ACTA in plain Deutsch

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Dies ist ein Crosspost eines für Facebook geschriebenen Artikels. Hier auf meinem Blog habe ich das Gefühl, dass ich nur zum Chor predige, denn Blogs werden in Deutschland nur von genau der Minderheit gelesen, die eh ungefähr weiß, was ACTA ist. Es kann ja aber dennoch nicht schaden, den Text auch noch mal hier zu veröffentlichen. Dennoch wäre es schön, wenn ihr ihn – in welcher Form auch immer – vor allem auf Facebook verbreitet. Einfach, weil er dort die größten Chancen hat, die Richtigen zu erreichen.
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Liebe nicht so netzpolitisch interessierten Freunde, (früher hätte ich „Offlinefreunde“ gesagt, aber das stimmt ja nicht mehr. Ihr seid ja alle auf Facebook – und das finde ich gut!), ich brauche eure Hilfe. Ja, wirklich jetzt. Und es ist dringend.

Bitte nehmt Euch einen ganz kurzen Moment und schaut euch dieses Video hier an:

Die sind ganz schön sauer, wa? Das ist in Polen und die Polen demonstrieren gegen etwas, das „ACTA“ heißt. Gut, denkt ihr jetzt: Diese ehemaligen Ostblockländer haben immer mal wieder schlimme Regierungen, die schlimme Gesetze verabschieden. Kann man ja verstehen, dass die demonstrieren.

Aber ACTA ist kein Gesetz und vor allem kein polnisches. Und deswegen gehen nicht nur die Polen, sondern auch die Leute in Frankreich, Belgien und vielen anderen europäischen Ländern auf die Straße. ACTA ist nämlich ein so genanntes „Handelsabkommen“ mit vielen internationalen Partnern. Und einer der Partner ist die EU – also auch die Polen. Und: richtig, auch wir. Letzten Donnerstag unterzeichnete einer der EU-Verantwortlichen den Vertrag. Und zwar in Japan.

Gut, denkt ihr. Ein Handelsabkommen. Das ist doch schön. Brummt die Wirtschaft wieder, es geht bergauf. Was regen sich die Leute also so auf, dass sie zu Zehntausenden bei minus 15 Grad auf die Straße gehen?

Nun, dieses Handelsabkommen hat es in sich. Es verpflichtet die Unterzeichnenden Staaten dazu einige ihrer privaten Unternehmen zu einer Art Polizei umzufunktionieren. Sie sollen Wache schieben, Streife fahren und kontrollieren und auch bestrafen. Wen? Schlimme Verbrecher bestimmt. Nein, Euch! Ja, richtig gelesen, es geht um Euch!

Eines der Ziele von ACTA ist es zum Beispiel euren Internet Service Provider (das ist das Unternehmen, wo ihr wegen Internet immer Geld hin überweist) dazu zu verpflichten, alles was ihr im Internet so tut genauestens zu überwachen. Und euch auch gleich zu bestrafen, falls ihr nicht spurt. Zum Beispiel urheberrechtsgeschützes Material widerrechtlich besorgt. Dann ist das Internet weg. Zack!

All das gilt natürlich für viele Dienstleister, vor allem im Internet. Auch der Google soll euch überwachen, der Youtube und auch der Facebook. Und sie alle sollen euch auf die Finger klopfen, wenn ihr „böse“ seid. Ihr glaubt, das geht doch gar nicht? Das können die GoogleFacebookYoutube doch gar nicht leisten, so viel zu überwachen? Wahrscheinlich habt ihr recht. Und dann gibt es eben kein GoogleFacebookYoutube mehr. Jedenfalls nicht so, wie wir es kannten, weil diese Dienste sonst mit Klagen überrollt werden. Sie sind dann nämlich nun für euch „verantwortlich“.

Ja, ACTA will nicht weniger, als das Internet – in dem sich jeder frei ausdrücken kann – zu zerstören. Sie wollen das Internet zwingen, zu einer Art Fernsehen zu werden, wo nur ihr Programm läuft und Ihr gefälligst wieder die Schnauze zu halten habt.

Jetzt fragt ihr natürlich, wer diese „die“ sind, die das machen wollen.

„Sie“ sind die internationale Inhalterechteverwertungsindustrie. All die Labels, Verlage, Filmstudios etc., die wegen dem Internet ihre Geschäftsmodelle bedroht sehen. Sie finden das nicht gut, was hier passiert. Es stört ihre Bilanzen. Sie glauben leider, dass sie ihr Geld, statt für den Aufbau wirklich attraktiver Downloadportale, lieber in Anwälte und Lobbyisten investieren sollten, um die Staaten und Internetdienste dazu zu bringen, ihr Geschäftsmodell zu beschützen. Dass sie die Meinungsfreiheit im – wie wir seit letztem Jahr wissen – wichtigsten politischen Medium damit zerstören, ist ihnen egal.

Und bei diesem Wahnsinn machen die Politiker mit?

Es sieht leider so aus. Leider gehören auch die Politiker größtenteils eher zu den „netzpolitisch weniger interessierten“ Menschen. Sie wissen wenig über das Internet und haben ein offenes Ohr für Leute, die darüber klagen, dass etwas neues, komisches (dieses Internet) ihr jahrzehnte doch so super funktionierendes Geschäftsmodell kaputt macht. (Denkt denn keiner an die Arbeitsplätze?!?)

Aber, wenn das alles so wichtig und schlimm ist – fragt ihr euch jetzt sicher – warum hab ich dann noch nie etwas darüber erfahren?

Zum einen ist das natürlich gewollt. Die Verträge zu ACTA wurden über Jahre unter absoluter Geheimhaltung entwickelt. Es hat lange gedauert, bis überhaupt zugegeben wurde, dass es so ein Abkommen gibt. Die Versionen des Vertragswerkes, die wir kennen, wurden von Netzaktivisten „geleakt“ (ja, so wie bei Wikileaks).

Zum anderen erfährt man darüber nichts in den klassischen Medien, weil die klassischen Medien selber Nutznießer dieses Abkommens sind. Ob ihr es glaubt oder nicht, es stinkt den Verlagen auch hierzulande, dass ihr lieber den Facebook lest, statt die Gala und lieber drollige Katzenvideos auf dem Youtube klickt, statt Bauer sucht Frau zu gucken. Da verdienen die nämlich nichts dran. Warum sollten sie Euch also was über ACTA erzählen? Ist schließlich auch scheiße kompliziert und passt irgendwie nicht in die Abendnachrichten.

Und nu? Is jetzt alles vorbei? Haben „die“ gewonnen?

Nee, noch nicht ganz. Das europäische Parlament muss erst noch über ACTA abstimmen. die ACTA-Macher glaubten, dass das nur reine Formsache wär. „Einmal abnicken, bitte!“ Aber in Polen und in anderen teilen der EU regt sich der Widerstand. Es wird langsam aber sicher eine Öffentlichkeit für das Abkommen geschaffen und in ganz Europa merken die Menschen, dass es hier um sie geht und um die Zukunft der Demokratie und Meinungsfreiheit. Nur in Deutschland noch nicht. Aber das kann sich ja ändern!

Okay! Was kann ich tun?

Zunächst einmal ist das wichtigste hierzulande überhaupt mal Öffentlichkeit zu schaffen. Ich kann das nicht. Blogs können das nicht. Die werden in Deutschland leider nicht gelesen. Deswegen brauche ich ja auch Eure Hilfe. Also tut mir bitte den Gefallen und teilt diesen Post an möglichst alle Eure Freunde. Je weniger Internetnerd, desto besser.

Und informiert Euch weitergehend. Zum Beispiel hier gibt es sehr anschauliche Videos. (netzpolitik.org ist sowieso eine gute Adresse für Nachrichten dieser Art. Bei Interesse einfach hier die Facebookpage liken. dann bekommt ihr deren aktuelle News in Euren Nachrichtenstrom.)

Dann gibt es eine Demo am 11. Februar um 15:00 in ganz Deutschland. Tretet für aktuelle Nachrichten dem Facebookevent bei. Es ist wichtig, dass dort so viele Menschen hinkommen wie möglich, damit die Politiker und Lobbyisten merken, dass die Bevölkerung nicht schläft. Nicht mal in Deutschland.

Unterschreibt bitte auch bei dieser internationalen Petition:

Und dann ist es natürlich immer gut, wenn man versucht, den eigenen Euroabgeordnenten zu dem Thema zu kontaktieren und auf die Gefahren aufmerksam zu machen.

Liebe – hoffentlich – netzpolitisch nicht mehr ganz so uninteressierten Freunde, ihr merkt, das Netz geht uns alle an. Es ist ein wichtiger Baustein für eine demokratische Zukunft. Wir müssen auf es aufpassen, denn es gibt viele undemokratische Menschen, die es aus eigennützigen Interessen zerstören wollen und viele Politiker, die das nicht verstehen. Um es zu beschützen, braucht es auch eure Wachsamkeit, denn glaubt mir, das ist alles erst der Anfang.


Open in Public Day

Heute ist der Open in Public Day. Eine super Erfindung der Spackeria um dem Lebenslaufoptimierten Reinheitsvorstellungen der hiesigen Datenschützern ein herzhaftes „Fuck You!“ entgegenzuschleudern. „Verschwende deinen Realname!“ sag ich – und stelle meine peinlichsten Saufbilder in’s Blog und in’s Facebookprofil. Dann haben alle etwas davon und die Jugendlichen vielleicht weniger Angst vor dem uminösen Personalchef.


Ich weiß nicht mehr, mit was ich da gegurgelt habe, ich schätze aber, es war Bier.


Im ersten Semester muss es gewesen sein, da haben wir „geboßelt„. Am Ende habe ich nicht nur den Weg mehr richtig getroffen.


Kein Kommentar.


*Hicks*


Auf dieser Party musste ich mich kurz mal hinlegen. Gott sei dank hatte ich gute Freunde bei mir, die mich anständig dekorierten.


Ich schwöre, das ist ein Flaschenöffner! ja, ein Falschenöffner!


Ich weiß nicht mehr wann und wo das war, aber bin mir sicher, der Typ links ist nicht unschuldig an meinem Zustand.


Quo vadis, Google?

Als Google seine neue Suche „Search, plus Your World“ launchte, dachte ich zunächst: „WOW! Google setzt alles auf eine Karte.“ Google+ soll der neue Dreh und Angelpunkt von allem sein. Obwohl sie fast ausschließlich mit Such-Anzeigen Geld verdient, will es sich nun mit aller Macht in ein Social Network mit angeschlossener Suchmaschine verwandeln.

Und tatsächlich. Egal ob die Verstümmelung des Readers, die Mailintegration, die Schließung so vieler Googleprodukte und die Einschränkungen bei APIs – alles hat sich Google+ unterzuordnen, ganz gleich, wie hoch die Kosten sind.

Doch was, wenn Google+ doch kein Erfolg wird? Social Networks agieren mehr noch als andere Produkte in einem „The Winner takes it all„-Markt. Und dieser Winner ist nach wie vor Facebook und sitzt fest im Sattel. Seine Netzwerkeffekte haben einen derartigen Lock-In, dass sich schon heute kaum jemand entziehen kann, ohne beträchtliche Einbußen in seinem Sozialleben zu ertragen. Facebook zu schlagen ist verdammt schwer. Und nee, das sehe ich nicht.

Warum also so eine risikobehaftete Strategie?

Ich hatte im letzten Jahr versucht zu zeigen, wie der Ansatz, den Google über Jahre als das „Interface zum Web“ zu fahren versuchte, durch die enorme Wichtigkeit von geschlossenen Plattformen in Gefahr geraten ist. Um eine gute Suchmaschine zu sein, braucht Google Daten darüber, was die Leute interessiert. Diese Daten liegen aber zum größten Teil beim geschlossenen Facebook. Je weiter Facebook wächst, desto größer wird der blinde Fleck in Googles Daten. Es ist logisch, dass ein eigenes Social Network – sollte es erfolgreich sein – hier Linderung verspricht. Das, so die Annahme, ist eben Google+.

Aber während ich noch rätselte, warum Google jetzt so auf Teufel komm raus sogar seine Suche „opfert“ um Plus zu pushen, schrieb Marcel Weiß noch eine weitere Deutung von Googles Strategie auf: Was, wenn Google die Integration von Plus in die Suche nur als Druckmittel und Drohkulisse – zumindest als Verhandlungsmasse – gegenüber Facebook und Twitter in’s Spiel bringt?

Es ist bekannt, dass Google schon lange versucht, Facebook und Twitter dazu zu bringen, ihre Daten für Google zu öffnen. Eine Zeitlang hatte Google Twitter auch so weit und konnte ihre Daten integrieren, doch der Vertrag wurde nicht verlängert. Was aber, wenn eine solche Integration nach wie vor ihr Anliegen ist? Dass Google+ jetzt exklusiver Datenlieferant für die Relevanz von Googlesuchergebnissen ist, läge also gar nicht an der Ausnutzung der Monopolstellung von Google, sondern an der Datengeizigkeit von Twitter und Facebook. Was, wenn Google die beiden mit diesem Schritt also nur zurück an den Verhandlungstisch zu bomben versucht? Bei Twitter scheint man jedenfalls schon aufgeschreckt zu sein.

Eine ähnliche Deutung existiert übrigens auch für Googles riesige Patentdeals. Es ist relativ offensichtlich, dass Google Motorola letztes Jahr vor allem auch deswegen kaufte, weil es die meisten und wichtigsten Mobiltelefonpatente überhaupt besitzt. Im ständigen Rechtsstreit, den Google wegen Android an allerlei Fronten auskämpfen muss, sind das natürlich recht scharfe Waffen, um sich zu verteidigen oder gar anzugreifen. Dazu kommen die vielen erst kürzlich eingekauften IBM-Patente.

Auch hier riefen die Kritiker, dass Google seine Ideale verrate. Die Firma hatte immer zu erkennen gegeben, dass sie von Patenten und Patentkriegen wenig hält, engagierte sich sogar als Lobbyist für die Abschaffung von Softwarepatenten. Und auf einmal versucht Google der große Player im Patentkrieg zu werden? BUUUH!

Auch hier existieren unterschiedliche Deutungen:

Die erste wäre: klar, Google wird erwachsen und sieht: mit Anwälten kann man mehr Geld verdienen, als mit Ingenieuren.

Die zweite wäre: Das ist pure Notwehr! Google Die Telefonhersteller, die Android einsetzen müssen ja jetzt schon 10 Dollar Lizensgebühren pro Smartphone an Microsoft abdrücken. Sie brauchen die Patente schlicht zum überleben.

Die dritte aber wäre: Google versucht den Patentmarkt zu ownen – um ihn abzuschaffen. Erst wenn man selbst Großpatentbesitzer ist, kann man sinnvoll gegen Patente lobbyieren, bzw. die anderen zum Waffenstillstand zwingen.

Die Frage ist also: Was sehen wir da gerade, wenn wir Google beobachten? Ein Unternehmen, dass sich jetzt einfach auf das Geldverdienen konzentriert und seine Glaubenssätze über Board schmeißt? Ein Unternehmen, dem es heute noch gut geht, aber merkt, dass es in naher Zukunft mit dem Rücken zur Wand steht und hektisch Rettungsmanöver einzuleiten versucht? Oder sehen wir ein Unternehmen, dass die Lage politisch, strategisch genauestens analysiert hat und merkt, dass es nicht reicht, selber Grundsätzen zu folgen, sondern dass man das Spiel dominieren muss, um es nach eigenen Regeln zu spielen.

Sind die Patente und ist Google+ also nur der Hebel, um die Marktteilnehmer zu mehr Offenheit – zum Guten – zu zwingen? Tut Google das alles nicht, um das Spiel zu gewinnen, sondern um das Spiel zum positiven zu ändern?

Wahrscheinlich ist diese Deutung zu schön, um wahr zu sein. Ich würde da aber gerne dran glauben.


Hacker, Geniekult und Kontrollverlust

Wo ich gerade den grandiosen Artikel von Kathrin Passig lese, in dem sie die in Feuilletonkreisen virulent gewordene „Algorithmuskritik“ detailliert auseinander nimmt: das wichtigste steckt in diesem Absatz:

2009 wurde der mit einer Million US-Dollar dotierte „Netflix Prize“ für die Verbesserung von Film-Empfehlungen verliehen. Die am Wettbewerb beteiligten Teams gaben in Interviews an, nicht mehr nachvollziehen zu können, wie ihre eigenen Algorithmen zu manchen Ergebnissen gelangen. Dass die Empfehlungen treffsicher sind, ist unstrittig, weil sich ihre Qualität anhand der abgegebenen Nutzerbewertungen überprüfen lässt. Aber der Weg dorthin erschließt sich auch den Programmierern nicht mehr.

In den Gesprächen mit Schirrmacher hatte ich immer das Gefühl, dass es da die Hoffnung auf eine technische Intelligenz gibt, die das alles richten wird. Leute, die zu erklären im Stande sind, was da passiert. Ich glaube, er denkt das im CCC gefunden zu haben. Und in der tat, ist das natürlich auch das Selbstbild der Hacker. „Der Kontrollverlust gilt ja nur für die da draußen. Die, die keine Ahnung haben.“ Stilprägend ist für diese Haltung immer der höhnische Unterton des Talks „Security Nightmares“ auf dem CCC-Kongress.

Zwar wäre es begrüßenswert, wenn über solche Themen besser Leute schreiben, die sich wenigstens ein bisschen auskennen (mehr Passig als Meckel!). Aber nicht, weil diese Leute im Stande sind, haarklein herzuleiten, was da genau passiert, sondern weil dann nicht so ein himmelschreiender Unsinn verbreitet wird, wie die Artikel von Meckel.

Aber die Hoffnung auf die technische Intelligenz als die neue Erklärbärelite unserer Zeit ist dennoch ein Irrtum. Nicht erst Julien Assange musste schmerzhaft feststellen, dass der Kontrollverlust kein Außerhalb kennt. Auch bei den Hackern wachsen die Zweifel, dass sie noch die coolen Schockwellenreiter sind. Der letzte Security Nightmare Talk lies jedenfalls schon mal ein paar nachdenklichere Töne zu.

Wir betreten gerade die Ära, wo Computer Dinge tun, die wir nicht mehr verstehen können. Auch keine supertollen Hacker und nee, auch keine noch so intelligenten Wissenschaftler. Mit Big Data ist das definitiv vorbei. Was wir aber weiterhin tun können, ist zu überprüfen, ob die Prognosen stimmen und die Algorithmen Dinge tun, mit denen wir zufrieden sind. An den Kontrollverlust aber müssen wir uns gewöhnen. Auch die Hacker.

Nachtrag: Natürlich wäre auf einer solchen Ebene auch eine sinnvolle Algorithmenkritik wichtig. Welche Algorithmen tun was und wie gut? Gemessen an ihren Ergebnissen. Und natürlich ist es wichtig und gut, sich mit der Funktionsweise von Computern zu beschäftigen und zu lernen wie Datenbanken und Webservices funktionieren. Aber nicht, um alles unter „Kontrolle zu haben“, sondern einzuschätzen, in welchem Maße man sie überhaupt noch haben kann.


Meine erste Hauptrolle

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UPDATE: Unglaublich dieses Internet. Kurz nachdem ich das Video postete meldete sich @MarcelBelledin bei mir via Twitter. Er habe das Soundfile überarbeitet. Er schickte es mir in die Dropbox und es war um einige Kategorien besser als das Original. Jens hat es nun eingebaut und jetzt kann man unten die fast komplett gefixte Version gucken. Wie großartig! Danke Marcell, du bist der wahre Held dieses Twartort!
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Nein, es war im Frühjahr 2009. Ich saß gerade mit ein paar Freunden – unter anderem Sebaso – in einer Kneipe in Friedrichshain und wir schauten Tatort. Es war der berliner Tatort und es war keiner von den schlechten. Und da kam uns die Idee: es müsste doch mal einen berliner Tatort in und um die Netzszene geben.

Es ist doch so: Tatorts sind doch immer – im besten Fall – auch Milieustudien. Die Kommissare fangen an zu ermitteln und stoßen auf Leute, die irgendwie anders sind. Im Laufe der Handlung, graben sich die Ermittler immer tiefer in dieses Milieu ein und stellen die Spezifika heraus und nutzen sie für ihre Recherchen. Das ginge doch mit der Netzszene auch prima. Social Media als Ermittlungsumgebung und natürlich auch als Ermittlungswerkzeug.

Ich twitterte das, direkt nach dem Tatort. Auf einmal rief Jens Best an. Wo ich sei und dass ich da bitte kurz bleiben solle. Er rückte mit dem Taxi an. Wir gingen ein wenig in Richtung meines Heimweges, während Jens mir seine Idee präsentierte. Es solle ein Tatort Kurzfilm werden. Er würde ihn drehen, alles ogranisieren. Ich nickte müde, jaja, ich wollte nach hause. Was man halt so erzählt in der ersten Begeisterung, dachte ich.

Das war Sonntag. Am Mittwoch klingelte wieder das Telefon. Jens war dran: „Hab alles soweit klar gemacht, Skript steht. Du hast eine der Hauptrollen, Sebaso die andere. Samstag drehen wir. Passt dir das?“ Etwas verdattert sagte ich zu.

Am Samstag kam ich zum also morgens zum Drehtermin. Jens hatte richtig aufgefahren. Es war ein echtes Filmteam am Start. Richtige Schauspieler, echte Kameraleute, Visagistin, alles. Er hatte nicht nur ein Drehbuch, sondern auch einen Drehplan, der alles durchorganisierte. Es gab drei Orte, wo wir drehten und wir schafften es, alles an einem Tag runterzudrehen.

Es war ein riesen Spaß. Leider merkten wir erst hinterher, dass das Tonaufnahmegerät irgendwie defekt war. Der Ton war im Eimer. Nicht komplett, man kann alles verstehen, aber der Ton ist eben schlimm übersteuert. Jens, der bis dahin ein übermenschliches Maß an Organisationstalent bewiesen hatte, wollte eigentlich alle noch mal zum Nachsychronisieren bestellen. Leider verlief sich das immer wieder im Sand.

Und jetzt, nach 2 dreiviertel Jahren, ist das Video zumindest mal auf Youtube. Schön geschnitten finde ich. Ich habe mich sehr gefreut.

Geniest mit mir den Twartort: