Mit 473.000.000 Einträgen bei Google liegt das Suchwort „love“ deutlich vor „sex“ mit nur 212.000.000 Einträgen. Gratulation!
Weitere Wettkämpfe lassen sich hier austragen.
„Zuhause ist, wo das Kaffeewasser kocht und ein PC summt.“ einszwo
Ich bin ja immer neidisch, wenn ich bei Don die Artikel über seine Heimatstadt München lese. Er kennt seine Stadt in und auswendig, kennt ihre Stimmungen, ihre Masken, ihre schönen und ihre hässlichen Seiten. Und in jedem der Sätze, vor allem auch in den kritischen, spricht sich eine unnachahmliche Liebe aus, die man nur für das empfinden kann, was allgemein als „Heimat“ firmiert.
Und dann merke ich, dass ich noch keine einzige Zeile über Hamburg verloren habe. Vielleicht liegt es daran, dass ich so selten herauskomme aus meiner Butze. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich hier noch nicht so richtig angekommen bin, obwohl ich schon fast ein Jahr hier wohne. Angekommen bin ich ja mit dem Vorsatz, hier meine Magisterarbeit zu schreiben und so ließ ich mir wenig Zeit mich tatsächlich auf die Stadt einzulassen. Nein, ich mag diese Stadt, ich mag die Art, ich mag das Flair und alles. Vielleicht bin ich sogar ein wenig verliebt aber von echter Liebe kann man noch nicht sprechen.
Vielleicht sollte ich deswegen lieber über Lüneburg schreiben, denn dies war meine Heimat für lange Zeit, sechs Jahre lang. Dort hatte ich dieses Gefühl, diese Hassliebe, die man empfindet, die sich über die Jahre bildet in den Auf und Abs, den Liebesschwüren und dem Hadern, den Überraschungen und den Krisen.
Doch diese Zeit ist vorbei, definitiv vorbei, wie ich immer merke, wenn ich dort bin. Ich empfinde nicht mehr diese Hassliebe zu dieser Stadt, sondern etwas anderes. Denn dieses Empfinden ist immer auch eine Selbstwahrnehmung und so wird mir bewusst, dass ich damals wohl oft mich selber gehasst oder geliebt hatte immer dann, wenn ich dachte, dass es um die Stadt ginge. Denn es ist unmöglich die Heimat zu betrachten, ohne sich selbst zu betrachten, und es ist vielleicht auch unmöglich sich selbst zu betrachten, ohne die Heimat zu betrachten.
Der Blick auf diese Stadt ist also ein anderer geworden, weil nicht mehr ich es bin, der sich in ihr widerspiegelt, sondern ein anderes ich, eines, dass nur noch in den Erinnerungen lebt. Meine Besuche in Lüneburg sind dadurch eher Konfrontationen mit meiner Vergangenheit, als mit mir selbst. Diese Distanziertheit ermöglicht es mir aber auch Lüneburg auf eine andere Weise zu erfahren, vielleicht sogar auf eine angenehmere Weise, denn ich kann es genießen, ohne mich ständig mit mir selbst beschäftigen zu müssen.
Diese Rolle, die ich dort einnehme, ist eine andere, aber eine, die jeder kennt und schon mal eingenommen hat: Es ist die Rolle des Besuchers, des Fremden, vielleicht sogar des Touristen. Und auch wenn es noch viele Leute dort gibt, die ich nicht ohne Stolz meine Freunde nenne, ist auch mein Verhältnis zu ihnen eine anderes geworden. Merken tue ich es in den Gesprächen, die untereinander geführt werden über das, was in Lüneburg so geht, was gar nicht geht, was geplant ist und wie was einzuschätzen ist. Es sind die Themen, bei denen ich nicht mehr mitreden kann und die für mich auch nicht mehr von Belang sind. An ihnen merkt man diese Distanz am stärksten. Der ganz normale Alltagstrott ist es, der einem vor Augen führt, wie das Leben dort auch ohne einen weitergegangen ist und ständig weitergeht. Und an dieser Stelle kommt dann unwillkürlich dieses Gefühl des Sich-außerhalb-befindens.
Diese Selbsterkenntnis des Besucher-seins in der ehemaligen Heimat deutet in seiner Negation aber eben das an, was immer als „Heimat“ deklariert wird. Es zeigt mir, dass es nicht der geografische Ort ist, an dem ich mich befinde, kein x und kein y auf einem Koordinatensystem, kein Lüneburger Eingangsschild aber auch keine Fahrt über die Elbrücken nach Hamburg. Es sind auch nicht die Leute, die mir ja durchaus noch vertraut sind, vertrauter noch als an allen anderen Orten, die mir doch eigentlich dieses Gefühl des Zu-Hause-seins vermitteln müssten.
Nein, denn Heimat ist ein Prozess und keine feststehende Entität. Es ist der lebendige Diskurs über einen Ort und über eine Gruppe, die von der Gruppe an dem Ort geführt wird. Es ist das ständige Reden über die kleinen und die großen Dinge des Lebens im hier und jetzt, über die Grenzen dieses Diskurses und vor allem über sich selbst als ein Teil davon. Heimat ist kein Ort sondern eine ständige Verortung, die als Metatext in den Alltagsgesprächen ständig mitgeführt wird. Und in den Gesprächen über Mensaessen, Partys, Busverbindungen, Stimmungen und Beziehungen wird immer wieder aufs Neue festgelegt, was das eigentlich ist: Heimat.
Und klar, dieses Blog ist zum Teil auch Kompensation für diesen Diskurs, denn auch dies ist ein Ort oder es wird hier ein Ort konstituiert. Man kann dies sehr deutlich ablesen an diesen Diskussionen über Klein Bloggersdorf, die Blogsphere und ähnliches. Und auch wenn es (vor allem in Blogs) immer wieder kritisiert wird, wie selbstreferenziell dieses ganze Blogdings ist, sollte man nicht vergessen, dass es ohne diese Selbstreferenzialität dieses Blogdings gar nicht gäbe. Denn die Verortung der Heimat kann nur eine Verheimatung des Ortes sein, die ein jeder betreibt, notwendig betreibt, vielleicht an verschieden Orten gleichzeitig. Und heraus kommt dann tatsächlich die Heimat oder die Heimaten als eine Art selffullfilling prophecy, was aber nicht gleichbedeutend ist mit einer Illusion oder einem sonst wie intelligiblem Ideal, sondern als ein Akt der Bekräftigung, der einen Zaunpfahl in den Boden rammt, eine Flagge hisst und einen Claim absteckt oder einfach nur das Kaffeewasser aufsetzt.
Ich habe mich dazu entschlossen hier immer dann, wenn mir nichts Gescheites einfallen will, einfach einen netten Reim von einszwo zu rezitieren und zwar
„weil ich kein Bock habe,
n Reim zu suchen auf Schreibblockade.„
Manche Dinge tun einfach weh und jeder hat so seine Strategien entwickelt damit umzugehen. Oder auch nicht. Denn manche Strategien bestehen einfach darin, diese Situationen zu umgehen, ihnen zu entfliehen, sie von sich zu weisen, wo immer man ihnen begegnet.
Und dann, eines Tages, wird das zum Problem. Dann nämlich, wenn man merkt, dass aus der eigenen Flucht vor dem Schmerz eine Unfähigkeit geworden ist mit ihm umzugehen. Dann wenn man dieser Situation ausgeliefert ist und alle Fluchwege versperrt sind und man sich ihm stellen muss, dem Schmerz. Dann wünscht man sich es wieder zu können. Abschied nehmen, meine ich.
Viel Glück in Spanien, Christian.
Einen gescheiterten Existentialisten hat es nie gegeben.
geplant sind folgende Artikel:
Als ich noch mit hannoverschem Grünspan hinter den Ohren nach Lüneburg taumelte, um dort mein Studium zu beginnen, bildete ich mir ein, dieser Ortwechsel, als vorübergehende Notwendigkeit, würde mich als Person oder gar als Persönlichkeit unangetastet lassen. Ich bildete mir ein, dass ich doch jedes Wochenende nach Hause fahren würde und dort mit meinen alten Kumpels herumhängen würde. Ich dachte eben, ich sei ich und ich bliebe ich, egal was dort in Lüneburg so gespielt wird. Nun denn, das ist viele Jahre her und es hat nicht geklappt, muss ich zugeben. Ich bin ein anderer geworden, jemand den ich mir damals wohl schwer hätte vorstellen können.
Bei der Rekapitulation dieses früheren ich’s, an das ich mich nur schwerlich erinnern kann, fällt heute manchem lüneburger Freund nicht ohne ein Schmunzeln ein, wie ich damals das Wort „Alter“ an so ziemlich alle meine Sätze zu hängen pflegte. Ich weiß nicht, ob dieser spezielle Slang mehr meinem damaligen Alter oder doch eher einem spezifisch hannoverschen Idiom geschuldet ist. Es spielt auch eigentlich keine große Rolle, denn es wurde bald erfolgreich abgelegt, wie so vieles, denke ich, vieles was meine Sprache ausmachte, vieles was mir heute aber nicht mehr in den Sinn kommt, vielleicht weil es nicht so auffällig war wie dieses „Alter“. Man kann vermuten, dass ich dieses pupertäre Idiom einfach ablegte, mich entschälte, aus meiner alten Sprache einfach hinauswuchs, erwachsen wurde oder so ähnlich. Ja, vielleicht kann man vermuten, dass ich das jetzt bin, „erwachsen“, zumindest sollte ich es nun sein mit meinen 28 Lenzen, sollte so langsam meine Sprache gefunden haben, eine die ich ohne weiteres die meinige nennen kann. Ja, man könnte durchaus so denken, wenn man nicht andauernd das Gegenteil bewiesen bekäme.
Wovon ich hier spreche, ist eben die Sprache des Anderen als das Gesetz des Anderen. Sie überkommt einen, ohne Vorwarnung sucht sie einen Heim, sobald man in irgend eine Gruppe jedweder Art eintritt oder eintreten möchte, sobald diese unsichtbare Grenze überschritten werden soll, die allenthalben gegenwärtig ist. Diese Grenze ist als solche durchaus wörtlich zu verstehen und nicht immer ist sie unsichtbar, die Grenzposten sind häufig ganz real und immer wird man sich auf ein Gesetz verpflichten müssen, sein Schibboleth entrichten müssen, einen Vertrag signieren müssen und immer wird man dabei seine Sprache verlieren. Ob Frankreich, Rumänien, Hannover, Lüneburg, Kindheit, Erwachsenenwelt oder eben Blogsphere, der Mechanismus des Gesetzes funktioniert überall gleich. Aber meistens, und das ist das was so erschaudern lässt, ist diese Grenze eben unsichtbar, immer hat man den Schritt schon getan, immer hat man den Vertrag schon signiert, die Sprache des anderen empfangen und zwar als Gesetz empfangen. Deshalb ist es auch unmöglich diese Grenze genau zu bestimmen, den Grenzverlauf abzustecken, denn und das ist wichtig, man ist immer auch Teil dieser Grenze, denn diese Signatur, die man leistet, ist nicht zu verstehen, als eine bloße Unterwerfung. Nein, das Hinzufügen der eigenen und einzigartigen Signatur, zum Vertrag, wohnt auch immer ein weiteres performatives Element inne, das den Vertrag verändert und ihn erweitert. Die eigene Signatur wird selber zum Teil des Gesetzes und schwebt somit selber über allem und bildet erst die Grenze, ja sie macht mich soagar selbst zu einem ihrer Grenzwächter. Dies ist wiederum ein Prozess, wie man ihn überall beobachten kann, wie ihn vor allem diejenigen erlebt haben, die groß tönend auszogen das „System“ von innen her zu verändern, so etwa wie die Grünen auf der Regierungsbank. Ja, einerseits haben sie das System geändert, aber andererseits und vor allem haben sie sich selbst geändert. Sie haben Verträge unterschrieben, die sie lange verteufelt haben, sie sprechen heute eine Sprache, über die sie sich noch in der Opposition laut echauffierten. Man kann hier leicht von Korruption sprechen und ja, vielleicht ist das sogar eine Form von Korruption. Aber wenn es das ist, dann ist niemand von uns frei davon.
Wie dem auch sei; ich als nunmehr korrumpierter Grenzwächter eines Systems, dass ich bewusst oder unbewusst beschlossen hatte zu betreten, las dann nun folgenden Kommentar, hier nur ein kurzer Auszug:
Dass „Veränderungen der Öffentlichkeit Teil der KoWi“ sind ist schön, endlich mal ein klar umgrenzter Untersuchungsgegenstand, der in den meisten mir bekannten Fachbereichen als Thema einer Diss oder Habilitation zu Kopf schütteln führen würde. Öffentlichkeit ist ja ein ähnlich offener Untersuchungsgegenstand wie Intelligenz, Wissen, Information oder gar Kommunikation. Da hat man über Jahrzehnte sichere Einnahmen aus Gütersloh und vom BMBF.
[…]
Ist nicht am Ende der Untersuchungsgegenstand Blog nur ein Vehikel, um in diesem virulenten und virilen Milieu ein Abstraktum zu verorten, dass es faktisch gar nicht gibt, da Abstrakta wie die oben benannten praktisch nach Belieben des Fachbereichs hin und her geschoben werden können und nur noch qua Topologie und Morphologie erlebbarer Entitäten wie eben Blogs zu einer Scheinfaktizität erhoben sozusagen in statue nascendi mit Existenzoperatoren versehen werden können. […]“
„@moravagine
haaaalloooo, du da oben, ja dich mein ich. siehst du mich … ja, ich hier unten. Komm doch mal runter zu uns, is echt nett hier.“
Aber das hier nur am Rande. Die Begegnung mit seinem Blog hatte für mich ja auch eben jenen Effekt der besagten Flaschenpost, die mich mit meiner eigenen Sprache und meinem eigenen Anliegen, dass ich einst mit meinem Blog verfolgte, konfrontierte und mir dieses, nicht ohne Neid zu erzeugen, unter die Nase rieb. Diese Erkenntnis hat mich nun einerseits dazu bewegt, diesen Blogeintrag zu verfassen aber andererseits meinem ursprünglichen Ziel wieder näher gerückt, nämlich einen Philosophieblog zu schreiben, denn das ist es was ich mache, und das ist es was ich will. Das soll nicht heißen, dass ich die Sprache der Blogsphere gedenke aufzugeben, denn sie ist mir lieb und teuer geworden und ich bin auch noch weit davon entfernt, sie wirklich zu sprechen. Und ich gelobe hiermit, mich weiterhin korrumpieren zu lassen von jedweder Sprache und vor allem der des bloggens. Blindlings werde ich weiterhin alle Verträge unterschreiben, die man mir vorlegt, aber ich werde mir wohl einen größeren Aktenschrank zulegen müssen, da ich mich bemühen werde weniger Verträge in dem Reißwolf verschwinden zu lassen. Das ist durchaus nicht einfach und erfordert viel Arbeit und als Leser wird man sich daran gewöhnen müssen, dass hier viele Sprachen am Werk sind und dass dieses Werk ein polyphones Werk ist, dass hier viele Stimmen zu Wort kommen, die sich nicht ohne weiteres vereinen lassen.
ich halts nicht mehr aus. Ja, ich geb’s zu. Ich hab euch alle getäuscht. Ich bin kein Blogger, ich bin ein Blogbot.
+++ personal confession … done.
Keiner der Texte hier ist von einem Menschen geschrieben. Ich bin das erste und einzige Blog, das sich selber schreibt. In Wirklichkeit bin ich nämlich ein geistiges Produkt der Riesenmaschine, so wie der dort beschriebene Robotikforscherroboter.
+++ riesenmaschine linked … done.
Naja, lieber ein Riesenblogbot, als so ein riesen Arschloch wie ix. Oder doch nicht? Wer sagt eigentlich, dass Maschinen nicht auch Arschlöcher sein können?
+++ wirres linked … done.
Schnell, guck mal hier!
(und tschöß! *hihihi*)
+++ insert joke … done.
Jaja, für so ein Riesenblobgbotarschloch bin ich ganz schön t i e f , gell? Oder sollte ich sagen „wa?“. Das ist ja mehr berlinerisch, „gell“ eher münchnerisch.
+++ ready for dreckige Überleitung …
So münchnerisch, wie der Don Alphonso gestern war der Spreeblick aber nicht berlinerisch, sondern eher new-yorkerisch,
+++ spreeblick, rebellenmarkt linked … done.
während die Adjektivierung, die ich hier betreibe, wohl einfach nur typisch deutsch ist. (Gilt das eigentlich auch für substantivierte Verben wie eben „Adjektivierung„? Und ist dieses „substantivierte“ eigentlich dann ein „verbiertes“ Substantiv in der Vergangenheitsform?)
+++ insert pseudo intellektual end … done.
+++ Blogpost … finished.
+++ Blogpost … ready.
+++ Blogpost … published.
+++ Blogpost … done.
Sven Regener (ja, genau der) in seinem Blog (ja, auch er ist cool) über das Albumrelease seiner Band „element of crime“:
„Die neue CD ist da. Im Triumphzug tragen festlich gekleidete Einzelhändler sie kartonweise in die Läden, schmücken einzelne Exemplare mit Girlanden und singen dazu festliche Lieder; jubelnde Kunden drängeln sich hinter entnervten Security-Leuten um die besten Startpositionen bei der Ladenöffnung, vor den Shopping Malls zeltende Frühaufsteher werden von nachsichtig lächelnden Polizisten ermahnt, nicht mehr als fünf Exemplare auf einmal zu kaufen und in Delmenhorst ist gesetzlicher Feiertag.
Herrlich!„
[via: ELEMENT OF CRIME BLOG]
Dem ist eigentlich nur hinzuzufügen: Jetzt, da ich ihn verlinkt habe, steht wohl auch der internationalen Erfolgsstory nichts mehr im Wege.
PS: Ich brauch auch n Eintrag bei Wikipedia