Konken und Darwin

In den Blogs wurde für die auf der Diskussionsveranstaltung vorgetragene Abneigung bestimmter Herrn gegen das Internet immer wieder die übliche Erklärung herangezogen. Die geht so: Journalisten fühlen sich zunehmend bedroht, weil ihnen die Aufmerksamkeitfelle auf dem Internetfluss davonschwimmen und sie würden deswegen auf die Bedrohung blind draufdreschen in der Hoffnung, dass sich die Menschen davon abwenden. Das ist allgemein ja nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber in dieser Diskussionsrunde konnte man dies für keinen der Teilnehmer gelten lassen. Jedenfalls nicht für die beiden Hauptkrawallieros Konkens und Jörges. Während bei Jörges unschwer eine rein arroganz- und selbstherrlichkeitsinduzierte Ignoranz attestierbar ist, ist es bei Konkens noch viel einfacher:

Ich hatte mir im Vorfeld schon dieses Interview [via] angehört. Die Emotionaliät mit der Konken da gegen die „Anonymen Schreiber“ wettert, ist nicht mit der allgemeinen Abwehrhaltung der Journalisten gegenüber dem Internet zu erklären. Konken, das wurde schon hier klar, ist selber betroffen. Er fühlt sich als Opfer verleumdnerischer Machenschaften und projiziert dieses Erlebnis kurzerhand auf alle Blogs.

Der Hinweis aus den Kommentaren bei Felix Schwenzel führte auch gleich zu dem, was Konken einerseits „erleiden“ muss, und was er andererseits fälschlicher weise für ein Blog hielt: stadl.biz. Man kann über den Stil und den Grad der Geschmacklosigkeit streiten, wie hier mit Menschen umgegangen wird. Ich finde das sogar noch im Rahmen. Aber man kann nicht darüber streiten, dass wohl niemand, nicht mal der einfältigste Journalist, dies für ein typisches Beispiel eines Blogs halten würde, ich persönlich nicht mal überhaupt für ein Blog. (Wobei man die Definition natürlich noch weiter fassen kann)

Wir haben es hier also schlicht mit einem Menschen zu tun, der keine Ahnung hat, was das überhaupt ist, ein Blog (es erscheint evident, dass er noch nie ein anderes Blog gesehen hat. Außer vielleicht die Blogs der Süddeutschen, die es bekanntlich nicht gibt) und deswegen auch fähig ist, die Seite stadl.biz überhaupt mit einem zu verwechseln. Das kann passieren. Eine solche Unkenntnis ist in diesem seinem Beruf zwar sicher ein enormes Handicap, aber was anderes hätte ich ehrlich gesagt nicht mal erwartet.

Von minderer Intelligenz ist es aber, trotz dieser völligen Unkenntnis die Einfältigkeit zu besitzen, stadl.biz als Prototyp für die vielen hunderttausend Blogs in Deutschland herzunehmen und sich zu entblöden auf dieser wackligen Grundlage öffentlich herumzukrakelen. Das geht über die übliche journalistische Ignoranz und Inkompetenz auf diesem Gebiet deutlich hinaus. Da haut einer unkoordiniert und wild um sich, während er vor Tränen in den Augen nicht mal sieht, dass da längst niemand mehr um ihn herumsteht.

Auch wenn das jetzt als Beleidigung aufgefasst werden kann: das ist schlichtweg Dummheit. Vor allem ist es aber höchst unprofessionell. Denn wenn sich ein Vorsitzender von einer noch so unbedeutenden Klitsche, dermaßen emotionsgeleitet und bar jeder Information in den öffentlichen Diskurs wirft, sollte man ganz dringend nach Ersatz suchen. Damit wäre dann wiederum stadl.biz als notwendiges Korrektiv legitimiert und allgemein der Ökokreislauf des Webs unter Beweis gestellt. Stadl.biz mag ein wenig eklig sein. Eben genau so eklig wie Würmer und Maden, die die verrotteten Kadaver verstorbener Gattungen dahin befördern wo sie hingehören. So eklig wie notwendig eben.


Don Alphonso’s heimlicher Charme

Das war der Höhepunkt der Diskussion, wie der Don Alphonso den Jörges einerseits charmant um den Finger wickelt und zugleich dem bürgerlichen Spießertum, dem der Jörges heute hörig ist, Alptraumscenarien an die Wand malt sprayed:

Ich war früher schwarzer Block, sie waren früher in Frankfurt auf der Straße, wir können uns da praktisch die Hand reichen. Aber, nochmal: das da draußen war überhaupt nicht schlecht und wir müssen einfach akzeptieren, dass diese APO, dieser schwarze Block da draußen größer wird und die Leute überhaupt keine Lust haben, sich den Stein wieder aus der Hand nehmen zu lassen..

ca. Min 83. im [Video]

Warum versteckt der Don diesen intelligenten und listigen Charme in seinen Blogs nur so oft? Schade…


Wie ich Twitter

Du willst reden? lass uns!
Über das Leben! Was sonst?

(einszwo)

Ich will jetzt nicht wieder eine Lanze für Twitter brechen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich dabei nur fusselig redet. Niemand, der den Dienst nicht nutzt, wird sich verbal von dem Sinn von Twitter überzeugen lassen. Sei’s drum. Übergehen wir also die Sphäre der Ignoranz und erzählen ein wenig aus der Praxis. Also: wie ich Twitter.

Womit ich twittere:

Man sagt immer: Entweder man liebt Twitter oder man hasst es. Fast alle Leute, die regelmäßig Twittern sind vollauf überzeugt von dem Tool. Meckern tun meist die, die es nie ausprobiert haben. Und dann gibt es noch die dritte Gruppe, die es zwar ausprobiert hat, es aber unüberzeugt wieder aufgibt. Bei denen habe ich festgestellt, dass es fast immer am Client liegt. Es gibt ganz viele Twitterclients für fast alle Geräte (außer Toaster, soll aber in Arbeit sein) und Betriebssysteme (außer GEOS).

Und hier werden auch die Fehler gemacht:
– Viele glauben, es reicht über Website zu twittern. Nee. Tut es nicht. Da bleibt man nicht am Ball. Da schaut man nicht oft genug rein und zack: aus den Augen, aus dem Sinn. Bis irgendwann: „Ach ja, da war doch was…“

– Wieder andere wollen keinen eigenen Client und nutzen deswegen twitter2Skype oder einen anderen Bot im Instant Messenager, den sie eh schon drauf haben. Da diese Clients aber die für IMs ohne Frage sinnvolle Eigenschaft haben, bei jedem Eingang zu Tröten und wild rumzublinken, geht Twitter schon bei mehr als 5 Followern tierisch auf den Senkel. Außerdem kommen die Tweeds meist verspätet und gesammelt in einem Rutsch durch, dass man eine Stunde lang unbehelligt und dann plötzlich völlig überfordert wird. Diese Leute können gar nicht verstehen, wie man mehr als 10 Leuten follown kann. Klar. Könnt ich so auch nicht.

Das Beste ist also einen eigenen Twitterclient laufen zu lassen, der auch nur dafür da ist. Der sich am besten im Desktopfordergrund aufhält und nur die Tweeds zeitnah durchrauschen lässt. Den man also auch gerne mal ignorieren kann, wenn man keine Zeit hat. Der einem aber immer die Möglichkeit offen hält durch einen kurzen Seitenblick auf dem Laufenden zu bleiben. Ich persönlich benutze Twitteriffic und muss sagen, dass er ziemlich genial genau das tut, was er soll. Einfach immer präsent und verfügbar und dabei unaufdringlich sein und eben nicht nerven.

Was ich lese:

Ich followe mittlerweile 100 Leuten. Und das schon eine ganze Zeit. Es herrscht eine gewisse Fluktuation in meiner friendslist. Derzeit schmeiße ich für jeden neuen „Friend“ einen anderen raus. Ich will und kann die 100ter Marke einfach nicht überschreiten. 100 sind mit meinem 80% „on“-Livestyle durchaus noch handlebar. Alles andere fällt unter die Aufmerksamkeitsschwelle. Es ist zwar beinahe nie so, dass mir Twitter auf die Nerven geht, aber wenn ich mal ein paar Stunden am Stück nicht drin war, hab ich schon jetzt das Gefühl recht viel verpasst zu haben. Zuviel um sich das alles nachträglich durchzulesen. Das lasse ich mittlerweile. Schaue nur mal in die @replies.

Was ich entlese:

Der Grund zum unfollown ist in 80% der Fälle Twitterfeed. Mit dem Tool kann man beliebige Feeds bei Twitter einspeisen, etwa seine Blogartikel. „New Blogpost: ….“. Sorry Leute. Ihr habt schon einen Feed auf dem Blog. Wenn ich ihn lesen will, kommt der in meinem Feedreader. Wenn ich Euch aber bei Twitter followe dann möchte ich Eure Tweeds und zwar nur die. (OK, kein Problem sich selber mal zu verlinken, wenn einem ein Blogpost mal wichtig ist. Mach ich auch gerne. Aber bitte nicht automatisiert und bitte nicht alles.)
Ein anderer Grund, warum ich Leuten meist schon von Anfang an nicht followe, wenn ich auf ihr Profil komme, ist, dass sie Twitter mit einem IRC Chatroom verwechseln. Dass sie eben nur und ausschließlich auf andere antworten. Das finde ich langweilig. Es ist OK, wenn sich ab und an ein Gespräch ergibt und ich quatsche auch ganz gerne hier und da. Aber der Hauptfokus, das ist mir wichtig, muss auf dem Erzählen liegen. Und das muss… ach dafür mach ich eine neue Überschrift:

Was ich schreibe:

Ich schreibe zweierlei Dinge: Die, die ich einfach loswerden will und die, die sich lustig formulieren lassen.

Die Tweeds, die ich loswerden will, sind politische Statements, steile Thesen, nette Links, Antworten auf Antworten, emotionale Ausbrüche, Fragen an die Audience (extrem praktisch) etc. Alles was mich gerade beschäftigt und was ich teilen will.

Daneben gibt die profanen Dinge des Alltags. Hier liegt der Fokus, vor allem auch bei den Leuten, die ich gerne lese. Bitte nicht falsch verstehen. Profane Dinge des Alltags werden nicht einfach getwittert, weil sie da sind. Hier ist das Kriterium einfach ein ganz anderes. Und zwar wird nur das gepostet, was sich lustig formulieren lässt. Kleinigkeiten. Auch keine Brüller. Aber Skurilitäten, originell formuliert. Mehr sowas wie:

das konzept des rausstarrens um zeit zu vergessen wird durch im blickfeld befindliche litfaßsäulenuhren dann doch irgendwie ad absurdum

@remark

verflixt, jetzt hab ich mich total versurft.

@kosmar

Ich bringe zum Zwecke der Arbeitskonzentration den Koffeinpegel vermittels Club-Mate auf den üblichen Wert knapp unterhalb des Herztods.

@schaschalobo

In ubahn. Neben mir unterhalten sich 2 redakteure von stern.de. Einer sagt, dass neujahr der schlechteste tag des jahres war

@svensonsan

Es ist nicht so, dass ich selber nur so was poste, nicht mal hauptsächlich. Aber ich bemühe mich. Denn trotzdem ist es das, worum es mir eigentlich geht. Vor allem bei Leuten, die ich lese. Ich will unterhalten werden und dabei die Leute kennenlernen. Das klappt auf diese Art und Weise ganz prima. Besser noch als in Blogs. Das ist der Grund warum ich Twitter liebe. Auf alles andere könnte ich verzichten.


Bloggen

fällt mir gerade unglaublich schwer. Ich hab bestimmt die letzte Zeit an die 10 Texte angefangen und dann für scheiße befunden. Nennt man das Schreibblockade? Was tun? Einfach trotzdem posten?

[Edit: oder doch mal so locker flockig wie dem Jörg sein neues Blog?]

nerv den mspro

Eine Innovation jagt die andere. Ab heute kann man mit mir hier chatten und zwar unter vier Augen (keine Shoutbox oder ähnliches). Unten rechts sieht man, wenn man sie denn sieht, die kleine Chatleiste. Draufklicken und Text eingeben. Bei mir springt, wenn es denn springt, dann sofort ein iChat-Fenster auf.

Zu verdanken habe ich das der genialen Idee von hab.la. Also los! Nerven!
PS: Und Sie, liebe Mitarbeiter KG, können dort ruhig auch angklopfen. Für den immer noch vakanten Job bei ihrem Dings bin ich nach wie vor zu haben. Ich habe – im Gegensatz zu vermutlich den meisten Journalisten, die Sie jetzt fragen werden – auch kein Problem damit, zweite Wahl zu sein. Wir Blogger sind ja gar nicht so. 

Dieses Blog – Neuerungen

Von Zeit zu Zeit verändere ich hier einige Dinge, ohne dass der eine oder andere davon mitbekommt. Blogroll updaten, Dienste hinzufügen, Dienste weglassen. Das übliche.

Manchmal werden es ein paar Sachen mehr und dann halte ich es für angebracht darauf hinzuweisen. So wie heute.

Die wichtigste Neuerung ist sicherlich, dass ich meine Feeds nun ungekürzt in den Äther schicke. Ich hoffe, dass damit kein Unfug geschieht und dass die Leute dennoch hier mal ab und zu auf mein Blog kommen. Was ich nämlich daran nicht mochte, war, dass ich keine Übersicht habe, wer und wieviele das hier lesen. Aber man muss auch mal Kontrolle abgeben können. Feeds sind an sich eine tolle Sache und auch ich lese Feeds auch immer am liebsten im Reader. Also was soll’s.

Die nächste Sache ist das Mehr an Anonymisierung. Leider leben wir in einem Land, in dem die freie Meinungsäußerung am liebsten ausschließlich auf dem Papier existiert. Ich wusste das zwar schon vorher und habe auch nie unter meinem Realname gebloggt, aber in meiner kleinen bescheidenen Hütte, glaubte ich mir Verweise auf meine reale Existenz erlauben zu können. Jeder, der herausfinden wollte, wer ich bin, konnte das mit wenigen Klicks tun. Mit zunehmenden Leserzahlen, wird mir das aber auch schon unangenehm. Jetzt kann es immer noch jeder herausfinden, aber es ist ungleich schwerer. Und ja, ich weiß dass mich einige von Euch bereits beim Namen kennen und wem ich im realen Leben begegne, wird auch weiterhin meinen Namen gesteckt bekommen. Ich möchte Euch aber bitten meinen Wunsch nach Anonymität zu respektieren. Ich bin mir sicher, ich kann Euch vertrauen.

Es geht ja schließlich auch nicht um Euch, meine geschätzten Leser, es geht um googlende Anwälte oder deren Praktikantinnen, die meinen im Copy-Paste-Verfahren Fließbandabmahnungen rauschicken zu müssen. Aber 600 Euro sind schlicht zu wenig Geld, wenn man einen halben Tag Recherche investieren muss. Recht ist heute oft einfach eine Frage der Grenzkosten.

Zudem geht es mir dabei auch vor allem um befreites Schreiben. Ich will nicht darüber nachdenken müssen, wie und ob irgendwas auf mich zurückfällt. Die Schere im Kopf ist immer schon präsent, man kann sie nur stumpfer werden lassen. Das will ich versuchen. Klar weiß ich auch: was man hier im Web macht, ist eh jenseits jeder Kontrolle des Autors und schon jetzt werde ich sie verloren haben. Demnächst. Aber man muss es den Leuten (oder Bots) ja nicht noch leichter machen.

In diesem Zusammenhang geht es vor allem um die Verknüpfungen von Identitäten. Es ist ja momentan der heiße Scheiß all seine Identitäten zusammenzufügen. OpenSocial, Facebookapi, Noserub. Mir ist das bisweilen unangenehm. Meine Gefühl lenkt mich in die gegenteilige Richtung. Businessidentität, politische Identität, philosophische Identität, Befindlichkeitsidentität, Bildidentität, Aufenthaltsortidentität. Klar ist es praktisch, mache dieser Identitäten zu aggregieren. Aber warum muss man das? Ich denke, man sollte dort auch seine Grenzen ziehen. Ich jedenfalls will das tun. Ich finde gut, dass ich für verschiedene Sachen, verschiedene Dienste nutzen kann. Diese Daten zusammen zu führen, wäre eine Macht über mich, die ich niemandem anvertrauen würde. Und dabei ist es auch ein Unterschied ob ich mir Feeds als Widget ins Blog tue, oder ob die Daten alle automatisiert in einer zentralen Datenbank erfasst werden.
Es geht mir hier um die Freiheit der Entscheidung, was wie öffentlich ist. Nur meinen Realname ist Ok. Nur meine Bilder ist Ok. Nur meine Meinung ist Ok. Nur meinen Standort ist Ok. Alles zusammen ist der Untergang der Privatsphäre.

Ich habe alles in allem auch die Seitenleiste neu organisiert. Ich würde gerne auf die Feeds hinweisen, vor allem den Podcastfeed für iTunes, weil das irgendwie so professionell wirkt. Podcasten mag meinetwegen tot sein, mir macht es aber immer noch vor allem eins: Spaß.

Darum wird es mir auch übrigens weiterhin gehen: Meinen Spass. Und sonst nix. Was mir das alles aber darüber hinaus noch versüsst, das seid Ihr, geschätzte Leser. Deswegen auch die ganzen Entgegenkommen, die ich so Feedmäßig arrangiert habe. Wer jetzt meint, hier noch was zu meckern zu haben, kann das gerne in den Kommentaren tun. Ich werde mal schauen, was sich machen lässt. Dennoch bleibt es dabei: Das hier ist kein Wunschkonzert. Hier herrscht weder Demokratie noch Meinungsfreiheit. Das hier ist meine Diktatur, ich bin der Zampano in den Grenzen meines kleinen Blogs und ich bin unerbittlich, wenn man diese Freiheit in Frage stellt. 😉


Konferenzen

Von allen Bluesgesängen über das Bloggen – was es mal war, für einen persönlich, oder wie man es sah, als Phänomen, oder auch nicht – ist der schönste, der Vortrag von Peter Praschl auf dem ZKM.

Obwohl ich weit nicht so lange dabei bin, kann ich doch von mir behaupten, die Ausläufer dessen erlebt zu haben, von dem er spricht. Denn ja, es ist eine untergegangene Welt, irgendwie. Ein kleine literarische Welt, eine – man kann sagen – intime Welt. Und ja, es war vor allem auch diese Welt, die mich im Mitte 2005 für das Bloggen begeisterte.

Mal anders gefragt: Was ist eigentlich aus den Blogleseungen geworden? Es gab eine Zeit, da traf man sich, um sich gegenseitig aus seinem Blog vorzulesen. In einem kleinen netten Kaffe mit ein, zweihundert Leuten. Manche fanden das albern und klar diente eine solche Veranstaltung doch mehr dazu, sich kennenzulernen. Ein Gesicht hinter der Geschichte zu haben, eine Stimme über dem Text.

Heute gibt es Barcamps (und Ähnliches). Da geht es um alles mögliche, aber selten ums Bloggen. Da geht es um die neuste Web2.0 App. Darum, ob Investor A in Startup B investieren will. Es geht um Jobs und es geht um Relevanz. Die erste Frage auf diesen Veranstaltungen ist: „Was machst Du?“. Man ist dort nicht als Blogger, nicht mal Mensch, man ist ein „Kontakt“. Wenn man ein eigenes Startup hat, oder Geld zum investieren, dann ist man im besten Fall ein „guter Kontakt“. Ich mag kein Kontakt sein. Nichtmal ein guter. Mir ist das zu wider so wahrgenommen zu werden.

Nein, es muss keine Lesung sein. Es kann auch über Technik und Markt und über Web2.0 gesprochen werden. Aber es gibt auch noch diese anderen. Die, die einfach nur bloggen (TM). Die sind zunehmend genervt, dass überall, wo man sich zu treffen hofft, der Businessschwarm schon lauert und Techblogger die Agenda bestimmen. Klar. Es gibt eben Menschen, die wollen mit dem Krams Geld verdienen, der anderen einfach nur Spass macht. Gegen deren Ellenbogen ist man machtlos, denn während man selber eine nette Zeit haben will, kämpfen sie ihren Kampf ums täglich Brot. Ich kann das irgendwie verstehen, aber es ist nun mal nicht mein Ding.

Ich bin nur ein Nutzer, ich will nicht mal sagen Blogger, denn dazu nutze ich zu viele andere Tools. Ich bin eine dilettantische Rampensau. Ich bin ein Hobbyscheißeschreiber, Amateur-Dauerkommentierer des Weltgeschehens, ein mißmutiger Hinkotzer meiner Gedanken. Am Web2.0 interessiert mich nur und ausschließlich, was ich damit machen kann, nicht wie das Businessmodell dahinter aussieht. Auch das muss man nicht toll finden. Aber ich fände es toll, mal nur mit Leuten zu quatschen, denen das auch so geht. Denn von meiner Art, da bin ich sicher, gibt es noch eine Menge mehr.

Es sieht so aus, als hätten wir unser Forum verloren. Als wären wir heimatlos. Das Ziel verloren. Die Richtung. Vielleicht deswegen der Blogblues.

Natürlich ist das alles Schwachsinn. Hier im Netz gibt es Platz für alles. Es gibt kein Thema, das keine Leser fände. Es gibt kein Bedürfnis, dass man hier nicht ausleben könnte. Und wer braucht schon ein Forum, wenn er ein Blog hat 😉

Und wenn zu wenig „einfach nur Blogger“ auf den Konferenzen sind, dann liegt das an den „einfach nur Bloggern“, die sich weigern, dort hinzugehen, weil sie fürchten, dass ihnen die Businesstypen auf den Sack gehen. Self fullfilling prophecy, sag ich da nur.

Die Re:publica08 ist als Bloggerkonferenz gedacht. Sie ist das Forum, sich im Reallive zu sehen und kennenzulernen. Sie ist keine Networkingveranstaltung für Startups und keine Jobbörse für Web-Entwickler. Es sei denn, wir lassen das zu – durch unsere Abwesenheit.

Also wer jetzt schon im Vorfeld herumnölt, dem möchte ich sagen, dass es in unserer Hand liegt, was dort passieren wird. Denn eine Konferenz lebt von ihrem Publikum. Und falls dann wieder eine Session über Werbung in Blogs kommt, dann gibt es diesmal hoffentlich kein wildes Kopfgenicke, oder nur Fragen, wie das denn geht, das werben, sondern eine echte Diskussion.

Deswegen leg ich mich jetzt schon mal fest: Ich gehe dahin. Und ich hoffe, dass gerade die Leute, die ähnlich denken wie ich, auch dort sein werden. Also Ihr!


Zwang

Denke über die Einführung einer Kommentierpflicht meiner Leser nach…


Ipernity now

Meinen Flickraccount hatte ich ja schon länger abgeschossen. Alternativen gab es zwar genug, nur, welche sollte ich nehmen? Ich habe also die ganzen Erfahrungsberichte studiert, die so in der Blogosphäre herumgeistern, aber getraut, mich wo einzurichten, hab ich mich nicht. Nach längerem Abwarten allerdings kristallisierte sich Ipernity immer mehr als Alternative heraus. Man konnte der Schwarmintelligenz praktisch beim denken zuschauen. Und da die ja immer recht hat…

Also nahm ich mir ein Herz und einen ganzen Batzen Fotos und bin da jetzt einfach mal eingezogen. Und tatsächlich: hier hab ich gleich auf Anhieb viel mehr Fotos reingestellt, als ich je in Flickr drin hatte. Irgendwie fühlt es sich besser an. Obwohl das Look&Feel beinahe 1zu1 bei Flickr geklaut ist, wirkt es für mich ansprechender. Was sich extrem viel besser anfühlt ist aber vor allem die Geschwindigkeit. Das war etwas, was bei Flickr ungemein genervt hat und ich merke jetzt bei Ipernity, was Flickr hätte sein können.

Einige Features fehlen allerdings noch. Die PostByEMail-Funktion ist derzeit noch in der Entwicklung und ein „Blog this“- Button wäre auch verdammt praktisch. Web-Widgets fürs Blog vermisse ich auch, oder hab ich die nur nicht gesehen? (Die wollen wohl aber, dass man das hauseigene Blogsystem nutzt, deswegen kann das auch gut berechnend sein. Was soll sowas? Das funzt bei Myspace schon nicht.)

Jedenfalls hat es mich gepackt. Ich hab Stunden damit zugebracht tonnenweise Daten drauf zuschaufeln. Sind jetzt zwar zeitlich durcheinander aber für meine Verhältnisse super getaggt und in Alben gefasst. Sogar gegeotaggt hab ich die meisten Bilder. Ein paar Videos hab ich auf drauf gestellt.

Eine andere Sache, die ich mit dem Account vorhabe, ist eine Art Sammelstelle für Fotos aus dem Freundeskreis einzurichten. Da meine Freunde zum großen Teil nicht besonders netzaffin sind, ist das nämlich nicht so einfach. Da wäre erstmal die Überzeugungsarbeit, sich einen Account einzurichten. Die – berechtigte – Angst, was mit den Bildern von einem geschieht, etc. Also hab ich die meisten der Freundesbilder auf Friends-Only gestellt und haufenweise Invitations rausgeschickt. Rückkehrquote ist bisher eher mau. Aber mal sehen.

Und ja. Ich hab richtig Bock jetzt regelmäßig meine Bilder darauf zu stellen. Das hatte ich bei Flickr irgendwie nie. Also: Ab jetzt, gibt’s hier regelmäßig Fotos und Videos von mir.

Und da das alles was ich vorhabe so viel ist (datenmäßig), hab ich mir gleich einen Pro-Account gegönnt. Mein erster Web2.0 Pro-Account ever. Mal schauen ob ich das irgendwann bereue.


Man kann

das natürlich auch so ausdrücken. Dann lässt sich auch besser drüber lachen. hihi.