Die Piraten und die Frauen

Wer hätte gedacht, dass ich mich nochmal so sehr mit Genderthemen auseinandersetzen würde. Im Studium hab ich darum meist einen gut erkennbaren Bogen gemacht. Doch heute, im Internet, ist dem Thema nicht aus dem Weg zu gehen.

Um es vorweg zu sagen: Ich halte das Thema für sehr komplex und fühle mich damit regelmäßig überfordert, was auch der Grund ist, warum ich nie etwas drüber schreibe. Ich schreibe aber nun in letzter Zeit über Ungleichheit und Plattformneutralität (ich mache dazu übrigens eine Keynote auf der SIGINT) und aus dieser Warte ist ein Blick auf die Genderdebatten beinahe unumgänglich. Und der Debatte bei den Piraten ist ja auch nicht zu entkommen.

Natürlich habe ich die Vorgeschichte mitbekommen. Das ungeschickte agieren von Leena Simon mit der Pressemitteilung und die noch ungeschicktere Reaktion des Berliner Landesverbands, waren beide ziemlich unnötig. Ich war von der Debatte mehr oder weniger amüsiert, vor allem der daraus folgende Rückzug der Piraten auf eine „post-gender„-Position. Nicht, dass das eine inhaltlich legitime Position wäre, aber „post-gender“ kann man ernsthafter Weise nur dann sein, wenn man sich mit der Geschlechterfrage vorher überhaupt mal auseinandergesetzt hat. Das spreche ich den Piraten ab. Aber „prä-gender“ und „post-gender“ sind ja schließlich beide irgendwie nicht gender, oder?

Tja, und nun hat der Bundesverband der Piraten also einen neuen Vorstand und diesmal ist nicht eine einzige Frau dabei. Ganz egal, wie man zur Genderdebatte steht, als Pirat muss man spätestens hier einsehen, dass man ein Problem hat. Alles andere ist Realitätsverweigerung.

Ich gehöre nun wirklich nicht zu den Leuten, die eine Quote fordern und ich würde auch nicht – wie manche das tun – die Piraten wegen ihres Frauenproblems als „sexistisch“ klassifizieren. Ich nehme es den Piraten voll und ganz ab, dass für die meisten Mitglieder das Geschlecht tatsächlich keine Rolle spielt. Ich glaube sogar wirklich, dass die Piraten einen besonders geschlechtsneutralen Umgang pflegen, mehr als andere. Und auch die von Antje Schrupp in’s Spiel gebrachte andere – feminine – Art des politischen Engaments, die eben nicht machtgetrieben ist, würde ich den Piraten mehr zusprechen als jeder der etablierten Parteien. Das zeigt alleine schon die Einführung von Liquid Democracy, das nichts anderes als eine weitere Entmachtung des Vorstandes zu Gunsten der Basis nach sich ziehen wird.

Ich würde grundsätzlich also gar nicht so sehr mit dem Finger auf die Piraten zeigen, denn ich weiß eigentlich nicht, wo sie groß was falsch machen. Außer, dass sie ihre Augen vor ihrem ganz offensichtlichen und – wie ich finde – gravierenden Problem mit den Frauen verschließen, kann man den Piraten eigentlich nichts vorwerfen.

Aber wenn ich ehrlich bin, glaube ich auch nicht, dass nur eine Öffnung zur Genderfrage eine Lösung für dieses Problem sein kann. Frauen interessieren sich für mehr als nur für Genderthemen und dass die Piraten einen so niedrigen Frauenanteil haben und auch noch so wenig Frauen sich bereit erklären, für den Vorstand zu kandidieren, muss tiefere Ursachen haben, als nur das Nichtvorhandensein einer Frauenpolitik.

Und hier stehe ich relativ ratlos da. Man kann ja die Frauen nicht dazu zwingen, sich zur Wahl aufzustellen. Man kann sie auch nicht zwingen, sich für die Piraten zu interessieren. Man kann nur das Angebot schaffen und da kann man den Piraten – wie gesagt – eigentlich keinen Vorwurf machen.

Es bleibt also nur eins, was ich den Piraten derzeit raten kann:

Als erstes: seht endlich ein, dass ihr ein Problem habt. Und dann setzt euch zusammen und diskutiert, wie ihr es lösen könnt. Bindet dafür so viele Frauen ein, wie es geht und lasst feministische Debatten zu. Der Feminismus beschäftigt sich mit genau diesen Fragen schon ein paar Tage länger, als ihr.

Vielleicht brauchen die Piraten eine feministische Debatte dringender als die Frauen.


34 Gedanken zu “Die Piraten und die Frauen

  1. „Man kann ja die Frauen nicht dazu zwingen, sich zur Wahl aufzustellen.“

    Klar ist das möglich – eine Quote macht genau das. Na gut, „zwingen“ ist übertrieben: aber sie verändert die Anreizstruktur für Frauen, zu kandidieren, und für Männer, Frauen zu einer Kandidatur zu bewegen. Und das funktioniert.

  2. Ich finde deinen Ratschlag zum Schluss ausgezeichnet. Das ist genau das, was ich meiner Partei auch wünsche. Denn sonst wird das nicht realisierte Genderthema zu einem noch viel größeren Problem werden. Und zwar unabhängig davon, ob ihr (Piratenmänner und Piraten/w) wollt oder nicht. Also los: Klarmachen zum Ändern!

  3. Pingback: i heart digital life » Postgender in Bingen

  4. Dein Post brachte mich gerade auf die Idee, dass das, was vielen Frauen in der Politik heute Unbehagen bereitet (mehr Frauen als Männern, wie ich glaube), vielleicht nicht mehr so sehr das alte patriarchale Mackertum ist, das ja eh schon am Aussterben ist, sondern eher die Verantwortungslosigkeit, die sich daraus ergibt, wenn Entscheidungen an nicht Verfahrensweisen abgegeben werden. Also nicht mehr das klassische: „Ich bin hier der Chef, es wird gemacht, wie ich es sage“, sondern das heute verbreitete „Die Prozesse sind eben so, es gibt keine Alternative“. Und dieses Abgeben von Entscheidungen an „Prozesse“ ist bei den Piraten ja relativ stark, soweit ich das beurteilen kann. Ich denke nicht, dass sich politische Positionierungen auf diese Weise herausarbeiten lassen. Interessanter wäre es, Konflikte offen zu moderieren, damit sie ausgetragen werden, vertreten von den jeweiligen Personen, die für eine bestimmte Position stehen, in gegenseitigem Respekt und mit Interesse am anderen, in dem Bemühen, durch den Konflikt hindurch eine gute Lösung für die Gesellschaft allgemein zu finden. Das wäre jedenfalls eine Partei, die mir gefallen würde 🙂

  5. Genau meine Meinung, besonders der Ratschlag am Ende. Das war es, was ich vermisst habe! Anerkennen, dass es ein Problem gibt und sich damit auseinandersetzen. Sonst könnt ihr einfach keine ernst zu nehmende Partei werden!

  6. *EIN* Problem? Die Piraten haben Dutzende Probleme noch vor sich! Nämlich alle Themen, die nicht mit Computer, Internet, Datenschutz und Bürgerrechten zu tun haben.

    Bevor sie dazu nicht klar Stellung beziehen, sind sie für mich nicht wählbar. Und dazu müßten sie überhaupt erst einmal anfangen, all das zu diskutieren, wofür sie sich bislang nicht zuständig fühlten.

    Daß sie sich diesbezüglich zurückhalten, kann ich jedoch gut verstehen. Denn an diesen Diskussionen werden sie irgendwann zerbrechen. Dieser Bundesparteitag war offensichtlich bereits der Anfang vom Ende…

  7. Wie kommt man auf die Idee, dass es ein Problem ist, wenn es mal keine Frau in einem Vorstand gibt? Ist es auch ein Problem wenn es nur Frauen sind? Du verkennst, dass es nunmal so ist, dass Internet, IT und so was einfach für viele Frauen weniger attraktiv ist. Das ist keine Frage der Piraten, das ist einfach ein gesellschaftlicher Fakt. Gott sei dank haben wir zwei verschiedene Geschlechter. Auch wenn du so tust als würdest du keine Frauenquote fordern wollen, tust du das natürlich: Sonst würdest du das kein „Problem“ nennen. Vielleicht ist es auch einfach nur Zufall? Und wie gesagt: Vielleicht haben Frauen und Männer nicht exakt 50:50 die genau selben Interessen. Oswalt Kolle, das ist für mich Feminismus. Aber das ist gott sein dank längst in unseren Köpfen drin.
    Das ist echt lächerlich. Denn gerechterweise müsste es dann auch eine Maskulinismusdebatte geben. Und eine abgeschlossene Männer-Piratenliste.

    Enno hatte mal einen guten Tweet abgesetzt, der in der Art folgendes beinhaltete:

    „Ich habe nicht gegen Piratinnen, sofern sie alle „i“s klein schreiben.“

    Ich sage nicht, dass nicht auch heute Feminismus wichtig ist, aber eine Gleichbehandlung der Geschlechter ist keine Piraten- sondern eine Gesellschaftsfrage. Und leider sind viele sog. Feministinnen heutzutage einfach Separatistinnen.

    Selbstverständlich haben die Piraten kein Problem. oder willst du demnächst rumrennen und in allen Vorständen dieser Welt nachzählen, dass auch ja mindestens die Hälfte Frauen sind, weil sonst Sexismus und Unterdrückung der Frau vorherrschen? Sorry für die Polemik, aber Gender-Debatte ist echt sowas von unwichtig. Eine Frau kann ohne weiteres in der Piratenpartei alles werden wenn sie will, wenn sie glaubwürdig, redegewandt etc. ist. Was man eben für das Amt braucht. Die Piraten hätten ein Problem, wenn sie keine Frau in den Vorstand wählen würden, weil sie Vorurteile haben. Aber das schließt du selbst aus. Und das wäre auch ziemlich blöd bei einer Partei die eher Mitglieder des linken Spektrums beherbergt und selbst die CDU eine Frau an der Spitze hat.

  8. gerade die piratinnen (ich meine die konkrete arbeitsgruppe) hätten sich als frauen definierende menschen innerhalb der piratenpartei sichtbar machen können. ein nicht ganz schlechtes beispiel sind da die haecksen im ccc.

  9. Eine Frauenquote ist deshalb absurd:
    Sie ist absurd, weil die künstlich eine Fassade für etwas bereitstellt, was man nicht haben will. Man kann – egal was – nicht erzwingen. Und dann gäbe es auch wenn eine nötig wäre, keine Debatte mehr. Denn augenscheinlich wäre ja alles in Ordnung.

    Aus ähnlichen gedanklichen Beweggründen bin ich zB auch gegen ein NPD-Verbot. Denn dadurch werden die Nazis nicht weniger (vielleicht gar mehr), man hat sie aber nicht mehr in der Öffentlichkeit was sie noch gefährlicher machen würde. Und eine Debatte um Rechtsradikale gäbe es dann auch nicht mehr. Denn die politische Kraft wäre ihnen ja augenscheinlich genommen.

    Oder man kann auch jedem Arbeitslosen einen Besen in die Hand drücken und behaupten es gäbe nun kein Problem mit Arbeitslosigkeit mehr.

  10. Männer und Frauen haben sich in der Piratenpartei nicht als Männer oder Frauen zu definieren, sondern als Piraten.

    (Und wehe jemand beanstandet jetzt dass ich gerade aus versehen zuerst Männern genannt habe)

  11. @osz
    Das Internet ist Kernthema der Piratenpartei. Parteien beschäftigen sich mit Politik. In diesem Fall also mit Netzpolitik. Wenn sich die Piratenpartei aber, wie es dargestellt wird, hauptsächlich mit Technik auseinandersetzt, wundert es nicht, dass Frauen und Nicht-Nerds dort in der Unterzahl sind.
    Da man sich als Partei eher mit den soziologisch/politischen Aspekten des Internets auseinandersetzen sollte, müsste die Frage, ob sich jemand für Technik interessiert, gänzlich uninterressant sein.

    Vielleicht ist ja genau das das zentrale Problem dieser Partei, dass sie, provokativ ausgedrückt, das Thema verfehlt?

  12. Pingback: citizen-cam.de » Die Piraten und die Frauen: We…

  13. @antje

    „Interessanter wäre es, Konflikte offen zu moderieren, damit sie ausgetragen werden, vertreten von den jeweiligen Personen, die für eine bestimmte Position stehen, in gegenseitigem Respekt und mit Interesse am anderen, in dem Bemühen, durch den Konflikt hindurch eine gute Lösung für die Gesellschaft allgemein zu finden.“

    Aber ist das nicht genau das, was die PP mit Liquid Democracy / liquid feedback erreichen will? Ich meine mich zu erinnern, daß ein „Betreuer“ von Liquid feedback meinte, daß mit dem Tool nur konstruktiv gearbeitet werden könnte: Jeder kann einen Antrag (?) einstellen und muß diesen konstruktiv begründen und für seine Position werben. Danach kann zugestimmt/abgelehnt und konstruktiv kommentiert werden. Ich sehe da eigenlich genau das, was du dir oben wünschst – nur eben in schriftlich-elektronischer Form und nicht auf mündlichem Austausch basierend. Wer das stichhaltigste Argument hat und durch die Kraft des Arguments zu überzeugen weiß, wird Mehrheiten gewinnen. Damit würde jeder Entscheidung ein breiter Diskurs vorausgehen.

    Andere These, die mich seit längerem beschäftigt: Unterstellt, daß Macht korrumpiert, also das für die Erlangung von Machtpositionen eher, sagen wir, fragwürdige Charaktereigenschaften und Methoden erforderlich sind bzw. sich diese bei Erlangung von Macht herausbilden – könnte es sein, daß Frauen einfach dieses Risiko nicht eingehen möchten „korrumpiert“ zu werden und daher freiwillig auf diese Möglichkeiten (Machterlangung) verzichten? Ich habe auch keine empirisch gestützte Datenbasis über die Vorgänge in anderen Parteien, bspw. wie viele Männer Machtpositionen anstreben und wieviele dies nicht tun, weil sie die Methoden dazu und die charakterlichen Merkmale ablehnen – also lieber „Männer der Basis“ bleiben. Weiß denn jemand, ob es dazu in der einschlägigen Forschung Ergebnisse gibt?

    Ich als Mann würde zumindest genauso handeln. Hätte ich einen guten Ortsverband oder bei den Piraten halt eine gute Crew, mit deren Mitgliedern ich gut auskomme und wo eine harmonische Stimmung herrscht, würd ich den Teufel tun und mich für höhere Ämter bewerben. Ich wüßte gar nicht, wie die Leute, mit denen ich zusammenarbeiten müßte, so menschlich ticken, ob die Chemie stimmt und vor allem – ob ich hinterher nach dem „Aufstieg“ noch die Persönlichkeit bin, die ich eigentlich sein will/wollte. Da bleib ich doch lieber in meiner harmonischen Umgebung und bewege von dort aus was ( was ja bei den Piraten durch den Mitmachgedanken noch weit ausgeprägter ist).

    Die Piraten haben eindeutig zu wenige weibliche Mitglieder, aber die Gründe für die Ursachen überzeugen mich bislang nicht.

  14. erstmal schöner text von mspro. vielleicht hilft es ja etwas, wenn eben genau jemand darüber schreibt, bei dem nicht sofort alle antifeminismus-beißreflexe angehen. denn derartige meinungen werden bei den piraten -wie man an der lena-debatte sehen konnte- ja auch schnell mit beleidigungen oder „wir sind post-gender“ abgetan.

    @Thomas Maier..
    „Männer und Frauen haben sich in der Piratenpartei nicht als Männer oder Frauen zu definieren, sondern als Piraten.“
    so ein quatsch, jeder sollte sich so sehen wie die person es für richtig hält.

    „Denn gerechterweise müsste es dann auch eine Maskulinismusdebatte geben. Und eine abgeschlossene Männer-Piratenliste.“
    jeder ist frei sowas zu gründen. jedoch sehe ich die unterstützug von frauen als wichtiger im moment an, da sie deutlich in der minderheit sind. das heist ja nicht, dass man sie „hineinzwingt“ (quote) oder ähnliches. aber das man sie bei jeder noch so kleinen versuch sich einzubringen unterstützt und ihnen eben keine steine in den weg legt.

    natürlich wäre es auch problem wenn es nur frauen wären. verstehen kann ich leider nicht, dass sie darin kein problem sehen, dass keine frau im vorstand ist. man kann auch ohne eine quote zu fordern ein problem darin erkennen.

    im grunde kann ich mich da aber auch ganz entspannt zurücklehnen. denn die piraten werden irgendwann sich diesem thema stellen müssen, einfach weil sie als „nur männer partei“ für viele nicht wählbar sind, meines achtens zurecht. da kann man sich dann 3mal hinstellen und sagen „was können wir dafür, wenn es so wenig frauen gibt, die sich für internet-zeugs interessieren“, es ändert nichts an der situation.

    liebe grüße,
    die papierbox.

  15. Die Piraten haben ein anderes Problem. Die „Maskulisten“. Radikale Feminismus-Hasser, die Männer als eigentlich benachteiligte Spezie ansehen. In keiner Partei oder gesellschaftspolitischen Gruppierung ahben die soviel Einfluss, wie bei den Piraten. Frauenpolitik ist in der Piratenpartei nicht möglich, solange die „Maskulisten“ die Diskurshoheit über Genderfragen für sich reklamieren.

  16. Kleine Korrektur: es gab nicht eine, sondern zwei Pressemitteilungen. Und die zweite war ziemlich disqualifizierend.

  17. PS: Einen Vorwurf würde ich der Piratenpartei machen: viel zu wenig Sacharbeit.

    Sicher: sie geben jetzt zu allen möglichen Themen Pressemitteilungen raus – aber wo kristallisiert sich die Arbeit von über 10000 potenziell engagierten Leuten denn? Wo sind die überzeugenden Konzepte? Warum erscheinen Vorschläge wie der Datenbrief (den ich nicht überzeugend finde) unter dem Label „CCC“? Wo hält die Piratenpartei ihre SIGINT ab? Wo lernen die künftigen Kader das Organisieren?

  18. Thomas, natürlich können die Piraten jetzt sagen: Nein, das ist kein Problem unserer Partei. Das allerdings wäre selbst ein Statement. Es hieße: Uns ist es egal, oder wir begrüßen es sogar, dass Frauen bei uns nicht mitmachen wollen. Das wäre nicht post-gender, sondern anti-gender oder gar maskulinismus. Kann man machen, dann will ich mit der Partei aber wirklich nichts mehr zu tun haben.

    Versteh mich nicht falsch: ich habe oben geschrieben, dass ich den Piraten keine „Schuld“, für den Frauenmangel gebe. Aber so oder so: es ist ein Problem. Man muss schon massive Probleme mit Frauen haben, um darin keines zu sehen.

    Ich hingegen glaube das aber nicht. Mag sein, wie Tim das hier sagt, dass es dort Maskulinismusgruppen gibt, ich gehe aber davon aus, dass das Randbereiche sind.

    Egal wie man es dreht oder wendet: die Piraten stehen vor der Frauenfrage aus der sie sich nicht mehr rauswinden können.

  19. Es stimmt: „[…] eine Gleichbehandlung der Geschlechter ist keine Piraten- sondern eine Gesellschaftsfrage.“

    Nur sind die Piraten für mich nicht wählbar, solange sie sich ausschließlich um „Piratenfragen“ kümmern, und die wichtigen „Gesellschaftsfragen“ einfach ignorieren.

  20. Vor allem von einer gesellschaftlichen Frage, von der die Piraten ja offensichtlich überdurchschnittlich selber betroffen sind.

  21. @Thomas Maier: „Männer und Frauen haben sich in der Piratenpartei nicht als Männer oder Frauen zu definieren, sondern als Piraten.“

    Ich weiss ja nicht, ob das so gemeint ist, wie es da steht. Wenn es so gemeint ist, ist es jedoch bezeichnend. Mit einer wie auch immer gearteten freiheitlichen/liberalen Haltung hat es jedenfalls wenig zu tun, wenn Menschen ihre Identität vorgeschrieben werden soll. Oder?

  22. „post-gender” kann man ernsthafter Weise nur dann sein, wenn man sich mit der Geschlechterfrage vorher überhaupt mal auseinandergesetzt hat. Das spreche ich den Piraten ab. Aber “prä-gender” und “post-gender” sind ja schließlich beide irgendwie nicht gender, oder?“
    Widerspruch?

    Um mal ein realitätsnahes Beispiel zu bringen: C., eine Freundin von mir, ist im Landesvorstand von M-V. Sie hatte überlegt sich im Bundesvorstand zur Wahl zu stellen, hat es aber nicht getan, weil sie ein Jahr lang nach NZL geht.
    Die Möglichkeiten sind offensichtlich da, ihrer Meinung nach hat sie als Frau sogar einen „Exotik-Bonus“ (es IST ne Informatikerpartei, machen wir uns nichts vor). Ich finde es von den Piraten eigentlich ziemlich gut, nicht auf diesen Feminismusmist reinzufallen. Wenn sich mehr Frauen für Piratenthemen interessieren würden, wären sie stärker in der Partei vertreten.
    Es fordert doch auch keiner eine Frauenquote für Wacken! Oder ’ne Männerquote für Tupperpartys.

  23. „Es ist uns egal“ und „wir begrüßen es sogar, dass nicht“ sind zwei komplett verschiedene Stiefel. Es fehlt ihnen einfach die Emotion dazu.

    Es ist für die Piraten einfach nicht wichtig. Wenn es 100% Frauen wären, wäre es auch schnurz. Wieso auch nicht? Wenn es einen Unterschied machen würde, dann wäre das frauenfeindlich. Wenn es eine Trennung bräuchte, bedeute das, dass es einen Bedarf an Geschlechter-Klientel-Politik gäbe. Aber dann hätte man auch zwei verschiedene Parteien gründen können. Eine für Frauen und eine für Männer, damit sich auch JA keiner benachteiligt fühlt.
    Debatten gegen Vorratsdatenspeicherung, Internetsperren, … werden von Frauen und Männern gleich debattiert. Wieso also unterscheiden? Wer als Mann in der Piratenpartei keine Frauenthemen behandeln kann oder als Frau keine Männerthemen (sofern es das überhaupt gibt), der hat meiner Meinung nach in der Piratenpartei sowieso nichts zu suchen.

    Was ist dann der Grund für den offensichtlichen Frauenmangel?
    Du sagst, es sind nicht die Piraten selbst. Also was dann? Die Piraten sind halt nun erstmal eine Internet-Partei mit vielen Programmierern, … Hat dann der Berufsstand der Programmierer auch ein Frauenproblem weils einfach weniger software-entwickelnde Frauen gibt?

    Die einzige Konsequenz aus deinem letzten Absatz wäre eine Quote.

  24. @Till: Es wird niemandem seine Identität vorgeschrieben. Nur hat das Geschlecht nicht auch nur den aller geringsten Einfluss darauf, Pirat zu sein. Als was sich jemand fühlt ist für die Parteiarbeit schnurzpiepegal. Das meinte ich.

  25. Mhm,

    gerade in dieser Debatte offenbart sich ein fundamentaler Punkt, der von Anfang an bei den Piraten eine Rolle spielt. Das Fehlen einer gesellschaftlichen Vision. Egal, ob nun zu Gender oder bei der Weigerung, sich politisch einsortieren zu lassen. Da ist man angeblich drüber weg. Post-gender und post-ideologisch eben. Wenn aber eine Partei keine Idee davon hat, wie eine Gesellschaft zu verändern ist, wird sie niemals eine breite Masse ansprechen. Möglich, daß den Piraten dies egal ist, möglich, daß sie das gar nicht wollen. Aber gerade die hier vorgebrachten Argumente, Frauen würden sich eben nicht so sehr für Piratenthemen interessieren, offenbaren eines: Die Piraten sind in der Breite offenbar nicht in der Lage, über ihren eigenen Tellerrand zu schauen. Das ist aber nicht postideologisch, das ist borniert.
    Widrigenfalls würde einem nämlich auffallen, daß Netzpolitik keine Frage des technischen Verständnisses ist. Wir sind doch nicht gegen Stoppschilder, weil sie technischer Unfug sind, sondern weil sie der Einstieg in eine Zensurinfrastruktur sind. Und wir streiten nicht für Netztneutralität, weil wir Javascript doof finden, sondern, weil wir nicht wollen, daß uns jemand vorschreibt, wo und wie wir das Netz nutzen wollen.
    Wieso das signifikant keine Themen für Frauen sein sollen, erschließt sich mir nicht. Die gesellschaftlichen Auswirkungen betreffen diese genauso. Die Ursache liegt also woanders.
    Eine Partei, die sich nur mit sich selbst beschäftigt und ignoriert, daß Menschen weit mehr sind und wollen als Kunden von Internetprovidern, wird sich auf Dauer nicht durchsetzen können.
    Kurz:
    Meiner Meinung nach liegt das Grundproblem der Piraten nicht in der Frage, wie sie zu Frauen stehen oder welche Seite des Parlaments ihnen lieber ist, sondern im Politikverständnis.
    Wenn es für die Parteiarbeit schnurzpiepegal ist, wie sich jemand als Mitglied der Gesellschaft definiert, wird die Wirkung der Parteiarbeit auf die Gesellschaft marginal sein.

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  27. @Thomas: Das schreibst du aber nicht, sondern du schreibst „haben sich nicht …“ – also letztlich ein Verbot einer Meinungsäußerung.

  28. @Thomas wenn das den Piraten wirklich schnurz ist, dann haben sie meine Sympathie verspielt. Eine Partei, die sich einfach damit abfindet, dass Frauen sich in ihr nicht vertreten fühlen, halte ich für zumindest Weltfremd.

    Außerdem lassen sich weitaus mehr Dinge tun, als nur eine Quote einführen. Wie gesagt, ich bin da etwas ratlos, aber naheliegend wäre eine Progammatische oder sogar nur rhetorische Überarbeitung des Parteiprogramms, dass es mehr Frauen anspricht. Oder gezielte Werbung. Gesamtgesellschaftlich müsste man eh daran, Frauen an IT-Berufe zu führen. Das wäre doch auch ein bildungspolitisches Ziel.

    Ansonsten sind Frauen ja auch an Technikthemen dran, vor allem auch im Internet. Da wimmelt es vor Frauen und die haben Sorgen, Bedürfnisse und Forderungen. Da müsste man mal ein Ohr dransetzen. Aber dafür bräuchte man wiederum… Tja, Frauen.

  29. @mspro: Nochmal. Es ist egal, wenn es zu viele Frauen sind und es ist egal wenn es zu viele Männer sind. Wieso sollten sich Frauen in der Piratenpartei nicht vertreten fühlen? Ein Mann kann Frauen genauso gut vertreten. Und eine Frau auch Männer. Wenn es Piratinnen gibt, die sich für den Vostand bewerben wollen, solle sie es bitte einfach tun. Aber dann bitte so, dass man sie auch ernst nehmen kann – also nicht wie Lena. Ich verstehe nicht was es für die Piraten für einen Unterschied machen sollte, ob jemand eine Vagina oder einen Penis hat. Erschließt sich mir nicht.
    Und zu deinem letzten Punkt: Es gibt keine Partei, bei der direkte Partizipation so einfach ist, wie bei den Piraten.
    Frauen, schreibt in die Wikis was euch wichtig* ist! Aber gebt nicht den Piraten die Schuld.

    * wobei ich schon gerne mal ein Beispiel hätte was für männliche Piraten weniger wichtig wäre als für weibliche und was dadurch zu keinem Gehör kommt und dadurch die Piratenpartei für Frauen weniger attraktiv macht.
    Ich halte weiterhin daran fest, dass es in der Natur der Sache Internet liegt und dass sich das in den nächsten Jahren sowieso ausgleichen wird.

  30. bzgl deines twitter-postings:
    dein vergleich ist schlecht, zeugt von einer ignoranten einstellung zur biologischen grundlagenforschung, wenig fachwissen und ist auch noch überaus unwahr, was für dich nicht zu erkennen ist, da dein freier wille reinmechanistisch funktioniert. aber du hast gaaaanz gaaaaanz bestimmt recht. anthropozentrisch funktioniert es für menschen ganz gut.
    falls du einen witz machen wolltest, lustig ist er auch nicht sonderlich.

  31. Ich würde nicht zustimmen, dass es unbedingt Beschäftigung mit Feminismus sein muss. Feminismus ist als Konzept veraltet und inzwischen ebenso zu einem Machterhaltungssystem degradiert wie die vielgescholtenen männlichen Seilschaften. Eine Ideologie die nicht weniger diskriminierend ist, als der Sexismus den der Feminismus überall zu wittern glaubt.

    Was die Wogen immer so extrem hochkochen lässt, sind die Schreihälse die immer direkt mit dem Finger auf die Piratenpartei zeigen und abgrundtiefen Frauenhass interpretieren, wenn nicht sofort und gleich die Quote eingeführt wird nur weil sie alle anderen als das Allheilmittel erkannt haben. Sowie die weiblichen Parteimitglieder, die unter Tritten vors Schienbein und ‚ins Gesicht spucken‘ adäquate Kommunikation verstehen und sich dann wundern wenn der Wind etwas rauher zurückbläst.

    Unaufgeregt an das Thema heranzugehen, ist im Moment nur schwer möglich. Genau jene, die angeblich besonders für die Stärkung der Frauen in der Partei kämpfen wollen, treten den aktiven Frauen immer wieder aus dem Hinterhalt ins Kreuz. Solange diese Fraktion kein bisschen Einsehen zeigt und einen Gang zurückschaltet, wird sie kaum Entgegenkommen finden, sondern nur immer mehr Frust schüren.

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  33. Will eine Bundespartei unterstuetzung in der Gesellschaft finden, dann wird erwuenscht, dass auch die Geschlechterverteilung als gleichmaessig wirkt und keine Benachteiligungen gemeldet werden.
    Es ist richtig, dass der Frauenanteil der Zielgruppe der Piraten eher gering ist. Daher ist auch die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass sich keine Frau fuer eine bestimmte Stelle finden laesst.
    Wurden bei dem Auswahlvorgang oder an anderen Stellen in der Partei keine diskriminierende Ablaeufe beobachtet, so sollte man soweit gebildet sein, dass nicht einmal der Gedanke ueber die Richtigkeit der Geschlechterverteilung auftaucht.
    Allerdings sollte man nicht von der Realitaet abweichen und die Piratenmitglieder als besondere Menschen sich vorstellen. Wie erwaehnt ist die Genderdiskussion ein Gesellschaftsproblem, doch gerade das schliesst auch eine Partei innerhalb dieser Gesellschaft mit ein. Aus diesem Grund muss man sich damit insofern beschaeftigen, dass man die noch bestehenden Probleme in der eigenen Gemeinde anspricht.
    Dafuer muss die Leitung direkt mit dem entsprechenden Geschlecht kommunizieren, bestehende Probleme filtern und passende Loesungsvorschlaege evaluieren.
    Ein Diskussion nur als Reaktion auf die Medien oder eindeutige Streitstifter fuehrt nur in den Teufelskreis des politischen Abstiegs.

    Fuehrt man das Argument vor, dass die Frauenquote im technischen Bereich einfach sehr niedrig ist, beschreibt man auch das derzeitige Problem der Partei, naemlich die Spezialisierung der angesprochenen Bevoelkerungsgruppe.

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