Vortragsvideos im Mai I

Der Vortragsmarathon hat erste Ergebnisse produziert. Zumindest schon mal 2 Videos. (Eigentlich sind alle Vorträge aufgenommen worden, die anderen kommen also noch)

Wer meinen Vortrag auf der re:publica verpasst hat, kann ihn hier nachgucken. Ich hatte nur eine halbe Stunde Zeit und viel zu erzählen. Im Grunde ging es mir darum, einmal klar zu machen, was ich mit dem Begriff „Plattform“ meine. Alles etwas hastig vorgetragen, leider.

Und am Montag drauf waren Christian Heller, Falk Lüke und ich von der Friedrich Naumann Stiftung nach Hamburg eingeladen worden. Ich halte einen kurzen Vortrag über Kontrollverlust, danach Christian über Post-Privacy und dann Falk über den Sinn von Datenschutz, dann diskutieren wir recht gesittet. Moderiert wurde das ganze von Jöran Muuß Merholz.

ReSource001 und SIGINT werden nachgereicht.


Nachtrag zur Urheberrechtsdebatte

Mich nervt ja schon seit langem, wie diese Diskussion um das Urheberrecht geführt wird. Und ich muss sagen, sie geht mir eher von Seiten der Netzgemeinde auf den Sack, als von den Urhebern und Verwertern.

Beispiel Piraten. Wolfgang Michal hat hier noch mal präzise aufgedröselt wie uneingestanden inkohärent und bigott die Postion der Piraten hier ist. Man will NATÜRLICH dem Künstler ALLE Rechte beihalten, aber mit Filesharing soll er sich abfinden. Nee, is klar.

Und jetzt also wir-sind-die-buerger.de als Reaktion auf wir-sind-die-urheber.de. Was für eine Anmaßung! Nein, ihr seid nicht die Bürger. Ihr seid die fucking Netzgemeinde! Ihr seid nicht die Öffentlichkeit, sondern eine spezifische Gruppe mit sehr eigenen Interessen. Und ihr seid die dreistesten Lobbyisten unter den Sonne, wenn ihr das nicht mal auf die Kette kriegt, Euch das einzugestehen!

Und wenn Ihr wirklich glaubt, mit Gegenaktionen, dem neununddröftzigsten Podium oder extra organisierten Konferenzen die Urheber und Verwerter von Eurer Position zu überzeugen, dann habt Ihr das ganze Spiel noch nicht verstanden.

Mal ehrlich: glaubt Ihr wirklich, dass Ihr den Künstlern nur das Internet besser erklären müsst, damit sie mit der Schulter zucken und einsehen, dass sie nichts gegen Filesharing tun können? Glaubt ihr wirklich, dass die verhärteten Fronten daran liegen, dass noch nicht genügend rationale Argumente ausgetauscht wurden?

Oh, ja, das klingt logisch„, sagt der Künstler und akzeptiert, dass ihm ein drittel seiner Einnahmen wegbrechen.

Oh, so habe ich das noch nicht gesehen. Stimmt, eigentlich sind wir überflüssig.“, sagt der Verwerter, schließt den Laden ab und wirft den Schlüssel in den Gulli.

Glaubt Ihr das wirklich?

Es ist doch gar nicht der Diskurs, gegen die die Urheber wettern (auch wenn Constanze Kurz glaubt, ich hätte die Debatte ausgelöst. (sehr schmeichelhaft, danke, aber total daneben in der Analyse.)). Das merkt man doch alleine daran, dass sie sich mit den Argumenten gar nicht beschäftigt haben. Was wir Netzleute in unsere Blogs und die Piraten in ihre Programme schreiben, ist ihnen doch egal.

Denen steht das Wasser längst zum Hals. Ich hab mich in letzter Zeit oft mit Leuten unterhalten, die ihr Geld mit Musik verdienen und die haben schlicht Angst, weil ihnen heute schon Einnahmen einbrechen und sie nicht wissen, wie sie sich in Zukunft finanzieren sollen.

Für uns ist das eine Debatte. Für sie ist das eine Existenzfrage.

Unser Diskurs ist doch nur das Symptom und politischer Ausdruck dieses längst vorhandenen radikaleren Wandels, der den Künstlern bereits heute die Hosen auszieht. Wir sind nur noch die Instanz, die das legitimiert und bekommen jetzt ihre Wut ab.

Niemand will, dass sein sicher geglaubtes Geschäftsmodell und damit die ganze Lebensplanung auf einmal in Frage gestellt wird.

Nein, die Künstler und Verwerter werden sich nicht zum sterben oder darben überreden lassen, egal wie sehr Ihr euch bemüht. Es ist Ihr gutes Recht zu kämpfen, auch gegen alle Vernunft.

Wäre es nicht mal Zeit für etwas Aufrichtigkeit? Sagt den Verwertern doch bitte mal, dass man wohl den Großteil von ihnen nicht mehr braucht. Sagt den Künstlern, dass die meisten von Ihnen auf Einnahmen werden verzichten müssen. Dass es zwar auch neue Wege gibt, diese aber nicht für alle funktionieren werden und dass sie nicht mittelfristig genug hergeben werden, das selbe Einkommensniveau zu halten wie bisher.

Das ist hart und das ist bitter für viele und das gilt es anzuerkennen.

Und ja, ich bin weiterhin der Meinung, dass wir den Urheberrechtspfad komplett verlassen sollten und ich gebe zu, dass ich alles andere für einen peinlichen Tanz um den heißen Brei halte. Das Urheberrecht ist konzeptionell nicht mehr mit den heutigen Realitäten und einer digitalen Zukunft vereinbar. Ich glaube auch, dass das die meisten wissen. Sogar die Urheber. Es wird wirklich mal Zeit für Ehrlichkeit in der Debatte.