Wulff’s frohe Botschaft

Heute ist Gauck nicht zum Präsidenten gewählt worden. Ich glaube, er wäre der bessere Präsident gewesen, allerdings würde ich das in Gegenüberstellung zu Wulff im Zweifel auch von einer angematschten Tomate mit angeklebten Propellerhut behaupten.

Ich habe aber vor allem auf einen Wahlsieg von Gauck gehofft, weil ich hoffte, dass dies die ungeliebte Schwarz-Gelbe Koalition vom Platz fegen würde, wie ich hier und hier ja hoffnungsfroh äußerte. Das ist jetzt nicht der Fall gewesen – ich habe mich geirrt.

Die Koalition ist jetzt seit einigen Runden bereits angezählt, viele sehen und sahen sie bereits kurz vor ihrem Ende. Vor allem auch ich. Wir alle hofften, dass die Bundespräsidentenwahl dem Trauerspiel ein Ende machen würde, weil sie die implizite und seit Wochen schwelende Vertrauensfrage endlich deutlich auf das Tapet bringen würde. Wenn Gauck gewählt worden wäre, wäre Merkel am Ende gewesen, da bin ich immer noch sicher.

Und nun ist die Situation folgende: Ja, Merkel ist immer noch – zumindest konzeptionell – am Ende, das hat das alles gezeigt. Sie hat keine Vision, sie hat keine Leute, sie hat keinen Plan und keine Inspiration. Vor allem zeigt die Wahl auch, wie unglaublich saturiert die Regierung handelt und wie wenig Gespür sie für Stimmungen und vor allem für politische Integrität besitzt. Das alles hat nur einen Haken, denn seit heute wissen wir: sie kommt damit durch.

Das ist die wirkliche Botschaft dieses dann doch noch im dritten Wahlgang durch gepeitschten Präsidenten Wulff:

„Ja, wir sind zwar am Ende, aber das ist uns völlig egal. Seht her, da seht ihr es, wir haben gewonnen, gewonnen haben wir, wir haben uns wieder mal erfolgreich durch gemogelt. HAHA, ihr kriegt uns nicht klein, unser Raumschiff hier oben ist außerhalb eurer Reichweite. Wir kommen damit durch, wie wir bisher mit allem durch gekommen sind und diesmal wissen wir es noch viel deutlicher als zuvor, nämlich, wie doll wir auf eure Meinung scheißen können.“

Ja, das ist die Botschaft, die ich daraus lese und sie bedeutet nichts gutes. Sie bedeutet eine gewisse Dauerhaftigkeit dieses Statuses, dass man sich seitens der Regierung mit ihm angefreundet hat, jedenfalls irgendwie arrangiert hat. Dass man so noch lange weiter regieren zu denken pflegt und dass wir – das Volk, der Souverän – noch eine gewaltige Durststrecke vor uns haben könnten. So kohlschen Ausmaßes, oder so.


4 Gedanken zu “Wulff’s frohe Botschaft

  1. Und selbst wenn Merkel gehen müsste, weil man sie durch Neuwahlen nach Hause schickt, würde das doch nix ändern. Die Politik von Rot-Grün oder einer großen Koalition wäre doch nicht anders. Das mussten wir doch in den letzten Jahren schmerzhaft feststellen. (Beispiele dafür gibt es ja wohl genug)

  2. Doch doch. Wir haben alle gejammert über Rot-Grün und deren dumme und teils grausame Entscheidungen, haben aber gemerkt, dass Stillstand in der Großen Koalition nicht besser ist. Jetzt haben wir Stillstand und grausame Entscheidungen und dazu ein riesen Topf von Inkompetenz. Meiner Meinung nach stellt diese Regierung den absoluten Tiefpunkt seit mindestens Kohl dar. Egal ob Rot-Grün, Rot-Rot-Grün, Ampel oder Große Koalition: diesmal kann es nur besser werden.

  3. Richtig! Es kann nur besser werden, aber leider nicht gut genug, um die Probleme unseres Landes adäquat zu lösen. Mehr will ich gar nicht zu diesem Thema sagen, sonst fang‘ ich hier noch an von einer Revolution zu schwärmen… 😉

  4. Och, ich bin ganz zufrieden.

    (1) Die Linke ist standhaft geblieben, wenn auch womöglich aus teils unsinnigen Motiven – Chapeau! So ein Neocon wie der Gauck ist not my president.

    (2) Merkel ist angeschlagen, aber noch nicht tot. Was kommt nach Merkel? Koch? Es geht immer noch schlimmer. Schauen wir Merkel zu, wie sie Schwarz-Gelb weiter demontiert. Popcorn!

    (3) Die SPD macht sich (wieder einmal) lächerlich, wenn jeder einzelne blassrote Parteisoldat vor den Kameras über die Linke schwadroniert, sie hätte den Kandidaten verhindert, nach dem Bürger und (!) Netz sich sehnten. Unsinn. Die Leute waren nicht für Gauck, die Leute waren gegen Wulff. Aber solcherlei filigrane Unterschiede dürften den trüben Blicken stumpfsinniger SPDler tatsächlich verborgen bleiben.

    Klar, mein Wunschergebnis von, sagen wir, 14% Union, 0,2% FDP, 14% SPD, 30% Grüne, 25% Linke und 16,8% Piraten dürfte noch einige Zeit auf sich warten lassen, aber Union, FDP und SPD arbeiten daran. (ja, ist zynisch – so zynisch wie die politische Realität zurzeit)

    Der gestrige Tag hat uns meinem Wunschergebnis ein gutes Stück näher gebracht. Es war ein guter Tag.

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