Reisetagbuch 5

Tag 5:

Die Luftmatratze: nass. Der Schlafsack: nass. Das Zelt: nass. Meine Klamotten: nass. Ich: nass. Alles, was ich auf dieser Tour besitze ist nass. Es hat die ganze Nacht geregnet und das Zelt war nur sehr notdürftig aufgebaut. Mein Fehler. Ich dachte ja, ich hätte das Unwetter besiegt. Aber das Wetter hat immer den längeren Atem.

Ich hab kaum geschlafen. Die Schweinshaxe von gestern liegt mir sehr quer im Magen. Vor allem mit dem Orangensaft, den ich draufgekippt habe. Das, und das Donnern und Blitzen die ganze Nacht haben mich wach gehalten. Ich habe höchtens hier und da ein Stündchen Schlaf abbekommen.

Als ich um 7 das letzte mal aufwache, ist mein Magen wieder einigermaßen ok. Aber es pladdert immer noch überall rein. Genervt schau ich aufs Regenradar. Gegen 8 wird es kurz aufhören zu regnen. Bis 9. Dann geht es wieder los. Wettervorhersage sagt bis mindestens 14 Uhr Regen. Ich checke meine Optionen. Einfach im Zelt liegen bleiben und ein wenig weiterschlafen, oder die Stunde nutzen, alles zusammenzupacken und dem Regen zum Trotz weiterzufahren. Ich entscheide mich für letzteres. (Bin ja nicht zum Spaß hier, haha!)

Das Zelt zusammenzubekommen ist diesmal schon deswegen ein Problem, weil sich überall Nacktschnecken angeschleimt haben. Die muss ich erstmal vorsichtig überall losmachen. Ich bin sehr genervt. Meine Ausrüstung ist so nass, dass sie bestimmt ein paar Kilo mehr wiegt als sonst.

Das Fahrrad und ich sind bepackt und ich schiebe die Möhre das Feld entlang. Es fängt wieder an zu regnen. Da muss ich jetzt durch. Eine Nacktschnecke sitzt auf meiner Gangschaltung. Hallo.

Ich fahre langsam und mühselig und suche mir meinen Weg raus aus Rostock. Komoot will mich immer noch durch den Hafen schicken und nervt mich. Ich schaffe es, einen funktionablen Weg hinaus zu finden, bin aber von der von Komoot geplanten Strecke abgekommen. „Die Tour wird agebasst“. Ja doch!

Ach ja, noch ein Update von gestern. Ich habe gestern fuckin 96 Km gemacht. Und davon waren 20 für die Katz, weil Komoot scheiße gebaut hat. !%&$?-App!

Als ich wieder on Track bin, führt mich Komoot wieder ganz passabel Richtung vorpommersche Boddenlandschaft. Nach etwa einer Stunde hört es auch auf zu regnen. Es ist immer noch sehr schwül, aber dafür kommt die Sonne ab und an raus.

Vor Diehagen nehme ich eine andere Strecke, als die Komoot vorschlägt. Ich will da auf diese Halbinsel rauf, Komoot will aber, dass ich von unten rum her fahre. Die App schafft es auch nicht eine Alternativroute vorzuschlagen, die mir zusagen würde. Es kennt die Strecken hier ganz einfach alle nicht. Dumme App. Gottseidank ist das hier nicht so kompliziert und gut ausgeschildert. Ich finde mich allein zurecht.

Es ist eine wunderschöne Strecke. Meistens auf einem Deich entlang, mit Meerblick und vielen Zugängen zum Strand.

So langsam ist das Wetter wieder richtig ok, und meine Laune bessert sich. Da ich so früh los bin, hab ich schon vor der Mittagszeit ordentlich Km gemacht und bin fast an meinem Wunschziel.

Um 12 kehre ich in ein Fischrestaurant ein. Ich frage höflich, ob ich hier auch meinen Laptop laden kann und die Bedienung schaut mich an, als hätte ich sie gerade um ihr erstgeborenes gebeten. „Also, nein. Ich weiß nicht. Also …“ stottert sie. Ich erkläre ihr, dass Strom für einen Laptop sehr wenig kostet und biete an, 2 Cent extra zu zahlen. Am Ende lässt sie sich ein. Ich komme mir vor, wie ein Alien.

Währen mein Laptop und mein Telefon laden, esse ich das hier.

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Es ist großartig und viel bekömmlicher als Haxe. Ich verbringe etwa anderthalb Stunden hier bis die Akkus wieder im 90%-Bereich sind. Dann breche ich auf.

Kurz nach Arenshoop, dem Ort mit dem Restaurant, geht der Fahrradweg von der Straße weg. Während die Straße weiter Inlands führt, geht der Fahrradweg entlang des Naturschutzgebietes Darß. Hier gibt es wunderbare Strandzugänge, die nicht so überlaufen sind, weil Autos hier nicht hinkommen. Ich radle durch den Wald und nehme gleich die erste Anlaufstelle zum Weststrand.

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Es ist wunderschön. Der schönste Osteseestrand, den ich bisher sah. Und es ist wenig los. Trotz Wochenende im August. (Die offiziellen Zeltplätze sind übrigens alle überfüllt. Ich habe extra überall nachgefragt.)

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Hier verbringe ich den Tag. Ich kann eine Pause gebrauchen. Die letzte Nacht hat mich sehr geschlaucht. Außerdem habe ich noch kein Wasser am Körper gesehen, seit ich aus Poel weg bin. Der Sprung in die Ostsee ist dementsprechend wohltuend.

Das wars für heute. Hab nur 57 Km gemacht. Aber ich brauch das jetzt.

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Ich liege am Strand, nackt (es ist ein FKK Strand), springe ab und zu ins Wasser und schlafe fast in der Sonne ein.

Gegen 17:00 beginne ich Campingpläne zu schmieden. Ich gehe rauf auf die Dünen und suche einen geeigneten Platz. Da, in der Kuhle ist ideal.

So langsam lichtet sich der Strand. Leute brechen auf, wollen nicht im Dunkeln durch den Wald radeln. Gegen 18:00 ist der Strand fast leer. Ich gehe rüber zu meinem Fahrrad, wo noch die Taschen dranhängen. Ich schließe es ab, nehme die Taschen ab und rolle das Rad ins Gebüsch. Dann strotze ich mit den Taschen den Strand entlang.

Das Zelt ist aufgebaut und die Taschen verstaut.

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Ich gehe mit dem Kochgeschirr zurück an den Strand. Es ist Essenszeit. Der Kocher braucht ungewöhnlich lange, bis er das Wasser zum Kochen bringt. Vermutlich ist das das Ende der erste Kartusche. Hoffentlich reicht sie morgen noch zum Wasser kochen.

Erst gegen sieben ist das Essen fertig. Okok, hier ein Foto:

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Der Sonnenuntergang wird von Wolken verhindert. Ich nehme das Notebook raus und fange an zu bloggen. Und das Wetter fängt an zu regnen. Nicht doll, aber doll genug, dass ich meinen Rechner doch lieber wieder einpacke.

Ich gehe zurück zum Zelt und schreibe dort weiter. Hier hinten habe ich aber kein Netz … Es regnet nicht mehr. Ich glaube, ich geh noch mal raus. Nur zum Bloggen.

Ja, hier ist es besser. Oh, und der Sonnenuntergang ist auch nicht schlecht.

Morgen werde ich über Stralsund (Mittagessen) nach Rügen fahren. Dort will ich endlich mal wieder auf einen Campingplatz. Duschen! Ich will so gerne mal wieder heiß duschen!

Auch: So ganz, ganz, ganz langsam vermisse ich menschenliche Interaktion. Aber gut, das CCCamp ist ja nicht mehr weit. Also zeitlich. Räumlich schon, wie ich heute erst nachgeschlagen hab. Ich dachte, es wäre ne lockere Tagesreise von Greifswald (meiner letzten Station) entfernt, aber nee. 140 Km! Das schaff ich nicht an einem Tag. Ich werd mal gucken, wie ich das umorganisiere. Entweder ich streich den freien Tag auf Rügen, oder ich komm einfach am 13.

Kurz zur Bilanz. Ich bin jetzt bei KM 368. Und es sind noch einige zu fahren.

Während der Sonnenuntergang sich einem dramatischen Höhepunkt nähert und ich das hier schreibe, kommen die Mücken und attackieren mich von allen Seiten.

Nur … noch … dieses … letzte … Foto … Arrggggh!

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4 Gedanken zu “Reisetagbuch 5

  1. Was benutzt du gegen Mücken, Zecken etc.? Bin mit den Nobite-Haut- und Kleidungssprays ganz zufrieden, die sind angeblich tropen-, auf jeden Fall aber Ostsee-tauglich. Mich flog danach nichts mehr an.

  2. Schön zu lesen. Schön dass du bisher überlebt hast! Musste als Langstreckenfahrer bei deiner Tourenplanung das eine oder andere mal mit den Augen rollen. 😉 Trotzdem Hut ab. Wenn du mal eine richtige Bleibe in Stralsund suchst dann melde dich, hier lohnt es sich auch mal länger zu bleiben als nur zum Mittag essen.

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