Nachtrag zur Urheberrechtsdebatte

Mich nervt ja schon seit langem, wie diese Diskussion um das Urheberrecht geführt wird. Und ich muss sagen, sie geht mir eher von Seiten der Netzgemeinde auf den Sack, als von den Urhebern und Verwertern.

Beispiel Piraten. Wolfgang Michal hat hier noch mal präzise aufgedröselt wie uneingestanden inkohärent und bigott die Postion der Piraten hier ist. Man will NATÜRLICH dem Künstler ALLE Rechte beihalten, aber mit Filesharing soll er sich abfinden. Nee, is klar.

Und jetzt also wir-sind-die-buerger.de als Reaktion auf wir-sind-die-urheber.de. Was für eine Anmaßung! Nein, ihr seid nicht die Bürger. Ihr seid die fucking Netzgemeinde! Ihr seid nicht die Öffentlichkeit, sondern eine spezifische Gruppe mit sehr eigenen Interessen. Und ihr seid die dreistesten Lobbyisten unter den Sonne, wenn ihr das nicht mal auf die Kette kriegt, Euch das einzugestehen!

Und wenn Ihr wirklich glaubt, mit Gegenaktionen, dem neununddröftzigsten Podium oder extra organisierten Konferenzen die Urheber und Verwerter von Eurer Position zu überzeugen, dann habt Ihr das ganze Spiel noch nicht verstanden.

Mal ehrlich: glaubt Ihr wirklich, dass Ihr den Künstlern nur das Internet besser erklären müsst, damit sie mit der Schulter zucken und einsehen, dass sie nichts gegen Filesharing tun können? Glaubt ihr wirklich, dass die verhärteten Fronten daran liegen, dass noch nicht genügend rationale Argumente ausgetauscht wurden?

Oh, ja, das klingt logisch„, sagt der Künstler und akzeptiert, dass ihm ein drittel seiner Einnahmen wegbrechen.

Oh, so habe ich das noch nicht gesehen. Stimmt, eigentlich sind wir überflüssig.“, sagt der Verwerter, schließt den Laden ab und wirft den Schlüssel in den Gulli.

Glaubt Ihr das wirklich?

Es ist doch gar nicht der Diskurs, gegen die die Urheber wettern (auch wenn Constanze Kurz glaubt, ich hätte die Debatte ausgelöst. (sehr schmeichelhaft, danke, aber total daneben in der Analyse.)). Das merkt man doch alleine daran, dass sie sich mit den Argumenten gar nicht beschäftigt haben. Was wir Netzleute in unsere Blogs und die Piraten in ihre Programme schreiben, ist ihnen doch egal.

Denen steht das Wasser längst zum Hals. Ich hab mich in letzter Zeit oft mit Leuten unterhalten, die ihr Geld mit Musik verdienen und die haben schlicht Angst, weil ihnen heute schon Einnahmen einbrechen und sie nicht wissen, wie sie sich in Zukunft finanzieren sollen.

Für uns ist das eine Debatte. Für sie ist das eine Existenzfrage.

Unser Diskurs ist doch nur das Symptom und politischer Ausdruck dieses längst vorhandenen radikaleren Wandels, der den Künstlern bereits heute die Hosen auszieht. Wir sind nur noch die Instanz, die das legitimiert und bekommen jetzt ihre Wut ab.

Niemand will, dass sein sicher geglaubtes Geschäftsmodell und damit die ganze Lebensplanung auf einmal in Frage gestellt wird.

Nein, die Künstler und Verwerter werden sich nicht zum sterben oder darben überreden lassen, egal wie sehr Ihr euch bemüht. Es ist Ihr gutes Recht zu kämpfen, auch gegen alle Vernunft.

Wäre es nicht mal Zeit für etwas Aufrichtigkeit? Sagt den Verwertern doch bitte mal, dass man wohl den Großteil von ihnen nicht mehr braucht. Sagt den Künstlern, dass die meisten von Ihnen auf Einnahmen werden verzichten müssen. Dass es zwar auch neue Wege gibt, diese aber nicht für alle funktionieren werden und dass sie nicht mittelfristig genug hergeben werden, das selbe Einkommensniveau zu halten wie bisher.

Das ist hart und das ist bitter für viele und das gilt es anzuerkennen.

Und ja, ich bin weiterhin der Meinung, dass wir den Urheberrechtspfad komplett verlassen sollten und ich gebe zu, dass ich alles andere für einen peinlichen Tanz um den heißen Brei halte. Das Urheberrecht ist konzeptionell nicht mehr mit den heutigen Realitäten und einer digitalen Zukunft vereinbar. Ich glaube auch, dass das die meisten wissen. Sogar die Urheber. Es wird wirklich mal Zeit für Ehrlichkeit in der Debatte.


49 Gedanken zu “Nachtrag zur Urheberrechtsdebatte

  1. Du hast eine tolle Schreibe. Die Argumentation finde ich schlüssig.

    Wie viele sind denn „die Urheber“? Die meisten Musiker spielen doch im Wesentlichen die Musik anderer Leute nach. Ja, auch die, die von der GEMA vertreten werden. Andere haben ihr Geschäft komplett auf freie Lizenzen oder halt Konzerte verlagert. Diese Künstler scheinen wohl nicht unter „die Urheber“ zu fallen.

  2. Wie kommt es nur, daß bei Urhebern dann meistens fast nur über Musiker geredet wird? Es sind genauso die schreibenden und gestaltenden Urheber in allen Fachrichtungen! Das Thema ist viel größer!

    Und ich bin NICHT der Meinung. daß wir den „Urheberrechtspfad“ (hä?) verlassen sollten. Oder denkt auch jemand daran, das Patentrecht abzuschaffen? Eben.

  3. Naja, ich sehe die wir-sind-die-buerger.de Aktion einfach als Antwort auf wir-sind-die-urheber.de, was sicher auch nicht ‚die Urheber‘ vertritt. Ob diese Aktionen die Diskussion irgendwie weiter bringen bezweifel ich aber auch.

    „Wäre es nicht mal Zeit für etwas Aufrichtigkeit? Sagt den Verwertern doch bitte mal, dass man wohl den Großteil von ihnen nicht mehr braucht. Sagt den Künstlern, dass die meisten von Ihnen auf Einnahmen werden Verzichten werden müssen.“

    Das sollten die Piraten vielleicht in der Öffentlichkeit mehr machen, aber ich habe in Diskussionen letztens öfters was in Richtung „Es gibt keine Garantie dafür, mit Kunst Geld zu verdienen“ gehört. Und das sagen Piraten ja auch (noch zu indirekt) mit der Aussage, es sei an den Künstlern und Verwertern neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die Piratenpartei wird das nicht für diese übernehmen.

  4. Ich glaube ja, die Debatte würde sich von Seiten der Netzgemeinde/Piraten _deutlich_ einfacher gestalten, wenn man Modelle wie Kulturflatrate nicht mehr dogmatisch ablehnen würde. Sozusagen als Brückentechnologie für den Ausstieg aus dem urheberrecht.

    my 2 cents.

  5. Der Debatte fehlt es allgemein an Schärfe, wie man an dem Gespräch zwischen Lauer und Jan Deelay im Spiegel ganz gut sehen konnte. Die Piraten bemühen sich, den Künstlern zu versichern, dass sie nicht die Leidtragenden wären – und diese wissen ganz genau dass das nicht stimmt. Also bauen die Urheber moralisierende Positionen auf und die Netzcommunity versucht sich im Spagat, indem man ein gemeinsames Feindbild „Verwerter“ aufbauen möchte, was bestenfalls ein Nebenkriegsschauplatz ist. Es ist davon auszugehen, dass es mehr Künstler geben wird, als bisher, die ihre Kunst als Hobby verstehen und mit anderen Dingen ihr Geld verdienen müssen. Das ist bedauerlich, aber die Alternative – ein massiv überwachtes Netz – ist noch bedauerlicher.

  6. Und, ja, das Patentrecht abzuschaffen ist der logische nächste Schritt. Und dann kommt der Datenschutz… 🙂

  7. Wird jetzt die wir-sind-die-bürger-Seite mit den Piratenforderungen gleichgesetzt? Das wäre einigermaßen albern, da steht nämlich (gefettet):

    „Jeder Urheber und jede Urheberin soll selbst entscheiden können, was mit dem eigenen Werk passieren soll – und was nicht.“

    Sonst hätte ich das auch nie unterschreiben können, denn dass ist exakt das, was ich vom Urheberrecht erwarte: Das ein Komponist, der eine Filmmusik geschrieben hat, selber darüber entscheiden kann, ob er damit nochmal Geld verdienen will (und sie auf iTunes rausbringt) oder ob ihm das Geld vom Filmstudio reicht und er sie für lau ins Internet stellt.

    Von den Piratenforderungen ist das weit entfernt.

  8. Ich bin anderer Meinung, was deine Position zum Urheberrecht betrifft, aber was du in diesem Artikel hier ansprichst trifft meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopf. Es gibt m.M.n zu wenig Künstler die sich für eine Änderung des Urheberrechts ausprechen und zu viele Leute aus der Netzgemeinde, als das ich noch glauben kann, dass eine radikale Änderung im Interesse der Künstler wäre. Ich empfinde die Argumentation der Netzcommunity auch als sehr scheinheilig.

  9. Zeit für mehr Ehrlichkeit, dann sollten die Urheber (die ihren Namen unter diese Kopf-Kampagnen gesetzt haben) sich vielleicht mal ein paar Fragen stellen:

    Brechen die Einnahmen tatsächlich ein? Und ist daran das Internet schuld? Geben die Leute heute weniger für Kultur aus oder mehr? Wenn sie weniger ausgeben, warum? Weil sie alles kostenlos nehmen oder weil es soviel kostenlos gibt? Und wenn sie mehr ausgeben, woran liegt es dann, daß beim einzelnen Künstler weniger ankommt? Verteilt sich die Summe auf mehr Künstler, stimmt der Verteilerschlüssel der VGs nicht oder bleibt irgendwo dazwischen mehr hängen?

    Oder ist es nicht vielmehr so, daß die in der KSK registrierten Künstlereinnahmen schon immer so niedrig wie heute waren und Autor oder Komponist sein noch nie ein „sicheres Geschäftsmodell“ gewesen ist? Wie kann man deren Situation dann konkret verbessern, ohne immer nur über abstrakte Begrifflichkeiten zu streiten?

  10. 2 Anmerkungen.

    1. Was der Debatte sehr gut tun würde, wäre eine solide Portion Datenjournalismus. Ich wüsste gerne, wie sich dieser Einkommenseinbruch der Künstler in Zahlen audrückt. Und ich meine ganz explizit die Künstler. Denn wieviel Milliarden die Musik-/Filmindustrie verliert, liest man immer wieder. Aber es ist ja nicht so, als sei das ein mildtätiger Verein, der alle Einnahmen an die Künstler weitergegeben hat, BIS DIE FILESHARER KAMEN!

    Wenn ich an meine Jugend in den 90ern in Gießen zurückdenke, kannte ich da wahrscheinlich 50 Bands, die NICHT von ihrer Kunst leben konnten, dem gegenüber standen 2 – wenn es hoch kommt 3 – die genug Kohle für ihre Mukke bekamen. Und das war, bevor es Napster gab. Da stellt sich mir wirklich die Frage, wie hat sich das – in Zahlen ausgedrückt – verändert?

    2. Ist der Standpunkt der Netzgemeinde nicht bloß Lifestyle, sondern drückt ebenso eine Existenzangst aus. Denn meine These lautet: Filesharing betreiben vorallem die, denen das Geld fehlt, am kulturellen Leben teilzuhaben. Wenn ich genug Geld dafür habe, kann ich mir meine Mukke und Filme bequem bei den entsprechenden Plattformen kaufen. Aber, wenn ich ein knappes Taschengeld habe/von Harz lebe/mein Schichtdienstlohn gerade so für Essen und Miete reicht, ich aber auch diesen Film sehen will, von dem alle reden, dann bleibt mir halt nur Filesharing. Und so sind es gerade die Ärmsten, die durch Abmahnungen genauso in ihrer Existenz bedroht sind. Und die Einstellung: wer keine Kohle für Kunst hat, hat Pech gehabt, ist nicht weniger zynisch als die Forderung nach der Abschaffung des Urheberrechts.

  11. In meinem G+ Stream wird genau das schon länger diskutiert.

  12. Ich halte die Abschaffung des Urheberrechts weder für sinnvoll, noch wünschenswert. Aber ich finde es wichtig und begrüßenswert, dass jemand diese Position in der Debatte vertritt.
    Auch ein Weckruf an die Netzgemeinde ist dringend notwendig, aber letztlich ist doch der mangelnde Durchblick auf Seiten derer die von Rechten leben viel erstaunlicher und mindestens so hinderlich für die Entwicklung einer tragbaren, d.h. auch justiziablen Lösung. Mehr dazu hier: http://t3n.de/news/kunstliche-aufregung-387113/

  13. Lieber Michael, ich bin Urheber. Ich teile Deine Sicht von der Notwendigkeit des Verlassens Urheberrechtspfades nicht, aber ich bin Dir für diesen Artikel so unglaublich dankbar, dass ich Dir am Liebsten einen Strauß Rosen von der Zossener in die Oberbaumstr. schicken möchte. Dein Blog und der Artikel von Wolfgang Michal bringen endlich einmal auf den Punkt, warum wir Urheber uns von den Piraten und ihren Epigonen (von Notz, Trittin, Netzer von der SPD etc.) so unglaublich verarscht fühlen. Als wären wir zu dumm zu erkennen, worauf alle diese Argumente (betriebswirtschaftlicher Nullwert, Standing on the shoulders, Almende etc. pp.) hinauslaufen, wenn man sie einmal konsequent zu Ende denkt. Wie kann es sein, dass die Piraten diesen, ihren eigenen Widerspruch nicht erkennen. Ich hoffe, dass so viele Piraten wie möglich diesen Post lesen, damit wenigstens endlich die Fronten klar gezogen sind. Beste Grüße, Dein Thomas

  14. „damit sie mit der Schulter zucken und einsehen, dass sie nichts gegen Filesharing tun können?“
    Die Frage ist doch die Verhältnissmäßigkeit. Wollen wir jeden Deutschen Bürger mit Internetanschluss unter Generalverdacht stellen und überwachen? Wie sieht es in 10 Jahren aus, wenn wir die heutigen download Speeds als upload Speed haben und ich meinem Freund in 5-10 minuten den neuersten Blockbuster einfach mal rüberschieben kann? Wenn online Speicher billiger wird und eine Dropbox nicht mehr 5-10GB hat, sondern 100+?

    „Niemand will, dass sein sicher geglaubtes Geschäftsmodell und damit die ganze Lebensplanung auf einmal in Frage gestellt wird.“
    Seit wann ist denn das Künstler (egal ob Buch, Musik oder Film …) ein sicheres Bussines auf dem man seine gesamte Lebensplanung aufbauen kann???

  15. „Seit wann ist denn das Künstler (egal ob Buch, Musik oder Film …) ein sicheres Bussines auf dem man seine gesamte Lebensplanung aufbauen kann???“

    Seit man Sven Regener oder Charlotte Roche ist und nicht einer der 99% der Künstler die jetzt schon nicht von ihrer Kunst leben.

  16. Wir reden also über 1% der Künstler? Und von denen die 10%, die vom Urheberrecht abhängig sind und nicht von Konzerten usw leben?

  17. Trifft die Sache (mal wieder) ganz gut.

    Was mich an der Debatte zusätzlich stört, ist dieses verkitsche Bild vom kleinen Künstler. Dieser sitzt irgendwo im Keller, schafft Kunst, ist nicht von materiellen Zwängen beeinflusst und möchte eigentlich nur genug Geld verdienen, um über die Runden zu kommen. Ein Bild das immer und immer wieder von allen Beteiligten instrumentalisiert wird
    Dabei geht es beiden Seiten ja auch (wenn nicht sogar primär) um die Superstars, die Multi-Millionen-Dollar-Produktionen und die gesellschaftlich-medialen Großereignisse. Dass immer so getan wird, als würde die Überwindung des Urheberrechts dazu führen dass auf einmal alle aufhören über Lady-Gaga zu twittern und in die lokale Indiefilm-Szene abtauchen – das ist einfach verlogen.

  18. Möglicherweise sind es mehr als 1% der Künstler. Ich kenne die Zahlen nicht. Maßgeblich ist, dass bei weitem nicht alle Leute die Kunst (wozu im weitesten Sinne auch journalistischer Text gehört) produzieren, davon leben können.

  19. Da Sie die absolute Position vertreten, das Urheberrecht komplett abzuschaffen, heißt das dann auch, dass sich jeder als Schöpfer eines Werkes ausgeben kann? Z.B. man nimmt das E-Book eines relativ unbekanntes Autors, schmeißt den Namen raus und setzt es auf die eigene Website, tut also so als ob es was Eigenes ist. Verstehen Sie die Frage bitte jenseits von „Geschäftsmodellen“, einfach als Frage, ob der „Schöpfer“ eines Werkes mit der Veröffentlichung seine „Schöpfung“ komplett abgeben soll.

  20. zwei antworten: fände ich dieses Verhalten gut? – Nein. Finde ich, dass wir ein Gesetz brauchen, dies zu verhindern? – Ich glaube nicht.

  21. Ok, dann eine Nachricht von der Front: Ich räume gerade im Netz auf, was meinen eigenen Werke betrifft. Es geht dabei um Gedichte. Mindestens 80% der Texte, die ungefragt woanders veröffentlicht werden, müssen ohne Autorennennung auskommen, es wird also zumindest die Möglichkeit offen gelassen, dass der Poster des Textes der Autor ist. Ich verstehe dieses Verhalten nicht, es frustriert mich und lasse je nach Seite entweder löschen oder die Angabe hinzusetzen, aber was wäre, wenn letztlich kein Gesetz hinter mir stünde? Ich glaube zwar an das Gute im Internet, aber nicht immer und überall an den guten Nutzer.

  22. ich denke, wenn man es sich genau betrachtet, ist es ein problem, mit dem man leben kann. ich muss nicht immer und überall als der urheber identifzierbar sein, auch wenn mein ego das gerne so will. ich glaube, dass man auch ohne urheberrecht von den meisten leuten als autor eines werkes erkannt und geschätzt werden kann und wird. dass ein paar sich zum billigen abklatsch verirren muss mich nicht wirklich stören.

  23. Eigentlich müsste man diese leidige Urheberrechts-Debatte gar nicht führen. Würde nur jeder Einzelne etwas Anstand haben und respektieren, dass jemand Geld für seine Werke haben möchte.

    Es geht dabei gar nicht mal um Großkonzerne, sondern um jeden einzelnen Kopf, der hinter einem Werk steht.

    Leider gibt es eine gewisse Zahl von Menschen, denen dieses Prinzip der Fairness völlig egal ist und die laden sich alles runter, was sie nur bekommen können. Genau DIE haben Kopierschutzmechanismen, Abmahnwellen und so weiter erst notwendig gemacht.

    Und ich finde schon, dass man Gesetze braucht, die klar festlegen, dass ein Urheber derjenige ist, der entscheiden darf, was mit von ihm geschaffenen Dingen passiert. Und ihm sollten auch die Werkzeuge an die Hand gegeben werden, um Leuten auf die Finger zu klopfen, wenn sie das nicht respektieren.

    Wenn man nämlich kleine Dinge bagatellisiert, werden irgendwann größere Dinge ebenfalls zur Bagatelle.

  24. Pingback: Dirk Hagedorn » Links – 11.05.2012

  25. Sicher, letztlich ist das nicht besonders wichtig, ob der Name des Autors zusammen mit dem Werk überlebt. Sein Ego könnte zurückstehen vor Leuten, die einfach nichts Kreatives gebacken kriegen. Allerdings bleibt dann auch nicht viel Anreiz zur Veröffentlichung: Auf ein Geschäftsmodell hat man keinen Anspruch, auf die Verbindung von Person und Werk ebenfalls nicht. Was man macht, ist dann zum eigenen Amusement, was nicht die schlechteste Voraussetzung ist, wenn man nur für sich und jene etwas kreiert, die das zu schätzen wissen oder daraus selbst etwas schaffen können. Die Allgemeinheit verliert dabei, aber das kann ihr egal sein. Wichtig ist, dass öffentliche Informationen frei fließen, welcher Art diese Informationen sind, ist sekundär.

  26. Ich hab mich hier mal quer durchgelesen. Will mich kurz vorstellen: 2002 hab ich meinen bürgerlichen Beruf an den Nagel gehängt, weil ich mich als selbstständiger Orthopädie-Techniker den immer bürokratischer und inkompetenter werdenden Gesundheits … nein ich meine Krankheitssystem verweigern wollte. Als ich den Beruf erlernte, wollte ich gehandycapten Menschen helfen. Am Ende meiner beruflichen Laufbahn kam ich nicht mehr zu diesem Job, weil ich nur noch gegen inkompetente Bürokraten kämpfen musste um meine 18 Mitarbeiter zu beschäftigen. Die Frage an mich selbst, ob es das ist, was ich ursprünglich wollte, musste ich mit nein beantworten und hab deshalb den Laden verscherbelt, bevor ich gar nichts mehr für die Bude bekommen würde.
    Von da an bastelte ich an meiner Karriere als Hammond-Player. 4 Jahre wollte ich mich selbst suventionieren um dann von dieser Tätigkeit leben zu können. Heute weiß ich, dass dies sehr blauäugig gewesen ist. Es ist nicht so, dass die Welt nicht auf mich geartet hat und froh darüber gewesen ist, dass jetzt endlich der Weltner in der Hammond-Szene auftaucht. Nein, es war auch gerade die Zeit, wo die Leute ihr Kulturbudget – geschuldet durch die allgemeine Wirtschaftskrise – immer mehr beschnitten bekamen. Die Gagenbudgets der Veranstalter – meistens gesponsorte Vereine – wurden immer mehr gekürzt, weil auch die Sponsoren wegbrachen. Die Clubs gingen pleite bzw. waren es schon, ohne es zu wissen, deshalb verlegten sie häufig das Unternehmerrisiko immer mehr auf die Live-Musiker. Und und und. Aber alles zusammen rückwirkend betrachtet, hab ich mich in der Szene recht weit hochgespielt. Soweit sogut. Aber Leben könnte ich davon nicht.
    Du meine Güte, ich hab schon früher in meiner Freizeit komponiert und meinen Spaß daran. Es wurde nie veröffentlicht. Und genau das würde wieder geschehen, wenn ich sehe, dass man mir meine Arbeit nicht bezahlen möchte. Es gibt keinen Bauhandwerker, keinen Autoschrauber, der mir mal eben so für lau zur Hand geht. Von mir wird das verlangt weil ich zufällig Künstler bin? Einer, der nur eine Randniesche bedient, und deshalb in Eurer Überlegung „hinten runter fällt“.
    Ich möchte Euch mal etwas sagen. Ihr habt eine Menge guter Ansätze und sicher auch edelm motivierte Gedanken in Eurem Parteiprogramm stehen. Allerdings sollte man zuerst die Konsequenzen der einzelnen Veränderungen zu Ende durchdenken. Was geschieht, wenn ich einem Berufsstand, der sowieso schon am unteren Ende der Existenzsicherheit dahin grautert den letzen Rest auch noch nehme? Er tut diesen Job, weil er seine Kreativität darin ausleben kann und authentisch leben kann, auch wenn er ganz kleine brötchen damit backen muss.
    Es gibt den lobenswerten Wunsch nach einem Bedingungslosen Grundeinkommen in Eurem Programm. Wär es nicht sinnvoller, zuerst diesen Denkansatz zur Realität zu verhelfen, damit man den Menschen generell die Existenzängste nehmen kann? Der zweite Schritt könnte dann von mir aus sein, das Urheberrecht neu zu verhandeln, dass übrigens – wie Ihr sicher alle auch wisst – im Grundgesetz verankert ist. „Wir halten uns an das Grundgesetz“ hab ich kürzlich auf den Piratenplakaten gelesen… Ich hab auch gelesen „Wissen schafft Gerechtigkeit“. Weit gefehlt, meine Damen und Herren! Wissen alleine schaft das nicht. Dazu gehört Wohlwollen und Reife. Kurz: Lebenserfahrung.
    Ich wünsch Euch für die Zukunft sehr viel Erfolg, denn ich sehe wirklich gute Ansätze. Vielleicht seid Ihr in 10 Jahren soweit. An anderer Stelle hab ich heute geschrieben: „Frühestens dann, wenn die Piraten nicht mehr Piraten heißen, beginnen sie erwachsen zu werden.“ Der Name alleine schon suggeriert große Diskrepanz in Bezug auf den Respekt vor den Nächsten, seinem Tun und seinem Besitz. Werdet erwachsen. Ich wünsch es Euch.

  27. Hallo

    Ich würde gerne widersprechen:
    Zum einen: Es wird Jahr für Jahr insgesamt mehr Geld für Kultur ausgegeben. Zum einen Verteilt sich dieser Kuchen halt auf mehr Töpfe (diversifizierung von Genres und Geschmäckern, Neuaufkommen von Kulturformen wie Computerspielen), zum anderen ist der Vertrieb an und für sich unglaublich günstig geworden, so dass das kopieren im Internet eigentlich vergleichbarere wäre mit dem Radio denn mit CD-Verkäufen, so dass der Umsatz mit Tonträgern einbricht (gleichzeitig aber wesentlich mehr Geld in Merchandise und Konzerte fließt). Künstler haben kein Recht darauf, für ihr Werk bezahlt zu werden (man wird ja auch nicht dazu gezwungen, CDs zu kaufen, die man nicht gut findet), sie sollten aber entlohnt werden, wenn Menschen sich mit ihrer Kunst auseinandersetzen wollen. Wie das in Zukunft geschehen soll ist die Frage der Diskussion, der sich Verwerter, und große Teile der Künstlerschaft, jedoch erfolgreich verweigern, die Kampagne in der Zeit ist nur die neueste Äußerung dieser Verweigerung, die mit einer Verunsachlichung einhergeht.

    Das Einkommen von Künstlern war schon immer fluktuierend, mehr noch als in anderen Berufen. Das wird sich sicher nicht ändern. Durch Modelle wie ein BGE honoriert man Künstler als Teil der Gesellschaft eigentlich viel mehr, als man es durch Urheberrecht oder Plattenverkäufe je konnte.

  28. Toller Artikel. Vielen Dank dafür. Könnte ein tatsächlicher Einstieg sein in die vielbeschworene „Versachlichung“ der Debatte.

  29. Das mit der Totalüberwachung ist jedenfalls für Filesharing totaler Kokolores: Die Ermittler melden sich wie jeder Nutzer an und saugen was ihre Auftraggeber stört bei dem, der es öffentlich anbietet – und loggen IP und Verbindungsdaten. Da werden also genau die Rechtsverletzungen ermittelt, um die es geht, niemand anders wird behelligt. Um die Daten des Anschlussinhabers zu bekommen müssen dann die Anwälte des Geschädigten einen Gerichtsbeschluss erwirken! Danach folgt dann die Abmahnung, nicht fein, aber effektiv. Die Alternativen dazu laufen allerdings auf deutlich mehr Überwachung hinaus. Dass man sich bezüglich Filesharing zwischen Freiheit und Urheberrecht entscheiden muss, ist so ein gelogener Quatsch, dass man sich fragt, wer das in die Welt setzt. Dann muss man sich auch zwischen Autofahren und Datenschutz entscheiden, weil Jeder Depp am Straßenrand über den Zentralruf den Halter herausfinden könnte. So ein Unsinn!

  30. Wenn man neuerdings auch die Herstellung von Computerspielen unter Kunst verbucht – auch DJs zählen sich mittlerweile dazu und heute hab ich auf einer Bäckereiverpackung gelesen „Backkunst verpflichtet.“ 😉 – muss man sich nicht über angestiegene Umsätze in diesem Bereich wundern. Ich sprach ausschließlich die Musik-Szene an. Das ist der Bereich Kunst, den ich kenne. Ich bezweifle allerdings, dass viele Leute, die schlaue reden über Kunst schwingen, auch nur andeutungsweise Kenntnisse darüber „erfahren“ haben. Kommt von Erfahrung und hat was mit der angesprochenen Reife zu tun. Es kommt nicht von ungefähr, dass schon in alten Kulturen immer Erfahrene (Älteste) das Sagen hatten bzw. zumindest beratend aktiv gewesen sind.

  31. @fremil

    > Da werden also genau die Rechtsverletzungen ermittelt, um die es geht, niemand anders wird behelligt.

    Es müssen freie W-Lans und Internetcafes verboten werden, weil sonst der Nutzer nicht gefunden werden kann. Es müssen Mitglieder von Haushalten sich gegenseitig anschwärzen. Es müssen die Verbindungsdaten im Voraus gespeichert werden. Es müssen Leute vor Gericht verurteilt werden auf Grundlage der Behauptung des Begünstigten, ohne Beweise.

    An welcher Stelle werden die Unbeteiligten nicht behelligt?

  32. @Thomas
    1. freie WLANS und Internetcafes haften nicht, ein weit verbreiteter Irrtum. Nicht geklärt ist, ob sie ihre Nutzer intifizieren müssen. Ich wäre dafür, weil man sonst auch für andere üble Straftaten Anonymität gewährt (vgl. https://www.ibls.com/internet_law_news_portal_view_prn.aspx?s=latestnews&id=2407), allerdings sollte nur ein gerichtlich kontrollierter Auskunftsanspruch bestehen, wie bei den Providern.
    Mitglieder von Haushalten müssen sich nicht anschwärzen, es besteht meist sogar Zeugnisverweigerungsrecht
    2. Es werden keine Vorratsdaten genutzt, nur relativ kurzfristig gespeicherte technische Daten, Vorratsdaten würden die Abmahnungen allerdings billiger machen. Das damalige Gesetz war aber schlecht, man muss das schon deutlich restriktiver machen, sonst kann da jeder Polizist sich über seinen Nachbarn informieren.
    3. Es werden keine Leute ohne Beweise verurteilt, der Geschädigte trägt die Beweislast für die Tat. Es kann nur sein, dass der Anschlussinhaber lediglich aufgrund schlechter Sicherung seines WLAN oder Beaufsichtigung seiner Kinder als sog. „Störer“ haftet, dann aber keinen Schadensersatz zahlen muss. Als unbeteiligt würde ich den aber nicht bezeichnen.

    Ich finde es wirklich krass, welche Legenden da verbreitet werden.

  33. @Thomas
    1. freie WLANS und Internetcafes haften nicht, ein weit verbreiteter Irrtum. Nicht geklärt ist, ob sie ihre Nutzer intifizieren müssen. Ich wäre dafür, weil man sonst auch für andere üble Straftaten Anonymität gewährt (vgl. https://www.ibls.com/internet_law_news_portal_view_prn.aspx?s=latestnews&id=2407), allerdings sollte nur ein gerichtlich kontrollierter Auskunftsanspruch bestehen, wie bei den Providern.
    Mitglieder von Haushalten müssen sich nicht anschwärzen, es besteht meist sogar Zeugnisverweigerungsrecht
    2. Es werden keine Vorratsdaten genutzt, nur relativ kurzfristig gespeicherte technische Daten, Vorratsdaten würden die Abmahnungen allerdings billiger machen. Das damalige Gesetz war aber schlecht, man muss das schon deutlich restriktiver machen, sonst kann da jeder Polizist sich über seinen Nachbarn informieren.
    3. Es werden keine Leute ohne Beweise verurteilt, der Geschädigte trägt die Beweislast für die Tat. Es kann nur sein, dass der Anschlussinhaber lediglich aufgrund schlechter Sicherung seines WLAN oder Beaufsichtigung seiner Kinder als sog. „Störer“ haftet, dann aber keinen Schadensersatz zahlen muss. Als unbeteiligt würde ich den aber nicht bezeichnen.

    Ich finde es wirklich krass, welche Legenden da verbreitet werden.

  34. Drei Sachen muss ich zu der Sache mit dem FAZ-Feuilleton anmerken, nachdem ich den Artikel grad zweimal gelesen habe. Sich den Schuh anzuziehen, sich als der Berufsprovokateur angesprochen zu fühlen, ist etwas, was mehr über den Blog-Autor aussagt, als ihm lieb sein sollte. Zum zweiten steht da sehr deutlich, dass die Autorin grade nicht meint, diese Provokateure seien Auslöser gewesen.

    Das dritte ist: es zeugt von deutlichem Unverständnis der derzeitigen Gefechtslage, auch nur zu denken, das könne so sein. Und von Hybris.

  35. Pingback: Der Privilegienstreit | Mythopoeia 2.0

  36. @mspro: Danke für das Argument („Finde ich, dass wir ein Gesetz brauchen, dies zu verhindern? – Ich glaube nicht.“).

    Die Diskussion und Durchsetzung des Urheberrechts ist doch eigentlich eine große Energieverschwendung.

    Lasst uns diese Energie doch für etwas sinnvolles einsetzen und das Urheberrecht beerdigen.

    Vielleicht mit einer Übergansfrist von einem Jahr, damit die Bürokraten auch Ruhe geben.

  37. ich bin urheber. und von euch schnarchzapfen will ich nicht vertreten werden. scheiss auf die gema. nächste woche trete ich aus. scheiss auf die verwerter. ich kann sehr gut ohne euch leben. jammert doch ewig weiter und geht unter. es wird euch niemand vermissen.

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  40. Zitat:“ Sagt den Verwertern doch bitte mal, dass man wohl den Großteil von ihnen nicht mehr braucht.“ Bescheid!
    Wieso setzt sich niemand für die ganzen Schleckre-Verkäuferinnen ein, deren Großteil man nicht mehr braucht. Was ist mit den Buchhändlern ( Amazon und Co), niemand regt sich auf das Roboter die Arbeit von Menschen übernehmen us. usw. Da ersetzt eine Sortiermaschine xxx Arbeiter, eine Webmaschine, Nähmaschine, Waschmaschine …-maschine. Und diese spezielle Maschine heizt hier Internet, na und? Und plötzlich gab es den Tonfilm, die Eisenbahn, das Auto … die armen Kutschfahrer und ihre Pferde!
    Jeder muss sich anpassen, das Leben geht weiter.
    Das gehen von neuen Wegen, das Nutzen von neuen Technologien, auch wenn „alte“ Berufe, Berufsgruppen wegfallen, nennt man Fortschritt!

    Nebenbei, auch die armen Musiker um die es hauptsächlich zu gehen scheint, oder auch die anderen Urheber kommen ja nicht aus dem luftleeren Raum. Jede Note ist schon mal gespielt worden … bläh bläh.
    Hat Einstein eigentlich ein Patent bzw. ein Urheberrecht an seiner Relativitätstheorie? Oder nur für die Formel E=mc^2?
    Hah!

  41. Werden Sie eigentlich von der Urheberlobby bezahlt oder was soll diese idiotische Differenzierung zu der „fucking Netzgemeinde“ ??

    Jeder, der einen Blog (wie Sie) betreibt, einen Artikel bei ebay verkauft oder ein Bildchen bei Facebook postet, läuft Gefahr, von Abmahnanwälten wegen Urheberrechtsverstößen verklagt zu werden.

    DAS sind die Bürger und die Öffentlichkeit!!!

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  44. „Mal ehrlich: glaubt Ihr wirklich, dass Ihr den Künstlern nur das Internet besser erklären müsst, damit sie mit der Schulter zucken und einsehen, dass sie nichts gegen Filesharing tun können?“

    Ja. Wer von „den Künstlern“ hat jemals http://en.wikipedia.org/wiki/Anonymous_P2P gelesen? Je mehr sie nach Kontrolle des Internets schreien, umso mehr werden sie Filesharer zu VPNs oder gleich zu Anonymisierungsdiensten drängen. Filesharing wird es immer geben, und auf längere Sicht wird niemand mehr deswegen verklagt oder gesperrt werden können. Man mag das ungerecht finden, eine Tatsache ist es trotzdem.

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