Willkommen zu Krasse Links No 90. Erhöht die Filtersouveränität eures Cuck Porn, heute entlarven wir den Attraktor der Trojan Horse Propaganda als Phantombesitz von Woke One im Dungeon von Dark Disneyland.
Vorletzte Woche Samstag musste ein Poolevent für schwarze Kids in Berlin abgesagt werden, weil eine rassistischer Mob, angeführt von CDU, AfD, Springer und Nius, nicht mit damit kam, dass ihnen ein temporäres Popup-Schwimmbad vor der Volksbühne, zu dem sie eh nie gehen würden, einen Nachmittag lang nicht zur Verfügung steht.
Nun gibt Frauenschwimmen, Schulschwimmen, sogar Hundeschwimmen und andere Events, die bestimmte Gruppen in beinahe jedem öffentlichen Bad ausschließen, aber die Tatsache, dass „Weiße“ einen Tag irgendwo nicht hinkönnen, löste eine solche Empörung aus, dass Hassmails und Gewaltandrohungen die Veranstalter zur Absage zwangen.
Was aus unserer Warte heraus klingt wie Schildbügerstreich, ist in Dark Disneyland eine bierernste Angelegenheit. In Dark Disneyland sind es vor allem Weiße, die benachteiligt sind. Ihr Safespace (die gesamte Welt) wurde durch die Zutrittsbarriere verletzt. Wo soll das noch Enden? Der Kampf gegen „Rassismus gegen Weiße“ und d.h. für „die Freiheit“ (der Weißen) immer überall sein zu können, ist tägliche Bürgerpflicht für Dark Disneyland-Bewohner*innen seit mindestens 1492.
In den USA ist das Dark Disneyland bekanntlich noch weiter fortgeschritten. Die „Pundits„, wie Newskommentatoren dort genannt werden, „have completely lost the plot“ stellt sonst bei der New York Times kolumnierende Journalist Jamelle Bouie in diesem sehenswerten Videokommentar treffend fest.
Jason Arday, ein Akademiker der Universität Cambridge ist letzte Woche tot aufgefunden worden, nachdem eine Meute von rechten bis „liberalen“ Medien eine wochenlange Hetzkampagne gegen ihn veranstaltete, nachdem aufgedeckt wurde, dass er bei einigen seiner wissenschaftlichen Credentials geschummelt hat.
Die Plagiatsvorwürfe sind durchaus glaubwürdig (die Times of Higher Education hatte sie bereits letztes Jahr recherchiert aber wegen rechtlicher Intervention nicht veröffentlicht und Gideon M-K konnte die bemängelten Plagiatsstellen glaubwürdig verifizieren.), während z.B. die von der Presse im Zuge der Kampagne oft angezweifelten 30 Marathons in 35 Tagen offenbar gut belegt sind.
Wissenschaftliches Fehlverhalten schafft es selten in die News, es sei denn, es betrifft hochrangige Politiker*innen mit viel Macht – oder die Person ist schwarz. Über 200 Artikel wurden über den Fall geschrieben, hier allein die gesammelten Headlines des Telegraph.
Schon mal von Brian Wansink, Dan Ariely oder Professor Tessier-Lavigne gehört? Nein? Ich auch nicht, obwohl alle drei bei krassem wissenschaftlichen Fehlverhalten erwischt wurden, wie Gideon aufzählt. Aber weil sie weiß sind, erzeugen ihre Stories in Dark Disneyland keinen Handlungsdruck.
Anders bei Ardays, dessen Fehlverhalten in Dark Disneyland als Beispiel herumgereicht wird, um die Existenz von Schwarzen und anderen Minoritäten an Universitäten grundsätzlich in Frage zu stellen. Ardays Fall ist öffentlich so explodiert, weil es in Dark Disneyland ein dick gefülltes Buy-Orderbook für diese Art Story gibt. Der Pappmachébau des „Rassismus gegen Weiße“ braucht ständige Restauration, solange sich „die Freiheit“ (für Weiße) durch Diversity, Equity und Inclusion (DEI) eingeschränkt fühlt.
Das Byline Magazin hat einen ausführlichen Artikel, wie die Kampagne gegen Ardays Teil einer größeren, teils von Peter Thiel finanzierten Bewegung von Eugenikern ist, um Rassenlehre wieder an Universitäten salonfähig zu machen. Thiel ist nicht der einzige, aber einer der wichtigsten Sponsoren von Dark Disneyland.
His (Ardays) coordinated targeting by an explicitly anti-black race science network did not come out of nowhere, Byline Times can reveal.
Backed by the pro-Trump Silicon Valley billionaire Peter Thiel, this network has spent a decade penetrating Cambridge University before reaching Reform UK, Restore Britain, and the pan-European far-right.
This phase of the campaign against Jason Arday began when academic and anti-black racist Nathan Cofnas raised claims of plagiarism in Arday’s work in a Substack post last month.
The story it fuelled was then dissected in more than 200 articles across the majority of the British press in the weeks that followed, both in print and online.
It was striking that many of these articles did not acknowledge that the central accusations were being made by a man who believes that inherited racial differences make black people less intelligent and would leave black people absent from virtually every elite position in public life outside of sport and entertainment.
Das Netzwerk unterwandert gezielt Universitäten und Medien, um ihre rassistische Suppe in die Universitäten und über diesen Transmissionsriemen in die Gesellschaft zu tragen.
Tech billionaire Peter Thiel has cultivated ties to key actors in this network: to Cambridge Professor James Orr, through whom he channelled a donation to Cambridge; to Orr’s Cambridge circle; to online magazine Quillette which published attacks on Arday; and directly to Nathan Cofnas and Aporia senior editor Noah Carl.
Orr linked this infrastructure to politics. Reform UK’s Head of Policy, and an advisor to the Free Speech Union organisation, he invited Aporia into national conservatism.
At The Sanctuary, a right wing hub in Westminster, Aporia and the Orr-backed Cambridge Scrutonian Society have separate offices provided by cryptobillionaire Ben Delo.
Nathan Cofnas, der mit seinem Substack die ganze Sache publik machte und auf X weiter befeuerte, genießt eine hohe Stellung in Dark Disneyland. In den Medien wird er gerne als „Whistleblower“, „Wissenschaftler“, „Akademiker“ oder „Philosoph“ vorgestellt aber ganz selten wird darauf verwiesen, dass er ein knallharter Eugeniker im fortgeschrittenen Stadium des Rassenwahns ist.
Five days before Arday was found dead on 14 August, in an interview with the historian David Starkey – himself renowned for a record of derogatory comments about black people – Nathan Cofnas said that Arday was “not intelligent in the way that a professor should be” and that “he’s not, like, that retarded that he can’t speak”.
Cofnas said he did not know whether Arday “could do addition”, called him “completely illiterate mathematically”, and later described him as “a black person who seems to be, in this case, literally mentally disabled”.
Cofnas suggested that Arday had merely “learned to talk their talk” and used accusations of racism to repel criticism. His comments fused Arday’s race, autism, and academic standing into a single racialised claim of innate incapacity.
Cofnas war zunächst selbst in Cambridge, bis er aufgrund eines rassistischen Blogposts rausgeworfen wurde, in dem er schwarzen Menschen grundsätzlich die Qualifikation absprach, in führenden gesellschaftlichen Rollen zu arbeiten und so Sprüche raushaute wie:
„Whites are the ones who brought blacks out of Africa and created the conditions where they failed to develop a culture of homework, respect for the law, and strong nuclear families”
In einem Podcast sagte Cofnas über sich selbst, dass er „nach der Revolution“ eine Stellung als Harvard-Professor für „Eugenics and Race Science“ anstrebe. Selbst jüdischer Herkunft ist Cofnas dennoch nicht Scheu dezidiert antisemitische Narrative in seine Rassenlehre zu integrieren und den bekannten Antisemiten Kevin MacDonald in seinen Papers zu zitieren, der sich prompt bedankt. Außerdem hängt er gern mit Silicon Valleys Fascho-Idol Curtis Yarvin rum.
Nach Cofnas Rausschmiss aus Cambridge heuerte er bei der Universität Ghent an, wo seine Einstellung einen prompt einen offenen Brief der Belegschaft triggerte, der seine Qualifikation anzweifelte und die Rechtmäßigkeit des Auswahlprozess in Frage stellte.
Bouke de Vries, der ansässige Akademiker, der sich für Cofnas Einstellung an der Uni Ghent verantwortlich zeichente, ist ebenfalls ein eugenisches Schwergewicht, mit etlichen Papers zu so wichtigen Themen wie der Frage, ob man mittels Datingapps den gesellschaftlichen IQ erhöhen kann, warum es schon ok ist, wenn Männer nicht im Haushalt helfen, aber dennoch den Klositz nach dem Pinkeln wieder runtermachen sollten. Auch der eugenischen Silicon Valley-Ideologie des Longtermism hängt Cofnas an und hat offenbar unter Pseudonym ein Paper über den IQ von Flüchtlingen geschrieben, aber weil man die wegen Pflegekräftemangel ja nicht einfach abschieben kann, schlägt er vor, Oma und Opa gleich mitabzuschieben.
Nachdem die Ardaykampagne in der Öffentlichkeit explodierte, ist Cofnas jetzt auch bei der Universität Ghent rausgeflogen, was zu einem offenen Brief geführt hat, den beim Schreiben des Newsletters ca. 950 Akademiker*innen unterschrieben haben. Unter den ersten 100 Unterzeichner*innen des Briefs für „die Wissenschaftsfreiheit“ (für Eugeniker), waren nur zwei, die sich auch gegen die brutalen staatlichen Crackdowns gegen pro-palästinensische Meinungsäußerungen an US-Unis ausgesprochen hatten, während 23 davon sie ausdrücklich begrüßten. Mit Steven Pinker und Lawrence Krauss (s. KL77) ist auch das Epsteinnetzwerk gut vertreten und mit Hanno Sauer (s. KL85) ist auch ein prominenter Deutscher unter den Opfern.
Ich bin mir sicher, die nächsten Tage wird es auch im deutschen Feuilleton eine Menge Verteidigungsartikel für Cofnas regnen, Jochen Bittner von der Zeit teilt bereits fleißig Cofnas Gegenangriff im Wallstreetjournal.
Dieser Fall ist deswegen so relevant, weil er so nah an der Grenze zwischen liberalem Bürgertum und völkischem Faschismus operiert und damit ein Grenzkampf des Dark Disneylands ist.
Dark Disneyland hat einen Core und eine Perepherie. Leute wie Thiel, Musk, de Vries und Cofnas arbeiten am Core, doch die Debatte streckt sich bis weit über die Perepherie und fanzt sich bis in unsere Welt hinaus. Und weil die meisten Menschen, die nahe der Perepherie wohnen, insbesondere aus dem bürgerlich liberalen Spektrum, kein Gespür für diesen Grenzverlauf haben, fallen sie schell auf so Topflappen-Sprüche wie „Its about Ethics in Games JournalismAcademia“ rein, lassen sich von Narrativen der „Cancel Culture“ (die, again: immer nur gilt, wenn Weiße Ausschlüsse erfahren) beeindrucken und schließen sich vernünftig klingenden Forderungen an, wie: „In der Wissenschaft dürfen alle Differenzen ausschließlich argumentativ ausgetragen werden“ – was in diesem Fall aber nichts anderes bedeutet, als dass wir jetzt wieder ernsthaft Rassenlehre an Universitäten diskutieren sollen.
Weder alle an der Hetzjagd beteiligten Medien, noch alle Unterzeichner*innen des offnen Briefs für Cofnas verstehen, dass sie sich in eine Kampagne zur Rehabilitierung der Rassenlehre haben einspannen lassen und damit die Perepherie des Dark Disneyland massiv ausgeweitet haben.
Der Philosoph Olúfẹ́mi O. Táíwò mit einem lesenswerten Bluesky-Thread über die „Trojan Horse Propaganda„, die mit dem Ardayfall betrieben wurde.
Diese Form der Propaganda muss nicht lügen oder Tatsachen direkt verfälschen, sie muss nur die passende Story in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellen, denn „it relies on the audience to do the dirty work.“
I’ve watched the right use this communication strategy (and close cousins of it) my entire life – and of course, it is much older. quick examples: „solar panels fail at night“, „not all men“ etc. In each case a true statement is made, yet each is a case of the bad kind of propaganda.
Rassistisch ist nicht die Story selbst, sondern das dick gefüllte Buy-Orderbook, auf das es fällt. Rassistisch ist nicht zu thematisieren, dass Arday seine qualifizierenden Arbeiten plagiiert hat, sondern der laute Knall, den die Nachricht macht. Alles, was Cofnas machen musste, ist den passenden Trigger zu finden.
All you have to do is find things that cue up the bigotry you want to promote, and make them salient – preferably, while avoiding the same for context that would complicate your intended narrative (in a distracted, low-participation political culture, the last bit comes practically for free).
Das Trojanische Pferd funktioniert als Gateway ins Dark Disneyland – weil so viele schon mit einem Fuß in dessen Perepherie stehen. Rassistische Deutungen und Narrative sind gesellschaftlich vorinstalliert und bilden die passenden Schnittstellen für anschlussfähige Triggernarrative. Das Triggernarrativ selbst bleibt dabei in sich „rein“, oft unangreifbar und jeder kann es gefahrlos posten, denn die „schmutzige Arbeit“ macht die durch es geleveragte „installed Base“.
The upsides of the strategy are clear: if you use Trojan horses, you not only do not have to defend the ideas you are promoting, but you don’t even have to cop to promoting them. Because, in an important sense, you *aren’t* – you are relying on history and your audience to do it for you.
Was Táíwò hier beschreibt nicht nur die Eventebene eines konkreten Social Media Schweinezyklus, sondern das Aufmerksamkeitsgeschäftsmodell rechter Medienangebote seit dem Internet on scale: als iterative Akkumulation von narrativem Kapital.
Das funktioniert, weil das Internet mit News quasi dasselbe wie mit Musikalben machte: es unbundlete sie. Nicht mehr das Outlet, sondern der Link zur einzelnen Newsstory im Netz wurde zum neuen Referenzpunkt und damit Grundbaustein neuer narrativer Portfoliostrukturen. Dabei kamen durchaus interessante Projekte raus, z.B. spezialisierte Newsaggregatoren für Interessen und Wissengebiete aller Art.
Diese Umstrukturierung erlaubte aber eben auch spezielle News-Feeds für rechte Öffentlichkeiten zu bauen. So konnten z.B. Kriminalitätsdelikte, die zuvor fast ausschließlich in den Lokalnachrichten abgebildet wurden, aggregiert und konzentriert dargestellt werden, um ein übergeordnetes Narrativ zu füttern: „So geht Deutschland Unter“. Und wenn man dann nur die Gewaltakte herausfiltert, die von Menschen mit Migrationshintergrund begangen wurden, lässt sich die Botschaft auch leicht rassistisch zuspitzen.
Im meinem 2014-Buch, Das Neue Spiel, ist eines der Konzepte, das ich gegen den digitalen Kontrollverlust in Stellung bringe, die „Filtersouveränität„.
Die Query stärkt auf technischem Weg die Möglichkeiten sowohl der positiven als auch der negativen Informationsfreiheit. Diese queryologisch erweiterte neue Selbstbestimmung nennen wir »Filtersouveränität«. Filtersouveränität ist das Right to Query oder das Recht auf die Filterblase – das Recht, öffentliche Daten zu nutzen und das Recht, sich gegen eintreffende Daten abschirmen zu dürfen. Sie wird uns noch in Varianten wiederbegegnen. Positive Filtersouveränität wäre das Recht, alle Quellen mit eigenen Querys auswerten zu dürfen. Negative Filtersouveränität wäre, Datenquellen mit eigenen Filtern ausselektieren zu dürfen.
Die von der Filtersouveränität etablierte „Query-Öffentlichkeit“ (siehe KL89) stellte ich mir damals als eine Befreiung vor, und das war sie ja auch, insbesondere bei allen, die sich vom „Major Consensus Narrative“ der etablierten Massenmedien nicht hinreichend informiert und gesehen fühlten.
Doch weil auch ich ein Individualismusgeschädigter bin/war, dachte ich damals immer nur bis Layer 2, also dem subjektiven Erwartungsraum. Damals nahm ich das Konstrukt des „Individualismus“ ernst und erkannte noch nicht, dass jeder Freiheitsgrad des Individuums nur in neue „Lockstep-Individualität“ auf Layer 3 führt, also eine neue, andere Vergemeinschaftung entlang „erwarteter Erwartungen“ von anderen, etwa analog dazu, wie das Folgeleisten der Aufforderung „Do your own Research!“ über Googlelinks jedesmal in dieselben 12 Verschwörungstheorien führt.
So wurde aus der „Demokratisierung des Sendens“, von der damals viele (auch ich) sprachen, die „Deregulierung des Wahrheitsmarktes“, die gleichzeitig eine semantische Sezession von der Mainstream-Sicht auf die Gesellschaft erlaubte.
Weil wir keine Individuen sind, die die Welt beobachten, sondern Dividuen, die einander beobachten, wie sie die Welt beobachten ist man immer schon Teil eines Trommelkonzerts wenn man News konsumiert, allein schon, wenn man sich darüber mit dem Nachbarn über den Gartenzaun austauscht – aber noch viel mehr in Zeiten von Social Media.
Der Filter im Core strukturiert den Beat, der bis in die Perepherie zum Mittrommeln einlädt. Das Trommeln wird nicht nur dadurch lauter, das immer mehr Leute mittrommeln, sondern auch, weil das sich ansammelnde narrative Kapital (z.B. die vielen Stories vor ein Nichtweißer mal gemein zu einem Weißen war) bei jedem Trommelschlag mitschwingt. In der Perepherie wird die „schmutzige Arbeit“ des trojanischen Pferds von all den Trojanischen Pferden besorgt, die zuvor ankamen.
Der Beat akkumuliert beides: narratives Kapital und Dividuen. Die Trommler, die sich um den Filter sammeln anlässlich einer Untersuchung einmal „digitaler Stamm,“ genannt. Digitale Stämme sind Konnektive, die sich entlang von bestimmten Beats reproduzieren, denn jeder Trommelschlag weckt die Erwartung auf den nächsten. Trommler und Beaterwartung bilden eine materiell-semantische Einheit, die als prall gefülltes Buy-Orderbook rassistische Narrative verstärkt.
Die Menschen in der semantischen Sezession glauben nun „der Matrix“ entkommen zu sein. Ihre neue Realität ist die „echte“ Realität, die ihnen von der „Lügenpresse“ verwehrt wurde. Die wenigsten Menschen haben sich je Medien Gedanken gemacht und verstehen nicht, dass sie lediglich von einem L3-Filter in einen anderen gewechselt sind, denn neue Realität fühlt sich „echter“ an, weil sie emotional tiefer resonniert.
Die Wut und der Hass auf den „Mainstream“ ist echt, denn sie glauben, bislang belogen worden zu sein. Und Wut und Abgrenzung ist ein noch besserer sozialer Klebstoff, als geteilte Narrative, weil sie die Wechselkosten (K_F_ab) erhöhen.
Was ich damals also nicht mitdachte: Unterliegende gesellschaftliche Strukturen wirken als Attraktoren auf die nun „befreite“ Aufmerksamkeit und entsprechend sinisetere Akteure bieten passende Andockstellen, um sie zu „harvesten“ und die Dividuen in ihren Bahnen zu ziehen.
Melissa Gira Grant im New Republic Magazin über die Dikussionen zu „Woke One„.
As in earlier iterations, the latest round of demands to repudiate all things (smeared as) “woke” is best understood as a desire to delegitimize opposition, brought about by a real challenge: the left building power. This time, that challenge arises from a few meaningful electoral victories by democratic socialists and their allies, which, going into the midterms and the next presidential election, have activated those who see their job in politics as protecting the Democratic Party from itself. Rather than enter head-on into a legitimate political struggle with the candidates to their left, rather than have a fight over substantive differences, some Democrats have instead decided to pin their problems on the rhetorical—hence the turn on “woke.” What started as shitposting—“woke 1.0” etc.—is being used as a tool with which to discipline the left. It is depressing to see elected officials who have benefited from this leftward shift, including AOC, indulge that nonsense.
Zur Erklärung: Ein wesentlicher Grundstein des materiell-semantischen Komplexes, den wir hier Dark Disneyland nennen, ist das Narrativ namens „Wokeness“. Ursprünglich als Aufforderung zwischen Schwarzen entstanden, sich trotz offizieller Gleichstellung vor den rassistischen Auswüchsen der weißen Mehrheitsgesellschaft zu hüten, wurde es in den 2010er Jahren zum rechten Kampfbegriff, um alle möglichen Kämpfe um gesellschaftliche Gerechtigkeit zu diskreditieren. Im Sprachgebrauch der Rechten diente der Begriff dazu, diese Gerechtigkeitskämpfe als unverhältnismäßig zurückzuweisen, um sie zurückzudrängen.
Und weil Narrative meistens dann adaptiert werden, wenn sie nützlich sind, hat sich die Rede vom zu weitgehenden Gerechtigkeitkeitskampf auch bei den US-Establishment-Demokraten eingenistet, die seit neustem durch die „Socialist Democrats“ parteiintern unter Druck geraten sind. Die Übernahme von rechten Narrativen passiert bei den Demokraten natürlich nicht ohne Anpassung und so führten sie die Differenzierung zwischen „Woke 1“ und „Woke 2“ ein. Stichwortgeber war hier OsseChi, die im Mai diesen Jahres auf X postete:
“Woke 1 was crazyyyy.”
Die revisionistische Geschichtsschreibung von Dark Disneyland hat sich also inzwischen also auch bei den Demokraten ausgebreitet, weswegen Grant sich aufgefordert fühlt, die Fakten nochmal klarzustellen.
So what did happen? A dam broke, and the routine police murder of Black people mobilized some white people, and that multiracial mobilization was scary to other white people. There was a groundswell of popular support for abolitionist projects, inspiring new connections between abolition and other social movements. For a moment, the summer of 2020 made people consider whether policing could ever keep us safe. The ongoing anti-woke revival is, in truth, an effort to make sure none of that ever happens again.
Each time the anti-woke crowd revive themselves, it is not because anything was stolen from them, but because they feel as if someone has challenged their presumed ownership. This is, as ever, an expression of white power, in particular an expression of its fears that it is losing its historical dominance. That is what happened in 2020. It is not complicated, even as it takes on other forms. It is MAGA crowds holding mass-produced signs reading “mass deportations now.” It is endless iterations of the same conspiracy theories about non-white usurpers and invaders stealing elections. It is Southern white prosecutors in Scottsboro.
Was mir aber Augenscheinlich wurde: Im Core ist eine andere Logik am Werk als in der Perepherie. In Grants „presumed ownership“ scheint Eva von Redeckers „Phantombesitz“ auf, der die gefühlte Leerstelle einer verloren gegangen Agency markiert, und deren imaginierter Verlust als unterliegender Attraktor die Gefühlslandschaft der Rechten ordnet (siehe auch Road Grudge). Dieses „amputierte Glied“ ist die soziale Struktur, die dem weißen Mann über Jahrhunderte Verfügungsgewalt zusicherte, nicht nur über den Körper der Frau und die Körper der Kolonialisierten, sondern auch über so Dinge wie Relevanz im öffentlichen Diskurs, Hoheit über das Wissen und das Monopol auf gesellschaftliche Handlungsmacht.
John Ganz schreibt darüber warum das Magic Kingdom Castle, Musks Plattform X, so zentral für die Gebietsgewinne des Dark Disneyland sind, bezieht sich dabei auf einen anderen Newsletter von Vincent Bevins, den er ausgiebig zitiert.
By elevating the posts of his paying supporters Musk changed the rules of Twitter; that was the whole reason he bought it. Theoretical equality was abolished. Then, he simply programmed the website to promote himself and his ideological allies.
Elon Musk obviously succeeded. By purchasing Twitter, he made himself more central to global politics and was able to engineer a right-wing shift on the site. I barely log on anymore, but I still know far more about reactionary culture than I did in 2021. I am familiar with a wide range of flavors of racism now, and I understand all kinds of racist posts at a basic grammatical level. I know what London is actually like, but I also know what libertarian “founders” in Texas think London is like. All of that is inevitable if you have any contact with x.com. Musk used Twitter to help get Trump elected and exert even more personal control over the state. The SpaceX IPO in June briefly made him a trillionaire, so it’s not like revenue problems at a microblogging site he bought with funny money matter much to his overall project.
My own assertion, itself vibes-based and therefore entirely unfalsifiable, is that the “vibe shift” was the unconscious cognitive effect of hanging out on Twitter after Musk’s acquisition. It was experienced, and only needed to be experienced, in the minds of the US American media class. One of the main skills required of contemporary journalists is the ability to detect which way the wind is blowing, to carefully trace the hidden boundaries of discourse. For those who spent too much time on his platform over the last four years, Elon made the left appear less popular (in the middle-school sense).
Die These und der Mechanismus sind Leser*innen dieses Newsletters nicht neu, ich sage das quasi seit Anfang an (auch wenn ich irgendwann müde wurde…). Die Sache ist nur die: das, was jetzt der Core von Dark Disneyland ist, ist immer noch randvoll mit Journalist*innen, Politiker*innen und anderen netzwerkzentralen Eliten der Gesellschaft gefüllt, die den Diskurs auf Twitter zu ihrer neuen diskursiven Baseline gemacht haben.
The collective perspectives that emerge from social media – our understanding of what the public is and wants – are similarly shaped by algorithms that select on some aspects of the public, while sidelining others. And we tend to orient ourselves towards that understanding, through a mixture of reflective beliefs, conformity with shibboleths, and revised understandings of coalitional politics.
This isn’t brainwashing – people don’t have to internalize this or that aspect of what social media presents to them, radically changing their beliefs and their sense of who they are. That sometimes happens, but likely far more rarely than we think. The more important change is to our beliefs about what other people think, which we perpetually update based on social observation. When what we observe is filtered through social media, our understandings of the coalitions we belong to, and the coalitions we oppose, what we have in common, and what we disagree on, shift too.
In Dark Disneyland mag dir manche Attraktion nicht zusagen, und irgendwie wissen auch alle, dass das jetzt halt ne Nazikneipe ist, aber es ist auch nicht nötig, dass du auf jede Attraktion/jedes Narrativ aufspringst. Viel entscheidender ist, welche Narrative du für „normal“ zu halten gelernt hast und sie – bewusst oder unbewusst – auf die Gesellschaft at large überträgst.
Johannes Franzen schreibt in seinem Newsletter über die Radikalierung von Harald Martenstein, der im Angesicht der Ereignisse in Ceuta vor ein paar Wochen öffentlich hardcore Nazi-Literatur empfiehlt.
Das ganze erste Drittel dreht sich nämlich um den Roman “Das Heerlager der Heiligen”, den der französische Autor Jean Raspail 1973 veröffentlichte, und der in der Folge zu einem Kultbuch der rechtsradikalen Szene avancierte. Quinn Slobodian etwa hat in seinem Buch “Hayek’s Bastards” nachgezeichnet, wie wichtig der Roman seit den 1970er Jahren für die US-amerikanische Rechte gewesen ist.
In “Das Heerlager der Heiligen” wird auf eine lustvolle Art die Überschwemmung Europas durch eine Flotte von Migranten evoziert. Die weichmütigen Europäer sind hilflos gegen den Ansturm der Massen, leiden unter dem, was der rechten Publizist Gad Saad gerade (in einem Lieblingsbuch von Elon Musk) als “suizidale Empathie” bezeichnet hat. Sie lassen sich aus emotionaler Weichheit und ideologischer Verblendung überrennen und beherrschen. Nur eine Elite aus Soldaten, Intellektuellen und Priestern leistet verzweifelten Widerstand.
Als Roman handelt sich sich – das gleich vorweg – um ausgesprochen schwere Kost: eine dümmlich-ausufernde und ziemlich pornographische Satire auf eine lebensmüde liberale Gesellschaft. Laura K. Field bezeichnet ihn in ihrem Buch über MAGA-Intellektuelle als “zutiefst rassistisch”, eine “entmenschlichende und Angst schürende Abhandlung über die künftige Unterwerfung Europas durch nicht-weiße Fremde“ (“a dehumanizing and fear-mongering tract about the future subjugation of Europe by nonwhite foreigners”). In einem Artikel über Viktor Orbán, der sich (wie auch Marine Le Pen) positiv auf den Roman bezog, vermittelt die Journalistin Cathy Young einen guten Eindruck von den Qualitäten, die Leser:innen von “Das Heerlager der Heiligen” erwarten. Der Roman ist geradezu besessen von Fäkalien, Inzest, Pädophilie und berauscht sich am Ekel seiner barocken Horrorvorstellungen:
“Im gesamten Buch werden die Migranten als abstoßende, brodelnde Masse dunkler Körper dargestellt; die einzige identifizierbare Person unter ihnen, eine Art Anführer, ist ein Mann, der als ‘der Scheißeschlucker’ bekannt ist – ein Riese, auf dessen Schultern sein grauenhaft entstellter Sohn wie ein ‘abscheuliches Totem’ thront. […] Wie zu erwarten, nimmt Raspails rassistisches Horrorspektakel oft die Form grotesker Pornografie an. Die indischen Flüchtlinge an Bord der Schiffe verbringen den Großteil ihrer Reise in wahllosen pansexuellen Orgien – ‘ein Gewirr aus Händen und Mündern, aus Phalli und Hinterteilen’.”
Johannes sieht darin einen bewusst schamverletztenden „locker-room-talk” unter Rechten.
Rechte Ästhetik zeichnet sich, wie Peter Hintz bereits 2020 in einem brillanten Essay gezeigt hat, oft durch eine solche Mischung von hochkulturellen Gesten und schamverletzender alberner Provokationen aus. Wer sich als Kenner von Raspail zu erkennen gibt, löst eine Eintrittskarte in den Kreis der Eingeweihten. Man kennt und teilt die Referenzen – rechtsintellektueller “locker-room-talk.”
Ich würde es noch etwas anders fassen: Im inneren Core von Dark Disneyland residiert ein „Darkroom“, allerdings nicht für „allgemeinen Pleasure“, sondern als Transducer-Fabrik, die „Begehren“ in Schmerz und Scham verwandelt. Diese Emotionen bilden dann die unterliegenden Attraktoren für den narrativen Kapitalgrundstock, der den ganzen Überbau rechter Narrative immer wieder auf seine vorgefassten lockstep-individualistischen Bahnen arretiert.
Cameran Cummins-Smith hat in Liberal Currents eine ganze Theorie der rechten Psychologie geschrieben, die sich auf sogenannten „Cuck Porn“ stützt, das die libidinöse Grundierung des Phantombesitzes besorgt. Hier sind wir im innersten Zentrum von Dark Disneylands Core angelangt, dem Dungeon.
The theory is that right-wing political narratives are significantly influenced by porn—specifically interracial cuck porn—and conversely the narratives of said porn are significantly influenced by right-wing politics. Pornography is the unseen dark matter molding and shaping how the online right speaks and thinks about politics, on anything from immigration to transgender people to higher education. Call it the interracial cuck porn theory of everything.
Bei sogenanntem „Cuck Porn“ geht es darum, dass ein gedemütigter männlicher Freund oder Ehemann, seiner Freundin/Frau beim Sex zuschauen muss, womit laut Cummins-Smith das psychologische Grundmotiv des Rechtsrucks benannt ist:
The modern right feels emasculated by the relative status gains of women, and in many this manifests as a feeling of being cuckolded.
Doch nicht nur der Antifeminismus zieht aus diesem künstlichen Schmerz seine Energie, auch der Rassismus und die generelle Abwehr gegen Migration speist sich emotional aus diesem Bild, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Cuck Porn-Phantasien rassifiziert sind. Denn der Gegner, der mit der Partnerin Sex hat, ist in diesen Pornos fast immer schwarz oder zumindest nicht weiß.
In particular, there is a common style of edit in which white European nations are anthropomorphized by overlaying their flag onto a submissive white woman being implicitly or explicitly “conquered” by refugees. The most popular nations represented are Scandinavian countries like Sweden or Norway with accompanying blonde-haired, blue-eyed women. This framing of immigration as an “invasion” or “replacement” of white Western nations is very familiar in our real-world politics. The Trump administration has used the language of invasion as legal justification for their overreaching immigration enforcement by invoking the Alien Enemies Act. Administration officials have made it clear that they do not perceive this threat to be limited to criminals.
Doch im Zentrum des Schmerzes steht die unabhängige Frau, die ihre eigenen Entscheidungen trifft und deren Agency die Leerstelle des Phantombesitzes markiert, die dem weißen Mann heute so zu schaffen macht.
Specifically, the online right harbors intense resentment for professionally successful women (i.e. “girlbosses”), and this explains at least part of the enthusiasm for programs like DOGE or Trump’s tariffs (more on that here). The story of gender economics for the past several decades has been the erosion of gender gaps, and in recent times the gap has essentially disappeared. Among workers aged 25-34 women earned 74% of male median earnings in 1982, compared to 95% in 2024. In several US cities the gap has actually reversed, with women under 30 earning more than their male counterparts. This is mostly explained by trends in higher education: women have been outperforming men in college graduation since the 2010s.
Dieser Phantomschmerz schlägt in allen möglichen tagespolitischen Agendas der aktuellen Regierung durch. Für Zölle hatten wir das bereits in KL49 besprochen, doch Cummins-Smith sieht weitere Beispiele.
Everything from tariffs to defunding the Department of Education is in part motivated by this underlying misogyny. To the online right, tariffs are good because they will make the economy “manly” again. Fossil fuels are good because they require manly men to do hard work. DOGE is good because it’ll get rid of all those bullshit email jobs. Defunding academia is fine because it was just going towards useless degrees in gender studies. In the right-wing mythology universities are the source of all wokeness (the “Cathedral,” if you want to use their terminology). To a certain extent they’re right: higher education is in fact the biggest reason women have risen to economic parity with men and it does in fact make people more liberal. It is no surprise then that school makes a regular appearance in the interracial cuck porn cinematic universe.
Das verkrampfte Herauskehren der eigenen „Alpha“-Männlichkeit, das man bei den Rechen beobachten kann und das sich nach ihrer eigenen Erzählung nach immer gegen andere (Beta-)Männer richtet, ist in Wirklichkeit libidinöse Phantombesitzverteidigung und richtet sich dementsprechend primär gegen Frauen.
The modern right feels cucked, but not by other men. They feel cucked by women. The 1915 film Birth of a Nation revolves around black men as rapacious threats to the innocence of white women that must be fended off by the brave Klu Klux Klan. By contrast, modern interracial cuck anxieties have women take on the role of the antagonist. White women are no longer hapless victims; they are the enablers and beneficiaries of white male emasculation. Today’s right-wing men can’t help but give female characters more agency, even in their porn fantasies. Score one for feminism! …
Women in the modern world have more agency than ever before and many men on the right don’t know how to cope. Out of spite they cling to an exaggerated vision of masculinity: a big, strong man who does whatever he wants to whoever he wants. The red pill sells young men on the idea that performing toxic masculinity hard enough will put women back in their place. With big enough muscles and enough commas in your bank account you can get a girlfriend who does nothing but cook, clean, and has sex on command. The psychology underlying interracial cuck porn theory is what happens if the red pill doesn’t pan out: the black pill—yes, pun intended.
Ebenso imaginiert sich auch der hiesige Feed-Konsument der semantischen Sezession, der den „Untergang Deutschlands“ in der personalisierten Query-Öffentlichkeit seines Stammes, als gehörnter Ehemann verfolgt, der seiner „außer Kontrolle geratenen“ Braut beim Vögeln zusieht. Im Kern von Dark Disneyland und unter Schichten um Schichten narrativen Kapitals lugt der Dungeon des sexuellen Phantombesitzes als Grundattraktor und instrumentalisiert Lust und Ekel zur Erledigung der „schmutzigen Arbeit“, von der Táíwòs spricht.

