Werbung ist sozial

Keine Frage: Der Anraunzer von der Seite, den die Verlage kürzlich ihren werbeblockenden Lesern entgegenbrachten war peinlich, wahrscheinlich sogar kontraproduktiv.

Werbebblocker sind eine der reinsten Ausformungen dessen, was ich mal Filtersouveränität genannt habe und zu dessen allgemeiner Nützlichkeit ich mich nach wie vor bekenne. Jedoch gibt es einen Aspekt in der Diskussion, der mich auf Seiten der Netzgemeinde etwas verstört. Und das ist der Ruf nach der Abkehr vom Werbegeschäftsmodell für Verlage und für Dienste im Allgemeinen.

Wenn Du nicht für das Produkt bezahlst, bist du das Produkt„, ist einer dieser vielzitierten Sprüche, die weismachen sollen, wie furchtbar böse Werbung als Geschäftsmodell doch ist. Und klar, der aufgeklärte Bürger will kein Produkt sein, wo kämen wir denn da hin? Und so wird in der FAZ für App.net geschwärmt, weil es einen eben nicht zum Produkt macht und wird mit dem Hashtag #ichwillzahlen Kampagne für Bezahlinhalte im Internet gemacht.

Bildschirmfoto 2013-05-24 um 13.05.20

Werbung ist nervig, für Werbung werden Daten gesammelt, Werber sind sowieso doof und überhaupt ist Werbung mindestens eine der schlimmsten Ausformungen des Kapitalismus. Einself.

Was dabei aber keiner bedenkt: Werbung ist sozial. Ich habe nicht viel Geld. Meinen App.net Account habe ich damals gespendet bekommen, sonst hätte ich ihn mir nicht leisten können. Und wenn die Geschäftsmodelle der Verlage auf einen Schlag auf Bezahlung umgestellt würden, wäre ich von Informationen ausgeschlossen. Und eben nicht nur ich. Es gibt in diesem Land Millionen Menschen, die noch weniger haben als ich. Ich halte den Ruf nach Bezahlmodellen für eine Lobbybewegung der monetär Privilegierten und unsolidarisch gegenüber denen, die dann aus dem gesellschaftlichen Diskurs einfach ausgeschlossen würden.

Es lohnt sich, sich die Struktur des Werbemarktes vor Augen zu führen: Es ist richtig: in der Werbung sind wir das Produkt: jedenfalls unsere Aufmerksamkeit und zunehmend auch unsere Daten sind es. Mithilfe der gesammelten Daten kann man nämlich die Erfolgsaussichten unserer Aufmerksamkeit erhöhen, indem man uns zu uns passende Produkte bewirbt. Das nennt man Targeting.

Nun sind die Daten und die Aufmerksamkeit des Einzelnen eben nicht gleich viel wert. Meine Aufmerksamkeit und meine Daten sind beispielsweise wesentlich weniger wert, als die von jemandem mit festem und hohem Einkommen. Denn das, was erreicht werden soll ist schließlich, dass der Empfänger der Werbung sein Geld für die beworbenen Produkte ausgibt. Je mehr Geld er hat, desto mehr wert ist seine Aufmerksamkeit. Daraus folgt: die Daten und die Aufmerksamkeit der Besserverdienenden quersubventionieren zu einem nicht unwesentlichen teil meinen Medienkonsum. Und den von vielen anderen Leuten mit wenig Geld. Ich finde das gut.

Auf globaler Ebene ist es sogar noch krasser: Facebook, Twitter und Google sind für alle Menschen auf der Welt für den selben Tarif zu haben: Aufmerksamkeit und Daten. Bedenkt man, dass der Preis für die Daten und die Aufmerksamkeit aufgrund der vielfach höheren Kaufkraft in der „westlichen Welt“ ebenfalls um ein vielfaches höher ist, ergibt sich eine globale Umverteilung. In Schwellenländern wie Ägypten und Peru kann man all diese Dienste nur deswegen unentgeltlich (und das heißt hier meistens: überhaupt) nutzen, weil sie mithilfe der Daten und der Aufmerksamkeit aus den Industrienationen finanziert werden.

Wer eine Abkehr der Internet- und Contentwirtschaft von den Werbegeschäftsmodellen fordert, sollte sich darüber bewusst sein, dass er damit diese globale wie lokale Umverteilung von Reich nach Arm stoppen würde und so vielen Leuten, die es sich sonst nicht leisten könnten, den Zugang zu Diensten und Informationen abschneiden würde. Ich halte diese Position für extrem selbstgerecht und unsolidarisch. Aber vermutlich ist es einfach nur die übliche Privilegienblindheit.


32 Gedanken zu “Werbung ist sozial

  1. Denken wir Dein Beispiel mal weiter:
    Kontakt zu Leuten mit festem Job und gutem Einkommen ist viel wert, zu anderen weniger bzw. de facto wertlos.

    Du folgerst dass Werbung sozial ist, weil die „Habenden“ die „Nichthabenden“ quersubventionieren. Kann man sagen. Aber.

    Gerade wenn ich gut profilen kann und Leute gut einschätzen kann ist ja der nächste logische Schritt: Die interessanten/reichen Menschen kriegen die Inhalte umsonst (werbefinanziert) oder kaufen sich auf Wunsch frei, die Armen müssen immer zahlen, weil mit Werbung an sie nix verdient wird (denn Werbung an Leute ausliefern, die sich eh nichts leisten können kostet die Werber Resourcen und muss somit wegoptimiert werden).

    Du müsstest also de facto Profiling von Menschen untersagen, um das Modell erhalten zu können (was ihr für kaum umsetzbar halte).

    Mir greift Deine Betrachtung deshalb etwas zu kurz, denn nur weil die Werbeindustrie gerade noch wenig clever agiert, muss dem und wird dem nicht so bleiben.

    Wirklich sozial wäre eher ein „die die haben zahlen freiwillig Geld in eine Stiftung/Verein/etc ein und finanzieren so ein Angebot, welches nicht mehr von externen abhängig ist“. Hier wäre die Quersubvention ebenfalls gegeben, aber bewusst umgesetzt und nicht den Interessen der Zahlenden zuwiderlaufend.

  2. Was ich hier beschreibe, ist die aktuell gültige Praxis. Was du beschreibst, sind reine Spekulationen. Ich will nicht ausschließen, dass es so oder so ähnlich kommen könnte, hätte aber einige Gründe, warum das nicht der Fall sein muss.

    Soziale Dienste zum Beispiel sind nicht nur abhängig davon, dass gutsituierte Leute ihre Ads klicken, sondern eben auch vom Netzwerkeffekt, der ebenso von den nicht so gut situierten Leuten ausgeht. Will sagen: ein Dienst nur für Reiche ist auch für Gutverdienende unattraktiv, denn jeder kennt in der Regel mindestens einen, der weniger Einkommen hat, ohne den der Dienst einfach keinen Sinn hat. (Du zum Beispiel mich ;))

    Und genau das sehen wir auch derzeit: App.net musste seine Tore für Nichtzahler öffnen, weil es sonst in der sozialen Bedeutungslosigkeit verschwunden wäre.

    Deine aufgemalte Zukunft halte ich also nicht für zwangsläufig.

  3. Du beschreibst ein $jetzt und leitest daraus ein generelles „Werbung ist“ ab. Dem habe ich mit meinem $morgen Beispiel zu mindest in seiner Breite widersprochen.

    Sicherlich verhalten sich Soziale Netzwerke anders als z.B. Verlagspublikationen: Wo SNs nur vom Netzwerkeffekt leben um Breitenwirkung zu entfalten treiben eben auch Aggregatoren und Suchmaschinen einen großen Teil des Traffics zu den Verlagsangeboten, dort ist der Netzwerkeffekt bei weitem nicht so stark.

    Es wäre in meinem Beispiel also so, dass Du Dich dann umsonst in den sozialen Netzwerken tummeln darfst und die geteilten Inhalte der „Reichen“ als Link siehst, die Inhalte aber trotzdem zahlen sollst. Und hier wird das ganze sogar richtig asozial, weil Dir Deine eigene schwächere ökonomische Position konstant vor Augen geführt wird. Jeder Post zeigt Dir, was andere haben und Du nicht.

    Klar ist mein Beispiel fiktiv, aber eben auch nicht völlig aus der Welt und deshalb ist mir Dein Argument zu generell.

  4. Ich würde sagen, die Aussage „Werbung ist Sozial“ kann man vertreten. Über „Werbung wird sozial sein“ kann man sich streiten. Ich schlage vor, dann darüber zu befinden, wenn sich die Welt in dieser Hinsicht weitergedreht hat.

  5. Bullshit – Werbung investiert in dich unter fadenscheinigen Vorwürfen um schlussendlich mehr Geld aus dir rauszubekommen.

  6. Ja, in etwa genau so differenziert habe ich die Auseinandersetzung der Werbegegner auch in Erinnerung.

  7. Schöne Argumentation, die in der Tat auf ein wichtiges Problem hinweist. Ich würde es jedoch noch weiter spinnen: Wenn wir nun einmal das mehr oder weniger vermarktete Produkt sind, warum vermarkten wir uns nicht besser und professioneller? Zwar hat die Werbeindustrie es in Zeiten von Social Media geschafft, Angebote immer besser auf unsere vermeintlichen Bedürfnisse zuzuschneidern, dennoch bleibt es beim alten „Friss oder stirb Modell“. Die Reaktion mit Ad-Blockern zeigt ja, dass es Kreativität in die eine Richtung gibt, warum dann nicht in die andere?

  8. Was dem aus meiner Sicht nicht widersprechen würde, wäre eine Möglichkeit, zu zahlen um keine Werbung mehr angezeigt zu bekommen. Für alle, die nicht zahlen wollen oder können, gebe es dann immer noch die werbefinanzierte Alternative. Bei vielen Apps wird das ja so gemacht und ich finde dieses Modell gut, solange es für den Nutzer simpel ist.

  9. „Gyuszi:
    Bullshit – Werbung investiert in dich unter fadenscheinigen Vorwürfen um schlussendlich mehr Geld aus dir rauszubekommen.“

    Jetzt wage ich mal eine ganz gewagte Frage: So wie du das sagst, klingt es wie etwas schlimmes.

    Beziehungsweise: Werbung investiert erstmal nicht in mich, sondern möchte meine Aufmerksamkeit auf ein Produkt wecken, damit ich in das Produkt investiere. Wenn überhaupt investiert wird, dann in meine Zeit. Und da wird es nämlich interessant:

    Als Werber und als Unternehmen ist es meine Pflicht dein Interesse zu wecken. Das kann ich mit hässlichen Bannern machen, die ich nicht weg klicken kann, oder ich kann versuchen dich zu unterhalten. Ersteres führt dazu, dass ich als Konsument das Produkt hassen lerne. Der Idiot, der die Phrase „Auch schlechte Werbung ist Werbung“ in die Welt gekotzt hat, möge in der Hölle schmoren. Das ist nämlich Bullshit. Jeder Mensch, der halbwegs bei Verstand ist, wird/muss/kann/darf jedes Unternehmen mit Nichtachtung strafen, das es wagt ihn/sie mit schlechter Werbung zu beleidigen.

    Jedes Unternehmen, das hingegen erfolgreich in meine Zeit investiert, indem es versucht mich zu unterhalten und sich bei mir freundlich anzubiedern, hat es verdient, dass ich zumindest darüber nachdenke mein Geld für dieses Unternehmen auszugeben. Was nämlich viele vergessen: Noch haben wir die Wahl wohin das Geld geht. Wenn mich ein Werberbanner so nervt, dann kaufe ich eben das Produkt nicht. Fertig.

    Diese Diskussion ist eine Chance sowohl für Unternehmen, wie auch für Werber: Als Werber muss ich lernen den Menschen eine Geschichte zu erzählen, in das sie ihre Zeit und Geld investieren möchten. Als Unternehmen muss ich mir die Eier wachsen lassen auch mal etwas zu wagen und nicht den dröfltausensten Banner schalten zu lassen, der penetrant durch die Gegend blinkt.

  10. Ich muss mich den Widersprechern anschließen:
    Erstens:
    Werbung ist… vor allem unproduktiv.
    Wenn ich einen Staubsauger brauche, dann suche ich nicht auf Plakatwänden danach und ich werde mich garantiert für ein Modell entscheiden, dessen Hersteller mir nicht seit meiner Kindheit den Genuss anderer Medien verhagelt.
    Zweitens:
    Eine Abkehr von Werbemodellen würde nach meiner Einschätzung die großen Anbieter schwächen und damit die Dezentralisierung der populärsten Dienste beschleunigen. Darin sähe ich einen immensen Gewinn, gerade aus deinem globalen Blickwinkel: für die vielen weniger abgebrühten Nutzer nämlich, die von der galoppierenden psychologischen Verfeinerung der werbetreibenden Industrie vor unseren Augen komplett eingerollt werden.

  11. Guter Denkansatz, von der Seite habe ich das noch gar nicht betrachtet, wobei ich Werbung auch nicht wirklich als schlimm empfinde – schließlich wird das halbe Netz dadurch finanziert 😉

    Unabhängig davon, ob ich könnte oder nicht, wäre ich auch gar nicht bereit, einen festen Betrag zu zahlen, da ich meine „Informationsunkosten“ mit der GEZ für mich als erledigt sehe. Dazu 10€ Flatter jeden Monat und das muss dann auch reichen.
    Tatsächlich bin ich aber dann so fair und verwende keinen Werbeblocker sondern (um Leistung und Akku-Strom zu sparen) einen Flashblocker. Wer mit Flash seine Werbung realisiert, muss also damit rechnen, dass diese bei weitem nicht überall angezeigt wird und ist selbst schuld.
    Wieso dann aber die Verlage (und z.B. Twitter, FB, usw.) nicht auch ein werbeloses Premium-Modell anbieten ist mir rätselhaft.

    zu einem vorherigen Kommentar:
    Es lässt sich nur feststellen, wer wie oft welche Banner geklickt hat, aber nicht, wer tatsächlich wie oft wieviel Geld ausgegeben hat. Werde ich auf ein Smartphone heiß gemacht, gehe ich zu meinem Provider und klicke nicht auf das gerade blickende Banner. Das gleiche gilt für Webshops, die ich direkt ohne Bannerumwege besuche, wenn ich etwas brauche – unabhängig davon, wann mir das letzte Mal ein Banner „in den Kopf gebrannt hat“, dass es Schuhe nur noch bei Zalando gibt 😉

  12. Zuerst einmal sollte man nicht vergessen, dass die Produktion von Inhalten Geld kostet. Das wird momentan noch durch Abonnements, Käufe dieser Inhalte und Medien und natürlich auch der Werbung mitfinanziert. Kein Geld, weniger Inhalte. Die Leute, die dort arbeiten (Autoren, Grafiker, Drucker, Komponisten, Textdichter, Übersetzer, Journalisten), wollen schließlich nicht nur von den Unternehmen finanziert werden, sondern danach auch von etwas leben. Ihrem Gehalt. Das gehört zum Sozialen dazu.

    Wenn Dein Argument ist, dass Du kein Geld für diese Inhalte hast, dann ist das ein Grund für die Propagierung eines Grundeinkommens, mit dem Du dann Deine Bedürfnisse finanzieren kannst, wenn Du willst. Was bei Dir ja der Fall ist). „Ich habe kein Geld“ ist aber kein Grund dafür, dass man plötzlich nervige Werbung propagiert. Werbung, die die Beworbenen auch noch ausschnüffelt. Ich sage nur „Facebook“.

    Dein Problem ist nicht die Werbung. Werbung ist auch nicht die Lösung für Dich. Es ist das Geld.

  13. Werbung ist und bleibt der Versuch der angewandten manipulativen Psychologie. Sich dem zu widersetzen, ist nunmal ein umwiderstehlicher Reiz für jeden nach geistiger Freiheit dürstenden Individualisten.
    Gerne darf das Konzept der Werbefinazierung von Internetbasierten Inforamtionsdiensten Bestand haben. Der beschriebene soziale Effekt entfaltet aber nur dann seine Wirkung nachhaltig, wenn die Werbung bei einem Großteil der Adressaten auch ihr Ziel erreicht und aus der Aufmerksamkeitserhaschung eine monetär wirksame Transaktion für den Werbenden resultiert. Gerade auf diese Art im Netz beworbene Produkte und Dinstleistungen stehen aber ihrerseits häufig mit sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit im Dissenz. Zu prüfen wäre dann, ob der Netto-Sozial-Wert einen positiven Restbetrag hat.
    Aber selbst wenn, müsste ich es hinnehmen, durch meine persönliche Neigung zur (auch technisch unterstützten) Werbe-Ignoranz als asozial zu gelten.

  14. Pingback: Laute irrt » Linktipps #1 / Klimaskeptiker, Erste-Hilfe-Apps und Sexismus in Computerspielen

  15. Moment mal, Wikipedia gibts doch auch ohne Werbung. Und Debian GNU/Linux wird von Unis und Unternehmen gehostet – auch ohne Werbung. Wo ist Harzos, der Gott der zukünftig arbeitslosen Werber, jetzt?

  16. was ihr, Mspro und tante, völlig überseht, ist die Sache mit dem Status. Werbung richtet sich oft nicht nur an potentielle (ausreichend zahlungskräftige) Kunden, sondern auch an die, die sich das beworbene Produkt nicht leisten können und zu einer billigeren Marke greifen. So sehr mir Gedanke gefällt, dass finanziell schwach gestellte irgendwann keine Werbung mehr sehen weil die Wirtschaft genau weiß dass es bei denen nix zu holen gibt.

  17. Wenn ich deinen Ansatz weiterdenke, solltest du dann nicht entweder auf den Adblocker verzichten, um das freie Netz zu unterstützen, das dich quersubventioniert. Oder aber den Reichen ihre Paywalls und Premiumaccounts als eine andere Spielart der Filtersouveränität zugestehen?

  18. tante
    „Gerade wenn ich gut profilen kann und Leute gut einschätzen kann ist ja der nächste logische Schritt: Die interessanten/reichen Menschen kriegen die Inhalte umsonst (werbefinanziert) oder kaufen sich auf Wunsch frei, die Armen müssen immer zahlen, weil mit Werbung an sie nix verdient wird (denn Werbung an Leute ausliefern, die sich eh nichts leisten können kostet die Werber Resourcen und muss somit wegoptimiert werden).“

    teiler
    „was ihr, Mspro und tante, völlig überseht, ist die Sache mit dem Status. Werbung richtet sich oft nicht nur an potentielle (ausreichend zahlungskräftige) Kunden, sondern auch an die, die sich das beworbene Produkt nicht leisten können und zu einer billigeren Marke greifen.“

    Selbst Leuten die kaum Geld haben kann man Sachen andrehen. Besonders wenn man gut profilen kann kann man daraus auch wieder Strategien machen. Ich weiß nicht ob es funktionieren würde und man müsste es mal ausprobieren aber man könnte bspw. zuerst das teure, prestigeträchtige Produkt bewerben um die Leute heiß zu machen. Dann, im nächsten Schritt (z.B. auf der nächsten Seite) zeigt man dann die billigere Alternative oder die Ratenzahlungsmöglichkeit. Die sind dann genau auf den finanziellen Rahmen der jeweiligen Person zugeschnitten.
    Rein technisch geht das jetzt schon. Die zwei Dienstleister die ich persönlich kenne erlauben das targeten von Personen unter gewissen Einkommensgrenzen allerdings mometan aus „ethischen Gründen“ nicht.

  19. Ein erstaunlich interessanter und durchaus nachvollziehbarer Gedanke!
    Doch frage ich mich, ob ich für den sozialen Gedanken bereit bin, noch durch Werbung belästigen zu lassen. Bislang lautet meine Antwort “nein“, denn ich habe nicht das Gefühl, Werbung sei für viele Unternehmen eine ausreichend große Einnahmequelle. Und dann habe ich mit hässlicher Werbung vollgestopfte Internetseiten _und_ trotzdem hinter einer Paywall versteckte Inhalte oder Funktionen…

  20. Werbung wird nicht von reichen Leuten oder von Unternehmen bezahlt, die die auf diese Weise unseren Medienkonsum finanzieren. Woher haben sie das Geld, sofern sie es nicht selbst gedruckt haben?

  21. Pingback: Lesenswertes 25/05/2013 | Sebastian Booch

  22. Deine Perspektive ist interessant und verlockend, aber sie löst Symptome und nicht die Wurzel. Damit habe ich ein ganz großes Problem. Wozu haben wir Werbung? Damit das Konsumniveau gehalten werden kann bzw. optimiert und gesteigert wird. Wieso brauchen wir dieses Konsumnivau? Weil bei einem Eindruck der Wirtschaftsleistung unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem zusammenbrechen würde, dass durch die Verzinsung von Kapital dazu gezwungen ist, jedes Jahr zu wachsen, wenn es nicht Bankrott gehen will? Was sind die Auswirkungen dieses Wachstums? Ein abgeschlossenes Ökosystem wird über seine Kapazitäten hinaus ausgebeutet und droht zu kollabieren.

    Ja, genau aus diesem Grund, halte ich Werbung für das Böse schlechthin, weil sie ist Erfüllungsgehilfe eines Kreislaufes, in dem es keine Verantwortung aber sehr viel Schuld gibt. Es spricht nichts dagegen, dass ein Produzent seine Ware anpreist, auch nichts spricht gegen den Versuch Aufmerksamkeit zu haschen, das Problem besteht darin, dass Werbung „durchpsychologisiert“ ist, eine „Kampagne“ ist, deren Ziel es ist, nicht widerstehen zu können und die dafür sorgt, dass Menschen mehr Geld ausgeben, als sie eigentlich besitzen. Wozu wird dieses System gefödert? Weil es eine Idee von Thatcher und Reagan war: Gebt den Leuten Kredite, dann gehen sie nicht auf die Straße. Zweiter Punkt. Werbung wird per se niemals sozial sein können, weil, es gibt sie zum Erhalt eines Systems, dass auf soziale Ungleichheit baut, basiert und forciert.

    Drittens: Unsere Welt ist zutiefst intransparent geworden, Deine Gleichung, Reiche würden Arme querfinanzieren ist eine nette Idee, wenn sie denn so geplant wäre. Aber dies ist nicht der Fall. Ein zufällig generiertes Sozialmodell kann aber niemals die Lösung sein, weil niemand verstehen wird, wie Politik dieses Modell regulieren können wird. Ich halte es daher für dringend notwendig, unsere Abhängigkeitsmodelle zu entflechten. Medien z.B. Ein Journalist produziert etwas, will ich dieses Produkt erwerben, bezahle ich ihn. Das ist transparent und nachvollziehbar. Sobald die Konstruktion über Umwege läuft (Journalist produziert etwas, damit ein Blatt Papier attraktiv wird, um daneben Werbung platzieren zu können, die den Leser dazu verleiten soll ein Produkt zu kaufen und dafür schenke ich die Zeitung her) sorgt für unnötige Intransparenz und eben einem Lösungsvorschlag wie Deinem, der einer wackeligen, nicht des Überlebens werten Konstruktion nur unnötig weiterhilft ein paar Jahre länger zu existieren, als es notwendig wäre.

    Ich verdiene nicht viel Geld (In Österreich nennt man es Mindestlohn), nämlich aus dem Grund, weil ich vor langer Zeit viel zu viel Geld ausgegeben hatte, das ich nicht besaß. Dafür bezahle ich mindestens noch 10 Jahre mit Existenzminimum. Trotzdem leiste ich mir z.B. ADN und eine oder zwei Zeitungen, weil ich gegenüber Werbung so imun geworden bin, dass es sich leicht im Monat ausgeht. Ich bin viel reicher, weil ich weniger brauche. Lustig, oder?

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  26. hallo michael, ich plädiere dafür, dass ADN (app.net) in dem zusamenhang nicht als „negativ-beispiel“ genommen wird. die fakten bei adn sind mittlerweile andere als die von dir vorausgesetzten.
    1. jeder kann sich über die app „app.net passport“ einen kostenlosen account anlegen, auch ohne einladung.
    2. auch wenn hier die limitierung (man kann max. 40 folgen) noch besteht, so ist man nicht, wie von dir geschrieben, von informationen und diensten abgeschnitten. denn man kann jedem auf der offenen alpha-seite folgen und schreiben! (z.b. dir hier https://alpha.app.net/mspro)

    ich gehe ein schritt weiter und sehe mittlerweile app.net als sozialer den twitter und co.. bei app.net kommt es zur sozialen querfinanzierung der zahlenden teilnehmer gegenüber den free-membern, ohne diese auszuschließen und ohne werbung.
    ich persönlich sehe den weg den app.net auf diesem schmalen grad geht als sehr abwägend, wach und positiv. oder wie du es mal in einem wmr zu max sinngemäß sagtest: app.net ist das, was wir immer wollten.

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  29. juckeln, ja, app.net geht den freemium-weg. Ich finde den auch nicht falsch, aber sozial dennoch problematisch, denn es schafft immer eine Zwei-Klassengesellschaft auf der Plattform. Ich hingegen bin ein großer Fan der Plattformneutralität.

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