Monika Piel: Verschwörung gegen die Verbraucher

Stefan Niggemeier und Marcel Weiß haben die „Agrumentation“ der ARD-Intendantin Piel bereits schön auseinander genommen. Aber etwas bleibt bei mir zurück, was mich nicht loslässt.

In dem Interview sind derart krasse Verdrehungen der Tatsachen und kontrafaktische Behauptungen, dass sich alles in mir sträubt, an Unwissenheit oder Dummheit zu glauben.

Beispielsweise die Behauptung, dass Google eine Gefahr für die ARD sei. Eine solche Bedrohung ließe sich selbst mit der neusten Multiversenthese der Stringtheorie nicht herleiten. Das ist mehr als dumm. Das ist eine schlichte Lüge.

Der Text strotzt vor solchen kontrafaktischen Behauptungen nur so, dass für mich eigentlich klar ist, dass hier eine mehr oder minder „hidden“ Agenda gefahren wird. Aber bevor ich in das Reich der Verschwörungstheoretiker verbannt werde, will ich darauf hinweisen, dass Verschwörungen ja nicht immer geheim sein müssen und auf ein paar Stellen im Text hinweisen, die eine genauere Betrachtung verdienen:

Ich suche das Gespräch mit den Verlagen. Ich verstehe die Lage der Zeitungen und Zeitschriften, von denen viele in einer ungeheuer schwierigen wirtschaftlichen Lage sind. Mir liegt daran, dass die Printbranche überlebt.

Man kann also davon ausgehen, dass sie mit der Verlegerlobby bereits gesprochen hat. Was genau hat man da zu besprechen? Was kann die eine Seite der anderen anbieten? Die Verleger könnten ihr Propagandasperrfeuer gegen die ÖR (Internet, Tagesschauapp) einstellen – oder andernfalls drohen es auszuweiten. Klar soweit. Und was hat die ARD zu bieten?

Wir bieten Kooperationen an. Mathias Döpfner, der Springer-Chef, denkt bei diesem Thema in die richtige Richtung. Er will eine Allianz der Qualitätsanbieter im Wettbewerb, unter anderem gegen Google, Apple und Vodafone. Die ARD steht dafür bereit.
[…]
Ich kann mir gemeinsame Plattformen vorstellen, um unsere Inhalte zu vermarkten. Wir sollten das Online-Geschäft nicht nur den multinationalen Konzernen überlassen.

Seh ich das richtig? Die Verleger wollen sich kartellartig zusammenschließen, um auf einer gemeinsamen Plattform dem Nutzer Preise diktieren zu können? Und die ÖR? Klar, die funken dazwischen, mit ihren qualitativen Inhalten, die bereits bezahlt sind. Die Politik ist da machtlos, denn dafür ist der ÖR schließlich ja da, wie Stefan Niggemeier so schön gezeigt hat. Sie könnte ihn höchstens abschaffen.

Also zieht die Verlegerlobby einfach die ARD an der Politik, den Verbraucherinteressen und allem, wofür es die ÖR überhaupt gibt, vorbei, mit in das Katrellboot. Frau Piel steht jetzt auf der anderen Seite und verkündet das Verlegerevangelium.

Das hier ist nichts anderes als eine offene Verschwörung.

Eine Verschwörung der ARD mit der Verlagslobby. Ganz offen gegen die Verbraucherinteressen gerichtet und den Grundversorungsauftrag ad absurdum führend.

Da frage ich mich: ist das nicht strafbar?


9 Gedanken zu “Monika Piel: Verschwörung gegen die Verbraucher

  1. Das Eine ist, dass ich mir sehr gut vorstellen kann, dass Du recht hast. Das Andere ist, dass ich daran glaube, dass wir Bürger respektive Verbraucher mehr Macht haben können denn je. Zeigen wir’s ihnen. Vielfalt ist Reichtum und was dort stattfindet ist entsetzliche Armut.

  2. So eine Verschwörung muss nur in ein Wahlprogramm (oder einen Koalitionsvertrag) geschrieben werden, dann kommt man damit durch…

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  4. Ob es etwas verändern wird?
    Sixtus, Weiß, Niggemeier und nun mspr0 vs. ÖR/Verlage?

    Ich freue mich über diese versammelte Kompetenz, die dank dem Netz weiter getragen werden kann, als es ÖR und alte Seilschaften je könnten.

    Doch ob Kompetenz gegen Geklüngel und Filz hilft?

    Wir werden es erleben –
    oder nicht.

  5. In einer echten Demokratie wäre soetwas strafbar, leider leben wir in einer Pseudo-Demokratie, in einer Welt, geführt von Pseudo-Demokratien.

  6. Die Piel ist doch eine Kaiserin ohne Kleider. Was hat sie den Verlegern an content anzubieten? Info/News – aber hier wird seit Jahren bei Dokus und Magazinen gespart. Volksmusik, und Herz-Schmerz-Traumschiff-Schrott sind wohl keine Assets. ZDF und ARD Nutzer sind im Schnitt über 60. Keine Zielgruppe für die Verleger.

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