Warum es ein Problem mit Filesharing gibt (Erklärung für Max)

Ich merke immer wieder, dass die Kommunikation über das Urheberrecht am Grundverständnis ökonomischer Zusammenhänge scheitert. Deswegen hier noch mal die ökonomischen Zusammenhänge in Erklärbärmode und zwar extra für Max.

Ein existierendes digitales Gut zu reproduzieren kostet nichts. (also so gut wie nichts. Man hat natürlich bereits seinen Rechner bezahlt und zahlt Strom usw. aber darüber hinaus nicht) Die Kosten, die für eine zusätzliche Einheit der Produktion eines Gutes zu bezahlen sind nennt man Grenzkosten. Sie sind also nahe 0, der Einfachheit halber sagen wir einfach 0 Euro.

Natürlich können die Filmstudios trotzdem nicht ihre Produkte in Höhe der Grenzkosten anbieten, weil sie Fixkosten haben. Die kommen, geteilt durch die Anzahl der produzierten Einheiten, auf die Kosten noch mit drauf. Das hat Max richtig erkannt.

Aber – und hier kommt der Markt in’s Spiel – jeder andere kann es für 0 Euro anbieten. Ich zum Beispiel. Ich habe einen Film runtergeladen und ich kann ihn per BitTorrent für andere verfügbar machen. Das kostet mich nichts (so gut wie nichts) und andere können sich den Film bei mir umsonst herunterladen. Diesen Umstand nennt man illegales Filesharing.

Die Illegalität ändert aber nichts daran, dass es nun ein Angebot gibt für den Film, das 0 Euro beträgt und grundsätzlich für jeden mit Internet verfügbar ist. Und da Angebot und Nachfrage den Preis ergeben, ist der Preis für den Film nun mal eben 0 Euro.

Max hat recht, dass der Ursprüngliche Produzent dann natürlich die Fixkosten nicht zurückbekommt. Das ist doof, klar, und deswegen hat man da ein Gesetz geschaffen, dass „Urheberrecht“ heißt und nennt den Vorgang „illegal“. Aber das Leben ist manchmal doof und den Vorgang „illegal“ zu nennen, lässt ihn nicht von der Welt verschwinden. Und so lange niemand eine Lösung hat, wie man die Leute überreden kann, nicht den Preis mit den 0 Euro zu nehmen, muss man das eben hinnehmen. Oder einem ist das so wichtig, dass man vielleicht doch für ACTA und den ganzen Internetregulierungsquatsch ist und will es nur nicht wahrhaben.

Max sagt außerdem, dass die Leute aufhören werden Inhalte zu produzieren, wenn sie andauernd auf ihren Fixkosten sitzen bleiben. Das kann sein, dass das bei einigen der Fall sein wird. Aber nicht bei allen. Ich glaube, dass viele Leute kulturelle Güter produzieren, ohne auf einen Return on Investment zu kalkulieren. Warum? Haben sie schon immer getan. Auch vor dem Urheberrecht. Und tun sie auch heute, obwohl sie nicht vom Urheberrecht leben können (die allermeisten). Sie werden damit nicht aufhören.

Noch ne gute Nachricht: Es sinken außerdem auch die Fixkosten durch die Digitaltechnik. Die wird nämlich immer billiger und weitreichender in ihren Möglichkeiten.


37 Gedanken zu “Warum es ein Problem mit Filesharing gibt (Erklärung für Max)

  1. Als Ergänzung: Bei ausreichender Nachfrage und Konkurrenz werden auch die Produzenten die Preise langfristig nach unten korrigieren.

    Die Produktionskosten werden entweder durch die Masse bezahlt (pro Kunde ein marginaler Beitrag) und/oder durch andere (Sponsoring, Werbung, Pauschalabgaben/Flatrates etc.) wodurch es zu legalen Angeboten wie Hulu oder Spotify kommt.

  2. Alles wird billiger, auch meine Miete. Mal angenommen wir schaffen nicht nur das Urheberrecht ab, sondern gleich das Geld mit dazu. Unter welchen Umständen würde dir dich dann der Hauseigentümer in seiner Wohnung wohnen lassen? Wie überzeugst du einen Bäcker, dass er dir Brot und Brötchen gibt?

  3. Pingback: bohn-o-mat » Artikel » Urheberrecht, die 1337.

  4. Stimmt, man muss Gesetze nicht nur erlassen sondern auch durchsetzen. Richtig erkannt, darfst dir einen Keks nehmen.
    Mag sein, dass es Menschen gibt, die bereit sind auf ihren Fixkosten sitzen zu bleiben und trotzdem Inhalte zu produzieren. Die werden dann aber durch die Produktion ihrer Werke nicht reicher sondern ärmer. Und darum werden sie über kurz oder lang pleite sein und es sich nicht mehr leisten können Inhalte zu produzieren. Ich weiß, dass ist der Zustand den du für besser hältst als die Freiheit des Netzes auch nur im allergeringsten einzuschränken, das sieht nur außer dir praktisch niemand so.

    Sorry, aber du bist wirklich nur noch Millimeter davon entfernt ein Recht auf den Rechtsfreien Raum Internet zu fordern.

  5. Dabei scheint aber doch das Bezahlen für digitale Inhalte im Musikbereich ganz gut zu funktionieren, trotz Abwesenheit von DRM und Verfügbarkeit von Filesharing? Nach Deiner Argumentation müßte iTunes etc. sofort zusammenbrechen, weil ich alles, was es da gibt, auch für 0 EUR anderswo bekomme. Tut es aber nicht. Und das liegt an einer Reihe von Gründen:

    – Senkung des Einheitenpreises unter die Schmerzgrenze (99 Cent)
    – Vereinfachung des Kaufvorgangs (viel einfacher als BitTorrent oder sonstiges P2P)
    – Vorinstallieren der entsprechenden Apps auf Endgeräten
    – Damoklesschwert der Strafandrohung für Filesharing

    Und schließlich, nicht zuletzt, gibt es wohl einen nicht zu vernachlässigenden Anteil von Nutzern, die einen Inhalt zwar per Filesharing bekommen könnten (weil technisch dazu in der Lage), aber sich entscheiden, die 99 Cent zu bezahlen, weil sie es für the-right-thing-to-do halten.

    In der Summe wirken diese Faktoren so zusammen, dass zwar das Filesharing weiter existiert, aber der gleichzeitige Verkauf derselben Inhalte genauso, und in offenbar hinreichender Größenordnung. Die Schwarz-Weiß-Rechnung, die Du aufmachst, geht also nicht auf — sie mutet ein bißchen wie eine Theorie aus den Wirtschaftswissenschaften an, wenn sie mit der Realität konfrontiert wird.

  6. Alles oder gar nichts?

    Die Konsequenz aus Ihrer Forderung nach Abschaffung des Urheberrechts lautet, jegliches Eigentum abzuschaffen und durch ein allgemeinverbindliches Sharing zu ersetzen. Damit entfiele auch die Notwendigkeit eines Tauschmittels (z.B. Geld), da ja per se allen alles gehört – was wiederum „den Markt“ überflüssig machen würde. Aber wenn kein Markt, dann keine Nachfrage, kein Angebot also auch kein Wettbewerb … ja, warum eigentlich nicht? Fragt sich nur, ob dann überhaupt noch irgendjemand irgendetwas „für andere verfügbar machen“ (Zitat M.S.) würde …

  7. Na dann ist ja alles gesagt. Noch mal fürs Protokoll: Michael Seemann fordert, dass das Internet ein „Rechtsfreier Raum“ sein muss, in dem keinerlei Gesetze oder Regeln gelten.

  8. ich würde mspro da sogar zustimmen.

    Meiner Meinung gutes Beispiel dafür wäre das derzeitig sogenannte „Golden Age of TV“ welches wir in den USA erleben.

    Im Grund so gut wie nur durch ein paar Viewer in den USA finanziert, schaut sich morgen die ganze Welt Game of Thrones an, im besten Fall über Bittorrent gezogen und in HD

  9. @Steffen Peschel wo kommt der quere Gedanke her? Ist irgendwo eine Alternative zu Geld aufgepoppt oder habe ich was passt?

  10. @SebSemmi rein aus der Überlegung, warum wir Geld benutzen. Geld ist auch ein Medium zum Kommunizieren. Indem ich für etwas bezahle, sage ich im Prinzip auch „das ist mir wertvoll.“ oder ähnliche Sätze. Siehe Flattr. z.B.

  11. diese Funktion mag Geld wohl auch haben. physisches Geld (Münzen, Scheine) wird ja auch immer mehr digital. schlussendlich wird immer was geben, was irgend einen Wertäquivalent ausdrückt, seien das nun Ziegen, Jungfrauen, Münzen, Zahlen auf einem Konto. Verschwinden wird es nur nicht…

    aber ich glaube, dass ist hier nicht die Diskussion 😉

  12. @drmirror wie du schon sagst, iTunes ist so einfach, dass sich der Aufwand Musik in gleicher Güte zu suchen und per Torrent zu ziehen, einfach nicht. Deswegen zahlt man lieber 99ct – Convenience schlägt immer Preis…

  13. Da 90% der Bevölkerung Konsumenten sind und nicht Verwerter oder Künstler, glaube ich schon, daß mspro eine Meinung vertritt, die viele teilen. Im Übrigen können neben den Künstlern viele andere Menschen nicht von Ihrer Arbeit/Ihren Fähigkeiten leben. Die fallen dann in den sozialen „Stacheldrahtzaun“ unserer Gesellschaft. Den sollten wir wieder menschlicher gestalten, dann können sich die Künstler wieder ihren Werken widmen. Alternativ die Grenzkosten fürs Filesharing durch Gesetze und Sanktionen zu erhöhen, wird weltweit sicher toll funktionieren, da wünsche ich den „Sven Regeners“, Tatortkommissaren und „Jan Delays“ dieser Erde viel Spaß.
    Für ein Musikalbum würde ich heute so 0,50€ zahlen wollen. Für eine Staffel Serie xxx so 2,00€ und einen Film, den ich einmal sehe 0,25€. Also los, erhöht meine Grenzkosten und Ihr werdet sehen, dass ich nicht mehr Geld habe, um teureren Content zu kaufen. Im Endergebnis würde ich bei einer Totalüberwachung nur noch Content konsumieren, der frei und/-oder flattrbar ist. Dann guckt die Verwerterindustrie endgültig in die Röhre…

  14. @Steffen: Im Gegensatz zu digitalen Gütern lassen sich analoge Güter wie Brötchen oder Wohnungen nicht zu null Kosten vervielfältigen. Daher gibt es auch kein Urheberrecht für Brötchen und Wohnungen 🙂

    Man versteht ja auch generell nicht, weshalb ein Urherber (aka Künstler) seine Verwertungsrechte abgibt und dann 80% vom Verkaufspreis seiner CD an Label, Vertrieb und Handel abgibt, während er bei Digitalvertrieb nur 30% an den Onlineshop abgibt.

    Quelle: http://www.schwetter.de/copy/CD.html
    30% Label, 23% Handel, 27% Vertrieb, 8% bleiben beim Künstler.

  15. @mspro, später, wenn Du mal nach 5 Jahren (?) Studium und einer Diss Dir mit dem Schreiben Geld verdienen möchtest oder gar musst, weil Frau und Kind gerne einen vollen Kühlschrank haben möchten, kannst Du ja entscheiden, ob Du Deine Werke für lau rausgibst oder doch Geld verdienen möchtest.

    Trifft Ersteres zu, kannst Du Deine jetzige Haltung beibehalten und Du wirst noch eine andere Einnahmequelle benötigen zum Überleben. Dann trifft die verträumte Meinung, „kulturelle Güter produzieren, ohne auf einen Return on Investment zu kalkulieren“ zu. Auch dann hast Du übrigens Kosten für Deine kostenlos rausgegebene Kultur: Subventionskosten, gespeist aus Deiner anderen Einnahmequelle. Mit leerem Magen schreibt’s sich schlecht… Urheberrecht kann Dir in diesem Fall annäherungsweise egal sein.

    Trifft Zweiteres zu, hättest Du bestimmt gerne einen gesetzlichen Rahmen, der es Dir erlaubt, Geld für Dein Schaffenswerk einzunehmen und Deine Rechte als Urheber wahrzunehmen. Unter welcher Lizenz oder ob mittels Verwertungsgesellschaft oder mittels Kulturflatrate etc. ist jetzt mal egal. Erst mal muss verankert sein, dass Du als Urheber Geld verdienen darfst. Ob Du das voll oder teilweise in Anspruch nimmst, kannst Du dann ja immer noch entscheiden. Auch, ob Dir die im Artikel genannte „Illegalität“ schnuppe ist oder nicht. Die Basis Deiner wirtschaftlichen Existenz wird Deine Schaffenskraft und ein (hoffentlich überarbeitetes) Urheberrecht sein.

    (disclaimer: das aktuelle Urheberrecht finde ich veraltet und rotzig. GEMA etc. saugen.)

  16. Um mal die (bekannte) Argumentation „wenn kein Gewinn gemacht wird/die Fixkosten nicht reingeholt werden, wird keiner mehr was produzieren“ infrage zu stellen:

    wäre es denn schlimm, wenn selbst die Hälfte aller Autoren, Musiker, Filmemacher (immer vorausgesetzt, wir bleiben jetzt mal beim Thema „Künstler“ und schweifen nicht wieder zu Bäckern und anderen windschiefen Vergleichen ab) von einem Tag auf den anderen aufhören würden?

    Ist es nicht eher so, daß derzeit, und in steigendem Ausmaß, ein Zigfaches an Büchern, Filmen und Musik produziert wird im Verhältnis zu dem, was ein Mensch in seinem Leben rein von der Zeit her verkonsumieren kann?

    Würde nicht, selbst wenn davon nur die Hälfte übrig bliebe, immer noch ein gewaltiger long tail da sein, und hinter diesem long tail eine gewaltige Menge Künstler, die nach wie vor kaum Publikum hätten?

    Das ist Spekulation (aber die ganze Urheberrechtsdebatte ist ja sehr spekulativ und vermutlich genau deshalb so aufgeregt) – ließe sich diese Spekulation irgendwie empirisch fassen? Es liegen doch vermutlich Zahlen vor über alle Werke, die pro Jahr irgendwo angemeldet werden. Dazu muß man dann eben die „Dunkelziffer“ der Texte/Filme/Musik rechnen, die von vorneherein direkt ins Web publiziert werden (ja, dazu rechne ich auch 16jährige, die teils extrem geile Dubstep-Remixe von eigentlich geschützten Werken anfertigen, die besser klingen als das Original)?

    Zumindest mein Eindruck ist, daß das o.a. „Pro-Urheberrechts“-Argument daran krankt, daß es die reine Masse der Text/Film/Musikproduzenten krass unterschätzt.

  17. @ShoBeazz: ich glaube du kannst einfach mal davon ausgehen, dass es praktisch keine Kinofilme mehr gäbe, weil die zu teuer sind, um sie auf eigene Kappe ohne Chance auf refinanzierung zu produzieren. Ich fände das schlimm, wenn es so wäre. Kannst du natürlich anders sehen.

  18. Es würde doch keiner Behaupten die Menschheit hätte bis in das 19. Jahrhundert hinein keine kulturelle Vielfalt gehabt, ohne Urheberrecht oder „geistiges Eigentum“. Tatsächlich haben Menschen schon immer Kunst produziert und kopiert wurde auch schon immer und zwar nicht zu knapp. Völlig unabhängig davon, finde ich es immer lustig wie quasi implizit unterstellt wird die meisten Künstler könnten heute mit dem jetzigen Urheberrecht und Verwertungsgesellschaften alleine von der Kunst leben. Tatsächlich leben können doch auch heute nur die wenigsten davon und trotzdem schreiben ständig Leute Bücher oder machen Musik. Komisch.

  19. Glaubt hier wirklich irgendwer, dass amerikanische Contentverwerter sich von deutsche Gesetzen die Butter vom Brot nehmen lassen?
    Megaupload ist doch nur der Anfang. Mir ist ehrlich gesagt ziemlich egal, ob Anwälte Filesharer auf tausende Euro verklagen. Das hat für mich nichts mit der Freiheit im Internet zu tun, daher sind die Leute alle selbst Schuld.
    mspro beschreibt zwar eine nette Utopie, die aber nicht im Kapitalismus funktionieren wird. Bei seinem System wird es weder ein Hobbit noch ein neues GTA geben. Will ich das? Nein.
    Meiner Meinung gibt es heute schon genug legale Möglichkeiten, digitale Dinge zu bezahlen. Wer diese nicht nutzt soll doch in Zukunft mit seinen Three Strikes zurecht kommen.
    Der Staat Singapur verfügt schon heute über einen positiven 300.000.000.000 € Haushalt, alleine durch hohe Strafen. Viel Spass zusammen.

  20. Dass ausgerechnet ich das sagen muss:

    „Aber – und hier kommt der Markt in’s Spiel – jeder andere kann es für 0 Euro anbieten. Ich zum Beispiel.“

    Nein. Wenn wir schon ökonomisch argumentieren, dann auch logisch: Wenn das Studio den Film für die Deckelung der Fixkosten und ein bisschen Profit weitergibt, dann hast Du ebenfalls entsprechende Kosten bzw. in der Filesharing-Situation bleibt irgendjemand auf den Kosten sitzen, zumindest laut der ökonomischen Argumentation (weshalb ich auch kein Fan von ihr bin), dass dürfte dann quasi der erste Käufer in der Kette sein, der das Produkt ins Filesharing-Netz stellt.

  21. Weil mspro Verkehrs Analogien liebt.
    Mit 18 bin ich mit 87 km/h in der Ortschaft geblitzt worden. Führerschein weg, Nachprüfung und insgesamt 700 € Strafe. Seit dem wurde ich nicht mehr geblitzt.
    Mir hat dieser Lerneffekt geholfen, denn zu dieser Zeit bin ich Auto gefahren wie ein Asozialer. Wäre das nicht passiert, hätte ich womöglich jemand anderen geschädigt.
    Mein Auto für mehrere Monate nicht fahren zu können, war für mich ein weitaus größerer Freiheitsentzug als jede Internet Sperre.
    Eine Gesellschaft muss sich überlegen ob sie alles der Freiheit unterordnen möchte? Wirtschaft, Straßenverkehr oder auch Strafverfolgung. Denn mir als Selbständiger würde auch eine gewisse Wirtschaftsliberalität finanziell zu Gute kommen, dennoch wollen tue ich sie nicht.
    Meiner Meinung funktioniert eine Gesellschaft nur, wenn sie Rücksicht auf andere nimmt und das tust du in diesem Fall nicht.

  22. Ich finde Renés Einwand korrekt. deine ökologische Argumentation sagt doch: eine Person muss es das Produkt kaufen, alle anderen bekommen es von der Person frei angeboten.

    Folglich gibt es im worstcase nur 1 Käufer. Also trägt dieser die kosten für den Erzeuger. (als Produzent würde ich so kalkulieren, ohne Urheberrecht.)

    Ich suche mir nur noch vorab einen Mäzen oder per kickstarter crowdfunding und erst dann starte ich mit der kinofilmproduktion.

    Ich bin der überzeugung das viele gute Filme so nicht machbar wären.

  23. Der Erklärbär hat leider vergessen, Max zu erklären, dass der Produzent nur dann auf seinen Fixkosten sitzen bleibt, wenn er nicht schon vor der Produktion genügen Käufer für sein Produkt gefunden hat.

    Märkte werden immer effizienter, es bedarf *nur* der Information, wo die Kunden sitzen, die bezahlen würden und einen Kreditkartenpledge von jedem, dann lassen sich die Fixkosten vorab einsammeln und selbst der dicke Hollywoodblockbuster kann produziert werden.

    Dieses Konzept ist ganz furchtbar alt, nennt sich Vorverkauf und funktioniert im Internet besser als geschnitten Brot.

    Wer das nicht glaubt, der sollte sich einfach mal 45min die Projekte auf der Internetseite Kickstarter angucken.

  24. Für die Identifizierung des initialen Käufers gibt es schon heute Möglichkeiten. Man kann in jeden Film eine eindeutige digitale Signatur einbauen die auch beim neu Encodieren erhalten bleibt. Wenn dann ein Film als torrent auftaucht kann man den Käufer ermitteln und rechtsstaatlich belangen ohne das ganze Internet überwachen zu müssen.

    Eine normale Internetnutzung mit Web, Email, Musikstreaming mal ein Youtube-Video, Blogs lesen …. dafür reicht eine 6 MBit-Leitung vollkommen aus. Alles was man darüber hat ist nur für die Downloads wichtig, also z.B. Bittorrent. Das ist grob geschätzt im Mittel 15€ mehr im Monat.
    Der Strom weil der Rechner oder der Mediaserver auch nachts läuft sind bei niedrigem verbrauch nochmal 10 € im Monat.
    Das macht 300 € im Jahr nur für deinen Haushalt. Also von 0 oder nahe 0 Grenzkosten kann keine Rede sein.

    Insgesamt möchte ich noch anmerken das ich den Geiz und Neid widerlich finde. Stellt doch lieber Eigenschaften wie Wohlwollen, Großzügigkeit und Respekt in den Mittelpunkt. Und mit Veränderungen sollte man zuerst bei sich selbst anfangen! Warum tritt der Autor des Blogs nicht von einigen seiner Rechte zurück und stellt den Blog unter eine CC Lizenz?

  25. wobei Kinofilme, Bücher/Texte und Musik da wohl sinnvollerweise getrennt betrachtet werden sollten. Ein Blockbuster ist (heute noch) nicht mit Hausmitteln machbar, da kann man die Produktionskosten (bzw. das Ausbleiben des Produkts ohne ein Refinanzierungsmodell) noch eher anführen… ich seh das nun eher aus Musikerperspektive.

    (aber ich könnte mir denken, daß da gewisse Widerstände bestehen, die Themen zu splitten… es könnten Befürchtungen des Gegeneinander-Ausspielens aufkommen).

  26. Ich könnte locker auf, naja 90%? der Kinofilme verzichten. Denn die wurden meist auch nur deshalb produziert um Geld zu generieren. Darum ist Kino auch meist ziemlich umspannend. Ich glaube das kann man locker auch so vom Musikmarkt sagen. Die die wirklich Bock auf Filmkunst haben, verdienen heut auch schon nix. Nur ma so.

  27. Gute Fragen
    reinerwein says: 22/04/2012 at 15:13
    @mspro, später, wenn Du mal nach 5 Jahren (?) Studium und einer Diss Dir mit dem Schreiben Geld verdienen möchtest oder gar musst …
    und
    Max der Zweite says: 22/04/2012 at 20:53
    … mit Veränderungen sollte man zuerst bei sich selbst anfangen! Warum tritt der Autor des Blogs nicht von einigen seiner Rechte zurück und stellt den Blog unter eine CC Lizenz?
    Die Antworten gibt der Autor selbst: Weil man auch „mspro kaufen kann“, siehe http://mspr0.de/?p=2672
    „Ich will hier also mal darlegen, womit ich mein Geld verdiene und auch gleich dazuschreiben, womit ich gerne noch Geld verdienen würde. (Oder womit ich gern noch mehr Geld verdienen würde). Und das ist, wie das bei Bloggern so üblich ist, ja meist mehr so ein Mix aus verschiedenen Dingen. (…) Ich verdiene mit Flattr – und das sind die einzigen direkten Einnahmen durch meine Blogs – ca. 60 bis 80 Euro pro Monat. (…) Eine Zeitlang klappte es prima für alle möglichen Medien zu schreiben. … Vor allem ist es nicht regelmäßig und sehr unberechenbar. … Und doch ist Für-Geld-Schreiben weiterhin ein wichtiger Pfeiler meiner Finanzierung und der will ausgebaut werden. Ich bin also auch weiterhin offen für alle möglichen Anfragen, für gutes Geld Texte zu schreiben.
    (…) Für die „erwachsenen“ Medien will ich ja nicht nur wegen des Geldes schreiben, sondern auch, weil ich hier und da eine größere Plattform brauche. Hin und wieder habe ich nämlich eine Idee für einen Text von allgemein interessantem Rang, die ich gerne unter die Leute bringen würde. … Beim Medium selbst sollte schon eine gewisse Reichweite zur Verfügung stehen und ein fairer dreistelliger Betrag wäre auch schön. … Wenn es dazu Anbahnungsinteresse gibt, bitte melden! (…) Wer mich als regelmäßigen Kolumnisten haben will, bitte melden. (…) Wie der eine oder andere vielleicht mitbekommt, sitze ich häufig auf Podien oder halte Vorträge oder ähnliches. Das mache ich gerne und das bringt auch oft gutes Geld rein. Ich musste aber auch schon einiges absagen, weil ich es mir nur noch in wirklichen Ausnahmefällen erlauben kann, ohne Honorar aufzutreten. (…) Ich bin übrigens auch für Unternehmen buchbar. (…) Ich war jetzt in ein paar künstlerische Projekte eingebunden, bei denen ich textlich und konzeptionell was beigesteuert habe. Das ergab zumindest bei dem einen Projekt ein kleines aber regelmäßiges Einkommen, was ich grundsätzlich begrüße. Ich bin eigentlich schnell für sowas zu begeistern aber da Projekte leider immer gleich unkalkulierbar viel Zeit in Anspruch nehmen, bin ich natürlich auch wählerisch. (…) machen wir ab und an immer noch Twitterlesungen. Manchmal auch für Geld. (…) Wer also irgendwas hier interessant findet oder eine ganz andere Idee hat, wie er mich mit Ruhm, Geld und Reichweite versorgen kann, schreibe mich an.“

    „Ich glaube, dass viele Leute kulturelle Güter produzieren, ohne auf einen Return on Investment zu kalkulieren.“ Zu denen will der Autor aber ganz offensichtlich nicht gehören, da er sich (unter anderem) „nur noch in wirklichen Ausnahmefällen erlauben kann, ohne Honorar aufzutreten.“

  28. Ist das zuallererst nicht eine Frage des Respekts? Wenn ich in meinem Blog einen Text einstelle, freue ich mich wenn er verbreitet und kommentiert wird, zugleich möchte ich aber, dass er korrekt zitiert und nicht verändert wird. In letzter Konsequenz muss ich darauf vertrauen, dass das auch passiert.

    Jetzt nehmen wir hinzu, dass ich gerne ein Gebühr für meine Texte einheben möchte (will ich natürlich nicht, nur als Beispiel), weil sie viel Arbeit sind und ich sonst nicht schreiben könnte oder es als Akt von Fairness empfinde.

    Man mag das als anmaßend empfinden oder als falsch und vermutlich würde man meine Texte nicht lesen. Damit muss ich leben. Aber: Gilt nicht hier wie auch im Falle einer unentgeltlichen Verfügbarkeit ein fundamentaler Respekt gegenüber dem anderen, seinem Willen oder dem was er geschrieben hat?

    Müsste das nicht der Ausgangspunkt der Debatte sein?

  29. In der Kommentar-Diskussion zu WMR39

    http://wir.muessenreden.de/2012/04/11/wmr39-datenausflusse-der-urheber

    habe ich das Gefühl gewonnen, dass es noch ein anderes Missverständnis zwischen Max und mspro (bzw. zwischen Max und Julia Schramm) gibt.

    Max geht davon aus, dass sich Filesharing ohnehin nicht vollständig durchsetzen wird, da die Angebote dort (prinzipbedingt?) nicht so professionell sein können wie legale Angebote. Allein durch den Mehrwert der professionellen Angebote bleibt das Filesharing begrenzt, so dass ACTA und ähnliche Maßnahmen einfach nicht notwendig sind.

    mspro (und Julia) sehen die Bedrohung durch Filesharing offenbar wesentlich gößer.

    Hab mir den Urheberrechts-Teil des Podcasts daraufhin nochmal angehört und glaube, dass da tatsächlich ein wenig aneinander vorbeigeredet wurde.

    Ich bin nicht sicher, ob Max mit seiner Bewertung des Filesharings recht hat – meines Erachtens ist hier (zumindest prinzipiell) auch eine hohe Professionalität möglich. Fefe z.B. hat sich ja schon oft darüber aufgeregt, dass illegal heruntergeladene Spiele wesentlich benutzerfreundlicher sind als die legal angebotenen. Und im Musikbereich gibt es teilweise extrem hochwertige Angebote (lossless, ordentliches Tagging, aufwendige Scans, AccurateRip-Logs) – nicht als legales Angebot, sondern eben illegal. Das entkräftet nicht Max‘ Argument, denn die legalen Angebote sind leichter zu finden und zwar unbestritten verbesserungsbedürftig, aber auch verbesserungsfähig. Jedoch steckt auch im Filesharing-Bereich noch Potential.

    Es geht hier offenbar nicht ausschließlich um eine Grundhaltung (Urheberrecht vs. dessen Abschaffung), sondern auch eine Frage der Abschätzung, wie stark die Konkurrenz durch Filesharing in der Praxis überhaupt ist. Dieser Aspekt sollte bei euren Diskussionen vielleicht stärker in den Fokus rücken, vielleicht kommt ihr euch dann wieder etwas näher.

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  32. @stefle:
    Filesharing ist vor allem:
    – kompliziert (Port-Forwardings, in P2P Clients einarbeiten, man muss sich mit Medienformaten, Rip-Qualitäten und ähnlichem auseinander setzen)
    – fehleranfällig (letzter Seeder weg, Torrent weg)
    – unsicher (Trojaner in Software, potentiell manipulierte Dokument-Dateien wie PDF)
    – unübersichtlich (keine zentralisierten durchsuchbaren Medienbibliotheken)
    – populistisch (gute Bandbreiten gibt es oft nur bei populären Inhalten)

    Filesharing ist (zumindest für mich) daher dermaßen unattraktiv, dass ich es selbst für vollkommen unkritische Inhalte wie Podcast-Folgen oder OS Images nicht benutze und auf größere Bandbreiten bzw. Pre-releases bei Podcasts beispielsweise verzichte. Der Erfolg von großen Content-Plattformen (Youtube, Vimeo und wie sie alle heißen) hat doch vor allem diesen Grund. An sich wäre der ganze Kram doch auch per File-Sharing verteilbar.

    mspro lässt in seinen Überlegungen die zeitlichen Kosten für die Einarbeitung in P2P Netze, Mediensuche, eben der Beschäftigung mit der Materie vollkommen außer Acht, aber es gibt nunmal ein Gut, das absolut begrenzt ist und das nicht digital zu vermehren und zu teilen ist: Die eigene Lebenszeit.

    Sicher, bei Filesharing ist Potential vorhanden, aber ein freies, dezentrales, unkontrolliertes Filesharing Netz, und ich vermute mal mspro hat sowas vor Augen wenn er von Filesharing schreibt, hat auch inhärente schwerwiegende Probleme die durch die fehlende Kontrolle entstehen.

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