Lieber Sascha, wir müssen reden.

Ich habe ein da paar Punkte anzumerken zu Deinem … Bekenntnis.

Erstens: Ich muss das jetzt mal aussprechen, auch wenn das vielleicht einige Gefühle verletzt: Nein, das Internet ist nicht kaputt. Die Katzengifs sind noch da, wo sie hingehören. Ich lerne immer noch spannende Menschen über das Netz kennen, führe dort gute Diskussionen und kann immer noch schnell und unkompliziert Dinge bestellen. Auf Facebook wird sich immer noch zum Eisessen, Feiern oder zu Demonstrationen und Revolutionen verabredet. Mein Internet ist jedenfalls noch heile. Gut, manchmal ist es ein bisschen langsam, das nervt, aber das liegt nicht an der NSA.

Ich verstehe Deine Verletztheit und deinen Ärger. Aber die meisten Dinge, die wir im Internet tun, funktionieren auch dann noch, wenn die NSA dabei zuschaut. Und ja, das ist einer der Gründe, warum keiner auf die Straße geht. Wenn Youtube bedroht ist, wie durch ACTA, dann werden die Leute sauer. Ohne Youtube is scheiße, dann geht man auf die Straße. Aber es gibt wenig Hinweise zu glauben, dass schwarze Hubschrauber im Vorgarten landen, weil man eine falsche E-Mail geschrieben hat.

Und wo wir dabei sind: Vergleiche. »Kränkung der Menschheit« durch Internetüberwachung? Der Vergleich des überwachten Internets mit dem Massenmord an der Urbevölkerung Amerikas? Srsly? Geht‘s auch ne Stufe drunter? Komm mal runter, ey! Wir leben seit 10 Jahren mit der Überwachung. Dass wir mit ihr leben können ist keine Frage, sondern ein empirisch bewiesener Fakt.

Vielleicht ist das wichtigste, was wir jetzt tun sollten, erstmal mal runter zu kommen von diesem Gruseltripp auf den uns Snowden geschickt hat und uns ganz rational überlegen, was da eigentlich passiert und wo die wirklichen Bedrohungszenarien dabei liegen. Das geht zum Beispiel, indem man sich noch mal den Überwachungsbegriff nüchtern anschaut und qualifiziert, wie ich es schon mal begonnen habe.

Zweitens: Du hast das Internet falsch eingeschätzt, sagst Du? Wenn Du gedacht hast, dass die auch von Dir viel gepriesene Offenheit des Netzes nicht dazu führt, dass auch jeder mitlesen kann, dann war das in der Tat eine fatale Fehleinschätzung. Und ich finde es gut, dass Du gedenkst, sie zu revidieren.

Wenn Du aber schreibst, dass das Internet zwar kaputt sei, aber die Idee der digitalen Vernetzung eben nicht, dann merke ich einfach, dass Du das Problem immer noch nicht durchdrungen hast. Lass mich etwas ausholen:

Wenn zwei Menschen sich bereits kennen und sich vertrauen, können Sie ihre Public Keys austauschen und verschlüsselt kommunizieren. Ich vermute aber, dass Du mit „digitaler Vernetzung“ etwas anderes meinst. Das Wunder der digitalen Vernetzung findet dann statt, wenn einander völlig unbekannte Menschen sich finden. Wenn sie aufeinander stoßen, weil sie die selbe Leidenschaft teilen, weil sie sich in ihrer Empörung über die Zustände zusammenfinden, weil sie diese eine spezielle sexuelle Vorliebe teilen, oder weil sie spannende Ansichten haben, die sie ausdiskutieren wollen, nein müssen, weil: there’s someone wrong on the internet! Das Sich-finden und Vernetzen von einander Unbekannten durch Wünsche, Interessen und sonstiger Eigenschaften – diese Idee der digitalen Vernetzung geht nur in einer offenen Infrastruktur, mit Menschen, die ihre Wünsche, Interessen und sonstigen Eigenschaften offen kommunizieren, sie geht nur mithilfe von indizierenden Algorithmen und großen Datenbanken, sie geht nur mit mächtigen Abfragesystemen, die diese Unbekannten finden und ja, vernetzen. Und es gibt kein anderes denkbares Tool, das dieses Wunder ähnlich toll vollbringen könnte wie das Internet es täglich tut und gleichzeitig abhörsicher gegen Dritte ist. No. Fucking. Way.

Das Internet ist eine so effektive Vernetzungsmaschine, dass man sich nicht immer aussuchen kann, mit wem sie einen vernetzt. Zum Beispiel mit der NSA. Und die Kränkungen, von der Du sprichst, wird anhalten, solange das nicht begriffen wird.

Natürlich hat auch mich das Ausmaß der Ausnutzung dieses Kontrollverlusts durch die Geheimdienste überrascht. Natürlich stehe ich auch staunend vor dieser übermächtigen Kulisse und bekomme den Mund nicht zu. Und auch ich habe dazugelernt. Ich habe zwar nie etwas gegen Crypto gesagt aber die Wichtigkeit, jedem die Möglichkeit einzuräumen, verschlüsselt zu kommunizieren, ist mir erst seit Snowden wirklich bewusst geworden. Gleichzeitig ist mir aber auch klar geworden, dass Crypto uns nicht retten wird. Vor allem wird Crypto nicht die Idee der digitalen Vernetzung retten.

Drittens: Das heißt nicht, dass die NSA nicht bekämpft werden muss. Man sollte sich nur die richtigen Ziele setzen und die richtigen Methoden wählen. Vor allem sollte man klar ausmachen, wer der Gegner ist.

  • Der Gegner ist der Staat und nicht, wie die FAZ ständig abzulenken versucht, die Unternehmen. Jeder Geheimdienst ist ein zusätzliches Überwachungsproblem in jedem Land. Die Geheimdienste sind international vernetzt und kooperieren, wann immer es ihnen in den Kram passt. Mehr Mittel für die Geheimdienste? Not so much, lieber Sascha.
  • Natürlich kann man gegen die Überwachung ankämpfen. Es lässt sich aber meines Erachtens kein technisches oder politisches Szenario vorstellen, bei dem der Überwachung effektiv Einhalt geboten wird. Es lässt sich aber sehr wohl für transparentere Prozesse in Geheimdiensten einsetzen. Es lässt sich gut für besseren Whistleblowerschutz einsetzen. Man kann die Geheimdienste gegenüberwachen. In den USA kann man für eine Reform des unsäglichen FISA kämpfen. Es lässt sich für mehr Geheimdienstkontrolle kämpfen oder für die Beschneidung von Budges und Kompetenzen. Jeder Euro und Dollar, der – weltweit – nicht in Geheimdienste fließt, hilft die Überwachung einzuschränken oder zumindest nicht schlimmer werden zu lassen. Aber los werden wir die Überwachung nicht mehr.
  • Und deswegen werde ich nicht mit dir in den aussichtslosen Kampf ziehen, denn im Gegensatz zum Kampf gegen den Hunger, den Du als mal wieder unpassenden Vergleich anführst – der immer wieder einzelne Menschen vor dem Tod bewahrt – bringt dieser Kampf hier niemanden weiter. Im Gegenteil. Er lenkt uns ab von den Kämpfen, die nicht nur gewonnen werden können, sondern wo konkrete Freiheiten auf dem Spiel stehen: Ohne Netzneutralität werden wir die Meinungsgleichwertigkeit im Netz verlieren, die Vorratsdatenspeicherung bringt uns vielleicht wirklich das BKA ins Schlafzimmer, das Urheberrecht schränkt die Leute tagtäglich wirklich in ihren Freiheiten ein, bedroht sie nicht selten existentiell und aus Brüssel dräut noch viel schlimmeres Ungemach.

Viertens: Politik, Wirtschaft und Netzgemeinde sind also gekränkt, wie du schreibst – ich würde eher sagen: »verletzt«, denn ich will das gar nicht abstreiten. Und wie ich schrieb, werden sie immer wieder verletzt werden, solange sie mit den falschen Mitteln und den falschen Erwartungen gegen die falschen Gegner ziehen. Solange man nicht seine Strategien am neuen Spiel ausgerichtet hat, dessen erste und wichtigste Regel ist: »Man kann das Spiel nicht gegen den Kontrollverlust gewinnen.« Wer seine Strategie darauf aufbaut, den Kontrollverlust wieder eindämmen zu können, hat keine Strategie.

  • Die internationale Politik ist dem Überwachungsregime übermächtiger Geheimdienste schutzlos ausgeliefert? Geheime Absprachen funktionieren also nicht mehr? Hatten wir das nicht schon 2010, nach der Veröffentlichung der »diplomatic Cables« durch Wikileaks? Die Politik der Hinterzimmer ist vorbei! Wer sich in intransparente Verfahren begibt, ist denjenigen ausgeliefert, die sich die größten Informationsvorsprünge erschleichen können. Eine transparente Politik ist keine neue Forderung. Aber in der Zeit nach Snowden wird sie existentiell. Auch Politiker müssen transparenter werden. Ja, auch privat. Es darf nicht sein, dass Politiker durch Geheimdiensten erpressbar sind. Besser die Presse berichtet, als dass der GCHQ diese Information exklusiv hat. Ja, Politiker müssen Post-Privacy werden.
  • Die Wirtschaft wird ausspioniert? Geistiges Eigentum entwendet, internationale Ausschreibungen werden erschlichen? Dann funktionieren die Konzepte Geistiges Eigentum und internationale Ausschreibungen eben nicht mehr. Es ist ja nicht so, als sei das ein neues Problem. Die Musikbranche arbeitet sich seit fast 20 Jahren durch diesen Transformationsprozess. Die Zeitungsbranche ist mittendrin und die Buchbranche hat noch nicht ganz begriffen, dass sie ebenfalls ihre Strategien anpassen muss. Nun ist das Problem des Kontrollverlusts durch die NSA eben auch bei den Großen angekommen. Die Piraten sind diesmal nicht irgendwelche Kids mit DSL, sondern Boeing, Chrysler und Halliburton und ihr Bittorrentclient heißt NSA. Natürlich wird das zu Disruptionen führen. So lange, bis verstanden wurde, dass das Geheimhalten und Zurückhalten von Informationen, Technologien oder Verhandlungsspielräumen als Strategie nicht mehr funktioniert.
  • Auch die Netzgemeinde ist verletzt, das stimmt. Aber Du überträgst Deinen Fehler, die Überwachungsmöglichkeiten des Netzes nicht gesehen und thematisiert zu haben, auf die Netzszene. Das ist unfair. Keine gesellschaftliche Gruppe hat ausdauernder und deutlicher vor der Massenüberwachung durch digitale Technologien gewarnt. Natürlich gilt, dass das Ausmaß und die Ruchlosigkeit von niemandem korrekt eingeschätzt wurde, aber am korrektesten doch wohl von der Hacker- und Netzszene.

    Dennoch ist die Verletztheit spürbar. Besonders auf dem Chaos Communication Congress schwebte sie im Raum. Die Commmunity ist zusammengerückt. Trotz Besucherrekord war es der kuscheligste und heimeligste Kongress, auf dem ich bislang war. Auch die Talks, vor allem die über die Geheimdienste, waren getragen von einer aufbrausenden Emotionalität. Sie mündeten oft in Brandreden und pathetischen Selbstvergewisserungen. Die Hacker, so hatte ich den Eindruck, fühlen sich in ihrem ganzen Selbstverständnis angegriffen. Die Wunden liegen offen und werden einander vorsichtig geleckt.

    Das Eingeständnis der eigenen Hilflosigkeit steht aber noch aus. Die Erkenntnis wird vermutlich hart. So hart, wie sie glaubten, dass die Grundrechte seien. So hart wie man sich die »Informationelle Selbstbestimmung« vorstellte, dieses falsche Versprechen der deutschen Gesetzgebung. Diejenigen, die diese Rechte schützen sollten, sind diejenigen, die sie im Zweifel mit Füßen treten.

Fünftens und letztens: Die ganze Aktion stinkt! Schon die Vorabmeldung der FAZ macht klar, dass es hier nicht um einen Debattenbeitrag geht. Es geht um die Trophäe Sascha Lobo. »Schaut her. DER deutsche Internetguru höchstpersönlich hat die Seiten gewechselt. Hier sein Widerruf!« Du gestehst mir zu, dass sich mir bei dieser Aufführung des Gangs nach Canossa der Magen umdreht.

Es tut mir weh – ja, hier bin ich verletzt – Dich so zu sehen. Du warst mal ein Vorbild in vielerlei Hinsicht. Ein Rolemodel, ein Ideengeber und Vordenker. Ich habe Deine Autorität in Netzfragen immer wieder überall verteidigt. Aber jetzt ist Deine Emotionalität mit Dir durchgegangen und du hast Dich verrannt.

Mag sein, dass Dein Text ambivalent interpretierbar ist. Er hat aber auch nicht genügend Substanz, um sich gegen eine solche Instrumentalisierung zu wehren. Er verkommt zum Beiwerk und zum Stichwortgeber der Kampagne, mit der die FAZ ihre Agenda für ein durchreguliertes Schlandnet durchsetzen will. Und natürlich war Dir das als der absolute Medienprofi, der Du nun mal bist, auch absolut bewusst. Ein paar knallige Aussagen zum Vorabzitieren, der Rest wabert im Ungefähren.

Auch ich weiß nicht, was Du meinst, mit Deinen fabulösen Forderungen nach einem neuen Internetoptimismus. Erneuerungen von unhaltbaren Versprechen oder einen echten Neuanfang? Ich weiß nicht, was du meinst, wenn du von Dezentralisierung sprichst. Dezenztralisierung von was? Meinst Du die Renationalisiuerung des Netzes, wie Deine neuen Freunde oder wirkliche distributed Open Source-Lösungen? Welche? Und was willst Du damit erreichen?

Lieber Sascha, Du wirst in Zukunft konkreter werden müssen in Deinen Forderungen – auch damit ich sehen kann, ob wir überhaupt noch auf der selben Seite stehen.


28 Gedanken zu “Lieber Sascha, wir müssen reden.

  1. Warum so viele Worte? „Es gibt kein richtiges Internet im falschen.“ Dem abgewandelten Adorno-Narrativ gibt es wenig hinzu zufügen.

  2. Tja Michael,
    ist ja richtig schwer Dir recht zugeben, ich tu es aber trotzdem.
    Der Mediencoup den Frank Schirrmacher mit Montag Lobo – Mittwoch Morozov gelandet hat ist wirklich ein Knaller.
    Ich persönlich bin nicht beleidigt oder gekränkt durch die NSA. Ich war mir aus meinen Erfahrungen heraus sicher, dass sie es tun – „Weil sie es können!“
    Eine Aussage von Dir möchte ich nochmals bekräftigen „Der Gegner ist der Staat“ wobei ich sage er ist nicht einmal der Geheimdienst. Ich habe das mal so beschrieben „Wenn ein Hund einen Hydranten anpinkelt begeht er keinen Akt der Barbarei“ (in meinem Blog). Es ist der Staat der zugelassen hat, dass sich der Geheimdienst verselbständigt.
    Ab da hört aber trotzdem unsere Gemeinsamkeit auf. Ich finde, dass man dagegen ankämpfen kann und muss. Aber das hatten wir schon mal.
    Es muss eine Privatsphäre und ein Recht darauf geben. Zugegeben in den Zeiten der von Dir vertretenen „post privacy“ eine andere als vorher.

  3. Ich freue mich vor allem über diese Erkenntnis: „Der Gegner ist der Staat und nicht, wie die FAZ ständig abzulenken versucht, die Unternehmen.“ In einem Land, in dem keine liberale Partei mehr im Parlament vertreten ist, muss man sich über jede solche Aussage freuen.

    Wenn Morozov fordert, Milliarden in eine öffentliche Informationsinfrastruktur („dezentral und öffentlich“) zu investieren, dann ist das einfach herrlich. Und wir sollen doch bitte alle mit Optimismus auf öffentliche Institutionen blicken und „einen neuen Glauben an die Politik“ entwickeln. Wunderbar!

    Hier lohnt es sich, mal inne zu halten und sich zu fragen, ob die ARD, das ZDF oder sonst eine von Deutschland oder der Europäischen Union eingesetzte Institution jemals irgendwas erschaffen hätte, das dem Netz, wie wir es heute benutzen, auch nur irgendwie nahe käme. Die Antwort lautet natürlich „Nein“. Innovationen werden fast ausschliesslich von Privaten geschaffen und nicht aus öffentlichen Geldern. Nichts wäre das Internet, wie wir es benutzen, ohne diese US-amerikanischen Kapitalisten.

    Am liebsten werden wir von niemandem überwacht. Aber wenn das nicht möglich ist, dann lieber von Privaten oder vom Staat? Das Problem ist, dass es die private ohne die staatliche Überwachung gar nicht mehr zu haben ist.

  4. Selbst wenn die dunkelen Limosienen, dann irgendwann vor unseren Häusern einen Parkplatz suchen um uns abzuholen,werden wir es diesmal alle in Echtzeit wissen.

  5. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Vielen Dank für diesen leisen, aber äußerst fundierten Kommentar.
    P.S.: Ich mag Ihren Schreibstil. Sehr.

  6. 1. Bild Werner hat Unfall mit dem Motorrad im Tunnel. Frontal gegen einen Lkw… Ist Werner tot? Sprechblase: Nee, Werner ist nich tot . Werner is im Krankenhaus. (Werner Comic von Brösel)

    Und wie im Comic von Brösel möchte ich sagen: Ja. Das Internet ist nicht kaputt. Es liegt im Krankenhaus. Man kann es dort besuchen. Es hat einen Schlaganfall erlitten oder hat Fieber oder eine Gehirnhautentzündung wegen NSA Zeckenbissen, es ist lahm, er erholt sich aber. Und es wächst.

    Das Internet verändert sich, weil die Menschen und Organisationen darin sich verändern. Niemand hat es kommen sehen, doch die Grundstruktur des Internets ist nun mal offen, und wer wie ich die Erfahrung mit offenen Projekten bei Hausbesetzungen und anderen Experimenten mit Offenheit erlebt hat, weiss, da kommen alle, alle auch, die man vielleicht nicht eingeladen oder auf dem Schirm hatte, sondern auch andere, die man gar nicht erwartet hätte und nehmen Platz am Tisch, reden mit einem und zeichen das Gespräch auf, machen fotos, oder schleusen Spitzel ein. Das ist nun wirklich gelernt, erlebt, erlitten lange vor dem Internet und seiner merkwürdigen Entwicklung vom Militär- , über das Forschung, zum offenen Netz. Daran ist eigentlich gar nichts kränkendes- sondern es ist eine soziale Realität. Das ändert nichts am Paradox oder dem Hohlraum mit Funken, diesem Internet : Nun ist man nie mehr allein- im positiven und negativen Sinne. Isso. Zum Abschluß eine kleine Geschichte zum Trost für alle, die sich gekränkt fühlen oder nur noch wütend: Bei meinem Antiquar fand ich just zum Artikel von Sascha Lobo und den verschiedenen Repliken und der Debatte im Netz ein Buch von 2008 – sozusagen aus der Vor- NSA Zeit. Titel: Die ersten Tage der Zukunft . Ah ja. Untertitel: Wie wir mit dem Internet unser Denken verändern und die Welt retten können. Yep.

    Ich bin schon ein paar mal vorher dort am Antiquariat dem Ramschtisch vorbei gegangen wo das Buch lag. Das Buch schon mal gesehen, aber es erschien mir für meine Arbeit nicht wichtig, denn es wiederholte nur, was ich seit 1997 im Internet beruflich erlebt habe.Veränderung im Denken und Handeln von Menschen, von mir. Seit 2010 nutze ich es auch oft privat. Also für mich und die Veränderung meines Denkens und um meine Welt zu retten. Weltrettung ist im Vergleich zur Arbeit in den 70èr und bis Ende der achtziger Jahre deutlich was anderes. Auf der Straße , um dagegen zu protestieren, was ich nicht haben will und wofür ich mich einsetze. Das ist seit dem Internet deutlich anders: Es ist zum einen deutlich leiser, weniger gefährlich für Leib und Leben und es kostet weniger. Die Wirksamkeit der Maßnahmen sind nicht viel weniger erfolgreich oder erfolglos als das off-line Wahrnehmen von Bürgerrechten und dazu zählt Widerstand und Protest, da muss man immer dran arbeiten an diesem : Ich wünschte ich wäre ein Bürger Gefühl.
    Zurück zur Geschichte und dem Internet Buch: Darin wird beschrieben, wie sich nach Meinung des Autors Herrn Michael Maier, wie Sascha Lobo, ein Journalist und Internetunternehmer, das Internet entwickelt. Was es derzeit ist. Was es sein könnte. Und: Ich lese darin, welche Gefahren schon 2008 drohten, weil sich der Geheimdienst von Anfang an über die Mitarbeit in Gremien einen Einfluß sicherte, weil er auf Standards und Definitionen von Schnittstellen Einfluß nahm. Dort wird prognostiziert, dass Google ganz sicher nach den Terroranschlägen von 2001 die Daten zur Terrorabwehr „zur Verfügung stellen (wird)… Also wer es vor den Enthüllungen von Edward Snowden wissen hätte wollen, der hätte es wissen können. Denn das Buch war auch im Internet und bei den Experten bekannt, gelle? Nachher haben es ja auch mehr gewußt oder geahnt, aber es nicht beschrieben, sondern ignoriert, verdrängt, übersehen, man arbeitete halt viel und an anderen Themen auch der Herr Lobo. Und das macht auch gar nix: Denn mit blinden Flecken sind auch andere gesegnet, nicht nur die jetzt gekränkten Experten und Blogger und Journalisten. Ich bin kein Internet Experte und ich wurde von der Snowden Medienkampagne überrascht, aber ich habe mich nicht gewundert, welche Schlüsse Lobo hier als Journalist im Spiegel hier öffentlich zieht. Gut, verstanden habe ich seine Positionen eh nie, er machte eben wie viele in meinem Umfeld alles, und er hatte Erfolg damit. Viel Erfolg als Journalist und als Fernsehexperte. Diese Expertise und ihren Aufstieg und Fall kenne ich aus eigener Erfahrung, daher habe ich mich gefreut über Sobooks und die Analyse dahinter. Die NSA ist das eine, aber – wie Michael Seewald schreibt- da gibt es – sorry wichtigeres- auch schlicht unpolitisches und privates, was mich fasziniert an diesem Netz. Es hat Grenzen: Ich nutze kein Online Banking- Aus Gründen. Kein Vertrauen in das Netz an dieser Stelle, und die Notwendigkeit wegen Bank und anderen Gängen vor die Tür zu kommen, den Gang zur Bank mit einem Spaziergang verbinden, ist ein Grund. Aber: Ich freue mich über die Möglichkeiten, die ich täglich neu entdecke und die mich täglich sowohl stressen, mir Existenz – Angst machen, aber auch Langeweile, Frust, und Ungewißheit was das alles soll …. Alles zusammen und immer in Abständen sich wiederholend. Tja. „Ihr kennt das“.

    Ich bin ins Netz gegangen und beherzige den Rat und Erfahrung des Off- Line Lebens auch hier: Testen, Probieren , Studieren, was riskieren. In dem Die ersten Tage der Zukunft Buch, dass seit ein paar Tagen hier neben dem Rechner liegt steht ein sehr treffender Abschnitt, die paar Sätze passen hierhin: “ Das Internet muss für die alten Eliten nicht The dark side of the world “ (frei nach Pink Floyd) bleiben. Es ist offen, weit offen, World. Wide. Web. Und jeder kann rein. Ohne persönliche Einladung. Keine Akkreditierung ist nötig. Kein Aufnahmeverfahren. Keine Auswahlkommission. Es geht allein darum: Sein oder vergessen werden. Wer nicht mitzieht, hinaus zum unbekannten Horizont, dessen Name >Rettung der Welt< ist, wer nur an sich denkt und nicht an die Menschheit , der wird ein Nichts, der rutscht in die Bedeutungslosigkeit ab. … Auf dem Weg zum Superhirn – Komplex wird es noch viele Bedrohungen geben. Die Gefahren sind ernst. …Aber auch die Zuversicht, die die meisten Leute ausstrahlen, die mit dem Internet zu tun haben, ist nicht blinde Fortschrittsgläubigkeit. Sie basiert auf der Erfahrung, dass das World Wide Web in der kurzen Zeit seiner Existenz mehr Nutzen gebracht als Schaden angerichtet hat. … Werden wir die Welt retten?" (Michael Maier, S.222- 227. ) Das ganze Kapitel "Ins Netz gegangen" ist das vorletzte Kapitel, dieses aktuell sehr klärenden Buches, es sei hier ausdrücklich empfohlen im Antiquariat mal nach einem Exemplar zu fahnden.

    Sascha Lobo und jeder einzelne persönlich kann diese Frage: Werden wir die Welt retten? für sich selbst beantworten, ich persönlich damit, dass ich die Verantwortung für digitale Inhalte in mehreren Internet- Projekten übernehme, und in dem ich dies tue, uups, übernehme ich auch Verantwortung für dieses Internet, und dessen Gestaltung. Die NSA nutzt es halt anders als ich. Als wir. Ich werde es ihr alleine sicher nicht verbieten können.Die momentanen Erfolge und damit auch ihre Macht geben ihr Recht. Die Gefahren, die für andere entstehen, der Nutzen der sich aus dem Abhören und der Speicherung der Daten im Moment ergibt, er wird überall beschrieben, doch 1984 war auch keine politische Analyse sondern für mich ein gutes Stück Literatur. Also wirklich runterkommen. Dabei hilft: Das Internet ist jetzt ein paar Jahre älte als fünftausend Tage, es hat sich mehrfach in seinen Strukturen verändert und es wird sich weiter verändern. Weil es offen ist. Ein geschlossenes Internet wäre eben kein Internet mehr. Wir sind vernetzt mit anderen Köpfen. Das waren wir vor dem Internet schon, aber nur nicht so. Mit soviel Möglichkeiten. Und – genau das zählt zum Haben, auch wenn eine negative Verzinsung durch Überwachung droht. Im Interesse eigener Projekte und "im Interesse des Erhalts der Spezies" (Michael Maier) ist es Sascha Lobo völlig frei gestellt was er tut oder schreibt. Es ist einfach – im Vergleich zur offenen Vernetzung – einfach (noch) nicht so wichtig. Aber er kann ja weiter mit uns im Netz und über seine vielfältigen Aktivitäten dran arbeiten, an seiner Expertise und für die Entwicklung demokratischer und offener Systeme.

  7. Bis auf die englischen Interjektionen eine schöne Analyse.

  8. Ein Überwachungsdruck fördert den Rückzug ins Private und erzwingt normenkonformes Verhalten. Personen können in der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit gehemmt werden.

    Die theoretische Möglichkeit, dass fremde Personen Zugriff auf die eigenen Kommunikationswege haben, z.B. in Form einer anlassunabhängigen Internetüberwachung, genügt meist um das Kommunikationsverhalten, auch unbewusst, zu verändern („Schere im Kopf“).

  9. Wow, sehr gut. Das ist ein beeindruckendes Plädoyer für neue Ansätze, die sich dem Realitätsabgleich der allgegenwärtigen Überwachung nicht entziehen sollen. Dieser Text gibt zumindest mir auch die Hoffnung auf neue Betrachtungsweisen, die sich eingestehen, dass der bisher von vielen eingeschlagene Weg, nämlich eine Art digitaler Biedermeier, mitnichten erfolgsträchtig sein wird. Im Gegenteil.

    Ich halte indes auch die Idee, dass man versucht, pragmatische Gegenansätze zur Überwachung zu finden, für sehr reizvoll. Schliesslich offenbart sich so nicht nur der wahre Charakter der Überwachungsmechanismen, nämlich dass diese jetzt und in jeder Geschichte keineswegs von Unternehmen, sondern ggf. vom eigenen oder einem Drittstaat mit der Sanktion der eigenen Regierung erdacht und auch befohlen wurden, sondern auch, dass Überwachung womöglich nur ein Hinweis auf tiefgreifendere politische Fragestellungen ist, die aber leider nicht prominent holistisch eruiert werden. Das Urheberrecht und verwandte Fragestellungen hast du ja bereits erwähnt. Und es ist gut, diese Fragen zu stellen und Antworten auf sie zu finden. Die Antwort kann aber nicht der aussichtslose Kampf gegen Überwachung an sich sein, denn diese ist, da stimme ich dir zu, unvermeidbar. Es ist mit der Überwachung etwa so wie mit Entropie: Sie kann nur neu geschaffen, aber nicht vernichtet werden. Es wird schlicht immer Überwachung geben. Das ist traurig, aber wahr. Der Kampf gegen dieses grosse Konstrukt ist nutzlos, wichtig sind konkrete sinnvolle Verbesserungen, so lange die Überwachung den täglichen Lebensbereich der Menschen nicht tangiert. Denn faktisch passiert (mir) rein gar nichts, wenn die Überwachung wie bisher weitergeführt wird. Auch dieser Illusion sollte man sich auf keinen Fall hingeben, denn es ist schlicht eine unwahre Behauptung, meine Menschen- und/oder Freiheitsrechte würden durch die nun schon Jahre andauernde Überwachung spürbar eingeschränkt. Ich spüre da nichts dergleichen und ich kenne auch niemanden, der dergleichen spürt.

    Dass der Gegner hier der Staat ist, ist zwar eigentlich glasklar, aber für viele nur schwer zu verdauen. Doch es muss zweifelsfrei eingestanden werden, dass sich am Überwachungsskandal zeigt, dass dort, wo Staat ist, auch viel Schatten ist. Und oft auch nur wenig Licht. Die Überwachung ist wohl das aktuellste Beispiel dafür, dass ein Staat die ihm kollektiv anvertraute Autorität gegen die Menschheit verwendet.

    Ich glaube, dass nur Thesen und Versuche der Formulierung und Lösungsfindung in der Art wie in diesem Text wirklich einen Fortschritt beibringen und nicht minder revolutionär sind, da sie auch mit dem Finger auf weitere Diskursthemen zeigen und die Lösung der mit diesen Themen einhergehenden Probleme einfordern. Danke dafür.

  10. hier funktioniert das internet auch noch. auch wenn ich seit der nsa geschichte mehr eine innere unruhe verspüre. klar ich kann akzeptieren, dass das internet öffentlicher raum ist, den ich hier bei mir anknipse. so ists am einfachsten zu verarbeiten. privat ist, wenn der rechner aus ist. ja geht auch. bisher war die gefahr doch eher dass man aus einer stimmung heraus verbunden mit dem gefühl doch im privaten zu sein, zu viel, zu leichtsinnig, zu schnell, zu unüberlegt, aus ner laune heraus, aus geilheit, aus ärger, situationsbedingt selbst inhalte ins öffentliche stellte. „das internet vergisst nie“ war die warnung. also penis und kopf niemals am selben bild oder in der selben session. das war klar. von anfang an. lächerlich eigentlich, für beides müsst ich mich nicht schämen, vor niemanden.
    nun aber gehts irgendwie ans eingemachte, anders ist es, das gefühl. dass spioniert wird war mir klar, aber es war im diffusen. es ist das ausmaß dass erschreckt. weil sich fragen stellen und antworten rar sind. wir haben nun einen groben überblick was die nsa bzw die briten vor etwa 2 jahren an möglichkeiten hatten. wissen gleichzeitig wie pubertär auf einmal „geruchsproben“ einer stasi waren. diese gedanken hier verfasse ich am selbst gebastelten „dinosaurier“ – er ist treu, untersteht weitgehend meiner kontrolle – ein brot und butter rechner alter schule. daten werden extern dran geknipst wenn sie gebraucht werden, webcam und micro muss man anstecken, internet per kabel und sogar mit kippschalter. mein laptop allerdings ist mit fingerprint gesichert, klingt doch erst mal praktisch, kein passwort eingeben, im zug kann mir ruhig jemand über die schultern schauen wenn ich mich wo einlogge. nun aber es ist ein amerikanisches fabrikat, und hier beginnt die geschichte zu stinken. hab ich nun gar freiwillig meinen fingerabdruck preisgegeben an behörden die in ländern sitzen in denen ich noch nicht einmal war?? wahrscheinlich nicht, wahrscheinlich zu viel aufwand, nur was ich vorher als sicherheit empfand, bleibt nun unterschwellig gefahrenzone.
    verändert hat sich also was. vorher hatte ich im scherz manchmal überlegt ob amazon von meiner homosexualität bescheid weiß, meine einkäufe waren nicht eindeutig genug, aber vielleicht hatte ich ja mal nicht aufgepasst, zu lange vielleicht zwischen unterhosen hin und hergeklickt, weil halt schwuppen sich da schwer entscheiden können. bei google bin ich geoutet, das weiß ich. also die müssten schön blöd sein wenn sie das noch nicht verstanden haben *g darüber kann ich kichern, konnte ich bisher … die unsicherheit steigt … ich kann mich an den zugriff auf bankkonten erinnern, damals wurde behauptet, dass es nur dazu dient die ganz großen geldwäschegeschichten zu ermitteln, etwa ein halbes jahr später las ich in der zeitung dass zig fälle von bafög betrug über dieses instrument aufgedeckt wurden, studenten die halt geheim nen hunni dazuverdienten. das war aber nicht der deal. wie weit soll das gehen?? will ich denn überhaupt noch ein gesetz gegen kinderschänder??? wenn ich davon ausgehen muss, dass es für andere zwecke missbraucht wird?? also verändert hat sich was. und ja ich stimme zu die gefahr geht vom „staat“ aus. nur wie bekommt man die wirklich interessanten inhalte transportiert, an eine politische elite, für die alles neuland ist? die größte enttäuschung war wohl das schweigen unseres bundespräsidenten. klare worte, ein aufruf, ein einordnen der situation, ja ein auftrag an die jüngere generation, das wäre gewesen was er hätte beitragen sollen. insbesondere weil „freiheit“ sein kernthema ist. er hat mich wohl am meisten enttäuscht in der ganzen affaire. entpuppte sich als greiser mann, der in der vergangenheit gefangen ist, unfähig die wenigen gemeinsamkeiten seiner historie und den „enthüllungen“ herauszuarbeiten, und damit eine breite diskussion anzustossen. er hätte die möglichkeit auch kreise zu erreichen, zu aktivieren, die bisher das grundlegende problem nicht erkannt haben. das zusammenführen von daten, das staatliche nutzbar machen, die kontrolle, den zugriff. wo ist es sinnvoll, wo dient es der gesellschaft, ab wann wird es zur gefahr für den einzelnen und für die demokratie. es wäre sein thema!! er wird bezahlt dafür. und macht nichts, außer sotschi fern zu bleiben.
    wir wissen nun über das treiben der nsa bzw. der briten so im groben bescheid. sehen auch die eigenen dienste etwas differnzierter. ist man verschwörungstheoretiker wenn man sich da nicht auch überlegt was gleichzeitig russen, chinesen oder inder machen? selbst wenn sie die technischen möglichkeiten noch nicht haben, muss doch klar sein, dass sie schnellst möglich versuchen defizite aufzuholen.

    eine breite diskussion halte ich für dringend nötig. realistisch. es wird „geschnorchelt“ werden was das zeug hält und die technik hergibt, das ist klar.

    die metapher vom „gläsernen menschen“ gibt es schon lange. es sollte die aufgabe des staates sein, der gesellschaft in der wir leben wollen, diesen gläsernen menschen zu schützen, nicht zu zerbrechen.

  11. Wie so oft, befasst sich das Internet (bzw. seine User) auch in diesem Beitrag, mal wieder nur mit sich selbst! Ich lese Null und Nichts darüber, was der ganze Abhör-Prozess mit unseren demokratisch verbrieften Bürgerrechten anstellt!

    Mir fehlt die Verbindung zwischen dem, was hier geschrieben steht, was Sascha Lobo äußert und wie seitens der Abhör-Staaten mit den Bürgerrechten umgegangen wird, denn DAS ist der eigentliche Skandal!

    Natürlich wussten wir alle NICHTS von den ungeheuerlichen Praktiken der NSA & Co-Dienste, aber vermuten durften wir es alle, nur wirklich glauben können wir es nicht, weil es an die Grenzen unseres Verständnisses stößt. Auch deshalb, weil es ein vernichtender Anschlag auf unsere Bürgerrechte ist, für die gerade jene Staaten in der Welt so gerne einstehen, die sich jetzt „versündigt“ haben!

    Die USA führen Krieg im Namen der „Freiheit und Demokratie“. Wie sie diese Werte verstehen, haben wir nun erfahren müssen!

    Mir fehlt der Aufschrei in den Bevölkerungen, der den Regierungen klar macht, dass Bürgerrechte, Freiheit und Demokratie nur anders funktionieren kann, aber keinesfalls durch allgemeines Abhören und Spionieren sämtlicher, digitaler Kommunikation! Und doch, DAFÜR lohnt es sich, auf die Straße zu gehen!

    Ich fühle mich beim Umfang dieses Abhörens an Zeiten und Staaten erinnert, in denen die STASI und die GeStaPo wüteten. Die Nennung der letzteren Organisation kann man sicher kritisieren, aber mir geht es um das Maß der Überwachung und da MUSS auch die GeStaPo genannt werden.

    Es kann und darf doch nicht normal sein, dass ich bei jeder E-Mail, bei jedem Telefonat und bei jeder SMS seit 2013 die GEWISSHEIT haben muss, dass der Staat, welcher auch immer, optional mitlesen/mithören kann, wenn er das will. Soll S O unsere Demokratie, unsere Freiheit aussehen???

    Dass es heute Realität ist, wissen wir nun, dass die meisten Bürger das akzeptieren, weil sie ja angeblich „nichts zu verbergen“ haben, erschreckt mich in einem hohen Maß und zeigt mir, welch geringe Bedeutung heute unsere eigentlich verbrieften Freiheitsrechte bei den Menschen haben.

    Ist da eine „Gewöhnung der Freiheit“ eingetreten? Wissen wir nicht mehr, wie es ohne diese Bürgerrechte sein kann und wie ein solcher Staat mit seinen Einwohnern umgeht?

    Okay, der Nazi-Staat liegt lange zurück, für die Meisten scheinbar zu lange, aber die DDR???? Gerade einmal 25 Jahre ist es her, dass die Mauer fiel, eine Mauer, die Menschen gegen ihren Willen einsperrte. Ein Land, in dem jeder ein Mitarbeiter der Stasi sein konnte und in dem man Angst haben musste, was man äußert, weil es einen ins Gefängnis bringen konnte.

    Ja, ich fühle mich totalüberwacht, ob es nun wirklich passiert oder nicht, denn auch ich habe nichts zu verbergen 😛 , aber allein die Möglichkeit, dass es mich treffen könnte, schnürt mir, als freiheitsliebenden Menschen, die Luft ab! Und ich lebe in Deutschland, einem eigentlich demokratischen Land mit freiheitlich geprägten Bürgerrechten! Und alles, was ich jetzt sehe, ist eine Netzgemeinde, die sich über einen „Guru“ Gedanken macht, der sich „geirrt“ hat, weil er das Internet mit Spaß nutzte und sich die Unfassbarkeit der aufgedeckten Taten schlicht nicht vorstellen konnte! Ich bekenne mich dazu, dass ich ebenso dachte, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte und wollte, dass meine eigentlich garantierten Bürgerrechte, dermaßen mit Füßen getreten werden. Und das ausgerechnet von jenen Staaten, die angeblich für Freiheit und Demokratie stehen! Wie verlogen sich das nun alles anhört und liest, wie doppelzüngig sich die Begründungen für Kriege nun darstellen…

    Ich habe Vertrauen verloren! Zum einen in die USA, die ich nicht als „Freundesstaat“ sehen kann, weil sie mich in allen Lebensbereichen, bis ins Private hinein, bespitzeln! Zum anderen in unseren Staat, der sich den Offenbarungseid leistete, weil die Regierung verkündete, jeder Internet-Nutzer solle sich selbst schützen (sofern dies überhaupt möglich ist!).

    S O sieht also die Verteidigung unserer freiheitlichen Grundrechte aus, die wir opfern müssen, angeblich für die Sicherheit unserer Gesellschaft vor Terror-Attacken! Das ist ein ALLZU HOHER PREIS!

    Und Ihr diskutiert über die angebliche Naivität von Sascha Lobo, was sicher auch nötig sein mag, aber die Empörung über die Taten der Geheimdienste und der Umgang der Staaten, die hinter diesen Spitzeln stehen, ist mir dennoch viel zu leise! Der wirkliche Protest, jenseits des Internets, blieb bisher aus. Wie traurig und wie schwach! Ihr begreift doch gar nicht, wie wichtig gerade diese Freiheiten, die durch die NSA-Attacken bedroht sind, für das (freie) Internet sind.

    Der digitale Protest mag ja ehrlich und ernst sein, aber in einem Land, in dem das Internet von der führenden Politikerin als „Neuland“ bezeichnet wird, reicht das bei weitem nicht aus!

    Soweit meine Meinung zu der aktuellen Diskussion!

  12. Ich finde den Artikel in vielem fragwürdig.

    Voranstellen möchte ich vor allem eines: So sehr sich die Netzgemeinde über Angela Merkel’s „Neuland“ lustig gemacht hat, so wenig hat die Netzgemeinde darüber reflektiert. Euer Diskurs zeigt aber klar auf, dass auch die Meinungsführer der Netzgemeinde eben noch ihre Positionen noch suchen, auch für euch ist das „Neuland“.

    Fangen wir mal an mit den Punkten, in den ich Dir zustimmen kann:
    – Das Internet IST nicht kaputt. Das finde ich eine richtige und wichtige Feststellung. Man bekommt in den Diskussionen immer den Eindruck, dass die NSA erst seit Snowden überwacht. Daher tut sich die Netzgemeinde ja auch so schwer den Schaden der Überwachung aufzuzeigen: So sehr man Friedrich/Pofalla/BKA/BND vorwirft den Nutzen klar zu quantifizieren, so schwer tut sich die Netzgemeinde den Schaden klar zu benennen. Die Netzwelt ist eben nach ~ 10 Jahren Überwachung eben nicht untergegangen.
    – Ebenso die Feststellung: Wenn das Internet kaputt geht, dann nicht durch die NSA/Geheimdienste.
    – Vergleiche mit Hunger, Krankheiten oder – im Heiseforum sehr beliebt – Hitler sind dämlich und unangemessen.

    Viele andere Positionen des Artikels finde ich zumindest sehr fragwürdig:

    – Es geht nicht darum, ob im offenen Internet jeder mitlesen kann. In der Kneipe kann auch „jeder“ meine Unterhaltung mit anhören. Auch meine Post war und ist nicht sicher. Aber der qualitative Unterschied – und ich denke auf den wollte Lob da hinaus – ist, dass jetzt klar ist, dass nun immer x andere meine Unterhaltung in der Kneipe mit anhören (um in meinem Bild zu bleiben), dass jetzt jeder meine Briefe geöffnet wird. Du hast wie Du ja selbst zu gibst gleiche Fehleinschätzung getroffen – nämlich ebenso unterschätzt, dass einfach jeder verdammte Brief aufgemacht wird.

    – Wirtschaftsspionage ist älter als das Internet. Daher ist auch die Schlussfolgerung, dass das Konzept des geistigen Eigentums „nicht mehr“ funktioniert Unsinn. Der Transformationsprozess der Contentmafia hat auch nichts mit dem Internet zu tun: Die kämpfen schon viel länger damit, dass ihre Produkte keine Hardware mehr sind, sondern Software. Das Begann mit billigen Magnetbandaufzeichungsverfahren (Musikkasette, VHS) und setzt sich seitdem immer weiter fort.
    iTunes, Spotify etc. zeigen ja auf, dass das Konzept geistigen Eigentums in dem Bereich nicht tot ist und dass die Menschen auuch bereit sind dafür zu bezahlen.

    – Die“informationelle Selbstbestimmung“ war doch schon immer eine Illusion. Auch das ist keine neue Entwicklung des Internets. Heute krieg ich halt auf Basis von Informationen Werbebanner von Google, früher hat man halt Telefonanrufe bekommen oder Postwurfsendungen, weil irgendwer irgendwelche Informationen über einen hatte.

    – Das Eingeständnis der eigenen Hilflosigkeit steht eben nicht aus. Gerade der CCC hat ja doch sichtbar die weisse Flagge gehisst.

    – Die „Kampagne für ein durchreguliertes Schlandnet“ kann ich bei der FAZ nicht erkennen. Und bezweifle, dass Du diese Argumentativ untermauern kannst. Ich glaube da hast Du Dich in deiner persönlichen Lobo-Kränkung einfach verrant.

  13. @Chris: Du empörst Dich über die Einschränkung deiner Bürgerrecht und deiner Freiheit.
    Wie kommt es eigentlich, dass Du darüber jetzt darüber empörst? Warum nicht vor 5 Jahren? Oder 10? Die NSA schränkt deine Bürgerrechte ja nicht erst seit diesem Sommer ein.
    Meine These: Deine Freiheit wurde eben nicht eingeschränkt. Du hast keinerlei Auswirkungen der angeblichen Einschränkungen deiner Freiheit verspürt.
    Von daher sind die Vergleiche mit Stasi und Gestapo dumm.

    Und von daher tue ich mich auch sehr schwer mit der polternden Empörung.

  14. Pingback: Kaputtes Internet bewegt die Gemüter – eine Übersicht

  15. @Christoph

    Ich habe mit Chris nichts zu tun, heiße nur selbst so wie Ihr beide ;-). Und ich muss Dir, Christoph, nachdrücklich widersprechen.

    Chris schreibt ausdrücklich, dass wir zwar schon vor Edward Snowden „NSA-Aktivitäten vermuten durften, aber es einfach nicht glauben konnten, weil es and die Grenzen unseres Verständnisses stößt.“ Und da muss ich ihm voll beipflichten. Denn immerhin werden dabei vom Staat bzw. seinem Geheimdienst ohne mit der Wimper zu zucken geltende Gesetze gebrochen – wer hätte sich das wirklich vorstellen können und wollen? Und vor 10 Jahren ohne Snowdens Insider-Wissen als Beleg gegen staatliche Überwachung zu demonstrieren, hätte bestimmt für eine öffentliche Belustigung gesorgt.

    Mit Deiner Meinung, Christoph, stehst Du – leider – nicht allein da. Der Bevölkerung ist es offensichtlich völlig schnurz, dass der Staat seine Bürger in einer völlig neuen Qualität überwacht. Nur was Du völlig vergisst, ist die Tatsache, dass wir in Deutschland „derzeit“ glücklicherweise eine demokratische Regierungsform haben. Wie die Geschichte zeigt, kann sich das – gerade wenn die Zeiten einmal wieder richtig schlecht werden und nach einer starken Führungspersönlichkeit gerufen wird – in der Zukunft auch einmal wieder ändern. Und dann stehen sofort perfekte Werkzeuge zur Verfügung, um die Bürger „im Zaum zu halten.“ Von daher sind die Vergleiche mit Stasi und Gestapo alles andere als dumm.

    Der Mensch hat grundsätzlich selten Weitblick und erkennt die Gefahren immer erst dann, wenn es zu spät ist. Totale Überwachung, Umweltzerstörung/Klimawandel… man könnte die Liste ewig fortführen. Wenn man die Menschheitsgeschichte betrachtet, wiederholen sich die Ereignisse immer wieder. Leider.

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  17. Ist jetzt nur ein Nebenschauplatz, aber dass man sich als Beitragslieferant einer ominösen FAZ-Blattlinie unterordnen müsste, die zum Gutfinden oder gar Unterstützen von Schland- oder EU-Net-Initiativen verpflichtet, das glaubst Du doch selbst nicht. Das Thema ist mir zu uninteressant, um den Beweis anzutreten, aber ich bin ziemlich sicher, man könnte da völlig mühelos einen gegenläufigen Beitrag unterbringen, wenn der nachvollziehbar darlegt, warum diese Initiative völliger Rinderdung ist.

  18. ach wie schön … zufällig über den Freitag auf diese Seite gestossen habe ich mit viel Freude und Spaß gelesen: eine Debatte darüber, ob das Auto viel besser fährt, wenn ich es in Rot kaufe.

    Ich glaube: es geht um unsere Grundwerte, die müssen wir anzweifeln, hinterfragen, finden! Was sind uns die Fragmente dieser Demokratie noch wert?

    Nur mal angenommen, es würde ein größerer Plan dahinter stehen. Also es würde nicht nur böse Menschen, sondern sogar böseböse Menschen geben und diese hätten Zugang$ zu Informationen und Datenfluss?
    Es wären also hinter dem Kanzleramt, der Number 10, den Weißen Haus Leute unterwegs, die Macht und Einfluss generieren wollen (simpel gesagt Geld machen wollen, obwohl das von Diesen einfach gedruckt wird, wenns sie’s wollen)?
    Was wollen DIE wirklich?

    Aber IHR verstrickt euch in einen Streit über technische Aspekte (und natürlich die leidigen persönlichen Affinitäten).
    ………und keiner hier spricht vom LEBEN!

  19. Sorry, aber die Überwachung hat nicht erst mit dem Internet angefangen. Das hat so auch schon zu Zeiten des alten Wählscheibentelefons gegeben. Da sass die CIA über eine Firma getarnt direkt über der Zentralvermittlung in FFM. Und die haben sicher nicht nur den Kaffeeautomaten angezapft. 😉

  20. @Wilfried Schock

    Natürlich gab es immer schon Geheimdienste, die den Menschen hinterher geschnüffelt haben. Das ist nichts neues. Dank unserer heutigen und insbesondere zukünftigen technischen Möglichkeiten erreichen wir allerdings völlig neue Dimensionen.

    „Big Data“ im Bereich der personenbezogenen Informationsauswertung gibt in Zukunft die Möglichkeit, alle Daten einer spezifischen Person auf Knopfdruck auszuwerfen. Das ist dann ein Datensatz mit „X“ Spalten (X>10000), in dem man alles zusammengetragen bzw. verknüpft hat, was man über diesen Menschen weiss. In Kombination mit Technologien zur Gesichtserkennung weiss der Robocop oder Judge Dredd im Falle des Falles dann sofort, „wer diese Person und was mit ihr zu tun ist“. Verstecken ist zwecklos!

  21. So von wegen mal wieder runterkommen und so… Stell‘ dir vor das Internet ist kaputt und keiner in der relevanten Zielgruppe* bekommt es mit oder hält es gar irgendwie für relevant.

    Beispiel:
    Man nehme an man würde sich ebenso engagiert über das Stromleitungsnetz, das Autobahnnetz, das Eisenbahnnetz, das Wasserversorgungsnetz, das Abwassernetz, das Interbankengeldtransportnetz, das Binnenwasserstraßennetz, das Deutsche Post Logistiknetz oder das Containertransportnetz duellieren. Alles ebenfalls Infrastrukturen.

    GENAU DAS, was man in diesen Kontexten an Aufmerksamkeit erwarten würde ist die Dimension an Relevanz, die der normale Bürger dieser Diskussion zumessen wird. Einzig das Tankstellennetz für’s Auto wäre wohl eine ADAC-geprüfte Relevanzausnahme.

    * = Bei der gegebenen Altersverteilung in der Bundesrepublik gehe ich nicht grade davon aus, dass der Anteil der Internetnutzer, die sich überhaupt durch Überwachung bedroht sehen können, eine nennenswerte Schnittmenge hat mit der Mehrheit, nämlich den altersbedingten Internet-Nichtnutzern (ältere und zu junge). So gesehen fallen sicher 50% schonmal weg die sich gar nicht überwacht fühlen brauchen, weil sie schlicht kein Internet in relevantem Umfang nutzen. Unter den übrigen 50% bleiben eigentlich nur die übrig die das Internet für sich als lebensnotwendige und alles bestimmende Infrastruktur einordnen würden.

  22. Pingback: Aktuelles 22. Januar 2014

  23. .

    (etwas länger: Word.)

    (noch etwas länger: Mein erste Gedanke war auch: Oh, da will jemand wieder gesehen werden. gegen das in vergessenheit geraten. Vermarktungsstrategie für * …
    Oder ist es diesmal wirklich echt? ich zweifle…
    *FAZ/LOBO/EGO einseztzen)

    Danke.

  24. Jeder Euro und Dollar, der – weltweit – nicht in Geheimdienste fließt, hilft die Überwachung einzuschränken oder zumindest nicht schlimmer werden zu lassen

    Da kann man auch noch anders ansetzen: Überwachung möglichst teuer machen.

    Deswegen ist es hilfreich, auch harmlose Daten und Kommunikation möglichst gut abzusichern. Das erhöht die Kosten von Diensten, die Massenüberwachung machen.

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