Nahost

Leute, Leute, Leute. Nahost brennt. Ich hab lange nichts dazu geschrieben, weil mir alle Versuche für die Situation nicht angemessen erschienen. Was soll man dazu sagen? Welche Meinung kann man da haben? In politischen Blogs, in den Medien und so weiter wird erklärt, verurteilt und gerechtfertigt, was das Zeug hält. Ich will und ich kann die Schuldfrage hier nicht stellen und schon gar nicht beantworten. Sie scheint mir darüber hinaus auch völlig unangemessen zu sein. Es geht hier nicht um Schuld, es geht vielmehr um Angst. Und ja, ich habe Angst.

Die Situation ist verfahren, die Lage eskaliert und anders als in den Nahostkrisen zuvor, basteln arabische, teils fanatische Staaten an der A-Bombe oder haben sie bereits. Der Iran rasselt mit seinen Ketten und Syrien steht kurz vor der Kriegserklärung. Saudi-Arabien und Ägypten sind schon lange nicht mehr Herr der Emotionen ihres Volkes. Von Afghanistan brauchen wir schon gar nicht mehr reden. Irak? Ein einziges hasserfülltes Chaos. Pakistan ist noch still, aber auch nur an der Oberfläche. Da drunter brodelt es gewaltig.

Es gibt tatsächlich die allgemeine Hoffnung auf transarabischer Seite, die angebliche Ehrverletzung Israels mit der Bombe beantworten zu können. Israel selber weiß das auch. Auch sie haben die Bombe. Aber funktioniert diese gegenseitige Abschreckung genauso gut, wie sie im Kalten Krieg funktioniert hat? Ist dieser Krieg dazu „kalt“ genug? Es sind hier keine zwei Rationalsimen die sich gegenüberstehen, sondern fanatische Islamkrieger auf der einen gegen wild um sich schlagende Haudraufisraelis auf der anderen Seite.

Wie so oft sitzen also die Parteien auf einem Pulverfass. Aber diesmal kann niemand mehr abschätzen, wie groß dieses ist.


17 Gedanken zu “Nahost

  1. Danke für diesen Beitrag, ich sehe das ähnlich.

    Wer Schuld hat ist mir ehrlich gesagt, scheißegal. Wenn die Schuldfrage ins Spiel kommt, scheitern alle Formen von Beziehungen. Ohne, dass sich alle Beteiligten auf ihre Verantwortung besinnen, geht nichts.

    Aber in diesem Fall Mich macht das Beobachten der Vorgänge in Nahost seit Jahren sprachlos und es erzeugt das Gefühl von Hilflosigkeit.

  2. Mein Problem ist aber, dass ich selber keine Lösungsansätze parat habe. Der richtige Schritt nach der Abwiegelung der Schuldfrage, ist die Suche nach eine konstruktiven Lösung. Ich bin mit meinem Latein am Ende. Und ich hab das Gefühl, die Israelis auch. Es sieht sehr nach einer sterotypen Reflexhandlung aus, denn nach einem Plan.
    Wenn es doch ein Plan sein sollte, will ich ihn gar nicht wissen. Denn den kann es nicht geben, ohne zumindest die Rechung mit Syrien zu machen. Wenn nicht mit vielen mehr.

  3. Wieso glaubst du einen Lösungvorschlag wissen zu müssen?

    In Anbetracht von allem, dass ich darüber weiß, was irgendwie viel und wenig ist, denke ich an so Maßnahmen, wie alle Verantwortlichen (wobei hier sich noch zu diskutieren wäre, wer das eigentlich ist) in einen Raum sperren und solange drin lassen, bis sie sich auf etwas geeinigt haben, dass einer Entscheidung emotionaler Vernunft und Menschlichkeit entspricht. UNd wenn die sich nicht einigen können, bleiben die halt da eingesperrt. Und die Bevölkerung wählt sich neue Oberhäupter und dergleichen…

    Ich weiß, ich weiß, Gutmenschenlösungen usw. usf., alles Utopie aber ich finde diesen Gedanken manchmal interessant.

    Eine andere Variante wäre natürlich auch, dass Menschen, die Kriege anzetteln bitte vorne vor dem Kannonenfutter maschieren sollten, damit sie am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet Krieg zu führen.

    Nur so ein paar Überlegungen. Den Film, den ich kürzlich bei arte sah, zeigte ja deutlich ein bittere REalität, was das Thema Diplomatie angeht. Also ist es ganz schön auch mal über ganz andere Möglichkeiten der Konfliktlösung zu suchen. Die Komplexität der Situatin und die Begehrlichkeiten der unterschiedlichsten Gruppierungen macht die Sache fast schon aussichtslos. Zumindest ist das mein Gefühl dazu.

  4. Das Problem hat teilweise in der Friedenspolitik der letzten 10 Jahre. Israel hat sich zwar nicht gerade mit Ruhm bekleckert, aber immer die Westbank, die Golanhöhen und den Gaza-Streifen geräumt. Worauf Israel jetzt reagiert, sind Angriffe auf auf das Kernland in den Grenzen von 67. Keine Regierung der Welt würde Raketenanschläge auf die eigene Bevölkerung unbeantwortet lassen. Erklärtes Ziel ist es, die Hisbollah auszuschalten. Der Libanon ist handlungsunfägig, weil dort sogar Hisbollah-Leute in der Regierung sitzen. Und der Terror ist von der Leine: Egal ob irgendwelche Bosse bei der Hisbollah sich nun heimlich freuen oder nicht, sie werden ihre weitgehend autonom organisierten Milizen nur schwer zurückpfeifen können, wenn diese fanatisiert sind.

    Ja, ich mache mir auch große Sorgen, erinnere mich gut an das Gespräch, das wir am Rande der Cebit hatten. Die beste Lösung wäre IMHO die Stationierung von Blauhelmen in den entsprechenden Gebieten, aber dafür gibt es in der Uno zu viele antizionistische Staaten. Und die NATO eigenmächtig hinschicken: Dann wären wir Kriegspartei, wenn das ganze eskaliert. Die EU/NATO muss sich auf militärischer Ebene konsequent heraushalten. Vielleicht schaffen wir ja was am Verhandlungstisch… 🙁 Zum Kotzen das ganze.

    Mir scheint, die WM hat bei allen „interessierteren“ Menschen eine Art Katerstimmung hinterlassen. Nahostkonflikt, dieser fade Gesundheitskompromiss und das Kränkeln der Regierung, auf die so viele Hoffnungen für ein „Durchreformieren“ gesetzt waren. Nur die Ignoranten feier weiter schwarz rot geil.

    Außerdem ist der Sommer zu heiß.

  5. Hmpf… doof, dass man seine Kommentare nicht nachträglich editieren kann, hab zu schnell getippt. „immer“ statt „immerhin“ usw… naja, ich muss mich jetzt erstmal um naheliegenderes kümmern. CU

  6. Manchmal ist ein Krieg unausweichlich. Aber da unten will keiner Krieg führen. Und die Angst vor der ABombe halte ich für absolut unbegründet. Ich könnte jetzt ausführen wieso, nur soviel: Die Welt ist zu klein für eine ABombe und Israel braucht keine gegenseitige Abschreckung. Solange der Selbsterhaltungstrieb existiert gehen da bestenfalls 50m² auf einmal kaputt. Nutzlose Showraketen 4ever.

  7. Ich nehme an du verstehst den Satz. Du hinterfragst aber den Sinn oder den Wahrheitsgehalt der Aussage.

    Falls dem so ist und ich die ?????? richtig interpretiere möchte ich darauf nicht antworten. Wenn du der Meinung bist, dass Krieg eine Sache ist, der man immer ausweichen kann, dann bitte. Es gibt aber noch andere Menschen, mit anderen Wertvorstellungen und die sind da vielleicht anderer Meinung. Mehr kann ich jetzt aber nicht sagen, denn soviel geben deine Fragezeichen nicht her. Vielleicht hättest du noch mehr setzen sollen. Das hätte mehr Eindruck gemacht. Auf der anderen Seite hätte vielleicht auch eins gereicht.

  8. Wenn wir uns vor Augen führen, welche konsequenzen angeblich unausweichliche Kriege haben, halte ich eine solche Äußerung für absult zynisch und fest im Kontext von Begrifflichkeiten, wie „Kollertaralschäden“ stehend.

    Aber mit der Sprache und dem Denken ist es halt so eine Sache. Solange es denkbar ist, dass Kriege „manchmal unausweichlich sind“, ist es auch so. Man sollte immer vorsichtig sein, welche Realität man so erschafft.

    Aber schön, dass du das Setzen von mehr als einem ? verstanden hast, haben sie ihren Zweck also erfüllt.

  9. Lieber Dies&Das, ich finde du solltest schon genauer darauf eingehen und versuchen zu argumentieren, wenn du hier meinst, dass Krieg unvermeidbar sein kann. Es ist ja schließlich so, das eine solche Aussage ein pazifistisches Herz wie meines durchaus erschüttern kann.

    Und Somlu, dass man jeden Krieg vermeiden kann… die Chance das zu Beweisen hast du gehabt – und du hast sie leider nicht genutzt. Schade.

  10. Wieso sollte ich das beweisen sollen? Welches Stadium welcher Konflikttheorien ziehst Du vor?

  11. Also erstmal: Keinen Stress hier, alles locker bleiben usw. Ich will hier keinen verärgern, somlu. Nur dass wir uns nicht mißverstehen.

    Jetzt zum Thema unvermeidliche Kriege.

    Wortdefinition:
    Das Wort „Krieg“ bedeutet ursprünglich „Hartnäckigkeit“, „Anstrengung“, „Streit“. Das Verb „kriegen“ heißt einerseits „Krieg führen“, andererseits „bekommen, erhalten“: Dies kann Herkunft und Charakter dieser kollektiven Gewaltanwendung anzeigen. Auch wo andere Kriegsanlässe im Vordergrund stehen, fehlt selten ein ökonomischer Hintergrund. In der Sprache Sanskrit bedeutet Krieg „Wunsch nach mehr Kühen“. (siehe Wikipedia)

    Ich halte mal fest: Krieg ist eine mit Gewaltmitteln geführte Auseinandersetzung, warum auch immer. Die Legitimierung eines Krieges erfolgt durch die Kriegsparteien selber, d.h. A und B dürfen sich irgendwelche Gründe sich gegenseitig den Kopf einzuschlagen an den Haaren herbeiziehen. Manche wollen in Wirklichkeit mehr Kühe (Bush vs. Irak) und andere ihre Ehre bspw.

    Es gibt in manchen Kulturen dieser Erde z.B. Ehre und Würde als höchstes Gut, so wie wir den Mensch in den Vordergrund rücken und „Menschenrechte“ formulieren haben diese Kulturen ungeschrieben Ehrenkodizes, die über dem Leben stehen. In manchen Fällen kann die Ehre nur durch Blut wieder reingewaschen werden, in solchen Fällen gibt es dann kleine Auseinandersetzungen, die zu Kleinkriegen innerhalb einer Bevölkerungsgruppe bzw. einer ausgewachsenen Fehde führen können. Ist bspw. die Ehre einer Bevölkerungsgruppe beschmutzt worden kann es sein, dass nur durch den Tod einiger aus der anderen Glaubens / Bevölkerungsgruppe diese wieder hergestellt werden kann. Und dann ist ein Krieg zwischen den beiden Gruppen unausweichlich – andernfalls müsste die verletzte Gruppe mit der Schande leben, was aufgrund ihres Wertesystems nicht funktioniert, es ist einfach nicht möglich.

    Ich kann hier keine Metapher anführen, weil es einfach unvorstellbar für uns ist, dass wir wegen eines beleidigenden Wortes den anderen Töten müssen – und dass die Gesellschaft das auch einfordert.

    Und vielleicht sind diese Menschen, die da töten gehen ebenfalls Pazifisten, also in dem Sinne, als dass sie das Kriegen und Töten verabscheuen, nichtsdestotrotz gezwungen sind, dem anderen eine Kugel zu geben.

    Ich halte aus meiner deutschen Perspektive so etwas für vollkommen unnötig – aber auch die Ehrenmorde in der Türkei sind gang und gäbe und aus den Augen der Menschen dort unumgänglich, eine Notwendigkeit die aus der zugefügten Schande entsteht.

    Grüße
    Dies&Das

  12. Somlu, ich meinte das auf dein Posting bezogen, in dem Du ja nicht sehr Konfliktscheu aufgetreten bist 😉

    Dies&Das. Deine Perspektive nennt man, so weit ich weiß, Kulturrelativismus. Ich wäre da vorsichtiger, denn obwohl du, relativ gesehen, Recht hast, halte ich einen daraus zu schnell gezogenen Fatalismus für sehr gefährlich. Kultur lässt sich ändern, sie ändert sich jeden Tag, also sollten wir es versuchen. Bei der Wahl der Mittel bin ich allerdings gegen Streubomben und für Dialog. Aber diese Ehren-Scheiße geht mir nämlich ziemlich auf den Senkel und die arabische Welt (ich sage arabische, nicht islamische, weil auch ich das für einen kulturellen Aspekt halte, nicht für einen religiösen) tut sich damit keinen Gefallen.

    Auf der anderen Seite stehen die Universalisten, die meinen, es gäbe unveräußerliche und allgemeingültige Regeln, die für alle Menschen gelten oder zumindest gelten sollten. Diese Ansicht halte ich für noch gefährlicher (die Neocons auf der anderen Seite des Atlantiks vertreten diese Position)

    Nun zum unvermeidbaren Krieg: Ich habe dazu keine wirkliche Meinung. Ich kann nur sagen, was ich sehe, und das ist zur Zeit der Krieg in Nahost. Und hier sehe ich tatsächlich etwas unvermedbares: Wenn ein Land angegriffen wird, so sollte es sich im Rahmen seiner Möglichkeiten verteidigen. Das würde ich auch von meinem Land erwarten, sogar fordern, wenn mir die Raketen auf den Kopf fallen.
    Ich halte also diesen Krieg insofern für unvermeidbar, als dass ich eine „na lasst sie doch auf uns schießen“-Option für reichlich akademisch halte. Ich glaube nichtmal, dass Du, Somlu, da mitmachen würdest.

    Die ndere Frage ist natürlich das „Wie“. Israel baut da ne Menge Scheiße, das steht außer Frage. Obwohl sie sich rühmen, die humanste Armee der Welt zu sein, sind die zivilen Opfer enorm hoch. Ich ziemlich bin sicher, dass es „noch“ humaner geht.
    Vor allem: Mit sowas stärkt Israel den Gegner. Der Zulauf zur Hisbollah ist wahrscheinlich auf seinem Höchststand. Soviele können die gar nicht abknallen, wie da nachwachsen. Eine ziemliche Zwickmühle das.
    Ich sehe da zur Zeit auch keinen anderen Ausweg als eine Internationale Schutztruppe und zwar eine mit Zähnen, die es schafft die Hisbollah konsequent
    zu entwaffnen, am besten aufzulösen.
    Aber ich glaube mittlerweile auch, dass das utopisch ist. Dafür müsste man Iran und Syrien aussperren.
    Für die ganze Aktion bräuchte man also roundabout 100.000 Soldaten.
    Ich glaube optimistisch gesehen werden es 10 bis 20.000. Wenn überhaupt.
    Und dann ist die genauso schwierige Palestinenserfrage nicht mal angeschnitten.
    Ehrlich, als Israeli würd ich auswandern.

  13. @maspro, im Moment als ich eben Deine Seite lud, ging mir die Ironie auf. Naja, manchmal brauch ich einen Moment ;-). Frag mal meine Liebste, wie kämpferisch ich mit Worten sein kann. Ich wurde schon gefragt, ob ich vielleicht in südlicheren Gefilden aufgewachsen bin.

    Nein, ich habe sicherlich nicht davon geredet, dass sich jemand, der angegriffen wird, sich nicht verteidigen soll. Beim aktuell von den Medien wahrgenommen Konflikt im Nahen Osten (von den 38 kriegischen Konflikten liest man ja nicht so viel), fehlen mir selbst (aus den verschiedensten Gründen) die Worte. Mir geht es mehr um die Ursprünge und Ursachen, als auch dem „Wem nützt es“.

    Ansonsten habe ich ja weiter oben schon etwas dazu gesagt.

  14. Möchte das Thema hiermit für mich als abgeschlossen bezeichnen aber trotzdem einen wichtigen Unterschied, den du mspro gesagt hast, mit in meine zukünftige Argumentation bei dem Thema aufnehmen: nicht Islam sondern Araber. Denn ich denke (auch), dass der Islamismus nur aufgrund der Kultur auf die Art und Weise wie er das in diesen Ländern tut, aufgeht und damit die Kultur das Problem darstellt.

    Auch den Ansatz, dass Kultur sich immer, täglich ändert finde ich gut – jetzt ist nur die Frage des WIE.

    Grüße
    Dies&Das

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