Web Zwo aus der Vogelperspektive

Der beste Artikel zu der ganzen 2.0-Chose bisher, kommt von Robert Basic. Ok, ich hab auch Kritik. Die hab ich aber in den Kommentaren schon abgelassen.

Mein Schützengraben

Tja, da diskutiert man so vor sich hin, denkt sich nichts böses, legt sich hier an, legt sich dort an. Alles unter der Ägide einer sachlichen aber unnachgiebigen Diskussion, so wie ich es eben mag. Und plötzlich verschärft sich der Tonfall, die Worte werden persönlicher, die Stimmen schriller. Und auf einmal, ohne dass man sich versieht, steht man mittendrin im Krieg. Nun, ich finde so was natürlich vor allem immer eins: Amüsant. Aber da ich ja doch irgendwie auch zwischen den Fronten stehe, fühle ich mich gezwungen einmal Stellung zu beziehen:

Ich habe nichts gegen Mario Sixtus, ich schätze ihn als Journalist und als Blogger. Wobei mich seine Attacke gegen Don Alphonso dann schon allein vom Niveau her stört. Das ist Kinderkacke, mal ehrlich. Die vielen „hihi“’s und kleinen Witzchen hier und da („guck mal mein Quelltext„) aus seiner Richtung fand ich auch ziemlich albern und überflüssig, ja, kindisch.
Don hat eine harte Meinung und er vertritt sie hart und unnachgiebig aber solange man fair bleibt, bleibt auch er fair. Das hat Mario sich selbst verscherzt.

Ansonsten stehe ich Inhaltlich wohl mehr auf Mario Sixtus Seite, denn ich finde die Web 2.0 Geschichte praktisch und gut und sehe, wie er, sehr viel Potential darin. Dennoch stört auch mich der Hype an der Sache und das Wort ist auch schlecht gewählt. Zudem halte ich die Diskussionen, die Don Alphonso dazu immer wieder anstößt für enorm wichtig, denn hier gibt es offene Fragen, hier gibt es auch Gefahren und dass diese Diskussionen solch einen Widerhall auslösen, zeigt doch sehr deutlich, dass noch längst nicht alles geklärt ist. Auch die New Economy Reflexe, die das bei manchen auslöst, sprechen eine deutliche Sprache. Bei Don sind es die Abwehrreflexe, bei anderen die Dollarzeichen in den Augen. Ich weiß auch noch nicht so recht, wie ich das einordnen soll.

Ich weiß nur eins. Man wird sich der Entwicklung nicht verschließen können, sie ist bereits da. Wer das abstreitet, hat Tomaten auf den Augen. Und so wie ich das bis jetzt sehe, ist auch nicht primär eine kommerzielle Entwicklung, sondern die Ausbildung einer ersten Netzkultur abseits des üblichen Nerdism. Allein dass die Heisetrolle das alles doof finden, macht mir die Sache sympatisch.

Volle Deckung!

 

ES IST KRIEG (2.0)

Medienkompetenz

Hab ne Mail bekommen:

Von einem Marko Kaddik. – Hm, kenn ich nicht.

Einziger Betreff: „Rundmail„- SPAM, ganz klar!!!

Oha, sogar ein Anhang dran. *VIRUSALARMGLOCKENSCHRIIIILLLL!!!!!*

Noch während ich mich frage, wie zum Teufel diese Mail durch mein Spamfilter gerutscht ist und sich mein Zeigefinder schon in Richtung [entf]-Taste bewegt, halte ich ein. Irgendwas in mir, keine Ahnung was, lässt mich zögern. Ob ich da mal reingucke? So ganz vorsichtig?

Und tatsächlich, man halte es für möglich, es war weder Spam, noch ein Virus, noch eine Phishingattacke, sondern eine Mail von meiner Universität:

anbei übersende ich Ihnen zwei Dateien des Minsiters, Herrn Stramann zur Information über die kommende Einführung der Semesterbeiträge. Bitte lesen Sie sich diese Informationen durch.
[…]“


Ist das zu fassen??? In welcher Zeit leben die denn??? So was kann man doch nicht machen! Man sollte doch eigentlich annehmen, dass an einer Universität ein Mindestmaß an Medienkompetenz vorausgesetzt werden darf. So was unfähiges hab ich noch von keiner Organisation erlebt.
Bei solch einer Bank jedenfalls, würde ich kein Konto haben wollen.

Rollen

Ach, es macht doch immer wieder Spaß sich zu streiten. Vor allem wenn der Andere in seiner kompromisslosen Abwehrhaltung immer wieder den Streit provoziert. Ich schätze das, denn nicht immer darf ich der sanfte und ausgleichende Part sein. Oft genug ist es andersrum, und ja, ich gebs’ zu, auch das macht Spaß. 😉
Streiten, wie jegliche Art der Kommunikation, scheint eben reiner Selbstzweck zu sein, ja, der Streit ist anscheindend so was wie eine erweiterte Kulturtechnik. Die Rollen und Themen bleiben dabei immer austauschbar.


Damals, in den vielen Urlauben zusammen mit meiner Freundin, erlebten wir hier und da immer mal wieder Situationen, in denen wir nicht weiter wussten. (Wir bildeten uns viel auf unsere Freiheit ein, niemals vorher Hotelzimmer zu buchen, sondern nur auf gut Glück vor Ort zu suchen) In solchen Situationen war einer von uns immer verzweifelt, der andere blieb cool und schaffte es so, den anderen zu trösten. Ich kann nicht sagen, wer welche Rolle öfters spielte, es war immer abwechselnd, glaube ich. Der eine weist anscheinend dem anderen durch sein eigenes Verhalten immer die notwendige Gegenrolle zu.


Durch mate beschäftige ich mich seit längerem mit Design (besser gesagt, ich bekomme es irgendwie mit). Sogar ich kann mittlerweile ersehen, wie sich ein zeitgenössisches Design aus den 90ern von einem heutigen unterscheidet. Die Differenzen sind teilweise unscheinbar und schwer zu erklären, dennoch scheint es trotz der Variationsbreite immer einen jeweils gültigen modischen Code zu geben, eine Art Konvention. Man könnte auch von einer Kultur oder einer Sprache sprechen. Eine Sprache, die sich immer weiterentwickelt, die in ihrer speziellen Ausdrucksweise aber auch einen impliziten Diskurs mit sich führt, in welchem immer wieder neue Konventionen ausgehandelt und ältere ins modische Nirwana verbannt werden.


Auch in der Philosophie gibt es Moden. Gewisse Ideen und Konzepte, die zu einer Zeit vorherrschen und auch welche, die verpönt sind (angeblich widerlegt), andere die gerade wieder ausgegraben (neu interpretiert) werden. Hier ist der Diskurs natürlich expliziter. Der größte Unterschied ist aber wohl, dass die Designer sich nicht einbilden nach einer allgemeingültigen Wahrheit zu suchen.

War Nietzsche ein Rocker?

Ich sage euch:
man muss immer noch Chaos in sich haben,
um einen tanzenden Stern gebären zu können.

(Zarathustras Vorrede)

Auf die von JGE in seiner Philobar gestellte Frage, warum Nietzsche so populär ist, gibt es eigentlich nur eine Antwort: Nietzsche ist Philosophie gewordener Rock’n Roll.

Er ist eine tragische Figur der Auflehnung gegen das bürgerliche Spießertum. Er ist ein wütender, alle Gewissheiten zerschlagender Hotelzimmerverwüster. Er ist der größenwahnsinnige Brachialpolemiker mit dem Holzhammer. Und dennoch ist er auch der traurige Außenseiter, von seinen unglücklichen Lieben aufgezehrt und schließlich auch mithilfe von Drogen um den Verstand gebracht. Es ist, als sei er nie wirklich erwachsen geworden, was ihm eine nicht zu nehmende Schärfe verleiht, ihn aber letztendlich vollends den Verstand und wohl auch das Leben kostete. So bleibt er uns im Gedächtnis wie so viele andere, James Dean, Jimmy Hendrix und Kurt Cobain, als ein Märtyrer dieser sinnlosen Rebellion, die man Jugend nennt.

Ach ja, er selbst hat mit Begeisterung, aber dafür weniger mit Erfolg Musik gemacht, dabei orientierte sich sein Musikgeschmack erklärtermaßen an Richard Wagner, wessen Werk sich eine gewisse Rock’n Roll-Attitüde nicht absprechen lässt. (wobei ich immer noch Beethoven für den größten Rocker unter Klassikern halte)

Nein,

ich habe weder einen Deal mit Mario Sixtus noch mit der Frankfurter Rundschau. Warum sie mich, als eigentlich ja eher kleines Lichtlein der Blogsphere, dennoch in ihrer Serie Blogsphäre [hier] (diesmal Janko Röttgers) und [hier] und [hier] zitieren, kann ich mir eigentlich auch nicht erklären, fühle mich aber natürlich ziemlich gebauchpinselt. Aber das hat sicher nur mit meinem opportunistischen Verhalten zu tun, bei allen blogsphererelevanten Themen immer lautstark mitzublöken.

Es ist aber auch nicht so, dass mir das jetzt enorme Leserschwälle gebracht hätte, ganz im Gegenteil. Über diese drei Links sind vielleicht insgesamt 10 Leute vorbeigeschneit. Diese wirklich lesenwerte Reihe über die Blogsphere scheint wohl trotz der prominenten und wirklich guten Autoren von nur wenigen Leuten wahrgenommen zu werden, was ich persönlich sehr schade finde. Deshalb will ich hier noch mal die Chance nutzen, dafür lautstark in die Trommel zu hauen: Lest das! Es lohnt sich wirklich. Immer eine gute Zusammenfassung von was so geht, hier in Klein Bloggersdorf und außerdem sind dort auch immer interessante Blogs verlinkt 😉

Glückwunsch Herr Broder,

es tut wirklich gut, das von Ihnen zu lesen:

Opa Moshe Menuhin war schon der Alibi-Jude der „National-Zeitung“, sein Enkel Gerard Menuhin setzt diese Tradition fort.

Ich bin sehr erleichtert, dass Sie diese Wahrheit aussprechen. Zwar hatte ich insgeheim schon gewagt zu hoffen, war mir dann aber doch nicht ganz so sicher, weil: das ist ja heute auch alles so unglaublich kompliziert mit der Politik. Das Linke ist ja heute rechts und das Rechte ja irgendwie links und liberal sind dann ja auch viele, wobei ja manche auch schon wieder nicht so einfach nur liberal, sondern vielmehr markt-, national-, links- oder sonstwie- liberal sind und viele Liberale ja gar nicht mal so richtig liberal sondern eher so neo, so wie manche Faschisten eher so krypto sind und … und naja, viele Demokraten sind wohl ziemlich undemokratisch und wenn dann noch die jüdischen Antisemiten, die linken Nationalisten, die nationalen Globalisierer, die antiglobalen Cosmopoliten mit den naiven, rechten Weltverbesserern mit den Demokratiefundamentalisten überall herumspringen und, und …. also, Puh. Hammer kompliziert das ganze heutzutage, nicht?

Aber wenigstens bei Menuhin will ich ihnen uneingeschränkt Recht geben und diese Erkenntnis ist viel wert, sie darf nicht unterschätzt werden. Denn dieser Menuhin gibt uns einen Punkt, ja, sogar einen festen im Universum. Fixieren Sie diesen Punkt, lassen Sie ihn wirken, denken sie ab dort vielleicht noch ein Stück weiter, machen Sie uns den Archimedes. Und vielleicht, wenn Sie durch dieses politische Dickicht dann noch ein wenig mehr durchblicken, wird sogar noch der Groschen fallen, dass Sie für Ihre Neokonler genau das sind, was Menuhin für die NDP ist. Aber Selbsterkenntnis ist ja auch die schwerste Erkenntnis.

Wenn das Blog ein Philosoph wäre,

dann wäre es nicht so eitel wie Hegel, sondern so unprätentiös wie Kant.
Es wäre nicht ausufernd wie Sartre, sondern aphoristisch wie Nietzsche und fragmentarisch wie Benjamin.
Es wäre auch nicht so abstrakt wie Luhmann, sondern so autobiographisch und persönlich wie Rousseau.
Es wäre nicht in einer exakt ausgefeilten Sprache verfasst wie Peirce, sondern hingerotzt wie Theweleit.
Es wäre nicht so monumental wie Heidegger, sondern parasitär und unabgeschlossen wie Derrida.
Es wäre nicht ausgewogen wie Aristoteles, sondern so provokant und beißend wie Baudrillard.
Es wäre nicht objektiv wie Popper, sondern literarisch und subjektiv wie Camus.

Aber vor allem wäre es nicht monologisch dozierend wie Adorno, sondern dem Anderen immer in der Bereitschaft zum Dialog zugewandt wie Sokrates.

Aufmerksamkeit

Wie gut, dass ich ein Blog hab, sonst müsste ich wohl Autos anzünden.