Des Piraten neue Kleider (die wir nicht sehen wollen)

Natürlich war sie kurz aufgeflammt, diese Hoffnung, dass wir gemeint seien. Wir, das ist doch dem Selbstverständnis nach eben jene Generation, die in vermeintlich politischer Duldungsstarre verfallen war, aber in Wirklichkeit – ganz echt und ehrlich – nur gebannt auf das Zeichen wartete. Wir hatten das doch mitbekommen: 68, bei unseren Eltern. 86 bei unseren älteren Geschwistern. Doch wo war unsere Revolution?

Klar standen wir mit Palituch und Antifa-Stickern rauchend auf dem Schulhof. Einige lasen sogar Marx! Aber wenn wir ehrlich waren, wussten wir schon damals um die Posenhaftigkeit all dessen. Wir waren ja nicht dumm. Im Gegenteil! Wir waren abgeklärt! Abgeklärter als alle, die vor uns parolenschreiend durch die Institutionen marschierten. Denn wir hatten ihnen schließlich aufmerksam dabei zugesehen.

Wenn wir ehrlich sind, haben wir die Politisierung unserer älteren Geschwister aufgetragen.

Niemand brachte dieses Lebensgefühl besser auf dem Punkt als Tocotronic mit dem Titel “Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“. Tja, wir warten immer noch. Einige haben sich längst damit angefreundet und machen was aus ihrem Leben. Andere, wie ich, schieben ihr Erwachsenwerden einfach Jahr für Jahr auf, nur für die Chance dabei sein zu können. Dann. Falls.

Da ist es nicht verwunderlich wenn die Ohren gespitzt werden, sobald sich eine neue politische Kraft formiert. Das alles da, um die Szene im Netz. Die Blogger, die Aktivisten, die Petition und jetzt sogar noch ne ganze Partei! Geil! Und so wird das bereits eingemottete, zumindest leicht eingerostete politische Rüstzeugt wieder entstaubt und gleich geschultert und kaum will man losmarschieren – gen Weltrevolution – gibt der stellvertretende Vorsitzende der Piratenpartei der Jungen Freiheit ein Interview!

Uff! Ist der denn doof? Hat der denn nie gegen Rechts demonstriert? Weiß der denn nicht, dass man mit “denen” nicht redet? Hat er kein Gespür dafür, wie rechte Ideologismen in den Ritzen der politischen Überzeugungen durch eben solche Lecks sickern? Weiß der das alles denn nicht, was bereits bei uns auf dem Pausenhof schon Konsens war?

Was die Piraten alles nicht wissen. Der Spinner Thiesen, ein ganz normaler Spinner, wie es ihn im Internet zu hauf gibt? Mitnichten! Seine Ansichten können leicht als Holocaustleugnung ausgelegt werden! Ho. lo. caust! Kapische? Historikerstreit, anyone? Weiter zu Emanzipation: Genderdiskurs? Fehlanzeige! Außer Dummejungenwitze ist da nicht viel zu holen! Judith Butler? Kennt keiner. Schlimmer: interessiert keinen! Was kommt als nächstes? “Atomkraft FTW!“? Wackersdorf würde sich im Graben umdrehen!

Und da stehen wir und hauen uns mit dem Handrücken gegen die Stirn. Wir, die wir alle Mittel und Wege besäßen die kommende Weltrevolution verantwortungsvoll, gerecht und politisch korrekt zu gestalten. Und uns fragt keiner! Die interessieren sich einfach nicht für unsere schönen und ausgereiften Diskurse! Unsere Dogmen und Kategorien, jahrzehntelang unter vielen Schmerzen ausgehandelt. Die DOs und DON’Ts der politischen Gradwanderungen in diesem Minenfeld.

Kann es vielleicht sein, dass das gar nicht unsere Revolution ist? Kann es sein, dass sich dort eine Generation politisiert, der die politische Kultur, die wir schon auftragen mussten, viel zu muffig ist? Zu verkopft und akademisch? Dass sie mit ihrer Lebensrealität schlicht nichts zu tun hat, oder wenn, nur eine untergeordnete Rolle spielt?

Und: Kann es vielleicht sein, dass das gut so ist? Dass genau dort die Chance auf eben all dies besteht, was wir nicht hinbekommen haben? Eine Jungendbewegung. Mit eigenen Inhalten, eigenen Forderungen, eigenen Notwendigkeiten? Und dass wir – egal wie progressiv wir uns auch wähnen – die alten Meckerköppe sind, die jetzt rumkrakelen, weil die Jugend nicht nach unseren Regeln spielt? Diese ungewaschenen Gammler, die!

Ich habe schon lange den Eindruck, dass auch viele, die sich an der Spitze der digitalen Revolution glauben, noch lange nicht begriffen haben, welche Konsequenzen sich aus all dem ergeben. Insbesondere für das, was wir Information nennen. Dass die bekannten Diskurse, ob diese oder jene Information jetzt zulässig ist oder nur jene andere, rein akademische Fürze im Luftleeren Raum sind. Weil das Internet all diese Fragen auf die einzige Binäre Gretchenfrage zusammen dampft: Versuchen wir den aussichtslosen Kampf mit allen (auch totalitären) Mitteln zu führen, die Informationen im Internet zu kontrollieren oder akzeptieren wir, dass jede mögliche Information für immer von jedem abrufbar bleibt? – Das klingt radikal, vielleicht ist es das auch. Aber in dieser Welt, gibt es nur diese zwei Möglichkeiten. Das Internet ist so.

Hieran merkt man, dass sich der politische Diskurs von morgen längst auf anderen Ebenen stattfindet, als dem, was wir seit dem Schulhof kennen. Es ist nicht mehr der Kampf zwischen guter (links, Investigativer Journalismus, Kunst) und schlechter (rechts, Kinderpornos, Lügen) Information, sondern zwischen absoluter Kontrolle oder absoluter Freiheit der Information, zwischen Transparenz und Geheimwissen, Offenheit und Hermetik. Und hier gibt es keine Zwischentöne, nichts, was man aushandeln kann.

Natürlich bleibt auch dann noch genug auszuhandeln. Wie man damit umgeht, beispielsweise, dass die Gesellschaft nicht nur zum großen Teil sexistisch ist, sondern das auch noch öffentlich preisgibt. Dass es nicht nur Rechtsextreme gibt, sondern dass man sie nicht daran hindern kann, das auch noch Kund zu tun. Dass es unter den Menschen nicht nur Spinner gibt, die den ganzen Tag Müll erzählen, sondern das auch noch für jedermann lesbar in Netz kippen können. Dass Kinder hinter jedem Link wertvolle Erziehung erfahren können oder mit Gehirn-Schrott indoktriniert werden. Mal so mal so.

Niemand hat behauptet, dass sie gut riecht, die Freiheit.

100 Responses to “Des Piraten neue Kleider (die wir nicht sehen wollen)”

  1. tarzun says:

    @Johnny: Könnte das bedeuten, dass sich Politik an sich einfach auch ändert? Das zukünftige Politik mit aktueller/vergangener Politik nur noch wenige Gemeinsamkeiten hat?

    Die Welt sich schlicht weitergedreht hat?

    @mspro: Chapeau! Es müssen viel mehr Leute erkennen, das Piraten nicht in die aktuellen Raster passen.

  2. Peter says:

    Artikel ist glaube ich dass was viele unserer Generation oft denken, und der Ärger verpasst zu haben aus der uns aufgetragenen Revolution zu treten die gar nicht unsere ist. Aber 68er sind halt Kumpel, wie soll man denen abschlagen aus dem ‘Golf Cabrio’ zu kommen und mal ein ‘Sit-In’ zu machen?

    ‘Niemand hat behauptet, dass sie gut riecht, die Freiheit.’ finde ich als kurzen Schlusssatz den ganzen Themenkomplex wunderbar auf den Punkt gebracht – genau darum geht es. Die Informationsfreiheit wird auch öfter als wir uns das wünschen stinken. Wiegen die die Vorteile es aus der Sicht unserer Generation auf?

  3. Abby says:

    Meine Güte. Probleme verschwinden nicht wenn man sie ignoriert. Wir sind eine Partei gegen Zensur. Warum sollten wir uns selbst einen Maulkorb auferlegen.
    Jesus….

  4. zappi says:

    Zum ersten Teil:
    Ich hatte früher ein Pali Tuch um und einen Anti-Atom Sticker. Streit war damals in den 70ern an der Schule vor programmiert, da gab es welche die waren für Atomkraft :O. Aber ein Jugendbewegung war das damals zu Zeiten einer Alternativen Liste/Bunte Liste/Grünen auch nicht, deshalb weiß ich ziemlich genau was du meinst.

    Zum zweiten Teil:
    Das mit den Piraten, mir geht es ähnlich wie dir, und die eine oder andere Handlung von der Partei Spitze bereitet mir Kopfschmerzen. Aber gerade weil die Piraten eben angetreten sind ohne die alten Dogmen das Thema Politik neu zu definieren, muss auch ich umdenken und meinen natürlichen Beiß-Reflex bezüglich Rechter überdenken. Denn wie schon mehrfach erwähnt worden ist, wird man nie zu einen Dialog finden, wenn man kategorisch einen Dialog ausschließt. Privat ist es mir ja auch schon durchaus gelungen den einen oder anderen Rechtswähler von seinen Treiben ab zu bringen. Warum so was nicht im großen probieren. Wie insideX schrieb. Einfach wie ein kleines Kind vorbehaltlos auf neues und fremdes zugehen und selber die Erfahrungen sammeln die nötig sind um groß zu werden.

  5. Timo says:

    was hier in den Kommentaren nun alles in die Piratenpartei reininterpretiert wird, ist schon sehr abenteuerlich. Das wäre ja, als ob man eine philosophische Abhandlung über ein Stück Brot schreiben würde.

    Könnte das Brot denken, dann würde es sich kaputt lachen. Kann es aber nicht.

  6. bhrgero says:

    @johnny ich kann nicht für mspro antworten, aber ich glaube die frage ist falsch gestellt. es geht nicht darum, ob man politik machen kann, ohne sich mit politik zu beschäftigen, sondern, ob man politik machen kann und sich trotzdem von im letzten jahrhundert geformten und gefestigten blöcken und denkmustern zu entfernen.

    das gilt für die, mit vehemenz gepflegte einteilung der welt in rechts und links rot und schwarz und braun, genauso wie die vorstellung, dass grundlegende veränderungen der gesellschaft aus einer linken (nach unserer defintion von links) tradition erfolgen muss. oben vielen schon worte wie anarcholiberalismus, ich sehe bei den piraten im grundansatz eine progressiv libertäre ausrichtung und dann hat sich das auch schon mit den politischen einordnungen. es ist zeit für neue ansätze.

    worthülsen hin oder her. die welt ist zu komplex für links oder rechts. man kann auch fortschrittlich sein, ohne marx gelesen zu haben, man kann die welt auch zu einer besseren verändern, ohne immer wieder die gleichen alten konzepte hervorzuholen. im grunde wäre das nämlich zutiefst konservativ.

    nazis bleiben gefährliche idioten, aber alles andere muss in einer starken demokratie seine berechtigung haben. d.h natürlich auch, dass man sie argumentativ bekämpft und alternativen zeigt. denk oder interview-verbote helfen da nicht weiter, sondern stärkt am ende zeitungen wie die JF, die aus dem wohl kalkulierten aufschrei kapital schlagen.

    ich bin durch die sozialisation des palituchtragenden antifamitglieds gegangen und habe mich immer als linker mit radikalem einschlag gesehen und vor jahren wäre ich wegen des JF interviews an die decke gegangen. inzwischen akzeptiere ich, dass es sie gibt und finde wichtig, dass auch meinungen, die so weit weg sind von meiner, ein medium haben. das gilt auch für die volliodioten von pi-news usw. die kämpfe müssen geführt werden und die meinungen geäussert.

    oben ein schönen satz gefunden: “Die Meinungsfreiheit die ich meine, ist nicht nur meine.”

    da bin ich ganz bei herrn chomsky.

  7. Daniel says:

    Du triffst den Punkt sehr gut. Danke dafür!

  8. Timo says:

    @Daniel:
    “Die Piraten überwinden alte, ideell besetzte politische Diskussionen. Wer auf dem Boden unserer demokratischen Verfassung steht, egal ob links oder rechts, ob kapitalistisch oder anti-kapitalistisch, ob Frau oder Mann, ist herzlich eingeladen an der neuen, freiheitlichen, entpolitisierten (sic!) Politik mitzuwirken.”

    Du hast da einen Widerspruch drin. Entweder macht man eine freiheitliche Politik. Dann ist man mitten drin in den Diskursen und allem. Es geht sehr weit um die Freiheitsfrage. Schau Dir mal die Linke und die FDP, denen geht es beiden um Freiheit. Diese Bewegung wird sich noch sehr weit dem Wert der Freiheit auseinandersetzen müssen. Ein anderes Beispiel dafür wäre, das schon fast konservative Berufen auf das Grundgesetz. Das funktioniert mit Sicherheitsgesetzen, die schnell durchgebracht werden vielleicht noch halbwegs. Aber wie sieht der eigene Gestaltungswille in Bezug auf die Umsetzung des Grundgesetzes aus?

    Oder aber man macht eine entpolisierte Poltik, das ganze nennt sich dann aber eher Technokratie als Demokratie. Da gewinnt nämlich derjenige mit den vemeintlichen besseren naturwissenschaftlichen Begründungen. Aber angesichts der immer gegebenen Falsifizierbarkeit sollten diese nicht Grundlage einer Politik darstellen.

  9. acid says:

    @Timo Wenn du Freiheit als “Freiheit der Information” definierst, dann ist in Daniels Aussage nicht mehr wirklich von einem Wiederspruch zu reden.

  10. acid says:

    PS:
    Aber das ist ja eigentlich immer das Problem bei den Begriff Freiheit. Das man ihn benutzt ohne vorher definiert zu haben, was man damit eigentlich meint. Ich halte mich da gerne an Schopenhauer, aber das ist dann schon wieder eine ganz andere Baustelle ;)

  11. [...] um die Frage, wie die Reaktionen der Piraten zu bewerten seien. Und dies ist nicht nur eine rein theoretische Debatte um Meinungfreiheit und neue politische Grenzen. Es gibt eine Strategie der Rechtsextremen – von der NPD “Kampf um die Köpfe, Kampf um die [...]

  12. tanine says:

    Die Schlagworte, unter anderem Freiheit, haben nicht ohne Grund ‘während’ der Französischen Revolution nochmals zu Problemen und dann Scheidungen innerhalb der Revolutionäre geführt.
    Begriffe sind Begriffe und es geht vielmehr um die Definition dessen, was man dann möchte. So gibt es durchaus Freiheiten, die sich gegenseitig sogar teils ausschließen könnten. ;)

  13. Timo says:

    @acid:
    Zum einen das Problem ist, dass es auf die Definition ankommt. Aber Information ist kein Rechtssubjekt. Information kann im Rahmen einer rechtsphilosophischen Überlegung nicht frei oder unfrei sein.

    Aber jenseits von diesen recht abstrakten Überlegungen, die ich gerne mal von einem der “Piratenwähler”-Kommentatoren lesen würde, möchte ich darauf hinweisen, dass die Piraten anscheinend keine Ahnung haben, dass manche sie gerne entern würden. Ich hab das ganze mal hier aufgeschrieben, denn das sprengt den Umfang eines Kommentares:

    http://imazineblog.wordpress.com/2009/09/17/die-piraten-und-die-nazis/

  14. El Tres says:

    FACK

    Um es in den Worten einer noch älteren Revolution zu sagen: Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.

  15. Erik says:

    etwas billig, einfach zu sagen, wir machen was neues und deswegen müssen wir uns mit dem “alten” nicht auseinandersetzen. klingt eher nach ausflucht, als nach argument. dass eure “lebensrealität” nichts mit den sozialen kämpfen und den problemen der bevölkerungsgruppen, die diskriminiert usw werden, zu tun hat, glaube ich sofort. wer gesellschaftliche probleme auf den umgang mit dateien begrenzt und nicht die realen gesellschaftlichen besitz- und machtverhältnisse als problem sieht, der kann sich dann mit seinem total super neuen politikansatz im bauchnabel kratzen; und immer schön die festplatte abstauben und die tastatur am wochenende waschen.

  16. Och @Timo. Wir sind vielleicht manchmal naiv, aber komplett geistig umnachtet sind wir nicht. Die Links zu den entsprechenden Pro-NRW und NPD Diskussionen sind schon vor Urzeiten durch Piraten Tweets und Forenbeiträge gegeistert. Wir sind uns völlig bewusst dass man uns gerne unterwandern möchte. Wir wehren uns gleichmassen gegen Extremrechts wie Extremlinks.

  17. E. Katze says:

    Schön geschrieben – nur finde ich, dass ein Durschnittsalter von 31 Jahren für eine Partei zwar relativ jung für eine reine Jugendbewegung aber etwas alt ist. Oder?

  18. Timo says:

    @Francis Drake:
    leider hat mir dieses Bewusstsein bei einem der Großteil, der Kommentatoren, die Andreas Popp verteidigt haben haben und das ganze garnicht so schlimm fanden, gefehlt.

    Und selbst Du stellst rechtsextrem und linksextrem einfach so nebeneinander. Welche sind denn gefährlicher, welche sind diskursfähig von ihrer Grundannahme her?

  19. acid says:

    @Timo
    Aber der Zugang und die erlaubte Verwendung dieser kann frei oder unfrei sein.

    @Erik
    So ähnlich war auch meine erste Reaktion, als ich das alles verstanden hatte. Denn auch ich sehe darin unser größtes Problem. Aber ich glaube nicht, dass die Bewegung darum kommen wird, sich mit diesen Problem zu beschäftigen. Nur aus einem ganz anderen Blickwinkel.

    Ich stelle die These auf, dass wir, wenn wir wirklich dieses Informationszeitalter der Informationsfreiheit in der breiten Masse erreicht haben, einen zweite Aufklärung vollzogen haben werden. Und es besteht die Hoffnung das die aktuellen Machtmechanismen in diesem Zuge unwirksam wurden.

    Ich bin dabei, zugegebenermaßen, skeptisch und denke, dass wir eine Bewegung der Menschlichkeit brauchen. Eine Bewegung, die die globale Ausbeutung freudig bekämpft indem sie aufklärt.

    Mal schauen, was die Zukunft so bringt. Wir leben in spannenden Zeiten,,,

  20. @Timo: Diskursfähiger? Ich sehe keine massgeblichen Unterschiede zwischen der Extrem-Linken und der Extrem-Rechten.

    Beides für mich völlig inakzeptabel. Ich bin z.B. Antifaschist und wenn mir eins so richtig auf den Sack geht, dann die “Antifa”. Ich bin für Gleichberechtigung und Chancengleichheit. Und wenn mich eins auf die Palme bringt dann FeministInnen…

    Ich bin Antifaschist und gegen ein Verbot der NPD. Weil mir der braune Mob im Untergrund noch viel unangenehmer ist, als wenn er sich auf dem politischen Parkett öffentlich blamiert.

    Und ich finde es ebenso “nicht so schlimm” einer Linken oder Rechten Zeitschrift ein Interview zu geben. Mir wäre nur lieber gewesen von Andi ein ähnliches Statement zu lesen wie von Jens Siepenbusch.

  21. Timo says:

    @acid:

    Noch nicht ganz, unser Grundgesetz gewährt jedem Bürger das Recht sich frei aus allgemein zugänglichen Quellen zu informieren. Es handelt sich um ein Handlungsrecht von Bürgern. Die faktische Umsetzung erfolgt erst im zweiten Schritt.

    Als analoages Beispiel, sei die Freizügigkeit angeführt. Jedes natürliche Rechtssubjekt hat das Recht sich frei im ganzen Staatsgebiet zu bewegen. Allerdings hat auch auch jedes Rechtssubjekt das Recht auf Eigentum und die Unverletzlichkeit der Wohnung. Sprich im öffentlichen Raum darf man sich frei bewegen. Aber man darf sich nicht beim Nachbarn ins Wohnzimmer setzen und sagen: “Schaut mal hier Freizügigkeit. Das steht im Grundgesetz. Ich darf hier sein.”

    Um wieder auf die Informationen zurückzukommen, man hat nicht das Recht geschützte oder verbotene Informationen zu beziehen, denn dieses Recht gilt nicht für alle Informationen.

    Diesen Unterschied meinte ich.

  22. Timo says:

    @Francis Drake:
    Diese Nicht-Unterscheidung finde ich schon äußerst bedenklich.
    Erster Satz des NPD-Grundsatz-Programmes:
    “Volkstum und Kultur sind die Grundlagen für die Würde des Menschen.”

    Das ist komplett indiskutabel und schließt die Partei aus jedem demokratischen Diskurs aus. Im Gegensatz zu der Linksextremen verknüpfen sie den Begriff der Menschenwürde mit Bedingungen. Die Menschenwürde ist allerdings ein Begriff, der auf verschiedene Arten hergeleitet werden kann. Die Begründung liegt im Menschsein selber.

    Worum es mir geht, ist folgendes, all diese Dinge sind seid langem bekannt und vielfach diskutiert, aber ein Großteil der Piratensympathisanten, haben sich nicht ernsthaft damit beschäftigt und das führt zu einem gefährlichen Unwissen.

  23. [...] @mspro: ich hab mal wieder über die #piraten geschrieben: http://mspr0.de/?p=891 – philosophisch lesenswert – merci [...]

  24. @Timo Dass eine Horde sehr junger bisheriger Nichtwähler politisch nicht sehr geschult ist verwundert Dich? Kritisierst Du jetzt die “unwissenden” Sympathisanten oder die Piratenpartei? Ersteres ist völlig legitim, nur wird in der Diskussion genau das getan: Man wirft “der Partei” ihre Sympathisanten vor…

    Über das NPD Grundsatzprogramm müssen wir hier nicht diskutieren. Alleine der Begriff “Volkstum” bringt mich schon zum kotzen.

    Und was Gefahr von Extrem-Links angeht: Ca. 20 Millionen Opfer Stalins sind nix, oder was?

  25. tux. says:

    Mit Palitüchern würde ich nicht hausieren gehen, sie sind ein weiteres Zeichen der Massenmörder (empfehle die Lektüre ob ihres Ursprungs). Und: Nein, “linke” Information ist nicht automatisch “gute” Information. Mal Indymedia gelesen?

  26. memyselfandi says:

    Die dummdreisten Nazi-Vorwürfe sind einfach nur noch ermüdend und ob ihrer Lächerlichkeit kaum noch eines Kommentars würdig. Ich habe auch noch nicht einen einzigen Piraten getroffen, der auch nur ansatzweise mit rechtem Gedankengut sympathisiert – und die paar Spinner, die es tun, werden sich bald trollen, weil sie sich bei uns nicht verstanden fühlen werden.

    Der einzige Vorwurf wäre höchstens, dass wir so gut wie alle Politik-Neulinge sind und wohl noch in den einen oder anderen Fettnapf treten werden.

    Die andere Dämlichkeit mit der man uns immer wieder belästigt, ist diese völlig alberne Geschlechterdebatte. Meine Güte, kapiert es endlich, es macht bei uns keinen Unterschied, ob Frau, Mann, Transgender oder sonst dergleichen, und das kann ich jeweils alles aus persönlicher Erfahrung sagen. Erste Hand, nix Pressetext, einfach so, wie es bei uns praktiziert wird.

    Wir haben wichtige Ziele und Ideen und müssen auf vielen Gebieten noch Kompetenzen sammeln und zu gemeinsamen Standpunkten finden, warum sollen wir uns mit Geschlechterproblemen irgendwelcher Moralspinner herumschlagen?

    Es ist einfach so lächerlich, Gleichberechtigung und Gleischstellung verlangen, und sobald man sie praktiziert rumjaulen, dass das ja so nich ginge, man müsse schon auch ständig diese Gleichstellung demonstrieren, am besten indem man Frauen und Männer gleich mal verschieden anspricht, weil sie ja so gleich sind…

  27. tux. says:

    Noch kurz zu memyselfandi: Solche Kommentare sind der Grund, weshalb ich persönlich Piraten wählen werde und die Partei voll und ganz unterstütze. Natürlich fallen immer nur die Schreihälse auf; die Basis ist ganz anders. Danke hierfür.

  28. Adrian Lang says:

    Was ist deiner Meinung nach der Vorteil dieser theoriefeindlichen Haltung? Welcher gesamtpolitische Wert entsteht aus der Ablehnung, ja Verneinung dieser Diskurse? Ich sehe hier Leute, die aus Egozentrismus eine Weltanschauung machen. Wo können die irgendwas leisten? In der Realpolitik werden sie gnadenlos scheitern und schneller angepasst als in Parlamenten sein. Für alle anderen Politikbereiche haben sie nichts beizutragen.

  29. Timo says:

    @Francis Drake: Was ich kritisiere ist folgendes, dass bei den meisten Anhängern der Piratenpartei, nicht die Frage aufkommt, weshalb so dermaßen scharf auf solche Aktionen reagiert wird. Stattdessen wird sich in eine Trotzecke zurückgezogen und gesagt, man gegen das alte Parteiensystem und für absolute Meinungsfreiheit. Und es sei ja undemokratisch nicht mit der JF oder sonst wem zu reden.

    Weshalb finde ich partout keine anständige, kritische innerparteiliche Auseinandersetzung zu Popps und Seipenbuschs JF-Interviews im Internet? Die Kritik kommt halt von aussen, und gegen aussen wird zurückgestänkert. Dazu dieses kleine Fundstück:
    http://qrios.wordpress.com/2009/09/17/a-blogger-sind-auch-nur-trolle/

    Doch es sollte gerade über das NPD-Grundsatz-Programm oder die Weltsicht der rechten geredet werden, denn darin liegt es begründet, dass man sich mit ihnen nicht unterhalten kann. Sie leugnen die Grundlagen aller Menschenrechte. Die JF übrigens durch die Blume gerne auch mal.

    Und das ist der Unterschied zur linksextremen Seite, es halt wohl keiner von denen vor den Stalinismus wiedereinzuführen, aber sie leugnen nicht voller Breite die Menschenwürde und die Grundrechte. Solche historischen Vergleiche bringen nichts und sind saugefährlich. Es gibt kein Messen für Leid und Zahlen alleine sagen nichts aus. Es geht um Werte.

  30. [...] wie es jetzt geregelt wurde, fühlt sich jeder in der Partei zwar unheimlich geil, weil er Demokratie macht usw., aber die Außenwirkung ist erschreckend. Und zwar erschreckend erschreckend. Gerade in der [...]

  31. Sebastian says:

    Auch wenn es bei den Piraten nicht in nennenswertem Umfang Sympathien für die politische Rechte gibt, muss man dieser nicht den Gefallen tun, ihr dabei zu helfen, ihre rechte Agenda mit dem Begriff “Freiheit” zu verbrämen, wie es von der “Jungen Freiheit” über Organisationen wie die “Freiheitliche Jugend” oder Österreichs (“Freiheitliche”) FPÖ bis hin zu Organen wie “Politically Incorrect” oder “Eigentümlich frei” üblich ist. Wenn Piraten einen Text bejubeln, weil der vor Bezügen auf “(Meinungs-)Freiheit” strotzt, und dabei aufgrund von Unerfahrenheit nicht mitschneiden, dass dieser Text lauter bekannte neurechte Klischees herunterbetet, dann heißt das nicht, dass diese Piraten rechts sind. Trotzdem ist es selbstverständlich, dass man ein Problem damit hat, wenn man mit den Piraten sympathisiert, die rechten Klischees aber abstoßend findet und damit nichts zu tun haben will. (Und bevor wieder der bekannte “Gedankenpolizei”-Käse kommt: Es handelt sich einfach um eine freie und begründete Entscheidung, mit bestimmten Leuten und Politiken nichts zu tun haben zu wollen.)

    Dass “wir” etwas Älteren aus Perspektive mancher Jüngerer “alte Meckerköppe” sind, mag sein, aber was folgt daraus? Dass alles falsch ist, was wir sagen, wohl kaum. Natürlich wäre es verfehlt, von den Piraten zu erwarten, dass sie eine Revolution anstoßen, wie einige Ältere sie sich wünschen. Es ist aber nicht verfehlt, zu erwarten, dass sie die sozialen und politischen Auseinandersetzungen, an denen diese Älteren beteiligt waren, halbwegs auf dem Schirm haben. Sie prägen nun einmal die politische Landschaft, ob man das gut findet oder nicht. Und zwischen “sich für Diskurse interessieren” und “Dogmen übernehmen” ist ein himmelweiter Unterschied. Letzteres kann man selbstverständlich nicht verlangen, ersteres von politisch Aktiven auf jeden Fall.

    Was die Entscheidung zwischen absoluter Freiheit und absoluter Kontrolle angeht, finde ich zunächst einmal abenteuerlich, einfach so zu behaupten, es gebe keine Zwischentöne, also keine relative Freiheit/Kontrolle, ohne das irgendwie zu begründen. Aber das mal beiseite. Wenn wir uns bei dieser Alternative also für die Freiheit entscheiden, folgt daraus ja wohl eine höhere Verantwortung für die Bürger und Mediennutzer, Informationen selbst zu bewerten, zu gewichten und zu selektieren, weil man ja keine Aufsichtsbehörden dafür hat und haben will. Und das wiederum heißt gerade nicht, nun alles gut finden zu müssen, was irgendwer irgendwo schreibt, sondern es heißt, dass man widerspricht, wenn man etwas für falsch oder gefährlich hält.

    Im Sinne der Freiheit könnte man zum Beispiel diskutieren, das Verbot der Holocaustleugnung abzuschaffen, weil man davon ausgeht, dass eine freie Gesellschaft solche Lügen selbst entlarven kann und wird. Aber das verlangt gerade, dass man ihnen entschieden entgegentritt, anstatt sich zu verkriechen und die Klappe zu halten, weil man nicht als “alter Meckerkopp” dastehen will.

    Dass die Piraten nicht “in die alten Raster passen”, liegt einfach daran, dass sie eine junge und sehr heterogene Bewegung sind, deren politische Identitätsbildung erst am Anfang steht. Wenn sie sich fest etabliert, wird auch diese Identität greifbarer und artikulierter werden, und dabei wird sie auch auf bekannte Diskurse zurückgreifen müssen, weil sie nicht von heute auf morgen absolut neue Begriffe und Denkmodelle in Bezug auf Politik und Gesellschaft erfinden kann. Und mittelfristig wird eine eventuelle Zusammenarbeit von Rechten und Linken in der Piratenpartei schon daran scheitern, dass diese einander nicht mögen und sich über vieles nicht werden einigen können. Ob dann eher rechte, linke, mittige, liberale, buddhistische oder was weiß ich für Positionen sich durchsetzen und zu welchen Anteilen, ist offen.

    Deswegen ist der derzeitige Streit inklusive Widerspruch nützlich und wichtig und sollte nicht mit Phrasen über “ganz andere Lebenswirklichkeiten” abgetan werden. Wer eine Partei gründet und in die Politik geht, will seine Lebenswirklichkeit ja nicht für sich behalten, sondern ihr politische Geltung verschaffen. Das ist völlig ok. Es ist aber nicht mit dem Anspruch vereinbar, sie für unantastbar zu erklären. Sie ist dann nicht mehr einfach “die Wahrheit”, wie man es sich im Privaten noch erträumen kann, sondern steht zur Diskussion.

  32. [...] nicht mitzumachen, wenn es darum geht, zu definieren, was politisch korrekt ist, und was nicht. Wie Mspro richtig erkannt hat, hat die Piratenpartei kulturell überhaupt nichts mit der alten linken, mit Beißreflexen, [...]

  33. Thaniell says:

    @Timo: Aus meiner Sicht findet diese Diskussion über die Rechte nicht (so öffentlich) statt, weil sich die Piraten sehr wohl bewusst sind warum man keine Nazis an die Macht bringt und warum deren Denke verachtenswert ist.
    Viel mehr ärgert es dass ständig versucht wird die Piraten in die rechte Ecke oder in ihre Nähe zustellen, weil unsere ach so offene Gesellschaft einen Verachtungsreflex hat, der dem eigentlichen Ziel – nämlich solche Schandtaten wie vor 50 Jahren begangen zu verhindern – mehr schädlich als nützlich ist. Ein Teil der Rechten ist rechts oder wählt rechts, weil es vollen Herzens Arschlöcher mit selbstbefriedigendem Weltbild sind, ein Teil tut das aber auch nur deshalb, weil die Rechten Bedürfnisse befriedigen oder Hoffnung geben – jenen kann evtl. auch anders und weniger gesellschaftsschädlich geholfen werden.

    Wir können das aber gern mal empirisch austesten. Geh auf den dir nächstgelegenen Piratenstammtisch und fordere dort ‘Arbeit nur für Deutsche’. Du wirst im Gegensatz zum nächstbesten Antifa-JUZ wohl nicht verprügelt werden (weil bist ja immrr noch ein Menschen, von wegen Menschenwürde und so), aber ich bezweifle dass du auch nur ein zustimmendes Yarr! hören wirst.

  34. @Timo: Du findest keine innerparteiliche Auseinandersetzung zu dem Thema? Oder ist es einfach so, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema einfach nicht in der von Dir gewünschten Richtung stattfindet?

    Was ich zur Zeit bemerke, ist eher folgendes: Zu Beginn der Debatte wunderten sich viele, dass nicht in einem Satz auf den Inhalt des Interviews eingegangen wurde (zur Erinnerung: Klare Absage an Rechts). Dann wurde heftigst von aussen polemisiert und weitestgehend ohne fundierte Argumentation proklamiert “mit denen spricht man einfach nicht, weil das so ist. Basta” Es kamen noch ein paar ebenfalls nicht zu belegende Argumente, dass man damit die Rechten “aufwerte” und “hoffähig” mache. Da gipfelte dann in dem Vorwurf die Piratenpartei sei “nicht diskursfähig”. Aha. Nicht diskursfähig? Aber den Piraten verbieten wollen Diskurs zu führen? Interessant.

    Nun ergibt sich wiedermal (schon da gewesen bei der leidlichen “Piraten sind Sexisten und frauenfeindlich weil sie kein Binnen-I oder Gender Gap mögen und so wenig Frauen in der Partei sind” Debatte) eine Wendung:

    Immer mehr Leute positionieren sich pro Dialog und Diskurs auch mit dem extremen politischen Rand. Die Strategie von Links, die Piraten in die Rechte Ecke zu drängen (während die Rechten uns übrigens in die linke Ecke drängen wollen) geht nicht auf. Im Gegenteil. Unsere Mitgliederzahlen explodieren und viele Leute überdenken ihre ehemalige fremdvorgedachte und vorgekaute Meinung “Mit denen redet man nicht”.

    Hat die Linke damit nun erreicht was sie vorgehabt hat? “Ihre” Wähler vorm Abwandern zu den Piraten zu schützen?

    Dann aber noch eine Information für Dich, was die “innerparteiliche” Diskussion angeht: Es wird massiv diskutiert darüber zur Zeit. Nur findet diese Diskussion nicht in Flamewars, via Tweets und in Kommentaren statt, sondern an Piratenstammtischen, in Telefonaten, Mails etc. Glaub man nicht, dass wir alle völlig naiv und gleichgeschaltet sind. Wir haben eine sehr ausgeprägte Diskussionskultur in der Partei.

  35. josef der philosoph says:

    Hier mal eine wirklich gut gemachte Onlinekampagne gegen Netzsperren und Überwachung: http://www.youtube.com/watch?v=MT0e2XMtV3U

    lg, j

  36. [...] schafft es trotz staendiger Besaeufnisse, das ganze Thema mit weniger Kraftausdruecken und mehr Verstand niederzuschreiben. Sein Blog fuettert er ja nicht oft, aber wenn er schreibt, gefaellt mir das. Auch wenn er nicht [...]

  37. 1980 says:

    Weisst Du, ich stamm aus einer Generation, die es eigentlich ganz witzig fände, wenn man bei der Bundeswehr wieder im Stechschritt marschieren würde. Mumpitz hat schon was. Der spiessige Antiliberalismus der Antifa, der sich an Oberflächlichkeiten entzündet, geht auf den Senkel. Relevant ist das alles nicht. In den USA hetzen rechte Spinner sogar zur besten Sendezeit und das alles schadet der amerikanischen Demokratie bislang nicht wirklich, weil es da wohl genauso wie in einer entwickelten und gefestigten Demokratie wie unserer keine Totalität der Anständigkeit und Tyrannei des Konsens braucht. All diese Leute kann man eigentlich aushalten weil sie so fern der Macht stehen.

    Relevant ist die Schwarze Pest und ihre Politik des Mittelmaßes, die sich nicht um die Verteidigung unserer Freiheiten schert, die bei Bill Gates anruft um sich in IT-Politik beraten zu lassen, statt den Kampf um die Kontrolle um die digitalen Ressourcen mit den entfesselten Multis aufzunehmen und unsere Freiheiten gegen die Begehrlichkeiten der Rechteverwerter zu verteidigen. Merkel braucht sich das Internet gar nicht ausdrucken zu lassen, dass sie die nächste Kanzlerin ist, das steht ja sowieso schon fest. Wozu also wahlkämpfen. Gegen eine solche Beleidigung unserer Demokratie wird plötzlich sogar ein Schmierenschauspieler der FDP zum Massenkristall und Hoffnungsträger, als sei man durch die Finanzkrise nicht genug bestraft.

    Die Grünen sind nicht glaubhaft mehr als progressive Kraft und melken ihre Stammwähler, Parteimitglieder werden mit ätzenden Genderdiskursen gelangweilt. Wer in der Partei aufsteigen will, hält am besten bei den Themen anderer die Schnauze. PDS ist die neue SPD und Rentnerpartei. SPD irrelevant, für die nur spricht, dass sie nicht die CDU ist.

    Und dann die Rechten… sicherlich nicht die Mannschaft, die man gerne in Amt und Würden hätte. Wo es ihnen doch gelingt, gibt es den zu erwartenden Querulanten-Zoff.

    Nun kommen die Piraten und konzentrieren sich genau auf das, was mir thematisch wichtig ist, und wo bei den etablierten Parteien Fehlanzeige ist. Keine “Protestpartei” aber die Rechtsrisiken von Abmahnung und Patenten hätte ich doch gerne politisch gelöst. Sicherlich gibt es auch noch viel mehr Themen, der sie sich annehmen werden. Der einzige Grund gegen die Piraten zu stimmen, ist die 5% Hürde, dass sie es nicht schaffen könnten. Eigentlich Zeit, die mal abzuschaffen. Vor allem bei Europawahlen.

    Das Spannende finde ich nicht den Denunziantenklassiker um Rechtskontakte. Das Spannende ist, welche Themen die Piraten nach der Wahl für sich entdecken werden, die Programmdiskussion, und ob es gelingt die Partei im Bereich 30 000+ Mitglieder in der Breite aufzustellen als eine nachhaltige politische Kraft in Deutschland. Diesen Sommer ist bei den Piraten alles richtig gelaufen. Egal wie es weitergeht, die nächten 4 Jahre werden vor allem für die Opposition spannend.

    Also: gut für Deutschland. gut für mich. …Und doch gibt es wieder Merkel. Merkel ist die neue Kohl. Wie wird man Kanzler? Erst als Quotenossi Gedönsministerin werden, dann warten wie sie sich alle die Köppe einschlagen, und inhaltlich unauffällig bleiben, dann Kanzlerin ohne eignes thematisches Profil werden.

  38. tschill says:

    1980: “Relevant ist das alles nicht.”

    Das würden Sie vermutlich anders sehen, wenn sie mit der falschen Physiognomie durch die bestimmte Teile Brandenburgs gehen müßten. Aber he! Wozu weiter denken als das DSL-Kabel reicht?

    Francis Drake: Die Piraten sind nicht wegen eines Binnen-Is sexistisch, sondern weil sie die bestehende Geschlechter-Ungleichheit ignorieren und damit zementieren. Ja, schön, daß ihr euch alle gleichberechtigt um den Piratenstammtisch kuschelt. Aber 5,6% der männlichen Arbeitnehmer verfügten 2006 über ein Bruttoeinkommen von mehr als 5800 Euro, aber 0,8 der weiblichen. Wohlgemerkt, da sind nicht mal die glücklichen Hausmütterchen mit drin, sondern nur die Arbeitnehmer in toto einbezogen.

  39. 1980 says:

    “Das würden Sie vermutlich anders sehen, wenn sie mit der falschen Physiognomie durch die bestimmte Teile Brandenburgs gehen müßten.”

    Agitation ist ja ganz schön aber hat Bart. Welcher Wanderer zieht denn durch Brandenburg, dass ihm die dagebliebenen Heuler auflauern? Hast Du wirklich das Expriment gewagt oder ist das nur ‘ne Wild Ost Story.

    Ich habe kein Bruttoeinkommen über 5800 Eur und definiere mich nicht primär über Einkommen. Vielleicht wählen Frauen keine Jobs, die besser bezahlt sind. Ich glaube, dass der Marktmechanismus funktioniert. Wenn Frauen bei gleicher Leistung billiger sind, stell ich die doch ein. Denn nur das Ergebnis soll zählen, ohne Ansehen der Person. Andernfalls hätte der Kapitalismus einen irrationalen Drall, dass er nach Geschlecht diskriminiert. Dass der sich um Geschlecht statt um den Mammon schert, wäre ja schön. Leider weiss man ziemlich verlässlich, dass es da nur ums Geld geht.

  40. Pffffff. Man hat uns Sexismus und Antifeminismus vorgeworfen aufgrund der von mir genannten “Argumente”. Und auch Du wirfst uns vor, dass wir die “bestehende Geschlechterungleichheit ignorieren” würden. Und Deine Zahlenspielerei ist ja klasse… Verdienen denn Frauen in den gleichen Positionen wie Männer weniger? Das wäre eine Ungerechtigkeit. Und Du meinst ernsthaft, dass Piraten da Beifall klatschen? Neh neh. Die ganze Diskussion wird völlig an einander vorbei geführt. So wie auch jetzt die “sprich nicht mit den Schmuddelkindern sonst bist Du ein Nazi” Diskussion. Die ganze Gender-Debatte ist Tot wie’n Türstopper….

  41. tschill says:

    1980: Eine Hochzeit, bei der ich Gast war, wurde vor zwei Jahren von den örtlichen Nazis überfallen, weil sie aus der Band, die dort spielte, schlußfolgerten, es sei eine Türkenhochzeit. War es nicht, ist auch egal. Deine Abwehrleistung ist aber genauso perfekt wie die der Dorfbewohner.
    Und genau: Frauen wählen die schlechter bezahlten Positionen, weil ihnen da genetisch was fehlt.

    Francis Drake: Man sieht, was man weiß. Deine Frage “Verdienen denn Frauen in den gleichen Positionen wie Männer weniger?” ist beredtes Zeugnis dafür.
    Aber selbst, wenn Frauen das gleiche verdienen würden wie Männer – was würde das wohl bedeuten? Genau – sie landen auf Positionen, die nicht so gut bezahlt werden. Und auch das ist belegt. Im Medizinsektor stellen die Frauen konstant 60% der Studenten zu Beginn. Bei den Professoren sieht das Verhältnis ca. 9:1 aus. Für die Männer. Warum wohl?
    Ihr Piraten müßt euch da schon Gedanken zu machen. Entweder “Die ganze Gender-Debatte ist Tot wie’n Türstopper…” (seltsame Metapher btw) oder ihr applaudiert diesen Prozessen, indem ihr sie ignoriert. Eure Entscheidung.

  42. 1980 says:

    “Frauen wählen die schlechter bezahlten Positionen, weil ihnen da genetisch was fehlt.”

    Wohl kaum.

    Ich musste Wehrdienst leisten. Frauen müssen das nicht. Ist das nicht ungerecht, dass man die Zeit verliert, auch wenn es nicht mehr so viel ist? Warum gibt es die Dienstpflicht nur für Männer?

    Frauen leben statistisch viel länger. Ist das nicht ungerecht? Muss die finanzielle Ausstattung der Medizin für Männer besser werden?

    Welcher Mann kann sich wegen seines Aussehens durchnieseln?

    Welcher Mann kann es sich leisten 10 Jahre nicht im Beruf zu sein und dann wieder eine Stelle zu finden?

    Welche Frau akzeptiert, dass ihr Partner nicht arbeitet?

    Welcher Mann wird im öffentlichen Dienst nur deshalb vorgezogen bei der Besetzung einer Stelle, weil er ein Mann ist?

    Welcher Mann im öffentlichen Dienst kann sich als Männerbeauftragten von seiner eigentlichen Tätigkeit, für die er bezahlt wird, freistellen lassen?

    usw.

  43. tschill says:

    Ich musste Wehrdienst leisten. Frauen müssen das nicht. Ist das nicht ungerecht, dass man die Zeit verliert, auch wenn es nicht mehr so viel ist? Warum gibt es die Dienstpflicht nur für Männer?

    Klar. Dienstpflicht müßte abgeschafft werden. Aber wo kommen dann die Leute her, die Frau Merkel in zukünftigen Afghanistans verheizen kann? Eine politische Entscheidung, keine natürliche Gegebenheit. Schon gar keine, die FeministInnen unterstützen.

    Frauen leben statistisch viel länger. Ist das nicht ungerecht? Muss die finanzielle Ausstattung der Medizin für Männer besser werden?

    Deshalb gibt es von der Natur einen männlichen Säuglingsüberschuß. Und wenn wir das mal einwerfen dürften – vielleicht sollten die Männer einfach mal zu ihren gesundheitlichen Problemen stehen und, wie Frauen, zu Vorsorgeuntersuchungen gehen. Aber nein, wir sind ja so viel stärker, weil wir keine Schwächen zeigen.

    Welcher Mann kann sich wegen seines Aussehens durchnieseln?

    Herr Guttenberg? Excuse moi, von Guttenberg natürlich.

    Welcher Mann kann es sich leisten 10 Jahre nicht im Beruf zu sein und dann wieder eine Stelle zu finden?

    Welche Frau kann das, wenn sie sich nicht durch Gebärleistung legitimieren kann?

    Welche Frau akzeptiert, dass ihr Partner nicht arbeitet?

    Etliche. Aber was ich aus meinem Umfeld kenne – welche Firma erlaubt das? Und wieviele Männer erlauben sich das, ohne von ihrem Umfeld als Weichei belächelt zu werden?

    Welcher Mann wird im öffentlichen Dienst nur deshalb vorgezogen bei der Besetzung einer Stelle, weil er ein Mann ist?

    In höheren Stellen? 90%. Glaub mir, ich weiß, wovon ich rede. Ich kenne die Bagage.

    Welcher Mann im öffentlichen Dienst kann sich als Männerbeauftragten von seiner eigentlichen Tätigkeit, für die er bezahlt wird, freistellen lassen?

    Freistellen lassen? Die innerbetrieblichen Frauenbeauftragten machen das neben ihrer eigentlichen Arbeit. Im übrigen gibt es sogar Männer in dieser Position. Seltsam, aber so steht es geschrieben.

  44. hunn0r says:

    apropos tocotronic.. arne zank wollte gestern keinen “und alle so yeaahh” zettel haben. (ich denunziant)

    ansonsten: vielleicht ist die welt für eine einteilung in links-rechts einfach zu kompliziert und global geworden? vielleicht wurde die generation von ganz anderen dingen geprägt und kann mit den begriffen links/rechts auch kaum noch was anfangen? ich glaub, die meisten leute könnten nicht mal klar erklären, was genau jetzt links oder rechts sein soll. dann kann man auch auf so einen wischiwaschi-begriff verzichten, an dem sich die leute nur irgendwie profilieren wollen, oder nicht?

  45. Manuel says:

    danke

  46. [...] wenn nicht am #talklikeapirateday sollte man das hier von @mspro verlinken? http://mspr0.de/?p=891 [...]

  47. jupp says:

    O mann Leute, wenn ich mir diesen verkopften Diskurs hier ansehe… Ne, ehrlich: mit Nazis redet man nicht, denen gibt man auf die Fresse. Egal ob der “politische Diskurs von morgen längst auf anderen Ebenen stattfindet”.

  48. Siegfried says:

    “Auf die Fresse” ist unisono Jargon und Handlungsweise der Nazis, Spontis, Antifa, Hooligans, Prolos, … Das macht sie alle gleich und alle gleich unmöglich und alle gleich abzulehnen.

    Der politische Diskurs als ein Prinzip der Demokratie kann eben nicht einfach mal so für Diesen oder Jenen ausgehebelt werden. Das sind die gleichen Mittel wie die von Schäuble, der unsere Grundrechte verteidigt, indem er sie zerstört. So geht das nicht.

    Was hier wohl häufig verwechselt wird, ist der politische Diskurs auch mit den Rechten auf der einen Seite und das Kompromisse suchen mit oder gar Anbiedern bei den Rechten andererseits. Der Politische Diskurs beinhaltet gegenüber den Rechten auch eine deutliche Abgrenzung sowie eine besonders deutliche Vertretung ganz anderer Positionen in Wort und Tat, nicht eine Anbiederung!

    Taktisch mag das Interviev unklug gewesen sein. Inhaltlich weiss ich nicht, habe es nicht gelesen. Aber als Vertreter der Grundprinzipien unserer Verfassung war das durchaus in Ordnung.

  49. [...] ein wenig mehr zu dem Thema: Bei ennomane und bei mspro. Und hier noch was. Written by Heiko C. in: Gesellschaftliches, Politisches | [...]

  50. Tuesday says:

    Posenhaftigkeit? Possenhaftigkeit!
    “Eine Posse ist ein Bühnenstück, das auf Verwechslungen, ulkigen Zufällen und unwahrscheinlichen Übertreibungen aufgebaut ist und durch derbe Komik Lachen erzeugen soll.” (Wikipedia)