Obama: Yes We Can weiterwurschteln!

Zunächst mal ein Update. So. Und wer hat’s gesagt?

Aber: Was mich derzeit am meisten desillusioniert, ist Obama. Bisher konnte er, im Gegensatz zu dem, was viele schreiben, nicht nur schöne Reden halten. Er hatte auch konkrete Konzepte und gute Ideen, die durch detaillierte Sachkenntnis gestützt wurden, überzeugen. Etwa beim Gesundheitsprogramm, in Sachen Netneurality und der Rückkehr zum Multilateralismus in der Außenpolitik. Das waren nicht nur schöne Worte, das hatte alles Hand und Fuß und ist bitter notwendig.
Zu Beginn der Finanzkrise, jedenfalls als das Ausmaß in etwa ersichtlich wurde, twitterte ich folgendes

„naheliegende vorhersage: wer als erstes einen ausgefeilten plan zur neustrukturierung des finanzsystems vorlegt, wird präsident. #usa“

Meine Hoffnungen waren da natürlich eher auf Obama bezogen, als auf McCain. Von dem war ja bekanntlich in Sachen Wirtschaftskompetenz nicht viel zu erwarten. Naja, auch er hat ja Berater, vielleicht also doch, aber Obama hat sich in dem Wahlkampf viel eher wirtschaftskompetent positioniert. Zudem hätte ein wirklicher Neuanfang an der Wall Street in das große Ganze seines „Change“-Pathos gepasst, wie sonst kaum etwas.

Egal. Denn alles was man aus beiden Mündern bisher hörte und vor allem gestern, war ein unsicheres „Ja, aber“. 
Paulsons Notfallrettungsplan, der mithilfe von Steuergeldern einfach den Status Quo wieder herstellen will, wird derzeit aus allen Ecken kritisiert. Es werden längst Alternativen erarbeitet, die weit aus glaubwürdiger, transparenter und gerechter sind, als der bisherige Plan. Aber aus den Lagern der beiden Präsidentschaftskanditaten ist man merkwürdig still.
Keiner kommt auch nur mit der groben Richtung eines Konzeptes. Niemand will über Regulierungen sprechen, niemand scheint eine Neuordnung für sinnvoll zu halten. Das einzige was man hört, ist ein populistisches Draufhauen auf zu hohe Managerabfindungen, die es jetzt zu verhindern gelte. Das mag dem Gerechtigkeitsempfinden des Wählers ja entgegenkommen, aber lösen tut dies gar nichts.
Die Krise der Finanzmärkte ist eine Strukturkrise. Es bei der Mutter aller Bail Outs zu belassen, hieße an den Symptomen herumzudoktern und redselig auf den nächsten Crash zu warten.
Der einzige Grund, den ich mir tatsächlich vorstellen kann, dass dort keiner seinen Masterplan zückt, ist: Es hat keiner einen! Die beiden Präsidentschaftsbewerber sind genau so ratlos, wie sie dasitzen. Und das macht mir wirklich angst.

too big to fail

Wo kommen eigentlich die 700.000.000.000 Dollar her?

Gelddrucken ginge nicht, sagen manche. Weil, wer würde denen denn dann noch Dollar leihen?

Aber: Die USA sind für die Weltfinanz, was die Finanzbanken für die USA sind: nämlich too big to fail!

Schon mal drüber nachgedacht?

(Hey, das müssen wir doch jetzt auch mal einsehen. Das ist doch besser für uns, als die USA vor die Hunde gehen zu lassen. Sonst gehen wir doch eh nur mit. Die ganze Welt meine ich.)


NYC / USA – Eine Traumdeutung

So, in ein paar Stunden geht mein Flug. Zeit für ein paar Gedanken zu NY und einen zu Amerika:

Die Stadt ist krasser. Ich meine, als man sie sich vorstellt. Ganz unabhängig davon, ob man schon mal da war, oder nicht. Man braucht nur ein paar Tage nicht in NY sein und wiederkommen und zack: die Stadt ist krasser. Krasser als man sie in Erinnerung hatte.

Die Stadt ist international. Sie ist so international, dass man nie – nie nie nie – niemals über Passanten auf deutsch lästern sollte. Nie!
Ich war auf einer privaten Party, auf der außer mir, nur New Yorker, also Leute, die dort leben und arbeiten (nicht studieren), waren. Insgesamt waren es etwa 20 Leute. Es waren nur drei (3!!!) Amerikaner anwesend. Ansonsten: Japaner, Chinesen, Koreaner, Deutsche, Franzosen und was sonst noch so.
Mir wurde gesagt, Amerikaner hätten generell eher Angst vor NYC.

Die Stadt ist gar nicht mal sooo teuer. Klar, die Mieten sind krass. Aber auch nicht so krass. Weniger als ein drittel mehr als in Hamburg. Und ansonsten ziemlich gleich. Liegt natürlich auch am schwachen Dollar. Dennoch. Es ist auszuhalten. Natürlich fällt es trotzdem nicht schwer, hier unmengen Geld zu lassen.

Die Stadt ist sicher. Sie gilt mittlerweile als die sicherste Großstadt in den USA. Jedenfalls in Manhatten bin ich in keine Gegend gekommen, in der ich angst gehabt hätte, oder auch nur ein Unwohlsein. Und dass, obwohl ich mich hier eher in Ghetto bewege. Und ja, in Harlem war ich auch. Da ist zwar alles schwarz, aber nicht gefährlich.

Die New Yorker U-bahn ist beschissen. Ok, die Verbindungen sind gut und die Öffis sind billig (Mit zwei Dollar kommt man fast überall hin). Aber die U-Bahnhaltestellen sind unglaublich heiß innen drin (Erdwärmeleitungen?) und in den Zügen ist es unglaublich kalt (Air Condition). Man kann sich also extrem schnell eine Erkältung holen.

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Amerika ist ein Traum. Ein gelebter Traum. Ehrlich. Aber es ist ein Kindertraum. Baudrillard hat mal behauptet, dass Disneyland nur gebaut wurde, um den Amerikanern weis zu machen, die lebten in der Realität. Es musste also ein noch viel infantilerer Traum ersonnen werden, um die USA im Kontrast real wirken zu lassen.
Ich meine, hier ist alles Big Size. Es wird einem alles versprochen. Es ist alles noch viel unendlicher als unendlich und immer drei mal mehr unendlich, als die Unendlichkeit. Plus eins. Alles ist das größte, höchste, tollste und schnellste. Un d sogar noch größer, höher toller und schneller als die genannten Superlative. Es ist hyperreal. Ein Kindertraum eben.
Ich glaube, die Amerikaner haben das Erwachsensein eingestellt, ganz einfach aus dem Grund, weil es geht. Weil es hier so wenig Zwänge gibt. Sachzwänge. Die schier unendliche Weite des Landes, die scheinbar nie ausgehenden Rohstoffe, der unglaublich riesige Binnenmarkt, all das scheint jedes Problem lösbar zu machen. Und zwar mit dem Holzhammer (Viel geld. Oder überhaupt viel. Egal was, hauptsache viel). Und es funktioniert sogar fast immer.
Mit dieser Unbekümmertheit scheint es ein Kinderspiel zu sein, im Irak eine Demokratie zu installieren. Dann kann man auch so viel essen wie man will, denn die Türen sind ja überall groß genug. Und wenn nicht, machen wir sie eben größer. Es gibt hier keine Ohnmacht. Wenn man es mit 100% nicht schafft, dann macht man es eben mit 200%. Unmöglich? Nicht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.