Urheberrecht

Ich hatte mich bereits mehrfach im WMR zu dem Thema geäußert, aber als Malte Spitz letztens per Twitter nach einem Text dazu fragte, konnte ich nur mit den Schultern zucken. Tatsächlich habe ich sträflich wenig zu der ganzen Urheberrechtsdebatte geschrieben. Und das, obwohl ich das Urheberrecht – bzw. die Probleme damit – schon immer mit unter dem Kontrollverlustsdiskurs subsummiert hatte.

Mein Schweigen hat zwei Gründe. Erstens war zum Thema seit ich denken kann schon immer ein lebendiger Diskurs vorhanden, den ich mal mehr, mal weniger interessiert verfolgte. Es gibt tausend gute Argumente warum es sowas wie ein „Geistiges Eigentum“ nicht gibt, warum das Urheberrecht auf der fixen Idee einer „originären Schöpfung“ beruht, dass ungeschütztes Wissentauschen einen positiven Einfluss auf die Kultur hat, etc. All das hätte ich kommentieren, paraphrasieren oder reproduzieren können, aber das war mir schlicht zu viel Arbeit.

Denn in Wirklichkeit ist meine Position zu dem Thema Urheberrecht so einfach wie langweilig:

Abschaffen. Ersatzlos.

Die Begrüdung: ich glaube, dass es der Gesellschaft unterm Strich mehr nützt, möglichst unbehinderte Informationsflüsse zu haben. Außerdem – und hier greift der Kontrollverlust – ist die Kontrolle dieser Informationsfüsse eh eine nie mehr einzulösende Utopie.

Ich könnte jetzt hiermit fertig sein, denn ja, das ist alles, was ich zu bieten habe.

Das reicht nicht aus!„, sagen jetzt alle und sie haben insofern recht, als im Mainstream gar nicht in erster Linie das Urheberrecht disktutiert wird, sondern alternative Geschäftsmodelle für Künstler. Man streitet über Modelle wie Kulturflatrate, T-Shirtverkauf oder Kulturwertmark.

Vielleicht funktioniert ja was davon. Vielleicht auch nicht. Ich finde halt nicht, dass die Gesellschaft den Künstlern ein Geschäftsmodell schuldig ist. Alle anderen müssen schließlich auch sehen, wo sie bleiben. Wenn der Putzroboter bald die Reinigungskraft ersetzt, wird sie auch nicht auf imaginäre Rechte referieren können, damit ein Anwalt ihre Bezahlung durchsetzt.

Aber jetzt sind immer noch alle unzufrieden. Sie rufen mir zu, dass dann doch die Kultur untergeht und alle Künstler ins Betteltuch weinen.

Och, ja. Naja. Es wäre quatsch zu behaupten, dass alle ihren Wohlstand behalten werden. Aber das wäre bei egal welcher Lösung eh nicht drin. Keine Änderung ohne Tränen. Sicher, es wird bestimmte Kunst nicht mehr geben oder sie wird weniger werden. Tendenziell die mit viel Investitionsaufwand, tendenziell die mit kalkulierten Gewinnabsichten. Aber sonst? Die meiste Kultur da draußen wird von den Künstlern doch heute schon für umme produziert. Warum sollten sie damit aufhören, nur weil es ein beknacktes Recht nicht mehr gibt, von dem sie zum Großteil eh nie profitierten?

Ein Autor will gelesen, ein Musiker gehört, ein Schauspieler gesehen werden. Nie war es so einfach das zu bewerkstelligen. Die Investitionskosten, die man dafür hinlegen muss, sinken fast ebenso rapide, wie die Streamingpreise pro Lied bei Spottify. So lange es Menschen gibt, werden sie Kultur produzieren, da mach mir einfach keine Sorgen. Heute können mehr Menschen Kultur machen als je zuvor und sie werden es machen, mit oder ohne Urheberrecht.

Aber Sven Regener ist dann ganz doll traurig!“ Och. Dann reiche man ihm ein Taschentuch. Meinetwegen auf Steuerzahlerkosten. (Oder ich geb eins aus.)

(Bonustrack: Ich bin übrigens für ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Zack, alle Probleme gelöst. Nicht nur die der Künstler. Aber auf mich hört ja keiner.)


59 Gedanken zu “Urheberrecht

  1. Ein Beispiel:

    Ich genieße sehr z.B. die dicken Romane von Andreas Eschbach. Gerne auch als gebundenes Buch. Oder als eBook.

    Könnte mir vorstellen, dass es unter ersatzlos abgeschafftem Urheberrecht solche Werke schlicht nicht mehr gibt. Denn da muss einer (Eschbach) über Monate jeden Tag stundenlang dran arbeiten. Da kann er nicht noch etwas anderes machen, um das eigentliche Geld zu verdienen. Vermutlich würde es sich auch nicht mehr lohnen, gebundene gedruckte Bücher herzustellen. Gut, da muss man dann halt drauf verzichten, und auf eBooks zurückgreifen, die vielleicht auf der eigenen Homepage des Autors heruntergeladen werden können. (Und dann beliebig kopiert)

    Reichen Flattr-Buttons mit bedingungslosem Grundeinkommen? Oder wäre Eschbach dann Software-Entwickler geblieben, und ich müsste auf all die tollen Romane verzichten?

  2. Solche Thesen können auch nur die Postprivacy-Spackos vertreten, die in der Bahn die 3. Klasse nutzen würden, wenn es sie gäbe, immer das billigste Hotel suchen, auf 30qm wohnen, von Papi noch Geld bekommen und nie über Studenten-Niveau hinausgekommen sind. Dass solche Leute am liebsten von einem bedingungslosen Grundeinkommen leben würden, ist klar: Sie hätten ja auf einen Schlag mehr als jetzt. Dafür kann man schon mal die Kunst opfern. Doch erst wenn der letzte Künstler aufgehört hat, sich für lau im Netz kopieren zu lassen, werden die Spackos merken, dass es dann ganz, ganz still wird in ihren kargen Hütten.

  3. @orkuss – Ja, wahrscheinlich hätte Eschbach keine Romane geschrieben. Aber geschrieben hätte er bestimmt. Denn bei den meisten Künstlern ist das Schreibenwollen im Vordergrund und das Geschäftsmodell nur der Weg das zu finanzieren. Also hätte Eschbach vielleicht in seiner Freizeit kurzgeschichten geschrieben und sie in’s Blog gestellt. Vielleicht hätte er auch gar nicht geschrieben, aber das wäre sicher nicht in seinem Interesse gewesen.

    @rob – hihi.

  4. och Michi irgendwie enttäuschst du mich – da hätte ich mehr erwartet.

    Weil ma Butter bei de Fische – das Gedankenspiel müsste man mal komplett durchspielen – von Musik, Film, Bücher, Software und Patentrecht, Markenrecht – einfach ma die ganze Palette. Was währe wenn es all diese Gesetze nicht gebe ??? hmmmm *grübel*

    Es gäbe keine Industriespionage mehr – also ich meine dann auch Apple, Fratzenbuch usw usf – raus mit dem sourcecode – hopp hopp. und ich bin Applefanboy und KlickiBuntieJunkie.

    Es ist doch janz eefach die Geschäftsmodelle heißen – usability – service – performance – Dienstleistung. Der Maschinenlesbare Quellcode steht jeden offen zur Verfügung. Apple verdient doch kein Geld wegen Patentfuu – Copycats gibts so oder so.

    Das BGE kann man auch besser verordnen. Alle Ansätze aller Crowdfundingideen, Kulturflatrate ect pp haben eins gemeinsam – man muss in Vorleistung gehen. Alle diese Systeme haben den gleichen Fehler – the winner takes it all. Ein BGE hilft denen, die erst eine kritische Masse erreichen müssen. angeblich reicht es 10.0000 Fäns im Netz zu haben – egal ob man nu bloggt, podcastet – videos macht – um davon prima leben zu können. Keine Ahnung ob die Hausnummer nu stümmt – aber is ja auch egal. Die muss man aber erst mal erreichen. Dort wo sich dann ein Publikum findet, welches bereit ist Knete zu bezahlen wird es das auch machen – für Kulturpessimismus sehe ich auch keinen Grund.

    Naja und dann immer die große – viel gelobte Mainstreamkunst. Ich liebe Mainstreampop – und denke durchaus, dass es auch eine Kylie Minogue ohne Urheberecht weiterhin geben wird. sieht man ja schon mal wie cool die Dame sich im Netz bewegt. Twittert nen 25Jahre Remix ihrer Songs, der von nem normal-webuser wie wir auf soundcloud geladen wird auch selber über ihren eigenen account. Die Frage is aber gerechtfertigt ob n 300mio-hollywoodblockbuster 4 mrd Dollar einspielen muss oder nich auch eine mrd reicht – gnihii

    naja und zum schluss ma *hüstel* bissel werbung in eigener sache

    http://soundcloud.com/dirkbasquiat/lbm12-mindcrushers-de

    http://soundcloud.com/dirkbasquiat/lbm12-wolfgang-tischer

    zwei Gespräche die ich auf der Buchmesse in Leipzig geführt habe und die nicht unterschiedlicher sein könnten.
    Trotz aller liebe zum Gedankenspiel bin ich dann auch wieder Pragmatiker – die Richtung stimmt „Urheberecht abschaffen“ – ich kann aber auch mit ner Brückentechnologie aller CC-Lizenz leben.

    und Rocker sterben nich wegen Geldmangel – wie uncool is n das – die geben sich die Kugel, saufen oder koksen sich zu tote.

    🙂

  5. ich kann nicht so recht deinen optimismus in sachen open source nachvollziehen. dass apple und konsorten auf kein urheberrecht pochen können, heißt ja noch lange nicht, dass sie alles raushauen müssen. und wenn sie das nicht müssen, warum sollten sie?

    dass es immer schwerer wird, geheimnisse zu bewahren und dass eventuell geheimnisse nicht mehr vom gesetzt geschützt sind, heißt noch lange nicht, dass alle geheimnisse gelüftet werden.

  6. „…dass es immer schwerer wird, geheimnisse zu bewahren und dass eventuell geheimnisse nicht mehr vom gesetzt geschützt sind, heißt noch lange nicht, dass alle geheimnisse gelüftet werden.“

    hmmm – good point – nur würden damit imo schon mal die Auswüchse eingedämmt werden. Diese ganze Patentklagerei is ja schon völlig auser Rand und Band. Manchmal frag ich mich ob die großen Companies so die Patente wirklich wollen oder wozu machen sie am ende Patentpools – ums halt doch wieder zu bündeln und überhaupt irgendwie arbeitsfähig zu sein.

    Von mir aus kann Apple weiterhin mir ein default system stricken – und klar wenn ich mein iPhone mit ner anderen Software kaputt mache – bekomm ich vielleicht keinen Garantieanspruch. Muss dann halt selber wissen was ich da mache.

    Diese ganzen Rechtsstreitereien – aber sind am Ende wieder für uns zum Schaden. Samsung Tablets werden vom Markt genommen oder Apple muss Funktionen via Softwareupdate sperren. Weis net ob das in Zukunft noch so haltbar ist

  7. Hm. Du schreibst, dass du glaubst die Gesellschaft würde von der Abschaffung des Urheberrechts profitieren. Du schreibst aber nicht in wiefern.

    Auch schreibst du, dass die Gesellschaft niemandem ein Gescheftsmodell sicherstellt. Natürlich tut sie das! Genau die Putzkraft hat ein einklagbares recht darauf, für seine Arbeit auch bezahlt zu werden. Und wie gut die Gesellschaft z.B. Das Geschäftsmodell eines Einzelhändlers schützt kannst du leicht sehen, wenn du zum nächsten Autohändler gehst und mit einem Auto vom Hof fährst ohne ihn zu bezahlen.

  8. Max – 1. Das ist in der Tat natürlich schwer nachzuweisen. Aber ich glaube, dass ungehinderter Informationsfluss insgesamt zu mehr Wissen führt, was wiederum die gesellschaftliche Entwicklung beschleunigt. Das ist in gewissen Sinne immer das Ethos der Wissenschaften gewesen. Ich habe keine Ahnung, ob das durch Studien mal belegt wurde.

    2. Das stimmt nicht. Die Putzkraft ist ebenso wie ein Werk eines Künstlers dem Markt unterworfen. Stellt sie niemand ein, kann sie putzen wie sie will, es wird ihr keiner einen Cent geben.

    Das gleiche gilt für den Autohändler, dem seine Autos nicht abgekauft werden, wenn es nebenan welche für umme gibt.

  9. (ich hoffe jetzt einfach mal darauf, dass du nicht behauptest msp3s würden vom server gefahren)

  10. Natürlich sind alle „dem Markt“ unterworfen. Künstler ja auch. Aber sie haben ein staatlich garantiertes Anrecht darauf, dass man ihre Leistungen bezahlen muss, wenn man sie nutzen will. Ich finde, dieses Recht sollte bis zu einem gewissen Grad auch für Urheber gelten.

  11. Was soll die Abschaffung des Urheberrechts bringen? Es wird weder mehr noch bessere Inhalte geben. Man zwingt Künstler nur zum Betteln auf. Auch in Zukunft werden Modelle wie Flattr. und Co. nur für ein paar Wenige funktionieren.
    Komponisten würden gar kein Geld mehr sehen und sämtliche Kultur würde verschwinden.
    Für mich ist der Verkauf von einem Produkt, auch Geistigen, dass fairste Geschäftsmodell das es zurzeit gibt. Ich finde das es Sven Regener’s gutes Recht ist an jeder verkauften CD mit zu verdienen. Ich fände es schlimmer wenn er, nach deinem Modell, morgens putzen müsste und daher nur ein drittel seiner Zeit in Musik investieren könnte.
    Und was mir auch nicht einleuchtet ist, das du als beruflicher Versager, dich als Gegenentwurf betrachtest.
    Es gibt genügend Menschen die Kinder und Familie haben und nicht als adipöser ‚Blogger‘ in einer 30qm Bude leben können.

  12. Hey. Ich ähm bin da jetzt mal relativ direkt und sagen: ich stimme Dir zu. Zwar habe ich die Abschaffung des Urheberrechtes nicht bis zum Ende durchdacht, aber auch aus meiner Sicht gehört das Dingen mindestens einer gründlichen Überarbeitung unterzogen. CC-Lizensen helfen da schon weiter, wobei sie aus meiner Sicht auch ein Wink mit dem Zaunpfahl sind und in eine Richtung weisen, die theoretisch ohne das Urheberrecht auskommt.

    Und ich glaube auch, dass es in vielen Köpfen dann wieder mehr Platz für Kreativität geben würde, da man die Energie dann wieder mehr dem zuwenden kann, was man eigentlich sagen will, anstatt „Raubkopierer“ abzumahnen. Ausserdem wäre die Freiheit von den Zwängen der Verkäuflichkeit der eigenen Errungenschaft großartig, welche mit dem von Dir angesprochenen bedingungslosen Grundeinkommen zu lösen wäre.

  13. tendientiell. tendientiell? das schreibt soviel ich weiss noch immer „tendenziell“.
    Ok, falls das jetzt ein hypermoderner, mir und google unbekannter neologismus ist, hab ich nix gesagt 🙂

  14. Ich kann Deine Meinung in Teilen nachvollziehen. Und was das bedingungslose Grundeinkommen (bei gleichzeitiger Streichung aller Sozialleistungen) angeht: Bitte ja. Ich habe nach wie vor die naive Hoffnung, dass es zu meinen Lebzeiten noch eingeführt werden könnte.

    Andererseits sehe ich es so, dass für den Besitz eines Guts (jedweder Art) auch eine Gegenleistung erfolgen sollte. Es gibt für mich in diesem Fall keinen Unterschied zwischen (z.B.) einem Lied und einem Stuhl. Auch ein Stuhl ist keine „originäre Schöpfung“, es gibt ihn seit langem in mannigfaltigen Formen. Dennoch klaut man nicht einfach so Stühle aus dem Möbelladen, sondern man zahlt dafür, weil jemand Arbeit reingesteckt hat, man nimmt sie mit, setzt sich drauf. Weshalb also sollte man nicht auch dafür zahlen, ein Lied zu besitzen und zu hören?

    Ich glaube, das ist möglicherweise eher der Punkt: Dass Menschen es als normal ansehen sollten, für Dinge zu bezahlen. Auch für Dinge, die sie ungestraft klauen könnten.

    Wichtig ist auch eine Trennung zwischen bloßer „Verwendung“ (z.B. eines Bildes [ohne, dass man sich in irgendeiner Form daran bereichert!]) und eben dem Besitz einer Sache.

    Es macht einen Unterschied, ob ich zu meinem Privatvergnügen z.B. via tumblr oder ffffound Bilder sammle, oder ob ich beispielsweise Geld für Textbeiträge erhalte, die ich mit geklauten Bildern/Musikstücken etc. bestücke. Es müsste also Regelungen geben, die genau diese Unterschiede berücksichtigen.

    Auch ein Künstler muß ein Auskommen haben. Und da einfach zu sagen: „Naja, haste Pech gehabt, hättste dir halt nen anderen Job ausgesucht, ist halt so, dass man Künstlern alles klauen kann!“ finde ich zu kurz gegriffen. Abgesehen davon arbeiten die meisten Künstler doch ohnehin nebenher (oder hauptsächlich) in anderen Bereichen/Berufen.

    Bonustrack: Insgesamt klingt Dein Beitrag so, als wäre Dir Kunst (und soziales Verhalten) nicht allzu wichtig.

  15. bei Urheberrecht geht’s um ein bisschen mehr als nur um umsonst Musik saugen oder nicht. Stell dir mal folgende Fragen:

    1) findest du’s ok, wenn einfach die Musik von nimmt für einen (total beschissenen) Werbespot, ohne dies zu vergüten und vor allem, ohne das dieser das Recht hätte sich dagegen zu wehren und die Verwendung zu untersagen?

    2) oder findest du’s ok, wenn einen Song von nimmt, damit noch viel stinkend reicher wird, weil ja eh schon berühmt und der eigentliche Urheber geht vollkommen leer aus?

    3) oder findest du’s ok, wenn (um mal von der Musik wegzukommen) Disney oder ein anderes Megahollywoodstudio die Kurzgeschichte / den Comic etc deines Lieblingsbloggers/autors/zeichners/etc als Grundlage für einen Blockbuster verwendet, der Urheber aber nichts kriegt und noch nicht mal genannt wird?

    Alle 3 Fragen mit Ja beantwortet? Ok, dann ist das deine Meinung, warum nicht.
    Zumindest eine dieser Sachen doch nicht so ganz cool? Dann denk vielleicht nochmal drüber nach – vielleicht wäre eine (meinetwegen gerne auch radikale) Reform des Urheberrechts doch die bessere Alternative zu „Abschaffen. Ersatzlos.“

  16. landes: ich kenn mich genug aus, um das alles zu wissen, danke. 🙂

    zu 1, 2 und 3. Nee, wie kann man das gut finden.

    Finde ich es so schlimm, dass ich den ganzen fuckup mit dem Urheberrecht in kauf nehmen bereit bin? Nö.

  17. offensichtlich geht hier alles in eckigen Klammern nicht.. deswegen hier nochmal:

    1) findest du’s ok, wenn (hier-bitte-deinen-verhasstesten Konzern-einsetzen) einfach die Musik von (hier-bitte-deinen-Lieblingskünstler-einsetzen) nimmt für einen (total beschissenen) Werbespot, ohne dies zu vergüten und vor allem, ohne das dieser das Recht hätte sich dagegen zu wehren und die Verwendung zu untersagen?

    2) oder findest du’s ok, wenn (hier-bitte-Milliaunenseller-Major-Artist) einen Song von (hier-bitte-deinen-Lieblings-Indie-Geheimtipp) nimmt, damit noch viel stinkend reicher wird, weil ja eh schon berühmt und der eigentliche Urheber geht vollkommen leer aus?

    3) oder findest du’s ok, wenn (um mal von der Musik wegzukommen) Disney oder ein anderes Megahollywoodstudio die Kurzgeschichte / den Comic etc deines Lieblingsbloggers/autors/zeichners/etc als Grundlage für einen Blockbuster verwendet, der Urheber aber nichts kriegt und noch nicht mal genannt wird?

    Wie geschrieben: Ja? Ok, warum nicht, ist ne Meinung, kann man haben.
    Hm, vielleicht wär das ja doch nicht ganz so cool, zumindest eins davon? Dann denk vielleicht nochmal ein wenig drüber nach. lg c

  18. ach so, schon geantwortet ;). Sorry für’s Doppelgepostspamme..

    Na, es gibt ja nicht nur alles-immer-weiter-so-wie-immer oder alles-scheiße-dann-lieber-gar-nicht, sondern durchaus die Möglichkeit der Reform und Anpassung an aktuelle Gegebenheiten.

  19. Da glaub ich halt nicht. Alle Modelle, die versuchen die Informationen einzugrenzen und ihre Distribution zu kontrollieren, werden scheitern. Und deswegen kann es so wenig ein „bisschen“ Urheberrecht geben, wie ein „bisschen“ schwanger.

  20. Pingback: Die Gedanken sind Brei | Ein Satz sagt mehr als 1000 Worte

  21. lol – Hardwaremetaphern wo man nur hinschaut. wird noch ma spannend bis makerbot und co. mainstream sind – dann wird auch WMF mir erklären wollen Messer und Gabel sind Urheberrechtlich geschützt.

  22. Ganz so einfach ist es nicht – natürlich gibt’s da Möglichkeiten. Sogar schon konkret umgesetzte, Stichwort Creative Commons, oder Beispiele in der Vergangenheit, wie da mit ähnlichen „Problemen“ umgegangen wurde, wie etwa beim Radio. Diskutieren könnte man etwa Positionen wie:

    – Sobald ein Werk veröffentlicht wurde, sollte da nicht jeder die Möglichkeit haben dieses der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sofern er das nur fair (das wäre auszuhandeln) vergütet (wenn er damit Geld verdient). Ganz ähnlich wie jeder Radiosender das spielen darf, ohne dafür einen Vertrag mit jedem einzelnen Rechteinhaber zu machen.

    – Copyleft statt Copyright

    – alle Modelle die so grob in den Bereich der Kulturflatrate fallen sowie Pauschalvergütungen (damit tue ich persönlich mich zwar schwer, da sind mir marktwirtschaftliche Lösungen lieber, aber diskutieren kann und muss man das durchaus)

    Dabei geht’s nicht um ein „bisschen“, um mehr oder weniger, sondern dabei geht’s schlichtweg um anders. Das hat auch alles nichts mit eingrenzen zu tun. Mit Kontrolle vielleicht (Copyleft), aber das muss nicht zwingend ein Negativkonstrukt sein. Indem du einem Künstler das Recht zugestehst, über sein Werk in einem gewissen Rahmen zu verfügen, schützt du ihn (siehe meine 3 Beispiele). Das ist nebenbei bemerkt auch in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte so festgeschrieben worden („Jeder hat das Recht auf Schutz der geistigen und materiellen Interessen, die ihm als Urheber von Werken der Wissenschaft, Literatur oder Kunst erwachsen.“ Artikel 27) – das ist zumindest nichts was man mal eben so über den Haufen werfen sollte, nur weil’s gerade Schwierigkeiten gibt. Dazu braucht man aber halt etwas Fantasie und natürlich ist das mühsam.

    Wirst du wahrscheinlich nicht gerne hören, aber mit deiner Position bist du gar nicht so weit entfernt von denen, die auf dem Urheberrecht in seiner jetzigen Form beharren und ebenfalls die Notwendigkeit einer Änderung nicht wahrhaben wollen. Ist auch eine legitime Meinung, ebenso wie deine, aber man macht sich’s halt schon ein bisschen sehr einfach so.

  23. Vorweg gesagt, da der folgende Abschnitt aus einem Text von mir zitiert: Ich bin kein prinzipieller Freund des Urheberrechts, aber ich bin einer der Kultur. Wenn sich eine Möglichkeit fände, Künstler ohne ein solches Recht einschränkungsfrei arbeiten zulassen, würde ich unweigerlich zustimmen.

    „So simpel und pauschal kann man die Angelegenheit nicht sehen. Ich glaube schlichtweg nicht daran, dass sich aus reiner Vernunft oder aus emotionalen Gründen genug Menschen einfinden, die allen Künstlern ausreichende finanzielle Unterfütterung ermöglichen, auch wenn diese Absicht sehr lobenswert und zu fördern ist. Und weiterhin erscheint die mit der vollständigen Abschaffung des Urheberrechts einhergehende Unmöglichkeit, selbst über die Verwendung seiner Werke zu bestimmten, sehr ungerechtfertigt, es sei denn, es ist auch verunmöglicht, mit gedanklichen Leistungen unter Verfälschung der Herkunft auf irgendeine Weise Geld zu verdienen. Die so oft chinesischen Unternehmern zugeschobene Absicht, mit der Kopie oder Weiterentwicklung fremder Ideen der Allgemeinheit zu nutze sein zu wollen, halte ich dabei für völlig realitätsfern.“ Ausführlicher habe ich mich dazu hier geäußert: http://hortusmentium.blogspot.de/2012/02/uber-den-schutz-des-urhebers.html

  24. @mspro:
    “…Abschaffen. Ersatzlos. Die Begründung: ich glaube, dass es der Gesellschaft unterm Strich mehr nützt, möglichst unbehinderte Informationsflüsse zu haben…”

    Inwiefern nützt es der Gesellschaft, wenn recherche-aufwendige(*) Arbeiten (Texte, Artikel, Bücher etc.) zukünftig nur noch mit der Hilfe von finanzkräftigen Sponsoren (Lobbyisten, Mäzenen etc.) oder von reichen Erben verwirklicht werden können? Die (wissenschaftlichen) Informationsflüsse werden durch das Motto “ersatzlos abschaffen” sicher nicht verbessert, im Gegenteil, sie werden qualitativ und quantitativ eingeschränkt, zudem verlieren sie (noch mehr) ihre Unabhängigkeit. Die Behinderung von Information bzw. Publikation würde nur weniger sichtbar, da sie schon vor der Entstehung eines potentiellen Werkes wirksam werden würde.

    (*) wenn beispielsweise ein junger, aufstrebender Forscher ein Sachbuch über den “Nahen Osten” schreiben will, wird er selbst mit der sozialpolitische Utopie (=BGE) nicht einmal den Hinflug zu seinem Forschungsgebiet – aus eigenen Mitteln – bezahlen können.

  25. Was soll denn der Vergleich der Reinigungskraft mit einem Künstler? Den kann man doch nicht durch einen Roboter ersetzen. Das Internet kann allerdings die „Zwischenhändler“ ersetzen oder ihre Macht schmälern. Das würde sowohl dem Künstler als auch dem Konsumenten nutzen. Das merken die Künstler aber nicht, wenn man Ihnen kein Alternativmodell (und du hast keines!) anbietet und geraten dadurch so in Existenzangst, dass sie glauben, sich mit den Verlagen und Labels etc verbünden zu müssen, um zu überleben. Deine Haltung blockiert so den Fortschritt!

  26. Nicht überzeugend. Die Putzfrau-Analogie ist ein Griff ins Klo, denn es werden nicht Musiker von Maschinen abgeschafft, sondern Du möchtest dass sie Musik machen, Du sie umsonst hören kannst und die Musiker dafür ein Almosen in Form eines Grundeinkommens bekommen. Absurd.

    Um bei Deiner missratenen Analogie zu bleiben: Du möchtest dass die vom Roboter obsolet gewordene Putzfrau umsonst weiter putzt und dafür vom Grundeinkommen leben soll.

  27. @mspro:
    “…Wenn der Putzroboter bald die Reinigungskraft ersetzt, wird sie auch nicht auf imaginäre Rechte(*) referieren können, damit ein Anwalt ihre Bezahlung durchsetzt…”

    Seltsamer Vergleich! – Eine Putzfrau, die – einer Maschine wegen – arbeitslos wurde, erbringt ja auch keine Leistung (mehr).

    Konkrete Wirklichkeit:
    Wie soll beispielsweise eine selbständige Psychotherapeutin noch ein Buch über ihre langjährigen Erfahrungen in puncto “posttraumatischer Störungen durch sexuelle Gewalt“ veröffentlichen können, wenn sie für ihre monatelange Schreib- und Denkarbeit keinerlei Entlohnung (mehr) erwarten darf? Soll sie auf eigene Kosten auf Lesereise gehen? Wenn sie keine reine Idealistin ist, wird sie wohl auf die Darstellung ihrer Gedanken in Buchform verzichten, zum Schaden der Gesamtgesellschaft. Vielen kleinen, unbedeutenden Autoren geht es nicht darum “…ihren Wohlstand behalten…” zu wollen, sie können sich oft nur keinen finanziellen Verlust erlauben.

    (*) für die (großzügige) Bezahlung von “…imaginäre Rechten…” sind die Befürworter des BGE zuständig.

    PS: Regener hat recht.

  28. @mspro:
    “…Die meiste Kultur da draußen wird von den Künstlern doch heute schon für umme produziert…”

    Die meiste Kultur vielleicht. Aber auch die bedeutendste Kultur? Was ist z.B. mit der “Kultur der Aufklärung”? Ist sie wichtiger als Heino? Gleichbedeutend mit Bushido? Weniger wert als Adele?

    Gibt es Kategorien/Hierarchien der Wichtigkeit? Oder ist in Sachen Kultur alles gleich (wurscht)…

  29. ne also ich verstehs noch immer nicht. warum können die künstler nicht selbst entscheiden, wie sie ihr zeug vermarkten? ist doch keiner gezwungen die GEMA zu benutzen, oder hat die in irgendeinerweise ein unbrechbares monopol? es gibt doch jetzt schon etliche künstler, die ohne das urheberrecht funktionieren – man muss es dafür garnicht abschaffen. erklärts mir einer: warum darf jemand, der etwas herstellt, nicht selbst bestimmen, zu welchen konditionen er das anbietet? wenn ich lady gaga beauftrage, „born this way“ mit meinem namen drin zu singen, ist das dann auch umsonst? es trifft ja genau das zu, was du sagst: wenn das keiner kauft, hat man eben pech. deswegen MUSS man es aber nicht umsonst machen. wird ja gerade so getan als würde die Musikindustrie es verbieten, Musik über andere Distributionswege zu verteilen, wie funktioniert denn das? (und bitte, bitte kommt mir jetzt nicht mit „wir brauchen die kulturflatrate“, macht das über flattr oder wasweißich) gibt halt einfach kunst, die würde man sich noch nichtmal reinziehen, wenn sie umsonst wäre.

  30. Dem Beitrag kann man eine gewisse Konsequenz nicht absprechen, denn diese unausgegorenen Zeilen kann man nur für „umme“ rausgeben.

  31. Kunst und Kultur hat es schon lange vor dem Urheberrecht gegeben;
    Kunst und Kultur wird es auch lange nach dem Urheberrecht geben.

  32. Ich glaube zwar nicht, dass das BGE als universales Allheilmittel funktionieren wird (wenn es denn überhaupt funktioniert), aber die Position zum Urhebrrecht ist durchaus nachvollziehbar und konsequent. Politik lebt leider nicht nur von stringenten logischen Argumentationen 🙁

  33. Pingback: Geht sterben » e13.de

  34. Autschn, lieber Michael – autschn autschn autschn.

    Neulich noch warst Du der Ansicht: »Wenn ich es radikal durchdenke, brauche ich einen Rechner, ein Smartphone und ein Platz zum schlafen. Der Rest ist in der Cloud. All meine Informationen, meine Musik, meine Bücher, meine Freunde, meine Lebensstil, meine Identität.« Was für Dich in der Konsequenz bedeutete, dass »es […] immer weniger darum [geht], Eigentum zu kaufen und zu verkaufen, sondern darum, Zugang zu Ressourcen zu vermieten«. Denn: »Wir können Bedürfnisse und Ressourcen durch Zugangsmodelle und mithilfe der Kommunikationstechnologie viel feingranularer und schneller aufeinander abstimmen und auf Bedürfnisse gezielter reagieren. Und ich finde das etwas gutes und ich möchte das nicht mehr missen. Ich finde, das ist die Zukunft, die wir anstreben sollten, aus ökologischen Gründen ebenso, wie aus freiheitlichen.«

    Diese Haltung, die auf einer wirklich brillianten Analyse aufbaut, finde ich plötzlich gar nicht mehr wieder – verschüttet und verschwunden unter dem naiven Vergleich einer Putzfrau mit einem Künstler und der Feststellung, die Gesellschaft sei der Kunst kein Geschäftsmodell schuldig. Wer soll denn bitte die Miete und die Kosten für den Space in der Wolke begleichen, wenn er für seine eigene Arbeit keinen blassen Cent sieht?

  35. Lyam – ich sehe nicht, wo sich die beiden beiträge widersprechen sollen. dass der artikel zu eigentum besser durchargumentiert und komplexer gedacht ist: geschenkt. es ist auch das ungleich schwierigere problem. ich sag ja hier ganz am anfang, dass ich die urheberrechtsproblemetik für total einfach und langweilig halte. kaum einen post wert.

    grundsätzlich habe ich schon seit langer zeit die forderung vertreten, dass „leistung“ und „einkommen“ entkoppelt werden sollten. und zwar ganz egal, ob es sich um „arbeit“ oder „produktion immatrieller güter“ handelt. siehe zb. http://mspr0.de/?p=2704 und http://mspr0.de/?p=939.

  36. Danke für die Verweise! Den ersten habe ich überflogen, zum zweiten bin ich leider noch nicht gekommen; es mag also sein, dass ich durchaus an Dir vorbeirede und Deinen Punkt noch nicht so recht begreife.

    Für mich besteht einfach folgendes Problem, das ich der Offenheit halber lieber als Frage formuliere, weil ich mir meiner Meinung nicht ganz sicher bin: Führten Zugangsmodelle ohne Urheberrecht denn letztlich nicht dazu, dass man nur noch die (technischen) Betriebskosten der Zugangsnetzwerke zu tragen hätte?

    [Ich habe den Eindruck, dass die Frage in meinen Worten das formuliert, was Du als Entkopplung von Arbeit bzw. Werk und Leistung bzw. Lohn umschreibst?]

  37. @Andi: Ich hoffe, das ist ein Fake Account. Was jemand in sein privates Blog schreibt, ist eine Sache. Aber die Aussage eines hochrangigen Mitglieds der Piratenpartei, dass die Position „Urheberrecht: Abschaffen. Ersatzlos.“ „durchaus nachvollziehbar und konsequent“ sei – Politik lebe „nicht nur von stringenten logischen Argumentationen“ (WTF..? und von was dann? hanebüchenen Behauptungen und zur Schau getragenem Unwissen?), macht mir Angst.. Ist Urheberrecht nicht eines der Kernthemen der Piraten?

  38. Pingback: Links vom 20. März 2012 bis 24. März 2012 | sixumbrellas

  39. „dass es immer schwerer wird, geheimnisse zu bewahren und dass eventuell geheimnisse nicht mehr vom gesetzt geschützt sind, heißt noch lange nicht, dass alle geheimnisse gelüftet werden.“

    Du hast wohl immernoch nicht so ganz verstanden, worum es hier geht. Patentrecht ist nicht gleich Urheberrecht!!!

    Nehmen wir einen Autoren. Dieser LEBT davon, seine „Geheimnisse“ in Schriftform preis zu geben. Das Urheberrecht ab zu schaffen bedeutet, sich „Feuchtgebiete“ aus dem Regal zu nehmen, den Umschlag aus zu tauschen gegen einen eigenen und das Buch wieder als sein eigenes zu verkaufen. Ohne rechtliche Folgen.

    Ich rate dir DRINGEND, dich mit dem deutschen oder europäischen Recht auseinander zu setzen, bevor du hier mit deiner extremen Ansicht nicht nur dich selbst, sondern auch jede Menge Urheber diskreditierst. Der Artikel ist für mich Meinungsmache ohne jegliche Wissensgrundlage.

    Versteh‘ mich nicht falsch, ich finde es toll, dass du zum Thema eine Meinung hast und diese hiermit preisgibst und vertrittst – ist ja auch dein Blog (wobei, wenn wir das Urheberrecht abschaffen kann der Eintrag auch plötzlich meiner sein, wer weiß…) – aber BITTE BITTE BITTE, mach dich schlau bevor du von Rechts- und Gesetzesgrundlagen spricht die dir scheinbar nicht geläufig sind.

    Gefährliches Halbwissen hat noch jede Diskussion in’s Leere laufen lassen.

  40. Ja, ungefähr dasselbe wie über die Menschen die keine Großbuchstaben verwenden. Danke für den qualifizierten Kommentar.

  41. Wow. Geil, die guten Argumente von jemandem zu ignorieren, weil er einmal drei Ausrufezeichen verwendet hat.

  42. „Das Urheberrecht ab zu schaffen bedeutet, sich “Feuchtgebiete” aus dem Regal zu nehmen, den Umschlag aus zu tauschen gegen einen eigenen und das Buch wieder als sein eigenes zu verkaufen. Ohne rechtliche Folgen“

    Und das richtet genau welchen Schaden an?

  43. Darf ich es mal zusammenfassen: Sven Regener und mspro haben jeweils keine Idee, wie man zwischen berechtigten Interessen auf beiden Seiten vermitteln könnte und kanzeln die jeweils andere Meinung als idiotisch ab. Der eine meint die Urheber schützen zu müssen, verteidigt aber, anscheinend ohne es zu bemerken, die Rechte der Verwerter. Dem anderen ist es auch zu popelig zwischen diesen zu unterscheiden und will sie deswegen gleich ganz abschaffen. Super, macht weiter so, Jungs, dann seid ihr bestimmt bald bei Jauch oder Maischberger.

  44. Hallo @mspr0

    Ich finde deinen Artikel gut. Ergänzend zum Grundeinkommen- wie denkst du über eine Art „Staats-Flattr“ ?

    z.B. der Bürger kann einen frei wählbaren Teil seines Grundeinkommens auf sein „Staats-Flattr“-Konto einzahlen. Findet er einen Blogpost, einen Song, ein Video usw. unterstützenswert klickt er auf den Button oder knipst einen QR-Code.

    Im Gegensatz zum jetzigen Flattrmodell wandern z.B. 40% des Anteils der Klicks direkt wieder aufs Bankkonto des „geflattrten“ weitere 40% direkt auf das Flattr-Konto des „geflattrten“. 10% werden gleichmässig auf alle Teilnehmer verteilt und die restlichen 10% als eine Art Steuer in die Staatskasse. Evtl kann der einzelne selbst bestimmen, ob er genau diesen Split haben will oder eine andere Aufteilung. Die 10% gleichmässig verteilten und die 10% für den Staat bleiben immer gleich.

    Gruss Peter

  45. Pingback: WTFPL « H I E R

  46. J.D. Per Slikkenberg: Ne, ich glaube, Sven Regener ist das eigentlich total egal, was mspro macht, solange er eben nicht seine musik „klaut“ – die ja mspro noch nicht mal geschenkt hören möchte – und mspro ist auch total egal, was Sven Regener macht, solange er ihm nicht verbietet, seine freie Musik auch frei runterzuladen – was Sven Regener ja auch nicht macht. Ich versteh also echt nicht, was das Problem an der jetzigen Situation sein soll, außer natürlich, mspro würde plötzlich sagen: ne, Sven Regener darf das nicht mehr für Geld anbieten, oder wenn Sven Regener sagen würde: mspro darf seine freie Musik nicht mehr umsonst verteilen.
    Peter:
    Das hört sich nach einer super Idee an! Aber warum brauchst du dazu den Staat? Mach das doch einfach selbst. Klar, wenn der Staat das machen würde, könnte er alle Künstler dazu zwingen, nur noch darüber Geld zu verdienen. Aber brauchen wir das wirklich? Wenn das Flattr-Modell besser ist, wird es sich doch von alleine durchsetzen! Außerdem kannste dann einfach selbst die 10% für Verwaltung behalten… bzw. die Hälfte musste ja eh an den Staat abgeben.

  47. martin:
    Das mit dem „Staats-flattr“ war nur als Beispiel gemeint. Klar könnte das auch ein privatwirtschaftliches Unternehmen tun; Die Idee ist meinerseits nicht zuende gedacht. Prinzipiell geht es mir um eine faire Verteilung.

  48. Pingback: Zur Urheberrechtsdebatte | Warum alles auch ganz anders sein könnte.

  49. Pingback: Fastvoice-Blog » Blog Archive » Kultur und Kirschen brauchen ihren Wert

  50. @mspro: Das ist mir alles etwas zu witzig. So etwas kann eigentlich nur jemand schreiben, der selbst nicht schöpft. Jedenfalls noch nicht lange. Oder nur nebenbei. Es gibt auch anderes als Blogs und schnelle Musik.

  51. Die Argumentation des Postings scheint mir nicht wirklich durchdacht zu sein. Bis jetzt noch hat jeder hier im Lande das Recht, nicht einfach beliebig beklaut zu werden. Und um nichts anderes geht es hier: Eine Begründung zum ganz legalen Diebstahl zu entwickeln. Aber warum kommen dabei nur Kunst und Kultur zum Handkuss? Warum nicht auch Schuhhersteller („niemand hat das Recht, von Schuhen leben zu können“), Autohersteller („niemand kann darauf pochen, für Autos bezahlt zu werden“) oder Bäcker („der hat das Brot schließlich nicht erfunden, also ist es Gemeingut!“). Ich schlage also vor, wir stürmen einfach die Läden und nehmen uns alles, was wir haben wollen. Worauf warten wir noch?

  52. Urheberrecht in Deutschland:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-72462722.html

    Ansonsten kann ich Mspr0 nur Recht geben. Es gibt viele Hinweise darauf, dass sich auch ohne Urheberrecht mit Inhalten und Ideen Geld machen läßt und mit Ideenaustausch ist nicht nur das Kopieren von Filmen, Büchern und Musik gemeint. Bevor man also den nächsten Schritt geht und sich weiter Richtung Internetzensur bewegt wäre ein Blick in die andere Richtung lohnender.

    @Ursula
    Ihre Analogien gehen mMn völlig ins Lehre. Beim Urheberrecht geht es um immaterielle kopierbare Güter und nicht um materielle knappe Güter. Das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Eine Kopie stellt in diesem Sinne auch keinen Diebstahl dar, da der Uhrheber immer noch über das Original verfügt. Oder können Sie Autos, Schuhe und Brötchen quasi aus der Luft zaubern?

  53. Es wäre natürlich genial, wenn ein Musiker, Autor oder Programmierer ein Jahr oder mehr Arbeitszeit investieren würde und jeder andere das Ergebnis einfach klauen dürfte. Das Erschaffen von Originalen ist nichts anderes als das: harte Arbeit, wie jede andere auch, die viele gerne umgehen würden, weshalb die Welt am besten gratis und franko zur Verfügung zu stehen hat.

    Meiner Meinung nach ist die gesamte Urheberrechtsdiskussion vor allem eines: komplett verlogen. Denn es geht nicht um den freien Ideenaustausch. Der ist dank des Wiki-Prinzips auch ohne Diebstahl jederzeit möglich. Es geht lediglich um eins: Wie komme ich möglichst taschengeldschonend an sämtliche urheberrechtlich geschützten Werke, die ich gerne haben möchte, ohne dass Papi und Mami eine Strafanzeige kriegen.

  54. @Christoph Landes: Disney hat das doch gemacht. Sie haben u.a. Märchen der Gebrüder Grimm als Vorlage für ihre Filme benutzt. Natürlich waren die Gebrüder Grimm da schon lange tot und man hat diese nicht geschädigt. Interessanterweise haben die Gebrüder Grimm es selbst nicht anders gemacht, sie haben Märchen nicht selbst erfunden, sondern nur gesammelt und aufgeschrieben. Ob sie ihre Quellen dabei entlohnt haben, weiß vermutlich heute niemand mehr.

    Ironischerweise ist aber gerade Disney dafür stark mitverantwortlich, dass die Schutzfristen fürs Copyright immer weiter ausgedehnt werden, sodass ich glaube in den letzten 50 Jahren überhaupt kein ursprünglich kommerzieller Film oder Musik in das Allgemeingut übergegangen ist. Ausnahmen, wo dies gewollt auf Initiative der Rechteinhaber geschah sind selten und finden sich auf Archiv.org. So etwas wie Volkslieder oder Volksmärchen sind heute eigentlich nicht mehr vorstellbar. Musik und Filme, die sich nicht mehr kommerziell vermarkten lassen, verschwinden einfach im Orkus der Geschichte oder werden irgendwann gnadenlos als Retro-Mode ausgeschlachtet.

    Ich meine ein immer noch ungelöstes Hauptproblem mit dem Urheberrecht aber auch Copyright ist, dass man es eben schlichtweg mit immateriellen Werken zu tun hat, die aus ganz natürlichen offensichtlichen Gründen nicht den Einschränkungen materieller Güter unterliegen. Man kann diese nun einmal mit minimalem Aufwand beliebig oft kopieren. Wenn es darum geht, dies kommerziell zu nutzen – Millionen Kopien mit minimalen Kosten zu verkaufen – dann ist dies den Verwertern absolut recht. Wenn irgendjemand anders diesen Vorteil nutzen will, dann führt dies plötzlich zu kognitiver Dissonanz, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

    Hätten die Kutscher eine derart mächtige, reiche Lobby besessen, dann müssten wir heute alle einen Chaffeur bezahlen. Was vielleicht nicht in jeder Hinsicht schlecht, aber letztlich doch ziemlich absurd wäre. Und sind nicht die vielen unschuldigen Verkehrsopfer von schlechten und betrunkenen Fahrern jedes Jahr ein viel größeres Problem als die Luxusgehälter von Verwertern oder die kommerziellen Befindlichkeiten irgendwelcher sogenannten Künstler? Ich meine, von Kunst zu leben ist ein Privileg und kein Recht.

    Im Übrigen ist die Existenz von Urheberrecht und Copyright auch nicht gleichzusetzen mit der Verhinderrung der Ausbeutung von Künstlern. Das ist eine sehr beschränkte Sichtweise, die auf Propaganda oder mangelnder Beschäftigung mit dem Thema beruht. Da das Rechtssystem letztlich absolut willkürlich und widernatürliche Gesetze zulässt. wäre es genauso gut möglich, die genannten Missbrauchsfälle per Gesetz zu unterbinden. Das würde auch nicht schlechter funktionieren als das Verhindern von Filesharing u.ä. heutzutage. Da man nicht gegen einzelne Konsumenten sondern nur gegen vergleichsweise wenige Firmen vorgehen müsste, die es sehr viel schwerer hätten, ihre illegalen Machenschaften zu vermarkten, würde es wohl eher besser funktionieren.

    Das US-Recht kennt ja immerhin auch so etwas wie „Fair Use“, was nach deutschen Maßstäben absolut unverstellbar und mit dem Urheberrecht nicht vereinbar ist. Sollte man sich nach mehreren „Körben“ von Urheberrechtsverschärfungen nicht erst einmal fragen, wieso es hierzulande kein Äquivalent gibt? Wieso ist man ausgerechnet in Disney’s Own Country an der Stelle großzügiger als im beschaulichen Deutschland, das im Vergleich eher selten durch international erfolgreiche Filme und Musik hervorsticht.

    Ursula: Mit Leuten die im Jahre 2012 (WTF?!?) immer noch nicht „klauen“ von kopieren unterscheiden können oder wollen, ist jede Diskussion sinnlos. Man geht ja auch nicht zu einer Krabbelgruppe, um über Goethe oder Stochastik zu debattieren.

  55. „Ein Autor will gelesen, ein Musiker gehört, ein Schauspieler gesehen werden.“

    Nein, ich will mit meiner Arbeit Geld verdienen. Und zwar in Höhe eines Akademikergehaltes, ansonsten mache ich etwas anderes. Kein Geld führt zu: Dilettantismus. Ich bin Buchautor, ein Buch zu schreiben, ist ein Fulltime Job, gibt es dafür kein Geld, wird es eben nicht geschrieben. So einfach ist das. Und auch daran krankt die Debatte: Dass künstlerische Tätigkeit als Hobby, als private Leidenschaft angesehen wird, mit der jemand zufällig vielleicht Geld verdienen kann, wenn er Glück hat. Dahinter steht eine romantische Vorstellung vom Künstler.

    Ähnliche Diskussionen gab es bereits beim User Generated Content, auch dieses Konzept funktionierte nur in Grenzen, auch hier waren Verwertungsinteressen von Internet-Dienstleistern der Hintergrund: Sie wollten für das, was ihre Kreativen produzieren, nix mehr zahlen. Es ging darum, Honorare zu drücken. Was nicht lange gut gegangen ist: Gute Leute werden mittlerweile wieder gut bezahlt.

  56. @Rolli: Stimme dir prinzipiell zu. Und jetzt sind wir auch in einer konstruktiven Diskussion: Die momentanen Regelungen etwa zu Schutzfristen sind natürlich nicht mehr zeitgemäß – Was ist also die ideale Länge für Schutzfristen? Kann das auch flexibler gestaltet werden (nach Nutzungsart, Medium, Art des Werkes)? Wäre es möglich (und angebracht) bestimmte Nutzungsarten völlig herauszunehmen (etwa Mashups), oder eben mit anderen Rechten zu versehen (etwa nur Namensnennung des Urhebers). Das ist ja bereits in anderen Bereich bereits der Fall (für Verwendung auf Tonträgern werden Urheber über die GEMA zu festgelegten Sätzen vergütet, bei Sync Rechten (Film, Fernsehen, etc) muss dies hingegen im Einzelfall ausgehandelt werden, für’s Radio gibt’s das Senderecht, das jedem Sender erlaubt jedes Stück zu spielen, sofern er eine faire (=zwischen den Interessengruppen ausgehandelte) Vergütung zahlt). Warum sollte man das nicht auch an neue Mediennutzungsformen (Sharing, Mashup, etc) anpassen können?

    Fair Use auch in DE? Sollte man diskutieren – allerdings gilt in Deutschland schon das „Zitatrecht“ aus § 51 UrhG. Das bietet unter Umständen mehr Rechtssicherheit als Fair Use, genauere Hintergründe dazu etwa hier: http://frei.djv-online.de/warum-fair-use-unfair-fur-freie-journalisten-und-auch-fur-die-internetindustrie-ist/

    Aber wie gesagt, das sollte und muss man alles diskutieren. Aber jetzt eben Urheberrecht einfach abschaffen, wie hier gefordert? Die Disney/Gebrüder Grimm Geschichte ist ein Ding. Es gibt aber unzählige andere Geschichten, wo Autoren nur dank dem Urheberrecht zu ihrer fairen Vergütung kamen. Zu den bekanntere zählt wohl der Fall Art Buchwald vs. Paramount Studios: http://en.wikipedia.org/wiki/Buchwald_v._Paramount In Kürze: Ein Autor arbeitet an einem Drehbuch (darin steckt, mit Verlaub, ein klein wenig mehr Arbeit als in einem Blogpost), reicht es bei einem großen Hollywoodstudio ein, bekommt eine Absage und ein paar Jahre später erscheint ein Film mit Eddie Murphy in der Hauptrolle bei ebendiesem Studio, mit exakt der Handlung aus dem abgelehnten Script mit Drehbuchautor: Eddie Murphy. Ohne ein Urheberrecht wäre das völlig legitim.

    „Die Argumentation, daß man bei jeglichem Schaffen ja ohnehin in erheblichem Maß auf vorbestehendes Material zurückgreifen würde und deswegen das Urheberrecht Blödsinn ist, die ist allerdings, das muß auch mal gesagt werden, tolldreister Quatsch. Genausogut könnte ich einen Architekten nicht bezahlen, weil sein Haus aussieht wie ein Haus. Ein Einfall ist immer ein irrationales, irgendwie gnädiges Ereignis, deswegen heißt er ja Einfall, aber vor und nach dem Einfall liegt ein Ding namens Arbeit.“
    Das stammt aus einem sehr klugen Text, der mir gerade untergekommen ist, kann ich nur empfehlen: http://d-trick.de/blog/mein-plattenladen-heist-herunterladen/ Da stehen auch viele weiter schlaue und unterhaltsame Dinge drin, wie etwa „Künstler haben eine lebhafte Phantasie, und Nerds neigen ohnehin zur Paranoia, daher die Hysterie auf beiden Seiten der Debatte. Chillt mal drauf. Kommt runter.“

    Unabhängig von Pervertierungen wie Schutzfristen über 70 Jahre und mehr, die nur der Verwerterindustrie nützen, ist das Urheberrecht eben tatsächlich der einzige Schutz den Urheber haben. Die Herausforderung besteht also darin, den Urhebern diesen Schutz zu gewähren und gleichzeitig Abmahnwahnsinn und Eingriff in Bürgerrechte zu stoppen. Und darüber müssen wir diskutieren. Was du schreibst, @Rolli, ist dafür eine sehr gute Grundlage – was @mspro hier schreibt leider nicht.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.