re:publica 08

Tja, jetzt ist es vorbei und die Nachlese sollte auch mal gemacht werden. Aber was soll man schreiben, wenn man Redundanz so hasst wie ich? Vielleicht einfach Danke. Und ein paar persönliche Besonderheiten.

Als ich letztes Jahr zur re:publica fuhr kannte ich so ziemlich gar keinen. Außer Tristessedeluxe. Es war trotzdem super. Ich habe dort einige Leute kennengelernt, mit denen ich dann per Blog weiterhin Kontakt hatte und die ich dieses Jahr wiedergesehen habe, was mich sehr gefreut hat.
Dieses Jahr kannte ich bereits eine ganze Menge mehr Leute, was einerseits daran lag, dass ich auf anderen Konferenzen, wie der 9to5 und dem Wordcamp war, aber vor allem, weil ich Twitter nutze. Das ist unglaublich, was das für ein Sozilsalistionstool ist. Mehr als es Bloggen je war. Man hat einfach weniger Scheu vor Menschen, deren Tagesrhythmus man kennt, wenn man weiß, wie sie in bestimmten Situationen reagieren, was für Probleme sie im Alltag haben, etc. Und so war es, dass sich viele meiner Twitterbekanntschaften sehr schnell und sehr häufig in reale Bekanntschaften verwandelten. Und wenn ich nur mal so in Berlin bin.

Mit anderen Worten: Als ich dieses Jahr zur Re:publica fuhr hatte ich eine riesige imaginäre Liste von Leuten, die ich wiedersehen oder endlich mal kennenlernen wollte. Und genau diese Erwartung wurde noch übertroffen. War das ein Spass. Ich habe sehr sehr wenig Pannels besucht, was ich zwar schade fand, was aber durch die vielen Gespräche mehr als wieder gut gemacht wurde. Leider waren die Gespräche allzuoft zu kurz und oberflächlich, aber so ist das nun mal auf solchen Konferenzen. Am liebsten hätte ich den einen oder anderen direkt in die nächste Kneipe geschleppt, um mal in Ruhe quatschen zu können. Manche habe ich leider nicht sehen können, was sehr schade ist. Bei manchen, auf die ich mich gefreut hatte hat es nur für ein Hallo und Tschüss gereicht. Aber im großen und ganzen habe ich mich prächtig amüsiert und war erstaunt, dass einige im RL noch netter sind als auf Twitter.

Die andere Sache war, dass ich fast durchgehend völlig fertig war. Ich kam bereits sehr abgekämpft dort an und habe es mir dennoch nicht nehmen lassen auf jeder, wirklich jeder Hochzeit zu tanzen. Meist bis zum Schluss. (Vor allem Sascha Lobos Followerparty war mehr als krass) Dementsprechend lief ich immer wie ein durch Koffein noch notdürftig am Umkippen gehinderter Zombie über den Asphalt. Wahrscheinlich denken sich jetzt die Menschen: „mspro? ganz nett, aber die Augenringe…

Was schade ist: ich hab viel zu wenig Bilder gemacht. Andererseits ein gutes Zeichen, weil es zeigt, dass ich anderweitig beschäftigt war.

Jetzt könnte ich inhaltlich natürlich noch was sagen. Da gab es einiges tolles, z.B. den Livepodcast mit Peter Glaser, den ich sehr schätze und den Vortrag von Christian Heller über Technikutopien. Da gab es auch weniger gutes, wie die Keynote, die aber schon von Willyam auseinander genommen wurde. Aber wie gesagt. Darum ging es mir nicht.


INTERNETNERDS

sollte man besser doch nicht in die Realität materialisieren. Widerlich! Das schneiden die bei Watchberliner also immer raus.

Zu sehen: diplix, Kosmar, Pottblog.

Aber ansonsten ist es relativ super hier. Alle möglichen Leute, die man schon mal gelesen hat. Zu jedem fällt einem eine Geschichte, ein Pseudoskandal oder ein guter oder besonders schlechter Artikel ein. Naja, bei fast allen. Außer z.B. bei den ganzen Web2.0 Entrepreneure, die sich hier überall am Ranschleimennetzwerken sind.

[dieser Velegenheitspost wurde durch die andauernden Fragen iniziiert, warum ich denn so viel twittern und so wenig bloggen würde. Außerdem wusste ja nicht jeder, das mein Handy auch Videos aufnehmen kann. Aber jetzt.]

[jetzt mach dich mal locker. Brauchst dich doch nicht für einen Blogpost rechtfertigen]

[Andererseits: ist schon ganz schön armer Kontent. Du hattest mal ganz andere Ziele… ]

[Jaja, Bla!]


Was ist eigentlich die re:publica?

Neulich auf Mogulus wurde ich gefragt: was ist das eigentlich, die re:publica? Tja, das ist eine gute Frage und erst jetzt habe ich mich genauer mit deren Beantwortung beschäftigen können. Hier meine unglaublichen Recherchen:

Es ist ja so, dass wir hier, an diesem Ort, an keinem Ort sind. Wir sind jenseits der Welt, in einer Geisterwelt, in der nur immaterielle, intelligible Identitäten herumschwirren, mit blau leuchtenden Schweifen. Wir halten über diese Sphäre Kontakt mit der Welt der Lebenden und mit vielen anderen Geistern.

Nun hat sich in Berlin bekanntlich eine Priesterkaste gebildet, die den Zugang zu dieser Geisterwelt aufrecht erhält und vermarktet. In ihren täglichen Beschwörungen schaffen sie ein medial präsentables Äußeres der Geistersphäre und strukturieren diese damit wiederum, auch wenn sich einige Geister heftig dagegen wehren.

Nun kamen die Priester letztes Jahr auf die Idee, einen okkulten Ritus ins Leben zu rufen. Es sollte eine Geisterbeschwörung werden, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Sie wollten tatsächlich einen großen Teil der Geisterwelt in einer fulminanten und lange vorbereiten Super-Mega-Beschwörung direkt in die reale Welt hineinmaterialisieren. Es hatte bis dahin zwar schon einige Versuche in diese Richtung gegeben, aber kamen diese so gut wie nie über eine zweistellige Anzahl von Geistern hinaus. 700 Geister sollten es aber werden. Sie in ihren echten Körpern wieder auferstehen lassen! Was ein Projekt.
Viele Tage und Nächte tanzten die Priester also nackt um ein großes Feuer und sprachen allerlei Zauberformeln gen Himmel – alles mit den gesponserten Zauberstäben von IBM. Dann, auf einmal, zisch, zurr, zack, kamen herbei geflogen die vielen Geister. Sie schwebten rhythmisch in der Luft, zum Beat der Priestergesänge und sammelten sich über dem Feuer. Mit ihren blauen Schweifen kreisten sie immer näher aneinander, immer um das Lagerfeuer herum. Dann steigerte sich der Beat, die Rhythmen wurden kürzer, die Beschwörungsformeln schneller und die Priester immer lauter, lauter, lauter bis sie schrien. Und auf einmal vereinigte sich der schwebende Geisterklumpen. In einer gigantischen blauen Wolke schien er alle Energien aufzusaugen, und in einem gleißenden Blitz und einem ohrenbetäubenden Knall geschah dann das Unglaubliche.

Als sich die Nebelschwaden verzogen, standen dort in der Kalkscheune 700 echte Menschen. Verwirrt schauten sie sich um. Sie wussten nicht, wie ihnen geschieht. Sie sahen an sich herunter und bemerkten Arme, Beine, manche sogar Brüste. Natürlich kannten sie das, sie waren ja schließlich auch einmal Menschen gewesen, damals, bevor sie in die Geisterwelt hineingezogen wurden. Aber wie unendlich lange war es her, dass sie ihre physischen Körper bewegen konnten. Zwar waren sie nach wie vor darauf angewiesen, sich ihre Energien aus der Geisterwelt zu beziehen, aber sie hatten sich aus diesem Grunde alle extra ihre mobilen Geisterwelttore von Apple mitgebracht. Und auch die Priester hatten vorgesorgt und ließen auf dem gesamten Gelände Geisterelexiere (sie nannten das W-Lan) versprühen, um die Tore offen zu halten.

Und so kam es, dass die Geisterwesen drei wundervolle Tage miteinander in der realen Welt verbringen konnten. Sie redeten und sie tranken, sie kosteten das körperliche Dasein vollkommen (wir vermuten das, jedenfalls teilweise) aus, allerdings immer in dem schmerzhaften Wissen, dass es wieder vorbei sein würde, dass der Zauber nicht ewig hält. Sondern eben nur diese 3 kurzen magischen Tage.

Trunken von ihrem Erfolg, aber, versprachen die Priester sogleich den Spuk von nun an jedes Jahr zu wiederholen. Und so glitten die Geister hin, zurück die Geisterwelt, wissend, dass sie von nun an Wiedergänger sein werden. Geister mit der Lizenz zum Spuken. Dass sie nächstes Jahr wiederkehren werden und dass der Spuk kein Ende finden wird, solange die Sponsoren mitmachen.

Und nun ist es wieder so weit. Das Feuer ist entfacht und von Ferne hört man bereits die immer lauter werdenden Beschwörungsgesänge der Priester.