dran, das mal auszuprobieren.

Fazit: Auch wenn Keybase.io lange nicht fehlerfrei und ohne Makel ist, finde ich, dass es genau den richtigen Ansatz forciert. Identität wird heute in erster Linie mit OnlineProfilen hergestellt, nicht durch Gesicht und Ausweis. Keybase.io schließt diese Lücke. Und so lange man nur seinen PublicKey dort ablegt, geht davon auch keine Gefahr aus und man kann ein bisschen rumspielen.

Ich finde die Kritik an keybase übertrieben, würde mir aber wünschen, dass sie vorsichtiger auftreten. Wenn man einen Kryptodienst in der Alpha fährt, sollte man überall Warnschilder anbringen, dass man das nicht für relevantes verwenden sollte. Insbesondere dann, wenn es um echte PrivateKeys geht. Vielleicht wäre es auch strategisch sinnvoller, die Webclientgeschichte erstmal ganz wegzulassen, damit die Kryptonerds den Dienst nicht wegen der Option kaputt reden. Newbies wird der Dienst in der Alphaphase eh nicht anziehen. Und wenn man erstmal Traktion hat und die Sicherheit einigermaßen hinkommt, kann man das ja immer noch wieder einführen.

Interessant ist der Dienst auch aus Post-Privacy-Aspekten heraus. Wenn ich meinen PublicKey mit meinen Onlineidentitäten verknüpfe, kommt es plötzlich auf die in den Online-Identitäten abrufbaren Daten an, wie gut mich diese identifizieren.

Mein Github-Account ist leer (ich hab schon sehr lange nichts vorzeigbares mehr programmiert). Im Grunde könnte ich ihn weglassen, denn niemand kennt mich über meinen Aktivitäten auf Github. Mein Twitteraccount hingegen hat mein Leben der letzten sieben Jahre gespeichert und ist damit ziemlich “identitätsschwer”.

Am Ende sind Identitäten nichts weiter als Anknüpfungspunkte. Je mehr Daten über mich an eine Onlineidentität gebunden sind, desto mehr Kommunikationsanlässe gibt es und desto mehr “Identität” strahlt ein Profil aus. Post-Privacy – im Sinne von: viele Daten über mich zugänglich machen – schafft so ein Mehr an Kryptosicherheit. Wer hätte das gedacht? ;)


Warum man bei Tinder nicht anonym ist

Disclosure: Beim schreiben des Artikels wurde mir etwas unwohl. Gebe ich vielleicht potentiellen Stalkern noch nützliche Tipps, um Menschen zu terrorisieren? Auch wenn das nicht auszuschließen ist, glaube ich, dass der Aufklärungsaspekt wichtiger ist. Die Dinge, die ich hier erzähle sind keine Rocket Science, Menschen mit der kriminellen Energie werden diese Tricks mit Sicherheit auch drauf haben. Davon sollte man jedenfalls eh ausgehen. Deswegen halte ich es für sinnvoller das hier zu publizieren, um Leuten ein falsches Gefühl von Anonymität zu nehmen.

Tinder hat das Konzept Online Dating um eine wirklich gute Idee bereichert. Man loggt sich einfach per Facebook ein, kann basierend auf den Facebookdaten (Name, Fotos, Likes, Infos) sein Profil feintunen und sofort loslegen. Die App nutzt die eigene Location und schlägt potentielle Partner_innen mit Bild in der Nähe vor und sagt, wie weit sie entfernt sind. Ist man interessiert swiped man das vorgeschlagene Profil nach rechts (“like”), wenn man nicht überzeugt ist nach links (“nope”). Wenn man es genauer wissen will, tippt man drauf, schaut sich die Detailinformationen an (weitere Bilder, Profiltext, gemeinsame Bekannte und gemeinsame Facebook-Likes). Auf diese Weise kann man binnen weniger Minuten zig individuelle hot-or-not Entscheidungen treffen.

Ziel ist es natürlich, dass man Matches erziehlt. Also eine/r der potentiellen Partner_innen, die man geliked hat, hat einen ebenfalls geliked. Erst wenn ein solcher Match zustande kommt, kann man Messages austauschen.

Kommen wir zu der Anonymitätsfrage: Wenn man sein Profil anlegt, kann man die Fotos aussuchen. Einige nehmen dann Fotos, auf denen sie schwer zu identifizieren sind. Bei der Namenswahl schlägt Tinder standardmäßig den Vornamen vor. Man kann den aber beliebig ändern. Jedenfalls bekommt man ein gewisses Gefühl von Kontrolle vermittelt, wie anonym oder identifizierbar man sich dort darstellen will. Dieses Gefühl ist aber ein Trugschluss.

Dazu ein paar Beispiele:

Szenario 1: Ich finde eine Frau, mit der ich einen gemeinsamen Bekannten habe. Wenn dem so ist und der gemeinsame Bekannte ebenfalls Tinder nutzt, wird er mir unter ihrem Profil angezeigt. Das kommt nicht ständig, aber ab und an doch vor. (Ein wirklich sinnvolles Feature. Wenn es gemeinsame Bekannte gibt, ist die Hürde für den Kontakt gefühlt niedriger). Sagen wir außerdem, sie ist mit ihrem Vornamen “Klaudia” bei Tinder angemeldet (die meisten nutzen ihren Vornamen weil das auch so voreingestellt ist) und der gemeinsame Bekannte heißt “Peter Grünschnabel”. Jetzt kann ich dank Facebook Graph Search folgende Query formulieren:

Peter Grünschnabel's friends named "Klaudia"

Es wird nicht lange dauern, bis ich sie in den Kontakten von Peter gefunden habe. Und anhand der Bilder (die alle von Facebook kommen), kann ich sie auch dann noch identifizieren, wenn Peter 50 Klaudias kennt.

Wer jetzt aber glaubt: Gut, dann ändere ich einfach meinen Profilnamen und bin wieder anonym, den muss ich enttäuschen.

Szenario 2: Das selbe Szenario, allerdings hat Klaudia ihren Profilnamen in “Seestern” umbenannt. Gut, “brute force” kann man jetzt einfach alle Kontakte von Peter durch klicken bis man vielleicht eines der Fotos wiedererkennt. Die Chancen dafür sind hoch, die Arbeit aber auch. Einfacher ist es, wenn man noch ein paar Zusatzinfos verbaut.

Zum Beispiel weiß ich ja, dass die Person weiblich ist (1. Eingrenzung) und in Berlin wohnt (2. Eingrenzung). Da bleiben immer noch ne Menge übrig. Aber Tinder gibt mir weitere Hinweise. Wenn ich zum Beispiel Facebook-Likes mit der Person gemeinsam habe, werden die mir ebenfalls im Profil angezeigt (Kommt sehr häufig vor). Sagen wir, wir liken beide die Page von ZEIT Online. Meine Query würde also lauten:

Peter Grünschnabel's female friends who like ZEIT ONLINE and live in Berlin, Germany

Das ist schon ziemlich eindeutig.

Szenario 3: Gut, dass man eine/n gemeinsamen Bekannte/n hat, ist zwar nicht selten, aber dennoch kommt es nicht andauernd vor. Eher normal ist es aber, wenn man gemeinsame Interessen, ausgedrückt durch Facebook-Likes hat. Meine Beobachtung ist, dass ich mit über 50% der Leute mindestens einen Like, öfters auch mal zwei und mehr Likes gemeinsam habe.

Wenn man also einen Namen hat (Klaudia) und einen gemeinsamen Like, sagen wir Zeit Online, kann man folgende Query formulieren:

Women named "Klaudia" who like Zeit Online and who live in Berlin, Germany

Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass man die Nutzerin schnell findet.

Szenario 4: Gut, höchste Schwierigkeitsstufe: Klaudia hat keinen richtigen Namen angegeben (“Seestern”) und wir haben keine gemeinsamen Bekannten. Aber! Wir haben ein paar gemeinsame Likes. (Dieser Fall kommt sehr häufig vor)

Hier erfährt man die Macht der verknüpften Daten. Ein einzelner Like kann die Suche nicht sinnvoll eingrenzen, aber zwei machen die Sache schon spannend:

Women who like Zeit Online and who like Spreeblick and who live in Berlin, Germany

Ziemlich sicher wird man die Person finden. Noch konkreter wird es, wenn man 3 Likes verwendet und natürlich je nieschenhafter die gelikedten Pages sind (Spreeblick matched enger als Spiegel Online).

Fazit: Auf Tinder ist man nicht anonym. Nicht jeder kann einen sofort identifizieren, aber sehr viele können. Vor allem hat man keinerlei sinnvolle Kontrolle, wer das kann und wer nicht.

Ich schreibe das nicht, weil ich das jetzt total schlimm finde und deswegen raten würde, Tinder nicht zu nutzen. Auf Tinder ist man Post-Privacy. Ich bin bekannt, als einer dessen Apologeten. Aber für mich gehört bei Post-Privacy umbedingt dazu, dass den Leuten das auch bewusst ist. Die Post-Privacy Bewegung ist keine Bewegung, die die Leute nackt machen will, sondern auf ihre Nacktheit aufmerksam machen will.

Was ebenfalls mit Post-Privacy einhergeht, ist aber auch eine gewisses Maß an sozialer Kontrolle. Dass man Menschen vor allem anhand gemeinsamer Bekannter sehr gut denaonymisieren kann, geht einher mit dem Umstand, dass so ein gemeinsamer Bekannter auch disziplinierend wirkt. So gleicht sich die Stalkinggefahr vielleicht wieder etwas aus.

Ein Tipp: Wer Tinder anonym nutzen will, sollte sich ein Fake-Facebookprofil nur für Tinder anlegen. Man verzichtet so aber natürlich wie immer auf den Mehrwert der Informationen, die das Matching erleichtern. Wie immer ein Trade Off.

Ich finde das Tinder-Konzept jedenfalls nach wie vor toll und werde es auch weiterhin nutzen.

Auch: Facebook Graph Search ist das Big Data der kleinen Leute.


Liebe Piraten,

da versucht also eine laute Minderheit durch Sabotageaktionen, das Lahmlegen von kritischer Infrastruktur, Mumbleshitstorms und strategischen BuVo-Rücktritten, die das erklärte Ziel haben, die Partei handlungsunfähig zu machen, die Piraten in ihre Richtung zu zwingen. Sie wollen damit demokratisch gewählte Menschen aus ihren Positionen drängen und dichten sich Verschwörungstheorien von einer angeblicher “Unterwanderung” zusammen, schrecken dabei auch nicht vor Verleumdungen zurück …

… und ihr nennt das einen “Richtungsstreit“?

Und was nennt ihr einen “Putsch”?


Termine und Dinge im Frühjahr

Der Frühling naht und es wird mal wieder Zeit für einen so Dies-und-das-Post.

  1. Ich habe meine Thesen zur Überwachung, die ich schon auf dem 30c3 geäußert und in einem Blogpost erweitert habe, noch mal in Reinform aufgeschrieben und für das Politische Feuilleton von Deutschlandradio Kultur eingesprochen.

  2. Ende des Monats, am 25. März findet das Gautinger Internettreffen statt, wo ich einen Vortrag über das Thema meines gerade zu schreibenden Buches halten werde: Das neue Spiel – Nach dem Kontrollverlust.

  3. Kurze Zeit später, am 28. März um 14:00 Uhr, kann man von mir und anderen in einem Webinar erfahren, wie das mit dem Crowdfunding geht. Ich werde über Konzept, Planung und Durchführung meiner Kampagne sprechen. Man kann sich wohl noch anmelden.

  4. Auf dem European Media Art Festival (vom 23. – 27. April) werde ich zu einem noch zu spezifizierenden Zeitpunkt über Überwachung sprechen. (Siehe Punkt 1.)

  5. Bei einem Soft Skills Kolloquium am 28. April am Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI) in Potsdam werde ich über den Kontrollverlust referieren.

  6. Auf der Republica 2014 (6. bis 8. Mai) werde ich irgendwann über dezentrale Social Networks reden, warum sie scheitern und warum das nicht so sein müsste.

  7. Am 16.und 17. Mai werde ich an der Uni-Köln ein Seminar zu Internetkultur geben. Das ist der erste Block eines Blockseminars, der andere ist am 4. Juli.


Das Problem Don Alphonso

/***** UPDATE: Don Alphonso scheint gerade massiv seine Beiträge zu editieren und teilweise zu löschen, so dass manche Dinge, auf die ich mich hier beziehe, nicht mehr nachvollziehbar sind. Vielleicht hat ja jemand Screenshots von den Posts? Gerne per Mail an mich. *****/
/***** UPDATE 2: Danke für die anonyme Spende. Hier können die Artikel inklusive Kommentare als Screenshot geladen werden. *****/

Man sollte wohlwollend davon ausgehen, dass die meisten Piraten, die die Artikel von Don Alphonso weiterverbreitet haben, ihn einfach noch nicht sehr lange kennen. Sie kennen nicht seine flexible Haltung gegenüber von Wahrheit und Fakten, seine Unfähigkeit zu recherchieren, seine Lust Menschen, die ihm nicht passen, zur Strecke zu bringen, sein eisernes Freund-Feind-Denken, seinen Hang zu paranoiden Verschwörungstheorien und seine Rhetorik, mit der er – ohne seine Anschuldigungen offen auszusprechen und sich angreifbar zu machen – sie zwischen die Zeilen raunt. Sie wissen nicht, wie er schon seit vielen Jahren immer wieder Leute fertig macht, mit unwahren Anschuldigungen und erfundenem Quatsch. Ich kenne Don Alphonso seit neun Jahren. Leider.

Vor etwa vier Jahren war ich selbst seinen Schmutzkampagnen ausgesetzt. Im Gegensatz zu heute hatte Don Alphonso allerdings keinen so mächtigen Resonanzboden aus unkritischer Empörmasse zu orchestrieren, wie heute mit den Piraten. Die meisten Leute im Internet kennen ihn nämlich lange genug, um ihn nicht ernst zu nehmen. Dennoch sah ich mich schon damals genötigt, die Gerüchte, die er über mich zu streuen zu versuchte, wieder einzufangen.

Derzeit versucht er also Anne Helm fertig zu machen. #Bombergate ist der Anlass, die Piraten sein Adressat. Ich will zu Bombergate selbst nur folgendes sagen: Ich halte die Aktion für dumm und unpassend, halte aber Annes Entschuldigung für glaubwürdig und ausreichend. Ich bin da biased, wie man so sagt, denn ich bin mit ihr befreundet. Aber wenn sogar die BVV-Neukölln sich vor sie stellt, stehe ich damit nicht so alleine.

In einer besseren Welt, wäre der Spuk hier zu Ende, aber leider steht auch Don Alphonso mit seinen Verschwörungstheorien nicht alleine da. Sie passen allzugut zu der ideologischen Säuberung, die derzeit in der Piratenpartei stattfindet und sich gegen alles richtet, was irgendwie links ist. Aber die Piraten interessieren mich nicht. (Wen interessieren die schon noch?) Ich will mich hier auf Don Alphonso und seine “Recherchen” konzentrieren. Er behauptet, dass Anne in ihrem Entschuldigungs-Blogpost weiterhin lügen würde. Er suggeriert, dass die ganze Aktion von langer Hand geplant gewesen sei, sie nicht am Nachmittag sondern früh Morgens passiert sei. Das ganze sei ein PR-Coup gewesen, ein Hoax, inklusive Aufdeckung und Shitstorm. Don Alphonso versucht glaubhaft zu machen, Anne und ihre Freunde hätten sich an der Aktion bereichert, hätten sogar exklusiv mit der BILD-Zeitung kooperiert. Das sind schlimme Anschuldigungen, die eine Politikerkarriere beenden können, würden sie stimmten.

Aber nichts davon ist wahr. Keine einzige “Recherche” von Don Alphonso hält einem zweiten Blick stand. Und die Beweise dafür liegen klar für jeden offen zu Tage. Ich habe mir hier die Mühe gemacht, alles zusammenzutragen und nachzurecherchieren, nachzuhaken und alles aufzuschreiben. Nicht, weil ich je an Annes Version gezweifelt hätte oder den Bullshit, den Don Alphonso verzapft, auch nur eine Sekunde geglaubt hätte, sondern weil es sehr wichtig ist, dass niemand diesem Menschen je wieder ein Wort glaubt. Anne Helm wird nicht sein letztes seiner Opfer gewesen sein.

Dann schauen wir uns mal an, was Don Alphonso so … ”herausgefunden” hat:

Erstens: Anne hatte sich in ihrem Entschuldigungstext darauf berufen, von der Vorverlegung der Nazidemo überrascht worden zu sein, was einer der Hauptauslöser für die spontane Aktion gewesen sei. Don Alphonso behauptet nun: “Das ist nicht wahr.” und verlinkt auf einen Artikel der Dresdner Nachrichten – ein kleines Dresdner Lokalblatt – dass bereits zwei Tage zuvor von den Plänen der Nazis berichtet habe. Ich nehme an, dass niemand von den Empörpiraten sich die Mühe gemacht hat, den Artikel auch wirklich zu lesen. Dort wird nämlich lediglich auf eine zu dieser Zeit erst angemeldete aber noch nicht genehmigte (!) Kundgebung – nicht Demonstration (!) – für 50 Personen (!) verwiesen. Abgesehen davon, dass es etwas viel verlangt ist, Dresdner Lokalnachrichten außerhalb von Dresden derart genau im Auge zu haben und abgesehen davon, dass man eine große antifaschistische Gegendemonstration, die über Monate geplant ist, nicht einfach innerhalb von zwei Tagen um 24 Stunden vorverlegen kann, hätte man aus der Meldung mitnichten den 350-500 Leute starken Nazi-Fackelmarsch durch die Dresdner Innenstadt herauslesen können, der dann tatsächlich stattfand. Das ist übrigens nicht nur meine, oder Annes Interpretation der Geschehnisse, sondern auch das Ergebnis der Auswertung von Netz-gegen-Nazis, die weiters resümieren:

Die Neonazis feierten ihre traurige Veranstaltung. Die Veranstalter twitterten: „Das war der Gedenkmarsch 2014!“ Während der Veranstaltung hatten zahlreich „Autonome Nationalisten“-Gruppen vor „Linkskriminellen“ und „Explosionen“ gezittert (und getwittert), doch am Ende war alles vergessen: „Das würdige Gedenken in Dresden wurde offiziell beendet. Linkskriminelle konnten nicht verhindern dass marschiert wurde“, meint etwa eine AN-Gruppe aus Göppingen.

Als die meisten Antifaschisten am 13. ankamen, war also bereits alles gelaufen. Ein voller Erfolg für die Nazis. Ich persönlich kann sehr gut nachvollziehen, dass man da als Antifaschist ziemlich frustriert ist.

Zweitens: Weiter versucht Don Alphonso zu belegen, dass anders als Anne es schildert, die Aktion eben nicht spontan gewesen sein kann. Als erstes führt er zu diesem Zweck an, dass der Fotograf, der die Aufnahmen gemacht hat, schon bei anderen Femen-Aktionen fotografierte. Das kann doch kein Zufall sein, raunt er dunkel. Witziger Weise “recherchiert” Don Alphonso den Grund für diese Verknüpfung in einem späteren Artikel selbst: MLX, der Fotograf, ist befreundet mit Anne und ebenfalls mit Debbie Anna von Femen Germany, die andere Aktivistin. In Dresden hatte sich also eine Peergroup zusammengefunden, wie das auf Demos halt so üblich ist. Dass die Freundschaft mit Debbie Anna auch dazu geführt haben könnte, dass sie MLX mit auf den Femen-Presseverteiler gesetzt hat, ist für ihn wahrscheinlich einfach viel zu naheliegend. Oder er “vergisst” später darauf hinzuweisen, dass es eine logische Erklärung für diese Verknüpfung gibt, die ganz ohne Verschwörungstheorie auskommt und die er sogar selbst “recherchiert” hat.

Drittens: Der zweite Grund, den Don Alphonso anführt, ist der Abstand zwischen den beiden Aufnahmeorten. Er bestimmt die Entfernung von Semperoper und Augustusbrücke auf 600 Meter und raunt uns entgegen:

Können zwei halbnackte junge Frauen mit der Körperaufschrift “Thanks Bomber Harris” einfach so zwischen den schönsten, wiedererrichteten Gebäuden Dresdens am 13. Februar herumspazieren, unter Tausenden von Menschen, und niemand nimmt davon Notiz?

Sein eigener Kettenhund Stefanolix korrigiert ihn in den Kommentaren:

Das Bild mit dem Kahn und der Brüstung im Hintergrund hinter der jungen Frau könnte m. E. auf der Augustusbrücke entstanden sein. Sogar relativ nahe auf der Altstädter Seite (also auf der Seite, wo sich die Semperoper und die Hofkirche befinden). Die Brüstung kommt mir bekannt vor.

Und ja, ich habe nachgefragt, so war es auch. Was mal eben den Abstand von 600 Metern auf schlappe 250 Meter herunter schraubt. Dresden Karte

Dazu stellt sich jeder denkende Mensch doch die Frage, wie Don Alphonso darauf kommt, dass niemand Notiz von der Aktion genommen habe. Natürlich wurde davon Notiz genommen, Touristen fotografierten die beiden (und wurden gebeten, die Fotos nicht zu veröffentlichen), Polizisten kamen ebenfalls vorbei, ihr lapidarer Kommentar: “Nicht, dass ihr Euch erkältet.” Das alles erfährt man, wenn man einfach mal nachfragt. Aber was Don Alphonso nicht in der BILD findet, ist halt nicht passiert. Oder so.

Und dass es ungefähr 152 Antworten auf die Frage gibt, wie man als halbnackte Frau 600 oder gar 2000 Meter im Februar in Dresden zurücklegen kann, die von “in Decke einwickeln”, über “kurz Pulli anziehen”, oder “Jacke überwerfen” reichen, darauf kommt Don Alphonso nicht. Die richtige Antwort heißt in diesem Fall übrigens: Zipper-Hoodie.

Viertens: Dann wird es völlig abstrus. Don Alphonso versucht zu beweisen, dass sich die ganze Aktion nicht, wie geschildert am Nachmittag abgespielt hat, sondern in den frühen Morgenstunden. Erster Beweis: Auf dem einen Bild ist niemand vor der Semperoper. Vielleicht mag es Don Alphonso ja entgangen sein, aber direkt nebenan war zu genau dem Zeitpunkt eine ziemlich große Demo. Wo sind bloß alle? Na wo wohl! (Ja, sowas zieht auch schaulustige Touris an.)

Fünftens: In der Seperoper brennt die Nachtbeleuchtug. Und Fonsi weiß: “Die geht am Morgen aus.” Ja. Und zur Dämmerung an. Die war am 13. Februar in Dresden genau um 17:17 Uhr. Was zufällig genau die Uhrzeit war, zu der die Fotos entstanden. (ca. 16:30 bis 17:30)

Sechstens: Und jetzt wird’s richtig lustig. Don Alphonso verlinkt via Google Cache auf den vom Femen-Germany-Account gelöschten Tweet mit den ersten Aufnahmen. Die Google Cache-Server stehen anscheinend nicht in Deutschland. Das Skript zur Auswertung des Timestamp schmeißt jedenfalls eine andere Uhrzeit raus, als die Mitteleuropäische. Fonsi behauptet nun tatsächlich, dass der Tweet um 10:19 getwittert wurde.

Machen wir einfach mal den Test: Nehmen wir diesen Fonsi-Tweet, der ebenfalls am 13. Februar, allerdings um 13:05 getwittert wurde

Fonsitweet … und gucken, was der Google-Cache dazu sagt. Fonsitweet aus dem Cache

Google datiert den Tweet um ganze 9 Stunden zurück, auf 04:05 Uhr morgens. Mit anderen Worten, der Fementweet wurde nicht 10:19 getwittert, sondern um 19:19. (Jeder kann das mit jedem beliebigen Tweet selbst ausprobieren. Einfach die TwitterURL gegen eine anderen im Googlelink austauschen.)

Siebtens: Dann behauptet Don Alphonso, dass die Bilder an die exklusiv Bildzeitung gegeben wurden.

Die Bilder kommen übrigens eindeutig von Femen zur Bild, und Bild hat Bilder, die nicht bei Twitter waren.

Das ist falsch. Die BILD Dresden, die die Bilder zuerst hatte, hatte nur die Bilder, die von Femen Germany bereits online gestellt waren. (Gemeint ist dieser Artikel) Sie hat die Bilder von Facebook und Twitter schlicht und einfach ohne Erlaubnis entnommen und sie mit “Quelle: Femen” versehen (immerhin besser als Quelle: Internet …). Wenn man ihn fragt, gibt der zuständige Redakteuer freimütig zu, die Bilder aus dem Netz zu haben. Das kann Don Alphonso nicht wissen, aber er hätte zumindest die Möglichkeit in Betracht ziehen können, es wäre schließlich nicht das erste Mal gewesen. Zudem gab es offensichliche und handfeste Indizien dafür: Auf einem der Bilder, die auch Don Alphonso verlinkt, die die BILD zuerst veröffentlicht hatte, sind die Brustwarzen wegretuschiert. Das hat den einfachen Grund, weil das Bild zuerst auf Facebook gepostet wurde. Wie vielleicht der ein oder andere weiß, hat Facebook eine rigide Nippel-Policy, mit der die Femen natürlich den Umgang gelernt haben. (Im Nachhinein hat die Bild-Zeitung die Pressefotos (auch die restlichen) übrigens ganz normal über die Agentur von MLX gekauft.)

Achtens: Nachdem Don Alphonso also “enthüllte”, wer der Fotograf bei der Aktion gewesen ist, hätte er all das ganz einfach nachfragen können. Außerdem hätte er noch einfacher in dem Twitterstream von MLX nachgucken können, wie 13. Februar genau abgelaufen ist. Ich hab das mal für ihn rausgesucht:

Nein, Fonsi, am 13. Februar gab es zwischen 12:51 und 20:52 keine Morgendämmerung. Und ja, die Informationen sind alle online, das ist alles öffentlich, jeder kann es nachprüfen. Und nein, das kann man nicht im Nachhinein fälschen. Das alles zerstört deine Theorien. Und, nebenbei, jegliche Restintegrität, die Dir von den paar verwirrten Piraten noch entgegengebracht wird.

Neuntens: Eine eher beiläufige Episode ist die öffentliche Auseinandersetzung darüber, welche Zusagen der Fotograf MLX mit Anne getroffen hat und welche nicht. Ich weiß zwar nicht, welche Beweiskraft das für oder gegen irgendwas haben soll, aber der Vollständigkeit halber wollen wir das nicht auslassen.

Don Alphonso verlinkt genüsslich diesen Screenshot:
 MLX Streit
Die Tweets von MLX widersprechen in der Tat Annes Version, der Fotograf habe ihr Identitätsschutz zugesagt. Aber man muss schon sehr genau lesen: “Ich frag mich ja wie das gehen soll die Sicherheit von Anonymität zu gewährleisten. Und hab sowas garantiert in der Form niemandem zugesagt.”

“In der Form” steht dort. Ein klarer Hinweis darauf, dass es durchaus Zusagen gab, Zusagen aber nicht “in der Form”, echte Anonymität zu versprechen, denn, wie er später ja beteuert, sei das bei solchen Fotos grundsätzlich unmöglich. Obwohl dieser Streit genau gar nichts von Don Alphonsos Verschwörungstheorien bekräftigt, habe ich mit beiden noch mal gesprochen und die Sache war – wie nicht anders zu erwarten – ein Mißverständnis: Da MLX gleich nach den Aufnahmen wieder nach Berlin musste, konnten die drei die Fotos nicht gemeinsam sichten. Anne hat deswegen darum gebeten, bei der Auswahl der Fotos die an die Agentur gehen sollten, darauf zu achten, dass z.B. nur die ausgewählt werden, auf denen ihr Tattoo möglichst nicht zu erkennen ist. MLX sagte es ihr zu. Man kann das Anonymitätsschutz nennen, man kann es eine Bitte um Vorsicht nennen. Machen wir es kurz: MLX hat Scheiße gebaut. Er hat die Fotos nicht kritisch genug geprüft, die Identifizierbarkeit war allzu leicht gegeben. Offensichtlich. Shit happens. Dass er sich hinterher auf Twitter gegen eine allzu strikte Anonymitäts-Zusicherung verwehrt ist zwar kommunikativ ungeschickt, aber emotional verständlich. Immerhin wurde ihm vorgeworfen, an dem ganzen Schlamassel schuld zu sein. (Was aber eh nur ein Teil der Wahrheit ist.)

Zehntens: Ein anderen Teil der Wahrheit hat Don Alphonso ebenfalls ausgelassen. Nämlich die Verstrickung der CDU in den Prozess der Aufdeckung. Die CDU-Neukölln war es, die die Sache auffliegen ließ. Ausgelöst wurden die Spekulationen und die Crowdrecherche durch diesen Tweet vom CDU-Bezirksverodneten Christoper Förster, wie Anne in der BVV-Neukölln: Förstertweet
Die CDU fungierte aber nicht nur als initialer Tippgeber, der die ganze Sache ins Rollen brachte, sondern befeuerte mit Tweets und Artikeln den Skandal ständig weiter und weiter. Der Berliner Landesverband der Piraten hat nicht umsonst auf die Kampagne der CDU verwiesen.

Es gibt dieses zynische Foto der JU-Neukölln und Teilen der CDU-Fraktion in der BVV, das mittlerweile gelöscht ist, in dem sie grinsend das Bild von Anne wie eine Trophäe halten. CDU mit Trophäe

Zynisch ist es, wenn man bedenkt, mit wie vielen Mord- und Vergewaltigungsdrohungen Anne aus der Rechten Szene aufgrund dieser Enttarnung überschwemmt wurde und sie bis heute nicht mehr allein auf die Straße gehen kann.

Glücklicherweise haben Debbie Anna und Oliver Höfinghoff eine passende Antwort gefunden: Debbie und Olli mit Trophäe

Ein paar Anmerkungen zum Schluss: Eigentlich ist das Internet an einem Punkt angelangt, den ich lange ersehnt habe: Zugang zu Informationen und zu Publikationmöglichkeiten für jeden, nicht nur theoretisch, sondern praktisch. Es ist die erste wirkliche Realisierung der Meinungsfreiheit. Was ich damals nicht habe sehen wollen, ist, dass die sich daraus ergebenden Dynamiken unschuldige Menschen existentiell bedrohen können. Jeder kann heute gegen jeden eine Treibjagd in größeren Maßstab veranlassen. Vorausgesetzt man findet den richtigen Nährboden, der aus Ressentiments, Hass und mangelnder Medienkompetenz besteht, kann man den dümmsten Müll verbreiten und er wird im Internet geglaubt, weiterverbreitet und weitergesponnen und das kann das Leben eines Menschen zerstören. Das wird in Zukunft sicher nicht besser werden, eher schlimmer.

Ich bin weiterhin ein Fan der Meinungsfreiheit. Aber wir müssen diese Probleme adressieren. Dringend. Ich würde mich freuen, wenn wir dafür keine neuen Gesetze oder härtere Strafen bräuchten. Ich würde mich freuen, wenn wir das als Community hinbekommen. Patentrezepte habe ich auch nicht. Aber ich glaube, dass jeder von uns ein paar Dinge tun kann:

  1. Das was ich hier getan habe. Debunken, den Scheiß aus dem Scheiß rausprügeln, mit Fakten, (echter) Recherche, Nachfragen, Hinterfragen. Egal, wie dumm die Verschwörungstheorien sind, sie dürfen nicht unwidersprochen bleiben. Ich weiß, das ist schwer, ich weiß, das ist eklig, aber es sollte sich bestenfalls immer jemand finden, der sich die Mühe macht, die Lügen aufzuzeigen und zu entkräften.
  2. Mehr Medienkompetenz. Leute, bitte denkt doch mal 5 Minuten selber nach, bevor ihr so einen Mist nachplappert. Meistens gibt es 100 Erklärungen für eine “Unstimmigkeit”, die ohne Verschwörunstheorie auskommt. Testet, ob ihr selbst auf welche kommt. Wenn nur eine einzige solche Erklärung in Frage kommt, lasst es bleiben.
  3. Grenzt Hetzer aktiv aus. Es reicht nicht mehr, Leute wie Don Alphonso zu ignorieren. Ich habe das lange gemacht und es hat für mich in gewissen Grenzen funktioniert. Aber das kann sich nicht jeder leisten, das hält nicht jeder aus. Wir brauchen hier auch eine neue Form von Solidarität auch mit den Schwächeren und Angreifbareren. Informiert Euch und andere. Und wenn Ihr Hetzer kennt, weist andere darauf hin, was für einen Menschen sie weiterverbreiten. Verbreitet Texte von Menschenhetzern auch dann nicht weiter, wenn sie mal was zustimmenswertes schreiben. Menschenhetzern darf keine Bühne geboten werden.

Das sind jetzt drei einfache Dinge, die wir geregelt bekommen könnten, wenn wir uns als Community einfach nur Mühe geben. Bitte bedenkt, dass ihr jederzeit selbst Opfer einer solchen Verleumdnungskampagne werden könnt. Gebt den Hetzern keine Chance.


WhatsApp-Panik

Ich will hier gar nicht auf die absurden Szenen in meiner Timeline eingehen, wie sich jetzt Leute von WhatsApp abwenden, wegen Datenschutz. Kannste Dir nicht ausdenken. Ich lass das einfach mal so stehen, als ein Paradebeispiel dafür, wie irrational und diffus gefühlsbestimmt der ganze Diskurs um Datenschutz und Datensicherheit geführt wird.

Interessanter ist doch die Frage, wieso Facebook 19 Mrd. Dollar für die MessengerApp ausgibt. Erinnern wir uns zurück: Als Facebook 2007 1,6% für 240 Millionen an Microsoft verkaufte und damit auf 15 Milliarden geschätzt wurde, haben alle Beobachter von einer Bubble gesprochen, die bald platzen wird.

Also, 19 Milliarden für WhatsApp ist eine Ansage. Nur welche? Gehen wir also die potentiellen Gründe für diesen Wahnsinnsdeal doch mal durch:

  1. Assets – Welche Assets?
  2. Mitarbeiter – Na sicher!
  3. Technologie / Patente – LOL!
  4. Daten – Die wenigen Daten, die Whatsapp hat (vor allem die Telefonnummer ihrer Nutzer), hat Facebook als Schattenprofile längst beisammen. Facebook weiß sehr genau, wer sie nicht nutzt.

  5. Userbasis – Sehr Schwierig. 1. würde ich davon ausgehen, dass es sowieso eine Überschneidung der Nutzerbasis von > 70% gibt. (Was übrigens den Dollar/Userpreis noch mal um einige Stockwerke höher als die ständig kolportierten 50$ treibt) 2. Bleibt die Frage, wie sie an die restlichen 30% rankommen wollen. Sie müssen dafür ihre MessengerApp mit der von Whatsapp irgendwie “verheiraten”, denn da arbeiten schon sehr unterschiedliche technische Paradigmen, vor allem was die Nutzerverwaltung angeht. So einfach ist das also nicht. 3. Außerdem ist fraglich, ob man die restlichen 30% überhaupt zu Facebook bewegen kann. Ist ja nicht so, dass man ihnen erst Facebook vorstellen muss. Fast jeder, der kein Facebookprofil hat, hat keines, weil er sich bewusst so entschieden hat. 4. Dazu kommt, dass diese Nutzer sehr frei sind. Es gibt kaum einen Lockineffekt, weil die Daten von Whatsapp eben bei jedem das Telefonbuch ist. WhatsApp hat überhaupt keine eigene, zentrale, exklusive Userbasis, sondern ist nur ein Client für das Telefonbuch auf den Smartphones und ist damit jederzeit mit ähnlichen Clients austauschbar.

  6. Marktanteil – Bleibt eigentlich nur der Marktanteil und in der Tat macht das am meisten Sinn. Facebooks User-Wachstum ist dabei die Sättigungskurve zu überschreiten. Gleichzeitig legt WhatsApp immer noch zu und ist dabei, die magische Userzahl von einer Milliarde zu nehmen, die Facebook auch erst gerade genommen hat.

Nun muss man sehen, dass im Kommunikationsmarkt Marktanteil nicht nur eine wirtschaftliche Kennzahl ist, sondern Marktanteil bestimmt häufig die Frage, ob es für die Plattform überhaupt eine Zukunft gibt. Zentral dabei ist der Netzwerkeffekt, also die Tatsache, dass sich mit jedem zusätzlichen Teilnehmer eines Kommunikationsnetzwerks der Gebrauchswert dieses Netzwerks für alle Teilnehmer erhöht. Ihr kennt das: man ist auf Facebook, weil alle Freunde auf Facebook sind. Plattformen haben deswegen den Effekt, eine soziale Gravitation auf alle Leute auszuüben und diese soziale Gravitation ist es, die für Zukunft der Plattform entscheidend ist. Denn am Ende bedeutet das nichts anderes als “The Winner Takes It All.”

Facebook weiß, dass viele ihrer – vor allem jüngeren – Nutzer sich um die Timeline und die Statusupdates kaum scheren. Sie wollen in erster Linie mit ihren Freunden chatten. Das geht mit Facebook, keine Frage. Aber es ist halt komplizierter, weil der ganze Overhead dabei eigentlich nur stört. Das ist auch der Grund, warum Facebook eine Stand-Alone MessengerApp herausgegeben hat.

Aber man kann das ganze Gebammel ja auch links liegen lassen und Whatsapp nutzen, das eben auf das Messengeing fokussiert ist und wo man auch die Freunde ohne Facebookprofil erreichen kann. Das haben sich jedenfalls hunderte Millionen Nutzer so gedacht und so gehandelt. Und das ist natürlich extrem gefährlich für Facebook, denn die soziale Gravitation zieht die Nutzerinteraktion wie ein schwarzes Loch aus Facebook weg. Die Leute löschen deswegen nicht gleich das Facebookprofil, aber werden nach und nach zur Karteileiche. Die Gravitation von WhatsApp hat bereits so große Ausmaße angenommen, dass Facebook in naher Zukunft schlicht irrelevant zu werden droht.

Es geht bei dem Deal also gar nicht um irgendwas, das WhatsApp hat, sondern um das, was WhatsApp bedroht. Es geht um die Zukunft von Facebook. WhatsApp war ein Panikkauf (Was auch den Preis erklärt). Ich weiß gar nicht, ob Facebook überhaupt einen Plan hat, was sie damit jetzt anstellen wollen. Es würde mich nicht mal wundern, wenn sie den Laden einfach dichtmachen.


Buchupdate

Ich komme ganz großartig voran. In den bisherigen zwei Wochen habe ich bereits das erste Kapitel inhaltlich fertiggestellt. Diese Information ist allerdings mit zweilerlei Hinweisen zu genießen. Erstens: das erste Kapitel ist das längste und eines der entscheidensten. Hier geht es darum, den Kontrollverlust zu erklären, ihn plastisch und greifbar zu machen. Ich hatte dafür 38.000 Zeichen vorgesehen. Das habe ich locker überboten und bin derzeit bei über 50.000 Zeichen, was ungefähr 33 Buchseiten entspricht. Das mag viel erscheinen, ist aber kein Maßstab für den Rest des Buches, weil zweitens: es ist das Kapitel, das inhaltlich am besten vordefiniert war. Ich habe 4 Jahre didaktische Erfahrung, den Kontrollverlust zu erklären. Ich habe dazu im Laufe der Zeit einen riesigen Fundus von medialen Zusammenhängen, Beispielen und Anekdoten angehäuft. All das konnte ich dort prima hineinwerfen und zusammen ergibt das – zu meiner Überraschung – ein sehr rundes Kapitel, das ich quasi nur noch runtertippen musste.

Ich bin gerade dabei, das zweite Kapitel zu planen. Es ist jetzt schon klar, dass das nicht so rund und schnell verlaufen wird, wie das erste. Ich lese derzeit viel und hab schon einen ganzen Bücherstapel hier liegen. Ich bin guter Dinge, habe auch konkret umsetzbare Ideen, aber es braucht eben eine Menge Input. Vermutlich werde ich mit dem Schreiben erst in einer Woche richtig anfangen.

Im Hintergrund arbeitet jetzt übrigens eine richtige Agentur daran, einen Verlag zu finden. Ich hatte das ja bereits angedeutet, dass ich den Weg gehen werde. Es ist glaube ich im Interesse aller, dass ich mich lieber auf das Schreiben konzentriere. Vertreten tut mich Oliver Brauer, seine Agentur heißt Agentur Brauer. Das erste Kpaitel soll auch deswegen so schnell fertig werden, damit Herr Brauer das als Leseprobe an die Verlage schicken kann.

Den Fortschritt des Projektes kann man nach wie vor hier betrachten. Vorsicht bei der Interpretation: da bei einigen Contributern Sparkleshare läuft, das immer alle Commits und Updates automatisch einspielt (wie bei Dropbox), sind die Angaben im Autoren-Reiter nicht für voll zu nehmen. ;)


Abschluss, Vorbereitung, Anfang

Das war dann ja noch mal spannend, zum Schluss. Gerettet hat mich der eintreffende Sponsoren-Klick für 1000 Euro. Aus unerwarteter Richtung, übrigens. Ich darf nicht sagen, wer, aber es ist niemand, den ich kenne. Jedenfalls wird auch das zweite Stretched Goal realisiert, was mich sehr freut. 20.467 Euro sind es, um genau zu sein und das ist nur wenige Euro entfernt von dem zweiterfolgreichsten Crowdfunding-Buchprojekt Drachenväter, das 20.511 Euro eingesammelt hat. Das einzuholen wäre nett gewesen, aber ich bin auf keinen Fall in der Position mich beschweren zu dürfen. ;)

Es hätte kaum besser laufen können. Ich danke an dieser Stelle also noch mal abschließend allen Helfern, Retweetern und Supportern für ihren Einsatz. Ich habe das Geld im übrigen schon auf meinem Fidor-Konto. Davon runter gingen die knapp 500 Euro Paypal-Gebühren und am Ende wird man gefragt, ob man der Startnext-Plattform noch etwas da lassen möchte. Zwei Prozent waren voreingestellt (etwas über 400 Euro) und ich fand das nur fair, denn ich fühlte mich gut beraten und supportet. Von dem Fidor-Konto überweise ich mir jetzt quasi ein Gehalt, 1000/Monat per Dauerauftrag und sitze seit Montag tatsächlich vollzeit an dem Buch. (Dazu gleich mehr.)

Vorbereitung

Das geht, weil ich noch während der Kampagne einige wichtige Vorbereitungen getroffen habe:

  1. Ich habe mir bereits zwei Wochen vor Ende der Kampagne einen Büroplatz gemietet. Schön gelegen direkt am Weichselplatz in Neukölln. Ein Freund von mir arbeitet da schon länger und hat mich freundlicher Weise aufgenommen. Hier war bis letzten Monat noch eine Agentur mit drin. Die sind nun ausgezogen und jetzt können wir es uns so richtig gemütlich machen. Das hier ist zwar nicht die Gegend, in der man gerne teure Technik stehen lassen will (hier wurde letztens auch eingebrochen), weswegen wir nachts nur leere Schreibtische stehen lassen und unsere Notebooks immer mitbringen. Ich mag diese Art zu arbeiten. Weniger ist mehr. Dieser Minmalismus zieht sich durch meinen ganzen Prozess.
  2. Als Vorbereitung habe ich mir einen sehr detaillierten Zeitplan ausgedacht. Aus den Erfahrungswerten, wie lange ich an Texten arbeite (2 Tage für 6000 Zeichen, 4 Tage für 10.000), habe ich für jedes Kapitel und jedes Unterkapitel eingeschätzt, wie viele Zeichen und Tage ich brauchen werden. Das ganze habe ich dann mit einem erfahrenen Lektor besprochen und angepasst. Nach meinen Berechnungen werde ich ca. 330.000 Zeichen schreiben müssen und dafür 125 Arbeitstage brauchen. Das erste Kapitel soll in seiner Rohfassung am Ende des Monats stehen. Toi Toi Toi.
  3. Nachdem ich die Inhaltsangabe ja bereits veröffentlicht hatte, konnte ich die Kapitel den Kapitelpaten zuordnen. Dazu habe ich mit Google-Docs ein Formular aufgesetzt (das Formular-Tool von Google Docs ist wirklich super praktisch) und die Kapitelpaten gebeten, sich dort für ein Kapitel einzutragen. Der Kapitelpate für das erste Kapitel ist übrigens Ralf Stockmann, was mich sehr freut, weil er nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch gewieft genug ist, dass ich mit ihm die Modi der Zusammenarbeit erkunden kann.
  4. Versionierung: Da ich 1. viel mit anderen zusammenarbeiten will (Nicht nur den Kapitelpaten) und ich 2. eine gute Versionierung haben möchte und aber 3. auch offline und lokal arbeiten möchte, war mir bald klar, dass ich das Versionierungssystem Git einsetzen möchte. Das populäre Github ist mir aber zu teuer und außerdem brauchen dann alle meine Collaborateure einen Githubaccount. Max wies mich dann auf penflip.com hin. Das ist ein Git-Tool, das extra aufs Schreiben ausgerichtet ist. Es gibt eine Weboberfläche mit Editor und die Struktur der Standard-Repositorys soll ein Buch darstellen. Jedes Kapitel ist eine txt-Datei und in der Contents.txt werden die zugehörigen Dateien als Buchkapitel verwaltet. Das alles ist noch relativ neu und stellenweise auch noch buggy und unfertig, aber hey, ich werde zunächst eh nur das Git-Backend nutzen. Ich finde den Ansatz großartig und arbeite jetzt schon da drauf.
  5. Git-Tools: Erlehmann meinte, ich solle zum Arbeiten SparkleShare nutzen, was meinen Gitordner zu so ner Art Dropbox macht. Das ist sau bequem und einfach aber leider ist mir das dann doch zu unterkomplex (ich muss auch hier und da mal Konflikte auflösen können und die Versionshistorie im Blick haben, etc.). Eventuell wird das die Lösung für die Kapitelpaten sein. Ralf Stockmann hat das im Einsatz und wir gucken mal, wie weit wir kommen und zur Not arbeiten die anderen eben auf im Penflip-Interface. Ich selbst probier es gerade mit tower und das funktioniert gerade ganz gut für mich.
  6. Form: Zum Schreiben nutze ich schon seit Ewigkeiten keinen Wordprocessor mehr, weil mich das hantieren mit formatierten Text immer nur nervt. Stattdessen schreibe ich immer plaintext im Editor. Für das Buch habe ich mir vorgenommen, alles in Markdown zu schreiben, weil es der ideale Kompromiss für mich zu sein scheint. Einerseits Plaintext (Plaintext ist nun mal das einzig Sinnvolle, wenn man mit Git arbeiten möchte), andererseits minimale Formatiertmöglichkeiten ohne viel Transaktionskosten. Ich weiß, es gibt andere, besser ausgearbeitete Markupsprachen, aber Markdown ist am weitesten verbreitet und für meine Zwecke wird es (hoffentlich) reichen.
  7. Editor: Ich habe viel rumrecherchiert, um einen lightweight Editor zu finden, der einerseits wenig Features hat und andererseits eine gute Markdownunterstützung bietet. Ich bin dann schließlich bei dem schon etwas veralteten IA-Writer gelandet. Der Nachfolger writer pro hatte mir zu viele negative Reviews im Appstore und zum Ausprobieren war er mir einfach zu teuer. Das allseits beliebte Scrivener kommt mir einerseits zu überfeatuered vor und andererseits hat es seinen eigenen Kopf was Ordner- Dateistruktur angeht. Sowas ist Git schwer vermittelbar und hätte zu ständigen Konflikten geführt. Auch wegen der undurchsichtigen Eigenbrödlerei bei der Dateistruktur kam Ulysses nicht in Frage, obwohl es von den Features und der Bedienung her fast perfekt gewesen wäre. IA-Writer hat seine Macken (kann z.B. Keine Kommentare interpretieren), aber ist ansonsten wirklich ein nettes, sehr einfaches Tool.
  8. Immer wenn ich auf Git einen Commit mache, erstellt das super nette Tool Gitstats diese nette Seite in meinen Dropboxordner. Ich weiß, sie ist sau hässlich, aber sie erlaubt Euch, liebe Supporter und Interessierte, mich stetig zu überwachen. Also ob und wie viel ich arbeite und auch wer anderes noch viele Changes macht.

Anfang

Das alles ist bis zum Freitag geschehen und so konnte ich bereits am Montag loslegen. Heute ist mein dritter Arbeitstag als Autor und es gefällt mir bereits alles ganz gut. Noch sind nicht alle Probleme gelöst aber wir kommen dahin. Ich bin mitten im ersten Kapitel und bisher flowt es eigentlich ganz gut.

Seit die Kampagne gelaufen ist, bekomme ich verstärkt Anfragen von Verlagen und sogar Agenten. So hab ich mir das vorgestellt. Die Suche nach einem Verlag geht also im Hintergrund auch voran. Was das schwerste dabei wird, ist einen Verlag zu finden, der mit mir das Buch bis Herbst herausbringen will, denn Verlage haben meistens eine sehr lange Vorlaufzeit, wie ich erfahren musste. Der Herbstkatalog steht bei den meisten Verlagen bereits und deren Vertreter klappern damit jetzt schon die Buchläden ab. Für uns Netzmenschen ist der Blick in die Printwelt ja immer sowas eine dieser Ultra-Slow-Motion-Filme. Ich werde dennoch versuchen meinen Termin durchzusetzen und dafür auch gerne andere Zugeständnisse eingehen. Mal sehen, ob es was bringt. Ich werde Euch natürlich auch weiterhin auf dem Laufen halten. Eventuell werde ich auf ctrl-verlust noch eine Seite aufsetzen, wo man die Fortschritte jederzeit beobachten kann. Aber erstmal was schaffen.


Backstagebericht, Teil II

Dies ist der zweite Teil meines Backstageberichtes über mein Crowdfundingprojekt, das jetzt noch 2 Tage lang geht. Den ersten Teil findet ihr hier.

Facebookseite

Ich hatte immer schon mal vor, für das Blog ctrl-Verlust.Net eine Facebook-Seite anzulegen. Ich habe das für mspr0.de und es generiert in der Tat einen gewissen Mehrwert an Interaktion und Reichweite. Aber wie das so ist, man schiebt das so vor sich her und irgendwie wurde es bislang nichts

Für das Crowdfundingprojekt machte es aber umbedingt Sinn, eine Seite anzulegen. Also eröffnete ich etwa zwei Wochen vor Beginn der Kampagne reine Blog-Site und trommelte für Likes. Über die Facebook-Seite hatte ich während der Kampagne einen zusätzlichen Kanal, den ich bespielen konnte. Dort habe ich nicht nur die Blogposts aus dem Projektblog gepostet, sondern auch Interviews und Artikel drum rum. Die Likes stiegen automatisch mit dem Erfolg der Kampagne mit. Gutes Tool. Würde ich wieder so machen.

Supportervideos

Ich glaube, es war Jens Scholz, der mir davon erzählte, wie gut es sei, während der gesamten Kampagne die Aufmerksamkeit möglichst ständig auf einem konstant hohen Level zu halten. Seinetwegen kam ich auf die Idee mit den Supportervideos. Gesehen hatte ich sowas ähnliches schon bei Dirk von Gehlens Pitchvideo, wo so bekannte Leute wie Sascha Lobo, Kathrin Passig und Peter Glaser das Projekt beleumundeten.

Ich wollte das auch, es aber in ein eigenes Format auslagern. Kurze Videos, die ich dann sukzessive während der Kampagne teile. Außerdem wollte ich, dass die Leute nicht nur irgendwas dahersagen, sondern auch einen konkreten Bezug zu mir und meiner Arbeit haben und diesen ausdrücken können. Also fragte ich vor allem Leute, die sich bereits mit meinen Thesen befasst haben, mit ihnen gearbeitet haben, sie zitiert oder abgedruckt haben. Sie sollten jeweils für sich ein Video drehen, in denen sie diesen Bezug zu meinen Thesen eigenständig formulieren und damit gleich begründen, warum es sich lohnt, das Projekt zu unterstützen.

Ich finde die Idee immer noch charmant, aber den Anteil am Erfolg der Kampagne lässt sich nur schwer beziffern. Nicht mal die Videos von so bekannten Persönlichkeiten wie Geert Lovink oder Marina Weisband haben sich groß verbreitet. Ich glaube, der Hauptwert der Videos liegt weniger an zusätzlicher Aufmerksamkeit, die sie generierten, sondern tatsächlich in der Leumundsschaft selbst. Wenn sich interessante und intelligente Leute für Dich aussprechen, schenken Dir vielleicht auch Leute vertrauen, die Dich noch nicht so kennen.

Es hat einige Zeit gekostet, die Videos anzuleiern und »einzutreiben«. Aber am Ende hat fast jeder zugesagt und es fühlt sich sehr gut an, dieses Vertrauen von Leuten entgegengebracht zu bekommen, die ich sehr schätze.

Lizenz

Über die Lizenz (WTFPDL) habe ich schon so viel erzählt. Wer genaueres wissen will, kann sich hier gut informieren. Natürlich hatte die Lizenz einen zusätzlichen PR-Effekt, der aber leider recht bald verpuffte. Man kann die Lizenz sicher kritisieren, niemand weiß, wie gut sie im Zweifel funktioniert. Ich glaube aber nach wie vor, dass sie in die richtige Richtung weist und nein, ich würde auch beim nächsten Mal keine CC-Lizenzen benutzen.

Grundsätzlich glaube ich, dass bei solchen Projekten mit kreativem Output eine möglichst freie Lizenz Wunder wirkt. Dass es der Allgemeinheit nutzt, wenn ein Werk möglichst von Jeder/m, in jeder Weise für jeden Zweck genutzt werden kann, ist vor allem der Netzszene sehr bewusst. Der Akt der Unterstützung wird dadurch mehr als ein nur eigennütziger »Einkauf«. Ich kann jetzt zwar kein eBook mehr für viel Geld verkaufen, aber ich glaube, die Unterstützungen wären nicht so großzügig ausgefallen, hätte ich den Content nicht freigegeben.

Die Summe

Eine zentrale Frage bei der Planung spielt natürlich die Zielsumme. Setzt man sie zu hoch an, läuft man Gefahr, das ganze Projekt in den Sand zu setzen, denn wenn man sie nicht erreicht, bekommt man nichts. Für mich wäre das eine katastrophale Schmach gewesen. Das war der Hauptgrund, die Summe mit 8000 Euro so niedrig anzusetzen. Spekuliert habe ich in Wirklichkeit mit 10.000+, und obwohl die Restzweifel nie so richtig zu beseitigen waren, war ich sehr zuversichtlich. Mit einem solchen Erfolg habe allerdings nicht gerechnet. Heute würde ich die Ausgangssumme wohl von vornherein auf – sagen wir – 12.000 Euro setzen. Grundsätzlich glaube ich aber nach wie vor, dass es Sinn macht, ein Projekt erstmal niedrig anzusetzen. Nicht nur der Sicherheit wegen, sondern auch, weil es sich nicht empfielt, allzu unbescheiden aufzutreten. Es macht aber definitiv Sinn, sich im Vorhinein Gedanken um eventuelle stretched Goals zu machen. Die muss man manchmal schneller liefern, als man denkt …

Das Announcement

Natürlich ist die Planung die eine Sache, die Durchführung eine ganz andere. Mein Plan, die Startphase so leise wie möglich hinter mich zu bringen, hat … so mittel geklappt.

Ich setzte eine Mailingliste mit Freunden und Bekannten auf (und machte sie nicht richtig zu, was einige der Teilnehmer sogleich zu Trollaktionen veranlasste). Dazu stellte ich fest, dass ich von vielen Leuten, die ich die letzten 4 Jahre kennengelernt habe, die E-Mailadresse gar nicht habe. Facebook und Twitter haben ein da großes Loch in meine lokale Datenverwaltung gerissen. Auch über die Facebookprofile kam ich fast nie an die fehlenden E-Mailadressen. Also entschied ich mich, kurzerhand neben der Mailingliste noch eine Facebookmessage an viele Leute zu schicken.
In beide Nachrichten schrieb ich rein, dass die Leute doch bitte so nett sein sollten, den Fanbutton zu betätigen, aber den Link noch nicht zu verbreiten. »Achtung!« schrieb ich extra groß. Natürlich war der Kontrollverlust vorprogrammiert. Aus der Mailingliste ebenso wie aus dem Facebook-Chat landete die Information, dass ich eine Crowdfundingkampagne starte, sofort auf Facebook und Twitter. Nicht aus Bosheit. Wer liest schon noch Mails genau? Die Nachricht ging also rum, einige Tweets und Retweets, aber so groß war der Schaden nicht.

Schlimmer war die Facebook-Chatfunktion. Die Message an alle, wurde von einigen Teilnehmern zum fröhlichen Facebook-Sticker-Sturm genutzt. (Sticker sind so kleine lustige Bildchen) 2 bis 3 Tage lang schickten sich die Leute Sticker hin und her, bis auch der Letzte aus dem Kanal getrollt war. Bis heute kommt hier und da noch ein Sticker an. Auch wenn es viele mit Humor nahmen, nochmal an alle Beteiligten: Es tut mir leid! Ich hätte nicht erwartet, dass es soo schlimm wird. Das nächste Mal frage ich einen Social-Media-Berater um Rat.

Im Grunde war aber alles halb so wild. Die Rechnung ging auf. Ich hatte die 100 Fans innerhalb von 4 Stunden zusammen, und als ich am Montag drauf in die Finanzierungsphase ging, taten die wenigen Irrlauf-Tweets, der anrollenden Aufmerksamkeitswelle keinen Abbruch. Die war gefühlt hundertmal größer, als die Leaks. Der Rest ist Geschichte: Die Summe von 8000 Euro wurde innerhalb von 28 Stunden erreicht.

Streched Goals

Bei Startnext gibt man zu Anfang einen konkreten Zeitraum an, über den man gedenkt, Geld einzusammeln. Die Zielsumme ist weniger relevant als der Zeitraum, denn egal wie schnell man den Geldbetrag erreicht – die Kampagne dauert so lange wie sie dauert. Ich habe mir mit über 6 Wochen einen recht großzügigen Zeitrahmen gegeben. Das würde ich heute anders angehen. 3 bis 4 Wochen hätten für mich genügt.

Doch was tut man, wenn die Summe vor Ende des Zeitraums bereits eingesammelt ist? Geld wird über die Zeit eh weiter reinkommen. Wie kann einerseits die Spannung beibehalten und gleichzeitig die Zusatzeinnahmen rechtfertigen?

Ich hatte schon länger mit der stretched Goal-Idee gespielt, weil ich das bei Dirk von Gehlen gesehen hatte. Bei Erreichen der Zielsumme definiert man einfach ein neues, aber verwandtes Ziel, das mit dem zusätzlichen Geld dann möglich wird. Damit hält man die Kampagne spannend und generiert Mehrwert für alle Beteiligten. Ich hielt die stretched Goal-Idee für eine gute Sache. Irgendwas würde mir schon einfallen. Da würde ich mir dann mal bei Zeiten Gedanken drüber machen. Dann …

Aber nach 28 Stunden? Darauf war ich einfach nicht vorbereitet. Ich hatte keinen konkreten Plan parat für »danach«, denn ich dachte, dass ich dafür noch mindestens eine Woche, ach was, einen Monat Zeit haben würde. Also gab ich erstmal die 10.000 Euro als neues Ziel aus, mit der einzigen Begründung, dann eine komfortablere Summe zur Verfügung zu haben.

Auch dieses Ziel war aber schon einen Tag später erreicht. Aber diesmal war ich vorbereitet. Auch von Dirk habe ich die Idee für das Audio-Book, das schon er als stretched Goal angegeben hatte. Da ich selbst podcaste und die Audioversion eh unter derselben Lizenz veröffentlichen wollte, verband ich die Idee kurzerhand mit dem Audiobook. Bei 15.000 sollte es also einen Podcast geben, der kurz nach der Produktion eines Kapitels diese als Podcastfolge veröffentlicht. Und am Ende sollte natürlich das Audiobook als Gesamtdatei stehen. Diesmal dauerte es über einen Monat, bis das Goal erreicht war.

Geert Lovink hatte mich bereits vor meiner Crowdfundingkampagne kontaktiert. Er war begeistert von meinen 10 Thesen zum neuen Spiel und wollte sie in seiner Reihe Networked Notebooks veröffentlichen. Einen 20.000 Wörter starken Essay in englischer Sprache. Man muss dazu sagen, dass Lovink einer der bekanntesten und ersten Internettheoretiker ist. Er betreibt die legendäre Mailingliste nettime-I und ich habe schon im Studium seine Texte gelesen.

Ich fühlte mich also sehr geschmeichelt – dazu hieße das eine enorme internationale Aufmerksamkeit für meine Thesen. Ich wollte aber noch nicht konkret zusagen, weil ich ja jetzt erstmal das Buchprojekt starten musste. Dazu kam, dass auch Lovink sich nicht klar war, wo er das Geld für die Übersetzung herbekommen sollte. Das Projekt verblieb damals also erstmal in der Schwebe.

Der Zufall wollte es, dass Lovink 2 Tage bevor ich das stretched Goal von 15.000 Euro erreichte und etwa eine Woche vor Ende der Kampagne, in Berlin für einen Vortrag weilte. Wir trafen uns und ich machte ihm kurzerhand den Vorschlag, dass ich das Projekt – die Übersetzung und das Lektorat – als weiteres streched Goal mit in die Kampagne aufnehme. Lovink war einverstanden und so holte ich mein Handy raus und wir machten den Film.

Kommunikation

Am Anfang hatte ich wie gesagt eine Mailingliste mit allerlei Freunden und Bekannten. Nach und nach verlagerte sich meine Kommunikation auf die Startnext-Plattform. Dort gibt es ein Blogsystem (recht rudimentär, aber es funktioniert), das es anbietet, alle Supporter per Klick über einen neuen Eintrag zu informieren. Ich habe versucht, das Blog sehr regelmäßig zu bespielen und immer wenn ich glaubte, dass es etwas Wichtiges zu erzählen gibt – wie zum Beispiel dass Erreichen eines stretched Goals, das Veröffentlichen eines neuen oder die Veröffentlichung der geplanten Buchinhalte, etc, habe ich diese Funktion genutzt.

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man im Laufe der Kampagne seinen Freunden, Unterstützern und Followern ganz schön auf den Zeiger geht. Besonders, wenn man ein Goal nach dem anderen stretched. Aber im Grunde wissen ja alle, dass es sich um einen begrenzten Zeitraum handelt. Es gab zwar hier und da ein paar Beschwerden, aber hey, so ne Crowdfundingkampagne macht man ja auch nicht aller Tage.

Werbung

Ich habe sogar ein bisschen mit Werbung rumgespielt. Auf Facebook kann man, wenn man eine Seite betreibt, seine Posts »boosten«. Man wirft per Paypal ein paar Euro rein und erreicht dann sehr viel mehr Menschen. Über das Experimentierstadium bin ich dabei aber nicht herausgekommen. Der Effekt war bescheiden. Zwar sehen den Post dann ein paar tausend Leute, aber die Interaktion ist meist doch gering. Aus meiner Filterbubble bin ich damit jedenfalls kaum herausgekommen. Wahrscheinlich habe ich aber auch einfach alles falsch gemacht und wenn ich es richtig gemacht hätte, dann wäre ich jetzt Millionär oder so.

Presse

Ich habe auch einen Presseverteiler angelegt. Ich bin schon lange eine relativ öffentliche Person und so bleibt es nicht aus, dass man Kontakte zu Journalisten hat. Ich hab mich durch meine Mails gewühlt und die Adressen aller Journalisten, mit denen ich die letzten Jahre zu tun hatte, zusammengesammelt. Das war mein Presseverteiler.

Ich kann keine Pressemitteilungen formulieren. Also mir fehlt das Wissen UND ich finde das irgendwie … komisch. Pressemittelungen sind grauenhaft. Ich hasse es, sie zu lesen und komme mir irgendwie schmutzig vor, sie zu schreiben. Da ich aber mit allen Journalisten auf meinen Verteiler bekannt bin, konnte ich relativ frei schreiben. Ich schrieb bei allen wichtigen Ereignissen eine PM: Der Start der Kampagne, das Erreichen der Stretched Goals und die Einrichtung der neuen Goals.

Nun, meine Presseresonanz ist – verglichen mit den Projekten von Dirk von Gehlen oder Drachenväter – eher bescheiden. Die erste PM hatte eine gewisse Wirkung, die anderen eigentlich keine. Vielleicht liegt es an meiner Pressearbeit, vielleicht an was anderem. Ein Link von Spiegel Online oder Zeit.de wäre schon nett gewesen, aber wie man sieht, es geht auch ohne die großen Kanäle.

Der Countdown

Als sich die Kampagne dem Ende näherte, kam ich auf die Idee des Countdowns. Ich wußte, dass es zum Ende jeder Crowdfundingkampage noch mal spannend wird. Viele Leute sparen sich die Unterstützung bis zum Ende auf, sind bis zum Ende unentschlossen, oder wollen das Projekt einfach nur über die Schwelle heben. So kommt es, dass Crowdfundingprojekte zum Ende immer nochmal einen Peak haben. Um diese Leute noch zu aktivieren und die Spannung insgesamt zu steigern, habe ich mir den Countdown ausgedacht.

Der Plan ist, die letzten 10 Tage noch mal richtig aufzudrehen und jeden Tag einen Blogpost zu verfassen. Jeder Blogpost ist dabei mit dem Countdown versehen (»nur noch X Tage«) Die Planung der Inhalte für die Blogposts passierte relativ kurzfristig, aber auch dieser Backstagebericht hier ist eine der Ideen, die dabei geboren wurden. Ich glaube, es bringt eine Menge, wenn man den Leuten, die vergehende Zeit anschaulich macht und so ständig die Aufmerksamkeit wach hält. Klar, geht es manchen Leuten auch auf die Nerven, wenn man ständig so viel Alarm macht. Aber gleichzeitig sehen sie ja an der Anzahl der Tage, dass das nur temporär ist.

Fazit

Die Kamagne läuft noch etwas mehr als 24 Stunden, aber ich denke, ich kann schon mal ein Fazit ziehen:
Es war ein riesiger Erfolg, egal, was jetzt für eine Summe bei rauskommt. Neben dem Geld finde ich es ausgesprochen toll, dass es so viele Unterstützer geworden sind. Auch wenn ich von der Summe her nur das dritterfolgreichste Crowdfunding-Buchprojekt geworden bin; an Anzahl der Unterstützer kommt niemand ran. Das Geld ist auf sehr vielen Schultern verteilt und ist damit, mehr noch als alle anderen, ein waschechtes Grassroots-Communityprojekt. Ein Beweis dafür, was viele Einzelne mit ihrer Vernetzung zusammen leisten können. Da bin ich ziemlich stolz drauf.

Mir ist bewusst, dass die Kampagne in dieser Form nicht für jede/n einfach so wiederholbar ist. Ich bin seit 8 Jahren im Netz präsent, befasse mich mit meinem Thema seit 4 Jahren und veröffentliche dazu auch oft in »erwachsenen Medien«. Das ist aus vielerlei Hinsicht eine perfekte Ausgangssituation so etwas wie eine Crowdfundingkampagne zu starten. Egal, wie toll Deine Idee ist, die Leute müssen überzeugt sein, dass Du auch der/die Richtige bist, sie umzusetzen.

Die Kehrseite des Ganzen bekomme ich zunehmend zu spüren. There is nowhere to run. Das Internet hat die Welt zu einem Dorf gemacht und wer da heraussticht, kann nicht einfach so weggehen und ein neues Leben beginnen. Weit über 500 Augenpaare sind nun auf mich gerichtet und sie erwarten, dass ich abliefere. Kein Verlag, kein nerviger Lektor, keine abstraktes Irgendwas könnte mir mehr Respekt einflößen, als die Erwartungen meiner eigenen Community. Leute, die so viel von mir halten, dass sie Geld in mich investiert haben. Der Druck – das sollte klar sein – ist riesig. Aber keine Angst, ich komme damit klar.

Derzeit überwiegt bei mir aber die Dankbarkeit. Die Dankbarkeit gegenüber den Helfern bei der Kampagne, gegenüber all jenen, die für mein Projekt geworben haben und natürlich den Unterstützern, die ihr Vertrauen in mich gesetzt haben. Das ist schon ein verdammt gutes Gefühl! Und ich verspreche, mein Bestes zu geben, Euren Ansprüchen zu entsprechen.

Danke! Vielen Dank!


Backstagebericht, Teil I

Im neuen Spiel gibt es neue Freiheiten und neue Einschränkungen. Kulturprojekte per Crowdfunding zu finanzieren ist ein Paradebeispiel dafür, das neue Spiel anzunehmen und zu spielen. Dieselben Mechanismen, die mir nicht mehr erlauben Kontrolle über die Inhalte auszuüben, erlauben es mir, eine Community aufzubauen und zu vernetzen, die mir die Inhalte vorfinanziert. Ich halte Crowdfunding also für eine wegweisende Strategie der Kulturfinanzierung und will deswegen meine Ideen, Gedanken und Erfahrungen mit der Kampagne weiter geben. Dies ist der erste Teil.

Idee

Dass ich ein Buch schreiben will, weiß ich seit einigen Jahren. Das Thema Kontrollverlust hatte sich so weit entwickelt, dass sich dieser Schritt seit langem aufdränt. Ebenso lange liegen mir Freunde und Weggefährten in Ohren, es doch nun einfach mal zu tun.

Doch wie soll ein Theoretiker des Kontrollverlusts und erklärter Gegner des Urheberrechts ein Buch schreiben, ohne dabei entweder zu verhungern oder sich unglaubwürdig zu machen? Spätestens nach dem Erfolg von Dirk von Gehlen war die Option das Buch zu crowdfunden präsent. Wirklich dafür entschieden habe ich mich aber erst im Herbst letzten Jahres. Ich dachte: das mach ich jetzt mal einfach und erzählte jedem, der nicht bei drei auf den Bäumen war von meinen Plänen.
Mein erster angedachter Starttermin war Anfang Oktober. So dachte ich jedenfalls noch Mitte September, vollkommen unwissend, was ich mir da an Arbeit aufgehalst hatte. Doch es gab kein Zurück. Eine gute Motivationsstrategie für alle, die auf ein konsistentes Außenbild wert legen.

Titel/Cover

Man glaubt es kaum, aber ich habe wirklich lange gebraucht, bis ich den Titel so hatte, wie er heute ist. Und auch das Cover machte eine lange Überlegungsphase aus. Natürlich hängen die beiden zusammen und so musste ich meinen Designer, Mark Wirblich, immer wieder mit neuen Titelideen malträtieren, was seine Aufgabe nicht leichter machte. Ähnlich wie beim Titel ging es uns mit dem Cover. Eigentlich kam Mark sehr schnell auf die Idee, hatte das richtige Bild parat. Ja, es ist eine Atomexplosion. Die Atombombe veränderte die Welt, es veränderte die Regeln, nach denen das Spiel der Mächte gespielt werden konnte. Die Raute auf dem Atompilz ist wunderbar ambivalent. Sie rastert das Bild, wie einige bereits bemerkten. Doch dieses Raster ist ebenfalls leeres Tic Tac Toe Spiel. Ein neues Spiel also. Hinzu kommt der Bezug zum Internet, zur Vernetzung, dem Hashtag, etc. Und obwohl wir noch einige Iterationen lang in andere Richtungen dachten und rumprobierten, landeten wir am Ende wieder dort. Ich muss sagen, ich bin sehr zufrieden.

Planung

Als Erstes habe ich mir Leute gesucht, die sich besser auskennen, als ich und habe sie intensiv ausgefragt. Erster Ansprechpartner war da natürlich Dirk von Gehlen, der bereits ein sehr erfolgreiches Buch gefundet hat. Eine der zentralen Fragen ist natürlich die Plattform. Ich habe mir Verschiedene angesehen, mich am Ende aber ebenfalls für Startnext entschieden.

Es macht Sinn, sich ein möglichst bekanntes Portal mit einer möglichst großen Community auszusuchen. Das Konzept Crowdfunding in Deutschland noch nicht so in die allgemeine Wahrnehmung eingesickert ist, wie beispielsweise in den USA: Das heißt für den Crowdfunder, dass er die Schwelle für die Leute, die etwas geben wollen, möglichst gering halten muss. Eine große, etablierte Plattform empfiehlt sich aus zwei Gründen: 1. Die Community beherbergt bereits eine menge Leute, die schon mit dem Konzept Crowdfunding vertraut sind. 2. Die Chance ist höher, dass Leute, die mich unterstützen wollen, bereits einen Account haben.

Nachdem ich meinen Startnext Account eingerichtet hatte, merkte ich, dass ich einige Voraussetzungen erfüllen musste, um überhaupt loslegen zu können. Am besten führt man sich diesen Leitfaden zu Gemüte. Startnext arbeitet mit einem Finanzdienstleister namens Fidor zusammen, die die treuhänderische Verwaltung der Unterstützergelder übernimmt. Dort muss man sich in einem im Zweifel mehrere Tage dauernden Verfahren registrieren und legitimieren. Das sollte man auf jeden Fall als Erstes machen.

Die Voraussetzungen, um ein Projekt zu starten, sind in jedem Fall die Texte, die es zu schreiben gilt. Alle Fragen auf der Startseite müssen beantwortet sein. Ein Coverbild muss da sein, Dankeschöns müssen definiert sein und die Fidor-Legitimation muss aktiv sein.

Dankeschöns

Ich glaube, die Dankeschöns auszudenken und zu definieren, ist ein wichtiger Baustein zum Erfolg. Auch wenn es nie so richtig vorhersehbar ist, wie erfolgreich eine Dankeschönidee sein wird (ich wurde auch hier und da sehr überrascht), gibt es doch ein paar Dinge, die ich versuchte zu beachten:

  1. Guck es Dir die Ideen bei anderen ab. Klau gnadenlos zusammen. Es gibt kein Urheberrecht auf gute Dankeschönideen (wär ja auch noch schöner!). Auch längst durchfinanzierte Projekte sind auf Startnext noch zu finden und man kann dort ganau ablesen, welche Dankeschöns gut gingen, welche nicht so gut. Ich habe beispielsweise keine T-Shirts gehabt, weil ich gesehen habe, dass sie bei Dirk nicht so gut gingen.
  2. Die Dankeschöns sollten unmittelbar mit dem Produkt zusammenhängen. Bei einem Buch ist es klar: gibt es das Buch. Aber auch die Releaseparty, die Kapitelpatenschaften und die Namensnennung sowie das Sponsoring haben direkte Bezüge zum Buch.
  3. Achte darauf, dass das Verhältnis zwischen Geldbetrag und Dankeschön irgendwie stimmig ist. Natürlich wollen Leute, die nur 5 Euro zahlen, dich vor allem unterstützen. Aber Leute, die das Buch klicken, wollen vor allem das Buch. Das darf gerne über dem späteren Verkaufswert liegen (wie gesagt, es geht auch um Unterstützung), aber eben nicht völlig darüber.
  4. Achte darauf, dass die Einnahmen die Kosten deutlich decken. Man kann sich da schnell verkalkulieren. Ein Poster zum Beispiel ist billig zu drucken. Gute Idee denkt man sich und bietet das an. Leider ist ein Poster zu verschicken aber sehr aufwändig und teuer (Pappröhre kaufen, extra Porto, etc.). Also immer eine mit Recherche verbundene Kostenkalkulation machen.
  5. Die Dankeschöns sollten preislich in »geschmeidigen« Schritten ausdifferenziert sein. Wenn man etwas für 5, 10 und 20 Euro anbietet, darf nicht das nächst Höhere 100 Euro kosten. Die Beträge, die die Leute zu geben bereit sind, sind sehr individuell. Sorge dafür, dass jeder seinen Sweetspot findet und achte darauf, dass das nächstteurere Dankeschön sich vom vorherigen auch in seinem Wert deutlich abhebt.
  6. Ich habe – jetzt im Nachhinein – den Eindruck, dass Limitierung hilft. Gerade bei teuren Dankeschöns ist das »Es sind nur noch 3 Stück da«-Gefühl anscheinend ein Anreiz für Leute, das Dng schnell noch mitzunehmen. Viele meiner eng limitierten Dankeschöns waren jedenfalls für mich überraschend schnell weg.

Startphase

Startnext hat eine Eigenschaft, die ich nicht so schön finde. Bevor es richtig losgeht, man also um Geld werben kann, muss man erst durch die sogenannte Startphase durch. Da geht es darum, Fans zu sammeln. Also Leute, die einen Account haben und den Fanbutton geklickt haben. Ab 5000 Euro braucht man 100 Fans. Ich kann mir vorstellen, was der Sinn und Zweck dieser Übung ist. Leute, die nicht so bekannt sind, sind erstmal gezwungen, sich eine gewisse Grundaufmerksamkeit zu erarbeiten. Niemand will gerne gescheiterte Projekte, als letztes Startnext.

Durch meinen allerdings etwas anderen Status was Vernetzung angeht, war die Startphase ein Problem. Natürlich ist es für mich am besten, wenn die erste und damit größte Aufmerksamkeitswelle nicht an einem Fan-Button verschwendet wird, sondern auf einen »Werde Unterstützer«-Button trifft. Doch es ist davon auszugehen, dass meine Bekanntheit in Netzzusammenhängen dazu führt, dass die Nachricht ansich bereits eine gewisse Breitenwirkung entfalten wird. Wie kann ich also die Startphase im »Stillen» hinter mich bringen, um die Aufmerksamkeit voll auf die Finanzierungsphase zu lenken?
Normaler weise hat man für die Startphase 30 Tage zeit. Ich plante ein Wochenende ein und hatte vor, in erster Linie Freunde und Bekannte nicht-öffentlich auf die Startphase hinzuweisen, um die 100 Fans zu sammeln. Ich verabredete mit Startnext, dass ich am darauffolgenden Montag – sofern die 100 zusammen sind – in die Finanzierungsphase einzutreten. (Wie das dann klappte, erzähle ich in Teil II)

Pitch-Video

Da ich also von der Startphase direkt in die Finanzierungsphase eintreten wollte, musste ich also vor dem Start auch schon die Voraussetzungen für die Finanzierungsphase erfüllen. Das ist vor allem die Existenz eines Pitchvideos.

Das Pitchvideo ist das Herzstück der Kampagne. Potentielle Unterstützer mühen sich meist nicht damit ab, sich durch endlose Textwüsten zu wühlen. Sie wollen den Playknopf drücken und in 2 Minuten überzeugt sein. Eventuell geben sie Dir noch eine dritte Minute, wenn sie geduldig sind. Deswegen sollte auf die Produktion des Pitchfilms sehr großen Wert gelegt werden.

Es kommt da nicht darauf an, dass es besonders aufwändig und hochglanzmäßig produziert ist, sondern darum, seinen Punkt gleichzeitig präzise, glaubwürdig und sympathisch rüber zu bringen.

Den Text zu dem Video hab ich natürlich selbst geschrieben. Als Kameramann fragte ich meinen alten Freund Mate Steinforth. Er ist zwar von Haus aus Motion-Designer, hat aber eine Menge Erfahrung und das Equipment zur Verfügung. Die größte Herausforderung war die Findung eines Drehtermins. Sowohl Mate, als auch Philipp Otto von iRights (der in dem Video auftritt) waren vor Weihnachten sehr eingespannt und sie auf einen gemeinsamen Termin festzulegen, war ein großer Akt. Als wir den Termin hatten, drehten an einem Nachmittag alles ab. Jede Einstellung mehrere Takes (wichtig). Und wenn ich was gelernt habe, dann, dass ich das nächste mal den verdammten Text auswendig lerne. (Beim Schnitt war die größte Herausforderung, Aufnahmen zu finden, bei denen ich zufällig mal nicht ablese.)
Geschnitten hat das Video Gerlinde Schrön. Sie arbeitet ebenfalls in einem solchen Bereich und machte bereits einige sehenswerte Piratenvideos. Sie hat wirklich ganze Arbeit geleistet und das Beste aus dem Material rausgeholt. Für das Schneiden haben wir etwas mehr als ein Wochenende gebraucht.

Das Video ist das Herzstück der Kampagne, aber auch die meiste Arbeit. Mir als Blogger, der es gewohnt ist, die Resultate seiner Arbeit immer von gleich auf sofort zu veröffentlichen und sich dabei mit niemandem absprechen zu müssen, fiel die Zusammenarbeit nicht leicht. Das ständige aufeinander warten, die nötigen Abstimmungen, etc. sind etwas, nicht besonders leicht. Aber ich denke, es hat sich gelohnt.