Lieber unbekannter Internetausdrucker, liebe unbekannte Worddateiverschickerin!

Ihr surft hier so rum, ja das sehe ich, immer mal wieder, hoch und runter. Ihr landet auf Spiegel Online, Google, StudiVZ oder Werkenntwen. Das ist diese andere Welt. Ihr ahnt vielleicht, da gibt’s noch mehr. Aber das ist alles sehr unübersichtlich. Und da gibt’s Viren und Trojaner und böse Menschen und Kinderpornos. Deswegen lasst Ihr das, mit den Touren durchs Web. Ist doch auch alles Ok so. Bitte weitermachen.

Nur habt Ihr deswegen ein entscheidendes Detail nicht mitbekommen: Ich bin hier der Hausmeister! Ich passe auf, dass hier alles keine Ordnung hat. Und ich werde Motherfuckingsteufelswild wenn hier jemand reinkommt und meint, dieses chaotische Durcheinander müsse man ändern.

Nein, meine Lieben! Dieses Chaos ist mein natürlicher Lebensraum! Er ist so wichtig für mich, wie für Euch die Farbsortierung Eurer Socken! Nein, wichtiger! Es ist mein Lebenselexier. Denn erst das Ordnungslose ermöglicht es mir, meine Ordnung rigoroser durchzusetzen. Denn die einzige gültige, die einzig wahrhafte Ordnung, das ist meine! Und – das möchte ich schweren Herzens dazu sagen – auch Eure!

Ich sehe, Ihr versteht nicht. Ich will das an einem Beispiel klar machen: an Euch. Ich weiß, Ihr seid hier in diesem Land in der Mehrheit. Euer Wille ist Demokratie. Euer Verstand leider auch. Ich muss leider mit Euch leben. Aber das ging in letzter Zeit ganz gut, denn ich hab das Internet. Dort kann ich Leute, die dumm sind, sehr leicht ignorieren. Und deswegen liebe ich das Internet.

Im Internet gibt es alle Dinge, die es auch im Rest der Welt gibt. Sie liegen dort eigenschaftslos vor sich hin, ohne sich darin gegenseitig behindern zu können. (Zu können! Das ist wichtig! Nichts steht vor dem anderen!) Das was man mag, das beobachtet man dann. Das was nicht, das ignoriert man. Das ist der beste Filter der Welt. Denn er filtert alles so, wie man es sich wünscht. Du filterst mich, ich filter Dich, Du Hirnbratze! Und alles ist super.

Kommt nun aber einer von Euch auf die Idee, es bräuchte einen allgemeinen Filter, dann ist das das alles futsch! Dann funktioniert weder mein, noch Dein Filter. Dann gibt es kein Nebeneinander mehr. Dann wird unser Wille ersetzt durch Steinklötze, die uns auf den Füßen stehen. Zusammen, dicht an dicht! Mein Mundgeruch direkt in Eurer Nase!

Ich finde, Ihr solltet Euch bemühen, Eure Ordnung von mir fern zu halten, sonst werdet ihr Euch mit mir beschäftigen müssen. Und – schlimmer – ich werde mich mit Euch beschäftigen müssen. Ich hoffe, Ihr seht ein, dass das nicht gut sein kann – weder für Euch, noch für mich.

Und jetzt, entschuldigt mich.

Und verpisst Euch endlich von meiner Website!


5 Gedanken zu “Lieber unbekannter Internetausdrucker, liebe unbekannte Worddateiverschickerin!

  1. Super Artikel, ein wenig durch die Blume, aber am Ende doch direkt auf den Punkt. Jetzt muss es nur noch einer von den angesprochenen lesen.

    So why? Ich gehe doch auch nicht bei einem Kinderverwaltiger vor die Tür (angenommen, ich sei Polizist) und stelle dort ein lächerliches STOP-Schild hin und denke, weil er mich nicht sehen kann und ich ihn nicht, dass er damit nix mehr macht – neee im Gegenteil, der wird dadurch noch angeregter, Dinge zu machen, die unser Gesetz verbietet.

    Die Lösung also ist kein STOP-Schild oder lustiger Filter (der so oder so umgangen wird, jede Wette), sondern die Dinge bei der Wurzel des Übels packen – die Politiker prahlen ja immer schön mit netten „Kinderpornoringen ausgehebelt“ – ja genau, und wenn ihr jetzt noch die Kinderf**** in die Psychatrie bringt, damit den Leuten geholfen wird, dann gibts auch keine lächerlichen Internetsperren und keiner muss Angst haben. Heißt: Man muss im Real Life anfangen, im realen Leben, man muss sozial etwas tun und nicht im fu*king Internet!! Wir bekommen hier echt chinesische Verhätlnisse und das geht nicht an.

  2. Yo. Damit wär‘ alles gesagt. Und wenn der mspro oder ein anderer von uns euch erwischt, wie ihr mit dem ganzen einschränk-schwachsinn weitermacht, dann gibt’s auf die ohren. Geduld ist ein dünner Faden. Bei mir seit ihr nur noch eine Haaresbreite entfernt davon, dass ich richtig sauer werde.

  3. Also, Dich finde ich ja mal grundsätzlich nicht doof! Außerdem hab auch nichts gegen Leute die warm duschen. Und dennoch würd jederzeit undifferenziert über Warmduscher herziehen. 😉

  4. Pingback: Zensursula-Shirts für fast lau « angelegenheiten anderer

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