Krasse Links No 77

Willkommen zu Krasse Links No 77. Ich müsste meinem Gehirn gerade echt etwas Ruhepause gönnen, aber die Nachrichtenlage lässt das nicht zu. Deswegen eine Sondersendung zu Epstein.

Vorsicht. Du solltest dir vorher überlegen, den Newsletter zu lesen, denn es wird auch um sexuelle Gewalt gehen und es wird generell emotional fordernd, für manche vielleicht triggernd und ganz allgemein … unangenehm.

Aber jetzt beleiht Eure Verschwörungstheorien, heute tracken wir das Patriarchat an 4chan, um mit Bannon auf dem Epstein die Omelas der antisemitschen Rackets zu heben.


Das DOJ hat letzten Freitag etwa die Hälfte der Epstein-Files veröffentlicht und seitdem wühl ich mich wie Millionen andere durch die Files und versuche seitdem wieder klarzukommen.

Ich verfolge den Fall seit den späten 2010er Jahre, hab ein, zwei Dokus gesehen und einen Podcast gehört und es war damals schon klar, dass die Ausmaße des ganzen sehr viel größer sind, als bekannt war. Insbesondere die Aussagen der Opfer machten klar, dass es sich hier um eine größere Operation handelt, in die viele mächtige Menschen involviert sind. Ich war also auf einiges gefasst, aber dennoch sprengte es alles, was ich mir vorstellen konnte. Und zwar in jeder Hinsicht. Es ist gleichzeitig alles größer, brutaler, tiefer und relevanter als ich es mir vorstellen konnte.

Da es die erste Hälfte der Files ist, dürfte die zweite Hälfte die krassere Hälfte sein. Einige Files wurden vom DOJ nachträglich wieder zurückgezogen und natürlich sind die Files immer noch heftig geschwärzt, allerdings manchmal auch an den falschen Stellen nicht, so dass einige Opferidentitäten und Datails enthüllt wurden, während die meisten Eingriffe sehr eindeutig vor allem Täter schützen.

Es fehlt also noch so vieles und doch reicht es. Es ist genug, um zu verstehen, womit wir es zu tun haben. Es ist genug, sich eine Vorstellung davon zu machen, was vor Ort passierte, welche Kreise grob involviert sind und wie das ganze funktionierte. Und es reicht, sich eine Vorstellung davon zu machen, wie sehr wir manipuliert wurden und immer noch werden.

Die Erkenntnis ist: Beträchtliche Teile des einundzwanzigsten Jahrhunderts und wahrscheinlich auch des Ende des 20. Jahrhunderts müssen neu geschrieben werden. Epstein hat die Realität selbst zerbrochen.

Für Leute, die selbst durch die Files gehen wollen, eine Warnung. Da ist unglaublich viel Verstörendes dabei, unvorstellbare Bilder (selbst mit den geschwärzten Stellen), auf die ich hier nicht zeigen oder auch nur näher drauf eingehen will, vieles ist inzwischen wieder gelöscht, wie zum Beispiel die Dokumente mit den vom FBI gesammelten Anschuldigungen gegen Trump, die allein schon ob ihrer Vielzahl, ihres Detailreichtums und wechselseitiger Kohärenz so glaubwürdig wie schrecklich erscheinen. Aber hier gibt es gesicherte Screenshots.

Zu diesem Zeitpunkt finden sich 4.744 Erwähnungen von „Trump“ in den Files. Das Wort „torture“ taucht 521 auf, „Gynecologist“ 108 mal. Das FBI hatte bereits eine Liste mit prominenten Beschuldigten im Epstein-Fall zusammengestellt, ganz oben Donald Trump und dann die üblichen, Bill Clinton, Prince Andrew, aber Naomi Campbell und Kevin Spacy. Aber die eigentliche Liste ist viel, viel länger.

Das ist das hirnexplodierende: Epstein ist überall, kannte jeden, auch nach seiner ersten Verurteilung als Trafficer von Minderjährigen. Mehrere US-Präsidenten (mindesten Trump und Bill Clinton), prominente Demokraten wie Republikaner und die halbe globale Monarchie-Szene ist verstörend tief verstrickt, der britische (ehemals) Prince Andrew, Norwegens Mette-Marit, Schwedens Princess Sofia, Saudis Mohammed bin Salman, die halbe Milliardärskaste: Bill Gates, Richard Branson, Andrew Farkasm, Ian Osborne und natürlich etlichen Broligarchs. Staranwalt Ken Starr, Amerikas bekanntester Ökonom, ehemaliger Harvard Präsident und ehemaliger Finanzminsiter Larry Summers, aber auch der Trump Biograph Michael Wolff sind eng mit ihm.

Epstein hängt außerdem ständig mit Woody Allen ab, ehemaligen europäischen Staatschefs, allerlei Stars und andere Prominente. Es gab einen Talenttransfers zwischen Microsoft und Apple mit direktem Kontakt zu Tim Cook. Er ist mit Peter Thiel seit mindestens 2014 eng befreundet, mit Bannon seit 2017, er traf Moot und findet Bezos „is a very nic= person“, der heutige US-Finanzminister Howard Lutnick besucht ihn bereits 2011 auf der Insel, hat sogar Deals mit ihm, mit Robert F. Kennedy Jr. ist er natürlich auch eng, sogar Trumps neuer Pick für den FED-Chef, Kevin Warsh, taucht in den Files auf. Hier ein ausführlicher Wired Artikel über die Files zu Read Hoffmann, Elon Musk, Bill Gates, Jeff Bezos und Mark Zuckerberg. Der Regisseur der gerade verlachten Melania-Doku ist sogar mit inkriminierenden Fotos vertreten. Die Wikipedia führt eine Liste.

Man kann auch lesen, wie Musk Epstein immer wieder wie ein notgeiler Teenager anbettelt, ihn auf seine Sexparties auf der Insel und oder in New York einzuladen. Als ich in Krasse Links No 74 über den KI Forscher Joscha Bach schrieb, wusste ich noch nicht, dass er einen Trip nach Vergewaltigungs-Island gebucht hatte. Das und anderes hat der Spiegel gefunden, der Bachs tiefreichende Verbindungen zu Epstein zusammengefasst offengelegt. Und hier eine länger werdende Liste mit anderen Wissenschaftler*innen, die auf Epsteins Gehaltsliste standen. Das Magazin Nature hat einen längeren Bericht dazu, wie Tief Epsteins Einfluss in der Wissenschaft ging.

In diesem Emailthread versucht Epstein Noam Chomsky mehrfach zu überreden, ihn zu besuchen und lockt mit „interessanten Gesprächspartnern“, erst mit Thorbjorn Jagland, dem ehemaligen norwegischer Ministerpräsident und Juryteilnehmer des Friedensnobelpreiskommittees, dann zu einer exklusiven UN-Party bei sich nach Haus und dann, als er grad wieder mit Ehud Barak, dem ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten rumhängt, ebenfalls ein Epstein-Regular.

Wir wissen bereits, dass Epstein seine Hände auch schon sehr früh in „KI“ hatte (seit 2002), dasselbe müssen wir jetzt auch für Bitcoin feststellen, und zwar zu entscheidenden Zeiten. Auch in die weitere Cryptoszene war er gut vernetzt: hier erzählen die Jungs von Crypto Critics‘ Corner die Geschichte der Freundschaft zwischen Crypto Milliardär Brock Pierce und Epstein, die so weit ging, dass sie sich gegenseitig „Mädchen“ als Gastgeschenk mitbrachten.

Überall werden gerade unzählige Geschichten nochmal neu und anders erzählt und egal ob Politik, Tech, Medien, KI, Crypto oder Wissenschaft, am Ende verschmelzen sie zu einer einzigen Geschichte: Die Elite ist nackt.


Hier eine Politico-Zusammenfassung der Einschläge in Europa.

In Norway, one prominent diplomat has already been suspended and a police investigation has been opened into a former prime minister. In the U.K., the former ambassador to the U.S. has been fired; on Tuesday, he resigned from the House of Lords. Police are reviewing reports he shared market-sensitive information with Epstein.

Andrew Mountbatten-Windsor, formerly known as Prince Andrew, was stripped of his royal titles and residence. A charity founded by his ex-wife Sarah Ferguson, the former Duchess of York, will shut down indefinitely following the release of emails where she called Epstein a “legend” and “the brother I have always wished for.”

Nur in den USA ist gibt es keine Regung. Aber es brodelt gewaltig.


Eine der erschütternsten Dinge, die ich gelesen habe, ist das dreiteilige Tagebuch von einem Mädchen, das offenbar in Kooperation mit seinen Eltern von Jeffrey Epstein auf seiner „Zorro Ranch“ in New Mexico festgehalten wurde. Es ist in „Geheimschrift“ verfasst und man liest es immer zweizeilig nach links nach rechts und von oben nach unten, das FBI hat aber jeweils auch Übersetzungen angefertigt.

In einem der Tagebücher (Original) beschreibt das Mädchen seine Rolle als Gebärmaschine in einer art eugenetischen Breeding-Experiment:

I am nothing but your property and incubator! .
You only trust me when I am under your complete CONTI t
I will never trust another man EVER! […]

Superior gene pool ?!? Wh e? Why my hair color and eye color?
g me on some days like Im the enemy but o be, warm.
confusing.

makees no sense.

That feels very Nazi like thin’nk[ing] about these stupid insane theories he has I guess in his mind it makes sense.

Und in einem anderen, (Original) wie sie nach und nach den Glauben an die Menschheit verliert:

Whether its with Jeffrey, Mr. Leonsis, Mr. Case, Mr. Snyder, the Gregorys, Mr. Colgan or one being borrowed by a seemingly „good“ federal worker and even rented,

it is all horror.

And nothing is as it seems.

I am so confused by everything and people you expect to be good like even old senators like George Mitchell who you think would be good like a grandpa are bad.

Es gibt noch ein drittes Tagebuch: Original, Übersetzung.

In allen Tagebüchern werden eine menge Namen genannt, von mächtigen Männern, die alle frei herumlaufen.


Auch T-Online hat sich die Zorro Ranch, wo die Tagebücher herkommen, genauer angeschaut.

Die Ranch sollte für Epstein jedoch darüber hinaus einen weiteren Nutzen erfüllen. Lange eiferte er einer Vision nach: der „Optimierung der Menschheit“. Berichten unter anderem der „New York Times“ zufolge wollte er die Ranch in New Mexico zu seiner persönlichen „Baby-Farm“ umfunktionieren, auf der er reihenweise Frauen mit seiner DNA befruchten wollte.

Er folgte damit einer Ideologie, die als Transhumanismus bezeichnet wird und die Optimierung des Menschen durch Gentechnik und Künstliche Intelligenz propagiert. Kritiker bezeichnen diese Vorstellung häufig als moderne Form der Eugenik, der Erbgesundheitslehre der Nationalsozialisten. Elon Musk, dessen Name auch in den Epstein-Dokumenten auftaucht, verfolgt ähnliche Visionen. Er will sich seine ganz persönliche „Legion“ an Nachkommen zeugen.

Aber dass es ein Eugenetik-Labor ist, heißt nicht, dass mächtige Männer dort keinen Spaß haben dürfen.

Zu den bekannten Gästen auf der Zorro Ranch zählten der ehemalige Prinz Andrew, der frühere Gouverneur von New Mexico Bill Richardson, sowie Woody Allen, der gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinem Kind die Ranch besucht haben soll. Eine der Überlebenden erinnert sich zudem daran, in die Residenz des damaligen Gouverneurs gebracht worden zu sein, beschuldigte Richardson jedoch nie der sexuellen Ausbeutung. Eine einstige Mitarbeitende behauptet, auch die Clintons einmal vor Ort gesehen zu haben. Belege dafür gibt es jedoch nicht. Der ehemalige US-Präsident sowie seine Frau sollen am Ende des Monats vor einem Untersuchungsausschuss zum Fall Epstein aussagen.

Es sollen auch Leichen auf dem Grundstück begraben sein. Die Zeugenaussagen sind schwer zu ertragen.

Eine weitere Überlebende berichtet, dass auf der Ranch Dinge geschehen seien, die „so schrecklich“ gewesen seien, dass sie bis heute nicht darüber sprechen könne. Sie beschreibt ihre Erinnerungen als brüchig. Woran sie sich jedoch erinnere, sei eine Reihe von pseudo-gynäkologischen Untersuchungen, die Epstein an ihr vorgenommen habe. Zudem sei sie eines Morgens in einer Art Labor aufgewacht, umringt von Menschen in Schutzanzügen. An Epsteins private Insel könne sie sich noch lebhaft erinnern – was die Ranch angehe, habe sie jedoch unerklärlicherweise massive Erinnerungslücken.

Im Gegensatz zu allen anderen Epstein-Anwesen wurde die Zorro Ranch nie durchsucht (Wie das FBI hier hintern selbst vermerkt) und privat verkauft. In New Mexicos Parlament gibt es bereits eine politische Initiative für eine Aufarbeitung, die vielleicht in ein paar Jahren ein Ergebnis präsentieren?

Aber man könnte auch einfach mal hinfahren und und wenigstens gucken, ob da noch wer festgehalten wird? Also: jetzt?


So schlimm das alles ist: Es ist fast noch schlimmer, in Epsteins Emails zu wühlen, wozu sich JMail anbietet, eine Website, die quasi die Innenansicht von Epsteins Gmailkonto darstellt.

Man findet so vieles, aber es ist gar nicht diese eine Smoking Gun, die mich gebrochen hat. Beim Browsen entfalten sich die habituellen Strukturen, der „Vibe“. Die Leichtigkeit ihrer Verbindungen, die Beiläufigkeit ihrer Verbrechen, der Zynismus ihrer „Währungen“ und die Selbstverständlichkeit ihres Blicks auf die Welt.

Aber vor allem die an allen Ecken und Enden hervortretende Frauen- und generelle Menschenfeindlichkeit, die junge Frauen und Kinder als konsumierbare Wegwerfware behandelt. Es gibt dafür viele Beispiele, etwa diese Mail an Epstein:

My russian friend is on holidays in Paris now 🙂 she is fun and gorgeous! Ahh…perfect skin and incredible shape. However, be gentle with her and not a naughty one plz!!!

Oder diese:

Thank you for a fun night…
Your littlest girl was a little naughty.

Oder diese Email an Epstein:

Do you remember the name of the Gynocologist that you used to send your victims to?

Aber am besten illustriert es dieses Zitat einer beiläufigen aus Email von Epstein an irgendjemanden.

„where arc you? are you ok , I loved the torture video“


Rebecca Watson hat ein Video darüber, wie sie erneut in den Epstein-Akten auftaucht und dadurch nachträglich versteht, wie sich mächtige Männer der Skeptiker-Szene damals zusammen mit Epstein gegen sie verschworen.

Der bekannte Physiker Lawrenbce Krauss und der noch bekanntere Evolutionsbiologe Richard Dawkins tauschten sich mit Epstein über den Fall aus. Ich hatte die Debatte damals am Rand verfolgt, denn es war eine dieser frühen, pfadentscheidenden Kulturkriegs-Schlachten und endete, wie diese Schlachten damals immer endeten: Frauen und ihre Perspektive wurden rausgedrängt.

In einer Mail an seinen Anwalt bezüglich seiner Fälle wegen sexuellen Fehlverhaltens, bittet Krauss seinen Anwalt doch bitte mal mit seinem superschlauen Kumpel Epstein zu sprechen, der eigene Ideen für die Verteidigung hat und kündigt ihn wie folgt an.

Bottom line is that Jeffrey is not only friends with most of the famous people from finance, to business, to Hollywood, who have either been brought down during #metoo and he also speaks regularly with people ranging from the awful white house people, who he is friends with, to ken starr etc.


Als der Trumpbiograph Michael Wolff und Epstein-Buddy ihn fragt, ob er einem Kollegen bei seinem Metoo-Fall helfen kann, ist Epstein auch gleich dran. Der Gurardian hat sich sich genauer angesehen:

Wolff wanted Epstein to support Stephen Elliott, a writer looking to sue the creator of the Shitty Media Men List, a crowd-sourced Google Doc that detailed anonymous allegations of misconduct against dozens of men who worked in the media industry.

“I have always thought that the way back from this climate is through specific instances of individuals successfully challenging their persecution,” Wolff wrote to Epstein, according to emails released in a tranche from the so-called Epstein files. “If his story is solid he might be worth supporting.”

Initially, Epstein was unmoved. In a single-word, no-punctuation email, the convicted sexual offender replied: “tough.”

“Give it some further thought, if you would,” wrote Wolff, who had originally received Elliott’s pitch through Lorin Stein, the former editor of the prestigious Paris Review and another name on the Shitty Media Men List. “I think there is an opening here. What you need is an excuse – or opportunity – to make the public argument.”

Epstein relented: “ill help anyway i can. if you like.”

Metoo war nicht nur schlecht für Epstein, wie er Gegenüber seim Freund Joi Ito, dem Gründer und Leiter vom MIT Media Lab, zugibt:

with all these guys getting busted for harassment , i have moved slightly up on the repuation ladder and have been asked everday for advice etc


Elizabeth Lopatto hat in the Verge die Files zusammengesammelt und eingeordnet, die Epstein als Kulturkrieger aus dem Hintergrund zeigen. Instrumental dafür war John Brockman und seine von Epstein finanzierte Edge-Foundation, dessen Netzwerk wir bereits in Krasse Links No 74 beleuchteten. Lopatto schreibt:

The boys’ club at the Edge Foundation created a jumping-off point for social contacts for Epstein. Their “Billionaires Dinner” in 2011, which Epstein attended, featured a number of familiar names that appear in the Epstein files: Musk, Sergey Brin, David Brooks, Marissa Mayer, Jeff Bezos, and Nathan Myhrvold (who would later introduce Epstein to Bill Gates). The “Billionaires Dinner” stopped after Epstein made his final donation to Edge.

Brockman also set up a dinner in 2012 with a very exclusive invite list, which included Bezos, Paul Allen, Brin, Anne Wojcicki, Larry Page, Evan Williams, and Myhrvold. “Please show up alone,” Brockman said to Epstein. MIT Media Lab’s Joichi Ito also seems to be willing to broker meetings between Epstein and Bezos or “Bill.” It’s not clear which Bill is referred to here, but Bill Gates was surely close with Epstein, close enough that the tranche of documents shows extensive contact between the two men.

Auch Lopatto schreibt über Lawrence Krauss.

The most extensive emailed advice seems to be to physicist Lawrence Krauss. When Krauss was contacted by journalist Peter Aldhous for comment on a BuzzFeed story about sexual harassment allegations, he forwarded the email to Epstein and repeatedly asked him for advice about how to handle Aldhous. (Krauss strenuously denies the allegations against him, and says he “sought out advice from essentially everyone I knew”.) Krauss sent drafts of his proposed emails about the story to Epstein as well. “Impossible to publish anything about metoo, even if the =uthor was acquitted,” Krauss wrote to Epstein. That was of particular interest to him, because Krauss was planning to write his own #MeToo book, he wrote in another email to Epstein. Later, he wrote to Epstein that a woman on a conciliation committee is “old.. not some young metoo bitch.” This is good news, Krauss notes.

Und folgert:

It’s hard not to read these files and come to the conclusion that Epstein helped engineer the ultimate elite impunity — in which our society has been totally destroyed so the richest and most powerful men in the world can do whatever they want.

Wenn man sich in Epstein und seine Kreise hineinversetzt, versteht man, welche Bedrohung eine Clinton-Präsidentschaft (nachdem Obama ihn bereits verschmäht hat) und später Metoo für sie bedeutete.

Epsteins Ablehnung gegenüber Frauen ist nicht nur habituell, sie ist materiell. Frauen an der Macht, oder auf Augenhöhe, oder überhaupt die Idee, Frauen als Menschen zu behandeln, bedrohen ganz direkt sein Businessmodell? Wenn man in Epsteins Emails nach Metoo sucht, kann man nachlesen, wie unangenehm das ist, wie er merkt, dass seine Infrastruktur ein „strandet Asset“ wird, wenn sich Feminismus in seinen Kreisen durchsetzt.

Und dann ist es wie überall: Misogynie ist das Gateway, Faschismus ist der Pfad. Schon 2015 wollte Epstein alles brennen sehen, nach dem Brexit schreibt er an seinen Kumpel Peter Thiel: „brexit, just the beginning“ und erläutert auf Nachfrage:

return to tribalism . counter to globalization= amazing new alliances. you and I both agree= zero interest rates were too high, and as i said in your office. =AO finding things on their way to collapse , was much easier than finding =he next bargain

Sein anderer Kumpel Steve Bannon berichtet ihm dann ab 2018 dann immer wieder über seine Fortschritte bei der Vernetzung der rechten Parteien in Europa.

Hier die These:

Ein wesentlicher Kern des Rechtsrucks den wir die letzten Jahre erlebt haben, wurde von einer Gruppe lose vernetzter Milliardäre und „Shitty Men in Media“ „engineered“, die sich als loses Netzwerk von Kulturkriegern zusammenfanden, weil sie Angst vorm Feminismus hatten.

Aber so peinlich, weinerlich und pennälerhaft, wie all das Zustandekommen wirkt: Ihre Pfadgelegenheiten von damals sind unsere diskursiven Infrastrukturen von heute.

Und so lernen wir, wie Verschwörungen wirklich funktionieren.

Mächtige Männer vernetzen sich entlang ihrer Interessen, nutzen einander als Pfadgelegenheiten, die dann zu unseren Infrastrukturen werden. Sie treffen sich dafür nicht in verrauchten Hinterzimmern und sie schmieden auch nicht den „großen Plan“, sondern „lauern“ vernetzt wie 4Chan-Shitposter auf ankommende Pfadgelegenheiten und suchen nach idealen Fulcren, um die Wirkung ihrer Hebel zu maximieren.

Eine Verschwörung ist, wie jede andere menschliche Handlung auch, eine iterative Pfadoperation.


Und jetzt können wir so tun, als würden sich „die Guten“ jetzt als „die Bösen“ rausstellen, aber wer dieser Interpretation folgt, hat nicht aufgepasst, sagt Pissed magitus.

Ihr müsst entschuldigen. Als westdeutscher, weißer, heterosexueller Gen-X-Dude bin ich rückblickend in einer zeitlich und räumlich unnatürlich stabilen und behüteten Blase aufgewachsen, die in mir eine Erwartungsstabilität herstellt hat, aus der der momentane Fall in die Realität wahrscheinlich tiefer als bei manch anderen ist?

Ich bin jedenfalls wirklich erschüttert, aber auch nicht erst seit den Epstein-Files, sondern eigentlich seit ich in Krasse Links das Ende des Westens dokumentiere, und das Feedback auf den Newsletter zeigt, dass ich mit diesem Gefühl nicht allein bin.

Aber wenn, wie ich glaube, das System vor allem auf der Erwartungsstabilität gerade von Menschen wie mir basiert, werden wir bald noch viel mehr kollabieren sehen, als nur Erwartungen.


Die Times hat einen Artikel über Epsteins Israel-Connetions und natürlich war er ein israelischer Spion. Auch das FBI glaubte, dass Epstein ein coopted Mossad-Spy war. Die Times schreibt:

The files include claims from a confidential informant to the FBI that, far from disliking Israel, Epstein was in fact employed by its spy agency, Mossad. An FBI report from the Los Angeles field office written in October 2020 said the bureau’s source had become “convinced that Epstein was a co-opted Mossad agent”.

It said the Wall Street financier had been “trained as a spy” for Mossad, alleging that Epstein had ties to US and allied intelligence operations through his longtime personal lawyer Alan Dershowitz, a Harvard law professor whose orbit included “many students from wealthy families”. It said Jared Kushner, President Trump’s son-in-law and his brother, Josh, a financier, were “both his students”.

Die Hinweise auf Epsteins Israels-Connections brauchen bald eine eigene Wikipedieseite. Hier ein paar.

  • Seinen frühen Kontakt zu Anan Khashoggi dem zwielichtigen Waffenhändler der in der Iran Kontra-Affaire verstrickt ist.

    In 1989, Ben-Menashe spent a year in prison for allegedly selling three Israeli military planes to the Khomeini regime (he was later acquitted). In the same years, Epstein had been hired by the ultra-rich businessman Adnan Khashoggi from the Kingdom of Saudi Arabia – coincidentally, the place of residence in Epstein’s fake passport. And it is precisely Adnan Khashoggi who ended up in the sights of the federal Iran-Contra federal investigators as a middleman in the sale of U.S. weapons to Iran through Israel.

  • Die zentrale Rolle von Leslie Wexner in seinem frühen Aufstieg, ein pro-zionistischer Philantrop mit eigener Israel-Naher Stiftung.
  • Der weirde Zufall, dass er sein Sexbussiness zusammen mit der steinreichen Tochter von Robert Maxwell gründete, der britische Medienmogul, der eine zentrale Rolle in der Gründung Israels spielte auch später für den Mossad arbeitete.
  • Oder dass der Name Alan Dershowitz praktisch überall auftaucht, nicht nur in Epsteins engeren Kreis, sondern auch vor allem im Zusammenhang mit seiner Verurteilung, und der ebenfalls offen für Israel arbeitet.
  • Und klar, seine definitiv als „eng“ zu beschreibende Beziehung zum ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Edmud Barak, mit dem er im ständigen Austausch stand und dem gegenüber er in 2018 witzelte:

    you should make clear that i dont work for mossad. 🙂

  • Hier ein fast einstündiges Telefonat zwischen Epstein und Edmud Brarak über Obama, Iran und alles mögliche.

Nussbacher, ein britischer Nachrichtendienst Kontakt, bringt in der Times etwas Nuance in die Debatte:

“Every intelligence agency has people who work for the agency, who are on salary, who have their pension paid for by the agency, we call them officers,” she said. “Then there are people whose officers influence them to do work for their agency; sometimes paid, sometimes manipulated, sometimes blackmailed — they’re called agents.

“And then there are people who are assets. They are just useful. Is it possible that Epstein was an asset to the Mossad? Yes. Do I think he was an agent of any intelligence agency, I think it was unlikely. Was he an officer? No.”

Ok, also Epstein war mindestens ein israelisches Asset.

Aber auch ein russisches, wie es aussieht?

Ein amerikanisches Asset sowieso? Als Alan Acosta, der damalige Staatsanwalt und spätere Arbeitsmisister in Trumps erster Adminsistration rechtfertigte sich rückblickend für Epsteins Sweetheart-Deal, den er eingetütet habe, mit den Worten: I Was Told Epstein ‘Belonged to Intelligence’ And to Leave It Alone. Und kann sich jemand vorstellen, dass die CIA das in den USA stattfinden lässt nichts wusste?

Außerdem hatte Epstein noch Geheimdienstkontakte zu ehemaligen britischen Spionen.

Ich denke die Wahrheit ist komplizierter. Epstein war öffentliche Infrastruktur. Nicht nur für Milliardäre, für Spitzenpolitiker, für Top-Wissenschaftler sonder auch für Geheimdienste. Das musste er sein, denn nur so war er für alle Beteiligten am nützlichsten.


In der taz navigiert Matthias Kalle gekonnt waghalsige semantische Manöver, um über die Enthüllung des Systems Epstein sprechen zu können.

Die Elite der Gegenwart funktioniert fundamental anders. Sie ist keine Kaste, kein Stand, kein Zirkel. Sie ist ein Netzwerk: ein Geflecht aus ökonomischem Kapital, politischem Einfluss, technologischer Infrastruktur und kulturellem Symbolkapital. Wer dazugehört, muss nicht reich oder adlig oder gewählt sein. Er muss nützlich, verknüpft und verfügbar sein. Denn was früher Herkunft war, ist heute Zugang. Was früher Kaste war, ist heute Code. Und was früher Loyalität war, ist heute Funktion. Diese Struktur lässt sich exemplarisch an zwei Fällen zeigen – einem brutalen und einem subtilen.

Ihr müsst euch die alltägliche Nutzerperspektive auf Epstein so vorstellen, dass ihr etwas interessantes in der Zeitung lest und da taucht ein Name auf, der wichtig ist, den ihr aber noch nicht kanntet, dann sind die Chancen hoch, dass der „Jeff“ seine Nummer hat oder zumindest jemanden kennt, der seine Nummer hat, vielleicht ein Treffen arrangieren kann.

Epstein war das Google und das LinkedIn der Elite, die Pfadabkürzung zu Mädchen, Macht, Ruhm, Ideen und wer mit ihm zu tun hatte, wurde Teil des größeren Games.

Egal ob im Finanzwesen, in der Politik, in der Wissenschaft – Epstein hat immer gezielt die jeweils lokalen Netzwerkzentralitäten geleveraged und immer nur die größten Hubs integriert und auf diese Weise seine soziale „Clout“ auf das menschlich mögliche getrieben.

Epsteins ganze Strategie dabei bestand also darin, seine soziale Eigenvector/Katzzentralität zu optimieren, also nicht nur viele Leute kennen, und nicht nur mächtige Leute kennen, sondern viele mächtige Leute kennen, die viele mächtige Leute kennen, usw, also in etwa, wie der Page-Rank-Algorithmus funktioniert, der Google groß gemacht hat.

Man kann die ganze Geschichte des 21. Jahrhunderts als die Entdeckung und gezielten kapitalistischen und politischen Urbarmachtung von Netzwerkeffekten erzählen (was ich im Plattformbuch von der Plattformseite versucht habe).

Kalle fährt fort:

An dieser Stelle – Sie ahnen es wahrscheinlich – muss man einmal kurz innehalten, sehr exakt werden und mögliche Einfallstore für antisemitische Verschwörungstheorien mit Schwung aus dem Weg räumen. Denn die Bilder von „Strippenziehern“, „Schattenmächten“ oder „globalistischen Kräften“, die im Zusammenhang mit dem Fehlverhalten von „Eliten“ auftauchen, führen hier nicht weiter, weil sie reale Machtkritik mit antisemitischer Projektion vermischen.

„Hollywood“ galt und gilt bis heute als „jüdisch“, ebenso „die Finanzwelt“ und „die Medien“. Das ist aber natürlich ein ideologischer Kurzschluss, der Strukturen ethnisiert und die Verantwortung personalisiert. Deshalb braucht es absolute Präzision: Es gibt wirtschaftliche, politische, kulturelle, technologische Eliten. Sie überschneiden sich, aber sie sind nicht homogen. Wer aber das vermischt, will keine Analyse, sondern Hetze.

Draußen im Internet tobt der antisemitische Mob. Sie nutzen die Epstein-Files, um ihre These der „Jüdischen Weltverschwörung“ zu verbreiten. Dass das Quatsch ist, zeigen die Files selbst, wenn man sich die Mühe macht, sie zu lesen.

Wenn Epstein etwas enthüllt, dann dass in der hinter dem Vorhang der liberalen Weltordnung das Patriarchats die Strippen zieht?

Und klar, diese Enthüllung ist nicht wahnsinnig neu, Feminist*innen sprechen seit mindestens einem Jahrhundert davon, aber selten konnte man diesen Zusammenhang so offen und nachvollziehbar – ohne jede Theorie – einfach in Originaldokumenten nachlesen?

Ich mein: die halbe Armee der „Free Speech“ Culture Warriors der letzten Jahrzehnte steht in den Epsteinfiles, teils beim direkten „Konspirieren“ gegen die Opfer ihrer sexuellen Missetaten oder gegen „unangenehme“ Feministinnen und ihre kritischen Fragen.

Aber gut, stellen wir die unangenehme Frage:

Warum – ausgerechnet – ein Jude?

Und jetzt könnte man diese Frage von vornherein als „antisemitisch“ ablehnen und das ist fair, aber sie wird ja dennoch gestellt werden? Und, ich bin ehrlich, auch ich stelle sie mir?

Aber den ersten Einwand, den man hier machen muss, ist der, das „System Epstein“ eben nicht „jüdisch“ war. Unter seinen Kooperationspartnern, im inneren Kreis seiner Kontakte und unter den beschuldigten Tätern und denen, die alles unterm Deckel gehalten hqben finden sich deutlich mehr weiße Christen, als Juden. Epstein war keine „jüdische“ Verschwörung, wenn überhaupt eine im weitesten Sinne „westliche“ Verschwörung.

Ein weiterer Einwand, den man machen muss, ist, dass der Epstein-Fall zwar eine unglaubliche weitreichende Verschwörung ist, aber eben nicht die einzige? Wie viele Verschwörungen da draußen gibt es noch? In wie vielen davon sind Nicht-Juden die Netzwerkzentralität? Allein Koch-Familie hat sich jahrzehntelang unzählige Male gegen uns alle verschworen, um ihre Fossilmilliarden auf Kosten unserer Zukunft zu verteidigen.

Nein, es sind nicht „die Juden“, es sind „die Eliten“. Ja, das darf man wieder sagen und wer euch was anderes einredet, hat entweder nicht hingeguckt, oder will euch gaslighten.

Aber gut, gehen wir noch weiter und nehmen an, dass es trotzdem „kein Zufall“ ist, dass es ein Jude war, der das alles organisierte.

Selbst dafür finden sich nicht antisemitsche Erklärungen?

Zum Einen könnte sich sich hier schlicht eine antisemitische Geste wiederholen, die wir schon aus dem Mittelalter kennen. Damals übernahmen Juden den Geldverleih, weil Zinsen zu nehmen unter Christen als moralisch verwerflich, als „dreckiges Geschäft“ galt. Das ist der Grund für den „Head Start“ jüdischer Banker, dessen pfadabhängige Weiterentwicklung heute noch gut im Bankensektor beobachtbar ist.

Ich will jetzt keineswegs „Zinsen nehmen“ und „Kinder vergewaltigen“ vergleichen, aber mir scheint plausibel, dass, wenn eine Runde westlicher Elite-Arschlöcher beieinander sitzen und sich fragen, wer „das dreckige Geschäft“ übernehmen soll, „der Jude“ nach wie vor nicht die unwahrscheinlichste Antwort ist?

Zum anderen kann ich mir auch gut vorstellen, wie man gegenüber Epstein diese Entscheidung begründet haben könnte:

Es ist das perfekte Cover. Der Verdacht wird gesellschaftlich „unaussprechbar“ und wer es dennoch versucht, stellt sich quasi von selbst jenseits des Diskurses.

Hier also meine schlimmste Verschwörungstheorie:

Die Eliten leverageten den Anti-Antisemitismus, um ihre echte Verschwörung im Raum des Unsagbaren zu verstecken.


Während die USA gerade wegen Epstein implodiert, gibt es eine merkwürdige Zurückhaltung in der Deutschen Debatte zu dem Thema? Die liegt nicht (nur) an dem vermienten semantischen Terrain, sondern auch daran, dass gewisse Chefredakteure und Herausgeber selbst inkriminiert sind und zwar aufgrund von John Brockman und seiner zusammen mit Epstein betriebenen „Edge Foundation“.

Boris Rosenkranz hatte bei Übermedien bereits 2019 offengelegt, wie die FAZ aber vor allem die Sueddeutsche auch aus Eigeninteresse bei dem Thema Zurückhaltung üben.


Thorsten Fuchshuber hatte bereits vor ein paar Jahren Max Horkheimers Racket-Theorie, die ja an der Beobachtung des Faschismus entwickelt wurde, als politisch Ökonomie gedeutet.

Denn nicht nur gab im Nationalsozialismus einen Zusammenbruch des Staates als souveräne Gesellschaft, sondern die Banden-Dynamiken, die im Faschismus den Staat als Beute einkassierten, sieht man strukturell in liberalen Gesellschaften immer schon am Machen.

Von den Debatten in den USA ließ er sich insofern leiten, als er das Racket als Agentur zur aggressiven Durchsetzung partikularer Interessen auf Kosten der ohnmächtigen Einzelnen ebenso wie der Allgemeinheit betrachtet. Doch galt ihm der Begriff Racket weniger im Sinne konkret benennbarer, ökonomisch orientierter Banden oder politischer Zusammenschlüsse in der beziehungsweise gegen die Gesellschaft, sondern als strukturierendes Prinzip der gesellschaftlichen Verhältnisse selbst. Dieses resultierte ihm zufolge aus der zunehmenden Konzentration und Zentralisierung der kapitalistischen Produktionsweise, war also mit einem Prozess verbunden, den Karl Marx als steigende organische Zusammensetzung des Kapitals bezeichnet hatte.

Wir wissen, dass es auch im Vorfeld des Nationalsozialismus enorme Vermögenskonzentration gegeben hatte, in der einzelne Rackets bereits sichtbar waren und wiederum andere dazu zwangen, sich ebenfalls in Rackets zu organisieren.

Durch die Konzentrations- und Zentralisationsprozesse des Kapitals werde diese Konkurrenz zwar nicht abgeschafft, es verändere sich jedoch die Struktur der Konkurrent*innen: Diese treten nicht mehr als unzählige Individuen auf, sondern schließen sich in Rackets zusammen. Und die haben es dank ihrer herausragenden gesellschaftlichen Stellung vermehrt gar nicht mehr nötig, die eigenen partikularen Interessen mit jenen anderer sowie mit denen der gesellschaftlichen Gesamtheit zu vermitteln. Daher, so Horkheimer, haben sie auch kein »Interesse am Funktionieren des allgemeinen Rechtssystems und an seiner unparteiischen Verwaltung« mehr: Die Rackets führen vielmehr den »Kampf gegen das Recht« wie gegen »alle Vermittlungen«, die im Liberalismus »ihr eigenes Leben gewannen«.

Ich würde inzwischen weitergehen und jeder „liberalen Ordnung“ offene, aber auch versteckte Racketstrukturen unterstellen und mit Horkheimer allgemein sagen:

„Die Grundform der Herrschaft ist das Racket.“

Die Frankfurter waren auf selbstähnliche Strukturen gestoßen, die sich in unterschiedlichen Zusammenhängen reproduzieren und in unterschiedlichen Skalierungen und Kontexten auftauchen. Das Wirtschaftssystem des Kapitalismus lässt sich als pyramidenartiges Netzwerk von Racket-Waben beschreiben, die auf ihrer jeweiligen Ebene kooperieren, sich bekriegen oder konspirieren, dabei aber immer von unten extrahieren und sich von oben die Margen frühstücken lassen.

Rackets sind die Antwort auf das Collective Action Problem für Arschlöcher.

Auch Rackets brauchen eine gemeinsame „Handlungsgrundlage“ – also sowas wie ein Vertrag, aber eben informell. Und weil Rackets außerhalb von Rechtsstrukturen agieren brauchen sie dafür einen speziellen Vertrag, der etwas anderes beleiht, als das Rechtssystem.

Das beliehene „Pfand“ der Racketmitglieder sind Grenzverletzungen, die es den jeweiligen anderen Mitgliedern erlauben, sich gegenseitig „zu Fall“ zu bringen. Das können Verbrechen sein, die man zusammen begangen hat, aber auch Wissen oder Beweise für Verbrechen in der Vergangenheit.

Kurz: „Kompromat“, wie es die Russen nennen, dient eben nicht (nur) der individuellen Erpressung, sondern dient auch als beleihbare Infrastruktur, auf der Rackets basieren.

Die Grenzverletzungen können „verbotene“ Rituale sein, ein krummer Deal, oder sogar ein Mord.

Aber das ist für „arme“ Rackets.

Epstein betrieb die Komprormat-Infrastruktur des obersten Rackets der Gesellschaft und natürlich verbindet man da das „Angenehme“, mit dem „Nützlichen“: Egal ob Promi, Geheimdienst, Politiker, oder Wissenschaftler: Auf Epstein Island tratst du einer Gemeinschaft bei, die ihre Kooperationswahrscheinlichkeit durch wechselseitige beglaubigte Grenzverletzung sicherstellte und die dir über diesen Vertrauens-Layer Zugriff auf das Who is Who der Weltelite ermöglichte.

Deswegen wurde mit den FIles nicht nur ein Pädophilenring aufgedeckt, sondern das Betriebsystem des Westens, die integrierte Plattform des obersten Rackets der USA und der westlichen Welt – und ein bisschen auch Russlands.

Nein, das ist keine „jüdische Weltverschwörung“.

Das sind wir. Das ist unser System. Das sind unsere gesellschaftlichen Strukturen. Unsere „Kultur“. Das ist der Keller unseres Omelas.


Ryan Broderick hat auf Garbage Day eine plausible Aufschlüsselung der Moot-Bannon-4Chan-Epstein-Connection.

One of the central internet mysteries of the last 15 years is why 4chan creator Christopher Poole reversed course in 2011 and brought back the site’s politics board, which is called /pol/, or “Politically Incorrect.” It would become the staging ground for Gamergate, the 2016 Trump campaign, and the far-right populism wave that swept the world in the back half of the 2010s.

A version of /pol/ was attempted two times before it finally stuck. First, as /n/, which was meant to be a section for news content. Which ultimately became the “transportation” board in 2008. And then again, in 2010, when Poole launched /new/, largely as a way to quarantine the overwhelming amount of support on the site for Ron Paul’s 2008 presidential campaign. Poole shutdown /new/ in January 2011, telling users at the time, “As for /new/, anybody who used it knows exactly why it was removed. When I re-added the board last year, I made a note that if it devolved into /stormfront/, I’d remove it.” (Stormfront is one of the oldest Neo-Nazi communities on the web.)
So it has never made much sense as to why Poole would ban /new/ for being a racist hell hole and then, barely a year later, launch /pol/, a board specifically designed to be a racist hell hole. But buried inside the newest batch of files related to the Epstein investigation is a possible hint as to what made Poole change his mind. He met with Epstein the day before /pol/ was created.

On October 20th, 2011, Boris Nikolic, a venture capitalist and former advisor to Bill Gates, sent Epstein the Wikipedia page for Christopher Poole, writing, “There is a cool guy (KID) that you should meet.” Four days later, Nikolic followed up, asking Epstein, “How did you like moot? He is very sensitive so be gentile.” (Poole’s username for years was moot or m00t.) “I liked [him a lot]. I drove him home, he is very bright,” Epstein replied. Nikolic went on to write that, “he will be a friend” and that he is “one of the greatest hackers.”

According to Epstein’s emails, that appears to be the only time Epstein successfully made contact with Poole. It seems like organizing a simple lunch meeting with Poole was a genuine nightmare for Epstein and his team. Nikolic said he planned to meet Poole again in early November. And according to a reminder Epstein set, it seems like he planned to meet Poole at the same time. There’s also a separate email thread from October 31st with an unidentified correspondent, where the redacted sender takes credit for introducing Nikolic and Poole, writing, “I introduced Boris to Chris Poole and got them talking, encouraged Boris to get to know him. Boris said the two of you really hit it off. ;-)” Epstein had subsequent meetings scheduled with Poole on November 23rd, January 27th, 2012, which Poole canceled last minute, and, again, in February. There are nearly a hundred emails going back and forth about how Poole kept flaking on them.
But Epstein didn’t forget about 4chan. We can’t say for sure if he was an active user, but, in 2017, he sent Karyna Shuliak, his girlfriend at the time, a 4chan link containing Five Nights At Freddy’s porn.

Meanwhile in March 2012, Bannon, following the death of conservative blogger Andrew Breitbart, was installed as the editor-in-chief of Breitbart News. In 2014, 4chan’s video game board, /v/, and /pol/ started lighting up about the Gamergate conspiracy theory. Milo Yiannopoulos, then a young tech writer for Breitbart, would transform Gamergate from fringe message board drama into the cornerstone of the global far-right movement by repackaging it in articles optimized for Facebook traffic.
Which was perfect timing, because Epstein was beginning to work his way into Silicon Valley.

Lasst es mich so formulieren: Das Narrativ, „anonyme Shitposter auf 4chan emergieren zufällig (halb-)richtige Verschwörungstheorie“ klingt für mich als QAnon-Erklärung nicht mehr plausibel? Dafür sind die Q-Drops zu nahe dran?


In Vanity Fair machen sie sogar die Pizza-Gate Akten wieder auf.

The references span years—from long before Pizzagate existed to long after it was broadly considered debunked.

“What time do you want to get pizza and grape soda tomorrow?” one associate asks Epstein in 2018.

A 2015 subject line reads: “Your Pizza Is YUMMY YUMMY!!”
“This is better than a Chinese cookie!… lets go for pizza and grape soda again. No one else can understand,” a redacted sender writes to Epstein in 2018.

Das deckt sich mit vielen meiner Funde. Beispiel:

Betreff: The Pizza Monster, Epsteins Reply: „she looks pregnant“.

Oder diese merkwürdige … Pizzabestellung? an Jeffrey Epstein.

I know Bobby LOVES =rturo’s pizza on Houston…they open at 4pm..l could send =ojo down to arrive 4pm at Arturo’s, pick up a large cheese and =ake to 301? Bobby says his day is busy but he might be back to =he apartment sometime between 4-6pm…he is at the Friar’s =tub for lunch 2-4 then meeting a friend at 6pm…

(He also likes Patsy’s Columbus and 72nd and Angelo’s =17 W. 57th)

Epstein antwortet nur „Ok“ und genehmigt damit eine … Pizzabestellung zu jemanden in sein Appartment nach Houston?

Das Wort „Pizza“ hat 845 Treffer in den Epstein-Files und Jmail findet 200 davon, sehr viele extrem … „weird“.

Der Artikel zitiert einen Redditor mit einer Verschwörungstheorie, die mir auch sofort in den Sinn kam.

“QAnon was an op to hide this shit in plain sight and make anyone who said anything about it sound like a lunatic. They masked it in a far-right ‘it’s only the dems’ cover,’” argued one Reddit user. “Gloating about projection people fell for. The pizza basement was Epstein island all along,” wrote another.

Also ich bemühe mich ja, zu widerstehen, aber dass Epstein, oder Bannon, vielleicht in Zusammenarbeit mit Maxwell hinter den ersten Q-Drops stand, ist einfach zu verlockend plausibel?

Schaffe eine populäre Verschwörungstheorie über das, was du machst, häng alles dem politischen Gegner an und promote deinen besten Kumpel als „Aufklärer der Verschwörung“ ins Weiße Haus.

Der Backlash gegen die Verschwörungstheorie bereitet das beste Cover für deine Operation und da du eh die hälfte der Elite im Sack hast, finden sich immer Hebel, alles unterm Deckel zu halten.

Ich halte es für möglich, dass Epstein hinter Pizzagate und später auch Qanon stand. Ich halte es aber fast für wahrscheinlicher, dass es Bannon war (er war der eigentliche digital Culture War erfahrene, seit er als Breitbart-Chefredakteur „Gamergate“ orchestrierte), vllt in Zusammenarbeit oder mit Wissen Epsteins. Oder Ghislane Maxwell bereits Pizzagate initiiert, wie viele Glauben oder vielleicht waren auch Roger Stone oder Paul Manafort involviert?

So oder so, meine Verschwörungsthese ist: es war ein Insider.

Und vielleicht war es zuerst auch nur Spaß, vielleicht eine Provokation, vielleicht war das zuerst alles gar nicht koordiniert und wahrscheinlich haben sie dann schnell die Kontrolle verloren, spätestens, als das Ding zu 8chan umgezogen ist.

Aber diejenigen, die das aufgleist haben, waren Insider: dafür sind Pizzagate und die Q-Drops zu nahe dran.


Seit dem letzten DOJ-Drop bin ich mir sicher, dass die Files alle ans Licht kommen werden und ich habe sogar Hoffnung, dass neue Ermittlungen aufgenommen werden und dass der Fall wirklich aufgearbeitet wird.

Der Grund ist einfach:

Das, was die Files so lange unter Verschluss gehalten hat – die Interessen vieler mächtiger Männer – wendet sich nun gegen die Verheimlichung.

Die gesamte amerikanische Elite ist jetzt mit Kacke bespritzt und weil den meisten, der in den Files Genannten wahrscheinlich keine Verbrechen getan haben, verschiebt sich die Balance Richtung Aufklärungsinteresse. Sie alle wissen, dass sie sich von dieser Shitshow nur „reinwaschen“ können (so richtig wird das natürlich nie gelingen), wenn alle Files released, am besten alle Verbrechen aufgeklärt und alle Täter benannt sind.

Derweil werden auch weiterhin überall um uns herum die Truth-Bombs hochgehen.

Weil sich Wissen pfadabhängig fortpflanzt, generieren die Milliarden Daten-Enden der Epstein Files (Daten, Namen, Orte, Emailadressen, Kontonummern, Telefonnummern, etc.) hochreaktive Pfadgelegenheiten zur Verknüpfung mit anderen Daten, aus denen dann neue „Leads“ in „kalten“ Geschichten hervortreten.

Epstein war ein riesiges vieldimensionales Puzzelteil in soo vielen Puzzeln und dieses Puzzelteil löst jetzt eine Kettenreaktion in unzähligen umliegenden Geschichten aus.