re:publica 2014 – Deutschland sucht das Supernarrativ

Hach, was war das wieder schön. Endlich habe ich x und y wiedergetroffen und mal z kennengerlernt. Das klärende Gespräch mit m war wichtig und dann dieser heiße Flirt mit p! Wow!

Aber ihr interessiert euch sicher mehr für die Inhalte. Die waren nämlich ebenfalls toll. Ein großes Lob an das Contentteam! Und hier meine Auswahl der besten Talks:

HALT! Nein! Zuerst schamlose Eigenwerbung. Mein re:publica-Talk über dezentrale Social Networks:

Ich habe mich extra aus dem ganzen Überwachungsdiskurs rausgehalten und mal etwas mehr Hands-On gemacht. Dennoch war Überwachung natürlich das Thema der re:publica.


Ich habe übrigens parallel zu Sascha Lobo gesprochen (es war trotzdem auch voll bei mir). Den Talk habt ihr sicher alle gesehen. Wenn nicht, würde ich damit zu beginnen, weil viele den Talk referenzieren:

Sascha ruft uns auf, Geld zu spenden, uns weiter aufzuregen und Politiker zu beschimpfen, bis … naja, irgendwas passiert. Außerdem sollen wir alle Diskurse dem Kampf gegen die Internetüberwachung unterordnen. Nicht so meine Meinung, aber das wisst ihr ja.


Erst nachgesehen habe ich den Talk von Friedemann Karig, ebenfalls zu Überwachung. Im Gegensatz zu Sascha sucht er nicht nach neuen Schimpfworten, sondern nach neuen Narrativen:

Friedemann ist sehr unterhaltsam (eine echte Entdeckung) und ich finde, er hat viele gute Punkte. Ich kann nicht allen zustimmen, aber er bricht mit vielen ausgelutschten Narrativen der Antiüberwachung und schafft es, die sinnvollen und guten Argumente stark darzustellen. (Auch wenn ich nicht glaube, dass der Impotenzvergleich wirklich jemanden aufrüttelt.)


Ebenfalls neue Narrative suchen Jillian York und Jacob Applebaum. Allerdings für Internetsicherheit. Ihre Referenz ist Saversex.

So wie man eben extra Aufwand für sicheren Geschlechtsverkehr auf sich nimmt, sollte man das doch auch bei Verschlüsselung tun. Dass sie allerdings die Überwachungssituation mit der Aids-Epidemie gleichsetzen finde ich etwas unpassend. Wenn nicht geschmacklos.


Ebenso unpassend ist der Vergleich mit der rassistischen Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung im Amerika der 60er Jahre, den Felix Schwenzel bemüht. Auch er greift nach neuen Narrativen und wie Friedemann schafft er es dabei sehr gut, alte und unpassende zu dekonstruieren.

Der Talk ist bis auf den Bürgerrechtsbewegungsvergleich wirklich sehenswert und in vielen Punkten ein echter Kontrapunkt zu Saschas Rede an die Nation. Wirklich gute Narrative findet er aber auch nicht.

(Ich glaube ja nicht, dass das Problem ist, dass uns die Narrative fehlen. Ich glaube eher, dass unser Überwachungsbegriff kaputt ist und wir den erstmal differenzieren müssen.)


Nach all der verzweifelten Narrativgreiferei schafft es Teresa Bücker uns ein Stück weit wieder auf den Boden zu ziehen.

Sie spricht auch von Internetfreiheit, auch ihr geht es um das Wohl von AktivistInnen. Im Netz werden nämlich Menschen wirklich zugrunde gerichtet, täglich und auf grausame Weise. Aber nicht von der NSA, sondern von organisierten Masku- und Nazi-Horden. Hinzu kommt der schwierige Umgang der Mitglieder von sozialen Bewegungen untereinander.

(Ähnliche Stoßrichtung und richtig gut zur Einordnung der Diskurse der „Netzgemeinde“ hat Yasmina Banaszczuk gesprochen. Leider gibt es kein Video, weil sie im kleinen Saal war. Aber hier gibt es einen Audiomitschnitt.)


Apropos AktivistInnen. Wirklich unterhaltsam war natürlich die Keynote der Yesmen.

Nachdem man sich darüber kaputt gelacht hat, wie sie es schafften, eine Homeland-Security-Konferenz zum schamanischen Tanz zu bringen, erfährt man in der Fragerunde vieles aus dem Nähkästchen des Medienaktivismus. Auch sie scheinen größere Probleme zu haben, als die Überwachung. „Tor, och joa, kann man machen“ und „PGP haben wir wieder abgeschafft“. Habe sehr gelacht.


In die Rhetorik/Pathos-Tröte pustet Viktor Meyer-Schönberger bei seinem Vortrag über Big Data.

Er kennt sich in der tat aus und identifiziert die wichtigsten Neurungen der Technologie (ich habe auch sein Buch gelesen). Im Zweiten Teil warnt er vor den Gefahren von Big Data und auch hier bin ich gewillt ihm größten Teils zuzustimmen. Allerdings bleibt er bei den Lösungen eher unkonkret. Sein schon vor vielen Jahren – ich finde dummes und gefährliches – Recht auf Vergessen wird wiederbelebt. Außerdem ruft er nach mehr Datenschutz. In einer solchen Pauschalität halte ich das für ungenügend, aber das könnt ihr Euch ja denken.


Eva Horn hat einen Vortrag gehalten, der gewissermaßen relevant to my interests ist. Entlieben in Zeiten des Internets ist schwer, keine Frage:

Ein Vortrag, bei dem sich viele wiedergefunden haben und der Anlass gibt, sich kritisch mit seinem eigenen Umgang mit solchen Themen im Netz auseinander zu setzen. Eine gute Gelegenheit auch die Reibungspunkte von Post-Privacy mit der real existierenden Gesellschaft zu beobachten.


Holm Friebe kennt man noch von „Wir nennen es Arbeit“. Sein neues Buch hat den lustigen Titel: Die Steinstratgie.

Einfach mal locker bleiben. Einfach mal nichts tun. Nicht immer in Aktionismus verfallen, sondern in Ruhe nachdenken und wenn Handeln, dann überlegt und richtig. Ich finde, das sollte das Fazit der re:publica dieses Jahr sein. Und deswegen lass ich das jetzt mal als Schlusspunkt, obwohl ich viele großartige Vorträge hier auslasse.


2 Gedanken zu “re:publica 2014 – Deutschland sucht das Supernarrativ

  1. Danke für die Auswahl und mach doch gern nen Teil II wenn Dir noch andere Talks auffallen.

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