Queryology, die erste Ladung

Was ich bereits bei der Entwicklung des Vortrags merkte: das Thema ufert aus. Es sind im Grunde zwei Thesen, die aufeinander aufbauen. Und jetzt, wo ich das Thema noch mal schriftlich überarbeite, wird mir klar, dass das ein Zweiteiler werden muss.

Deswegen gibt es hier zunächst nur den ersten Teil meiner Ausführungen zur „Queryologie“: Das Ende der Medien.

(Was genau die „Queryology“ überhaupt ist oder sein soll, hoffe ich dann im nächsten Teil noch diese Woche veröffentlichen zu können.)

(und vielleicht steht dann ja auch bald mal das Video mal auf Vimeo zur Verfügung?)


Programmhinweis

Im Fernsehen kommt immer nur Schrott. Bis auf nächsten Sonntag!

Heute war ich nämlich mit einem Fernsehteam in Berlin unterwegs. Sie wollten für einen Einspieler ein paar Bilder einfangen, der dann in der Sendung west.art talk zu sein sein soll. Dort werde ich nämlich mit Simone Dietz, Christian Schertz, Ellen Thiemann und Ranga Yogeshwar darüber diskutieren, ob und wie eine transparente Welt möglich ist und ob das wünschenswert ist oder der Untergang des Abendlandes. Ihr könnt euch denken, welche Position ich dazu vertreten werde.

Hier die Programmankündigung: Mitgelesen, mitgesehen, mitgehört – Das Ende der Privatsphäre.

Also Sonntag 16.01.2011 um 11.00 – 12.25 Uhr: WDR einschalten.
Und jetzt werde ich die ganzen Leute da mal googln …

PS: kann da jemand mal irgendwie aufnehmen? Zur Sicherheit.


Datenschutz now!

Irgendwo muss es ein Land geben – vielleicht in einem Paralleluniversum – in dem persönliche Daten verkauft werden. Ich meine damit nicht die Adresshändler der Printverlage oder Kriminelle, die geklaute Kreditkartennummern verticken. Keine Frage, die gibt es.

Nein. Es muss noch ein Land geben, in dem die Information „Michael Seemann hat „XY“ geliket„, „Michael Seemann’s Beziehungstatus ist Z“ oder „Michael Seemann findet folgenden Link gut“ eine verkaufbare Ware ist. Denn das ist das, was uns die Medien, wie aktuell der SPIEGEL, immer wieder verklickern wollen: „Facebook will deine Daten verkaufen! VERKAUFEN!!!EINSELF

Nein, das wollen sie nicht. Sie wollen mir Werbung einblenden. Sie wollen damit Geld verdienen, dass ich eine Anzeige eher klicke, wenn man vorher ein paar Daten zur Eingrenzung vornimmt. Sie wollen verhindern, dass ich Werbung für Slipeinlagen zu sehen bekomme, weil ich doch Autos viel eher klicken würde, was ich nicht tue, aber im Weltbild eines Werbers ist das halt so. Das ist das Geschäftsmodell, das mehr oder minder leidlich funktioniert, aber gut genug funktioniert, dass andere Leute Facebook viel Geld geben.

Und ja, es gibt Probleme mit Daten: Beispielsweise, dass die US-Unternehmen gezwungen werden, auf Zuruf persönliche Daten ihrer Nutzer an die US-Regierung abzugeben. Durch Twitter, die die betroffenen informierten, ist das jetzt öffentlich geworden. Zu glauben, Facebook würde nicht angefragt, wäre hochgradig naiv. Bei denen läuft das mit Sicherheit unter der Hand. Aber auch in diesem Fall werden die Daten mitnichten verkauft, sondern sie werden beschlagnahmt. „It’s the law!„, wie der Amerikaner sagt.

Ja, wir müssen aufpassen, was wir schreiben, sagen und tun, das macht die aktuelle Entwicklung in Sachen Twitter und Wikileaks mal wieder deutlich. Aber auch hier ist der Feind in jedem Fall nicht Twitter und auch nicht Facebook, sondern der Staat. Der Staat ist es, der einen auf Linie bringen will, der Menschen zwingen will, bestimmte Handlungen zu tun oder zu lassen, weil er es für politisch opportun, legal oder illegal hält. Und der Staat ist es, der mich in’s Gefängnis steckt oder meine Wohnung durchsucht. Er ist es, der mir mein Leben zur Hölle machen kann. Nicht Facebook, nicht Google, nicht Twitter.

Wenn der Datenschutzdiskurs sich weiterhin von den Flachpfeiffen wie Aigner, der Spiegel oder Peter Schaar die Butter vom Brot nehmen lässt, wird Facebook irgendwann webgesperrt, ein „digitales Radiergummi“ wird unsere Daten verDRMen, alle Häuser werden bei StreetView verpixelt aber die Vorratsdatenspeicherung kommt trotzdem. Das Wort „Datenschützer“ beginnt bereits einen piefigen Unterton zu bekommen. Es wäre schade, wenn es zum Schimpfwort wird. (Und genau deswegen ist es eben doch wichtig, dass der CCC sich zu Themen wie StreetView öffentlich und klar positioniert.)

Der Staat und andere Institutionen wollen die Kontrolle über die Informationen zurückerlangen. „Datenschutz“ solange er sich als Abwehrrecht gegen den Staat versteht, ist nicht nur aber auch deswegen derzeit ein wichtiges Anliegen. Es sollte nicht verspielt werden, nur weil der Datenschutz sich in falschen Feindbildern verrennt und sich unrefektiert und selbstgerecht nur noch auf die Schulter klopft. Es wird Zeit für den Datenschutzdiskurs, sich kritisch mit dem eigenen Sujet auseinander zu setzen, denn wir brauchen ihn aktuell sehr dringend.


App Store

Es kann eigentlich gar nicht anders sein, als das wir Menschen nicht nur mit Brett vorm Kopf geboren werden, sondern heillos und komplett vernagelt auf die Welt kommen.

Man kann sich jetzt – zurecht – darüber lustig machen, was für eine wenig revolutionäre Idee der App-Store eigentlich ist. Man kann sich aber auch fragen: Warum zum Teufel gibt es das nicht schon seit 10 Jahren?

Nehmen wir doch einfach mal ein paar lapidare Beobachtungen:

1. Die zentrale Verkaufsfläche von Produkten verschiedener Hersteller: vom mittelalterlichen Marktplatz, über den Gemischtwarenhändler bis zum Supermarkt. Man weiß seit immer, dass genau das eine gewinnbringende Idee ist. Ein zentraler Marktplatz im Internet funktioniert sogar noch besser, siehe Amazon und Ebay.

2. Bei wild herunter geladener Software besteht schon seit immer ein Vertrauensproblem.

3. Installationsprozesse sind aufgrund der Heterogenität von Software und System schon immer ein userunfriendly sucking scheiß! Software für ein bestimmtes Problem zu finden sogar noch mehr.

4. Bezahlvorgänge im Internet sind kompliziert und werden schon aus diesem Grund ungern und selten für Software getätigt.

5. Updates für Software war schon immer …

Ach, was red ich. Ich könnte stundenlang aufzählen, warum die Menschheit schon immer einen App Store haben wollte.

Vor knapp 10 Jahren kam Microsoft XP auf den Markt. Ich sehe nicht, warum ein Appstrore da nicht schon wunderbar funktioniert hätte. Das Internet war schon so weit, dass man da Programme herunter lud. Allen: den Kunden, den Herstellern und auch Microsofts Systemintegrität hätte ein Appstore vieles erleichtert. Und man hätte von Anfang an viel Geld machen können.

Wie kann es also sein, dass da über ein Jahrzehnt ein riesen Haufen potentielles Geld im Internet rumlag und niemand den gesehen hat? Bis heute?

Ich will hier nicht überheblich sein, im Gegenteil. Ich hab das ja auch nicht gesehen, und selbst als ich den Appstore beim iPhone in Benutzung nahm und mich über die Leichtigkeit der Bedienung freute, kam ich nicht auf den Gedanken, dass das für das RechnerOS ja auch ne gute Idee sein könnte. Brett vorm Kopf. Vernagelt. Ich. Wie wir alle.

Naja, Apple wird jetzt jedenfalls noch mal einen scheiß großen Haufen Geld mehr verdienen. Menschen sind komisch.

(PS: Und warum geht er gerade nicht?)


Die unverlegenen Verleger

Folgenden Text hatte ich für dradio.wissen geschrieben und er sollte heute als Netzreporter Kommentar gesendet werden. Wird er nun doch nicht. Aus Gründen. Aber ich stelle ihn mal hier zur Verfügung.

Die unverlegenen Verleger

Ich weiß nicht mehr, wann es anfing. Der Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der zu der Massenlöschung von Informationen beim Internetangebot der Öffentlich Rechtlichen führte, ist der erste Coup der Verleger, an den ich mich erinnere. Der Gesellschaft den Zugang zu Informationen zu versperren, um private Unternehmen zu peppeln, alles brav von der Politik umgesetzt – ein Glanzstück der Lobbyarbeit.

Seitdem ist viel passiert. Das Propagandasperrfeuer der Verlage gegen jede digitale Publikationsform der Öffentlich Rechtlichen bekam immer groteskere Züge. Der Höhepunkt war erreicht, als auf einmal die Demokratie gefährdet war, weil man jetzt mit der Tagesschau-App Nachrichten auf dem iPhone sehen kann.

Neben dem lautstarken Lamentieren hat die Branche allerdings auch in der Stille gearbeitet. Ein sogenntes Leistungsschutzrecht für Presseverleger steht in der Koalitionsvereinbarung der aktuellen Regierung. Weil der Markt die Presseerzeugnisse nicht mehr bezahlt, will man ihn eben dazu zwingen. „Leistungsschutzgeld“ wäre die treffendere Vokabel.

In den Medienangeboten der Verlage liest man von dieser Geiselnahme der Gesellschaft natürlich nichts. Wie auch, wenn die, die auf das Geld spekulieren, zufällig auch an den Druckerpressen stehen?

Der neuste Traum der Veleger ist eine gemeinsame Plattform zum Onlinevertrieb von Nachrichten. Weil das mit dem Vertriebsweg über das iPad nicht so klappt, will man sich zusammentrommeln, um eine gemeinsame Mauer mit Bezahlschranke zu errichten. Wenn alle Verlage mitmauern, so die Rechnung, dann müssen auch alle bezahlen. Also wir.

Dafür hat man jetzt sogar die amtierende ARD-Intendantin Monika Piel gewonnen. Nur den Verlegern zuliebe, will sie sich in die Mauer einreihen und für die bereits mit Gebührengeldern bezahlten Inhalte beim Nutzer ein zweites mal abkassiern. Ist das nicht nett?

Ich frage mich, mit welchem Vorschlag die Verlger als nächstes um die Ecke kommen. Eine allgemeine Vorschrift zum täglichen Kauf der Bildzeitung? Eine Schußwaffenerlaubnis für Drückerkolonnen?

Der so genannten vierten Gewalt ist mittlerweile alles zuzutrauen. Sie vertritt niemanden mehr, außer sich selbst.


Nachtrag: Silvester

Ich habe Silvester dieses Jahr das erste mal in meiner Gegend verbracht.

Das beinhaltete auch einen Gang über die Oberbaumbrücke. Was ich nicht wusste: 10 nach 12 war die Oberbaumbrücke nicht weniger umkämpft, als seinerzeit die Brücke von Arnheim.

(Ich habe mir auch meine Erfahrungen auch schon beim Wir.müssenreden-16-Podcast von der Seele geredet).

Für die starken Nerven: hier die verstörenden Bilder unserer Kriegsberichterstattung.:


Warum eigentlich Banken?

    Ich habe für dieses Jahr fast 30 Euro Kontogebühren gezahlt. Wenn ich eine EC-Karte bestelle, dauert das 4 Wochen. Für alle mögliche Dinge muss ich Gebühren zahlen, obwohl ihnen keine Kosten gegenüber stehen. Transaktionen dauern absurd lange und sind furchtbar kompliziert und aufwändig durchzuführen. Die Webseiten sind grauenhaft gestaltet und der Service ist mies. Warum eigentlich Banken?

    2008 drohten die Banken Reihenweise umzukippen, Rettungsschirme in Millardenhöhe schafften es, sie gerade noch zu stützten. Indem die Steuerzahler nun Griechenland und Co aus der Patsche helfen, passiert eigentlich auch nur wieder eine indirekte Bankenrettung. Die Manager stecken sich derweil die Boni wieder ein und der Finanzkapitalismus wird die Welt vermutlich zeitnah an den Rand des Abgrunds führen. Warum haben wir die noch mal gerettet?

    Der Postdramatiker hat anhand der Entwicklungen in Afrika schön aufgezeigt wie das Bezahlen der Zukunft aussieht. Transaktionen von Device zu Device. Dort zwar aus Mangel an Alternativen, doch auch bei uns könnte man sich fragen: warum eigentlich Banken?

    Facebook druckt bereits sein eigenes Geld. Die Facebook Credits werden zwar derzeit nur für die Social Games wie Farmville genutzt, aber das muss ja nicht so bleiben. Facebook sitzt bereits in vielen Webseiten mit Likebutton und Widget und Flattr hat vorgemacht, wie die Einklickbezahlung funktionieren kann. Facebook könnte auf einen Schlag der Mircropaymentmarktführer der Welt werden. Ein Markt, den die Banken verschlafen haben und mit zu hohen Transaktionsgebühren immer zu verhindern suchten. Natürlich muss man auch die Facebook Credits per Bankkonto aufladen. Aber warum eigentlich?

    Der Netzökonom schreibt über das iPad:

    „Ebay hat festgestellt, dass auf keinem Gerät so viele Produkte angeschaut werden und so viel Geld ausgegeben wird wie auf einem iPad.“

    Bezahlen tun die Leute den Kram, den sie auf dem iPad kaufen dann weiterhin per Kreditkarte oder Paypal. Und das obwohl doch alle einen iTunesaccount haben, der fest in dem Gerät verdrahtet ist. Apple könnte sich fragen: Warum machen eigentlich die anderen das Geschäft?

    Googles Android verbaut bereits die NFC (Near Field Communication)-Chips. Daraus könnte sich ein einfacher Weg ergeben, unterwegs Zahlungen zu tätigen. Schnell am Kiosk mit dem Handy bezahlen, Preis erscheint auf dem Display, OK drücken, fertig. Auch das iPhone soll ab der nächsten Generation diesen Chip implementieren. Ich wäre dabei. Und Apple könnte hier wieder die Zahlung über den iTunesaccount (siehe oben) connecten. Ein Applestore für alles? Aber warum wird der iTunesaccount dann nicht gleich ein richtiges Konto?

    Aus dem Projekt der Mikrokredite ist ein lukrativer Markt geworden. Crowdfunding gewinnt langsam die Größe, in der es ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor wird. Wenn wir alle direkt – auch mit Kleinstbeträgen – Projekte finanzieren können, an die wir glauben – egal ob aus wirtschaftlicher, ideeller, loyaler oder emotionaler Intention – werden wir uns Fragen: Wozu brauchen wir da noch einen Mittler, wenn das Internet uns zusammenbringt?

Ab 2011 werden Banken vor allem blöd im Weg rumstehen, während die realen Transaktionen langsam aber sicher in die Hände der Technologieunternehmen gleiten. Man wird zunächst weiter auf Banken bauen, sie sind ein tradierter Teil in der Kette, aber auch die Sollbruchstelle. Dort wo es hakt. Banken werden immer mehr zum Problem, statt zur Lösung.

Ich glaube, 2011 wird der Anfang des Endes der Banken sein.


Monika Piel: Verschwörung gegen die Verbraucher

Stefan Niggemeier und Marcel Weiß haben die „Agrumentation“ der ARD-Intendantin Piel bereits schön auseinander genommen. Aber etwas bleibt bei mir zurück, was mich nicht loslässt.

In dem Interview sind derart krasse Verdrehungen der Tatsachen und kontrafaktische Behauptungen, dass sich alles in mir sträubt, an Unwissenheit oder Dummheit zu glauben.

Beispielsweise die Behauptung, dass Google eine Gefahr für die ARD sei. Eine solche Bedrohung ließe sich selbst mit der neusten Multiversenthese der Stringtheorie nicht herleiten. Das ist mehr als dumm. Das ist eine schlichte Lüge.

Der Text strotzt vor solchen kontrafaktischen Behauptungen nur so, dass für mich eigentlich klar ist, dass hier eine mehr oder minder „hidden“ Agenda gefahren wird. Aber bevor ich in das Reich der Verschwörungstheoretiker verbannt werde, will ich darauf hinweisen, dass Verschwörungen ja nicht immer geheim sein müssen und auf ein paar Stellen im Text hinweisen, die eine genauere Betrachtung verdienen:

Ich suche das Gespräch mit den Verlagen. Ich verstehe die Lage der Zeitungen und Zeitschriften, von denen viele in einer ungeheuer schwierigen wirtschaftlichen Lage sind. Mir liegt daran, dass die Printbranche überlebt.

Man kann also davon ausgehen, dass sie mit der Verlegerlobby bereits gesprochen hat. Was genau hat man da zu besprechen? Was kann die eine Seite der anderen anbieten? Die Verleger könnten ihr Propagandasperrfeuer gegen die ÖR (Internet, Tagesschauapp) einstellen – oder andernfalls drohen es auszuweiten. Klar soweit. Und was hat die ARD zu bieten?

Wir bieten Kooperationen an. Mathias Döpfner, der Springer-Chef, denkt bei diesem Thema in die richtige Richtung. Er will eine Allianz der Qualitätsanbieter im Wettbewerb, unter anderem gegen Google, Apple und Vodafone. Die ARD steht dafür bereit.
[…]
Ich kann mir gemeinsame Plattformen vorstellen, um unsere Inhalte zu vermarkten. Wir sollten das Online-Geschäft nicht nur den multinationalen Konzernen überlassen.

Seh ich das richtig? Die Verleger wollen sich kartellartig zusammenschließen, um auf einer gemeinsamen Plattform dem Nutzer Preise diktieren zu können? Und die ÖR? Klar, die funken dazwischen, mit ihren qualitativen Inhalten, die bereits bezahlt sind. Die Politik ist da machtlos, denn dafür ist der ÖR schließlich ja da, wie Stefan Niggemeier so schön gezeigt hat. Sie könnte ihn höchstens abschaffen.

Also zieht die Verlegerlobby einfach die ARD an der Politik, den Verbraucherinteressen und allem, wofür es die ÖR überhaupt gibt, vorbei, mit in das Katrellboot. Frau Piel steht jetzt auf der anderen Seite und verkündet das Verlegerevangelium.

Das hier ist nichts anderes als eine offene Verschwörung.

Eine Verschwörung der ARD mit der Verlagslobby. Ganz offen gegen die Verbraucherinteressen gerichtet und den Grundversorungsauftrag ad absurdum führend.

Da frage ich mich: ist das nicht strafbar?


beeilt euch!

Irgendwie ist 2010 etwas passiert. Etwas bedeutendes. Es ist ein Bruch merkbar und das Gleiten in das Jahr 2011 fühlte sich irgendwie verwirrend an. Man schaute zurück, während man rutschte und fragte, was denn genau passiert war. Es gab kein initiales Ereignis wie den 11. September oder den Mauerfall, aber doch gerade in letzter Zeit eine ganze Reihe von Ereignissen, die alle irgendwie einen Endpunkt markieren.

Staat, Kapitalismus, Geheimnis, Wachstum, Massenmedien, Demokratie, Europa, USA, Industrie, etc. sind nur einige Konzepte und Institutionen, die nur noch mit ständigen Notoperationen und einem Haufen Pflaster zusammengehalten werden.

Irgendwie scheint es so, als wäre 2010 das Jahr des Endes gewesen. Nicht, dass all diese Dinge schon wirklich verschwunden wären, aber so wie bei Peak-Oil ist ihre Endlichkeit urplötzlich in’s Sichtfeld geraten. Wir donnern sehenden Auges auf das Ende unserer Welt zu. Und das erschreckenste: Wir haben kaum Ideen, für das, was danach kommen wird oder soll.

Es gibt hierzulande keine prograssive Kraft mehr in der Politik. Der Wandel kam zu schnell, als dass der langsame Dinosaurier Demokratie darauf einrichten konnte. Mit CDU, FDP, SPD, Grüne, Linke sitzen fünf konservative Kräfte im Parlament. Keine hat eine grundlegend neue Idee, alle verteidigen bestehende Strukturen und weigern sich beharrlich, in neuen zu denken.

Die Piraten sind auf dem Weg, aber leider noch nicht weit gekommen. Dennoch ist es derzeit die einzige Partei in der überhaupt über neue Konzepte und neue emanzipative Ideen nachgedacht wird. Die Piraten sind derzeit aber eher ein Thinktank als eine politische Kraft. Aber so lange sie noch im Dunkeln tappen, ist das vermutlich auch besser so.

Jedoch: sie werden zu spät gekommen sein. Das ist meine Befürchtung. Bevor nämlich überhaupt in größeren Maßstab über Alternativen nachgedacht wird, muss es schlimm werden. Sehr schlimm. Ungarnschlimm. Wenn nicht noch schlimmer.

Der „Wutbürger“ ist keine Illusion. Es ist der – vielleicht gerechtfertigte – blinde Hass gegen „das System„, der in uns allen schlummmert. Der Wutbürger wird beklatscht, wenn sein Hass die (vermeintlich) richtigen trifft und er macht uns Angst, wenn er sich in Millionenauflagen von Hetzern wie Sarrazin widerspiegelt. Der Wutbürger wird auch 2011 auf die Barrikaden steigen, wogegen auch immer.

Ich glaube übrigens nicht, dass der Adel 1789 aus Arroganz und Ignoranz heraus jedes Zugeständnis an „das Volk“ verweigert hat. Das ist nur die nachträgliche, überhebliche Interpreation aus einer Zeit, in der die zu erstrebenden Werte der Revolution selbstverständlich sind. Nachträgliche Evidenz. Ich glaube, dass sich der Adel überhaupt keine Vorstellung einer anderen Welt machen konnte, ebensowenig wie die Jakobiner selbst.

Das System wird stürzen, bevor wir Konzepte für ein neues haben. Und dann regiert der Hass. Wie gut, dass unsere Generation die Mobilität mit der Muttermilch aufgesogen hat…

An die Utopisten: beeilt euch!