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Krasse Links No 82

Willkommen zu Krasse Links No 82. Huldigt eurem Clearinghouse, heute schlürft die Zuckerberg-KI das Empire aus Deep Fakes, wenn die Abschiebebeobachter*innen den Weltkrieg in die Energiepolitik pflanzen.


Nachtrag: Die Folge vorgelesen von Ali Hackalife. (€)


In einem lesenswerten Linkedin-Post stellt der bekannte Investor Ray Dalio fest, dass der dritte Weltkrieg bereits begonnen hat.

We are now in a world war that isn’t going to end anytime soon.

While this sounds like hyperbole, it is indisputable that we are now in an interconnected world that has a number of shooting wars going on (e.g., the Russia-Ukraine-Europe-US war; the Israel-Gaza-Lebanon-Syria war; the Yemen-Sudan-Saudi Arabia-UAE war that also involves Kuwait, Egypt, Jordan, and other related countries; and the US-Israel-GCC-Iran war). Most of these wars involve major nuclear powers, and there are also significant non-shooting wars (i.e., trade, economic, capital, technology, and geopolitical influence wars) that most countries are in.

Together, these conflicts make up a very classic world war that is analogous to past “world wars.” For example, past “world wars” consisted of interrelated wars that were generally slipped into without any clear start dates or declarations of war. Those past wars combined into a classic world war dynamic that affected them all, as is happening with the current wars. I described that war dynamic in detail in Chapter 6, “The Big Cycle of External Order and Disorder,” of my book Principles for Dealing with the Changing World Order, which I published about five years ago, so it’s there if you want a more comprehensive description. That chapter covers the arc of what we are seeing happen and what is likely to happen.

Wir haben rückblickend immer einen recht kompaktes Bild von Kriegen, die bereits stattgefunden haben, aber die Menschen zu der damaligen Zeit konnten selbst nicht unterscheiden, wie sich welche Konflikte weiterentwickeln, wie sie ineinander greifen und welche Spannungen dahinter standen und vor allem „Weltkriege“ werden gerne erst rückblickend attestiert. Aber es gibt ein paar Wasserstandszeiger.

The indicators are just broadly indicative. For example, history has taught us that wars generally don’t have definitive start dates (with big military events followed by clear declarations of war, like the assassination of Archduke Ferdinand, the German invasion of Poland, and the bombing of Pearl Harbor, being the exception), and economic, financial, and military conflicts typically arose before there were clearly declared wars. Major wars were also typically preceded by developments and indicators like 1) military stockpiles and monies being drawn down; 2) budgets, debts, money printing, and capital controls being built up; 3) rival countries observing the countries fighting and learning what their strengths and weaknesses are; and 4) the overextended leading world power facing the challenge of trying to fight wars on different fronts that are very far apart. These factors all matter, and my measures of them indicate that we should be concerned.

Ich seh das so: Jedes Empire ist auf ein paar wenigen essentiellen Säulen gebaut. Ideologische genauso wie materiell infrastrukturelle. Das können bestimmte geographische Eigenheiten sein, ein besonderer Vorteil in der Kriegsführung, wirtschaftliche Stärke, ein technologischer Vorsprung, eine dominante Währung, eine oder mehrere „Einende Ideen“, eine kulturelle Hegemonie oder Zugang zu bestimmten, wichtigen Ressourcen. All diese Säulen sind mögliche Kontaktzonenfulcren, auf denen so ein Empire seine Machtakte hebelt.

Idealerweise hebelt dein Reich auf gleich mehreren dieser Fulcren gleichzeitig und ein Teil deiner Aufgabe als Imperator ist es, neue Fulcren bereitzustellen, vorhandene am Laufen zu halten und sie gegen Angriffe abzusichern. Wie wichtig die einzelnen Fulcren für einander und die Gesamtarchitektur sind (stabilisierendes Fulcrum), sieht man aber oft erst, wenn sie krachen. Und wenn wichtige oder viele dieser Fulcren aus irgendwelchem Gründen crashen, crasht das Empire.

Die USA hebelt natürlich auf vielen dieser Fulcren, aber da ich ein Materialist bin, gehe ich davon aus, dass Infrastrukturen sich pfadabhängig von materiellen Abhängigkeiten entwickeln, und die Infrastrukturen sind es, die dann beginnen, Geschichten über sich zu erzählen (Ideologie).

Zugespitzt könnte man sagen, dass die bisherige Weltordnung gar nicht in erster Linie auf der Hegemonie des amerikanischen Militärs beruhte, sondern auf der gemeinsamen Abhängigkeit aller Länder von der Ressource Öl, die durch das amerikanische Empire verwaltet wurde.

Die dafür notwendige Infrastruktur umfasst:

  1. Den Petrodollar, also die Tatsache, dass alle Länder die Öl konsumieren wollen (alle) Dollar brauchen, um es zu schlürfen.
  2. Der Petrodollar ist zunächst einmal eine Wette der ölfördernden Golfstaaten, dass die USA sie im Angriffsfall beschützen. Militärische Kooperation und die Militärbasen, sind die Engstellen der Dollarzentralität.
  3. Der Petrodollar ist aber auch eine Wette auf die hegemoniale Militärpräsenz der USA, mit der sie die Handelsrouten kontrollieren und „offen“ (für die eigenen Interessen) halten.

Der Petrodollar ist das Rückrat der Dollarzentralität, die die enorme Menge an Dollar und und die dahinterstehenden US-Schulden (Staats- und Privat) deckt. Das Geschäftsmodell der USA, quasi.

Ich denke, das amerikanische Empire fällt, weil drei Dinge die Weltordnung untergründig aber nachhaltig verschoben haben: Die Energiewende, Sanktionen und billige Drohnen.

  1. Mit der Energiewende weg von Öl, hin zu regenerativen Energien, beginnen Öl-Abhängigkeitsbeziehungen allgemein ihre Bindekräfte zu verlieren und das „Unraveling“ der amerikanischen Weltordnung, das wir sehen, ist ein Symptom dieser Rejustierung und der Irankrieg ist nur der heiße Kulminationspunkt dieser Auflösung.
  2. Seit dem Irankrieg frage ich mich: Wenn Iran jetzt so einfach die Straße von Hormuz blockieren kann, warum hat es das nicht vorher getan?

    Die Militärtechnik ist vorangeschritten und mit den Shahed Drohnen kann Iran die Straße von Hormuz bequem aus einem Radius von bis 700 Km kontrollieren. Iran droht jetzt bereits damit, dass ihre Alliierten, die Huthies den Suez-Kanal bei der Straße von Bab al-Mandeb dicht machen. Ich denke eine Konsequenz aus dem Drohnenparadigma wird sein, dass es keine offenen Meerengen mehr geben wird, einfach weil es so leicht geworden ist, sie mit geringen Ressourcen zu kontrollieren.

  3. Doch wenn wir ehrlich sind, wäre es für Iran militärisch auch früher gegangen die Hormuz zu kontrollieren, nur etwas aufwändiger und riskanter. So, what changed?

    Die Antwort sind Abhängigkeiten. In den vergangenen Golfkriegen war eine Sperrung im Gespräch und amerikanische Schiffe hatten damals bereits Öltanker eskortiert, doch Iran hätte sich das damals auch deswegen nicht getraut, weil es sich mit den Golfstaaten und dem Rest der Welt nicht anlegen wollte. Zum einen hätten sie potentielle Verbündete vor den Kopf gestoßen und zum anderen waren sie selbst von der Weltwirtschaft abhängig.

    Doch in den Jahrzehnten von Isolation und Sanktionen wurden diese Abhängigkeiten entkoppelt und naja, die Golfstaaten sind inzwischen recht eindeutig „Team America“. Es gibt also schlicht nicht mehr viel zu verlieren durch die Schließung. Die Sanktionen haben den Iranern eine Waffe beschert, die uns viel mehr weh tut, als ihnen.

    Durch die Sanktionsregimes hat die USA den Bruch in der eigenen Weltordnung herbeigeführt, denn dadurch konnte sich ein paralleles System der sanktionierten Länder bilden: Iran, Russland, Venezuela, ein bisschen auch Nord Korea entwickelten sich von nun an verstärkt im wechselseitigen Austausch und unter der quasi Schirmherrschaft von China. Der Irankrieg wird dieses Notbündnis jetzt enorm stärken und die Ölflüsse und damit Abhängigkeitsbeziehungen neu sortieren.

Donald Trump ist ein Instinkt-Mensch und wie alle Oligarchen hat er einen ausgeprägten Macht-Instinkt und ich glaube, seine grundsätzliche Analyse, dass ein Ende des Fossilismus auch das Ende der amerikanischen Empire bedeutet, ist nicht falsch?

Sein Kampf gegen Erneuerbare und der Versuch alle nichtkontrollierten Öl-Pfade abzuschneiden (Venezuela, Iran), sind hilflose Versuche, um die Welt wieder enger an Öl und damit die USA zu ketten. Weil er aber auch ein ziemlicher Idiot ist und nur dumm um sich schlägt, beschleunigt er den Untergang des Reiches in einer fast mythenhafte Ironie des Schicksals.

Die Golfstaaten haben ziemlich doof aus der Wäsche geguckt, als Iran ihre Hotels im Inland angriff, weil die US-Soldaten aus den Basen, die das Land verteidigen sollten, vor Irans Angriffen in zivile Hotels geflohen sind.

Und das zeigt ein weiteres Mal, wie Drohnen das Verhältnis von militärischer Topologie und geographischen Topographie verändern. Die vielen US-Basen, die die USA in der ganzen Welt betreiben, werden von Hegemonie-Brückenköpfe zu günstig angreifbaren Schmerzpunkten einer ansonsten kaum erreichbaren Supermacht. Und alle Länder mit US-Basen werden durch sie nicht sicherer, sondern zu plausiblen Zielen, was die Risiko-Kalkulationen überall auf der Welt verändert.

Gerade kracht also das ganze System auf einmal zusammen: Iran hat durch die Hormuz-Kontrolle ein gutes Drittel der Ölpfade aus dem von den USA kontrollieren Seewegen geknapst und wird dort wohl den Petrodollar durch den chinesischen Yuan austauschen, während die Golfstaaten (und alle anderen) ihre Allianzen neu kalkulieren …


Was passiert eigentlich, wenn die USA sich entschließt, aus dem Trubel des internationalen Ölmarktes auszuopten, also eigene Ölexporte verbietet und stattdessen auf „Self-Suffiency“ umstellen?

High energy prices are ​political Kryptonite and the Trump administration likes to project a populist image. Interior Secretary Doug Burgum told oil industry executives last month ​that an export ban was not under consideration, Politico reported, opens new tab. If prices spike high enough, though, officials may face pressure to reconsider.

Was manche nicht wissen: Seit sich Fracking als neue Fördermethode in den 2010ern etabliert hat, sind die USA Nettoexporteur von fossiler Energie, sogar der größte Ölexporteur der Welt, größer als Saudi-Arabien. Sie produzieren also mehr als sie brauchen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die originale Abhängigkeit, die die amerikanische Weltordnung erst als notwendige Infrastruktur aufgleiste, eigentlich aufgelöst ist.

Aber Reuters versucht Trump das aber auszureden, denn natürlich ist das leichter gesagt als getan. Dafür muss ne Menge Infrastruktur umgebaut werden und viel der aktuellen Infrasstruktur würde zum „stranded Asset“.

An export ban would leave the United States with a glut of light, sweet crude. Refiners can pivot, but with opportunity costs. Expensive purification ‌equipment would ⁠be left unused and there isn’t enough capacity to handle all the excess.
In addition, light U.S. oil tends to make heavy naphtha used for gasoline. Such derivative products are sold abroad. A crude ban would increase the imbalance, leaving the country with more gasoline and less diesel.

Finally, oil production, shipping and refining is one of the world’s most complex systems. Changing flows suddenly would introduce unknown outcomes. Recessions ​elsewhere hurt the U.S. economy, too. ​Crude and related products are ⁠already in short supply. Making U.S. refiners more inefficient won’t help, while a ban would invite retaliation. In this case, one simple answer would leave many difficult questions.

Ein Exportstopp von amerikanischen Öl würde natürlich nicht nur Europa und den Rest der Welt ins Chaos stürzen, sondern würde ein endgültiges Ende des Petrodollars bedeuten, denn der Dollarfluss in die Golfstaaten würde von einen auf den anderen Tag gestoppt und müsste ersetzt werden.

Es gibt also viele gute Gründe das nicht zu tun, aber erinnern wir uns kurz zurück: Wie oft haben „gute Gründe es nicht zu tun“ Trump daran gehindert etwas … naja, nicht zu tun?

Und was machen wir in Europa/Deutschland, wenn wir plötzlich merken, dass es gar keine gute Idee war den Großteil unserer Energieabhängigkeiten auf die USA zu konzentrieren?


Robert Habeck hat einen Gastbeitrag im Guardian in dem er schildert, wie er die geoplolitische Engergiesituation Europas mit der seiner Amtszeit als Wirtschaftsminister vergleicht.

The impact on energy prices is another parallel. I remember well, from my time in government in Germany, the conference calls with counterparts from the Biden administration after the Russian full-scale invasion in February 2022, when the oil price rose to $130 a barrel. Even then, they wanted Germany to release its national oil reserves. I was reluctant, as I feared that Putin would completely halt oil supplies, which then still accounted for roughly 30% of Germany’s imports. In my view, the high prices were only the second-biggest problem. The biggest was whether there would be enough energy at all.

Seine Antwort ist die Offensichtliche: Vollen Schub auf Erneuerbare.

All the energy strategies developed for the climate crisis are ready and should be implemented as a matter of urgency. The rapid electrification of industry, transport and the heating and cooling sectors, and the expansion of electricity generation capacity, can be achieved in a relatively straightforward way.

And for all those who say this is too expensive: the EU spends about $450bn a year on fossil fuels – often from countries that are not particularly committed to liberal democracy. Better to use these funds for domestic energy production and the protection of our infrastructure.

Ich bin mir sicher, jemand müsste diesen Artikel nur mal Katherina Reiche schicken, dann würde sie auch sofort auch das Offensichtliche sehen.


Die AMOC-Strömung im Atlantik wird nach neusten wissenschaftlichen Untersuchungen durch die Klimakatastrophe wahrscheinlich deutlich früher und mit größerer Sicherheit zusammenbrechen, als bisher gedacht.

The critical Atlantic current system appears significantly more likely to collapse than previously thought after new research found that climate models predicting the biggest slowdown are the most realistic. Scientists called the new finding “very concerning” as a collapse would have catastrophic consequences for Europe, Africa and the Americas.

The Atlantic meridional overturning circulation (Amoc) is a major part of the global climate system and was already known to be at its weakest for 1,600 years as a result of the climate crisis. Scientists spotted warning signs of a tipping point in 2021 and know that the Amoc has collapsed in the Earth’s past.

Klimaforscher Stefan Rahmstorf warnt seit vielen Jahren vor genau diesem Szenario, aber selbst er ist geschockt über die neuen Ergebnisse.

Prof Stefan Rahmstorf, at the Potsdam Institute for Climate Impact Research in Germany, said: “This is an important and very concerning result. It shows that the ‘pessimistic’ models, which show a strong weakening of the Amoc by 2100, are, unfortunately, the realistic ones, in that they agree better with observational data.”

He added: “I now am increasingly worried that we may well pass that Amoc shutdown tipping point, where it becomes inevitable, in the middle of this century, which is quite close.”
Rahmstorf, who has studied the Amoc for 35 years, has said a collapse must be avoided “at all costs”. “I argued this when we thought the chance of an Amoc shutdown was maybe 5%, and even then we were saying that risk is too high, given the massive impacts. Now it looks like it’s more than 50%. The most dramatic and drastic climate changes we see in the last 100,000 years of Earth history have been when the Amoc switched to a different state.” […]

Rahmstorf said Amoc slowdown in 2100 may be even greater than in the new, pessimistic assessment. This is because the computer models do not include the meltwater from the Greenland ice cap that is also freshening the ocean waters: “That is one additional factor that means the reality is probably still worse.”


Der Spiegel enthüllt, wie Habecks Nachfolgerin, Katherina Reiche Energiepolitik, macht.

Am Dienstag, dem 13. Januar, erreicht Christian Schmidt eine ungewöhnliche Nachricht. »Überlegungen für ergänzende Kriterien zur 10h-Regel« steht in dem Text an den Abteilungsleiter Strom im Bundeswirtschaftsministerium (BMWE). Gleich darunter sind fünf Vorschläge gelistet, die Batteriespeicher im Rahmen der sogenannten Kraftwerksstrategie fast unmöglich machen dürften.

Absender der Nachricht ist Holger Schäfer, der Cheflobbyist von EnBW. Der Energiekonzern will in Deutschland neue Gaskraftwerke bauen und betreiben, ebenfalls im Rahmen der Kraftwerksstrategie. Batteriespeicher sind die Hauptkonkurrenz dafür.

An Schäfers Textnachricht ist manches seltsam. Zum Beispiel, dass sie nicht auf Initiative von EnBW erstellt worden ist – sondern »auf ein Ersuchen des Ministeriums«. So schreibt es EnBW dem SPIEGEL, und auch das Ministerium dementiert es auf mehrfache Anfrage nicht. Schäfers »Überlegungen« waren also kein Lobby-Impuls – sondern eine Auftragsarbeit. Und zwar eine ziemlich einseitige.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wird eine zu große Nähe zur fossilen Energiewirtschaft nachgesagt. Entsprechend empört dürften ihre Kritiker auf einen solchen Vorgang reagieren. Doch Kritik daran gab es bisher nicht. Denn der EnBW-Text war bis vergangenen Freitag gar nicht öffentlich. Der Konzern hatte ihn nicht im Lobbyregister vermerkt – obwohl das bei einem laufenden Gesetzgebungsverfahren streng vorgeschrieben ist.

Merz wird Reiche dennoch nicht feuern, denn er ist gar nicht ihr echter Boss?

Um das zu verstehen, muss man zuerst verstehen, dass die CDU heute weniger wie eine klassische „Partei“ funktioniert, die versucht einen „Parteiwillen“ zu organisieren und umzusetzen, sondern – ähnlich wie die Republikanische Partei in den USA – zunehmend als Plattform für Polit-Entrepreneure fungiert. Dabei wird eine Personalie von der Industrie gezielt über viele Jahre aufgebaut, mit Ressourcen und Kontakten ausgestattet und so erfolgreich, aber auch abhängig gemacht, die dann – wenn sie im politischen Betrieb erfolgreich ist – konsequent die eigenen Industrie-Interessen umsetzt.

Merz kann Reiche schon deswegen nicht feuern, weil er selbst ein Sponsorship ist, nur eben aus einer anderen Industrie. Merz ist als Sponsorship von Blackrock der logische Kanzler, der mit allen sonstigen Interessen aller anderen Industrie-Oligarchen kompatibel ist, weil Blackrock einfach bei jeder Industrie mit drin steckt und sich deswegen sogar divergierende Interessen im Portfolio ausgleichen. Die aktuelle Regierungsstruktur ist aus Sicht der „Wirtschaft“ ideal. Das Blackrock-Kanzleramt fungiert als das Clearinghouse der deutschen und internationalen Industrieinteressen.

Merz wird sich also nicht mit Reiches Sponsoren anlegen und hätte nicht mal Verständnis für das Problem. Er sieht es als seine ureigenste Aufgabe Industrieinteressen notfalls gegen jeden demokratischen Widerstand durchzuprügeln.


Günter Klebinger hat in seinem Blog ein Dossier über (u.a.) Katherina Reiche angelegt, das anschaulich macht, wie so ein Sponsorship funktioniert.

Nachdem sie unter Wirtschaftsminister Altmeier bereits den ersten Versuch einer Energiewende rückabgewickelt hatte und quasi im Alleingang die deutsche Solarindustrie zerstörte, heuerte sie beim VUK an, die der Interessen von kommunalen Unternehmen — Stadtwerke, Wasserversorger, Abfallentsorger vertrat. Dort war sie anscheinend eine so erfolgreiche Lobbyistin, dass sie zur Westenergie AG wechselte, also quasi zu E.ON.

Anfang 2020 wird Reiche Vorstandsvorsitzende der Westenergie AG, einer Tochtergesellschaft des Energiekonzerns E.ON. Westenergie betreibt rund 37.000 Kilometer Erdgasnetz in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. Der Umsatz steigt unter Reiches Leitung von 5,9 Milliarden Euro auf über sieben Milliarden.

Parallel übernimmt sie im Juni 2020 den Vorsitz des Nationalen Wasserstoffrates. Wasserstoff ist zu diesem Zeitpunkt die Lieblingserzählung der fossilen Branche: Man brauche ja eine Brückentechnologie. Und die Brücke besteht natürlich aus Gaskraftwerken, die irgendwann — 2040, 2045, vielleicht später — auf Wasserstoff umgestellt werden. Irgendwann eben.

Klebinger fasst zusammen:

1. Personelle Kontinuität. Katherina Reiche hat den Solarausbau 2012 als Staatssekretärin gebremst. Sie bremst ihn seit 2025 als Ministerin. Das ist kein Zufall. Das ist Programm.

2. Institutionelle Nähe. Die fünf Jahre bei Westenergie/E.ON sind keine Episode in Reiches Lebenslauf. Sie sind das Scharnier. Wer 37.000 Kilometer Erdgasnetz verantwortet hat, denkt in Gasnetzen. Wer in der Vorstandsetage eines fossilen Versorgers saß, sieht erneuerbare Energien als Störung — nicht als Lösung.

3. Die Methode. Reiche greift nie frontal an. Sie beauftragt Studien bei Instituten, in deren Gremien ihre ehemaligen Geschäftspartner sitzen. Sie spricht von „Technologieoffenheit“, meint aber: fossile Gleichberechtigung. Sie stellt Klimaziele nicht direkt in Frage — sie nennt sie „naiv“ und will „flexibilisieren“.

4. Transparenzlücke. Reiche hat, wie Wolfram Weimer, kein Bundestagsmandat. Damit entfallen die Veröffentlichungspflichten für Nebentätigkeiten, Beteiligungen und Einkünfte, die für Abgeordnete gelten. Ob und welche Verbindungen zur fossilen Energiewirtschaft fortbestehen, ist öffentlich nicht überprüfbar.

Kurz: Katherina Reiche verübt schon seit den 2000er Jahre regelmäßige Anschläge auf unsere Energieinfrastruktur in einer Heftigkeit, dass der „Vulkangruppe“ die Ohren schlackern.


In Krasse Links No 80 schrieb ich bezüglich des Ulmenfalls über „Jerks“:

Jerks war immer schon eine emotional abusive Beziehung inszeniert als Gag und die tatsächlichen Enthüllungen sind fast so etwas wie ein abstoßendes und gleichzeitig passendes Serienfinale.

Trurns out: Seine Taten bekamen sogar eine eigene Serie, wie die Zeit herausfand.

Der 18-jährige Lasse gesteht seiner Freundin ein Geheimnis. Er habe Bilder von ihr in Sex-Chatforen gepostet, und es habe ihn angemacht, wie andere Männer über ihren Körper schrieben und über ihre erotischen Fantasien mit ihr. Er sei in sie verliebt, beteuert er immer wieder, dann beginnt er zu weinen: Er sei wie auf einem Trip gewesen, die Kommentare der anderen Männer hätten ihn so angemacht.
Lasse ist eine Figur aus Christian Ulmens letzter Comedyserie, die der Schauspieler und Regisseur im Herbst vergangenen Jahres auf Mallorca gedreht hat. Ulmen selbst spielt darin die männliche Hauptrolle, Lasses Vater. […]

Im Mittelpunkt steht ein fiktives Ehepaar in einer toxischen Beziehung, das ein neues Au-pair bei sich aufnimmt. Ulmen spielt den Familienvater Frank, der sich um die drei Kinder kümmert, während seine Frau beinahe rund um die Uhr als Ärztin arbeitet. Er fühlt sich minderwertig und von seiner Frau alleingelassen. Um seine Wut in den Griff zu bekommen, geht er in Therapie. Da er außerdem pleite ist, übernimmt er Putzjobs auf teuren Jachten und gerät dabei in eine Agentur für männliche Prostituierte, die Sex mit älteren, reichen Frauen haben. Die Frauen leben an Frank fortan ihre sexuellen Fantasien aus und erniedrigen ihn teilweise. In dieser Serie sind oft die Männer die Opfer der Frauen, nicht umgekehrt. Neben Ulmen spielt der Schauspieler Fahri Yardım einen weiteren Prostituierten. In einem Nebenstrang der Handlung wird der Sohn der Familie, Lasse, Opfer von Cybermobbing durch seine Schulkameraden. Und die Mutter vermasselt eine OP, sodass einem Mann die Hoden abgenommen werden müssen. So weit die Fiktion.

Wie muss es für die Schauspieler*innen gewesen sein, die freudig zu Ulmen ins Projekt sprangen, um diese – zugegebenerweise *weirde* – Serie abzudrehen und dann platzt der Fernandesfall in die Öffentlichkeit und du merkst, du warst nur Statist in einer Art selbsttherapeutischen Systemaufstellung eines Psychopathen.

Einer der Mitwirkenden aus der Serie sagt, er fühle sich, als müsse er seine Erinnerung neu codieren. Er stehe vor einem Rätsel: Wie konnte Ulmen nach allem, was er seiner Frau angeblich im Winter vor dem Dreh gestanden haben soll, in so ein Projekt gehen? Wie konnte er all das so ausblenden? Oder hat er es eben gerade nicht ausgeblendet?


Aber hier die bange Frage: Wie „weird“ ist Ulmen wirklich? Das Magazin Wired hat einen erschreckenden Bericht über die Verbreitung sexualisierter Deepfakes an Schulen auf der ganzen Welt.

Deepfake sexual abuse incidents have hit around 90 schools globally and have impacted more than 600 pupils, according to a review of publicly reported incidents by WIRED and Indicator, a publication focusing on digital deception and misinformation.

The findings show that since 2023, schoolchildren—most often boys in high schools—in at least 28 countries have been accused of using generative AI to target their classmates with sexualized deepfakes. The explicit imagery, containing minors, is considered to be child sexual abuse material (CSAM). This analysis is believed to be the first to review real-world cases of AI deepfake abuse taking place at schools globally. […]

The true scale of deepfake sexual abuse taking place in schools is likely much higher. One survey by United Nations children’s agency Unicef estimates that 1.2 million children had sexual deepfakes created of them last year. One in five young people in Spain told Save the Children researchers that deepfake nudes had been created of them. Child protection group Thorn found one in eight teens know someone targeted, and in 2024, 15 percent of students surveyed by the Center for Democracy and Technology said they knew about AI-generated deepfakes linked to their school.

“I think you’d be hard-pressed to find a school that has not been affected by this,” says Lloyd Richardson, director of technology at the Canadian Centre for Child Protection. “The most important thing is how we’re able to help the victims when this happens, because the effects of this can be massive.”

Diese Technologie – in Kombination mit den Erlaubnisstrukturen einer patriarchal-Indivudualistischen Gesellschaft – verengt jetzt bereits die Räume für junge Mädchen in der Gesellschaft enorm.

In multiple instances, victims often do not want to attend school or be faced with seeing those who created explicit images or videos of them. “She feels hopeless because she knows that these images will likely make it onto the internet and reach pedophiles,” says lawyer Shane Vogt, and three Yale Law School students, Catharine Strong, Tony Sjodin, and Suzanne Castillo, who are representing one unnamed New Jersey teenager in legal action against a nudifying service. “She is severely distressed by the knowledge that these images are out there, and she will have to monitor the internet for the rest of her life to keep them from spreading.”

Und auch hier geht es nicht wirklich um „Sex“, sondern um den wurstigen Willen zur Kontrolle bei jungen Männern.

Amanda Goharian, the director of research and insights at child safety group Thorn, says its research indicates that there are different motivations involved in teenagers creating deepfake abuse, ranging from sexual motivations, curiosity, revenge, or even teens daring each other to create the imagery. Studies involving adults who have created deepfake sexual abuse similarly show a host of different reasons why the images may be created. “The goal is not always sexual gratification,” Pillai says. “Increasingly, the intent is humiliation, denigration, and social control.”

“It’s not just about the tech,” says Tanya Horeck, a feminist media studies professor and researcher focusing on gender-based violence who has looked at sexualized deepfakes in UK schools at Anglia Ruskin University. “It’s about the long-standing gender dynamics that facilitate these crimes.”


Dafür geht Meta jetzt gezielt gegen die „Antifa“ vor.

Policy documents reviewed by The Intercept show the company now treats any “Content that includes the word ‘antifa’ as a potential rules violation if that word appears along with what Meta deems a “content-level threat signal” — meaning a statement that the company believes implies violence.
The new rules around saying “antifa” on Facebook and Instagram comes amid efforts by the White House to crack down on left-wing political organizing under the guise of national security. Though antifa is a contraction of the word antifascism and not an actual group, Trump last September signed an executive order designating the leaderless decentralized movement as a domestic terrorist organization. A subsequent executive memorandum, NSPM-7, again singled out “antifa” ideology as a cause of “domestic terrorism and organized political violence.”

Der Griff der Purge-Koalition macht weitere Anzeichen, sich zu schließen.


Antony Loewenstein hat einen Film über Deutschlands Obsession mit Israel gemacht und zeichnet ein düsteres Bild unserer Gegenwart, das die weißdeutsche Mehrheit in diesem Land nie anders zu sehen bekommt, als durch die verzerrende Hetze von Bild, Nius oder Tagesspiegel.

Sein Fazit, aufgenommen im KZ Sachsenhausen, ist düster:

Honestly, what I’ve seen and heard is that Germany is fundamentally misunderstanding what happened here.

That they are transferring their guilt, their justified guilt onto Palestinians, onto Arabs, onto Muslims, onto those who are not white Germans.

As a German and a Jew, any sane person would reject that 110%.

The fear I have is that we’ve seen Germany is moving to a really dark authoritarian future. Free speech is threatened. Association is threatened. The far right’s in the ascendancy.

And that’s a pretty dark prospect considering German history.


Aus Hamburg berichten Abschiebebeobachter*innen über Fälle, die in ihrer Brutalität denen aus den USA nicht wirklich nachstehen.

„Als besonderes gravierend nennt die Abschiebebeobachterin den Fall einer 87-jährigen alleinstehenden Frau. Sie sei im Rollstuhl zum Flugzeug gebracht worden – in Hausschuhen, ohne Jacke. Oder eine junge Familie, die durch die Abschiebung getrennt wurde.“

Ein Hoch auf die Abschiebebeobachter*innen. Ansonsten habe ich den Eindruck, der Unterschied zwischen Deutschland und USA sind vielleicht weniger die Härten durch ICE, als die Tatsache, dass es hier kaum wen interessiert, wenn die eigenen Nachbarn abgeholt werden. Ist schließlich intergenerational eingeübte Praxis?


Der bekannte Securityforscher Bruce Schneier hat sich mit Ada Palmer zusammengetan, um im Guardian vor LLMs als Massensprechaktwaffe zu warnen. Sie nutzen den Begriff nicht, aber erklären ihre Funktionsweise genau.

The increased use of large language models means we humans will encounter much more AI-generated text. We humans, in turn, will begin to adopt the linguistic patterns and behaviors of these models. This will affect not just how we communicate with one another, but also how we think about ourselves and what goes on around us. Our sense of the world may become distorted in ways we have barely begun to comprehend.

Dabei gehen sie nicht mal darauf ein, welche Manipulationsmöglichkeiten der KI-Betreiber sich darauf ergeben, sondern konzentrieren sich erstmal auf die „unintended Consequences“.

One of the first effects we could see is in simple expression, much as texting and social media have resulted in us using shorter sentences, emojis instead of words, and much less punctuation. But with AI, the impacts may be more harmful, eroding courteousness and encouraging us to talk like bosses barking orders. A 2022 study found that children in households that used voice commands with tools like Siri and Alexa became curt when speaking with humans, often calling out “Hey, do X” and expecting obedience, especially from anyone whose voice resembled the default-female electronic voices. As we start to prompt chatbots and AI agents with more instructions, we may fall into the same habits.

Additionally, because large language models are primarily trained from written speech, they may not learn how to emulate the free-wheeling nature of live, natural speech. When told “I hate Beth!”, ChatGPT replies with an uninterruptable three-part formula of affirmation (“That’s completely valid”), invitation (“I’m here to listen”) and invitation (“What’s going on?”) far longer than any reply plausible in face-to-face dialog. “What’s Beth’s deal?!” elicits a bullet point list of queries that reads like a multiple-choice exam question (“Is Beth * a celebrity? * a friend from school? * a fictitious character?”). No human speaks that way, at least not yet. But meeting such formulas repeatedly in a speech-like context may teach us to accept and use them, much as a child absorbs new speech patterns from spending time with a new person.

Und natürlich gehen sie auf die Langzeiteffekte ein, wenn kommende Generationen lernen, ihr Denken auf KIs auszulagern. Dabei verlieren wir etwas sehr wichtiges, das wir zum Lernen brauchen. Unsicherheit.

In our experience as teachers, students who turn to generative AI for assignments often say they do so because they have trouble expressing what they think. The students don’t recognize that writing or speaking our thoughts is often how we realize what we think. Their unconfident and uncertain statements are actually the healthy human norm. But a large language model won’t turn vague first guesses into a well-formed critical analysis, or even ask helpful questions as a friend would; it will simply regurgitate those guesses, still unexamined, but in confident language.

Und wenn man dann bedenkt, dass diese Lenkung der Sprechweisen gezielt erfolgen kann (und es bereits tut), haben wir die mächtigste Propagandawaffe der Geschichte der Menschheit. Gleich nach den zweitmächtigsten: Den Plattformen.


Meta baut jetzt eine Zuckerberg-KI, um mit den Mitarbeitenden … zu interagieren.

Meta is building an artificial intelligence version of Mark Zuckerberg that can engage with employees in his stead, as part of a broader push to remake the Big Tech company around AI.

The $1.6tn group has been working on developing photorealistic, AI-powered 3D characters that users can interact with in real time, according to four people familiar with the matter.

The company recently began prioritising a Zuckerberg AI character, three of the people said.
The Meta chief is personally involved in training and testing his animated AI, which could offer conversation and feedback to employees, according to one person.

They added that the character is being trained on the billionaire’s mannerisms, tone and publicly available statements, as well as his own recent thinking on company strategies, so that employees might feel more connected to the founder through interactions with it.

Das Ende der Welt erkennt man bekanntlich daran, dass alle Klischees der Menschheitsgeschichte zu einer einzigen grotesken Slop-Wirklichkeit konvergieren.

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