Meine 31c3 Einreichung

Ich bin zwar noch im Urlaub, aber da ich gerade Zeit habe und mich meine (erwartete) Rejected-Email erreicht, will ich hier gerade nochmal aus Dokumentationszwecken meine Einreichung verbloggen.

Abstract Die Netzpolitik-Szene, insbesondere der Kampf gegen Überwachung ist seit Edward Snowdens Enthüllungen in der Krise. Bisher funktionierende Strategien greifen nicht mehr. Das liegt daran, dass sich nicht nur ein paar Parameter verschoben haben, sondern das gesamte Spiel ein anderes ist. Die Grundzüge des neuen Spiels sollen in dem Vortrag dargestellt werden.

Description Anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Snowdendokumente ist es Zeit für den Internetaktivmus kritisch Bilanz zu ziehen. Der vor allem in Hackerkreisen lang erwartete Super-Gau der Überwachung ist eingetreten, doch anders als sich viele erhofft haben, ist er politisch wirkungslos geblieben. Die Überwachung wird allgemein hingenommen und widerwillig gewöhnen auch wir uns an den Gedanken, dass wir mit der Situation leben müssen. Internetaktivist/innen sind demoralisiert, der Kampf gegen Überwachung ist in der Krise.

Angesichts dieser Entwicklungen ist es legitim ein “Game Over” zu sehen und sich nun verbittert zurückzuziehen. Vielleicht war der Freiheitstraum des Internets schon immer ein naiver. Vielleicht haben die Kulturpessimist/innen doch schon immer recht gehabt. Das Internet ist eben kaputt. Wir sind gekränkt. Die Letzte macht das Licht aus.

Ich habe mich gegen diese Lesart entschieden. Statt ein Game Over sehe ich ein “Neues Spiel”. Eines, bei dem wir zwar derzeit ständig verlieren, aber nur, weil wir mit veralteten Strategien operieren.

Die Welt hat sich durch die Digitalisierung auf so vielen Ebenen gleichzeitig verändert, dass selbst diejenigen den Überblick verloren haben, die sich im Internet beheimatet fühlen. Um aber das Neue Spiel zu verstehen, muss man die komplexe Mechanik analysieren, wenn Technik und Ökonomie ineinandergreifen, tradierte Institutionen erschüttert werden und neue, komplexere hervorbringen. Erst in der Gesamtschau wird man die neuen Möglichkeiten entdecken, die weiterhin im digitalen Umbruch stecken, aber auch die neuen Gefahren, gegen die wir uns wappnen müssen.

In meinem Vortrag möchte ich die Hintergründe dieser Veränderung mithilfe einiger Medien-, Informations- und Wirtschaftstheorien beleuchten und aus dieser Gesamtschau “10 Regeln des neuen Spiels” ableiten. Ziel ist es dabei, Strategien aufzuzeigen, die auch im Zeitalter des Kontrollverlusts noch wirkmächtig sind.


Mal was ganz anderes …

2014-10-17 11.28.41Als ich gestern morgen in mein Büro direkt am Weichselplatz kam, sah ich dieses Plakat an unserer Tür. Es war der erste Tag im Büro nachdem ich den ganzen Anfang der Woche krank im Bett lag und so hatte ich von dem Drama um das “Weichelplatz-Baby” nichts mitbekommen. Im Laufe des Tages erfuhr ich, dass der Finder des toten Babys ein guter Bekannter war, der oft bei uns im Büro vorbeischaut und mit dem wir uns immer gerne über alles mögliche verquatschen. Als ich ihn traf wirkte er erstaunlich gefasst, doch regte er sich auch auf: über die Polizei, die sich grobe Fehler erlaubt hatte und vor allem über die Presse, die hinter ihm her war und verdrehend berichtete. Ich bot ihm an, seine Geschichte auf meinem Blog zu veröffentlichen. Ungekürzt, selbstbestimmt und so wie er die Sache sieht – wofür Blogs meines Erachtens da sind. Er nahm das Angebot an und ich glaube, für ihn war das Aufschreiben ein wichtiger Verarbeitungsschritt. Weil ich es ihm versprochen habe und weil ich seinen Text als gültiges Zeitdokument empfinde, veröffentliche ich ihn hier ungekürzt und nur minimalinvasiv redigiert. Aus nachvollziehbaren Gründen will mein Bekannter gerne anonym bleiben. Hier wäre wohl auch sowas wie eine Triggerwarnung angebracht. Der Text ist jedenfalls nichts für schwache Nerven.


Freitag letzter Woche erzählte ich meiner Freundin, dass im Park vermutlich ein toter Hund lag. Beim Spazierengehen mit meinem eigenen Hund über den Weichselplatz fand ich eine Plastiktüte, aus der der Geruch von Verwesung drang. Mit dem Fuß prüfte ich das Gewicht. Es waren sicher keine Grillreste vom sonnigen Spätherbst. Andererseits hatte ich nicht die leiseste Ahnung, was sich hier offenbaren würde.

Da auch ein Hund nicht unbegraben herumliegen sollte, wollte ich von zu Hause die Feuerwehr rufen – die sind schliesslich für so etwas zuständig. Doch soweit kam es gar nicht, denn auf dem Weg stieß ich auf eine vorbeifahrende Polizeistreife. Der aus dem Beifahrerfenster schauende Beamte nahm meine Mitteilung, dass wohl ein Kadaver im Park liege, gelassen auf. Die Stelle brauche ich ihnen nicht zu zeigen, sicherte er zu, die Richtung genüge, man würde sich schon darum kümmern.

Später, beim eiligen Kaffeetrinken, ging ich davon aus, dass die Sache bereits erledigt war, wollte aber besser doch noch einmal nachsehen. In den inzwischen verstrichenen 10 Minuten war die Streife abgefahren und das Paket lag nicht mehr an seiner Stelle. Dafür fand es sich aber gleich in der Nähe in einer großen Gitterbox für Grill- und sonstige Abfälle wieder. Gut, dachte ich, die Beamten werden wohl nachgesehen haben, ich hatte mich wohl getäuscht. In Berlin werfen doch Polizisten keinen Hund in den Müll, sondern ordern ordnungsgemäß den Tierkörperbeseitigungsdienst.

Da die Runden meines eigenen Hundes sehr begrenzt sind, passierten wir in den nachfolgenden Tagen mehrmals den Behälter, und jedes mal nahm ich wieder diesen Geruch wahr. Nur zwei Meter davon entfernt steht eine verrückte Bank, auf der Abends gelegentlich Pärchen sitzen. Meine Nase ist wohl empfindlicher, als die anderer Menschen.

Montagnacht war ich wieder mit meinem Hund im Park. Weil ich von ihm eine Stuhlprobe nehmen musste, war ich mit einer Taschenlampe bewaffnet. Als ich in der Dunkelheit durch den Park schritt, war da wieder dieser Geruch, nun noch stärker. Ich hatte immer noch ein ungutes Gefühl bei der Sache und im Schutz der Nacht traute ich mich das Paket näher in Augenschein zu nehmen. Es erschien noch genauso verknotet und verschlossen wie am ersten Fundort. Auch als ich es diesmal leicht anhob war nur wieder etwas Stoffähnliches mit darauf kriechenden Maden durch ein Loch zu erkennen. Vom Gewicht könnte es ein Junghund sein. Mit einem Stock versuchte ich das Loch zu weiten, was nicht gut gelang, und ich fragte mich was ich hier tue. Dann tastete ich mit dem Stockende die Oberfläche ab, größtenteils weich, aber dann war da eine Harte Rundung. Ein Kopf? Aber definitiv größer als der einer Hauskatze. Nun konnte ich nicht aufgeben, vielleicht ist es ja doch bloß die Gelenkkapsel eines Rinderknochens, hoffentlich. Nun wollte ich es wissen, ich wollte sicher gehen, dass es ein Tier ist, ich wollte das Fell sehen, bevor ich diesmal direkt die Feuerwehr auf den Plan rufe. An der weichen Stelle grub ich weiter, zog nach und nach ein Stück eines braun verfärbten Tuches heraus, nahm darunter etwas fahlgraues wahr. Sachte zog ich es mit dem Stock heraus.

Mehrmals musste ich hinsehen, um gewahr zu werden, dass dies keine Tiefpfote ist. Ich zählte bis fünf, oh mein Gott!

Drei Schritte zurück, durchatmen. Dann den Notruf wählen. Lange Minuten, im Kopf schwirren Gedanken: das kann doch nicht wirklich wahr sein. Man hat davon gehört, aber dass es einen selbst betrifft. Und doch nicht wenn ein Polizist es vermeintlich schon durch den Park getragen hat. Es kann nicht sein was es ist. Aber meine Augen täuschten nicht.

Die ersten eintreffenden Streifenbeamten schauten kurz, ich vergewisserte mich bei ihnen nochmals, dass meine Augen mir keinen Streich spielten. Sie sagten es schaue danach aus. Jedenfalls wenn es keine Puppe ist. Sie hatten die geschmeidige Bewegung des Armes ja nicht gesehen und trauten sich selbst nicht heran. Stattdessen riefen sie die nächste Instanz, die Kripo. Ich verlies alsbald den Ort, wo ich die Leiche nun schon zum zweiten Male gefunden hatte. Das alles war so merkwürdig.

Innerhalb der nächsten zwei Stunden fuhr eine Armada von Einsatzfahrzeugen auf, wie ich es noch nicht gesehen habe. Ein befreundeter Nachbar erwachte dadurch und zählte vom Balkon rund 30 Wagen. Die Dunkelheit des Parks wich Scheinwerferlicht. Zurückgerufen zum Ort nahm ich in die nun beklemmende Stille wahr, so still dass sich selbst jetzt ein Fuchs heranschlich. Mein Denken schwankte in den nächsten Stunden zwischen Gelähmtheit und Bedachtsamkeit. Die morgendliche Vernehmung verlief sehr sachlich.

Nachmittags traute ich mich wieder in den von Profis verlassenen Park. Ich erzählte die unglaubliche Geschichte einem Freund, der in der Nähe wohnt. Es tauchten auch andere Personen auf, die ihre – wie ich dachte – journalistische Arbeit machten und fragten rum, wer etwas wisse. Ich konnte die Eindrücke schlecht für mich behalten, also wandte ich mich an diese drei Menschen. Gleichzeitig wollte ich nicht zu viel von mir preisgeben. Aber das haben die Journalisten natürlich drauf, einem ein Detail nach dem anderen zu entlocken. Fotos sind genau so wichtig, vor allem für den Boulevard. Wenigstens konnte ich mich durchsetzen, nicht fotografiert werden zu wollen. Noch.

Am Mittwoch klingelte es schon an der Wohnungstür. Ich hatte bereits am Vormittag mit Journalisten zu tun gehabt, doch diese beiden Herren hier wirkten mir zu schmierig, also wies sie ich ab. Trotz meiner eindringlichen Aufforderung auch an sie, mich nicht abzubilden, nahm ich wahr dass sie vom Weiten hinter mir her fotografierten. Fotografieren ist erlaubt, Veröffentlichung bedarf der Zustimmung, wenn kein höheres Informationsinteresse der Öffentlichkeit es ausnahmsweise rechtfertigt, so war meine Rechtsauffassung. Große Gedanken machte ich mir darüber nicht, bis ich spätnachts in der Onlineversion des des Berliner Kuriers meine Rückansicht – für andere gut erkennbar – wiederfand. Mit einer bösen Mail lies sich das noch zurückholen, die Druckausgabe befand sich jedoch schon auf dem Weg in die Regale.

Fühlte ich mich bis dahin ruhig und der Situation angemessen, kochte ich nun über vor Wut über diese unsinnige Verletzung meiner Privatsphäre. Sollten mich nun Hinz und Kunz darauf ansprechen? Wie soll ich diesen Situationen begegnen? Klar, ich möchte mit Menschen darüber sprechen, es tut gut, die eigene Geschichte zu erzählen, aber in welcher Situation, das möchte ich entscheiden.

Erst am späten Abend konnte ich wieder an das eigentliche Geschehen denken. Und man muss darüber nachdenken, denn sonst spürt man nur Kälte und Leere. Heute am Tag drei erscheint mir der Kopf wieder klar, nachdem ich am Morgen dem immer noch heimlichen herumlungernden Fotografen eine Standpauke gehalten habe.

Was mich berührt ist die Unachtsamkeit, die sich durch die ganze Angelegenheit zieht. Sie begann Anfang letzter Woche mit wahrscheinlich im Ausnahmezustand handelnden Eltern. An sie hatte ich bisher noch gar nicht gedacht, wobei sie nach dem Kind die am meisten Betroffenen sind. Jenes lag mehrere Tage neben dem Weg, nicht nur Hunde müssen es wahrgenommen haben. Aber in Neukölln herrscht überall viel Unachtsamkeit und daher liegt sowieso viel herum.

Wenig achtsam war das Handeln der beiden Streifenbeamten, die ich zuerst ansprach. Ohne großes Interesse erledigten sie die Sache vorschnell, ohne genau zu prüfen, was ich da gefunden hatte. Erst die Kriminalbeamten erwiesen der Situation die angemessene Achtsamkeit, doch das war ja auch nicht mehr zu vermeiden.

Das Interesse, das mir danach vom Boulevard entgegenschlug war heftig, aber wiederum von einer ungeheuerlichen Unachtsamkeit geprägt. Für einige Stunden verdrängte mein Ärger über die Journalisten das eigentliche Geschehen. Kostbare Zeit, wie ich empfand, die ich doch so dringend brauchte, um die Angelegenheit für mich zu verarbeiten.


Hurra, hurra! Das Buch ist da!

Am Samstag habe ich offiziell mein Buch released. Es gibt hier eine Landingpage, die unterschiedliche Wege und Plattformen aufzeigt, an mein Buch zu kommen. Greift zu und ich freu mich über Feedback.

Am Samstag war dann auch Buchvorstellung für Crowdfunder/innen und Freund/innen und wir haben episch gefeiert. Danke an alle, die da waren. Ich hoffe, ihr hattet ebenso viel Spaß, wie ich.

Lesung
Foto: @feenzeit

Wenn man so ein großes Projekt macht, passieren auch Fehler. Der erste ist schon mal, dass die Printausgabe nicht rechtzeitig fertig wurde. Die ist erst am 15. – also Mittwoch – startklar und auch mir wird sie erst gegen Ende nächster Woche zugestellt. Dann muss ich die vielen Crowdfunder/innen-Exemplare noch alle signieren und die Special-Editions werden ebenfalls erst dann fertig gestellt. Das sollte – nein, das muss – übers Wochenende geschehen, denn ab Dienstag bin ich ja weg. Die Printexemplare sollten also irgendwann Anfang nächster Woche bei Euch ankommen …

Ein weiterer Fehler scheint sich bei den Danksagungen eingeschlichen zu haben. Es haben sich bereits mehrere Leute gemeldet, die dort auftauchen sollten, es aber nicht tun. Ich nehme an, dass ich da beim Hin- und Her-kopieren irgendeinen Fehler gemacht habe. Das tut mir wirklich sehr leid.

Ich verspreche aber, dass, wenn es zu einer zweiten Auflage kommt (wovon ich ausgehe), der Fehler behoben wird. Und alle, die versehentlich keine Erwähnung gefunden haben, bekommen dann noch mal eines der korrigierten Exemplare.

Danke noch mal für alles, Eure Geduld und Euren Support. Ich tue mein Möglichstes, dem gerecht zu werden.


Buch, Buch, Buch

Der Veröffentlichungstermin rückt immer näher, daher hier ein paar weitere Hinweise mein Buch betreffend.

  1. Heute endet die Frist für den Virenschleuderpreis. Leider komme ich mit meinen mickrigen 91 Likes nicht in die Shortlist, da kommen nämlich nur 10 Projekte drauf. Das wird verdammt eng (Hier die anderen Nominierten). Wenn ihr mich unterstützen wollt, folgt dem Link und klickt auf Like. Wenn ihr mich noch mehr unterstützen wollt, teilt den Artikel. Danke! :)

  2. Ich bin nächste Woche auf der Frankfurter Buchmesse und zwar Donnerstag und Freitag und ich habe noch einige Termine frei. Wer mich also treffen möchte, gerne um über mein Buch zu sprechen, bitte melden. Ansonsten sieht man mich am Donnerstag bei einer Diskussion zu Datenschutz und Big Data um 13:00 Uhr – Halle 3.1 F58, Messegelände.

  3. Ich habe auf ctrl-verlust mal eine kurz kommentierte Inhaltsangabe zum Buch verbloggt. Die hat sich nämlich noch ein paar mal gewandelt. Außerdem gibt es zum ersten mal öffentlich meine 10 Regeln zum neuen Spiel zu sehen.


Kontrollverlust is coming (Idee via @map)

So. Das Buch ist soeben in den Druck gegangen. Ich hab es kurz vorher noch mal gelesen. Ich finde es ist ein gutes Buch. Kann man kaufen. Und zwar ab dem 11. Oktober. Ich werde an dieser und anderen Stellen die nächsten Tage noch eine paar Dinge dazu schreiben. Aber jetzt bin ich erstmal etwas erschöpft.

Im Grunde war es etwa vor einem Jahr, als ich anfing meine Crowdfundingkampagne und überhaupt das ganze Konzept zu planen. Seitdem ich habe ich durchgearbeitet. Die Kampagne: Planung, Vorbereitung, Lizenz, Video, Texte, dann die Durchführung: Supportervideos, Pressearbeit, Interviews, Blogposts, etc. Und seit Februar bin ich am Schreiben. Ein halbes Jahr habe ich mir gegeben, knapp 7 Monate habe ich tatsächlich geschrieben. Ab und an unterbrochen von Konferenzen, Vorträgen und sonstigen Verpflichtungen. Die letzten drei bis vier Monate habe ich quasi durchgearbeitet, hatte nicht mal eine Hand voll freier Tage, und auch die Zahl der Tage, an denen ich weniger als 12 Stunden pro Tag gearbeitet habe ist nicht besonders hoch. Seit Mitte/Ende August Lektorat, Feinschliff, Formulierungen für Klappentext, etc.

Es war auch eine gute Zeit. Eine Zeit, in der ich jeden Tag aufwachte und einen Plan hatte. Sowas hatte ich lange nicht mehr, ich werde das bestimmt vermissen.

Derzeit gibt es aber noch keine richtige Verschnaufpause für mich. Ich muss die Releaseparty vorbereiten, die englischsprachige Auskopplung der 10 Regeln zum neuen Spiel ist bereits in der Mache, die Specialedition wird gerade bearbeitet, die große Buchverschickung an die Crowdfunder muss vorbereitet werden. Aber für danach habe ich einen Urlaub gebucht, einen langen Urlaub. Es geht nach Asien: Thailand, Hong Kong, Taiwan. Auch das will vorbereitet werden: Flüge, Impfungen, Kreditkarte besorgen, Auslandskrankenversicherung, Hotelbuchungen, etc. Am 21. Oktober geht’s los. Wenn nichts dazwischenkommt.


Schirrmacher – ein sehr persönlicher Nachruf

Es sind nur wenige Tode denkbar, die einen größeren Einschlag auf mich und den Dingen mit denen ich mich beschäftige, haben könnten, als der von Frank Schirrmacher.

Die Nachricht seines Todes erreicht mich mitten in einem Buchprojekt, das es ohne ihn nicht gäbe. Und das in zweifacher Hinsicht.

Zunächst basiert das Buch auf meinem Blog ctrl-verlust, dass ich 2009 auf Schirrmachers Initiative hin für die FAZ entwickelte. Es war von Anfang an auch eine Auseinandersetzung mit seinen Thesen aus “Payback”, seinem ersten Buch über das Internet und die Digitalisierung.

Zum Anderen war das Blog auch nach dem Bruch mit der FAZ und meinem Streit mit ihm getrieben von der Debatte, die er zusammen mit seinem Feuilleton unnachgiebig nach vorn peitschte.

Es ist eine Sache, zu wissen, dass jemand unrecht hat, eine andere ist es, das auch erklären zu können. Das Resultat ist meine Arbeit der letzten 4 Jahre. Schirrmacher war für mein Schaffen der produktive Unruhepol, der Taktgeber und der Endgegner, an dem man wächst.

Über sein letztes Buch, Ego, habe ich mich sehr geärgert und habe eine ausführliche und unerbittliche Rezension verfasst. Auch die Entwicklung des FAZ Feuilletons nahm ich ihm mehr und mehr übel. Ein “Ludditenkampfblatt”, wie ich es mal nannte. Zuletzt warf ich ihm vor, die NSA-Affäire aus reinem Eigennutz zur Anti-Google-Kampagne umzufunktionieren.

Ich habe nichts davon zurückzunehmen. In der Debatte waren wir Gegner und ich finde bis heute, dass er in vielem unrecht hatte, dass er einiges bis zu letzt nicht verstanden und so manches schlampig recherchiert hat.

Nein, es ist etwas anderes, was ich bereue.

Die letzte Mail von ihm erhielt ich im Juli 2011, über ein Jahr nach unserem Streit. Es war eine Reaktion auf diesen Artikel hier, bei dem es ironischer Weise unter anderem auch um den Tod ging. Er schrieb, dass er meine Gedanken interessant fand. Mehr nicht. Einer seiner berüchtigten Einzeiler. Ich bedankte mich und schrieb zurück, dass ich gerne mal wieder mit ihm gesprochen hätte, es aber zu seinem letzten Auftritt in Berlin nicht geschafft habe. Darauf bekam ich keine Antwort.

Aber das hätte ich wirklich. Ich hätte wirklich gerne noch einmal mit ihm geredet und dann hätte ich mich bei ihm entschuldigt. Wenn ich mir die Mails von unserem Streit von 2010 noch mal anschaue, erschrecke ich vor mir selbst. Ich war furchtbar aggressiv zu ihm und zwar völlig zu unrecht. Ich war ja eigentlich im Streit mit der FAZ-Redaktion – Schirrmacher hatte sich nur schlichtend eingeschaltet, versuchte mir gut zuzureden – und hat es dann voll abbekommen. Das tut mir leid, das war nicht fair von mir. Das hätte ich ihm gerne noch gesagt. Jetzt ist es zu spät dafür und ich mache mir deswegen ein wenig Vorwürfe.

Schirrmacher war so zentral für mein Leben, dass ich gar nicht so richtig weiß, wie es mit mir jetzt weitergehen soll. Er war der Taktgeber der Debatte, die mein Zuhause geworden ist. Er war die Initialzündung zu dem, was ich heute bin. Ich weiß aus verschiedenen Quellen, dass er ein sehr genaues Auge darauf hatte, was ich tat. Ich hoffte auch beim Schreiben meines Buches auf seine Leserschaft und es bringt mich ziemlich aus dem Tritt zu wissen, dass er es niemals lesen wird.

Allzu sentimental werden steht mir aber nicht zu. Schirrmacher und ich waren keine Freunde. Aber ich weiß auch, dass er mich bis zuletzt mochte und das ging mir umgekehrt ebenso. Obwohl wir uns inhaltlich immer weiter auseinander entwickelten, hielt ich sehr viel von ihm. (Ich war meist weniger sauer auf ihn, sondern eher darauf, dass er damit durchkam.)

Ich kann den vielen Nachrufen nur zustimmen: Es hatte etwas ungeheuer inspirierendes mit ihm zu diskutieren. Ich hatte immer großen Respekt vor seiner Intelligenz und Sympathie für viele seiner Thesen und Texte. Wenn es drauf ankam, stand er meist auf der richtigen Seite: beim Historikerstreit, bei der Walser/Bubis-Debatte, bei Günther Grass. Was für ein großartiger Text über Grass’ strunzdummes Gedicht!

Ich bin sehr traurig über seinen plötzlichen Tod. Es ist ein großer Verlust. Ohne ihn wird alles langweiliger.

[Ansonsten kann ich vielem zustimmen, was Christoph Kappes über ihn schreibt.]


Happy Snowden Euch allen!

Ein Jahr Snowden. Und die Stimmung ist so lala. Das muss nicht sein. Sie könnte richtig mies sein. So wie meine. Vielleicht kommt das ja noch, wenn ihr meine zwei Beiträge dazu lest:

Ich wurde von Collaboratory zu meiner Einschätzung gefragt, was sich seit diesem Snowdenjahr verändert hat:

Das Jahr nach Snowden war vor allem eine große Desillusionierung. Der Staat und die ihn steuernde institutionalisierte Politik wurden als schlechte Inszenierungen hilfloser Zyniker entlarft. Ich hatte nie mit viel gerechnet, aber so brachial hätte ich mir den Offenbarungseid der Politik nicht vorgestellt.

Wir müssen heute erkennen: Bürger- und Freiheitsrechte waren nie das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. Das ganze Gerede vom staatlichen Datenschutz kann im Nachhinein nur noch als Witz verstanden werden. Ich kann die Politik nicht mehr ernst nehmen und wenn doch, dann nur als Gefahr. Der BND sieht das alles als Machbarkeitsstudie und die Regierung will immer noch ihre Vorratsdatenspeicherung. Sie sind Adressat für alle, die jetzt mithilfe der Snowdenleaks ihre Interessen gegen das Internet durchsetzen wollen, aber in den Entscheidenden Fragen: Zähmung und Transparenz der Geheimdienste, Asyl für Edward Snowden, Aufklärung der NSA-GCHQ-BND-Aktivitäten – gibt es nur Totalausfall.

Ansonsten tut man, was man kann: Ich habe verschiedene verschlüsselte Kanäle eingerichtet und betrachte das in Zeiten wie diesen, als einen Akt der Gastfreundschaft. Auch wenn ich weiß, dass es nicht viel hilft. Wir können nur alle hoffen, dass die Geheimdienste ihre Macht nicht eines Tages im großen Maßstab ausnutzen.

Und dann wollte Politik-Digital noch wissen, wie wir wohl in 10 Jahren auf diese ganze Snowdensache blicken werden:

2001 kam heraus, dass die NSA alle Telefonate und Datenverbindungen zumindest in Europa abhört. Das damalige Programm, das enthüllt wurde, hieß Echolon. Die EU-Kommision strengte eine Untersuchung an. Der Skandal wurde aber bald vom 11. September überschattet. Menschen vergessen schnell.

Wenn ich mich also frage, was in zehn Jahren von den Snowden-Enthüllungen übrig geblieben sein wird, bin ich skeptisch. Vermutlich ein paar nette Filme von Oliver Stone und Sony Pictures (die Filmrechte wurden gerade verkauft). Ansonsten wird sich die Überwachungsintensität auch die nächsten zehn Jahre vor allem an Moores Law orientieren, also eine Verdopplung alle zwei Jahre. Fünf Verdoppelungen sind eine Menge, das merkt man auch an der Relation zwischen Echolon und den Snowden-Enthüllungen. Da geht noch einiges: Immer mehr Lebensbereiche wandern ins Internet: Unsere Haushalte, der Straßenverkehr, Energieversorgung, Kommunikation wird immer unmittelbarer. Vielleicht scannen sie in zehn Jahren schon unsere Hirne, wer weiß. Es würde mich nicht wundern, wenn wir 2023 erneut aus allen Wolken fallen, wenn wieder eine neue Geheimdienst-Enthüllung ans Tageslicht kommt.

Auf ein weiteres, erfolgreiches Snowdenjahr!


Wie aus der Spähaffäre so langsam eine Googleaffäre wird

Es ist wahrscheinlich der größte und dreisteste Spin diesen Jahrhunderts, der da gerade vor unseren Augen stattfindet. Vergleichbar nur mit dem Spin, der zum Irakkrieg führte. Zumindest in Deutschland. Zumindest, wenn er glückt. Und danach sieht es aus.

Der Untersuchungsausschuß zur Spähaffaire lädt nun also die Chefs der großen Internetkonzerne vor. Eric Schmidt, Mark Zuckerberg, etc. Sie sollen jetzt helfen die Machenschaffen der NSA aufzuklären. Aha.

Zur Erinnerung: es ist eben jener Untersuchungsausschuß, der sich weigert, Edward Snowden nach Deutschland einzuladen und zu befragen. Also derjenige, von dem wir all die Informationen haben, die wir haben. Stattdessen also jetzt Zuckerberg und Co.

Wer sich aber darüber wundert hat nicht aufgepasst. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat in der FAZ diese Linie bereits vorgegeben. In einem großen, programmatischen Debattenbeitrag lobt er die FAZ für ihre publizistischen Bemühungen der letzten Zeit und macht klar, dass sie seine politische Digital-Agenda entscheidend mitgeprägt hat. Der Artikel ist online überschrieben mit “Konsequenzen aus der Googledebatte” und hält was er verspricht: eine Ankündigung jetzt endlich was zu tun. Gegen Google.

Ebenso laut wie die Kampfrhetorik gegen Google schreit uns das an, was im Artikel keine Erwähnung findet: Die NSA. Der GCHQ. Oder Gott bewahre: der BND.

Dieser Spin der Debatte – weg von der Verantwortung der Geheimdienste, hin zur Dämonisierung der Internetkonzerne – war von der FAZ lange vorbereitet worden. Kein Artikel über den Spähskandal, der nicht von der Totalüberwachung durch “Geheimdienste und Internetunternehmen” sprach. Kein Artikel über die Snowdenleaks, der ohne einen Seitenhieb auf Google oder Facebook auskam. Monatelang wurde versucht zu suggerieren, dass die Verantwortung des Spähskandals zumindest mit bei den Bösen Datenkapitalisten liege. Ja, dass im Grunde genau dort das eigentliche Problem liege: bei datensammelnden Unternehmen.

Zuletzt dann die endgültige Konzentration der Kampagne auf Google, in dessen Höhepunkt Spingerchef Matthias Döpfner einen wirklich erhellend ehrlichen Artikel beisteuern durfte, in dem er klar macht, worum es wirklich geht: Die unliebsame Abhängigkeit von Google und die eigenen wegschwimmenden Werbeerlös-Felle. Das ist nicht neu, das Wehklagen kennen wir aus dem Leistungsschutzrecht. Und das ist genau die Richtung, in die der Hase läuft.

Wir erinnern uns. Mit einem Trommelfeuer aus Unaufrichtigkeit und Eigenpropaganda war es den Presseverlagen gelungen, gegen die ausdrückliche Meinung aller Experten ihr Leistungsschutzrecht durchzusetzen. Doch das Ergebnis lässt zu wünschen übrig: Es bringt vor allem Rechtsunsicherheit für alle, die im Internet publizieren, aber den Verlagen bislang keinen Cent. Warum auch? Nur weil die Verlage ihre Snipplets jetzt theoretisch bepreisen dürfen, müssen Google und Facebook den Deal ja noch lange nicht eingehen. Zur Not werden die Presseangebote eben ausgelistet.

Und eben das soll sich ändern, wie Marcel Weiß analysiert. Im Koalitionsvertrag ist es schon angedeutet: Suchmaschinen sollen gesetzlich dazu gezwungen werden, jeden Deal eingehen zu müssen, den die Verlage für ihre Snipplets vorgeben.

Das Kettenrasseln mit der eh völlig unrealistische Forderung von der “Zerschlagung Googles”, ist nur die Maximalforderung, die zum Endergebnis Indexierungszwangs runtergehandelt werden soll.

Puh. Ganz schön krasser Bogen, so von Spähaffäre bis Listungszwang, wa? Und da machen die Politiker mit?

Aber mit Vergnügen! Denen ist die ganze Spähaffäre und der zugehörige Untersuchungsausschuß dreierlei: Unangenehm, peinlich und gefährlich. Unangenehm: es ist eigentlich nichts passiert, was die Regierung nicht eigentlich gut heißen würde (wenn da nicht der öffentliche Druck da wäre), peinlich: es belastet die Beziehungen mit den USA und den tollen Partnerschaften vor allem auf Geheimdienstebene und gefährlich: die eigenen Machenschaften des BND und Co. könnten dabei ebenfalls ins Tageslicht kommen und an so manchem Stuhl rütteln. (Wozu sicher eh noch die ein oder andere Bombe in den Snowden-Dokumenten steckt.)

Die Politiker sind sehr dankbar für diesen Spin. Sie dürfen sich gegen das böse, böse Google profilieren, ohne Gefahr zu laufen, dass ihre Mitschuld an der Massenüberwachung überhaupt thematisiert wird und die Presseverlage bekommen ihre Gelddrucklizenz. Eine absolute Win-Win-Situation zwischen Politik und Presseverlagen.

NSA? GCHQ? BND? Nie gehört.

Sascha Lobo hat in seiner letzten Kolumne sehr richtig davor gewarnt, dass die wirren Verschwörunstheretiker der Montagsdemo-Loonies versuchen den Überwachungsskandal in ihr antiamerikanisches Narrativ zu zwängen. So sehr ich ihm dabei zustimme, fände ich es gut, wenn er seine Mitverantwortung in dem aktuellen, nicht viel weniger schlimmen und politisch viel erfolgreicheren Spin einmal kritisch hinterfragen würde. Er hat zwar in seinem re:publica Talk angekündigt, dass er sich von nun an raushalten will, wenn in den Medien über Google und Co. wieder Dünnsinn geschrieben wird. Aber andererseits ist Google gerade genau jener bunte Pudel, auf den sich auch die Politik stürzt, um den Tyrannosaurus Rex auf Speed umso lauter ignorieren zu können. Und seine beiden Artikel in der FAZ haben einen guten Teil zu diesem Spin beitragen.

Man muss an dieser Stelle vielleicht zugeben, dass der Spin sehr geschickt gewählt ist, denn er ist gerade in Deutschland sehr anschlussfähig. So anschlussfähig, dass selbst die halbe Netzgemeinde kaum bemerkt, wie ihr ihre eigenen Narrative in einer hegemonialen Reaktualisuerung aufgetischt werden, wie Kathrin Ganz treffend bemerkt.

Dass die FAZ seit Snowden ihre Kampagnen für SchlandNet, Internetregulierung und Leistungsschutzrecht derart offen vorantreiben kann und aus der Netzszene nicht nur kaum Widerspruch, sondern sogar teilweise Unterstützung kommt, ist das eigentlich traurige an dieser Angelegenheit. Es scheint, als seien uns alle Maßstäbe und jedes kritische Denken verloren gegangen. Snowden ist der elfte September der Netzgemeinde und wir sehen zu, wie uns Schirrmacher und Gabriel in den falschen Krieg schicken.

Am Ende wird die Überwachung bleiben, aber die konservativen Beharrungskräfte haben erfolgreich ihre Agenda durchgesetzt. Was bleibt, ist ein ausgeblichener Hahnenkamm.


Buchupdate II

Ich wollte schon viel, viel länger ein Update zum Buch schreiben, aber wie das so ist: erst kommt man ganz lange nicht dazu, dann wird das verzögert. Und dann ist man auf Reisen. Aber jetzt also:

Erstens: Das wichtigste zu erst: Ich habe letzte Woche einen Buchvertrag bei Orange Press unterschrieben (hier die Ankündigung). Das hat auch die Verzögerung verursacht. Nicht gerade leicht den ganzen Wust an Bedingungen, die ich aufgrund der Crouwdfunding-Versprechen ausgehandelt habe in einen richtigen Vertrag zu gießen. Aber am Ende ging aber alles gut. Alle meine Forderungen (und damit die Ansprüche der mich unterstützenden Community) sind jetzt unter Dach und Fach. (Es sei denn, ich hab was übersehen … was ich nicht hoffe.) Vielen Dank auch an meinen Agenten, Oliver Brauer, der in meinem Namen das alles verhandelt hat.

Es gab im Vorfeld eine Sondierungsphase mit einigen Verlagen, die Interesse bekundeten. Am Ende lagen 3 Angebote vor und ich habe mich für Orange Press entschieden. Einerseits komme ich mit der Verlegerin Undine Löhfelm super zurecht (sie hat ein tiefes Verständnis für die Dringlichkeit der Materie), andererseits mag ich das publizistische Umfeld und denke ich passe da gut rein. Das Angebot war auch gut, in Anbetracht all der Forderungen, die ich unterzubringen hatte (die freie Lizenz, keine E-Bookrechte, Kooperation mit iRights Media, die vielen Crowdfunder-Exemplare, englische Vorabveröffentlichung der Auskopplung bei networked notebooks, etc.).

Dafür konnte ich dann nicht den großen Vorschuss einkassieren, den ich bei Startnext zum Klicken angeboten habe (ich bekomme nun 1000 statt 5000 Euro), dafür hab ich für den Buchmarkt ganz gute Prozente (10% und ab 2000 Stück 15%) bekommen. Das Ebook wird iRights Media produzieren und vertreiben und stellt mit Valie Djordjevic auch ein sehr kompetentes Lektorat.

Ich bin jedenfalls zufrieden mit der aktuellen Situation, auch wenn sie recht komplex ist.

Zweitens: Technisches: Schlechte Nachrichten: Der Plan, das Buch in Git, mit Markdown und im Editor zu schreiben, wurde von der Realität leider zerschlagen. Vor allem in der Zusammenarbeit hat sich das als zu großes Hindernis erwiesen. Nicht nur, dass wir daran scheiterten, Git auf einem veralteten Mac OSX zu installieren, auch die Lernbarriere ist sehr hoch, wenn man aus der Office-Welt kommt. Zudem fehlen wirklich sinnvolle Dinge wie Kommentare im Text, die nach Nutzer gekennzeichnet sind, etc. Gut, wir hätten so Sperenzchen machen können, wie “jede Änderung ein kommentierter Commit”, aber das ist das auch sehr fummelig und kaum zumutbar.

Wir suchten also nach handhabbareren Lösungen und probierten drei, vier kollaborative Tools gemeinsam aus. Am Ende landeten wir dann aber doch bei Google Docs, denn es ist das einzige Tool, dass alle von uns definierten Must-Haves integriert: 1. Kollaborativ 2. Offline Editieren möglich. 3. Versionskontrolle. (Geht seit neustem via Plugins.)

Tja, so ist das: ich schreibe jetzt in Google Docs weiter. Hatte mir das auch anders vorgestellt, aber wird schon klappen.

Drittens: Organisatorisches: Da hab ich letztens was zu in einem Interview zu erzählt. Ich zitiere::

Die Umsetzung sieht so aus, dass ich mir von dem Crowdsourcinggeld jeden Monat 1000 Euro auf mein normales Konto überweise und davon lebe. Ich habe mich mit einem Schreibtisch in ein Büro in Neukölln eingemietet. Hier sitze ich so gut wie jeden Tag (auch am Wochenende) und arbeite an dem Buch. Ich hatte zwar noch einigen Investitionsstau, der aufgelöst werden musste (und ein paar Posten habe ich noch) aber im Großen und Ganzen verwende ich das Geld ausschließlich für Lebenshaltungskosten. Die konkreten Zusatzkosten für die Produktion des Buches, die Freiexemplare, die Kosten für die Releaseparty, die Produktion des Hörbuchs und der englischen Vorabveröffentlichung, sowie ein bisschen was für die Steuer muss ich allerdings zurückbehalten. Ich kann noch nicht genau sagen, wie groß diese Summe sein wird, deswegen versuche ich vorsichtig zu sein mit dem Geldausgeben.

Viertens: Fortschritt: Ich bin aus vielen Gründen die letzten Wochen nicht zum Schreiben gekommen. Erst war ich eine Woche Krank, dann war re:publica und letzte Woche hatte ich einen Vortrag und Blockseminar an der Uni Köln (Jaja, ich bin jetzt Dozent!). Ich hoffe, dass ich trotz allem wie geplant bis Ende Juli fertig werde.

Ich habe jetzt etwa ein drittel des Buches. Zwei Kapitel komplett, ein drittes zur Hälfte. Das ich diesen Stand “ein Drittel” nenne, liegt zum einen daran, dass ich gemeinsam mit Verlegerin und Lektorin die Kapitelstruktur stark überarbeitet habe. Es ist jetzt alles etwas straffer und stringenter und ich glaube dennoch, dass ich mein ganzes Themenspektrum unter bekomme. (Es ist dann doch mehr, als ich dachte.) Zum anderen werden die ersten Kapitel um einiges länger, als ich geplant hatte (Ich bin schon bei über 100.000 Zeichen!!).

Hier die aktualisierte Kapitelstruktur:

Teil I: Kontrollverlust

Die drei Treiber des Kontrollverlusts

  • Was ist der Kontrollverlust?
  • Es gibt kein analoges Leben im Digitalen
  • Streisand und ihre Schwestern
  • Die Krankenakte des Tutenchammun

Das Ende der Ordnung

  • Aufschreibesystem U
  • Digital und Signal Rauschen
  • Die Emanzipation der Query
  • Queryology

Die Krise der Institutionen

  • Disruptionen
  • Kontrollrevolution
  • Weltkontrollverlust

Aufstieg der Plattformen

  • Query und Plattform
  • Die Ökonomie und Ökologie der Plattform
  • Eigentum, Sex, Cloud
  • Regulierung und Schließung

Teil II. Das Neue Spiel

10 Regeln im neuen Spiel

  • Man kann das Spiel nicht gegen den Kontrollverlust spielen.
  • Macht hat, wer die Plattform kontrolliert
  • Wissen ist, die richtige Frage zu stellen.

Was tun als …?

  • Politik?
  • Staat?
  • Gesundheitssystem
  • Wirtschaft?
  • politischer Aktivist?
  • Privatmensch?

Nach dem Kontrollverlust

  • Geht der Kontrollverlust vorbei?
  • Digitaler Feudalismus
  • Ein Tag im Jahr 2025
  • Gesellschaftliche Singularität

Man sieht, es ist um einiges straffer und fokussierter geworden, besondern im zweiten Teil. Ich denke trotzdem nicht, dass ich inhaltliche Abstriche machen muss. Alle geplanten Inhalte haben voraussichtlich ihren Platz gefunden. Das meiste davon wird sich im Kapitel über die 10 Regeln im neuen Spiel konzentrieren. (Welche Regeln das sind, wird noch nicht verraten.) Es kann aber auch sein, dass sich da noch einiges ändert.

Fazit: Es ist also alles recht knapp aber noch im grünen Bereich. Bis auf die Tatsache, dass ich vermutlich keinen Sommer haben werde. Juni und Juli werden die entscheidenden Monate und ich werde mich tief eingraben müssen. Und das bei dem geilen Wetter. Urgs.


Irakkrieg – der Film

Endlich ist es soweit, die Ereignisse rund um den letzten Irak-Krieg werden verfilmt. Beachtlich ist vor allem das Staraufgebot in den Hauptrollen.

Wir haben da Frank Schirrmacher in der Rolle des George W. Bush. Er ist seit vielen Jahren verfeindet mit dem Schurken aller Schurkenstaaten Saddam Hussein (gespielt von Eric Schmidt). George W. Bush setzt alles daran, Hussein als menschenschlachtendes Monster darzustellen und einen Krieg gegen ihn zu provozieren.

Unterstützt wird er dabei von Dick Cheney (gespielt von Mathias Döpfner). Zusammen schmieden sie Pläne, wie sie den verhassten Diktator endlich loswerden und ganz nebenbei an das viele Öl (gespielt von Werbeeinnahmen) in seinem Land (Google) rankommen. Bisherige Versuche (Leistungsschutzrecht) waren nur so mittelerfolgreich. Am liebsten würden sie einfach einmarschieren. Aber ihnen fehlt der Grund.

Dann die “glückliche” (ähh) Fügung. Die Al Qaida (gespielt von der NSA und dem GCHQ) crasht mit zwei Flugzeugen in das World Trade Center (das Internet in seiner Paraderolle). Die Welt ist geschockt. Und getroffen.

Es braucht ein wenig Zeit, bis Bush und Cheney ihre Chance begreifen. Doch dann geht es los. Wochenlange Kampagne in der FAZ … äh, in den amerikanischen Massenmedien, die die Anschläge mit waffenrasselnden Worten verurteilt und dabei immer wieder versucht, eine Mitverantwortung von Hussein herbei zu konstruieren, ja, sogar ihn als den eigentlichen Urheber der Anschläge zu darzustellen.

Doch Bush und Cheney treffen international auf Skepsis, haben sie doch keinerlei Beweise für ihre Behauptungen. Sie laden zwar Exiliraker als Zeugen vor (hauptsächlich gespielt von Evgeny Morozov), die alle in ihrem Sinne aussagen (getötete Kinder aus Brutkästen, etc.), aber die Skepsis bleibt: Keine Beweise. Mist! Zwar haben sie die amerikanische Bevölkerung in der Hand, die tief getroffen dadurch, dass sie in ihrem Homeland (Internet) angegriffen wurde, noch völlig traumatisiert ist. In ihrem Schmerz (“tiefe Kränkung!”) hat sie jeden Sinn für Rationalität und kritischem Denken – ja sogar ihre Ideale verloren (etwas overactet von Sascha Lobo).

Doch nun haben sie einen neuen Verbündeten gefunden, der ebenfalls Hussein nicht so leiden kann, vor allem aber vom Glanz des Bush und Cheney abhängig ist: Tony Blair (gespielt von Sigmar Gabriel), der Premierminister des vereinigten Königreichs (SPD). Er hat sich nun also bereit erklärt, zusammen mit den beiden Buddys in den Krieg zu ziehen.

Das Propagandasperrfeuer zielt natürlich auf den UN-Sicherheitsrat (gespielt von der EU-Wettbewerbskommission). Es ist sehr fraglich, ob sie der Behauptung über die versteckten Massenvernichtungswaffen folgen wird: (Google nutze seine marktbeherrschende Stellung aus). Die Suche läuft auf Hochtouren. Und ziemlich sicher ist ebenfalls, dass der Krieg nicht im Sinne der Kriegstreiber ausgehen wird, sondern die Welt nur schlechter machen wird. Und vor allem dümmer.

Einzige Kritik: Schirrmacher und Döpfner wirken doch etwas mickrig in ihrer Rolle als Supermacht. Man nimmt ihnen irgendwie nicht ab, dass sie auch ohne UN-Mandat in den Irak einmarschieren könnten. Aber da das ganze als Komödie angelegt ist, kann man das auch als ironischen Seitenhieb verstehen.