Experte über Blockchain: Niemand braucht das – Main-Post

Interview zur Blockchain. (leider Paywall)

Blockchain, Bitcoin: Seit Monaten gibt es einen Rummel um diese digitale Technologie und die Kryptowährungen. Ein Experte lässt jetzt die Luft raus

Quelle: Experte über Blockchain: Niemand braucht das – Main-Post


Internet: Die Kehrseite des Datenschutzes: Wie die neue Datenschutzgrundverordnung unser Leben verändert | SÜDKURIER Online

Wurde mal wieder zum Thema DSGVO interviewt. Aber nicht nur ich. Insgesamt, spannendes Stück zum Thema.

Mittlerweile stellen sich Fachleute zunehmend die Frage, ob die Bedeutung der DSGVO nicht weit über Datenschutzthemen hinausgeht und vielmehr das Zusammenleben der Menschen im Innersten berührt – im persönlichen Austausch mit anderen und in ihrer Art und Weise zu kommunizieren. „Grundsätzlich besteht durch die DSGVO die Gefahr, dass der soziale Kit der Gesellschaft verloren geht“, sagt der Autor und Kulturwissenschaftler Michael Seemann. Wenn wir weniger oder schwieriger Informationen miteinander austausche

Quelle: Internet: Die Kehrseite des Datenschutzes: Wie die neue Datenschutzgrundverordnung unser Leben verändert | SÜDKURIER Online


Debatte: Disruption der Freiheit: Bedroht das Netz die Demokratie? | Südwest Presse Online

Ich wurde für ein Stück über Internet und Demokratie interviewt.

Quelle: Debatte: Disruption der Freiheit: Bedroht das Netz die Demokratie? | Südwest Presse Online


Vom Weltraumkommunismus à la Star Trek zum Monopol – Wework: Die Kaffeeautomatisierung des Lebens – Golem.de

Habe einen langen Essay über Wework geschrieben, der auch die ideale der ‚New Work‘ Bewegung von Mitte der 2000er reflektiert, bzw. was daraus geworden ist:

Stellt man sich den Immobilienmarkt als Protokollstapel vor, hat sich Wework zwischen den Vermieter- und den Mieter-Layer (also die Firmen) als Management-Layer geschoben. Dinge, um die sich sonst jedes Unternehmen Gedanken machen muss, – von der Büroausstattung, der Organisation der Arbeitsplätze, bis hin zu Internet, Kaffee und Bierversorgung, aber auch Sicherheit und Postzustellung – hat Wework in seinen Service-Layer integriert und damit für die Firmen zu einer monatlichen Rechnung wegabstrahiert. Wewor

Quelle: Vom Weltraumkommunismus à la Star Trek zum Monopol – Wework: Die Kaffeeautomatisierung des Lebens – Golem.de


EU-Urheberrechtsreform: Was steckt dahinter? | Digitales Leben | DW | 05.07.2018

Interview mit der Deutschen Welle zu Uploadfiltern und Leistungsschutzrecht.

 „Twitter, Facebook und Co. werden den Newsseiten-Betreibern sagen: ‚Klar könnt ihr Geld von uns verlangen dafür, dass ihr bei uns stattfindet, aber dann schmeißen wir euch halt raus.‘ Und dann werden die Newsseiten ihre Inhalte wieder für null Euro an die großen Plattformen lizenzieren, weil sie auf den Traffic angewiesen sind.“

Quelle: EU-Urheberrechtsreform: Was steckt dahinter? | Digitales Leben | DW | 05.07.2018


Ist die Blockchain eine Lösung für ein Problem, das es nicht gibt? | WIRED Germany

Mein Artikel zum Blockchain-Hype bei Wired.de

All das bedeutet übrigens nicht, dass es nicht irgendwann einen sinnvollen Einsatzzweck von Blockchains geben kann – vielleicht auch von Tezos. Doch so lange der Kryptoanarchismus den Menschen und die Gesellschaft derart missversteht, wird auch in Zukunft jedes Blockchain-Startup gegen jede halbwegs vertrauensvolle Institution mit einfacher Datenbank verlieren. Und gegen Menschen, die sich wenigstens ein bisschen vertrauen.

Quelle: Ist die Blockchain eine Lösung für ein Problem, das es nicht gibt? | WIRED Germany


Datenschutz – Die informationelle Selbstbestimmung ist ein Mythos

Über die DSGVO bei Deutschlandradio Kultur.

Weil diese Wahrheit aber so ungeheuerlich ist, helfen wir lieber bei der Entstehung der Illusion und versichern uns gegenseitig in rituellen Akten kollektiver Unaufrichtigkeit, dass wir total verstehen, was da mit unseren Daten passiert. Je mehr wir „OK“ klicken, desto informationell Selbstbestimmter sind wir. 

Quelle: Datenschutz – Die informationelle Selbstbestimmung ist ein Mythos


Lösch Dich! Deutsche Trolle, die Alt-Right und die Piratenpartei

Eine schöne Doku über rechte Trolle im Netz, inklusive der Infiltration von Reconquista Germanica, dem rechten Kommandoserver der deutschnationalen Rechtstrolle.

Ich wurde ebenfalls interviewt und zwar zur Rolle der Trolle im US-Wahlkampf (der sogenannten Alt-Right) und zur Trolling Culture im Allgemeinen. Hier das Interview in voller Länge:

Man kann dem Film den Vorwurf machen, die Rolle der deutschen Rechtstrolle zu übertreiben, zumindest im Bundetagswahlkampf – was eben ganz im Sinne dieser Trolle ist (siehe dazu diesen Twitterthread von Max Hoppenstedt). In der Tat ist der Vergleich zur Alt-Right ziemlich verwegen. Die deutsche Trollkultur ist entweder nicht ganz so nazifiziert oder eben nicht so stark wie in den USA. Wahrscheinlich ist beides der Fall. Unter ihnen leiden müssen allerdings trotzdem viele.

Es gibt auch Kritik aus der deutschen Youtube-Trollszene, die sich zu unrecht in das rechte Licht gerückt sieht (siehe zum Beispiel). Ich kann einerseits nachvollziehen, dass sie sich dort falsch verortet fühlen und nehme ihnen ab, dass Rassismus und Misogynie nicht ihre Antriebsfeder ist. Ich finde aber trotzdem den Punkt, den der Film hier macht, gültig.

Bei meiner Beschäftigung mit der Alt-Right ist mir dieser schmale Grat immer wieder begegnet. 4chan war auch nicht von Anfang an rechts – als ich das erste mal damit in Berührung kam (so 2009) hatte ich ebenfalls nicht den Eindruck, obwohl sie schon damals mit Hakenkreuzen und KZ-Humor herumprovozierten. Ich verstand die Geste, wie sie wohl gemeint war, als anarchistische „Fuck You“ Botschaft an die Mainstream-Gesellschaft. Und doch ist es ja passiert, und doch kam der Schulterschluss mit den Nazis und doch haben sie politisch etwas bewegt und zwar nach rechts. Das ist vielleicht das Problem mit der Dauerironie: Aus Spaß wird Ernst und hinterher ist niemandem mehr klar, wo diese Grenze überschritten wurde.

Im Film wird das im Interview mit den Youtube-Trollen Imp und Dorian klar. Sie rechtfertigen ihre Nazisymbolik (HKNKRZ-TShirt und Holocaustwitze) als derben Nischenhumor, aber müssen doch zugeben, dass sie sich damit den Beifall der rechten Szene einfangen. Ich kenne den Menschentyp, der dort sitzt. Ich kenne ihn von den vielen Hackerkonferenzen genau so, wie aus der Piratenpartei. Junge, männliche Nerds, die sich in ihrem Intellekt dem Mainstreamdiskurs so weit überlegen fühlen, dass sie meinen, dessen diskursive Regeln würden für sie nicht gelten und sie könnten deswegen jedes Zeichen spielerisch für sich umdeuten. Das ist genau die Attitüde der 4Chan-Nerds gewesen – kurz vor ihrer Eingliederung in die Trump-Campaign.

Hier das ganze Interview mit den beiden.

Meine Pet-These ist ja, dass das frühe und brutale und Scheitern der Piratenpartei eine deutsche Alt-Right verhindert hat. Sie wäre der Missing-Link gewesen, der zwischen den Jungfunktionären der AfD, den Identitären und der Nerdkultur vermittelt hätte. Auch in den USA war es ja erst diese Allianz aus Neuer Rechter und Nerdszene, dieses explosive Gemisch aus rechter Ideologie und Trolling, dass diesen effektiven Meme-War zustande gebracht hat. Diese Verbindung war in der Piratenpartei immer schon angelegt und die Kämpfe, die vor allem 2012 und 13 ausgefochten wurden, fanden statt, weil der linke Flügel diese Affinität spürte, thematisierte und dagegen anging – bis er selbst rausgeekelt wurde.

Zu einer genaueren Beschäftigung mit der amerikanischen Alt-Right siehe auch meinen Vortrag an der Uni-Köln.

Die Altright – Von Hackern, Gamern, Trollen und Nazis from Kunst & Kunsttheorie Uni Köln.


Blockchain für Dummies

(Diesen Text hatte ich eigentlich für ein Onlineportal geschrieben. Die Redaktion war aber nicht glücklich darüber, dass ich auch die ideologische Seite von Blockchain beleuchten wollte. Sie wollten einen rein technischen Erklärtext. Meines Erachtens ist die Blockchaintechnologie aber rein technisch nicht erklärbar. Sie ohne die dazugehörende Ideologie zu thematisieren, ist schlicht falsche Berichterstattung. Deswegen erscheint der Text eben hier.)

Die ‚Blockchain‘ wird derzeit überall als neue Wundertechnologie gepriesen. Sechs mal kommt das Wort im Koalitionsvertrag vor, immer im Kontext neuer, vielversprechender Digitaltechnologien.

Doch was steckt dahinter?

Die Blockchaintechnologie hat das Licht der Welt gleich in seiner ersten populären Anwendung erblickt: Bitcoin. Bitcoin basiert darauf, dass alle Transaktionen, die mit der digitalen Währung gemacht werden, in einer Art Grundbuch vermerkt werden. Nur liegt dieses Grundbuch nicht in einem zentralen Grundbuchamt, sondern auf den Computern aller Bitcoinnnutzer. Jeder hat eine identische Kopie aller Transaktionen. Und immer wenn eine Transaktion passiert, wird sie mehr oder weniger gleichzeitig in allen diesen Büchern vermerkt. Erst wenn der Großteil aller Bücher die Transaktion aufgeschrieben hat, gilt sie als vollzogen. Dabei wird jede Transaktion mit den Vorhergehenden kryptografisch verkoppelt, so dass ihre Gültigkeit für alle nachprüfbar ist. Schiebt nun zum Beispiel jemand eine gefälschte Transaktion dazwischen, dann stimmen die Berechnungen nicht mehr und das System schlägt Alarm. Am Ende hat man eine Speichertechnologie, die kein Einzelner kontrollieren oder manipulieren kann.

Schon früh räumten selbst Bitcoin-Skeptiker ein, dass unabhängig von der digitalen Währung die dahinterliegende Blockchaintechnologie das eigentliche Zukunftspotential berge. Seitdem zerbrechen sich viele Menschen den Kopf, wo man sie noch anwenden könnte.

Das Internet galt immer als eine besonders dezentrale Technologie, doch das stimmt für die meisten Services schon lange nicht mehr. Alle nutzen eine Suchmaschine (Google), ein Social Network (Facebook) und einen Messanger (WhatsApp). Und alle diese Dienste basieren darauf, dass sie zentral unsere Daten halten und organisieren. Die Blockchaintechnologie scheint einen Ausweg zu weisen: alle Dienste, die bislang über zentrale Datenbanken funktionierten, könnten nun auch mit einer solchen verteilten Blockchain organisiert werden. Ein Zentrum braucht es nicht mehr.

Die Ideen gehen soweit, komplexe Geschäftsprozesse in Blockchains abzubilden. Beispielsweise automatisierte Auszahlungen an ein Konto, wenn eine Aktie einen bestimmten Wert erreicht. Das nennt sich dann „Smart Contracts“.

Der Hype um Blockchain ist beinahe so alt wie der um Bitcoin, wir reden also bereits seit sechs bis sieben Jahren über die Unabwendbarkeit dieser Technologie. Hunderte, ja tausende Startups haben sich seitdem gegründet. Ebensoviele Anwendungszwecke der Blockchain wurden seither behauptet.

Warum – so fragt sich der interessierte Beobachter – gibt es neben den Cryptowährungen (die selbst hauptsächlich Spekulationsblasen ohne wirkliche Anwendung sind) dann noch keine einzige populäre Anwendung? Warum hat noch keine auf Blockchain basierende Suchmaschine Google bedroht, oder ein auf Blockchain basierendes Social Network Facebook? Warum sehen wir keine Fahrtenvermittlung auf Blockchainbasis und keine Wohnungsvermittlung, obwohl genau diese Zwecke so oft angepriesen wurden? Warum verbleiben alle Blockchaintechnologien in der Projektphase und keines findet einen Markt?

Die Antwort ist, dass Blockchain mehr eine Ideologie ist, als eine Technologie. Ideologie meint hier, dass hinter ihr eine Vorstellung steht, wie Gesellschaft funktioniert und wie sie funktionieren sollte.

Eines der ältesten Probleme der Sozialwissenschaft ist die Frage, wie Vertrauen zwischen Unbekannten hergestellt werden kann. Gesellschaft funktioniert erst, wenn dieses Problem hinreichend gelöst ist. Der Ansatz unserer modernen Gesellschaft ist, Institutionen zu etablieren, die als vertrauensvoller Dritter Interaktionen absichern. Denken wir an Banken, das Rechtssystem, Parteien, Medien, etc. All diese Institutionen bündeln Vertrauen und sichern so soziale Handlungen zwischen Unbekannten ab.

Diese Institutionen allerdings erlangen durch ihre zentrale Rolle eine gewisse gesellschaftliche Macht. Diese Macht war schon immer der Dorn im Auge einer bestimmten Denkrichtung: der Libertären, oder auch Anarchokapitalisten. Sie glauben zum Beispiel, dass es keinen Staat geben solle, der sich in die Angelegenheiten der Menschen einmischt. Der Markt – als Summe aller Individuen, die miteinander handeln – solle das von sich aus regeln. Libertäre sind dementsprechend sehr kritisch gegenüber Institutionen wie Zentralbanken, die Währungen ausgeben. Die Zentralbanken – und überhaupt Banken aus der Gleichung zu streichen – ist schon der Grundgedanke hinter Bitcoin.

Hinter Blockchain verbirgt sich der libertäre Wunsch einer Gesellschaft ohne Institutionen. Statt Vertrauen in Institutionen sollen wir Vertrauen in die Kryptographie haben. Statt unserer Bank sollen wir auf die Unknackbarkeit von Verschlüsselung vertrauen, statt auf Uber oder einer Taxi-App sollen wir einem Protokoll vertrauen, das uns einen Fahrer zu vermittelt.

Deswegen ist Bitcoin und die Blockchaintechnologie so beliebt in der amerikanischen Rechten, die eine lange libertäre Tradition hat und den Staat ablehnt. Deswegen kommt sie auch bei Deutschen Rechten sehr gut an, zum Beispiel bei Alice Weidel von der AfD die nun die Keynote auf einer großen deutschen Bitcoin-Konferenz halten wird und ein eigenes Blockchainstartup gründet. Wer gegen „Lügenpresse“ und „Altparteien“ wettert, steht im Zweifel auch allen anderen Institutionen kritisch gegenüber.

Wenn man also in Blockchain investiert, macht man eine Wette gegen das Vertrauen in die Institutionen. Und das ist auch der Grund, warum diese Wette noch nicht ein einziges Mal gewonnen wurde. Denn die Ideologie des Anarchokapitalismus ist naiv.

Rein technisch kann eine Blockchain dasselbe, was jede Nullachtfuffzehn-Datenbank schon lange kann – tendenziell eher weniger. Das einzige Feature, das Blockchain auszeichnet, ist, dass niemand einer zentralen Instanz vertrauen muss. Statt einer Datenbank braucht es Millionen Datenbanken. Statt eine Transaktion einmal aufzuschreiben muss sie Millionen mal aufgeschrieben werden. All das kostet Zeit, Rechenkraft und Ressourcen.

Wenn man also die libertäre Grundannahme, dass die Menschen den Institutionen mißtrauen sollen, nicht teilt, dann ist die Blockchain nur die ineffzienteste Datenbank der Welt.