Ein vollkommen irrelevanter Artikel über die Wikipedia

Dieser Artikel ist so überflüssig wie ein Kropf. Alles was hier steht, wurde das ein oder andere Mal bereits viel besser gesagt. Wie so oft eben. Und dennoch steht es hier. Einfach so. Weil es mich nichts kostet, weil ich es kann und weil ich es will. Ich finde es wichtig darüber zu schreiben, denn es beschäftigt mich. Der ein oder andere fragt mich (jetzt nicht zu diesem Thema, sondern generell) wen denn das denn interessiere, was ich ins Internet schreibe. Na, die, die es halt interessiert, wende ich dann ein. Was weiß ich? Frisierte, Klempner, Mütter, Einäugige, T-Shirtträger und Klobürstenbenutzer. Ganz selten auch Nicht-Klobürstenbenutzer. Leute eben.

Es gibt Menschen, für die ist das schlimm, dass ich sowas ins Internet schreibe, denn so vermüllt es ja schließlich, das arme Internet. Ich nähme mich damit insgesamt zu wichtig, meine Meinung sowieso. Im endeffekt sei das ja nur belangloses Geschnatter. Vollkommen irrelevant.

Diese Menschen haben recht, machen aber einen Denkfehler. Sie meinen, nur weil ein Angebot da sei, müsse man sich damit beschäftigen. Nein, niemand wird gezwungen das hier zu lesen. Nicht mal meine Freunde. Das hier lesen ausschließlich Menschen, die das hier lesen wollen. Freiwillig und aus den unterschiedlichsten Beweggründen, die mich nicht mal etwas angehen. Und alle anderen haben selber schuld.

So funktioniert das Internet. Um etwas zu veröffentlichen braucht es keinen Relevanznachweis, denn es erreicht eben eh nur die Menschen, die es interessiert. Und seien es nur 10. Oder 5. Vielleicht niemand. Auch Okay!

Ich hab mir damals immer das Weltwissen in mein Zimmer gewünscht. Immer verfügbar. Aber hat damals in den 90ern mal jemand geguckt, was so ein ausgewachsener Brockhaus so kostete? 10.000 Mark! Das war als Schüler nicht zu machen. 24 Bände! Zwei ganze Regalmeter! Uff!

Das aber verängstigte mich als Schüler weit weniger als zum Beispiel die zwölf Bände von „Auf der Suche nach der Verlorenen Zeit“ von Proust. Denn ich wusste ja, dass nur ein Lemma aufschlagen musste und nicht gezwungen war, jedes mal auf’s neue den Brockhaus durchzulesen. Nein, es war sogar genau dieser Überfluss an Information, der mich begeisterte. Der Brockhaus hätte noch viel Dicker sein können!

Heute haben wir die Wikipedia. Sie ist unglaublich! Hätte ich damals so etwas geahnt, ich hätte den Brockhaus sofort stehen und liegen gelassen. Dabei ist die Wikipedia etwas ganz anderes. Ihre schiere Größe ist gar nicht mehr darstellbar. Vor allem weil ihm das Trägermedium dafür fehlt. Wenn ich ein Wort in das Suchfeld eingebe, habe ich keinen Schimmer wie viele Artikel noch in der Wikipedia stecken – über alles mögliche! Es ist mir auch egal. Denn das Mehr an Wissen steht nicht vor dem gesuchten Wissen, nicht mal daneben, sondern es schlummert unsichtbar in der Tiefe und wird erst aktiv, wenn ich seinen Namen rufe.

Wenn ich „MOGIS“ in das Suchfeld eingebe, dann ist für mich der Verein relevant genug, mich darüber zu informieren. Und selbst wenn der Artikel weder vollständig noch gut ist, werde ich mich immerhin über den einen oder anderen Anhaltspunkt freuen. Vielleicht auch nur über einen weiterführenden Link. Und sei es, dass ich durch diese Recherche den Eindruck bekäme, der Verein sei irrelevant. Auch das ist ein Ergebnis. Egal was dort über Mogis steht: Ein Nichts ist in jedem Fall enttäuschender.

Und wer hat den Wikipedianern eigentlich einmal eingeredet, dass die Wikipedia jemals etwas anderes sein könnte, als Informationshaufen zu verschiedenen Themen, die von anonymen Menschen zusammengetragen wurden? Wikipedia wird niemals mehr sein. Aber auch nicht weniger. Denn dieser Informationshaufen, so wenig man ihm den Stempel „Wahrheit“ aufdrücken kann, ist dennoch enorm hilfreich. Es ist immer die erste Anlaufstelle zu neuen Themen. Niemals aber die Letzte. Das offene Prinzip erlaubt eine ungeahnte Breite und Tiefe der Information, niemals aber gewährleistet sie Verlässlichkeit. Von diesem Traum sollten sich alle gründlich verabschieden.

Man kann hingegen einen anderen Traum träumen. Einen zeitgemäßeren. Nämlich den, möglichst alle bekannten Aspekte eines Themas zu sammeln. Und alle Themen zu behandeln. In Breite und Tiefe unbeschränkt zu informieren. Aber nur unbeschränkt vom Angebot her, also diese Information den Nutzer so zugänglich zu machen, dass er selber bestimmen kann, wie breit und tief er sich über ein Thema informieren will. Will, nicht kann: das ist wichtig.

Und man komme mir nicht mit dem Argument, dass sich die Wikipedia dies personell nicht leisten könne. Denn was für den Leser gilt (relevant ist, was nachgefragt wird) gilt bei einem wirklich offenen System auch für die Autorenseite (geschrieben und redigiert wird, was nachgefragt wird). Und wenn jetzt noch jemand mit der beschränkten aktiven Nutzeranzahl kommt, der sollte sich Fragen, warum eben jene potentielle Autoren und Lektoren für vermeintlich irrelevante Themen wegbleiben? Könnte es vielleicht unter Umständen damit zu tun haben, dass ihnen ihre Artikel meist sofort unter dem Arsch weggelöscht werden? Nee, oder?

Entweder man glaubt, dass das System Wikipedia funktioniert: Das heißt, dass das offene System von vielen, die vieles bearbeiten einen hinreichenden Informationsstandard bietet, mit dem man „arbeiten“ kann, oder man glaubt es nicht. Wenn man es glaubt, dann sollte man es auch für eben jene Randthemen glauben, die nicht in allen Augen sofort relevant erscheinen. Alles andere stellt die Wikipedia ansich in Frage.

Die Wikipedia steht vor einer Entscheidung: Will sie Vorreiter sein, oder Nachläufer? Will sie eine schlechtere Kopie des Brockhauses im Internet sein, oder die Enzyklopädie der Zukunft? Will sie Maßstäben einer untergehenden Medienwelt genügen oder Maßstab für die Neue sein? Will sie in die eine Richtung vorangehen oder in einer anderen hinterherlaufen?

Das ist derzeit eine spannende Richtungsentscheidung, die getroffen werden muss. Wenn ich in Berlin wäre, würde ich da hingehen, zur Diskussion dazu.


Podcast mit 343max und mspro #1

Ich hab ja mal sehr mäßig erfolgreich Podcasts aufgenommen und in den Äther geschickt. Obwohl selbst beste Freunde sich verweigerten, den Scheiß zu hören, hab ich einfach immer weiter gemacht. Weil es mir einfach viel Spaß gemacht hat. (Ich spare mir dennoch den Link auf diese Versuche…) Irgendwann hab ich aufgehört, weil man irgendwann immer mit Dingen aufhört. Leider.

Wenn aber eine Podcast-Legende wie @343max bei mir anfragt, ob ich nicht Lust hätte mit ihm was auszuprobieren, dann bin ich natürlich nicht zu halten. Wir haben es also versucht und obwohl man mangels Konzept nicht mal von einem „Proof of Concept“ sprechen kann, ist es glaub ich ganz okay geworden.

Wir sprechen übers Internet, Schwarz-Gelb, Netzpolitik, Freiheit und Wirtschaftswissenschaften. Außerdem halte ich einen langen Monolog über dieses Buch. Das alles wollte ich mal in einem Blogeintrag verarbeiten. Nun ist es ein Podcast geworden. Auch super.

Hier das gute Stück. (mp3)

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