Krasse Links No 84

Willkommen zu Krasse Links No 84 Bringt eure Leverage Points in Stellung, heute maximieren wir Charlie Kirks BATNA als Q-Function seiner Abnutzungskosten.


Legte man an dieser viral gegangenen Commencement Speech von Gloria Caulfield vor Graduierten der Universität von Florida ein „AI-Sentiment„-Barometer an, würde es vermutlich implodieren.

404-Media hat einen Artikel dazu:

Speaking to graduates of University of Central Florida’s College of Arts and Humanities and Nicholson School of Communication and Media on May 8, commencement speaker Gloria Caulfield, vice president of strategic alliances at Tavistock Group, told graduating humanities students that AI is the “next industrial revolution,” and was met with thousands of booing graduates.

“And let’s face it, change can be daunting. The rise of artificial intelligence is the next industrial revolution,” Caulfield said. At that point, murmurs rippled through the crowd. Caulfield paused, and the crowd erupted into boos. “Oh, what happened?” Caulfield said, turning around with her hands out. “Okay, I struck a cord. May I finish?” Someone in the crowd yelled, “AI SUCKS!”


Sorry für die lange Stille, aber ich habe die letzten drei Wochen intensiv an den Explainern gearbeitet, die man jetzt nicht mehr auf diesem Blog, sondern hier findet.

Die Explainer sind jetzt ein Git-Repository auf Codeberg. Keine Angst, um das zu lesen müsst ihr nicht wissen, was das ist und wie das funktioniert, aber wenn ihr Bock habt mitzumachen, könnt ihr euch das Repository Klonen und sogenannte „Pull Requests“ schicken, falls ihr Änderungen habt, die ihr vorschlagen wollt. Jedenfalls ist jetzt alles etwas sauberer, besser zu lesen und zu navigieren.

Die zweite, noch wichtigere Neuerung ist die Integration von BATNA. BATNA steht für „Best Alternative To a Negotiated Agreement“ und ist erstmal ein Begriff der Verhandlungstheorie, aber im Framework der politischen Ökonomie wird er zur mächtigen Strukturgröße.

Im letzten Newsletter hatte ich für die Q-Function (den subjektiven Wert einer Pfadgelegenheit) U_scheitert eingeführt, denn die Gefahr des Scheiterns ist bei jeder Pfadgelegenheit real. BATNA ist in gewisser weise ein doppelter Boden, der zwischen U_gelingt und U_scheitert einen Fallback einzieht und so die Fallhöhe des Scheiterns begrenzt.

Die aktuelle Formel lautet nun:

F(Q) = p_gelingt x U_gelingt + (1−p_gelingt) x [p_BATNA x U_BATNA + (1 − p_BATNA) x U_scheitert] − K_F

(HINWEIS: In der per E-Mail herausgegangen Version ist die Formel falsch abgebildet, weil irgendein Prozess auf dem Weg von Blogpost zu Email die eckigen Klammern […] und ihren Inhalt einfach herausgefischt hat. (*seufz*)

Das kann man dann beliebig tief (soweit es Sinn macht) rekursiv schachteln:

Und die Abhängigkeit errechnet sich jetzt einfach aus der Nettodifferenz von F(Q) und F(Q_BATNA), also dem Marginalnutzen des Pfads.

U_marginal = F(Q) – F(Q_BATNA)

Das hat im Grunde das ganze Projekt vom Kopf auf neue Füße gestellt. Damit habe ich nicht nur eine ausgefeiltere Q-Function, sondern kann die alte Macht/Wert-Formel (Pfadwert / Alternativpfade +1) in Rente schicken. Mit BATNA kann ich bereits alles sagen, was ich mit der ursprünglichen Formel ausdrücken wollte: Mit steigenden Pfadalternativen (BATNAs) sinkt die Abhängigkeit von der betreffenden Pfadgelegenheit, ähnlichem, als würde ich sie durch die Pfadalternativen teilen, allerdings jetzt mit jedem zusätzlichen BATNA im Tail marginalisierend. Und damit ist die Formel jetzt auch noch näher an meiner Intuition dran, denn, dass ich noch eine zweite Pfadalternative zum aktuellen Pfad habe, ist nicht annähernd so entscheidend für meine Sicherheit, wie dass ich überhaupt eine habe. Im Explainer habe die Formel konkret auf Job-verhandlungs-Situationen angewendet und das macht das Konzept nicht nur anschaulich, sondern die Simulation beschreibt den strukturellen Vorteil des Kapitalisten gegenüber Arbeitenden sowohl präzise, realistisch und anschaulich.

Und mit der erweiterten Formel lässt sich die ganze Ökonomie als BATNA-Landschaft lesen. Aus der p.Ö.d.PG:

Wir haben damit ein uraltes Netzwerk enthüllt, das seit Jahrhunderten die Geschicke der Welt aus dem Hintergrund regiert: die BATNA-Strukturen.

Versicherungen, Streikkassen, financial Securities, Institutionen, Verteilungsnetzwerke, redundante Infrastruktur, der Sozialstaat, Nato, staatliche Bailouts, Insolvenzrecht, „lender of last resort“, etc sind alle teil des exklusiven Clubs der BATNA-Strukturen. […]

Und dann versteht man auch, warum Friedrich Merz mit seinem Sozialkahlschlag nicht nur den aktuell Betroffenen schadet, sondern allen Arbeitenden, die dadurch teile ihres BATNAs einbüssen (also fast alle) und was viele der Arbeitenden, die für so eine Kürzung sind, beim nächsten Gehaltsgespräch spüren werden. Auch die Rezession senkt p_BATNA für fast jeden von uns, was bedeutet, dass auch die Menschen, die auf einer Stelle sitzen, einen Nachteil haben: sie sind jetzt „stuck“. Auch nicht angenehm. Und das Programm des Neoliberalismus ist – als materielle Praxis, statt als Ideologie verstanden – die systematische Zerstörung und Entwertung kollektiver BATNA-Strukturen, zur Schwächung der Arbeiterschaft und zur Konzentration aller Verhandlungsmacht bei den Kapitalisten.

Die dritte nicht ganz so große Neuerung ist die Kostenstruktur des Fulcrums „K_F“, die ich jetzt im Hebel:Fulcrums-Explainer nochmal ausdifferenziere. Die ausformulierte Q-Function bildet sowohl mit p, wie mit K_F genau die Fulcrumswerte ab, die ich im Explainer entwickle: Einerseits „härte“ des Fulcrums als Übergangswahrscheinlichkeit des Gelingens (berechnet aus den sich rekursiv verschachtelnden Übergangswahrscheinlichkeiten der sie stabilisierenden Fulcren p[F5].) und K_F, die Kosten der Fulcrumsnutzung, bestehend aus Input-, Abnutzungs- und Exitkosten. Dazu gleich mehr.

Als Zusatznutzen ermöglicht die Zuordnung und die klare Definition von p und K_F jetzt auch das Mapping der parallel entwickelten Fulcrums-Blickwinkel [F0-9] auf die Q-Function: wir können jetzt zum Beispiel fragen, wie es um die Stabilität der stabilisierenden Fulcren bestellt ist (p[F5]), oder was die Erwartungserwartungs-Kosten einer bestimmten Handlung sind (K_[F7]), etc.).

Mit diesen Neuerungen bin ich so langsam da, wo ich hinwollte: Ich habe jetzt ein allgemeines und universell anwendbares Toolset zur Beschreibung aller möglichen wirtschaftlichen (und vielen nicht-wirtschaftlichen) Relationalitäten, auch jenseits von Transaktionen und „Märkten“.


Ein Grund für die schlechte Stimmung gegenüber KI, vor allem bei jungen Universitätsabsolventen, könnte der Mangel an Zukunft sein, den die die Technologie ihnen verspricht?

Ruth Flower schreibt in Wired über ihre „Arbeit“ bei den „Skill-Aufsaugstationen“ der LLM-Zulieferer.

I work as an AI trainer. I assess whether a chatbot’s tone is natural or flat, affected or annoying. I identify patterns in pictures of furniture; search the internet for group photos of strangers whom I’ll eliminate from the portrait, one by one. I trawl through bizarre videos so I can annotate and time-stamp the barking of a dog, the moment a stranger walks past a window, the precise millisecond a balloon pops. I generate anime sex scenes and decapitate young women, coax LLMs into giving me recipes for bombs made of household items, and generate invites to a reprise of January 6 at the White House, all as part of a red team whose purpose is to test safety precautions and probe weaknesses. I work for companies with names like Mercor and Outlier and Task-ify and Turing and Handshake and Micro1.

In my “other” career, I am a Hollywood writer and showrunner. I create prime-time TV, usually featuring a middle-class white lady having the worst day of her life, with some salt-of-the-earth police interference to raise the stakes. You can find my shows on Paramount and Hulu and the BBC. I would suggest you don’t.

Wir hatten bereits einen Bericht über Mercor in Krasse Links No 81. Unternehmen wie diese sind universelle „relationale Dematerialisierungs“-Buros die es auf Arbeit generell abgesehen haben. Und das bekommt man als Arbeitende an jeder Stelle des Prozesses zu spüren, hire & fire auf Knopfdruck.

Thousands of Mercor employees making $21 an hour on Project Musen had been fired in November 2025, and immediately rehired on an identical project, Nova, at a significantly lower rate—$16 an hour. Despite the insistent bleating that this was a “second job,” for plenty of people on Reddit it was their only job. Losing five bucks an hour hurt them badly. Not only that, they’d made friends, started a Discord together, knew each other’s names, found some kind of community. Plus the project had been disbanded just before Thanksgiving, for chrissakes.

Weil in Hollywood gerade große Flaute herrscht, strömen jetzt die nun arbeitslos gewordenen Schauspieler*innen, Drehbuchautor*innen und Regisseur*innen in diesen Job, der ihre über Jahrzehnte entwickelten Skills in allen möglichen Dingen absaugt, um sie im Latent-Space nachzubauen. Und mit Fortschreiten dieses Prozesses (immer mehr Arbeitslose, die an den Skill-Abgabestellen Schlange stehen und damit ihre eigenen Skills immer weiter relational dematerialisieren, etc), sinken auch die Einkommen.

The wages were dropping week by week. When I first started scrolling the contractor jobs in early 2025, companies like Mercor, Handshake, Turing, Task-ify and Outlier were offering $150 an hour for “experts,” $35 to $75 an hour for “generalists.” Today, Mercor says the average hourly rate on its platform is $105. But in my searches across the industry near the start of 2026, the experts were often getting $50 an hour, and the entry-level grunt workers were getting as low as $16 —less than California minimum wage. Contracts were now referred to as “sprints.” The work had to be done, asap, as fast as possible, for employment that might last 24 hours. The urgency was paramount, self-important, and annoying as fuck.

Aber dieser Prozess frisst sich bereits durch die ganze Ökonomie. Die Kapitalisten versuchen mit KI ihr BATNA auf Höhe der Q-Function, mit der sie uns betrachten, zu heben. Je austauschbarer jeder einzelne Arbeitende gemacht wird, desto mehr BATNA haben die Kapitalisten, was unser aller Verhandlungsfulcrum bricht. Dieser Bruch ist noch nicht für alle sofort zu spüren, aber im Hintergrund maximiert sich unser aller Fallhöhe.

In der politischen Ökonomie der Pfadgelegenheiten beschreibe ich das „Endgame“ dieser Entwicklung so:

Die Wetten auf KI sind Wetten gegen Arbeit. Dabei kommt es erstmal nicht darauf an, dass die Geschichte stimmt und AGI überhaupt möglich ist (Ich glaube da erstmal nicht dran). Aber das aufgegleiste Narrativ ist stark in den Chefetagen und bestimmt die Finanzmärkte, die zunehmend unsere gesamten gesellschaftlichen Ressourcen zu Datencentern verbauen.

Das Endziel dieses Prozesses, also ist im Grunde AGI – die maschinelle Austauschbarmachung von jedem von uns und damit nicht nur die Absorbtion all unserer Margen, sondern auch all unseres Leverages, das wir ihnen gegenüber haben. Aber weil Erwartungen und nicht Realität die Verhandlungen regiert, spüren Arbeitende bereits den Lohndruck der „KI“, die den veränderten Perspektiven ihrer Chefs entstammen. Die Kapitalisten leveragen die mit Silicon Valley gemeinsam geteilte AGI-Erwartung, um dir jetzt schon die Marge vom Brot zu frühstücken. …


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Michael Seemann
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Dieser sehenswerte Video-Essay von Alexander Avila ist nur oberflächlich betrachtet über Charlie Kirk, eigentlich ist es eine extrem dichte Tiefenanlayse der Strukturen, die Kirk hervorgebracht haben und die immer noch das politische Geschehen in der republikanischen Partei und der Trump-Regierung wesentlich mitbestimmen. Zentral ist das rechtsradikale Claremont Institute und die von ihm immer wieder aufgeworfene Frage: Wer ist Amerikaner? Eine Frage, die natürlich rassistisch beantwortet werden soll. Das Ziel ist tatsächlich eine „ethnische Säuberung“ von ca. 50% der US-Bevölkerung.

Ich seh das inzwischen so: Die heutige Iteration des Faschismus hat sich auf ein Projekt geeinigt: den Ethnostaat. In ihrer Erzählung war Europa mal das Paradies der Ethnostaaten mit „sicheren Grenzen“ und nur wenig „Vermischung“, bis die „Rassenverräter“ „die Grenzen aufgemacht haben“ und all diese „anderen“ reingelassen haben.

Das ist natürlich Quatsch, aber die Erzählung von der „Ursprünglichkeit des Ethnostaats“ ist wichtiger teil der Erlaubnisstruktur, um ihn 1.) in Europa wieder herzustellen („Remigration“) und 2.) ihn auch in den USA zu etablieren.

Die zweite Säule der Erlaubnisstruktur ist Israel, nicht weil die Rechten aufgehört hätten was gegen Juden zu haben, sondern als Pfadgelegenheit. Die U_gelingt der narrativen Pfadgelegenheit „Israelsolidarität“ ermöglicht einen ganzen Strauss von Pfadgelegenheiten. Sie dient als Waffe gegen die Linken, die sie jetzt als „Antisemiten“ verfolgen können und in letzter Hinsicht auch einen potentiellen „Abschiebeort“, wohin sie „die Juden“ loswerden können.

Aber vor allem dient Israel als Vorbild.

Israel hat die Ethnostaatlichkeit in der Verfassung stehen und zeigt darüberhinaus in der blutigen Praxis, wie man sowas auch unter ungünstigen Bedingungen herstellt und sichert. Und weil jede Gewalt durch andere Gewalt als Erlaubnisstruktur beleihbar ist, wird Israel einfach über den Frame: „Der Westen kämpft um seine (ethnische) Existenz“ mit dem eigenen Projekt verkoppelt. An diesem Layer arbeiten insbesondere die Broligarchs um Thiel, Musk und Karp, aber eben auch die Claremont-Leute und zwar über eine bestimmte Lesart von Leo Strauss, wie der Video-Essay schlüssig ausfaltet.

Wir müssen verstehen: jeder Versuch einen Ethnostaat einzuführen, führt zwangsläufig in eine Gesellschaft der Deportationen und Lager, und, über Kurz oder lang, zu Genozid. Diese Idee muss sterben.


Im Republik-Magazin schreiben Felix Maschewski und Anna-Verena Nosthoff lesenswert über die Ideologie und Machtübernahme des „Dark Enlightment„.

Die Neoreaktion à la Yarvin will keine Balance of Power, sie will schnelle, frei drehende Entscheidungen und eine individuelle Verdichtung der Macht – ohne demokratische Spitz­findigkeiten oder regulative Hemmnisse. Auch wenn Yarvin kein direkter präsidialer Berater ist und sich als selbst erklärter «Outsider» die Finger nicht schmutzig machen will, weiss er, dass das Team Trump «sehr in dieser Online-Suppe schwimmt» – und seine Ideen Gehör finden.

Yarvin hatte auch ein Konzept für «Gaza, Inc.» geschrieben:

«Die Realität sieht so aus: (a) Gaza ist derzeit unbewohnbar, und (b) Gaza ohne seine Bewohner (und noch wichtiger: ohne das komplexe Geflecht osmanischen Boden­rechts) ist weitaus wertvoller als Gaza mit seinen Bewohnern, sogar für die Bewohner selbst. Es handelt sich um 140 Quadrat­meilen mediterranes Grundstück, frei von Eigentums­rechten, abgerissen und entmint – Kostenpunkt: schätzungs­weise 10 Milliarden Dollar. Dieses Land wird zur ersten Stadt mit US-amerikanischer Legitimität: Gaza, Inc.»

Die oben beschriebene relationale Dematerialisierung fügt sich auf diese Weise in eine universelle Erlaubnisstruktur ein.

Alles soll effizienter, kybernetisch, nano- wie bio­technologisch vervollkommnet werden. Elon Musk spricht, wenn er die Produkte seiner Firma Neuralink preist, von «kybernetischen superpowers», der Nick-Land-Fan Marc Andreessen gleich von «technological supermen». Mit dem Präfix super als Marker der Überlegenheit oder eben «Superiorität» technischer Anlagen begründen die dunklen Aufklärer ihren allumfänglichen Technik­determinismus. In letzter Konsequenz wird der Mensch dann zu einer blossen Übergangs­form in einer Welt erklärt, in der der technisch-kapitalistische Fortschritt und seine unerbittliche Akzeleration als letztes Subjekt der Geschichte wirken. Schon in den 1990ern sagte Land voraus: «Nichts Menschliches überlebt die nahe Zukunft.»

Man muss das so sehen: Der aktuelle Rechtsruck ist nicht „das eine Projekt“, es sind viele Projekte, die immer wieder aber auf gemeinsame Pfadgelegenheiten konvergieren.


Forbes hat ein Stück über die Paper-Flut, die durch LLMs in die Wissenschaftsverlage und damit durch die Peer-Review-Verfahren schwappt.

A new study from the journal’s editorial team finds that AI-generated manuscripts are harder to read, more jargon laden and more likely to be rejected than those written by humans. Meanwhile, over 30% of the expert peer reviews that journals routinely use to decide what to publish now show detectable AI use, and editors report that those reviews are essentially uninformative. …

They analyzed 6,957 submissions and 10,389 reviews since January 2021, scoring each for AI content using Pangram, which independent evaluation has rated as the most accurate AI detection tool currently available.

Since the release of ChatGPT in late 2022, submissions to Organization Science have risen 42%, roughly double the bump the journal saw during the COVID-19 pandemic. The editors attribute nearly all of that increase to AI. Submissions judged to be human-only actually declined. By early 2026, the majority of manuscripts submitted to the journal show some degree of AI involvement, and the fastest-growing category is papers scored at 70% or higher AI content …

Dabei passieren natürlich dieselben „cognitive Surrender“-Effekte, wie wir sie in den letzten beiden Newslettern beschrieben haben.

Gartenberg invoked George Orwell’s essay “Politics and the English Language,” with its examples of politicians burying meaning in abstraction. AI prose, she said, reads like those politicians: dense, vaguely impressive, hard to follow.

The paper’s title frames the problem: “More Versus Better.” “AI, as it’s being used today, is colliding with institutional incentives to create more rather than better research,” Gartenberg said. “It’s not AI on its own. It’s AI plus publish-or-perish incentives.”

Mit der Q-Function können wir das leicht darstellen. „Publish-or-perish“ ist das Prinzip, was die Pfade, die U_publishing öffnet, mit Wert versorgt, so dass Publikationen eine wichtige Währung in der Wissenschaft sind, was bedeutet, dass die F(Q_publishing) Unterdruck erzeugt und damit die Wertketten des wissenschaftlichen Publishing-Systems am Laufen hält. Allerdings basiert dieses System außerdem noch auf dem stabilisierenden Fulcrum [F5] der Reviewer und ihrer Bereitschaft und Fähigkeit zu reviewen (umsonst, versteht sich). Der einzige Akteur, der in dieser Konstellation monetäre Margen macht, ist der Verlag, der Kapitalist.

Um zu verstehen, was mit der Einführung der LLM in dieses System passiert, importieren wir uns dazu die Kostenstruktur K_F aus dem Hebel:Fuclrum-Explainer.

K_F sind die Kosten, die Abnutzung, die Arbeit, der aufzubringende Unterdruck durch IOUs, um die Pfadgelegenheit zu nehmen.

Die Fulcrumskosten kann man ihrerseits aufteilen in Verschleiß, Aktivierung und Abschreibung.

K_F = K_F_v + K_F_a + K_F_ab

K_F_v ist der Verschleiß, die Abnutzung, K_F_a sind die Kosten für die Aktivierung, hier ist zum Beispiel der Preis, den man Zahlen muss, aber auch die Arbeit, die man reinstecken muss. Vor allem, wenn ein Pfad neu ist und ich mich erst orientieren muss. Bereits bekannte Pfade haben deswegen meist ein geringeres K_F_a.

Und dann gibt es einen ganz besonderen Faktor: K_F_ab, die Abschreibungskosten. Diese Kosten treten nicht bei der Hebelaktion selbst auf, sondern lauern latent im Hintergrund bist zum Exit des Fulcrums. Es sind all die Pfade, die du nicht mehr gehen kannst, wenn du dich für den aktuellen Pfad entscheidest. Die Opportunitätskosten, aber als auf dem Spiel stehender Pfad-Strauss. Diese Kosten treten nicht bei der Hebelaktion selbst auf, sondern lauern latent im Hintergrund bist zum Exit des Fulcrums.

Im Dauerbetrieb dominiert K_F_v, beim Erstzugriff K_F_a, beim Verlassen tritt K_F_ab erst zutage. Meist ist nur einer der Terme groß.

Mit der Kostenstruktur können wir das Problem leicht beschreiben: Während das U_publish_gelingt der Q-Function der Einreichenden bis auf weiteres stabil bleibt, haben sich durch LLMs vor allem die K_F_a drastisch verringert, also die Aktivierungskosten für Einreichungen, was zu dem besagten Anstieg der eingereichten Paperanzahl geführt hat (ich hatte das vor drei Jahren in meinem Workingpaper zu KI und die Arbeitswelt für die Böcklerstiftung bereits als „Paper-Explosion“ prophezeit).

Das wiederum erhöht die Abnutzungskosten (K_F_v) des Fulcrums der Reviewer (Arbeitslast, Nerven, Motivation), die dann ihrerseits vermehrt auf LLMs zurückgreifen müssen, um dem Wust Herr zu werden, was den ganzen Prozess ad absurdum führt. Dazu ist das Verhältnis von K_F_a der Einreichenden mit der K_F_v der Reviewer aus dem Tritt gekommen und da Reviewer ohne Bezahlung arbeiten, könnte der einmal ausgehandelte Deal demnächst hinfällig werden: Das Fulcrum des Peer Reviews bricht [F8].

Die Frage ist also, wie lange die Reviewer das noch mitmachen und – wenn sie entsprechend Gegenrüsten – wie schnell der gesamte Prozess soweit versloppt, dass der Pfad „Peer-Review“ in p[F7] – also in den sozial beliehenen Portfolios allgemein an Zutrauen verliert und damit damit letztlich auch der „publish or Perish“ Unterdruck entweicht.


Donna Meadows hatte bereits Ende der 1990er in einem sehr lesenswerten Paper sogenannte „Leverage Points“ ausgemacht. Diese „Leverage Points“ sind exakt das, was wir hier als „Fulcrum“ bezeichnen. Also unterliegende Infrastruktur, deren Funktion kritisch und pfadentscheidend für die darauf aufbauenden Pfadgelegenheiten sind. Die Idee ist, dass jede Veränderung dieser Fulcrum unterschiedlich starke Effekte auf das Gesamtsystem hat.


Ich will nur ein paar herausgreifen, die wir hier ständig verhandeln.

8. Regulating negative Feedbackloops.

Das sind einerseits sowas wie „Märkte“, in denen sich der Preise nur innerhalb bezahlbarer Korridore bewegen kann, ohne die Nachfragerpfade zu gefährden. Aber dazu gehört auch die relationale Dematerialisierung, die die Abhängigkeiten des Kapitalisten durch zusätzlich geschöpften Wert in einem Prozess der stetigen strategischen Austauschbarmachung der Produktionsfaktoren mitigiert, indem er zum Beispiel mit der KI-Drohgung die BATNA-Strukturen manipuliert.

7. Driving positive Feedback Loops

Netzwerkeffekte, Skaleneffekte, etc. Was ich immer wieder zeigen will, ist, dass diese relational materiellen Effekte mit uns und gegen uns arbeiten können. Konzepte wie Netzwerkmacht und Lockin sind die Fulcren, auf denen die Plattformen ihre Margen hebeln. Einen Pfad, Netzwerkeffekte für den Widerstand nutzen, hatte ich letztes Jahr versucht, mit der Umtopfungs-Anleitung vorgeschlagen und Ralf Stockmann hat mit der deutschen Bibliothekscommunity vorgeführt, dass und wie das in der Praxis funktionieren kann. Außerdem kann man sich im Interpependenz-Explainer anschauem, wie sich die Q-Functions bei Musks Twitterübernahme entlang der Hebel:Fulcrums-Mechanik Netzwermacht-Verteilung verhielten.

6) Material flows and Nodes of material intersections.

Der Druck auf den Wertketten: Lieferketten, Pipelines, Kabel, Speicher, Raffenerien, Plattformen, digital Services, etw und das ganze Drama an der Straße von Hormus, etc.

Wertketten sind die Pfade, durch die der Wert von den untersten Fulcren, wie Naturzirkel oder Pfadgelegenheiten wie offene Seewege und über Zulieferer bis zum Leitunternehmen und dem Supermarkt reichen, wo du ein Produkt kaufst. Wertketten werden durch Unterdruck angetrieben und dieser Unterdruck ist (nicht nur und nicht immer – siehe oben – aber häufig) Geld.

5) Information flows.

Auch das ist hier Dauerthema. Das Capturing des Mediensystems durch die Trumpnahen Oligarchen, die Purge-Koalition, die Matrix, Massensprechaktwaffen, semantische Umschließung, etc.

2) The goals of the system.

Eine Frage, die viel zu selten gestellt wird: wozu machen wir den Scheiß überhaupt?

Die politische Ökonomie der Pfadgelegenheiten versucht auch diese Frage zu beantworten:

Jeder Mensch hat ein Fulcrum, also notwendige Vorbedingungen des Überlebens, die regelmäßig aktualisiert werden müssen.

Das macht den Menschen von Anfang an abhängig von anderen, bzw. von einem wachsenden Infrastrukturpark an von anderen bereitgestellten Überlebenspfadgelegenheiten. Und hier ist der Kern jedes Wirtschaftens bereits formuliert: Alle Hebel hebeln auf dem Fulcrum des Überlebenswillen des Dividuums.

Das heißt: Die Reproduktionsnotwendigkeit des menschlichen Körpers ist ein zentrales, stabilisierendes Fulcrum [F5] der gesamten Erwartungskette – sie „erdet“ das Modell in etwas Materiellem, das nicht wegerwartbar ist: Schmerz.

1) The mindset or paradigm out of which the system – it’s goals, power structre, rules, it’s culture – arise.

Das ist gewissermaßen der metaphysische Layer, der gleichzeitig das zentale stablisierende Fulcrum [F5] der Konstruktion ist. Genau hier setze ich den Hebel der „Individuum“->“Dividuum„-Verschiebung an. Meines Erachtens muss der Bruch mit dem Liberalismus tiefer gehen, als nur die Ablehnung des Kapitalismus. Es braucht einen anderen Subjektentwurf, der alte stinkt.


John Oliver hat einen sehenswerten Beitrag über Chatbots gemacht, vor allem die personalisierte Nutzung als Therapeuten-, Freundschafts- und Beziehungsersatz.

Die Folge lässt erahnen, wie stark die Macht der emotionalen Abhängigkeit ist, die die KI-Firmen ernten, weist aber nicht auf die manipulativen Möglichkeiten hin, die sich daraus für die KI-Firmen ergeben. Es wird zwar angesprochen, dass die Chatbots bereits auf Nutzungszeit optimiert werden, dass sie aber auch auf emotional manipulative Techniken optimiert werden können, wird unerwähnt gelassen. Warum? Weil wir noch keinen konkreten Fall kennen?

Wollen wir den KI-Firmen wirklich diesen „Benefit of the Doubt“ gewähren? Zweifelt wirklich irgendwer, dass ein auf emotionale Gewalt optimierter Chatbot fähig wäre, enorme Margen zu extrahieren und das bei geringer Fulcrums-Last K_F und mitten in einer „Loneliness-Epidenmic“? Glaubt wirklich irgendwer, dass dieser kapitalistische Pfad unbeschritten bleibt?

Was aber auch offenbar wird, wenn man sich die Geschichten so anhört, ist, dass wir als Gesellschaft die KI-Technologie nur dann in den Griff bekommen, wenn wir eingestehen, was die Chatbots offenbart haben:

Einen enorm weit verbreiteten und tief empfundenen Mangel an Zuwendung, Zuspruch und Aufmerksamkeit, in dem viele Menschen leben.

Ein Gedanke zu „Krasse Links No 84

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