Weltjugendkotze

Wenn man als links-liberaler Hobbyzyniker wie ich, all diese Geschichten vom Weltjugendtag hört, von jungen Menschen mit all ihrer fröhlichen Ausgelassenheit oder diese Bilder sieht, mit all ihrer keuschen Frömmigkeit, dann bildet sich unwillkürlich ein eklig grüner Schleimklops im Rachen, den man diesen tanzenden und singenden Schafen sogleich auf die schneeweiße Wolle kotzen möchte.

Aber „Nein!“, ist der nächste Gedanke. „Was bewegt mich eigentlich so zu denken?“ Schließlich sind sie doch die Glücklichen. Sie sind es, die so etwas wie Erfüllung verspüren in ihrer Spiritualität. Sie sind es, die gläubig und selig sind und nicht wie ich, der ich in dem dumpfen, dunklen Sumpf des Zynismus mein Leben fristen muss, weil ich unfähig bin zu glauben. Sie können es. Ich kann nur stänkern. Dann bin ich der Unhold, der Grummel Griesgram im Regenbogenland. Sie machen es richtig, ich mach es falsch. Was bilde ich mir eigentlich ein, mir ein Urteil über sie zu erlauben. Ich bin doch nur Eifersüchtig. Neiderfüllt schaue ich auf ihre Liebe, die ich unfähig bin zu teilen. Sie machen mich nur auf mein eigenes Defizit aufmerksam, dabei wünsche ich mir doch nichts sehnlicher, als so wie sie ein Teil zu werden von einem größeren Ganzen, aufzugehen in einer Liebe, die mich selbst weit übersteigt, die mir freilich noch fremd ist, bei der ich mir aber sicher bin, dass sie mich durchdringen wird, mich annehmen wird, so wie ich bin und die mir Hoffnung geben wird und …

*SPUCK* – hehehehe


Dejavu?

Nein, tut mir leid Schrödi. Diesmal nicht.
Der Iran hat tatsächlich Massenvernichtungswaffen und bei den Bayern gibts für nen Sozi eh nix zu holen, ganz egal bis wohin denen das Wasser steht.


Durchbruch: Das Geheimnis der Aura ist gelüftet

Biophotonen sind nichts anderes als das „Sich-mitteilen-der-Dinge„, die „schwache messianische Kraft„, das „Residium des göttlichen Schöpferwortes„, das „geheimnisvolle Scheinen“ und natürlich die „Aura„.
Wenn Walter Benajmin das noch hätte erleben können.


Die Hand des Pseudopolitikers

Als sich Gerhard Schröder 1998 auf den Kanzlersessel niederließ, verschwanden seine Hände unter dem dem Schreibtisch. Keine Ahnung was sie da so gemacht haben. Sein Wahlslogan jedenfalls „wir machen nicht alles anders, aber vieles besser“ hatte kurz zuvor den Dicken vom Platz gefegt. Auch seine Hände waren niemals sichtbar gewesen und das 16 Jahre lang. Man hatte sich also schon daran gewöhnt des Kanzlers Hände und deren Machenschaften nur erahnen zu können. Nun ja, dachte man bei sich: Macht ist geil und Macht macht geil und Taschenbillard ist eben das große Kanzlerhobby. Dementsprechend konnte man nachvollziehen, dass es sehr schwer ist, als Kanzler seine Hände irgendwie anders einzusetzen, als sich über sich selbst zu freuen. Und als Schröder dann nach langer Zeit langsam aber sicher zur „Politik der ruhigen Hand“ ausholte, hoffte man inständig, dass er sie vorher gewaschen hat.
Nachdem er dann mit Ach und Krach wieder gewählt wurde, sah man seine Hände nun in andauernder Aktion und schon nach kurzer Zeit stellte sich der Wunsch ein, er hätte sie nie unter seinem Schriebtisch hervorgeholt. Was tat er da eigentlich? Wie ein Elefant im Porzellanladen schmiss er fast Mutters gesamtes Tischservice vom Regal. Er zerdepperte hier eine Vase, und dort eine Schüssel und während alle seine Parteisoldaten noch vor Schreck die Hände vors Gesicht hielten, kündigte er großschnäuzig an, auch noch das Silberbesteck zum Pfandleiher zu bringen. Was wollte er damit erreichen? Kann denn ein einzelner Mensch so doof sein?
Nun haben wir den Salat. Schröder sitzt selbstzufrieden in seinem Scherbenhaufen und grinst während alle sauer auf ihn sind. Seine eigene Partei, die er gleich mit in den Orkus riss, die Gewerkschaften, die Unternehmer sowieso und auch die Wähler wenden sich von ihm ab. Mache sind sogar so sauer auf ihn, dass sie gleich ne ganze Partei gegen ihn gegründet haben und sehr viele sind sauer genug, die auch zu wählen. Er wird wohl jetzt abgewählt, das hat er nun davon.
Aber das merkwürdige an der Sache ist, dass man ihm nicht eine Spur von Reue ansieht. Er hat sich selbst demontiert, hat seine Partei in die Krise gestürzt, hat seine Wählerschaft vor den Kopf gestoßen und wird jetzt dafür abgestraft. Dabei hätte er doch nichts weiter tun müssen, als seine Hände dort zu lassen, wo sie hingehören: unter dem Schreibtisch! Wird er sich das nicht selber denken? Er sagt immer wieder, dass es hätte sein müssen, dass wir uns das Porzellan und das Silberbesteck nicht mehr haben leisten können. Aber glauben wir ihm das? Quatsch. Der ist doch ein Politiker und Politiker sind Menschen, das weiß doch jedes Kind, die ständig lügen und Taschenbillard spielen. Und wenn sie dann doch mal etwas machen, dann tun sie es einzig für ihre eigene Geltungssucht und ihren Machterhalt.
Schröder ist also ein schlechter Politiker. Alles was er getan hat, ließ ihn nicht besonders gut aussehen und es hat ihm im Gegenteil seine Macht vielmehr gekostet, als sie zu erhalten, soviel ist jedenfalls sicher. Man kann tatsächlich das Gefühl bekommen, er habe seinen Beruf vollkommen verfehlt. Er scheint nicht aus Machtgier zu handeln, sondern aus Überzeugung. Ein Überzeugungstäter also, das sind die schlimmsten. Leute die auch noch glauben, dass sie das richtige tun, obwohl es unpopulär ist. Ein echter Politiker tut so etwas nicht. Ein echter Politiker stellt die Zufriedenheit der Wähler über alles andere. Schröder ist also nur ein Pseudopolitiker! Schröder simuliert nur einen Politiker! Schröder ist so falsch, wie die Farbe seiner Haare! Die ganze Zeit konnte er uns täuschen, aber jetzt sind wir sicher: Schröder ist gar kein Politiker!

Aber bald, nach der Wahl, haben wir endlich wieder echte Politiker in der Regierung. Puh!

(PS: Ich werd ihn wohl trotzdem wählen: Irgendwie hab ich eine Schwäche für tragische Figuren.)


Hallo liebe Telekom,

könnt ihr eigentlich gar nichts? Wie man ja munkelt, wurde „Wie bitte???“ aufgrund eures Drucks als Werbekunde abgesetzt. Laufen tat die Sendung ja prima, aber da ihr das ständige Hauptthema ward, so dass man die Sendung gleich „Wie bitte, liebe Telekom???“ hätte nennen können, musste etwas geschehen. Und da ihr ja über das nötige Werbebuget verfügt, müssen nun die armen Telekomkunden alleine mit ihrem Schicksal hadern, während der Rosa rote Panter weiter sein Unwesen treibt. Mit Geld kann man einiges an Unfähigkeit ausgleichen, das denken sich auch die noch übrig gebliebenen Telekomkunden, ob ihrer eigenen Unfähigkeit von euren völlig konkurrenzunfähigen Tarifen zu wegwechseln. Geld hätten auch gerne all diejenigen Schafe, die eure überteuerten Aktien gekauft hatten und kurz danach ohne Hosen da standen. Ich bin mir sicher, die können sich keinen Telekomanschluss mehr leisten. Aber richtig, auch die Konkurrenz ist noch lange nicht so billig wie sie es sein könnte, denn die Regulierungsbehörde wacht ja beständig darüber, dass ihr bloß nicht eure Telefonleitung zu fairen Preisen an eure Wettbewerber vermieten müsst, denn sonst könnet ihr überhaupt nicht mehr konkurrieren.
Aber auch ohne „Wie bitte???“, wissen wir genau: wenn etwas schief geht, dann seid immer ihr schuld. Daß das die Bundesregierung nicht weiß, war klar. Politiker haben grundsätzlich Telekomanschlüsse und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sie ausgerechnet euer Tochterunternehmen T-Systems beauftragen ihre Arbeitsagentursoftware zu schreiben. Daß jedes kleine bis mittelständische Unternehmen diese Aufgabe in einem viertel der Zeit, zu einem Tausendstel des Preises und dazu auch noch Bugfrei gelöst hätte, ist dabei schon völlig egal. Hier geht es darum ein ehemaliges Staatsunternehmen durchzusubventionieren. Deshalb wurde euch ja auch schon die Maut geopfert. Und auch das habt ihr grandios verbockt und dabei kräftig abgesahnt. Und trotz all dieser Maßnahmen schafft ihr es immer noch nicht die versprochenen Gewinne einzufahren. Tja, was kann man da noch alles machen? Ich bin sicher, einige Politiker feilen schon an den Plänen, wie man euch doch noch retten kann. Denkbar wäre ein Gesetz, dass jeden Bürger verpflichtet, mindestens einen Telekomanschluss zu besitzen. Oder man erweitert die Nervkompetenzen der GEZ und lässt die für euch einkassieren. Vielleicht heckt man ja auch einen generellen T-Solizuschlag auf alle Einkommen aus. Warten wir es ab.

Ansonsten: hier mein Plädoyer: Lasst ihn endlich sterben den pinken Dinosaurier. Kappt die Schläuche, nehmt die Sauerstoffmaske ab und stellt die künstliche Ernährung ein. Dummheit gehört nun mal bestraft.


Programm und Datum

Was ist ein Datum? Ein Datum ist zum Beispiel 10. Oktober 2005, ein bedeutendes Datum, jedenfalls für mich ist es das, denn dann muss ich meine Magisterarbeit abgeben. Abgabe, Fertigstellung, Frist. In der heutigen Zeit sind solche spezifischen Daten weit verbreitet und man nennt sie Deadline. Deadlines, das weiß jeder Programmierer, sind eine Art von Daten, die in der Datenverarbeitung nicht zu bewerkstelligen sind. Sie sind vielmehr dafür da, überschritten, gebrochen und hinausgezögert zu werden. Das „Dead“ kündigt zudem eine Assoziation an, denn ein Datum ist etwas totes, es steht im Raum bewegt sich nicht, hat keine Performanz.

Ein Datum, wie man hier schon sehen kann, ist also zunächst auch einmal die Einzahl von Daten. Und dass man heute so geläufig von Daten redet, hat damit zu tun, dass das Datum heutzutage meist nur noch in der Mehrzahl vorkommt. Ein Datum kommt selten allein, was zum größten Teil der Verdienst eben jener Datenverarbeitung ist, die doch dafür Sorge tragen sollte, die Last der Daten zu vermindern. Nun hat diese Verminderung ja auch stattgefunden, doch das Resultat ist wie meist janusköpfig, denn wo ein Datum verarbeitet ist, wachsen sofort 10 neue Daten nach, die wiederum verarbeitet werden wollen. Und genau deshalb reden wir heute von Daten und Datum als wären es völlig verschiedene Dinge, als hätte das Datum keine Mehrzahl und als hätten Daten keine Einzahl.

Das was die Daten verarbeitet, nennt man für gewöhnlich ein Programm. Also was ist ein Programm? Ein Programm ist zum Beispiel wenn der Papi für das Wochendausflug festlegt, dass nach der Wattwanderung ein Besuch im Fischermuseum ansteht. Man sieht die Struktur: es werden Daten verarbeitet, auch wenn sie terminlich noch nicht konkretisiert sind: das „nach“ ist bereits eine Anweisung zur Datenverarbeitung, wenn auch eine relative und es soll auch Väter geben, so habe ich gehört, die so ein Ausflugsprogramm auf die Minute festlegen, was aber eben auch nichts anderes ist. Dennoch ist dieses programmatische „nach“ für uns das bessere Beispiel, weil es eine Handlungsstruktur anzeigt, die dem des Programms im informationstechnischen Sinne ähnelt. Hier ist es meist das Semikolon, welches regelt, wie Anweisung auf Anweisung folgt. Und so kann man festhalten, dass ein Programm erstmal eine reine Handlungsanweisung ist. Das Programm behandelt die Daten, es erweckt sie sozusagen zum leben. Laufende Programme nennt man auch Prozesse und man redet über ihrer Leistungsfähigkeit oftmals in Begriffen der Performanz, was auf diese aktive Eigenschaft des Programms hinweist, im Gegensatz zu den toten Daten. Das Programm des als Beispiel genannten Vaters sähe übersetzt also folgender Maßen aus:
Familie.wattWandern();
Familie.insMuseumGehen();

Nun wird der aufmerksame Beobachter zu recht fragen: wo sind denn da die Daten? Und tatsächlich ist es nicht ganz ersichtlich, aber bei genauerem Hinsehen wird man merken: Es sind einerseits die Familie, dann die Aktionen an sich, und schließlich, und darauf wird es dem Vater primär angekommen sein, deren Reihenfolge. Die Kunst der Datenverarbeitung ist es also diese völlig heterogenen Daten unter einen Hut zu bekommen.

Wenn wir aber sagen, dass „wattWandern()“ ein Datum ist, kommt man schon an dieser Stelle ins Schleudern, denn schließlich ist es doch auch ein Teil des Programms, das man geschrieben hat, geschrieben haben muss, denn sonst könnte die Funktion „wattWandern()“ ja schließlich nicht aufgerufen werden. Das stimmt allerdings, aber es ist ja auch möglich, könnte man entgegenhalten, dass diese Funktion nicht vom Verfasser des Programms stammt, sondern von jemandem anderem (Was man natürlich auch über das Objekt „Familie“ sagen könnte, aber das wäre eine wirklich böswillige Unterstellung, die der Vater wahrscheinlich aufs schärfste zurückweisen würde). Die Funktion könnte auch in einem schon älteren Programmteil auftauchen oder man hat sie aus dem Internet gefischt, was sehr nahe an die Arbeitsweise heutiger Programmierer herankommt. Aber es ist klar, dass dies natürlich keine Rolle spielt für die Definition von Programm, Daten oder Datum. Und so muss man eingestehen, dass hier die Grenze unscharf wird, zwischen Datum und Programm, dass jedes Programm eben auch ein Datum ist und es sich zumindest zum Teil nur selbst verarbeitet.
Und dieser Sachverhalt wird auch durch die Tatsache augenscheinlich, dass so ein Programm geschrieben werden muss und dass man dieses Programm eben in einer Datei abspeichert, also als Datum festschreibt.

Wenn ich nun aber sage, dass Programme auch Daten sind und dass Programme zum Teil nur sich selbst als Daten verarbeiten, so kann man den Blick durchaus noch einmal schärfen und genauer hinschauen und schon löst sich diese Aporie einiger maßen auf. So ein Programm, wie es geschrieben ist, ist so ja noch nicht lauffähig, es verarbeitet noch keinerlei Daten, denn es braucht ein weiteres Programm, dass es zum laufen bringt und seinerseits das geschriebene Programm als Datum ansieht. Dieser Programme gibt es viele, man kann sie kaufen, manchmal und immer öfter gibt es sie umsonst und man nennt sie Interpreter oder virtual mashine. Oftmals muss man seine Programme auch kompilieren, das heißt in eine andere Datenform übersetzen, die der Computer besser versteht. Aber auch diese Programme haben alle diese hybride Eigenschaft, dass sie immer auch Daten sind, und man kann das hinunter verfolgen bis auf die physikalische Ebene der elektrisch oder magnetisch gesetzten Schalter, die man Bits nennt, denn diese Bits mit ihrer jeweiligen Schaltung sind selber gleichzeitig Daten und Programm und das immer für das jeweils andere.

Und so kann man kann durchaus daraus schließen, dass es niemals ein reines Programm gegeben hat, und man kann daraus schließen, dass es niemals ein reines Datum gegeben hat.
Und alle geannnten Assoziationen, die sich mit den Daten und dem Programm verbinden, werden Lügen gestraft, denn die Daten sind nichts totes und das Programm ist nichts lebendiges. Beide sind sowohl tot als auch lebendig. Und wenn ich über die Implikationen nachdenke, die diese Erkenntnis für mein Beispiel des 10. Oktober 2005 hat, so ist auch dieses Datum immer schon Programm gewesen. Und seine Handlungsanweisung besteht darin, mich als seinen Interpeter anzuweisen meine Magisterarbeit endlich fertig zuschreiben. Und so wird die Deadline doch noch zum Leben erweckt, indem sie mit einer Kombination von Angst und Schuld mein innerliches Programm anstößt, schreibt oder determiniert. Insofern ist dieses Datum mein Programm und ich habe es zu verfolgen, anstatt wie ein Bescheuerter Texte über Programm und Datum in meinen Blog zu stellen.


Ich hab es satt …

… zur werberelevanten Altersgruppe zu gehören.


meine neue Diät

Ich esse meine Schokoriegel ab jetzt immer unfrittiert und ohne Extraportion Fleischsalat.


Wenn ich nur auch so titeln könnte…

… wie die Taz, dann bräuchte ich viel weniger schreiben.


Der Traum vom Fliegen

In der urbanen Einmütigkeit des Verkehrsrausches flirrt die Luft des Sommers über dem Asphalt. Es ist diese drückende Hitze der Stadt, die jeden Gang zur Mühsal werden lässt. Mein Blick ist getrübt, wie der eines Verlorenen in der Wüste. Die Sonnenstrahlen brechen den Raum in gleißendem rot, teilen ihn in ihrer Glut und es scheint sich diese Wüste der Großstadt im Flackern des Lichts in einem surrealen Fiebertraum aufzulösen. Da bin nur ich, verloren und einsam. Nur ich und das Rauschen der Autos um mich herum.

Ein Summen durchbricht den Traum oder erschafft ihn, man kann es nicht genau sagen, denn er ist bereits da, er ereignet sich schon in leichten Verschiebungen des Raumes oder der Optik des Raumes, bricht das Licht, zeichnet sich ab und zeichnet sich vor wie eine Vorahnung. Eine Halluzination? Ein Tagtraum? Aber der Traum ist schon durchbrochen vom Raum. Oder durchbricht der Traum den Raum? Beides ereignet sich gleichzeitig in einer unentscheidbaren Symbiose. Wachend, schlafend überschreite ich stetig seine Grenze.

Der Raum, der sich nun verwischt und verzerrt, zeigt aber etwas an. Konturen zeichnen sich ab, von etwas unsichtbarem, etwas transparentem. Eine Silluette schwebt bedrohlich am Himmel über den Straßen. Sich andeutend, aber unkenntlich, bricht es weiter den Blick ohne ihn zu durchbrechen. Die Autos fahren derweil ihren Weg. Es scheint niemand Notiz zu nehmen. Langsam wird klar: es ist nicht ihr Traum, sie teilen ihn nicht mit mir. Dieser Traum ist mein Traum und die Autofahrer nur seine Statisten. Gänzlich unbesorgt durchfahren sie den Raum, den Raum meines Traumes, unwissend des Kolosses, der sich über ihnen in der Luft abzeichnet, der sich Form gibt, sich formiert über ihren Köpfen. Wie schwerelos über dem Abgrund dieses Raumes steht er in der Luft und als ob nichts seine Ruhe stören könnte, lässt er sie fahren.

Doch plötzlich verschiebt sich der Blick erneut, entstellt den Raum, die Form wird zur Formation, zur Angriffsformation auf den Raum. Er zerreist ihn, reißt ihn auf, reißt ihn nieder und in donnerndem Getöse durchbricht er ihn. Das Ungetüm strürzt vor, setzt sich mir entgegen materialisiert sich und verkörpert sich als – Flugzeug. Der Traum reißt auf, alles bleibt stehen, still, als ob die Zeit gefriert. Der Traum ist durchbrochen; im Schock.

Soll der Traum nun vorbei sein? Will dieses Flugzeug mich wecken? Ich warte was geschieht und sehe: in seinem Schweben ist ein Senken, in seinem Donnern ein Druck. Doch aus seinem Senken wird kein Landen, aus seinem Druck kein Bertsten.

Doch plötzlich beginnt die Landschaft sich in ihrer Erstarrung zu bewegen. Die Welt rüttelt auf und hebt sich in der Senkung des Flugzeugs. Die Erstarrung löst sich, löst sich ab. Um mich beginnt es zu heben. Die Autos bewegen sich, doch nicht sich selbst, sie werden bewegt. Die Bewegung ereignet sich einzig in ihrer Enteignung. Alle Bewegung geht vom Flugzeug aus. Dort kulminiert die neue Macht des Raumes im Traum. Es scheint, als hätte das Flugzeug diese Herrschaft an sich gerissen, mir meinen Traum gestohlen. Aber dem ist nicht so und ich weiß es. Die Bewegung der Autos lässt es mich klar erkennen: dies ist ein Angebot. Das Flugzeug bietet mir einen Tausch an. Einen Tausch, den ich schon immer erträumt habe. Ein Begehren, das schon lange tief in mir schlummerte. Es ist ein Tausch, den ich in seiner Großzügigkeit nicht ablehnen kann.
Und so nehme ihn an.

Ich tausche meinen Tagtraum mit seiner gleichförmigen, horizontalen Bewegung durch diesen neuen. Ich lasse ihn zu, ich lasse ihn gewähren, den Traum der absoluten Erfahrung des Raumes. Ich nehme sie an, diese vertikale Bewegung, die mir die Freiheit ermöglicht.

Ich erträume den Raum als den Traum vom Fliegen.