Ein enthusiastisches und ein banges Auge auf den Mob

//*** UPDATE : www.dresden-nazifrei.de/ ist tatsächlich down. Waren wir mit den Mirrors also gerade noch rechtzeitig. ***//

Ohne heute in große theoretische Schwärmerei zu verfallen, muss hier kurz eine kurze Geschichte verbloggt werden, die nur das Internet schreiben kann.

Nachdem ich heute las, dass das LKA die zentrale Website des Widerstands gegen die Nazidemonstration in Dresden (www.dresden-nazifrei.de/) sperren lassen will, überkam es mich und ich rief ganz spontan dazu auf, die Website zu spiegeln. Digitaler ziviler Ungehorsam, sozusagen. Das ganze fand erstaunliche 15 und sogar viel mehr (Twitter zählt nicht alles) Retweets, fand also innerhalb von Minuten eine Verbreitung die fünfstellig sein dürfte.
Bildschirmfoto am 2010-01-23 um 18.28.12

Und Tatsächlich. Es dauerte kaum eine Stunde und schon waren die ersten Freiwilligen gefunden. Und keine zwei Stunden später war die Komplette Seite zwei mal gespiegelt.

Ehrlich! Ich finde das toll und es zeigt mal wieder, was für ein geniales Instrument der Zivilgesellschaft mit dem Internet in die Hände gelegt wurde. Es gibt aber auch Einwände.

Leider muss ich einschränkend sagen, bin ich gerade nicht ganz glücklich mit meinem eigenen Vorgehen. Der Aufruf war wie gesagt spontan, aus so einem: das-können-wir-uns-nicht-gefallen-lassen-Aktionismus heraus. Bei genauerem Nachdenken hätte ich die Betreiber zunächst mal kontaktieren sollen und die Idee mit ihnen absprechen. Ich hab aber erst die Mail losgeschickt, als die Lawine schon in’s rollen gekommen war. Leider habe ich auch noch keine Antwort.

Die zweite Sache ist, dass alle Meldungen zu der Sperrung nur auf dieser Mitteilung basieren, die selbst von keiner unabhängigen Quelle stammt und in der es weder vom Betreiber selbst, noch vom Provider, noch vom LKA eine konkrete Quelle gibt. Ich hab zwar in der genannten Mail die Betreiber dazu befragt, aber eben noch keine Antwort.

Journalistisch gesehen, war mein Vorgehen also höchst zweifelhaft. Ich sage das vor allem deswegen, weil mir diese Macht, die sich heute wieder eindrucksvoll zeigte, auch bisweilen etwas Angst macht. Jedenfalls hat sich diese von mir losgetretene Welle angesichts der dürren Informationslage auch etwas komisch angefühlt. Ich hoffe nicht, dass ich die Aktion demnächst bereuen muss.

Ich mein ja nur.

Jedenfalls hoffe ich auf einen positiven Bescheid der Dresdenaktivisten zu dieser Sache und dass das ganze irgendwie geholfen hat oder helfen wird. Ich nehme an, dass wir, ich nenn’s mal: politische Internetnetzwerk, die Power haben, diese Seite über Wochen online zu halten auch wenn das LKA jeden Tag eine neue Sperrverfügung zustellte.

8 Responses to “Ein enthusiastisches und ein banges Auge auf den Mob”

  1. Tobias says:

    Es bleiben für heute zunächst zwei Erkenntnisse:

    1) Einer der Vorteile, die das Internet bietet, ist, dass Einzelne spontan etwas bewegen und Aktionen durchführen können, ohne sich langwierig organisieren zu müssen.
    2) Einer der Nachteile, die das Internet bietet, ist, das Einzelne spontan etwas bewegen und Aktionen durchführen können, ohne sich langwierig organisieren zu müssen.
    ;)

    Trotzdem sehr gute Sache von dir (und den Beteiligten Mirrors)! Das nächste Mal halt ein wenig bedachter.

  2. Datterich says:

    So wie es aussieht, ist die Seite jetzt weg. Jedenfalls ging sie nicht mehr.
    Die Frage ist nur, wird da tatsächlich zu Straftaten aufgerufen? Und wenn ja, ist es nicht strafbar die Sperrung zu verhindern?
    Weiter Hintergründe wären schon interessant…

  3. mspro says:

    Datterich, so wie ich das beurteilen kann wird lediglich zum passiven Widerstand aufgerufen, die Demo zu verhindern. Kannst du ja aber gerne alles nachlesen, dafür gibt es ja nun die Mirrors ;)

    Das Verhindern wollen durch passiven Widerstand ist so weit ich weiß zwar illegal, aber nur eine Ordnungswidrigkeit. Wäre zu Gewalt aufgerufen worden, sähe das anders aus. Ich glaube aber, dass die Polizei so eine verquere Argumentation versucht und einen willfährigen Richter oder zumindest Staatsanwalt dafür gefunden hat.

  4. [...] Dresden Nazifrei-Mirrors Ich habe ja mit Erschrecken die letzten Tage die Versuche des Dresdner LKAs verfolgt, die Gegendemo zum Nazivolldeppentreff in Dresden zu kriminalisieren und zu unterbinden, es wurden Plakate beschlagnamt und Büros durchsucht, zuletzt haben die per Dingens die Domain der Gegenbewegung Dresden-Nazifrei.de gesperrt. Die sind nun offline, aber es gibt zwei Mirrors: Hier und hier. (via mspr0) [...]

  5. Datterich says:

    Also sollte das alles mit LKA und der Webseitensperrung so stimmen ist das schon ein Hammer.
    Bei Kinderpornographie etc. schauen alle zu und sind nicht fähig solche Seiten zu löschen oder zu sperren, aber bei einem politischen Bündnis geht es ganz schnell.
    Wie oft hätte man da schon die Bild-Webseite abschalten müssen? Da wird (oft) viel mehr gehetzt…
    Ich find das ganze schon mehr als krass…

  6. zensurgegner says:

    Jetzt erreichbar unter :

    http://www.dresden-nazifrei.com/

  7. [...] doch tatsächlich als öffentliche Aufforderung zu Straftaten eingestuft. Glücklicherweise gibt es Blogger mit Twitter und nun auch Mirrorseiten hier und hier [...]

  8. [...] ein Aufschrei durch die Piratenpartei gehen müssen. Wo bleibt die Netzguerilla? Ach so, die ist unterwegs. Leider ohne Piraten. [...]